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Full text of "Samoafahrten. Reisen in Kaiser Wilhelms-Land und Englisch-Neu-Guinea in den Jahren 1884 u. 1885 an Bord des deutschen Dampfers "Samoa." Mit 85 Abbildungen nach Originalskizzen von Dr. Finsch, gezeichnet von M. Hoffmann und A. von Roessler, und 6 Kartenskizzen. Hierzu ein einzeln käuflicher "Ethnologischer Atlas, Typen aus der Steinzeit Neu-Guineas.""




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ß cc m c a ^ ä< cc E r f e n 



HauDcmann's 

Buchhandlung 
Berlin 

Friedrich«tr. 208. 



SAMOAFAHRTEN von Dr. 0. FINSCH. 



Digitized by the Internet Archive 

in 2011 witii funding from 

University of Toronto 



http://www.archive.org/details/samoafalirtenreisOOfins 




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SAMOAFAHRTEN, 

REISEN IN KAISER WILHELMS-LAND 

UND 

ENGLISCH-NEU-GUINEA 

IN DEN JAHREN 1884 u. 1885 

AN BORD DES DEUTSCHEN DAMPFERS „SAMOA" 

VON 

Dr. OTTO FINSCH. 



MIT 85 -^^Jf 2^^^«^^^ NACH OR^ VON Dh. FINSCH. GEZEICHNET VON 

M. HOFFMANN UND A. von ROESSLER, UND 6 KARTENSKIZZEN. 



HIERZU EIN EINZELN KÄUFLICHER 
„ETHNOLOGISCHER ATLAS. TYPEN AUS DER STEINZEIT NEU-GUINEAS" 

24 LITHOGR. TAFELN NACH ORIGINALEN GEZEICHNET VON O. UND E FINSCH 
MIT TEXT VON Dk. O. FINSCH. 




LEIPZIG, 

FERDINAND HIRT & SOHN. 
1888. 

.\LLE RECHTE VORBEHALTEN. 



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1117739 



Einleitune. 



Nur wenige Jahre find es her, dafs die früher vereinzelten Be- 
ftrebungen für Deutfchlands Kolonialbefitz immer mehr Anhänger 
fanden und fich, in den verfchiedenften Kreifen der Nation, wie 
in allen Teilen des Reichs, eine lebhafte und ernftgemeinte Bewegung 
dafür organifierte. Noch war es nicht ganz zu fpät! Und als, wie 
auf ein gegebenes Zeichen, europäifche Grofsmächte die letzten 
Refte fogenannten herrenlofen Landes zu verteilen begannen, da 
ging Deutfchland nicht leer aus. Dank der hervorragenden Macht- 
flellung durfte es feine Hand auf gewiffe Gebiete legen, in denen 
der deutfche Handel längft Fufs gefafst und eine zum Teil domi- 
nierende Stellung errungen hatte. Zu diefen Gebieten gehörte auch die 
Südfee, wo die Plantagen Samoas und zahlreiche Stationen auf meift 
herrenlofen Infein beredtes Zeugnis von der Energie deutfcher Kauf- 
leute ablegten, die an gar manchen Plätzen im friedlichen Wettftreitder 
Konkurrenz Sieger geblieben waren und das Feld allein beherrfchten. 
Aber bei dem heften Willen konnte der, mit fich felbft fchon zur Ge- 
nüge befchäftigte, Handel nicht auch zugleich für ausgedehnteren Kolo- 
nialerwerb forgen, fondern mufste fich darauf befchränken, folchen mit 
anbahnen zu helfen. Wenn daher in diefer Richtung die Löfung der 
fchwierigften Aufgabe überhaupt verfucht wurde, fo ift dies vor allem 
einem Manne zu verdanken, der fich fchon längft mit Plänen dafür 
befchäftigte, dem Geheimen Kommerzienrat Adolph von Hanfemann 



5 Einleitung. 

in Berlin, und einigen Gleichgefinnten, die mit für das nationale 
Unternehmen eintraten. 

Bald nach der Heimkehr von meiner faft vierjährigen Südfee- 
reife (Ende 1882) an den Vorarbeiten mitwirkend, wurde mir 1884 
der ehrenvolle Auftrag, die inzwifchen zur Reife gediehenen Pläne 
auszuführen, als Leiter einer erften Unterfuchungs-Expedition. Zu dem 
Zwecke war per Kabel in Sydney der britifche Schraubendampfer 
-Sophia Ann" erworben worden, welcher unter der neuen Flagge den 
Namen .Samoa"*) erhielt. Zur Führung desfelben konnte ich einen 
erprobten Vertreter unferer Handelsmarine empfehlen, den Kapitän 
Eduard Dallmann aus Blumenthal bei Bremen, rühmlichfl bekannt 
durch feine glücklichen Fahrten als Whaler im Pacific, wie in unbe- 
kannten Gewäffern des arctifchen und antarctifchen Ozeans. Der 
vielerfahrene Schiffer bewährte auch auf diefen Reifen feinen alten 
Ruf, und wenn die -Samoa" mancherlei Fährlichkeiten, an rififreichen 
unbekannten Küften, entging, fo ift dies, wie die Erfolge der Expe- 
dition überhaupt, der gefchickten und vorfichtigen Führung von 
Kpt. Dallmann zu danken**). Mit ihm langte ich am 29. Juli (1884) 
in der Hauptftadt von Neu -Süd -Wales an, wo unfer erfter Befuch 
natürlich der Samoa in Johnsons Bai galt. Da der Dampfer bisher 
Paffagierdienft verfehen hatte, mufsten mancherlei Veränderungen 
vorgenommen werden, fo dafs wir erft am 11. September Sydney 



*) Die noch jetzt in Dienften der Neu-Guinea-Kompagnie thätige »Samoa« ifl ein 
fehr ftark gebautes, hölzernes, gekupfertes Schift. Nach dem Flaggenattefl; wurde es 
1883 in Tomalei (Neu-Süd-Wales) erbaut; die Länge beträgt 121, die Breite 21, die 
Tiefe 8 Fufs (engl.), der Raum iii Tons reg. {= 164 grofs), die Mafchine hat 35 
Pferdekraft (nom.). 

**) Da in Sydney SchifTsoffiziere deutfcher Nationalität nicht immer zu haben find, 
fo hatte Kapitän Dallmann gleich einen erften Steuermann, Hinrich Sechftroh aus War- 
tleth an der Wefer und einen erften Mafchinift, Laars Nielsen aus Flensburg, mitgebracht. 
Die übrige Mannfchaft (zweiter Steuermann, zweiter Mafchinift, Koch, 4 Matrofen, 3 
Heizer und ein Junge) zufammen 14 Perfonen, (mit Ausnahme eines Matrofen) alles 
Deutfche, wurde in .Sydney angemuftert. 



Einleitung. 7 

verlaffen konnten. Nachdem wir zunächll: Mioko, in der Herzog- 
York-Gruppe (Neu Lauenburg) erreicht und hier das fchvver beladene 
Schiff von Vorräten erleichtert hatten, waren wir endlich fo weit, 
um mit den eigentlichen Zwecken und Zielen der Expedition zu 
beginnen. Sie gipfelten in den folgenden Hauptpunkten: »Unter- 
fuchung der unbekannten oder weniger bekannten Küflen Neu 
Britanniens, fowie der Nordküfte Neu Guineas bis zum 141. Meridian, 
um Häfen ausfindig zu machen, mit den Eingeborenen freundlichften 
Verkehr anzuknüpfen und Land im weiteften Umfange zu erwerben«. 
Diefen, gewifs nicht ganz fo leichten Aufgaben ifl, foweit es Mittel 
und Umflände erlaubten, nach beflen Kräften entfprochen worden. 
In Zeit von neun Monaten unternahmen wir fechs Reifen nach Neu 
Guinea, dampften längs des gröfsten Teiles der Nord- und Südküfle 
Neu Britanniens und befuchten Neu Irland vier mal. Von den nahe- 
zu taufend Meilen Küfte, welche die Samoa, allein in Neu Guinea 
befuhr, gehörten nur 260 Meilen zu den beffer bekannten. Aber 
eine faft ebenfo lange noch unbekannte Strecke konnte als frei für 
Schifffahrt, für letztere aufserdem Heben Häfen und ein fchiffbarer 
Strom, nachgewiefen werden. Ausgedehnte Striche fruchtbaren Lan- 
des, für Kulturen, Viehzucht, wie Anfiedelung überhaupt gefchickt, 
wurden aufgefunden, zum Teil gleich erworben und überall mit den 
Eingeborenen friedlicher und freundlicher Verkehr eröffnet. Als 
daher deutfche Kriegsfchiffe Anfang November 1884 im Archipel 
von Neu Britannien im Namen Seiner Majeftät des deutfchen Kaifers 
die Reichsflagge hifften, konnten fie diefen feierlichen Akt auch gleich 
in Neu Guinea vollziehen. Die weitere Entwickelung ifl; bekannt. 
Wie zu erwarten, einigten fich Deutfchland und Grofsbritannien über 
die Grenzen, und »Kaifer Wilhelms-Land« und der »Bismarck-Ar- 
chipel« gingen laut Kaiferlichen Schutzbrief vom 17. Mai 1885 in 
die Verwaltung und den Befitz der »Neu Guinea Kompagnie« in 



S CH-NESJ- G^ INE 











Einleitung. g 

Berlin über. Diefe neuen Schutzgebiete, die fpäter noch durch einige 
der weftlichen Salomons-Infeln Zuwachs erhielten, umfafsen (ohne 
die letzteren) ein Areal von 231,427 qkm '= 4203,13 d. g. [jM.), re- 
präfentieren daher ein refpektables Befitztum, wenig kleiner als die 
alten Provinzen des Königreichs Preufsen (ohne Schlefien). 

Die Erlebniffe der »Samoafahrten«, ihre Ergebniffe und Ent- 
deckungen in zufammenhängender Form in Wort und Bild zu fchil- 
dern ifl der Zweck diefes Buches. Es wird, nach den unmittelbaren 
Eindrücken und Beobachtungen, wie ich fie an Ort und Stelle nieder- 
fchrieb, ausgearbeitet zum erftenmale^), über Land und Leute längs 
wenig bekannter, zum Teil neu erfchloffener Küften eingehendere 
Kunde bringen, und fo manches Stück ernften und heiteren Südfee- 
lebens kennen lehren. Die reiche illuftrative Ausftattung, durchaus auf 
Grundlage eigener Aufnahmen beruhend, ift der befonderen Fürforge 
des Herrn Verlegers zu danken, und wird gewifs willkommen fein. 
Wenn die Rekognoszierungsfahrten der Samoa fomit wefentliche 
Lücken der Kenntnis Neu Guineas ausfüllen helfen und fchon da- 
durch allgemeines Intereffe bieten, fo im befonderen für Deutfchland, 
das bisher über die drittgröfste Infel der Welt und ihr dortiges 
Befitztum kein Originalwerk befafs. 

Als ein weiterer Beitrag und zur Ergänzung des erzählenden 
Teiles ift ein ethnologifcher Atlas beigegeben, welcher uns »Typen 
der Steinzeit« vorführt, jener hochintereffanten Periode, die auch in 
Neu-Guinea unaufhaltfam ihrem Ende entgegengeht. Denn überall, 
wo fich der Weifse dauernd feftigt, verfchwindet die Originalität der 



*) Bisher wurden von mir nur publiziert: I. Die kurzen Berichte in »Nachrichten 
über Kaifer Wilhelms-Land« (2. 3. u. 4. Heft 1885); 2. Sechs Auffätze in der »Garten- 
laube« (1886 So. 5, II. 21 u. 1887 No. 18, 28 u. 33); 3. Ein Auffatz in »Über Land 
u. Meer« (Xo. 19, 1888). — Das dankenswerte Intereffe des Herrn Verlegers hat die 
trefflichen Holzfchnitte aus den obigen Artikeln der Gartenlaube (von A. v. Röfsler) durch 
Erwerbung für diefes Buch zu fichern gewufst. 



TQ Einleitung. 

Eint^eborenen. Durch eigene Erfahrung von diefer Thatfache über- 
zeugt, bemühte ich mich, überall wo es anging, Belegftücke für die 
Wiffenfchaft zu fichern. Die »Samoafahrten« find daher auch für die 
Völkerkunde erfpriefslich geworden und führten u. A. dem Kön. 
Mufeum in Berlin*) über 2000 Stücke zu. Die ausgewählten Typen 
des Atlas veranfchaulichen Erzeugniffe, die für die Intelligenz, den 
Kunftfleifs und den Schönheitsfinn der Papuas beredtes Zeugnis ab- 
legen, und, in Anbetracht der geringen Hilfsmittel der Steinperiode, 
ganz befonderes Intereffe, nicht feiten Bewunderung verdienen. 



*) Vergl. »Katalog der ethnologifchen Sammlung der Neu-Guinea-Compagnie, aus- 
geftellt im Kön. Mufeum für Völkerkunde« (Berlin 1886) und daffelbe »Katalog 11«. 



Inhaltsverzeichnis. 

Seite 

Einleitung 5 

Elftes Kapitel. 

Von Sydney nach Mioko 17 

Zweites Kapitel. 

Aftrolabe-Bai 28 

Drittes Kapitel. 

Friedrich -Wilhelms -Hafen 70 

Viertes Kapitel. 

Längs der Maclayküfte 112 

Fünftes Kapitel. 

Vom Mitrafels bis Finfchhafen 136 

Sechftes Kapitel. 

Englifches Gebiet 194 

I. Trobriand 205 

II. D"Entrecafleaux-Infeln . . * 210 

in. Oftkap bis Mitrafels 230 

IV. Milne-Bai bis Tefte-Infel 262 

Siebentes Kapitel. 

Kaifer Wilhelmsland 288 

I. Längs der unbekannten Nordküfte 288 

IL Humboldt-Bai und heimwärts 347 

Regifter 380 



Verzeichnis der Illustrationen. 



Seite 

1. Dr. Otto Finfch (Titelbild) — 

2. Die Samoa (Separatbild) 6 

3. Ausguck 17 

4. Frauen von Bongu (Aflrolabe Bai) 40 

5. Häufer mit Barla in Bongu 46 

6. Telum Mul in Bongu 49 

7. Papuafchweine 52 

8. Papuahund 53 

9. Aufbruch zum Fefle (Aftrolabe-Bai) 55 

10. Aimaka, am Dfchelum auf Bilibili 73 

11. Dfchelum, Tabuhaus auf Bilibili (Separatbild) 74 

12. Krieger von Bilibili 76 

13. Töpferin auf Bilibili 82 

14. Handels-Kanu, von Bilibili 84 

15. Stutzer von Grager, Friedrich Wilhelms-Hafen 87 

16. Hanfemann-Berge, aus Nordofl 100 

17. Haus auf Tiar, Prinz Heinrich-Hafen 10 1 

18. Tabuplatz auf Tiar, Prinz Heinrich-Hafen 103 

19. Junges Mädchen, Friedrich Wilhelms-Hafen 108 

20. Teraflenland mit Bafiliskfchlucht, Maclayküfte 122 

21. Kanzel und Bienenkorb, Maclayküfte 126 

22. Feftungshuk, Maclayküfte 128 

23. Aufhiffen der Reichsflagge in Mioko (Separatbild) 140 

24. Herculesflufs, Hercules- Bai 146 

25. Mitrafels aus Nordweft 151 

26. Adolphshafen mit Ottilienberg 153 

27. Mann von Parfihuk, Huon-Golf 155 

28. Häuptlings-Haar, Huon-Golf 157 

29. Finfchhafen aus Süd 161 

30. Moru in Finfchhafen (Separatbild) 162 

31. Haus mit Grab (Vorderfeite), Finfchhafen 173 

32. Haus (Rückfeite), Finfchhafen 174 

33. Gabiang (Vorderfeite), Holzfigur in Ssuam 175 

34. Gabiang (Rückfeite), Holzfigur in Ssuam 176 



14 



Verzeichnis der lUuflrationen. 



Seite 

35. Im Dorf Ssuaru, Finfchhafen (Separatbild) 176 

36. Scheinangriff, Finfchhafen 178 

37. Häuptling von Finfchhafen 179 

38. Kanu von Weihnachtsbucht, Normanby 214 

39. Häufer in Weihnachtsbucht, Normanby 217 

40. Kanuhaus auf Goulvain, Dawfonftrafse 224 

41. Häufer auf Ferguffon-Infel 227 

42. Oflkap aus Nordweft 231 

43. Catamarans (Oftkap) 232 

44. Junger Mann von Bentley-Bai 235 

45. Haus in Bentley-Bai 237 

46. Fingerfpitze, Chads-Bai 241 

47. Drachenfels in Bartle-Bai 244 

48. Pyramidenhügel in Goodenough-Bai 245 

49. Kap Vogel aus Süd 248 

50. Trafalgar-Berg (bei Kap Nelfon) 249 

51. Familienhaus in Hihiaura, (bei Oftkap) (Separatbild) 250 

52. Station Blumenthal, (bei Oftkap) 256 

53. Miffionsftation Aroani, Killerton-Infeln (Separatbild) 262 

54. Vor der Kirche Aroani (Separatbild) 266 

55. Kirärauchen, Dinner-Infel (Samarai) 268 

56. Baumhaus in Milne-Bai 272 

57. Tätowierte Frau von Rogia (Heath-Infel) 278 

58. Glockenfels 279 

59. Häufer und Grab auf Tefte-Infel 280 

60. Junges Mädchen von Tefte-Infel 283 

61. Junger Mann von Tefte-Infel 283 

62. Aufgezeichnete Tätowierung Tefte-Infel 284 

63. Mann im Kanu, Venushuk 292 

64. Bewohner der Hanfemannküfte (Hammacherflufs) 299 

65. Häuptling vom Capriviflufs 302 

60. Kopfbedeckung in Dallmannhafen 306 

67. Haus in Gaufsbucht 308 

68. Tabuhaus in Rabun, Gaufsbucht 310 

69. Mann von Guap-Infel 317 

70. Auf Palmblättern in See (Tagai) 323 

71. Haartracht eines Häuptlings von Tagai 325 

72. Gefeffeltes Schwein 327 

73. Langenburg-Spitze, Torricelli-Gebirge 329 

74. Eingeborener von Maffilia, Finfchküfte 333 

75. Ziernarben ... 334 

76. Kap Concordia und Berg Bougainville 335 

77. Krieger von Angriffshafen 337 

78. Auf Baumwurzeln am Sechftroh 344 

79. Einfahrt in Humboldt-Bai, aus Oft 349 

80. Pfahldorf Tobadi, Humboldt-Bai (Separatbild) 352 



Verzeichnis der lUuftrationen. i 



Seite 
8i. Damen von Humboldt-Bai 354 

82. Tabuhaus in Tobadi (Separatbild) 358 

83. Tätowierte Frau, Humboldt-Bai 362 

84. Infel Blofseville aus Weft 365 

85. Hanfa- Vulkan aus Wea (Separatbild) 366 



Karten. 



1. Überfichtskarte von Neu-Guinea und dem Bismarck- Archipel 8 

2. Aftrolabe-Bai und Maclayküfte 30 

3. Friedrich Wilhelm- und Prinz Heinrich-Hafen 93 

4. Kartenfkizze vom Huon-Golf 143 

5. Finfchhafen 163 

6. Nordküfle von Kaifer Wilhelms-Land 290 



Abbildungen des Ethnologischen Atlas: 

„Typen aus der Steinzeit Neu-Guineas". 



Steingerät (Äxte und Axtklingen). 
Häufer (Grundriffe). 

Hausgerät (Kopfftütze, Haken, Schüffein). 
Töpferei (Töpfe, Töpfebrennen, Werkzeuge). 
Verfchiedenes Gerät (Kalkkalebaffe, Spatel, Schaber). 
Kanus (Konflruktion, Ruder). 
,, (Schnitzerei, Verzierungen). 
,, (Segel, Maftverzierungen). 
Fifchereigerät (Falle, Haken, Schwimmer). 
Strickereien (Tragbeutel und Mufler). 
Waffen (Speerfpitzen, Wurfflock, Keulen, Dolch). 

(Schilde). 
Mufikinftrumente (Trommeln, Flöte). 
Masken (und Amuletmasken). 
Tabu (gefchnitzte Figuren, fogenannte „Götzen'"). 
Bekleidung (Tapabinden von Männern, Grasröcke für Frauen). 
Schmuck (Kämme, Haarbinden, Ohrringe). 

„ (Haarkörbchen, Kniebinde, Armbänder). 

,, (Gravierungen von Schildpatt- und Mufchelarmbändern). 

„ (für die Nafe). 

(für Hals und Bruft). 
„ (Bruft-Karapffchmuck). 

( „ .. ). 

„ (Leibfchnüre). 



Tafel 


Fig. 


I I 


— 8. 


II I 


^ 


III I 


— 4- 


IV I 


- lO. 


V I 


— 8. 


VI I 


— 8. 


VIT 1 


— 9- 


VIII 1 


— lO. 


IX 


[— 9. 


X 


I— 4- 


XI 


t— 7- 


XII 


[ 2. 


XIII 


[- 5- 


XIV 


I— 4. 


XV 


I— 8. 


XVI 


I— 9. 


xvn 


I— 8. 


XVIII 


I- 5- 


XIX 


1— 4. 


XX 


I— 8. 


XXI 


I- 5- 


XXII 


I— 6. 


XXIII 


I — 2. 


XXIV 


I— 8. 



Diefer Atlas ift gebunden in Halbfranz zum 
Preife von i6 M. einzeln käuflich. 



Erftes Kapitel. 



Von Sydney nach Mioko. 

Abreife von Sydney. — Schlechter Willkomm in See. — Tierleben. — Schwalbenfturm- 

vogel. — Der ausdauerndfte Flieger. — Temperaturveränderungen. — Mioko. — Ra- 

lum-Plantation. — Handel im Bismarck-Archipel. — Traderflationen. — ,,Labourtrade". 

— Maffacres. — Kopra. — Handelsflotte. — Rückfehritte der Eingeborenen. 




Es war faft dunkel ge- 
worden, als wir aus dem ge- 
waltigen und impofanten Fel- 
fenthor des Sydney -Hafens, 
den »Heads«, in den »Stillen 
Ozean« eintraten, der fich in- 
des gar nicht ftill zeigte. 
Mächtige Wogenberge, deren 
weifse Schaumköpfe, auch im 
Zwielicht erkennbar, unheim- 
lich leuchteten, empfingen den 
kleinen Wagehals Samoa recht 
Au:,guck. unwirfch, als wollten fie ihm 

den Garaus machen. Welle über Welle ergofs fich über das ohne- 
hin fafl zu fchwer beladene Schiff, deffen Deck fchon bei ruhiger 
See den Wafferfpiegel kaum fechs Fufs überragte und faft fort- 
während überfchwemmt wurde. Oft fehlen das Schiff mehr unter als 

Finfch, Samoafahrten. 2 



tO Erfles Kapitel. 

über Waffer zu gehen. Unfere Schafe mufsten in der kleinen Kajüte 
unter<7ebracht werden , um fie vor dem Schickfal der Infaffen des 
Hühnerkaftens, dem Ertrinken, und für die Tafel zu retten. In der 
Kajüte felbft ging es drüber und drunter: überall Bewegung und 
Geklapper! Waffen und andere an den Wänden aufgehängte, aber 
noch nicht feeklar befeftigte Gegenftände pendelten hin und her, 
Schubladen öffneten und entleerten ihren Inhalt von selbst, ja 
fchwere Kiflen tanzten luftig von einer Seite zur anderen, kurzum 
es war eine heillofe Wirtfchaft. 

Da hatte ich denn alle Hände voll zu thun, um wenigftens den 
Inhalt der Pantry, Porzellan und Glas, vor völligem Untergange zu 
fiebern, denn unfer Steward lag hilflos an der Seekrankheit danieder, 
und die übrige Mannfchaft hatte andere, wichtigere Dinge zu thun. Es 
ftellte fich nämlich heraus, dafs die Luke zur Mafchine nicht dicht hielt 
und jede Welle diefem Raum Waffer zuführte, das felbst durch an- 
geftrengtes Pumpen fich nicht verminderte, weil die letzteren verftopft, 
ihren Dienft verfagten. Da mufsten denn Eimer zu Hilfe genommen 
werden, bis es nach achtzehnftündiger harter Arbeit gelang, des 
Waffers im Räume Herr zu werden. 

Im übrigen verlief die Reife ohne befondere Zufälle in gewohnter 
Einförmigkeit des Seelebens und der See felbft, die wie ich fchon 
aus Erfahrung wufste, in diefen Breiten wenig bietet und je näher 
dem Aequator immer ärmer wird. Vergebens fpäht man nach Wal- 
tieren und ift fchon zufrieden, wenn gelegentHch Scharen luftiger 
Delphine das Schiff eine Zeitlang umfpielen, oder fliegende Fifche 
ihr Element verlaffen, um nach kurzer Luftreise wieder in daffelbe 
einzutauchen. 

Am häufigften zeigte fich noch die Vogelwelt; aber auch von ihr 
liefs fich oft einen ganzen Tag lang kaum ein Vertreter fehen. Alba- 
troffe, die charakteriftischen Erfcheinungen des füdlichen Halbrunds, 
welche in drei Arten (Diomedea melanophrys, culminata und exulans) 
noch aufserhalb Sydney-Hafens das Meer belebten, waren immer fel- 
tener geworden und verhefsen uns mit etwa dem 25. Breitengrade Süd 
ganz. Dunkle Meerfchwalben (Sterna fuliginosa. und Noddies (Anous 



Von Sydney nach Mioko, 

stolidus), von welchen einzelne der letzteren zuweilen nächtlich auf 
den Schiffsmaften einen Ruheplatz fuchten, waren im ganzen nicht 
häufig, wie Tropikvögel, jene charakteriftischen Vogelgeftalten der 
Meere zwii^hen den Wendekreifen. Wir hatten den des Steinbocks 
langft paffiiert ohne einen Tropikvogel gefehen zu haben, und erft 
unterm 12. Breitengrade wurde ein einzelner (Phaeton aethereus be- 
obachtet, der wie faft immer durch feine eigentümlichen kreifchenden 
Stimmlaute die Aufmerkfamkeit erregte. Aus der artenreichen 
Famihe der Sturmvögel (Procellaridae) liefs fich nur feiten ein Puf- 
finus oder Taucherfturmvogel blicken, der, meift in weiter Ferne 
einfam über die Wogen ftreifte, bald in einem Wogenthaie ver- 
fchwmdend, bald über dem Scheitel der Welle fchwebend, diefelben 
gleichfam mähend, wie dies der englifche Name »shear^vater« fo 
treffend bezeichnet. Nur einer der kleinften Vertreter der Familie, 
em Schwalbenfturm- oder Petersvögelchen (engl. Petrel) blieb der 
faft ftete Begleiter des Schiffes, und wenigftens einige Pärchen des- 
lelben konnte man immer im Kielwasser beobachten. Es war dies 
die weit über die Südfee verbreitete Thalassidroma grallaria, ein 
kaum ftargrofses, dunkelgefärbtes Vögelchen, eine gar "liebliche Er- 
fcheinung jener ozeanen Breiten. Mit ausgebreiteten Flügeln faft 
ohne diefelben zu bewegen, fchweben diefe Vögel fo nahe über der 
Woge, dafs fie auf derfelben fcheinbar hüpfen und man fie jeden 
Augenblick erfafst glaubt. Aber nur zuweilen berühren die Zehen- 
fpitzen der ausgeftreckten Ständer das Wasser, während die Flügel 
demfelben ftets mit bewundernswerter Gefchicklichkeit auszuweich^en 
^^'lffen. Ja, diefe Sturmvögelchen tragen die Beziehung zum Namen 
»Schwalbe« mit Recht. Denn ähneln fie den letzteren auch nur 
fcheinbar in der Form ihrer Flug^verkzeuge, fo übertreffen fie die- 
felben doch noch bedeutend in Flugkraft und Ausdauer. Nie, so oft 
ich auch früher und fpäter Gelegenheit hatte, diefe Vöglein zu be- 
obachten, nie fah ich fie ausruhen, ftets waren fie lebendig und je 
mehr die See unruhig, um fo lebhafter, ja foweit die einbrechende 
Dunkelheit dem Auge zu fehen erlaubte, immer noch erfchaute es 
die lieblichen Geftalten über die Wogen hüpfend. Ich wüfste in der 



20 Erftes Kapitel. 

That keinen Vogel, der fich in Ausdauer des Flugvermögens mit 
diefem zu meffen vermöchte, denn felbfl der gewaltige Albatrofs 
fcheint ihm gegenüber ein Stümper. Und von was nähren fich diefe 
kleinen Ozeanbewohner? Zwar verfammeln fie fich an über Bord 
geworfenen Küchenreften, aber nie fah ich fie wirklich mit dem 
Schnäbelchen etwas aufpicken, und Exemplare felbft erhielt ich nicht. 
Wer wollte auch diefen trauten Begleitern über das unendliche 
Wogenmeer des Ozeans ein Leid anthun? Sind fie es doch, die in 
die Meeresöde wenigflens einiges Leben bringen und deren bewun- 
dernswerten Spielen man nicht müde wird zuzufchauen. 

Die angenehme bekömmliche Temperatur des auftralischen 
Winters hatte fich allmählich geändert und die Tropen fingen an, fich 
bemerkbar zu machen. Unterm 25. Grade (südlicher Breite) zeigte 
das Thermometer in der Kabine noch 15** Reaum.; drei Tage fpäter 
war es fchon um 4 Grad gefliegen und nach weiteren fünf Tagen 
um 6 Grad mehr, fo dafs es in der kleinen Kajüte recht ungemüt- 
lich warm wurde. Wir kamen eben immer tiefer in die Tropen 
hinein, und bald zeigten fich die mir wohlbekannten Landmarken 
unferes Reifezieles: zuerft die hohen in Wolken gehüllten Berge der 
Südfpitze Neu-Irlands, fpäter Neu-Britannien mit dem Berg Beau- 
temps-Beaupre, der Südtochter und Mutter. Wir waren fomit im 
St. Georgs-Kanal, der breiten Meeresfirafse, welche die beiden Haupt- 
infeln des Bismarck- Archipel, Neu-Britannien und Neu-Irland, oder 
wie fie jetzt heifsen: Neu-Pommern und Neu-Mecklenburg, trennt, 
und näherten uns dem erften Haltepunkte, der Infel Mioko. Am 
fünfzehnten Tage ihrer Abreife von Sydney ging die Samoa hier 
glücklich zu Anker und hatte mit diefer erften Reife von ca. 2000 
Meilen*) zwar ihre Seetüchtigkeit bewiefen, zugleich aber auch, dafs 
fie kein folcher Schnelldampfer war, wie fie nach dem Certifikat fein 
follte und wie es für ein Expeditionsfchifif zu wünschen gewesen 
wäre. Statt der angeblichen 11 Meilen in der Stunde waren im 
günftigflen Falle mit Dampf und Segeln zufammen kaum acht erzielt 



*) Alle Entfernungen find nach Seemeilen, 4=1 geogr. Meile gerechnet. 



Von Sydney nach Mioko. 2l 

worden, aber immerhin kamen wir, auch bei ungünftigen Verhält- 
niffen, vorwärts, wenn auch langfam. Solche ungünstige Verhält- 
niffe bietet gerade der St. Georgs-Kanal fehr häufig in Windftillen 
und Strom, welche Segelfchiffe hier zuweilen über Gebühr zurück- 
halten. So brauchte z. B. das deutfche Schiff »Sophie« von Sydney 
bis zum Kap St. George, der Südfpitze Neu -Irlands, nur i8 Tage, 
von hier bis Mioko, eine Strecke, die nur 45 Meilen beträgt und die 
wir mit der Samoa fchlimmflen Falls in 8 Stunden zurücklegten, 
21, fchreibe einundzwanzig Tage! Anderen Schiffen erging es noch 
fchlechter! Die Bark »Etienne«*) kreuzte Ende 1877 30 Tage im 
Kanal und ein Schuner mufste fchliefslich wieder nach Mioko zu- 
rückkehren, weil der Proviant zu Ende ging. 

Mioko ift eine der kleineren Infein von den dreizehn, welche 
die Herzog York-Gruppe, neuerdings »Neu-Lauenburg« umgetauft, 
bilden und kaum mehr als einen Quadratkilometer grofs, aber wegen 
feines trefflichen Hafens wichtig. Es hatte fich feit meinem letzten 
Hierfein, kaum zwei und ein halbes Jahr her, gar manches verändert. 
Ich vermifste zunächft die frühere Godeftroyfche Station an der 
gewohnten Stelle; kaum dafs fich noch erkennen liefs, wo die Häufer 
geflanden. Die letzteren waren mit der früheren Station des Eng- 
länders Thomas Farrell vereint von der »Deutfchen Handels- und 
Plantagen-Gefeilschaft der Südfee-Infeln zu Hamburg« übernommen 
worden, welche das Farellfche Befitztum gekauft und es diefem er- 
möglicht hatte, 1883 in Blanche-Bai, auf dem Fefllande Neu-Britan- 
niens, die »Ralum-Plantation« zu gründen, das erfte derartige Unter- 
nehmen im Bismarck-Archipel überhaupt. Ich befuchte die fehr gut 
gehaltene, freundliche Anlage, die mancherlei Reminiscenzen an das 
abenteuerliche Kolonialunternehmen des Marquis de Rays (1879 
bis 1883) aufzuweifen hat. Das ftattliche aus Wellblech errichtete 
Koprahaus ftand früher in der „Baie Frangaise", das Büffet im Wohn- 
haufe war der einftige Altar der Kirche in Port Breton, zu welcher 



*) Powell läfst diefes Schiff gleich ,,3 Monate"' lang gegen den Strom ankämpfen, 
um eine Diftanz von 20 M. zu überwinden. 



22 Erftes Kapitel. 

fromme Gemüter in Frankreich die Mittel hergaben. Diefer Altar 
hatte indes nie feinem heiligen Zwecke gedient, denn die Kirche 
war nicht gebaut worden und figurirte nur auf dem Papier. Statt 
Mefsgefäfsen zeigte der Altar jetzt in äufserst profaner Weife Gin- 
und Whiskyflafchen, eine Beftimmung welche die gläubigen Stifte- 
rinnen gewifs niemals für möglich gehalten haben würden. 

Was die Pflanzung felbft anbelangt, fo fand ich eine ziemliche 
Fläche mit bereits tragender Baumwolle bell;ellt, fowie den Verfuch 
einer Kafifeeplantage in ein paar Beeten mit wenigen Zoll hohen 
Kaffeepflänzchen. In dem etwas früher von Farrell ausgegebenen 
Profpekt der: »Weflern Pacific Plantation and Trading Co.«, welche 
in Auftralien mit einem Grundkapital von 40000 £ in shares von 
500.^. auf feinem Befitztum gegründet werden follte, wurden loo Acres 
mit »Sea-Island-Cotton« und als neu gepflanzt 5 Acres Kaffee und 
2 Acres Aloe angegeben. Späteren Nachrichten zufolge hat die 
Ralum-Plantage jetzt »200 bis 250 preufsische Morgen unter Baum- 
wollenkultur und 8 Morgen mit Kaffeepflanzungen befetzt«, über 
Erträge verlautet aber noch nichts. Der unermüdliche Farrell war 
übrigens abwefend und in San Francisco, um diesmal in Amerika 
Tntereffe für feine Unternehmungen zu gewinnen. Er kehrte von 
dort im folgenden Jahre nicht allein mit einem Dampfer (120 Tons) 
und zahlreichen Tradern (Kleinhändlern) zurück, fondern war über- 
dies »amerikanifcher Bürger« geworden, um den Plackereien der eng- 
lifchen Gefetze bezüglich der Arbeiteranwerbungen zu entgehen. Die 
anglo-amerikanifche Firma machte alfo den deutfchen bedeutend 
Konkurrenz, wenigftens damals, aber inzwischen mögen fleh die Ver- 
haltniffe wohl geändert haben, wie dies namentlich in der Südfee 
fo häufig der Fall ist. Mit Ausnahme der eben genannten Firma 
ifl: der Handel im Bismarck-Archipel, wie dem weftlichen Pacific 
überhaupt, lediglich in deutfchen Händen und zwar der beiden Ham- 
burger Häufer: »Robertfon u. Hernsheim« und der fchon erwähnten 
»Handels- und Plantagen-Gefellschaft«, fowie Friedrich Schulle in 
Neu-Irland. Dem feiner Zeit so mächtigen Haufe Johann Cesar 
Godeffroy u. Sohn in Hamburg gebührt übrigens das Verdienft, 1874 



Von Sydney nach Mioko. 23 

zuerft Stationen in diefem Gebiete gegründet zu haben. Wie überall 
in der Südfee machte nur allein der Reichtum an Kokosnüffen, 
welche gefchnitten und getrocknet den jetzt bekannten Exportartikel 
Kopra liefern, die Gründung folcher Stationen überhaupt möglich, 
und diefes Naturprodukt ifl immer noch das einzige von Bedeutung 
geblieben. Wie Mioko für die Handels- und Plantagen-Gefellfchaft, 
so ifl: Matupi, auf der kleinen Henderson-Infel in Blanche-Bai, die 
Centralflation für das Konkurrenzhaus. Zweigftationen sind an der 
Küfte errichtet, aber gegenüber dem Ganzen hat der Handel übrigens 
nur in engbegrenzten Gebieten Fufs gefafst. In Neu-Britannien find 
es die Küften von Blanche-Bai etwas füdlich über Kap Gazelle 
hinaus, die äufserfle Nordoftküfte weftlich bis \\'eberhafen, in Neu- 
Irland die äufserfle Nordweflecke von der Infel Nusa bis Langune- 
bange, ein Strich von ca. 25 Meilen, welche eine befchränkte Anzahl 
folcher kleinen Handelsplätze, Traderftationen genannt, aufweifen. 
Im Jahre 1885 befaffen die beiden deutfchen Firmen in Neu-Britan- 
nien je 6 bis 7 Traderftationen, Farrell vier, in Neu-Irland gab es 
drei, gegenüber 10 im Jahre 1881. Das letztere Gebiet war fafl aus- 
fchlieffend in Händen von Friedrich Schulle auf Nusa, der früher 
als Gefchäftsführer von Hernsheim zuerft mit Stationen in Neu-Irland 
gründete. Gerade in diefem Gebiete wechfeln die Stationen, wie 
ihre Leiter, die Kleinhändler oder Trader, welche den Einkauf von 
Kopra beforgen. am meiflen, und eine kurze Spanne Zeit bringt oft 
grofse Veränderungen. Hier mufs eine Station aufgegeben werden, 
weil der Trader am Klimafieber flarb, erfchlagen oder verjagt wurde, 
dort wird eine andere von den Eingeborenen angezündet, als Re- 
preffalie gegen »gekochte«, d. h. seitens Weisser niedergebrannter 
Hütten, oder fie wird freiwillig verlaffen, weil fie fich nicht bezahlt 
macht. Das klingt freilich ziemlich entmutigend, ifl: aber in W'ahr- 
heit nicht fo fchlimm, denn eine Traderflation ifl leicht errichtet 
und man mufs fich von einer folchen keine grofsen Vorflellungen 
machen. Mit Proviant im Werte von 300 Mark zu Sydney-Preifen 
und ebenfoviel für Taufchwaren ifl fie meifl ausgerüflet , und zum 
Aufbau läfst fich einheimifches Material trefflich verwenden. Handelt 



24 Erftes Kapitel. 

es fich doch im wefentlichen um ein kleineres, höchft befcheidenes 
Wohn- und gröfseres Koprahaus, einen Zaun und ein paar eiferne 
Wafferb ehälter (tanks), da alle diefe Stationen, die Hauptftationen 
in Matupi und Mioko nicht ausgefchloffen, für ihren Bedarf an 
Trinkwaffer, fowie zum Schififsgebrauch, nur auf Regen angewiefen 
find. Als Trader eignen fich am heften Seeleute, die an Salzfleifch 
gewöhnt, keine grofsen Anfprüche machen und mit einem Segelboot 
umzugehen verftehen, da fich nur mit folchen die Küüe erfolgreich 
bearbeiten läfst. Der Handel ifl felbftredend nur Taufchhandel, und 
amerikanifcher Stangentabak (Nigger-head), Beile, Meffer, Angel- 
haken, Glasperlen und einige andere Kleinigkeiten find die Hauptartikel 
zum Ankauf von Kokosnüffen oder Kopra, da jetzt Gewehre und 
Schiefsbedarf, welche früher am meiften begehrt waren, verboten 
find. Diefes Verbot erftreckt fich glücklicherweife auch auf das 
Anwerben von Eingeborenen als Arbeiter, die fogenannte „Labour- 
trade", welche in diefen Gebieten wie überall, foviel Unheil anrichtete 
und wefentlich mit zu den blutigen Zwiften mit den Eingeborenen 
beitrug, an denen keineswegs immer die letzteren fchuld waren. 
Während meines früheren achtmonatlichen Aufenthaltes*) in Neu- 
Britannien wurden in meiner Nachbarfchaft allein fünf Weifse er- 
schlagen, die wie fpäter Theodor Kleinfchmidt auf Mioko ihrSchickfal 
provozirt hatten. Nachweislich ift übrigens bis jetzt im Bismarck- 
Archipel kein Weifser verzehrt worden, wenn auch die Eingeborenen 
noch heut Kannibalen find, wie ich noch l88i mit eigenen Augen fah**). 
Seitdem der erfte Trader den Boden Neu-Britanniens betrat und den 
erften Eingeborenen erfchofs, um damit die hier geltenden Rechte 
der Blutrache einzufetzen, ift gar viel Blut im Bismarck- Archipel 
gefloffen und Mord von beiden Seiten verübt worden. Der im Jahre 
1878 unter der Aegide der Weysleyanischen Miffion, oder vielmehr 



*) ^ ergleiche meine Original-Mitteilungeu, die in den „Hamburger Nachrichten" 
unter dem Titel ,,Aus dem Pacific. IX. Neu-Britannien' (30. Juni, i., 2. u. 4. Juli) er- 
fchienen. 

**) Vergl. ,,Menfchenfreffer in Neu-Britannien": Illuftrirte Zeitung 17. November 
1883 mit Bild. 



Von Sydney nach Mioko. 25 

des Rev. George Brown, unternommene Vergeltungskrieg forderte 
allein zahlreiche Opfer unter den Eingeborenen, die nicht vergefsen 
wurden. Wer die Verhältniffe draufsen kennt, weifs wie fchwer es 
ift zu flrafen, und zwar so, dafs wirklich die Schuldigen getroffen 
werden. Man kann fich daher nur freuen, dafs die neue deutfche 
Aera auch hierin Wandel fchaffen und dem willkürlichen Eingreifen 
einzelner gegen Leben und Eigentum von beiden Seiten ftrenge 
Schranken fetzen wird. Denn erft dadurch kann die neue Kolonie 
zu gedeihlicher Entwickelung, namentlich der Plantagenwirtfchaft, 
gelangen. Wie bereits erwähnt, ift in letzterer Richtung bis jetzt nur 
ein Verfuch zu verzeichnen und der Handel, der Koprahandel,*) der 
einzige Vermittler zwifchen Weifsen und Eingeborenen. Der Gefamt- 
ertrag an Kopra im Bismarck-Archipel bewegt fich, um dies noch zu 
erwähnen, zwifchen 1000 bis 1500 Tonnen 'a 200 Pfd. engl, pro Jahr) und 
ift nicht minder Schwankungen unterworfen als die Koprapreife felbft 
welche in Europa je nach der Konjunktur zwifchen 280 und 370 ]\Iark 
variieren. Die im Bismarck-Archipel befchäftigte Handelsflotte weift 
unter deutfcher Flagge zwei Schuner (von zufammen 180 Tons und 
einen Kutter ^'30 Tons} von Hernsheim und einen Schuner (60 Tons) 
der Handels- und Plantagen- Gefellfchaft, unter amerikanifcher Flagge 
der Firma Farell einen Schuner 70 Tons' und einen Dampfer auf. 
Bis zum Jahre 1882 unterhielten die beiden deutfchen Häufer auch 
je einen kleinen Dampfer, gaben diefelben aber auf, da fich trotz 
der geringen Gröfse (ca. 70 Tons) die Unkoften zu hoch ftellten. 
Seitdem haben fich die Verhältnifse jedenfalls fchon dadurch be- 
deutend verändert, dafs die Neu-Guinea-Compagnie ihre drei Dampfer 
nach dem Bismarck-Archipel fchickt. 

W'er in der Südfee reift, mufs vor allem Geduld befitzenl Dies 
erfuhren wir gleich in Mioko, wo das Löfchen und Laden viel mehr 
Zeit erforderte, als wir wünfchten. Denn auch in diefer Richtung 



*) Über diefen wie über Handel und defsen Produkte überhaupt vergleiche meine 
Abhandlung: ,, Über Naturprodukte der wefllichen Südfee befonders der deutfchen Schutz- 
gebiete", welche das 7. Heft der ,, Beiträge zur Förderung der Beftrebungen des Deutfchen 
Kolonialvereins' (1887) bildet. 



26 Erfles Kapitel. 

hatten fich die Verhältniffe, nur nicht zum Befferen, geändert. Die 
Eingeborenen, welche früher gegen einen Tagelohn von einem Stück 
Tabak im Wert von vier Pfennigen willig bei folchen Arbeiten 
halfen, waren bei weitem anfpruchsvoller geworden und verlangten 
andere und beffere Taufchartikel. Ja, was weit fchlimmer war, es 
hielt, trotz der höheren Preife, überhaupt fchwer Arbeiter zu er- 
langen, deren Zahl fich durch die rückfichtslofe Ausfuhr der Werbe- 
fchifife*) ohnehin vermindert hatte. Wie in Faulheit, so waren die 
guten Neu-Lauenburger, wie fie jetzt heifsen follen, auch im übrigen 
diefelben geblieben, und Fortfehritte in der Civilifation nicht be- 
merkbar, aufser in gewiffen Taufchartikeln. Statt der gewöhnlichen 
weifsen Thonpfeifen verlangte man jetzt fchwarze »Negerköpfe« 
(negro-heads), ftatt ordinärer Äxte (Fan-tails) teure amerikanifche 
u. f. w. Perkuffions-Musketen, früher das Ziel des höchften Wunfehes 
eines Kanaker, waren kaum mehr begehrt. Dagegen Hinterlader- 
büchfen (Snider-Rifles) fehr gefragt, weit mehr als z. B. Bekleidungs- 
gegenflände. Letztere werden eben nur von einzelnen, an den Haupt- 
ftationen befchäftigten Kanakern zuweilen getragen. Aber die grofse 
Maffe unferer neuen Landsleute in Neu-Lauenburg, Neu-Pommern 
und Neu -Mecklenburg läuft noch jetzt, und zwar in beiden Ge- 
fchlechtern, im adamitifchen Koftüm umher und findet dasfelbe bei 
weitem einfacher und bequemer, wogegen fich bei einigem Verfländ- 
nis mit dem Leben und Wesen der Eingeborenen nichts einwenden 
läfst. Auch die Miffion (auftralifche Wesleyan) hat in der von ihr 
fo fehr protegierten Bekleidungsfrage, aufser bei ihren unmittelbaren 
Zöglingen, die fich nach mehr als zehnjähriger Thätigkeit auf kaum 
200 Bekehrte**) belaufen, keinen Einflufs ausgeübt, ja fehlen über- 
haupt Rückfehritte gemacht zu haben. So wenigftens auf Mioko 
und der Infel Utuan, der York-Gruppe, wo die beiden famoanischen 



*) Nach Parkinfon wurden im Bismarck-Archipel von englifchen und deutfchen 
Werbefchiffen allein 2200 Eingeborene weggeführt, vergl.: ,,Der Bismarck-Archipel" S. 35, 
fowie die übrigen, nicht eben fehr erfreulichen Erfahrungen des Verfaffers hinfichtlich 
der ,,Labourtrade". 

**) Vergl. Parkinfon 1. c. S. 90. 91. 



Von Sydney nach Mioko 



-i/ 



Lehrer (Teachers) nur noch wenige Eingeborene als Mitglieder der 
Kirche befafsen. Aufser der allgemeinen Lauheit gegenüber der 
chriftlichen Lehre, wie jeder Lehre überhaupt, mochte hieran auch 
der unter der Leitung von Thomas Farrell 1883 wirkungsvoll ge- 
führte Feldzug mit fchuld fein, der die Eingeborenen für die Er- 
mordung von Theodor Kleinfchmidt und feiner beiden weifsen Ge- 
nofsen ftrafte und einer grofsen Anzahl Eingeborenen, darunter auch 
Kircheneänsjern. das Leben koftete. 



Zweites Kapitel. 



Astrolabe-Bai. 

Abreife nach Neu-Guinea. — French-Infeln. — Foreftier-Infel. — Verkehr mit den Ein- 
geborenen. — Fregattvögel und Tölpel. — Spärliche Nachrichten über Aflrolabe-Bai. ^ 
Von Miklucho-Maclay. — Herrliche Küfte. — Gelbe Bäume. — Der myfteriöfe Deutfche. 

— Eine Südfee-Aventure. — Berthold und der Marquis de Rays. — „Nouvelle France." 

— Herr Canar. — Eine wahre Robinfoniade. — Unter Menfchenfreffern. — In Port 
Conftantin. — Erftes Zufammentreffen mit Eingeborenen. — Sa-ulo. — Vermeintlicher 
Überfall — Befuch in Bongu. — Die Damenwelt. — Haartrachten. — Anthropologifches 
über Papuas. — Haar — wächft nicht büfch eiförmig. — Hautfärbung. — Individuelle 
\'erfchiedenheit. — Bewohner von Bongu. — Krankheiten. — Pockennarben. — Be- 
kleidung und fonftiger Ausputz. — Geftrickte Beutel. — Das Dorf Bongu. — Bauart der 
Häufer — innere Einrichtung. — Die Barla. — Buambrambra oder Verfammlungshaus. 

— Barum, Signal trommel. — Telum-Mul, ein Kunflwerk der Steinzeit. — Ahnen, keine 
Götzen. — Befchneidung. — Reminiscenzen an Maclay. — Eingeführtes Rindvieh. — 
eine Plage der Eingeborenen. — Schweine. — Hund — rätfelhafte Herkunft desfelben 

— fowie des Haushuhnes. — Plantagen — Urbarmachung. — Kulturpflanzen der Papuas 

— zugleich Zeugnis der höheren Gefittung. — Genufsmittel. — Tabak. — Cigarren. 
Betel. — Freundfchaftszeichen. — Zierpflanzen. — Keu, gleich Kawa. — Eingeführte 
Kulturpflanzen. — Ruffisch in Port Conftantin. — Bemerkungen über Taufchhandel. — 
Eifen- und Steinbeil. — Fifcherei und Kanus — Einflufs des erften Weifsen. — Der 
Mann des Mondes. — Erfter Landerwerb. — Begründung der deutfchen Schutzherrfchaft. 

— Geringe Bevölkerung. — Befchränkte Landeskunde der Eingeborenen. — Gutes Ein- 

vernehmen mit denfelben. — Abfchieds-,,Mun''. 

In den erften Tagen des Oktober war die Sanioa endlich fee- 
klar und dampfte ihrem Ziele, Aflrolabe-Bai, an der Nordoftküfte 
von Neu-Guinea, entgegen. Wir gingen um die Nordoflspitze Neu- 
Britanniens und näherten uns am zweiten Tage der French- oder 
Franzöfifchen-Gruppe. die aus einer Anzahl kleiner Infein befteht 
und gleichfam eine nordweflliche Fortfetzung des unbenannten Ar- 
chipels bildet, in welchem Willaumez die bedeutendfle Infel ift. 



Aftrolabe-Bai. 2g 

Wie Neu-Britannien felbst, fo find auch diefe Infein offenbar vul- 
kanifchen Urfprungs, ihre kegelförmigen Berge erlofchene Krater, 
die jetzt mit üppiger Baumvegetation bedeckt, hie und da gröfsere 
kahle Flächen, Plantagen der Eingeborenen zeigen. Auf Foreftier- 
Infel fahen wir gröfsere Beftände Kokospalmen, unter denen es 
fich zu regen begann. Mit dem Glafe erkannte man Menfchen, und 
bald kamen etliche Kanus ab, um leider nur zu bald in weiter Ferne 
eine beobachtende Stellung einzunehmen. Die Leutchen trauten uns 
eben nicht, und fo gelang es uns nur mit grofser Mühe, fie wenig- 
ftens fo weit heranzulocken, dafs wir mittelft eines langen Bambus 
in allerdings befchränkter Weife in Taufchverkehr treten konnten. 
Leere Flafchen und Streifen roten Zeuges*) fanden den meiften Bei- 
fall, weniger Glasperlen, und Tabak wurde ganz verfchmäht. An 
Bord wagte fich trotz aller Verlockungen keine der vor Furcht zit- 
ternden Geftalten, im Gegenteil, man fuchte in unverkennbarer Weife 
klar zu machen, uns zu entfernen und fie ungefchoren zu laffen. 
Die Leutchen mochten daher wohl üble Erfahrungen mit den erflen 
Civilifatoren gemacht haben, welche kurze Zeit vor uns hier vorge- 
fprochen und »rekrutiert« hatten, wie die fehr paffende Südsee- 
benennung dafür lautet. Denn bekanntlich handelt es fich bei der 
fogenannten »Labourtrade«, wie das Anwerben von Eingeborenen 
als Arbeiter kurzweg heifst, nicht immer um Freiwillige. 

Die Eingeborenen felbst unterfchieden fich im Raffentypus 
übrigens durchaus nicht von Neu-Britanniern, gingen wie diefe völlig 
nackt, fprachen aber eine ganz andere Sprache. Im Ausputz war 
mir manches neu, darunter ein Bruflkampffchmuck und fehr ele- 
gante Armbänder mit einem zweiblättrigen Anhängfei, Formen, die, 
wie ich fpäter kennen lernte, für die ganze Nordoflküfte Neu-Gui- 
neas (vergl. Atlas T. XXII) charakteriftifch find und fo die enge 
Zufammengehörigkeit diefer Völkerftämme bekunden. Die an der 
Bafis mit knochenförmiger Schnitzerei verfehenen, im übrigen glatten 



*) „Turc-Red'" ein dünnes hochrotes Baumwollenzeug, wovon die englifche Elle 
(Yard) in Sydney ca. 25 Pf. koflet; fehr beliebtes und unentbehrliches Taufchmittel für 
die Südfee. 



30 



Zweites Kapitel. 



Wurffpeere, die einzige Waffe, welche diefe Eingeborenen mit fich 
führten, ähnelten ganz denen in Blanche-Bai, aber ihre Kanus waren 
viel armfeliger und für weitere Reifen jedenfalls ungeeignet. 

Nach diefem kleinen Intermezzo dampften wir in wefllichem 
Kurs weiter, Achteten die Nordweftfpitze Neu-Britanniens mit der 



IW •ö<:d.I,.-.-.Oror 




Dampierl. 






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Aftrolabe-Bai und Maclayküfie. 

Infel Rook und gingen fpäter ganz nahe unter der Nordküfte von 
Crown-Infel hin, ohne irgend eine Spur von Eingeborenen zu be- 
merken. Alle diefe Infein, wie Rieh und Dampier, find gebirgig, 
dicht bewaldet und offenbar erloschene Vulkane, die fich in einer 
Reihe von Neu-Britannien bis zu den Le Maire-Infeln erftrecken. Wie 
fo häufig in diefen Breiten, war die See glatt wie ein Spiegel und 



Aftrolabe-Bai. 



31 



nur feiten liefsen fich schwarze ]\Ieersch\valben, Anous, Sterna ana- 
sthaeta), Tölpel oder Fregattvögel (Tachypetes) blicken. Gröfsere 
Flüge der letzteren pflegen nicht feiten, nach Art unferer Störche 
weite Kreife befchreibend. in der Luft zu fchweben, ein gar hübfches 
Schaufpiel, während Tölpel (Sula fusca) es hauptlächlich auf Treib- 
holzflämme abgefehen haben. Auf folchen ruhend, ähneln sie zu- 
weilen einem Kanu mit Eingeborenen in weiter Ferne so auffallend, 
dafs wir hier, wie für die Folge, öfters getäufcht wurden. 

Mächtiger Feuerfchein hatte uns fchon in der Nacht die Nähe 
des Fefllandes von Neu-Guinea angedeutet und zum Abhalten ge- 
nötigt. Der anbrechende ^lorgen, des vierten Tages, feitdem wir 
Mioko verliefsen, zeigte uns die Küfte fehr nahe: Avir befanden uns 
bereits in Aftrolabe-Bai I So heifst eine an 15 Meilen breite Buch- 
tung füdlich vom 5. Breitengrade, die im Jahre 1827 von Dumont 
d'Urville mit der franzöfifchen Korvette »Aftrolabe« zuerft gefichtet 
wurde. Erft 44 Jahre fpäter landete der ruffifche Reifende Nikolaus 
von Miklucho-Maclay mit dem ruffifchen Kriegsfchiff »Vitiaz« in 
»Port Conftantino und brachte mit zwei Begleitern (einem weifsen 
Matrofen und einem Samoaner) 15 Monate hier zu, bis ihn das ruf- 
fifche Kriegsfchiff »Izumrud« wieder abholte. Die wenigen, haupt- 
fächlich anthropologifchen und ethnologifchen Mitteilungen,*; welche 
der Reifende veröffentlichte, fmd fehr fchwer zugänglich, zählen 
aber mit zu den heften wiffenfchaftlichen Arbeiten, die wir über 
Papuas überhaupt befitzen. Eine eingehendere Darftellung**) des 
intereffanten Gebietes fehlte bis jetzt noch. 

Der Anblick der Küfte von Aftrolabe-Bai überrafchte und be- 
friedigte uns alle gar fehr. Das waren nicht die langweiligen, in 
gleichmäsfiges Grün gekleideten Berge, wie wir fie aus dem Bis- 
marck-Archipel gewohnt waren, fondern die Landfchaft wurde je 



*) Über feinen zweiten fiebenzehnmonatlichen Aufenthalt (1876 u. 77) an diefer 
Küfte hat der Reifende bis jetzt fo gut als nichts publiziert. Vergl. Petermanns Geo- 
graph. Mitteilungen 1878 S. 407. 

**) Die kurzen Tagebuchnotizen von Romilly in ,,The Weftern Pacific and New 
Guinea" (221 — 230) find noch das befte; Powell (Proc. R. Geogr. Society London 1883 
S. 51 ij fagt fo gut als nichts. 



32 Zweites Kapitel. 

weiter wir in die Bai hineinkamen um fo anfprechender. Sie ifl rings 
von hübfchen, dicht bewaldeten Bergreihen umlchlossen, hinter denen 
gegen Süden ftattliche Gebirgszüge hervorragen, von denen die höch- 
ften an loooo Fufs hoch fein mögen iind wohl zum Syftem des Fi- 
niflerre-Gebirges gehören. Die in den Schluchten lagernden weifsen 
Wolkenmaffen, welche fo fehr weifsen Schneeflecken ähnelten, gaben 
diefem fchönen Gebirgsbilde einen erhöhten Reiz. Wir paffierten 
die kleine Infel Bilibili, deren Bewohner in grofsen, kunflvoll ge- 
bauten Kanus herbeieilten und in freundlicher Weife Verkehr anzu- 
knüpfen fuchten. Aber wir mufsten diesmal ihren Verfuchungen 
ausweichen, galt es doch zunächst Port Conftantin aufzusuchen, wie 
fich fpäter zeigte, keineswegs ein Hafen, fondern eine kleine Buch- 
tung, welche wenig Sicherheit gewährt. — Vergebens fpähten wir 
nach Siedelungen, aber das mit dichtem Urwald bekleidete Ufer 
\\ar wie ausgeflorbenl Wie fich fpäter zeigte, liegen die Dörfer im 
Dickicht des Urwaldes verfteckt und verraten fich dem Kenner meifl: 
durch nichts als kleine Gruppen Kokospalmen und eine befondere 
Baumart, welche fich durch die einfarbig, lebhaft gelbe Belaubung 
auszeichnet. Diefe »gelben Bäume«, welche fich übrigens an der 
ganzen Oflküfte Neu-Guineas finden, markieren fich in dem dunklen 
Grün des Unvaldes fehr auffallend und erregen fchon von weitem 
Aufmerkfamkeit. So wurde von unferen Seeleuten die befonders 
hohe und dichte Gruppe gelber Bäume bei dem Dorfe Bogati oder 
Bogadfchi, welches die Karten deshalb als »gelbes Dorf« bezeichnen 
anfänglich für ein Segel gehalten. 

»Wem konnte es angehören?« war eine Frage, die zu allerlei 
Betrachtungen führte, denn einem »on dit« zufolge, durften wir mög- 
licherAveife einen Weifsen, ja einen Landsmann hier treffen. Es follte 
nämlich in Aftrolabe-Bai ein deutscher Händler (Trader), »Schmidt 
geheifsen«, leben, von dem man in Mioko aber nichts wufste. Die 
myfleriöfe Exiftenz diefes Schmidt löfte fich fpäter in eine jener 
hübfchen Aventuren auf, die in der Südsee mehr als anderwärts 
vorkommen und die deshalb hier mitgeteilt werden foll, weil diefelbe 
fo fehr das Leben und den Charakter gewiffer hier lebender Weifsen 



Aftrolabe-Bai. 



33 



kennzeichnet. Im Jahre 1882 hatte ich in Neu-Britannien unter an- 
deren unglücklichen Opfern, welche fich von dem gewiffenlofen 
Schwindler de Rays zur Gründung einer Kolonie in Neu-Irland ver- 
leiten liefsen, auch einen Deutfchen gefehen. Er war mit der erften 
Expedition im »Chandernagor« 1880 herausgekommen, hiefs Bert- 
hold und flammte aus Berlin. Wie fo viele andere, darunter eine 
Menge Deutfche, hatte fich auch Berthold, trotz der Warnung des 
deutfchen Konfuls in Antwerpen, auf fünf Jahre verpflichtet. Frei- 
lich mochten wohl manche der hoffnungsvollen »Koloniften« gewiffe 
Gründe haben, um der Alten Welt überhaupt den Rücken zu kehren. 
Berthold, feines Zeichens ein Kellner, trat als »terrassier cultivateur« 
ein. Diefer Kategorie von Koloniflen war bei freier Station ein 
Monats- »Tafchengeld« von fünf Frank zugefichert. Nach Ablauf 
von fünf Jahren erhielten fie aber 15 Hektaren Land, die je nach 
den guten Dienften des Individuums bis auf 50 gefteigert werden 
konnten. Alle hatten alfo die Ausficht, glückliche Grundbefitzer in 
einem Lande zu werden, das felbfl die Leiter des Unternehmens 
nur nach der Karte kannten. Aufserdem hatte die Gnade des Mar- 
quis allen Gliedern des Freiflaates »Nouvelle France« pro Rata ihres 
Grades Anteil am Reingewinn verfprochen; denn fchon aus Natur- 
produkten, wie Schildpatt, Perlfchalen, wertvollen Hölzern u. f w., 
erwartete man mit Zuverficht reiche Erträge. So lauten die Be- 
flimmungen des mir vorliegenden Kontraktes, eines in der Kolonial- 
gefchichte merkwürdigen Dokumentes,*) das die eigene Unterfchrift 
des »Monfieur Ch. du Breil, Marquis de Rays, Fondatcur-Directeur 
de la Colonie libre du Port Breton, Oceanie« trägt und am 21. Au- 
gust 1879 z" Antwerpen unterzeichnet wurde. Bekanntlich ging 
gleich diefes erfte ebenfo leichtfmnige als gewiffenlofe Unter- 
nehmen*) des Marquis elend in die Brüche, indem der Leiter des- 

*) Ein anderes Souvenir jener traurigen Gründung handelte ich von einem Einge- 
borenen ein. Es ift die rot und weifs feidene, mit Goldborten verzierte Fahne des „41"^ 
Bataillon" der Armee von Port Breton, die wie der ganze Freiftaat nur auf dem Papier 
exiftierte. 

**) Eine wahrheitsgetreue Darftellung dieser wie der übrigen traurigen Expeditionen 
giebt das intereffante Buch: ,,L'aventure du Port Breton et la Colonie libre dite Nou- 
Finfch, Samoafahrten. t 



34 



Zweites Kapitel. 



felben »le Baron P. Titeu de la Croix de Villebranche, Aide de 
camp du Marquis de Rays, Commandant de Port Breton« eines 
fchönen Tages fich mit dem Chandernagor auf und davon machte 
und die etwa 70 unglücklichen Koloniften fitzen liefs. Ende Juli 
1880 befuchte ich fie in Lakiliki-Bai an der Oftfeite von Kap St. 
Georg, dem damaligen Sitze des Freiftaates, in einer Gegend die 
mit ihren fteilen Bergen für Ziegen, aber nicht für Menfchen pafst. 
Eine Barake und Teile einer Dampfmafchine das war alles, aufser 
etwa zwanzig, meift von Fieber und Krankheiten entkräfteten Männer. 
Die übrigen waren von Kapitän Ferguson, der noch in demfelben 
Jahre in den Salomons von den Eingeborenen erfchlagen wurde, gegen 
Bezahlung von je einem Winchester-Rifle (damals ca. 140 Mark Wert) 
nach der nahen Miffionsftation in Port Hunter auf der Herzog York- 
Infel gebracht worden und hatten fich von hier aus in alle Winde zer- 
flreut. Eine Anzahl fanden Stellung als Händler (Trader), und unter 
diefen auch der erwähnte Berthold, für den fich alfo, kaum dem Hun- 
o-er und Elend entronnen, plötzlich glänzende Ausfichten eröffneten. 
Nach einer der neuen, von Friedrich Schulle an der Nordoflspitze 
vonNeu-Irland errichteten Kopraftationen verletzt, verdienteer fchönes 
Geld. Aber die Freude dauerte nicht lange, denn bald wurde Bert- 
hold aus triftigen Gründen entlaffen und verbannt, das heilst nach 
Auftralien gefchickt. Von hier begab er fich unter dem neuen Na- 
men Canar nach Samoa und erhielt Stellung bei einem deutfchen 
Haufe, deffen Chef leichtgläubig genug war, feinen Erzählungen 
Glauben zu fchenken. Freilich klangen feine Berichte von dem 
felbftgefehenen Koprareichtum Neu-Guineas gar zu verlockend, und 
als er vollends Briefe feines Freundes Schmidt aus Aflrolabe-Bai 
aufwies, der dort in Kopra u. Perlfchalen fehler erftickte, da war 
die Ausbeutung diefer Schätze eine befchloffene Sache. Glück- 
licherweife fand fich gerade kein Schift" difponibel, als Berthold, jetzt 



velle France. Souvenirs perfonnels et documents par A. Baudouin, Medecin de la 4e 
Expedition (Paris, Maurice Dreyfous, Editeur)." Der Lefer, welcher jene Gebiete auch 
nicht aus eigener Anfchauung kennt, wird fchwer begreifen, wie Frankreich einen folchen 
Unfug, welcher fo viel Unglück herbeiführte, überhaupt dulden konnte. 



Aftrolabe-Bai. 



35 



HerrCanar, Neu-Britannien wiederum beglückte, und fo mufste er fich 
bis zu paffender Gelegenheit mit einer Traderftelle begnügen. Diefe 
Verzögerung war für ihn natürlich fehr fatal, denn es konnte nicht 
ausbleiben, dafs fein wahrer Name und feine Vergangenheit in 
Samoa bekannt werden mufsten; wufste man doch bereits in Neu- 
Britannien, dafs er nie in Aftrolabe-Bai gewefen war! Harmlofe Fragen 
nach dem einen oder anderen Häuptling u. f. w. von jemandem, 
der Neu-Guinea ebenfalls nur nach der Karte kannte, hatten auf 
leichte Weife den Beweis geliefert. Es fing alfo an, ungemütlich aus- 
zufehen, und Canar zog es vor, die Entwickelung der Dinge nicht 
abzuwarten, fondern drückte fich eines fchönen Tages. Diefes Er- 
eignis war kurz vor unferer Ankunft paffiert und bildete noch das 
Tagesgefpräch. Denn der brave Berthold hatte das Boot und Taufch- 
waren der ihm anvertrauten Station im Betrage von 400 Dollars mit- 
genommen, aufserdem einen anderen deutfchen Trader, Namens 
Freudenthal, zu überreden gewufst. Wie es hiefs, wollten die Aus- 
reifser nach Neu-Guinea zu Freund Schmidt gehen. Das fchien un- 
glaublich! Denn nur Wahnfmnige konnten in einem offenen kleinen Boot, 
ohne Kenntnis und Hilfsmittel von Navigation, eine Reife von 450 
Meilen wagen. Wie fich fpäter herausftellte, war Berthold natürlich 
nicht nach Neu-Guinea gegangen, fondern hatte die immerhin aben- 
teuerliche und gefährliche Fahrt nach dem früheren Schauplatz feiner 
Thaten, dem ihm wohlbekannten Neu-Irland, angetreten. Das kleine 
Boot mit feinen zwei Infaffen war allen Gefahren, auch den Kanni- 
balen auf Sandwich-Infel, die felbft vor dem Angriff eines Dampfers 
nicht zurückfchreckten , glücklich entgangen und näherte fich der 
Maufoleum-Infel, dem Szelambiu der Eingeborenen, wo Canar be- 
kannt war. Damit fchien den Flüchtigen, die auf einer Reife von 
über 140 Meilen, in offenem Boot unter Tropenglut, gewifs nicht 
wenig ausgeftanden hatten, fiebere Rettung zu winken. Aber das 
Schickfal hatte es anders befchloffenl Beim Landen kenterte das 
Boot in der Brandung, wobei Freudenthal feinen Tod fand, und 
Berthold rettete nur das Leben, und zwar buchftäblich das nackte 
Leben. Denn die Eingeborenen zogen ihm die Kleider aus, und nur 

3" 



■jß Zweites Kapitel. 

dem Umftande, dafs er bei ihnen als «Sullis lik», d. h. der kleine 
Schulle, bekannt war, schüzte ihn vor dem Erfchlagenwerden. Aber 
vor dem Namen Schulle haben die Eingeborenen hier herum grofsen 
Refpekt, und fo wurde Berthold gefchont. Freilich fo einige Wochen 
nackend mit in den Plantagen der Eingeborenen arbeiten und wie 
diefe leben zu muffen, unter der nicht eben erbaulichen Voraus- 
sicht, eines Tages doch noch erfchlagen zu werden, mag eben keine 
angenehme Sache sein. Das Schickfal diefes wirklichen Robinfon 
stellt daher das feines fingierten Vorgängers jedenfalls in den 
Schatten. Es dauerte nämlich einige Zeit, ehe Friedrich Schulle in 
Nusa Kunde von einem fchiftbrüchigen, unter den Eingeborenen 
lebenden Weifsen erhielt, zu deffen Rettung er fich fogleich auf- 
machte. Das Wiederfehen soll freilich kein allzufreudiges gewefen 
fein, aber was blieb Schulle übrig, als Canar, den ihm nicht eben 
angenehmen Bekannten, zu befreien. Drei Stück Bandeifen im Werte 
von 15 Pfennigen genügten übrigens, den Todeskandidaten einzu- 
löfen, denn so hoch taxierten die Eingeborenen diefen Träger der 
Civilifation. — Dafs die Briefe von dem angeblichen Schmidt ge- 
fälfcht waren und von letzterem in Aftrolabe-Bai fich auch nicht 
eine Spur fand, brauche ich wohl nicht erft zu erwähnen? Mir war 
es fehr lieb, weder diefen noch einen anderen jener zweifelhaften 
Weifsen anzutreffen, deren Auftreten gewöhnlich das Vertrauen der 
Eingeborenen gleich im Anfang erfchütterte und für Nachfolgende ein 
friedliches Einvernehmen meift erfchwert. 

Aber wo fleckten die Eingeborenen , nach denen uns am 
meiften verlangte? Schon geraume Zeit lagen wir in Port Con- 
ftantin wenige Kabellängen vom Ufer vor Anker, aber immer 
noch blieb es ftill. Nur einige Vogelftimmen tönten aus dem Ge- 
laube der Urvvaldsbäume und auch diefe noch fpärlich genug. Denn 
die heifse Nachmittagsfonne brannte mächtig herab, und dann 
fchweigt die Vogelwelt meist: nur das Schäckern des nimmermüden 
Lederkopfes (Tropidorhynchus), die tiefe Bafsftimme des Raben 
(Corvus orru) , kreifchende Papageien und Kakadus lafsen fich ver- 
nehmen. — Plötzlich wird die Ruhe durch den Ruf »Kanaka! Ka- 



Aflrolabe-Bai. ^7 

nakal« unterbrochen! Die fcharfen Augen unferer Neu-Britannier 
hatten ihre fchwarzen Brüder im Dunkel des Uferdickichts entdeckt. 
Und wirkhchl Da hockte eine lange Reihe dunkler Gestalten, laut- 
und bewegungslos wie Bildfäulen, die uns wahrfcheinlich schon 
lange beobachtet hatten. Jetzt wurde es lebendig! Ich nahm mei- 
nen ganzen Sprachfehatz des hiefigen Idioms zufammen, und bald 
schallte es: »Korvetta!« oh! aba! (Freund), oh! tamole! (Männer), 
oh! mem! (Vater), oh! »^laclay« hin und wieder. Die hiefigen Ein- 
geborenen fcheinen nämlich seit der Anwefenheit des ruffifchen 
Reifenden in jedem feiner Nachfolger einen »Maclay« zu erblicken. 
Herr Romilly, der englilche Regierungs-Kommiffar, war fo genannt 
und als Bruder behandelt worden und mir widerfuhr diefelbe Ehre. 
Ich liefs fogleich das Boot klar machen und mich ans Ufer rudern. 
Aber unfere Schwarzen hatten keine Eile, denn fie fürchteten fich, 
wie ftets bei folchen Gelegenheiten, und unseren Matrofen ging es nicht 
beffer, nachdem fich die Krieger im vollen Wafifenfchmucke zeigten, 
der hier neben dem Wurffpeere, auch in Pfeil und Bogen befleht. »Es 
ist doch nicht egal, ob man in die Bruft oder den Rücken gefpeert 
wird« ! meinte Peter und drehte seine Vorderfeite den gefürchteten 
»Wilden« zu, als wir ihnen längft in Pfeilfchuffweite nahe waren. 
Und den »Wilden« ging es ebenfo, dafs heifst, sie fürchteten fich 
nicht minder! Kaum fkiefs das Boot auf Grund, fo fprang ich ins 
Waffer, ging unter unfere neuen Freunde, verteilte allerlei Kleinig- 
keiten, schüttelte dem und jenem die Hand und hatte in kurzer 
Zeit ihr Vertrauen fo gewonnen, dafs ich gleich eine ganze Boots- 
ladung Eingeborener mit an Bord brachte. Bald erfchien auch Sa- 
ulo, der fogenannte »König« von Bongu, eine nichts w-eniger als 
königliche Erfcheinung, der fich von feinem Gefolge nur durch Kor- 
pulenz und Elephantiafis im rechten Bein auszeichnete. Der schwarze 
Anftrich des Gefichtes und Körpers, welcher wie bei allen Papuanen 
Trauer bezeichnete, machte sein Aufseres nicht anmutiger, aber der 
alte Herr hatte ein fo gemütliches, freundliches Geficht, dafs man 
ihn gleich liebgewinnen mufste. Einige Geschenke machten ihn und 
die Seinieen noch glücklicher, und fo fchieden fie bei einbrechender 



3 8 Zweites Kapitel. 

Dunkelheit in der Überzeugung, dafs der neue »Maclay- Germania« 
wie ich fpäter zum Unterfchied von dem ruffifchen »Maclay-Rufchia« 
und Romilly dem »Maclay-inglefe« hiefs, am Ende doch kein so 
übler Menfch fei, mit dem fich wohl umgehen lafse, diefelbe Anficht, 
welche ich bezüglich der Eingeborenen gewonnen hatte. Aber unfere 
Leute teilten diefelbe nicht, fondern fühlten fich keineswegs behag- 
lich, zumal da unfere Schwarzen allerlei Schaudergefchichten aus 
ihrem Leben am. Bord von Labourtradern zu erzählen wufsten, welche 
die Gemüter erhitzten. Das fcharfe Ohr eines Schwarzen wollte 
Ruderfchläge gehört haben und bald kam die Meldung, dafs fich 
eine ganze Flotte von Kanus in der Dunkelheit der Nacht genähert 
und unter den überragenden Zweigen der Uferbäume verborgen habe. 
Die furchterregte Phantafie unferer Schwarzen konnte fich von der 
Überzeugung, dafs wir überfallen werden würden und müfsten, nicht 
freimachen und hatte diefen Spuk auf unfere Leute übertragen, von 
denen fich einige fchon mit Koffenägeln bewaffneten. Die angeftellten 
Unterfuchungen ergaben, dafs es fich nur um Hirngefpinste han- 
delte, denn auch nicht ein Kanu war vorhanden und nur der gluck- 
fende Ton des Scharrhuhnes (Talegallus), das Kreifchen fliegender 
Hunde, das Klappern der Laubfröfche und Gezirpe der Cikaden 
tönte in die Nacht hinein. 

Gleich am andern Morgen befuchten wir unfere neuen Freunde 
in ihrem Dorfe Bongu, dem gröfsten in diefem Teile von Aflrolabe- 
Bai , das wie faft fiets hinter dem Uferwaldfaume verfleckt liegt. 
Eine Anzahl Männer erwartete uns auf dem fchmalen Sandftrande 
niederhockend, fchweigend wie es die Landesfitte erheifcht, und half 
erfl auf meinen Wunfch das Boot mit aufs Ufer fchieben , da die 
Landung unbequem ift, wie überhaupt an diefer Küfte. Unfere An- 
kunft im Dorfe brachte zuerfl; unter den Weibern grofse Aufregung 
hervor, von denen nur wenige alte beherzt genug waren zurückzu- 
bleiben, aber durch einige kleine Gefchenke beruhigt, die übrigen 
bald zurückriefen. Der Reifende wird flets wohl thun, fich zunächft 
die Gunft der alten Damen zu erwerben; fie haben oft einen fehr er- 
heblichen Einfluss, der von grofser Wichtigkeit werden kann. Freilich 



Aflrolabe-Bai. 3g 

ist das nicht immer eine angenehme Sache, denn Papuafrauen in 
vorgerückten Jahren find freiHch keine Schönheiten mehr und nichts 
weniger als appetitHch, aber deswegen braucht HäfsHchkeit der 
Weiber nicht als Raffen charakter hingeftellt zu werden, wie dies 
meift in allen Lehrbüchern gefchieht. Man mufs eben fremde 
Menfchenraffen nicht nach unferen Begriffen von Schönheit mefsen, 
und dann wird man Papuaninnen sehr paffabel finden. Junge 
Mädchen find , wenn auch im ganzen klein und fchmächtig, 
häufig von fehr angenehmer Geftalt und zeigen zuweilen tadel- 
lofe Formen, aber fie verblühen fchnell, wie alle Tropenbewoh- 
nerinnen. Schon mit der erften Niederkunft verfchwindet die Jugend- 
frifche, die meift wohlgeformte Büfte verliert fich, und mit weiterem 
Kinderfegen geht es rafch abwärts. Frauen, die bei uns noch als in 
guten Jahren gelten, find dort bereits alt, mager und runzlig, was 
fich leider nicht wie bei Kulturvölkern durch Kleidung und Toiletten- 
künfte verbergen und auffrifchen läfst. Nach unferen Schönheits- 
begrififen verunziert auch die Haartracht das weibliche Geschlecht 
noch mehr. Das Haar wird von älteren Perfonen meifl: kurz ab- 
gefchnitten und mit fchwarzer Farbe eingefchmiert. Bei jüngeren 
Frauen und Mädchen gelten dicht verfilzte Locken, die von Farbe, 
Schmutz und Fett fl:arren und an der Stirn oft bis über die Augen 
herabfallen, als befonders elegant, wie dies die beigegebene Abbil- 
dung (S. 40) zweier Frauen von Bongu mit ihren unzertrennlichen 
Begleitern, Hund und Schweinchen zeigt. 

Weit gröfsere Sorgfalt verwendet das putzfüchtigere männliche 
Gefchlecht auf das Haar, namentlich die noch unverheirateten »Ma- 
laffio, und einem Papuaflutzer koftet die Frifur feines Haares allein 
mehr Zeit als einer Modedame bei uns. Das Haar wird mittelfl: 
eines langzinkigen Inflruments aus Bambus, einem sogenaimten 
Kamme, forgfältig bearbeitet und aufgezaufl, so dafs es eine weit- 
abftehende Wolke bildet, aufserdem mit Farbe, Erde u. dergl. ein- 
gerieben, fowie mit Blumen und Federn gefchmückt. Tamos oder 
ältere Männer find weniger eitel, legen aber Wert auf ihre Gatcffi 
d. h. in den Nacken herabhängende, durch Schmutz und andere 



40 



Zweites Kapitel. 



Mittel künftlich erzeugte, dichtverfilzte Haarzotteln. Kunft hat alfo 
auch hier ihren Einflufs auf das Haar ausgeübt, wie dies mehr oder 
minder bei allen Völkern der Fall ifl. Die Textabbildungen veran- 
fchaulichen eine ganze Reihe künftlicher Papua-Haartouren, 

Dies führt mich zu einigen allgemeinen Bemerkungen über die 
anthropologisch meist noch fehr verkannte Raffe der Papuas oder 
Melanefier,* für welche gerade die Haarbildung besonders wichtig 




Frauen von Bongu. 



wird. Das Haar wächfl: beim Papua anfangs grade wie bei uns und 
fängt erfl: an, sich nach einiger Zeit, wenn es etwas länger wird, zu 
krümmen, d. h. mehr oder minder eng fpiralig zu drehen, ähnlich 
den Windungen eines Korkenziehers. Bei gewiffer Länge verfilzen 



*) Ausführliche Mitteilungen finden fich in meinen: ,,Anthropologifche Ergebniffe 
einer Reife in der Südfee und dem malayifchen Archipel in den Jahren 1S79 — 1882" 
(Berlin, A. Asher & Co. 1884). 



Aftrolabe-Bai. 4 1 

fich die einzelnen Haare leicht in- und untereinander, namentlich an 
den Enden, wo fich Klümpchen bilden, und fo entftehen eine Art 
Locken, aus denen fich je nach der Behandlung dichte Strähne, 
Zotteln oder die eben befchriebene Wolke entwickeln. Die letztere 
ift aber keineswegs ein Raffencharakter des Papua, wie fo häufig 
angegeben wird, sondern höchftens die Neigung zur fpiraligen 
Drehung des einzelnen Haares, wodurch die Gesamtheit ein kräuf- 
liches Anfehen erhält, das zuweilen bei dichtem und kurzem Haare 
an den Wollkopf eines echten Negers erinnert. Wenn in unferen 
neueften Lehrbüchern die büschehveife Anordnung des Papuahaares, 
das ähnlich wie bei einer Bürlle gruppiert vertheilt fein foU, als ein 
Hauptcharakter der Papua-Raffe hervorgehoben wird, so ift dies ein 
völliger Irrtum, der leider, gegenüber berichtigenden neueren Unter- 
fuchungen, noch heut dem Engländer Windfor Earl gedankenlos 
nachgefchrieben wird. Ich habe fo viele Papuaköpfe unterfucht, 
folche eigens zu dem Zwecke rafiert, um das Wachstum zu beob- 
achten und weifs daher zur Genüge, dafs die Haare beim Papua in 
gleicher Weife wie bei Europäern hervorfpriefsen. Aber meine 
Unterfuchungen haben mich auch gelehrt, dafs es schwierig ist, 
einen durchgreifenden diagnoflifchen Charakter des Papuahaares zu 
finden, da gar fo viele individuelle Abweichungen vorkommen, fo- 
wohl in Haarbildung als Färbung. So find Locken- und Kraus- 
köpfe nichts Ungewöhnliches, ja ich habe unter reinen Papuas fowohl 
in Neu-Guinea als anderwärts fanft gewelltes wie fchlichtes Haar 
angetroffen, hinfichtlich der Färbung natürlich fuchsrotes. Nächfl 
dem Haare ifl es befonders die Hautfärbung, welche für diefe 
Menfchenraffe wichtig, aber bisher meift fo sehr mifsverftanden 
wurde, dafs ein paar Worte hierüber nicht fchaden können. Wenn 
hervorragende Anthropologen, die freilich Papuas nicht aus eigener 
Anfchauung kennen, diefen eine fchwarze, ja »bläulich fchwarze« 
Färbung zufchreiben, fo ift dies eben falfch. Man kann fich noch 
nicht daran gewöhnen, innerhalb einer Raffe so erhebliche Färbungs- 
verfchiedenheiten zu finden, die gerade bei der papuanifchen mehr 
als bei anderen vorzukommen fcheinen. Wenn auch im allgemeinen 



A2 Zweites Kapitel. 

eine dunkle Färbung vorherrfcht, so kann Schwarz doch keineswegs 
als ein Charakter der ganzen Raffe gelten. Wie das vorzugsweis 
vorhandene satte Braun fich durch Tiefbraun bis zur Schwärze des 
typischen Negers fleigert, so geht es andrerseits bis zu den lichten 
Tönen des Polynefier und selbft des Malayen herab. Auch weifse 
Papuas*) lernte ich kennen, so weifs als Europäer, und infofern nicht 
Albinos im gewöhnlichen Sinn, als manche auch am Tage scharf zu 
fehen vermochten. Zu diefen Verfchiedenheiten in Hautfärbung wie 
Haar tritt noch eine grofse individuelle der Physiognomie, wie die 
mit befonderer Sorgfalt ausgewählten, naturgetreuen Illuftrationen 
von papuanifchen Charakterköpfen am heften zeigen werden. So 
ifl: es daher fcliAver, auch in diefer Richtung einen durchgreifenden 
Raffencharakter zu fixieren. Jedenfalls ftehen die Papuas den echten 
Negern am nächften, und wenn auch im allgemeinen der neger- 
ähnliche Typus vorherrfcht, fo finden fich doch fo vielerlei Ab- 
weichungen, nicht nur in derfelben Landfchaft, fondern demfelben 
Dorfe, ja Familie, dafs gerade diefes Unbefländige mit charakteriftifch 
wird. Man darf daraus auf eine ftattgehabte Vermifchung mit an- 
deren Raffen, zunächft den benachbarten Ozeaniern und Malayen, 
fchliefsen, aber hiflorifch nachweisbar ifl dies nicht. Selbft in sol- 
chen Küftenftrichen , wo fchwerlich folche Nachbarvölker einge- 
drungen fein können, ja auch bei den Bergftämmen, die ich an der 
Südküfle von Neu-Guinea kennen lernte, tritt diefe Verfchiedenheit 
in der Färbung hervor, bald einzeln, bald häufiger; hier trifft man 
eine vorwiegend dunkle, dort eine hellere Bevölkerung, die man an- 
fänglich für eine ganz andere Menfchenraffe hält. Aber es darf 
nicht vergeffen werden, dafs fich helle Individuen in allen melane- 
fischen Gebieten finden, einzeln nicht feiten in dunklen Familien, 
ähnlich wie bei uns blonde und brünette Individuen in ein- und der- 
felben Familie vorkommen. Die Gelehrten werden fich daher daran 
gewöhnen muffen, an den früheren Aufifaffungen von Stabilität der 
Färbung nicht allzustarr feftzuhalten und wohlthun, geiftreiche Be- 



*) Vergl. „Zeitschrift für Ethnologie'- Jahrg. 1883. S. 205— :o8 



Aftrolabe-Bai. 



43 



trachtungen über die Entftehung folcher Abweichungen durch 
Mifchung lieber zu unterlaffen, da diefelben doch nur ins Gebiet 
der Spekulation verfallen und die exakte Wiflenfchaft nicht weiter- 
bringen. Dafs bei farbigen Völkern Färbungsnüancierungen viel 
flärker hervortreten als bei fogenannten weifsen, darf nicht ver- 
wundern , aber fie find fehr häufig rein individueller Natur, und wer 
lange unter Papuas gelebt hat, wird die oft erheblichen Färbungs- 
verfchiedenheiten als etwas Gewöhnliches und Selbftverfländliches 
betrachten, welche eben mit zum Charakter der Raffe gehören. 

Da unfere Reifen uns nur mit Papuas zufammenführen, fo war 
es notwendig, über diefe Raffe einige Mitteilungen zu machen, die 
zum befferen Verfländnis derfelben beitragen dürften. 

Auch die Bewohner von Aflrolabe-Bai find echte Papuas, im 
ganzen ziemlich lichtdunkelbraun, oder hellchocolatbraun gefärbt und 
von nicht fehr kräftigem Körperbau. Stattlichere Männer zählten 
zu den Ausnahmen, aber gerade die Bevölkerung von Bongu fchien 
überhaupt fchwächlicher und armfeliger. Ringwurm (Pforiafis), jene 
Hautkrankheit, welche fich in Schnörkeln oft über den ganzen Kör- 
per einfrifst, war ziemlich häufig vertreten, genierte aber ebenfo 
wenig als Schuppenkrankheit (Ichthyofis) und felbfl Elephantiafis. 
Letztere hindert die Bewegung gar nicht, und der brave Sa-ulo lief 
trotz feines Alters und dicken Beines (vom Knie bis zu den Zehen) 
fo fchnell wie ein junger. Diefe mehr oder minder bei allen Süd- 
feevölkern verbreiteten Krankheiten überrafchten mich natürlich nicht, 
umfomehr aber Pockennarben, welche ich hier zum erflenmale, fpäter 
aber wiederholt an der Küfle Neu-Guineas beobachtete. Wie mochte 
diefe Krankheit hierher gekommen fein? Jedenfalls hat fie viele 
Opfer gefordert und wefentlich mit zu der im allgemeinen fo gerin- 
gen Bevölkerung beigetragen. 

Im Vergleich mit Neu-Britanniern war die äufsere Erfcheinung 
der Bewohner von Koftnantinhafen fchon deshalb anfprechender, 
weil fie alle wenigflens eine gewiffe Bedeckung haben, während jene 
völlig nackend einhergehen, wie wir dies zuletzt auf den French- 
Infeln fahen. 



AA Zweites Kapitel. 

Die Männer tragen den Mal, d. h. ein oft mehrere Meter langes 
Stück Zeug aus gefchlagener Baumrinde, ähnlich der Tapa derPoly- 
nefier, forgfältig um die Hüften und zwifchen den Beinen durch- 
gezogen (vergl. Atlas T. XVI 3.), und nur kleine Knaben gehen 
völlig nackt. Dagegen fmd noch fehr kleine Mädchen bereits mit 
einem Lendenfchurz bekleidet, der ebenfalls Mal heifst und fich in 
diefer Form über ganz Neu-Guinea als das einzige Bekleidungsftück 
des weiblichen Gefchlechtes (vergl. Abbild. S. 40) verbreitet. Als 
Material dient die gefpaltene Blattfafer der Kokos-, für feinere 
die der Sagopalme. Letztere werden häufig buntgefärbt, meifl: rot 
oder mit roten, fchwarzen und gelben Längsflreifen und kleiden junge 
Mädchen fehr artig. Der Lendenfchurz geht entweder um den ganzen 
Körper und bildet dann eine Art bis über die Knie herabreichendes 
Röckchen, oder er bedeckt nur gewiffe Teile vorder- und hinterfeits 
und ift dann mehr Schürzen zu vergleichen. 

Hinfichtlich des übrigen Ausputzes der hifiegen Papuas ift wenig 
zu bemerken, da fie im ganzen arm zu fein fcheinen. Armbänder, 
aus einer Art Gras oder Liane (Lynofia) geflochten, Sagiu, zieren 
wie überall den Oberarm bei beiden Gefchlechtern; die Männer tragen 
zuweilen noch ähnliche Bänder feft unter dem Kniee umgeflochten. 
Diefe Arm- und Kniebänder flnd zuweilen hübfch mit kleinen Kauri-- 
mufcheln (vergl. Atlas XX. 4) verziert, wie Mufcheln hauptfächlich 
zu Schmuck- und Zieraten verwendet werden. So namentlich die 
zu Scheiben gefchlifi'enen Baflfteile der Conusmufcheln. aus denen 
man Halsketten verfertigt. Weit wertvoller fmd Hundezähne, die 
überhaupt bei allen melanefifchen Stämmen als Material zu Schmuck 
eine fo hervorragende Stelle einnehmen und bereits bei unferen Vor- 
fahren gleichen Zwecken dienten. Die Weiber muffen fich gewöhn- 
lich mit ein paar Hundezähnen als Zierat der Ohren begnügen, 
während die Männer breite Ringe aus Schildpatt (Atlas XVII. 4) 
tragen, wie aufserdem eine Menge anderer Dinge. Aber bei allen 
Naturvölkern fchmückt fich das männliche Gefchlecht eben weit 
mehr als das weibliche. Tätowierung, die, da wo fle Sitte ift, vor- 
herrschend den Körper des Weibes verziert, ift hier, wie an der 



Aflrolabe-Bai. 



45 



ganzen Küfle unbekannt. Dagegen bemerkte ich zuweilen, und zwar 
an beiden Gefchlechtern, Ziernarben, die, wie in den Gilberts-Infeln 
und anderswo, durch kleine Brandwunden hervorgebracht werden. 
Kämme (Atlas XVII. i) dienen nur dem Haare des Mannes als 
Schmuck und werden von den Frauen nicht getragen. Wie erwähnt, 
benutzt man diefe Kämme (Gatiassem) übrigens nicht zum Kämmen, 
fondern zum Aufzaufen der Haare, als Kopfkratzer und gelegentlich 
als ■ — Gabel, an welche das fchmale, langzinkige Inftrument am 
meiften erinnert. — Der koflbarfte Bruftfchmuck der Männer be- 
fleht aus Eberhauern (Atlas XXI. 2), während die Frauen mit einer 
Eiermufchel (Ovula ovum) zufrieden find. Aber für gewöhnlich fieht 
man aufser den erwähnten Armbändern wenig Zieraten bei der hie- 
figen Bevölkerung, dagegen fcheinen kleinere oder gröfsere Beutel, 
zierlich aus feftem Bindfaden in Filetmanier geftrickt, unzertrennliche 
Begleiter. Die Männer tragen kleine, dicht geflrickte Bruflbeutel, 
Jambi, in welchen fie meift Tabak, Talismane, Betelnüffe und 
fonftige Kleinigkeiten venvahren , und gröfsere , Gumbutu , auf 
der Schulter, die für die Kalkbüchfe (Atlas V. i) zum Betel, Löffel, 
Betelnufsbrecher aus Knochen (Atl. V. 7), Mufcheln zum Schneiden 
und Schaben (Atl. V. 8) dienen, Requifiten, welche jeder Papua als 
unentbehrlich ftets bei fich trägt. Die Beutel der Weiber, Nangeli- 
Gun, find viel gröfser, fackartig und werden an einem Tragbande 
auf dem Vorderkopfe getragen, wie dies die Papuafrauen meift thun. 
Sie find diefe Methode fchon von fo früher Jugend an gewöhnt, 
dafs fie ohne Mühe beträchtliche Laflen aufladen. Denn nur die 
Weiber find es, denen der Transport der Feldfrüchte von den Pflan- 
zungen nach dem Dorfe obliegt, die Waffer und Holz herbeitragen, 
wie fie aufserdem in kleineren Beuteln noch häufig Säuglinge, fowie 
junge Hunde und Schweinchen mit umherfchleppen. 

Nach diefer Bekanntfchaft mit der äufseren Erfcheinung der 
Papuas im allgemeinen und der hiefigen im befonderen, wollen wir 
uns nach Bongu zurückwenden, um auch Siedelungen und Häufer 
kennen zu lernen. Wie fafi alle Papuadörfer in Neu-Guinea, ver- 
teilen fich die etwa 30 Häufer unregelmäfsig über einen freien Platz, 



46 



Zweites Kapitel. 



der unmittelbar vom Urwald eingefchlofsen ift. Bei den Häufern 
ftehen fpärliche Kokospalmen, fovvie einige Bananen, Zierpflanzen 
und Cayennepfefferfträucher (jau). Gewöhnlich teilen fich die Dörfer 
in mehrere Häufergruppen, die durch fchmale Pfade durch den Ur- 
wald miteinander verbunden find und eigene Namen haben. Die 
Plantagen , auf welche ich fpäter zurückkommen werde, find oft in 
beträchtlicher Entfernung von den Siedelungen angelegt. Was die 
Häufer in Bongu felbft anbetrifft, fo unterfcheiden fie fich im Bau- 




Häuser mit Barla. 

ftil von den meiften Papuahäufern dadurch, dafs fie auf dem Erd- 
boden flehen, daher richtiger als Hütten zu bezeichnen find, Sie 
beftehen, wie die Abbildung zeigt, im wefentlichen aus einem 
feitlich etwas gerundeten, breiten flumpfwinkeligen Dache, mit grader 
Firste, das bis zum Erdboden herabreicht. An der vorderen Giebel- 
feite befindet fich die kleine Thür, die zuweilen überdacht und mit 
einer fchmalen Plattform verfehen ift. Da die Häufer hauptfächlich 



Aflrolabe-Bai 47 

nur zum Aufenthalt während der Nacht fowie bei fchlechtem Wetter 
dienen, ift die innere Einrichtung fehr einfach. Ein paar Bänke aus 
gefpaltenem Bambus, Barla genannt, dienen als Schlafftätten der 
Männer fowie zur Aufnahme des wenigen Hausrates (Töpfe, hölzerne 
Schüffeln), Lebensmitteln u. f. w. An den Dachbalken hängen ge- 
wöhnlich Körbe und Bündel, welche, in Blätter eingepackt, feinere 
Sachen z. B. Federschmuck) enthalten. Zum befferen Schutz gegen 
Mäufe, und oft Horden darüber errichtet, namentlich auch für Spei- 
fen. In der Mitte des Haufes befindet fich die Feuerftätte, weniger 
zum Kochen, was meifl im Freien gefchieht, als um überhaupt Feuer 
zu erhalten. Denn fonderbarerweife fcheinen die hiefigen Einge- 
borenen kein Mittel zu befitzen, um Feuer zu erzeugen. In den 
Hütten werden daher ftets glimmende Kohlen eines fehr langsam 
brennenden Holzes erhalten, so dafs in einem Papuadorfe das Feuer 
nie ausgeht. Sollte es dennoch gefchehen, fo holen die hiefigen 
Küflenbewohner aus den Bergdörfern Feuer, deren Bewohner die 
Kunft, Feuer zu machen, verftehen. Bei dem forglofen Umgehen 
mit Feuer mufs man fich nur wundern, dafs nicht alle Augenblicke 
die fo leicht entzündbaren Häufer in Flammen aufgehen, aber merk- 
würdigerweife fcheinen Brandunglücke im ganzen feiten zu fein. 
Freund Sa-ul hatte uns am Eingang des Dorfes begrüfst und 
geleitete uns mit den übrigen Männern nach der Barla (vergl. Abbild. 
S. 46}, einem grofsen, auf vier Pfählen ruhenden GerülT:, ähnlich 
einem grofsen Tifch, das in keinem diefer Dörfer, ja faft vor keinem 
Haufe, fehlt. Die Barla bildet den beliebten Ruhe- und zugleich 
Efsplatz der Männer, die hier, unbehelligt von den zudringlichen 
Schweinen, ihre Mahlzeiten und darauf ihr Schläfchen halten. Frauen 
dürfen die Barla nicht benutzen, fondern höchflens unter derfelben 
hocken. Wie die meiften Papuadörfer, befitzt Bonga auch ein Ver- 
fammlungshaus, hier Buambrambra genannt, das als Schlafftätte für 
die unverheirateten Männer, wie als Empfangshaus fremder Gäfte 
dient. Diefes Gebäude, in der Form der gewöhnlichen Häufer, aber 
viel gröfser und an beiden Giebelfeiten offen, Ichien erft feit kurzem 
fertig geworden zu fein. Aufser einigen Unterkiefern von Schweinen, 



^8 Zweites Kapitel. 

zur Erinnerung an Feftlichkeiten , und einigen Eierfchalen von Me- 
gapodien), enthielt es keinerlei Ausputz, aber einige Barum waren 
hier untergebracht. So heifsen die grofsen Holztrommeln (vergl. 
Atl. XIII I.), welche dickwandigen Trögen ähneln und, mit einem 
dicken Knüppel gefchlagen, als Signalinftrumente dienen. Ihr 
dumpfer Ton ifl, namentlich in der Stille der Nacht weit, oft meh- 
rere Meilen (engl.), hörbar und teilt alle Begebenheiten den Nach- 
bardörfern mit, die an der Art der Schläge fogleich erkennen, ob 
es fich um einen Angriff, einen Todesfall oder eine Fefllichkeit 
handelt. Die Samoa hat fpäter gar oft das Barum in Thätigkeit ge- 
fetzt, wie unfere Ankunft ebenfo durch Rauchfäulen, in der Nacht 
durch Feuer fignalifiert wurde. 

An dem foeben erwähnten Buambrambra war übrigens keinerlei 
Verzierung in Holzfchnitzerei angebracht, aber ich entdeckte bei 
meinem Durchflöbern der Hütten zufällig ein hervorragendes Werk 
des Kunftfleifses in Holzbildnerei, einen fogenannten Telum oder 
Tselum. So heifsen hier befondere, meift aus Holz gefertigte Fi- 
guren, die in der Regel einen Menfchen darftellen. Ich fah in Bongu 
übrigens auch kleine, aus einer erdigen aber feften Mafse gefchnitzte 
Telum. Das erwähnte Holzbildnis verdiente fchon wegen feiner 
Gröfse Bewunderung, denn es war an 8 Fufs hoch und aus einem 
Stück Holz gefchnitzt, foweit fich diefer Ausdruck für die Steinzeit 
anwenden läfst, die ja keine Meffer, alfo auch nicht eigentliches 
Schnitzen kennt. Diefe Koloffalfigur, von der die Abbildung (S. 49) 
eine getreue Vorftellung giebt, wurde »Telum Mul« genannt. Sie 
repräfentierte einen Papua, deffen Kopf allein über die Hälfte der 
ganzen Länge einnahm, aber trotz den groben Fehlern in den Pro- 
portionen doch ein Kunftwerk erflen Ranges und eine Leiftung, 
w^elche dem Alter der Steinzeit zur höchften Ehre gereicht. Man 
ftaunt, unter voller Berückfichtigung der primitiven Werkzeuge, nicht 
nur über den Fleifs und die Ausdauer, fondern faft noch mehr über 
den idealen Zug im Geifte des Papua, w^elcher felbst vor einer fol- 
chen Riefenarbeit nicht zurückfchreckte. Denn ohne Zweifel waren 
es geiftige Intereffen, welche die fonfl fo läffigen Menfchen zur 



Aftrolabe-Bai. 



49 



Verkörperung einer Idee begeifterte, die keinen praktifchen Hinter- 
grund hat. Miffionäre , welche in den unfchuldigften bildlichen 
Darstellungen meift Zeichen des Heidentums erblicken, würden eine 
folche wie hier jedenfalls als einen befonders fchrecklichen Götzen 
deuten, deffen Vernichtung als Gott wohlgefällig betrachten. Aber 




Telum Mul. 

ohne Zweifel haben die Telums nichts mit Religion, wohl aber mit 
Gefchichte der Papuas zu thun, da fie ähnlich wie unfere Denkmäler 
berühmte Perfonen, Ahnen, darftellen und fomit nur für die Wiffen- 
fchaft von höchfler Bedeutung find. Wer es verftünde die Gefchichte 
diefer Telums zu ergründen von denen es in den Dörfern von 

Finfch, Samoafahrten. 4 



CQ Zweites Kapitel. 

Aftrolabe-Bai eine ganze Menge giebt, die alle durch Eigennamen 
unterfchieden werden, würde möglicherweife Aufschlufs über die 
Herkunft des Volkes oder Stammes geben können. Aber wahrschein- 
lich ift die Gefchichte vieler Telums bei der jetzt lebenden Bevöl- 
kerung bereits verloren gegangen, denn manche fcheinen fehr alt zu 
fein. Auch der Telum-Mul hatte wahrfcheinlich fchon Generationen 
gefehen und nur dem feften, den weifsen Ameifen widerftehenden 
Holze leine Erhaltung zu danken. Die gegenwärtige Generation 
forgte übrigens fchlecht für ihn, denn er war in einer faft verfallenen 
Hütte untergebracht, in welcher fich nur noch wenig altes Gerumpel 
befand, darunter ein paar alte Blechgefäfse und Fäfschen, die noch 
von Maclay herrührten. Unter dem Gerumpel befand fich übrigens 
noch ein fehr interesfanter, an 12 Fufs langer Balken mit kunftvollem 
Schnitzwerk, der am Boden lag und fo mit Schmutz und Staub be- 
deckt war, dafs ich ihn in dem ohnehin dunklen Räume erft nach 
geraumer Zeit entdeckte. Jedenfalls diente der Telum nicht als 
»Götze« der öffentlichen Verehrung, und der Umstand, dafs die Be- 
völkerung ihn fo fehr vernachläffigte, deutete das geringe Intereffe 
überhaupt an. Meine Bemühungen, diesen Schatz für das Berliner 
Mufeum zu erftehen, fcheiterten an der Uneinigkeit der Männer. 
Denn ohne Zweifel war der Telum Mul Gemeindeeigentum nicht nur 
von Bongu, sondern die Männer von Korendu und Gumbu hatten 
ebenfalls mitzubefchliefsen. 

Wir werden für die Folge mehr folcher wunderbaren Erzeugniffe 
des Kunftfleifses der Papua kennen lernen, die meift auf Ahnen zu- 
rückzuführen fmd und höchftens mit einem gewiffen „Tabu", aber 
nichts mit Religion zu thun haben. Dies gilt auch in Bezug auf die 
Befchneidung, welche bei der Bevölkerung von Aftrolabe-Bai herrfcht 
und felbftredend keinerlei Beziehungen zum Rituale des Judentums 
hat, da fich diese Sitte ja auch anderwärts bei Naturvölkern findet. 

Die Bewohner von Bongu, wie Aftrolabe-Bai überhaupt, lebten 
übrigens bei unferem Dortfein noch völlig im Alter der Steinzeit, 
denn das von Maclay zuerft hierhergebrachte Eifen hatte in keiner 
Weise Veränderungen hervorgerufen. Im ganzen war auch blut- 



Aflrolabe-Bai. ; I 

wenig von Gerätfchaften zu fehen, welche der rulTische Reifende 
hier zurückliefs. Einige alte Stemm- und Hobeleifen, Blechgefäfse, 
ruffifche Uniformknöpfe fowie wenig Glasperlen blieb alles, was wir 
bemerkten, obwohl uns die Eingeborenenen auf jedes Stück mit dem 
Ausruf »Maclay« aufmerkfam machten. 

Auch eine Nangeli (Frau) oder Kringa (Mädchen) »Maclay«, 
wurde uns gezeigt, ein kleines, pockennarbiges Frauenzimmer von 
ca. i6 Jahren, bei welchem ^Maclay jedenfalls Pate geftanden, d. h. 
ihr als Kind den Namen gegeben hatte, eine Gunft, um welche die 
Eingeborenen den Reifenden öfters erfuchten. Was unfere Auf- 
merkfamkeit übrigens am meiften erregte, war etwas, das wir hier 
am allerwenigflen erwartet haben würden, nämlich etwas Lebendes 
in Geftalt von Rindvieh! Ein Bulle und eine Kuh der indifchen 
Zeburaffe glotzten uns erflaunt über den fremden Befuch eine Weile 
an und nahmen dann Reiffaus. Miclucho-Maclay hatte diefe Tiere 
im Jahre 1883 an Bord des ruffifchen Kriegsfchiffes »Skobelefif« hier- 
hergebracht und den Eingeborenen gefchenkt. Auf der Reife nach 
Sydney begriffen, traf er diefes Kriegsfchiff zufällig in Batavia und 
liefs fich trotz der fpäten Stunde beim Kommandanten, einem Ad- 
miral, melden. Derfelbe war auch gleich bereit, einen Abflecher 
nach Neu-Guinea zu machen, und brachte feinen gelehrten Lands- 
mann, noch in den Admiralitätsinfeln und Pelau vorfprechend, nach 
Lugon, von wo das Kriegsfchiff die Reife nach dem Amur fortfetzte. 
Die bei diefer Gelegenheit eingeführten Ziegen waren fpurlos ver- 
fchwunden; das Rindvieh aber für die Eingeborenen ein rechtes 
Danaergefchenk. Bekanntlich und Wildfehweine und Kängurus die 
gröfsten Vierfüfsler, welche Neu-Guinea aufweift, und diefe machen 
fchon die Umzäunung der Plantagen notwendig, den Eingeborenen 
alfo Mühe und Laft genug. Aber diefe Zäune erweifen fich Rin- 
dern gegenüber natürlich als unzureichend, und fo haben die Tiere nur 
die Arbeitslaft der Eingeborenen Bongus vermehrt, ohne ihnen irgend 
welchen Nutzen zu bringen. Denn was foUen Vegetarianer mit Haus- 
tieren anfangen, deren Pflege fie nicht verftehen und deren Ver- 
wertung ihren Bedürfniffen nicht entfpricht! Menfchen, die in erster 

4* 



52 



Zweites Kapitel. 



Linie und faft ausfchlieffend von dem Ertrage ihrer Plantagen leben, 
alfo Ackerbauer find, können fich nicht mit einemmale zu einem 
Hirtenvolke auffchwingen. Die einzigen Haustiere, welche von den 
Eingeborenen hier, wie überhaupt, gehalten refp. gezüchtet werden, 
fmd Schweine und Hunde. Die erfteren, in der Bongufprache »Bul- 
bul« genannt, find Abkömmlinge der Wildfehweine, von welchen 
Neu -Guinea zwei eigentümliche Arten befitzt: Sus papuenfis und 
Sus niger. Erflere Art (unten Hnke Figur) kennen wir nur nach 



,2^tr^^ 











Papuafchweine. 



der ungenügenden Darfteilung Leffons. Sie ifl roftbräunlich ge- 
färbt, an der Unterkinnlade, Brufl:, Bauch, Innenfeite der Beine und 
Feffeln weifsfahl, an Schnauze und ums Auge fchwärzlich; die 
Jungen find ähnlich wie Frifchlinge unferes Wildfehweines braun und 
roftgelb längsgeftreift. Die zweite von mir Proc. Zool. Soc. London 
1886 S. 217) befchriebene Art (oben rechte Figur) zeichnet sich, 
auch in der Jugend, durch die einfarbig fchwärzliche Färbung aus. 
Beide Arten werden im Alter gewaltige Tiere mit mächtigen Hauern, 



Aftrolabe-Bai. ro 

die bei den Papuas als Schmuck sehr gefchätzt find. Die bei- 
gegebene Abbildung wurde nach den lebenden Exemplaren ge- 
zeichnet, welche ich für den Zoologischen Garten in Berlin mit- 
brachte, bisher die erften, welche Europa erreichten, und flellen 
Tiere in noch jugendlichem Alter dar. Ferkel find nebft jungen 
Hunden die erklärten Lieblinge der papuanischen Damenwelt, und 
ich fall nicht feiten Frauen auffcr ihrem Kinde noch ein kleines 
Schweinchen fangen. Die Tierchen werden daher auch bewunderns- 
wert zahm, folgen, fofern fie nicht im Tragbeutel mitgefchleppt 
werden, ihren Pflegerinnen auf Tritt und Schritt, und eine Papuafrau 
würde fleh von ihrem Lieblinge ebenfowenig trennen, als eine Dame 
von ihrem Schofshündchen. 

Die Abftammung des Papuahundes bleibt auf einer Infel, wo 
kein einziges Raubtier vorkommt, ein Rätsel, deffen Löfung innigft 
mit der Herkunft des hier lebenden Menfchen zufammenhängt, eine 
Frage, welche eine viel gröfsere Bedeutfamkeit hat, als es vielen 
fcheinen dürfte. Auf Grund des Vorhandenfeins von Hunden als 
Haustier hat die Annahme Berechtigung, 
dafs die Papuas überhaupt ein eingewan- 
dertes Volk find. Über das »Woher?« will 
ich hier indes weiter keine Betrachtungen 
aufteilen. Der Papuahund, in Bongu »Sfa« 
genannt, gehört übrigens jener eigentüm- 
lichen Raffe an, wie fie fich allenthalben 
in Neu-Guinea findet, und die fich am mei- 
sten mit einem kleinen Dingo vergleichen 
läfst. Er ift glatthaarig, von kleiner unan- Papuahund. 

fehnlicher Statur, hat einen fuchsähnlichen Kopf, aber mit ftumpfer 
Schnauze und aufrechtftehenden, fpitzgerundeten Ohren. Der Schwanz 
ift flark nach links gedreht, wird aber beim Anblick eines Frem- 
den aus Furchtfamkeit meifl hängend getragen. Die Färbung variiert 
aufferordentlich, und fchon hieraus fpricht die lange Domeflikation 
am deutlichften. Im allgemeinen herrfcht eine roflfahle Färbung 
vor, mit weifser Schnauze, Stirnmitte, Kehle, Bauch und Schwanz- 




c^ Zweites Kapitel. 

fpitze, aber es giebt auch dunkelbraune Exemplare, folche mit 
weifsem Kopfe und fchvvarzgefleckte , kurzum nicht zwei Exem- 
plare find völlig gleich. Die Abbildung ift nach einem jun- 
gen Exemplare gezeichnet. Eine befondere Eigentümlichkeit des 
Papuahundes ift, dafs er nicht bellt, fondern nur heult, aber 
ich hörte die Hunde in Aftrolabe-Bai nicht jene regelmäfsigen Heul- 
konzerte aufführen, bei dem fich alle Hunde vereinigen, und welche 
nicht gerade zu den Annehmlichkeiten von Port Moresby gehören. 
Der Papuahund ift übrigens von fcheuem, feigen Wefen, fehr die- 
bifch und fchon wegen feiner geringen Gröfse nicht zur Jagd ge- 
eignet, wie er kein guter Wächter ift. Gewöhnlich pflegen fich bei 
Annäherung von Fremden die Hunde des Dorfes lautlos wegzu- 
fchleichen. »Wie der Hund, fo der Herr gilt« auch für Neu-Guinea, 
infofern als beide keine Jäger, wohl aber Vegetarianer find. Wie 
fein Herr nährt fich der Papuahund vorzugsweife von Pflanzenftofifen, 
frifst z. B. mit Vorliebe Kokosnufs, und fein bei den Papuas fo 
fehr beliebtes Fleifch mag infolge deffen wohl nicht übel fchmecken. 
Man hält den Hund eben des Effens wegen. Hunde und Schweine 
werden übrigens nur bei Feften aufgetifcht, welche die Papua fehr 
lieben und mit grofser Beharrlichkeit, oft mehrere Tage lang, feiern. 
Da wird gar manchem Borftentiere der Garaus gemacht und die 
Feftteilnehmer bringen oft von weither ihren Anteil zu dem Picknick 
herbeigefchleppt. Wie die Abbildung zeigt , wird dabei mit den 
Schweinen nicht gerade glimpflich und im Sinne unferer Tierfchutz- 
vereine verfahren, aber jedenfalls ift die Befeftigung mit Lianen 
praktisch. Ländlich, fittHch! Transportieren doch, was w^eit em- 
pörender ift, die Neu-Irländer oder jetzigen Neu-Mecklenburger ihre 
Kriegsgefangenen, wie Schulle auf Nufa mit eigenen Augen fah , in 
derfelben brutalen Weise und zu der gleichen Beftimmung des 
Aufeffens! 

Wie die Abftammung und Herkunft des Hundes, fo ift die des 
Haushuhnes eine noch ungelöfte Frage, die nur wie jene erklärt 
werden kann. Hühner find an diefer Küfte, wie in Neu-Guinea 
überhaupt, nicht Haustiere im Sinne der unferen, werden auch nicht 



Aftrolabe-Bai. 



55 



des Fleifches und der Eier, fondern hauptfächlich, übrigens immer 
in fehr befchränkter Anzahl, der Federn wegen gehalten. Hahnen- 
federn, namentlich weifse find nämlich ein beliebter Kopfputz der 




Malaffi oder jungen Leute. In manchen Dörfern fah ich an Geflügel nur 
ein paar weifse Hähne (Kakaru). In der Färbung neigen fie häufig zu 
Albinismus, während die meift im Walde verfteckt lebenden Hennen 



cg Zweites Kapitel. 

(Tutu) mehr dem wilden Bankivahuhn ähneln. Ich will hier noch 
bemerken, dafs das Halten von Vögeln bei den hiefigen Papuas, 
wie an der ganzen Nordoftküfte, nur ausnahmsweife vorkommt. 
Es überrafchte mich dies, weil an der Südoftküfte zahme Papageien 
(Eclectus) und Kakadus, fchon der Federn wegen, faft in jedem 
Dorfe gehalten werden. 

Auf unferen Ausflügen lernten wir auch die Plantagen der Ein- 
geborenen kennen, die, wie erwähnt und wie dies fafl: überall in 
Neu-Guinea und Melanefien überhaupt der Fall ift, weit von den 
Dörfern, meift an Berghängen oder mitten im Urwalde angelegt 
find. Die Urbarmachung eines oft mehrere Hektaren grofsen Stück 
Landes ift für Merifchen, die noch in der Steinperiode leben, gewifs 
eine höchft mühevolle und gewaltige Arbeit, nicht minder die Ein- 
zäunung deffelben. Soviel das Feuer auch hilft, einen Urwald kann 
es nicht vernichten, und fo iDleibt noch viel Arbeit für die Steinäxte 
der Männer übrig, welche die kleineren Bäume umhauen, von den 
grofsen, zum Teil von Feuer gefällten, die Afte abhacken, fo dafs 
nur die Stämme übrig bleiben, die- dem Klima nicht allzulange 
Widerftand leiflen. Wie bei der gröb.en' Arbeit des Umhauens und 
eigentlichen Urbarmachens, fo vereinigen fich fämtliche Dortbewoh- 
ner beim Bau der Einzäunung. Sie wird in dem hiefigen Diflrikte 
aus etwa mannshohen Stäben des wilden Zuckerrohres gefertigt, die 
durch ihr fpäteres teilweifes Ausfchlagen der Wurzeln dem Ganzen 
befondere Fefbigkeit verleihen. Thore oder Thüren find aus Rück- 
ficht auf. das Eindringen der wilden Schweine nicht freigelaffen, 
aber gewiffe Vorrichtungen zum leichteren Überklettern angebracht. 
Das von der Einfriedigung umfchloffene Land ift nach Gröfse der 
Familien verteilt, deren weibliche Glieder die Bearbeitung zu befor- 
gen haben. Das eigentliche Umgraben, wozu man fich nur eines 
fpitzen Stockes, Udja (Udfcha) bedient, gefchieht durch die Männer, 
die feinere Bearbeitung des Bodens durch die Weiber, die dazu 
eine Art fchmaler Schaufeln (Udja-fab) benutzen. Ich fand in den 
Plantagen diefelbe muflerhafte Wirtfchaft, wie ich fie fchon von der 
Südküfte Neu-Guineas und aus Neu-Britannien kannte. Das Erdreich 



Aftrolabe-Bai. 57 

fah, forgfältig aufgelockert, wie gefiebt aus. Die Ranken des Jams 
wanden fich an regelmäfsig eingedeckten Stangen, zwifchen denen 
andere Pflanzen wuchfen, wie in einem Hopfenfelde empor. Es war 
jetzt gerade die Zeit der Jamsreife, da der Landbau der Papuas eine 
Reihe von Feldfrüchten in abwechfelnder Aufeinanderfolge zeitigt. 
Das Hauptnahrungsmittel bildet übrigens der am meiften beHebte 
Taro, »Bau« (Collocasia , von März bis Augufi:, demnächft Jams, 
»Ajan« (Diascorea , von Auguft bis November. Aufserdem werden 
noch süfse Kartoffeln, »Degargol« (Convulvulus), Zuckerrohr, »Den«, 
Bananen, »Moga«, eine Art kleiner Bohnen, »Magar« und Tabak 
»Kas« kultiviert. Ein ebenfalls nur infolge von Kultur vorhandener 
Nutzbaum ift die Kocospalme, die in ganz Aftrölabe-Bai fpärlich 
vorhanden, befonders in diefem Teile rar ifl und -manchen Dörfern 
z. B. Gumbu ganz fehlt. Kokosnüffe, »Munki«' fowie Sago »Born« 
haben daher für diefes Gebiet nur untergeordnete Bedeutung, wäh- 
rend fie in anderen mit zu den Hauptnährmitt^ln gehören. Damit 
fmd ungefähr alle Kulturpfl.anzen der Papuas tn ganz Neu-Guinea. 
wie Melanefien überhaupt, genaniit, und ich werde hierüber, wie über 
Bodenbearbeitung felbft wenig .-mehr zu fagen haben, da fich die- 
felbe im wefentlichen überall gleich bleibt. 

Man erfieht aus dem Vorhergehenden, dafs die fo oft geprie- 
fenen Tropen nicht dem Garten Edens zu ' vergleichen fmd, in 
welchem der Menfch ohne alle Mühe und Sorge herrlich und. in 
Freuden lebt, fondern dafs er fich überall im Kampfe ums Dafein 
bemühen und quälen mufs. Selbft diejenigen vereinzelten Menfchen- 
ftämme, welche, wie z. B. die Auftralier, gar keinen Anbau kennen, 
und lediglich auf die Erzeugniffe der Natur angewiefen find, muffen 
fich ihren Lebensunterhalt mühfelig erwerben und werden, wie fchon 
ihr Äufseres zeigt, nicht fett dabei. 

Für die Papuas liegt übrigens fchon in der Bodenbearbeitung 
ein charakteriflifcher Zug der ganzen Raffe, durch welche fie die 
höhere Stufe ihrer Gefittung fo vorteilhaft bekundet, und die weder 
durch Nacktheit noch Kannibalismus gewiffer Stämme abgefchwächt 
werden kann. Letztere beiden Übel find ja nur in unferen Augen 



c3 Zweites Kapitel. 

folche, in Wirklichkeit aber durch Ufus überkommene Gewohnheiten 
unabhängig von Gefittung wie MoraL 

Selbftredend benutzen, wie alle Papuas und Menfchen über- 
haupt, auch diejenigen von Aftrolabe-Bai einige Pflanzen, welche die 
Natur felbfl: bietet, als Nahrung. So verfchiedene Früchte, Nüffe, 
ja felbft: Knofpen und Blätter gewiffer Gewächfe. Sie fpielen indes, 
wie der in Aftrolabe-Bai überhaupt nur fpärlich vorkommende Brot- 
fruchtbaum, Boli, eine untergeordnete Rolle. 

Um Wiederholungen zu vermeiden, will ich gleich an diefer 
Stelle zweier Genufsmittel gedenken, die mit wenig Ausnahmen über 
ganz Melanefien verbreitet und eng mit dem Leben des Papua ver- 
bunden fmd, nämlich: Tabak und Betelnufs! Der erftere ift ent- 
weder, wie Hund und Haushuhn, bei der Einwanderung der Papuas 
mitgebracht worden oder eine einheimifche Pflanze, war aber in 
jedem Falle vor der Ankunft von Weifsen den Eingeborenen fchon 
bekannt. Wie Maclay in Konftantinhafen bereits Tabak vorfand, 
fo ging es uns fpäter an Plätzen, die wir zuerfl; berührten. Die 
früher von mir von der Südküfte mitgebrachten Herbarproben zeigten 
die Identität der von den Papuas kultivierten Pflanze mit dem ge- 
wöhnlichen Bauerntabak (Nicotiana tabaccum), mit dem fle in Aus- 
feilen wie Blüte durchaus übereinftimmt. In allen von mir besuchten 
Gebieten an der Nord- und Südoftküfte Neu-Guineas, fand ich Ta- 
bakbau, deren Erträge felbfl: einem Teil des Taufchhandels der Ein- 
geborenen untereinander bilden. Auch die armen Bergdörfer im 
Innern von Port Moresby befafsen ihre forgfältig eingezäunten Gärt- 
chen mit Tabakspflanzen, während an der Küfle felbfl diefe Kultur 
durch eingetührten Tabak im Verfchwinden begriffen oder wie in 
Port Moresby fo gut als verfchwunden ift. Hier hat der bekannte 
Twift, (Niggerhead) oder amerikanifche Stangentabak, das gangbarfle 
und unentbehrliche Taufchmittel*) im Verkehr mit allen Südfee- 



•) Es kann nichts Praktifcheres geben als diefen Tabak, welcher vollfländig unfere 
Scheidemünzen erfetzt, aber gar fehr von dem bei uns gebräuchlichen abweicht. Twift 
hat die Form einer dünnen flachen Stange Siegellack und bildet eine festzufammengeprefste 
fchwarze Maffe, welche mit einem fcharfen Inftrumente auseinander gebrochen werden 



Aftrolabe-Bai. cq 

ftämmen überhaupt, bereits Wert und lebhafte Nachfrage. Die Ein- 
geborenen der Südoftküfle befitzen auch ein eigenes Rauchgerät, 
den »Baubau«, auf den wir noch zurückkommen werden, welches die 
sonft überall beliebte und begehrte Thonpfeife nicht zu verdrängen 
vermochte. Die Eingeborenen an der ganzen Nordoflküfte kennen 
kein Rauchgerät und wiefen aus diesem Grunde auch unsere Thon- 
pfeifen zurück. Sie wickeln aus den unfermentierten, etwas getrock- 
neten Blättern eine rohe Zigarre oder Zigarette, der ein grünes Baum- 
blatt als Decker dient. Diefe Zigarren glimmen selbftredend sehr 
fchlecht, und es bedarf immer glühender Kohlen, um sie in Brand 
zu halten. Aber die Papuas sind keine Raucher in unferem Sinne; 
ein paar volle Züge genügen, und die Zigarre wandert von Mund 
zu Mund. Wir konnten uns mit diefer Sitte unferer neuen Freunde 
in Konftantinhafen natürlich nicht befreunden, die in oft ergötz- 
licherweife dem einen oder anderen von uns die brennende Zigarre 
aus dem Munde nahmen, um fich an ein paar Zügen zu erlaben. 
Wir vertröfteten die Leutchen daher immer auf die Stummel, die 
bald ein gefuchter Artikel und den Eingeborenen lieber als der 
harte Stangentabak waren, obwohl fie diefen bereits durch Maclay 
kannten. Wie in Port Moresby »Kuku laffir« (keinen Tabak haben?) 
die flehende Redensart, gleichfam Begrüfsungsformel bei Begegnung 
mit Eingeborenen ifl, fo hier »kas! kas!« (Tabak, Tabak!). Aber 
die Leute waren lange nicht fo bettelhaft und zudringlich als in dem 
von Civilifation fchon zu fehr übertünchten Port Moresby. 

Nächfl dem Tabak ift der Genufs des Betel über ganz Mela- 
nefien verbreitet und wird von Mann und Frau, alt wie jung, lei- 
denfchaftlich geliebt, ja fcheint faft unentbehrlich. Betel ift bekannt- 
lich die Frucht der Betelpalme (Areca), der fchönfhen der hier 
vorkommenden Palmen, deren grade Stämme fich auch trefflich 
als Baumaterial eignen. Die Betelpalme zeitigt traubenförmige Bü- 



mufs. Jedes Stück befleht aus zwei übereinander geflochtenen Hälften, läfst fich also 
leicht teilen. Auf das Pfund werden 22 bis 26 Stücke gerechnet. Der Preis beträgt in 
Sydney (ohne Steuer) ca. i Mk 8 Pf, in Mioko 3, in Neu-Irland und anderen neuen 
Plätzen 8 Mark! 



50 Zweites Kapitel. 

fchel grüner bis gelber Früchte, von der Gröfse einer kleinen Wal- 
nufs oder Mirabelle. Nach Entfernung der äufseren dichten Fafer- 
hülle, mittelfl eines meifselförmigen Inftruments (Dongan) aus Knochen, 
kommt ein fefter Kern zum Vorfchein, der in Ausfehen und Form 
einer Muskatnufs ähnelt. Diefer Kern oder Nufs ift es, welcher ge- 
geffen wird, aber nicht allein, fondern im Verein mit pulverifierten 
Kalk (aus gebrannten Korallen gewonnen) und den Blättern oder 
Blüten einer Pfefterpflanze, in derfelben Weife alfo, wie dies überall 
gefchieht. So verbreitet fich der Betelgenufs bekanntlich weit über 
Oftindien und die malaifchen Infein, hier Sirie genannt. Aber es 
würde voreilig fein auf diefes gemeinfame Genufsmittel, die urfprüng- 
liche malaiifche Herkunft der Papuas abzuleiten, da kein Grund vor- 
liegt zu bezweifeln, warum die letzteren nicht felbfl auf den Betel- 
genufs gekommen fein follten. Für Europäer ift Betel übrigens eben 
kein Genufs! Er fchmeckt beifsend-fäuerlich, zieht das Zahnfleifch 
zufammen, hinterläfst aber einen erfrifchenden Nachgefchmack und 
erleichtert das Atmen. Irgend eine betäubende Wirkung hat Betel 
übrigens nicht, dagegen eine färbende, indem er Zunge, Lippen, 
Speichel und Zähne rot, bei längerem Gebrauch letztere braun bis 
fchwarz färbt. Aus welchen Gründen die Betelnufs überall nur im 
Verein mit Pfeffer und Kalk gegeffen wird, wäre intereffant zu er- 
fahren, fcheint aber noch nicht wiffenfchaftlich aufgeklärt. Die ge- 
wöhnliche Bezeichnung »Betelkauen« rührt übrigens daher, dafs erft 
nachdem die Nufs mit den Zähnen zerkaut ifl, derfelben Kalk und 
Pfeffer zugefetzt wird. Zum Aufbewahren des Kalks benutzt man 
hier, wie faft überall in Neu-Guinea, flafchenförmige, unten zugerun- 
dete Kaiebaffen (Atlas V. i), die wir zuerft auf den French-Infeln 
fanden. Es verdient dies deswegen Beachtung, weil man im Bismarck- 
Archipel diefe Art Kalkbehälter nicht kennt. Die Kalkkalebaffen 
find übrigens oft kunflvoll verziert, wie die dazu gehörigen foge- 
nannten »Löffel«, welche diefe Bezeichnung fehr mit Unrecht tragen. 
Sie ftellen vielmehr einen langen, fchmalen Spatel aus Holz oder 
Knochen dar, an deffen abgeflachter, im Munde befeuchteter Spitze 
der Kalk hängen bleibt. Das hindert die Eingeborenen natürHch 



Aftrolabe-Bai 5l 

nicht, den Spatel gemeinfchaftlich zu benutzen, ja es ifl felbftverftänd- 
lich, fremden Gäften vor allem Betel und die Kalkbüchfe als Zeichen 
der Freundfchaft anzubieten. Wenn ich dasfelbe hier wie überall 
höflich zurückwies, fo wurde dies übrigens nirgends als eine Belei- 
digung aufgenommen, und die Leute wunderten fich nur über die 
Dummheit desFremdlinges, einen fo köftlichen Genufs zu verfchmähen. 
Die Betelpalme ift übrigens in Konllantinhafen fehr feiten, und hier 
wie anderwärts bilden Betelnüffe »Pinang« einen Taufchartikel. 

Die Palme felbfl: gehört hie und da mit zu den Kulturgewächfen, 
von der man einzelne Exemplare, forgfältig eingezäunt, in vielen 
Dörfern findet. Dasfelbe gilt bezüglich gewiffer Zierpflanzen, von 
denen hauptfächlich buntblättrige Croton, Draceen und Euphorbia- 
ceen und Hibiscus angepflanzt werden. Die fchönen roten Blumen 
des letzteren werden in das Haar, die bunten Blätter in die Arm-, 
Hals- und Kniebänder gefteckt und bilden den gewöhnlichen Auf- 
putz der jungen Leute, zumeift der Männer. 

Wie der Betel auf Malaiafien hindeutet, fo die Kawa auf Ozea- 
nien. Aber in beiden Fällen würde eine etwaige Schlufsfolgerung 
auf die dadurch angedeutete Herkunft der Papuas eine irrige fein. 
Denn Kawa ift bis jetzt nur in diefem befchränkten Teile von Neu- 
Guinea beobachtet, alfo ficherlich nicht aus Ozeanien herübergebracht 
worden. Die Pflanze aus welcher der »Keu« und zwar in derfelben 
Weife wie in Ozeanien bereitet wird, ift wie KaAva eine Pfeß"erart 
und wohl identifch mit Piper methysticum. Auch die Gebräuche und 
Zeremonien beim Keutrinken, über die INIaclay ausführlich berichtet, 
find ganz ähnlich wie in Ozeanien. Aber ftatt junger Mädchen kauen 
junge Burfchen die Zweige, Blätter und Wurzeln der Pflanze; und Keu 
wird nur bei befonders feierlichen Gelegenheiten und allein von den Ta- 
mos. Männern, getrunken, das widerliche, durch feine Bereitung vollends 
ekelhafte Getränk, aber nicht Fremden als befondere Auszeichnung kre- 
denzt. In Aftrolabe-Bai fahen wir auch den Melonenbaum (Carica 
papaya,»Papaia«, Zuckermelonen undKürbiffe. beide »Arbus« genannt, 
an deren Namen man fchon den fremden Urfprung erkennen konnte. 
Auf Befragen hiefs es gleich »Maclay«, denn diefer war es, der zuerft 



02 Zweites Kapitel. 

Kulturgewächfe, v'darunter auch Mais, „Kukurus") einführte, Gefchenke, 
welche übrigens nicht in der Weife, wie der Philantrop erwartete, 
von den Eingeborenen gewürdigt wurden. Jedenfalls nützen fie ihnen 
aber mehr als die Rinder, nach dem ruffifchen »Bika« genannt. Nie wäre 
es mir in den Sinn gekommen zu glauben, dafs mir die wenigen ruffi- 
fchen Wörter, welche ich auf meiner fibirifchen Reife gelernt hatte, 
unter den fogenannten Wilden in Neu-Guinea noch einmal nützlich 
werden könnten, aber es war doch fo! »Gleba« (Chljeb = Brot), 
»Taporr« (=Beil), »Schirau« (Ssjekrä = Axt), Nofcha (Nofh = Meffer) 
lauteten die fich ftets wiederholenden Wörter im Sprachfchatze der 
Papuas, welche aber auch zugleich ihre Kenntnis des Ruffifchen er- 
fchöpften. Als Leute, die genug zu leben haben, verlangten fie indes 
kein Brot, ja kofteten dasfelbe kaum, fondern nur Eifen, und für alles, 
auch die geringften Dinge, wollten fie »Taporr« oder »Schirau« haben. 
Um »Nofcha« gaben fie weniger, und andere Taufchartikel wie Spiegel, 
Glasperlen, Fingerringe u. dergl. machten eigentlich nur Frauen und 
jungen Leuten Spafs. Die Naturkinder, obwohl in vieler Hinficht 
Kinder, find meift doch viel praktifcher als Kinder, und fchon der 
kleine Papuaknabe wird unbedenklich ein Stück gewöhnliches' Band- 
eifen einer Handvoll Glasperlen vorziehen. Da ich für die Folge 
noch fehr oft von dem Taufchhandel oder beffer Schacher mit den 
Eingeborenen zu fprechen habe, fo will ich gleich hier einige all- 
gemein gültige Bemerkungen voraüsfchicken. Bunter oder glänzen- 
der europäifcher Tand, wie man ihn fich bei uns als höchil: wir- 
kungsvoll denkt, erregt bei den fogenannten »Wilden« vielleicht 
Aufmerkfamkeit, bildet aber gewifs nur für kurze Zeit Nachfrage 
Ihr Sinn richtet fich eben auf Praktifches, und was könnte daher 
wohl Menfchen, die noch tief im Steinalter leben, willkommener fein 
als Eifen! — Nicht Roheifen u. dergl., da fie keine Idee von fchmel- 
zen oder fchmieden haben, fondern Eifen in irgend einer paffenden 
Form. So ift z. B. fchon ein grofser Nagel ein begehrter Gegen- 
ftand, aus ihm läfst fich ein brauchbares Gerät herflellen und zwar 
mittelft Schleifen, das allen Eingeborenen von ihren Stein- und 
Mufcheläxten wohlbekannt ift. Da letztere nun bei allen Stämmen 



Aftrolabe-Bai. 63 

der Steinperiode das wichtigfte Gerät bilden, fo pafst ihnen zum Er- 
fatze der Steinklinge ein Stück flaches Eifen am heften. Am be- 
gehrteften von allen europäifchen Taufchartikeln fmd daher ca. fechs 
Zoll lange, zwei Zoll breite und ca. zwei Linien dicke Stücke fo- 
genannten Flacheifens, in Ermangelung Hobeleifen, ja felbft ftarkes 
Bandeifen. Solche Eifenftücke laffen fich ganz in derfelben Weife 
an die knieförmigen Holzfliele ihrer Steinbeile befeftigen, wie die 
felbftgefertigten Steinklingen und werden unbedenklich europäifchen 
Beilen überall da vorgezogen, wo die Eingeborenen zuerfl mitWeifsen 
in Verkehr treten. Die Klinge der meiften Steinäxte ift nämlich 
mit der Schärfe quer zum Stiele befeftigt (vergl. Atlas I 3), ganz wie 
bei den Beiteln der Schiffszimmerleute, und fleht nicht in gleicher 
Flucht mit dem Stiele, wie bei gewöhnlichen Beilen. Aus diefem 
Grunde verflehen daher die Eingeborenen mit den letzteren nicht 
umzugehen, und erft wenn fie dies gelernt haben, ziehen fie gewöhn- 
liche Äxte den in ihrer Weife mit einer Eifenklinge montierten vor. 
Übrigens ift das Steinbeil keineswegs ein fo ganz primitives Gerät, 
wie wir meift annehmen, dafür legen die vielen ebenfo gewaltigen als 
zum Teil kunflvollen Arbeiten der Papuas das befle Zeugnis ab. Ich 
habe an der Südküfte Neu -Guineas in bewundernswert kurzer Zeit 
Kanus nur mit Steinbeilen anfertigen fehen und fand es noch in der 
Hand folcher Eingeborenen, welche eiferne Äxte längfl kannten und 
befafsen. So offerierte ich einft einem Häuptlinge in Neu -Irland 
vergebens eine gute amerikanifche Axt für fein mit einer Klinge 
von Mitramufchel verfehenes Beil, mit welchem er gerade an einem 
Kanu zimmerte. — Die in Port Konftantin erhaltenen Steinbeile 
(Angam) waren übrigens ziemlich roh und klein (Atlas I, i, 2, 3), 
denn die grofsen, welche meift Gemeindeeigentum fmd, brachten fie 
fchlauerweife nicht an den Tag. Wir werden folche übrigens fpäter 
kennen lernen. — Meffer, um dies noch zu erwähnen, fmd bei noch 
wenig berührten Eingeborenen viel minder begehrt und führen 
fich erft nach und nach ein. Zum Schneiden von Fleifch leiftet ein 
fcharikantiges Stück Bambu treffliche Dienfle; im übrigen genügen 
Mufcheln. Letztere, fowie Steinfplitter und fcharfe Zähne bilden. 



^4 Zweites Kapitel. 

aufser Steinbeilen und meifselartig zugefchliffenen Steinftücken, den 
ganzen Reichtum der Papuas an Werkzeugen. Als Rafpeln be- 
dient man fich überall der Rochenhaut; fägeartige Inftrumente find 
unbekannt. 

Wie alle Küftenbewohner betreiben auch die von Konflantin- 
hafen Fifchfang, fowohl mit Netzen, als Haken und Speeren, fcheinen 
aber in diefem Gewerbe minder bewandert, als dies fonft meifl der 
Fall ift. Dasfelbe gilt in Bezug auf Schiffahrt, denn ich bemerkte 
nur kleine Kanus. Diefelben beftehen, wie faft überall, aus einem 
ausgehöhlten Baumftamme, mit einem Auslegerbalken, der von zwei 
dünnen Querbalken getragen wird, wie dies ein Blick auf Taf. VI 
(Fig. i) des ethnolog. Atlas am heften zeigt. Zuweilen ift auf den 
Baumftamm jederfeits ein Brett aufgelafcht, d. h. feflgebunden, was 
dann an Stern wie Bug ebenfalls ein Querbrett erfordert. Dasfelbe iü 
zuweilen mit Schnitzerei in durchbrochener Arbeit verziert (vergl. 
Atlas VI, 7), ebenfo die Ruder (VI, 8). 

Wie die wenigen ruffifchen Wörter bei den Bewohnern von Port 
Konftantin noch lange fortleben werden, fo namentlich auch die 
Erinnerung an den erften Weifsen, Macla}' felbfl, deffen Name uns 
noch auf Dampier-Infel (Karkar) genannt wurde. Es ift nicht fo fchwer, 
mit den Eingeborenen umzugehen, als es fcheint, v/ie ich früher und 
fpäter zur Genüge felbft erfuhr, und es läfst fich mit den gefürch- 
teten »Wilden« überall da gut verkehren, wo nicht bereits die Be- 
gegnung mit Weifsen unliebfame Erinnerungen zurückliefs. Wie die 
letzteren Hafs und Rachfucht, fo erzeugt eine gute Behandlung 
Freundfchaft für die Weifsen. Das Auftreten des erften Fremdlings 
ift daher von nachhaltiger Bedeutung, wie er felbft bei klugem Be- 
tragen bald grofsen Einflufs gewinnt. Und diefen hat Maclay, der 
»Kaaram-Tamo« (Mann des Mondes), wie er in der Umgebung von 
Konftantinhafen hiefs, ohne Zweifel gehabt. Irgend ein Feuerwerks- 
körper, ein Blaufeuer oder dergleichen , für die Eingeborenen eine 
neue und unerklärbare Erfcheinung, gab die Veranlaffung zu diefem 
myfteriöfen Namen. Das Wefen des Sonderlings felbft trug noch 
mehr dazu bei, den geheimnisvollen Schleier, der fich nach und nach 



Aflrolabe-Bai. 55 

um feine Perfon hüllte, immer dichter zu weben. So herrfchte bald 
allgemein der Glaube, Maclay befitze übernatürliche Macht, könne 
Regen machen, wenn er nur wolle, ja felbft fliegen! Wie mir der 
Reifende felbft erzählte, kam das fol Maclay pflegte ftets unbewaff- 
net, nur mit einem Stocke zum Abwehren der oft bösartigen Schweine 
verfehen , die Umgegend allein und möglichft ungefehen zu durch- 
ftreifen. Hörte er auf den einfamen Pfaden des Unvaldes das Heran- 
nahen von Eingeborenen, fo fuchte er fich zu verbergen und erfchien 
dann oft fo unverfehens im Kreife der überrafchten Dorfbewohner, 
dafs diefe nur in einem übernatürlichen Wefen Deutung zu finden 
vermochten. Alle abwehrenden Verficherungen konnten diefen Glau- 
ben nicht erfchüttern. 

»Einfiedelei-Point«, nicht weit von Konftantinhafen, und ca. eine 
halbe Stunde von dem nächften Dorfe Bongu, mufs in der That eine 
rechte Einfiedelei gewefen fein. Hier hatte das Haus geftanden, 
ein Befitztum, das auf der Landfeite durch feine fefte Umzäunung, 
gegen die Wafferfront durch Korallfelfen vor der Zudringlichkeit der 
Eingeborenen gefchützt war. Mit Blattfireifen verzierte Stangen, 
welche auf den Wipfeln einiger hohen Bäume angebracht waren, 
hatten uns fchon bei der Ankunft auf diefen Platz als etwas Befon- 
deres, aufmerkfam gemacht, der fich als die frühere Befitzung Ma- 
clays erwies. Vom Haufe felbft war natürlich keine Spur mehr zu 
fehen, aber eine Wildnis von füfsen Kartoffeln, einige Bananen und 
Melonenbäume zeigten die Stelle, deren Umfang die Eingeborenen 
noch fehr wohl zu bezeichnen wufsten und die fie als fremdes Eigen- 
tum noch jetzt refpektierten. 

Es herrfchte alfo volles Verftändnis, als auch ich ein Stück Land 
von den Eingeborenen erwarb, auf dem wir ein Haus oder vielmehr 
einen Schuppen zum Lagern von Kohlen errichteten. Die Bewohner 
der drei Dörfer Bongu, Korendu und Gumbu, welche durch Ver- 
wandtfchaft eng verbunden, auch politifch zufammengehören und 
diefes Gebiet beherrfchen, halfen redlich dabei und fahen es nur 
ungern, wenn Fremde fich auch mit beteiligen wollten. Der alte 
Sa-ulo nützte uns übrigens wenig und fehlen wegen feines Alters 

Finfch, Samoafahrten. e 



gg Zweites Kapitel. 

obwohl nicht gebrechlich, viel an Einflufs verloren zu haben. Dagegen 
unterftützten uns Jago und Dam am meiften und fchienen die an- 
gefehenften Häuptlinge von Bongu zu fein. Es herrfchte ein ge- 
fchäftiges und fröhliches Treiben. Unter den wuchtigen Axthieben 
unferer Schwarzen fielen Bäume. Weiber und Kinder reinigten den 
Platz von Unkraut und Steinen, fchleppten Riedgras (Tura) und 
Lianen (Mangau), die fich trefflich zum Feftbinden eignen, herbei, 
während die Männer Stangen fällten und Kokospalmblätter, ein für 
die hiefige Gegend rares Material, in Kanus heranbrachten. Auch 
ohne befondere Sprachkenntnis liefs fich, wie dies überall der Fall 
ifl:, mit den fehr anteiligen Eingeborenen , die alle Abfichten leicht 
begriffen, trefflich auskommen. Aber man mufs fie vor allem gut 
behandeln, immer ein freundliches Geficht machen und ihren Ge- 
wohnheiten Rechnung tragen. Die Arbeit wird oft unterbrochen; 
einige muffen rauchen, Betel effen. kochen oder ein bifschen fchlafen, 
wie fie dies bei ihren eigenen Arbeiten gewohnt find, und daran 
mufs man fich gewöhnen, wenn überhaupt etwas gefchehen foll. 
Denn diefe Naturkinder kennen anhaltende Arbeit in unferem Sinne 
natürlich nicht, und bei allen Papuas und Kanakas überhaupt lodert 
der erfte Eifer mächtig auf, erlifcht aber eben fo fchnell. 

Als das »Buam« (Haus) fertig war, fchleppten die Eingeborenen 
einen mächtigen an 20 Fufs langen Bambu herbei, an welchem die 
deutfche Handelsflagge befefligt, bald luftig an der Spitze eines hohen 
Baumes im Winde flatterte. Die erfte deutfche Station an der Küfle 
von Neu-Guinea war fomit begründet und damit zugleich die fpätere 
deutfche Schutzherrfchaft, die fich jetzt allein im Kaifer Wilhelms- 
Land über ein Gebiet von 179 250 qkm (= 3255 d. g. qm) oder 
gröfser als die Hälfte des Königreichs Preufsen erftreckt. Der 
17. Oktober 1884 wird alfo in der Kolonialgefchichte Deutfchlands 
für immer ein denkwürdiger Tag bleiben! Hatten auch die Ein- 
geborenen über die Tragweite diefes Vorganges nicht die entfern- 
tefle Ahnung, fo begriffen fie doch fehr gut, dafs derfelbe auch für 
fie etwas zu bedeuten habe, wie die neue Flagge felbfl, deren Farben 
(kum = fchwarz, aubi = weifs, suru = rot) fie wohl zu unterfcheiden 



Aftrolabe-Bai. 57 

wufsten. Und dafs diefer Vorgang auf das engfte mit der Wieder- 
kehr der neuen weifsen Freunde, wofür fchon das Haus gewährleiflete, 
zufammenhing, wufsten fie ebenfalls. In jedem Gefichte fprach fich 
daher Freude darüber aus, und das »kerre-kerre« (fehr gut) wollte 
kein Ende nehmen War doch nach dem praktifchem Urteil der 
Leute das Erfcheinen der Weifsen identifch mit viel »Taporr«, »Schi- 
rau«, »Nofche«, fowie anderen nützlichen und begehrten Dingen, und 
das konnte ja nur mit Freuden begrüfst werden. Der Befitz eiferner 
Werkzeuge hat notwendigerweife gröfseren Reichtum und fomit 
Überlegenheit zur Folge, und deshalb ift jeder Stamm fo fehr bemüht, 
diefe Vorteile für fich allein zu erlangen. Unfere neuen Verbündeten 
huldigten diefer bekannten Eingeborenen -Maxime und warnten uns, 
wie dies ftets der Fall ifl:, vor ihren Nachbarn, die von Bilibili, Bo- 
gadfchi und anderen Küftenplätzen in Kanus herbeikamen, um uns 
zu fehen und zu fchachern. Als befonders fchlecht (borle-borle) 
wurden die Bewohner weiter im Inneren bezeichnet. Kein Bongu- 
mann wollte z. B. mit nach dem Dorfe Eglam mana gehen, obwohl 
fonft gegenfeitiger Verkehr ftattfindet und das Dorf wenig mehr als 
eine deutfche Meil£ entfernt liegt. Aber die fchlauen Küftenleute 
waren nur darauf bedacht, den Abfatz der erhaltenen Taufchwaren 
für fich nach dorthin zu fichern. 

Das Wort »Mana« heifst im Bongudialekt Berg und bezeichnet 
dem Ortsnamen angehängt, eines jener kleinen Dörfer, die in den 
Bergen bis zu einer Erhebung von 1200 — 1500 Fufs verftreut liegen. 
Sie und, wie ich dies auch im Inneren von Port Moresby fand, arm- 
feliger und kleiner als die Küftendörfer und zählen oft kaum mehr 
als 10 — 20 Hütten mit 40 bis 50 Einwohnern, während z. B. Bongu 
an 150 bis 180 Seelen haben mag. Aber die ganze Bevölkerung von 
Aflrolabe - Bai ift überhaupt nicht bedeutend und wird von Maclay 
auf nicht mehr als 35CXD— 4000 gefchätzt, die fich auf einige 80 Sie- 
delungen verteilt. Ich erfuhr die Namen von etwa 15 Dörfern, aber 
wie bereits erwähnt, werden alle kleineren Häufergruppen eines 
Dorfes, die oft nur aus drei bis vier Häufern beftehen, befonders 
benannt. 



68 Zweites Kapitel. 

Der Urwald, welcher fich längs dem Ufer diefes Teiles der Küfte 
hinzieht, ift weniger dicht, als ich ihn fonfl meift in Neu-Guinea fand, 
und befitzt weniger Unterholz und Geftrüppdickichte. Auch ift die 
Ausdehnung diefes Waldgürtels in der Breite nicht bedeutend, und 
man ftöfst nach kurzer Wanderung auf den fchmalen aber gut gang- 
baren Pfaden bald auf ofifenes, mehr oder minder hügliges bis ebenes 
Land, das fich bis zu der dichtbewaldeten Gebirgskette erftreckt, 
welche fich parallel mit der Küfte hinzieht. Wie von Maclay mit- 
teilt, ift diefe fteile Gebirgskette unbewohnt und bildet für die Ein- 
geborenen die äufserfte Verbreitungsgrenze nach dem Inneren, welche 
fie niemals überfchritten. Es giebt dies einen neuen Beweis von 
der äufserft befchränkten Kenntnis des Landes feitens der Eingebo- 
renen felbft, die, abgefehen von gewiffen Küftenftrichen, ihre nächfte 
Umgebung feiten weiter als etliche Stunden weit kennen, Verhält- 
niffe, wie ich fie auch an der Südoftküfte fand und auf welche ich 
noch zurückzukommen habe. 

Der erfte günftige Eindruck, welchen die Umgegend von Port 
Konftantin landfchaftlich auf uns gemacht hatte, war bei näherer 
Bekanntfchaft nur befeftigt worden. Das von verfchiedenen kleinen 
Wafferläufen durchzogene Land zeigte überall fruchtbaren Boden 
und für Niederlaffungen geeignete Lokalitäten, fo dafs ich fchon da- 
mals diefes Gebiet als fehr günftig für eine Station*) nach Berlin 
empfehlen konnte. Aber etwas mangelte und zwar ein guter Hafen, 
denn Kapitän Dallmann war mit Port Konftantin gar nicht zufrieden; 
unfere nächfte Aufgabe galt alfo der Auffuchung eines folchen. 

Der zuerft durch von Maclay angebahnte freundfchaftliche Ver- 
kehr mit den Eingeborenen war von uns in derfelben Weife fortgefetzt 
worden und liefs nichts zu wünfchen übrig: noch nie hatte ich fo 
gutmütige und anftellige Leute als hier getroffen! Das Verftändnis 
mit ihnen wurde von Tag zu Tag leichter, und es gelang mir ohne 
Schwierigkeit fie am Abend vor unferer Abreife zu einem »Mun« zu 
vereinigen. So heifsen hier jene aus Tanz und Gefang beftehenden 



) Diefelbe ifl feitdem gegründet worden (Juni i 



Aftrolabe-Bai. 5q 

Aufführungen, welche den Glanzpunkt der Fefte bilden und fich in 
ähnlicher Weife überall in Neu-Guinea, ja ganz Melanefien wieder- 
holen. Nach unferen Begriffen ift freilich der Tanz nichts als eine 
arge Trampelei, und mit dem Gefang ifl es nicht beffer beflellt als 
mit der Mufik, bei welcher die fanduhrförmige Holztrommel, Okam, 
(vergl. Atlas XIII. 2), eine fo grofse Hauptrolle fpielt, aber es war 
mir doch intereffant, auch hier diefe Gebräuche kennen zu lernen. 
Die Bereitvvilligkeit, uns auch in aufsergewöhnlicher Zeit einen »Mun« 
zum beften zu geben, zeugte überdies von dem guten Einvernehmen 
mit den Eingeborenen und war als eine befondere Auszeichnung und 
Ehre für uns anzufehen. 

Wenn es fonft Sitte bei den Papuas ifl:, fcheidenden Freunden 
Gefchenke mit auf den Weg zu geben, fo machten die braven Kon- 
ftantiner bei uns eine Ausnahme. »Nehmen ift feiiger denn Geben« 
lautet auch ihre Lebensregel, wie fafl: bei allen Papuas, und felbft 
der biedere König Sa-ul liefs fich jede Kokosnufs, mit der er uns 
in feiner Refidenz bewirtete redlich bezahlen, ja, auch der Junge, 
welcher die Nüffe pflückte, verlangte ein Trinkgeld. »Backfchifch, 
Backfchifchl« hier wie überall. 



Drittes Kapitel. 



Friedrich- Wilhelms-Hafen. 

Bogadfchi und feine Bewohner. — Ein Dieb. — Hanfemann - Berge. — Schönes Kultur- 
land. — Gorimaflufs. — Infel Bilibili. — Besuch derfelben. — Dfchelum, das grofse 
Verfammlungshaus. — Hochintereffanter Kunflbau der Steinzeit. — Kein Tempel. — 
Häufer. — Wir foUen Krieg führen, — Waffen. — Wurffpeere. — Pfeil und Bogen. — 
Kein Pfeilgift. — Keulen. — Schilde. — Exkurfion an der Küfte. — Zuckerrohr. — 
Muflerhafter Landbau. — Sago. — Geologifches. — „Gold"-Flimmern. — Lobenswerte 
Moralität. — Töpferei. — Kanus und Schiffahrt. — Bilibili fehr verfprechend — nament- 
lich für Miffion. — Jambom (Colomb-Infel). — „Dreifsig" Infein. — Im „Archipel der 
zufriedenen Menfchen". — Grager (Fifchel-Infel). — Unruhige Nacht in Elifabet-Bucht. 
— Marsap, grofses Feft. — Feflfchmuck der Männer. — Bemalen. — Hundezähne. — 
KunftvoUe Zieraten. — Kampf-Bruftfchmuck. — Phyfiognomifche Verfchiedenheit. — Wir 
entdecken Friedrich-Wilhelms-Hafen. — Befchaffenheit desfelben. — Vogelleben. — Ex- 
kurfionen. — Armut an Blumen. — Urwaldbild. — Prinz Heinrich-Hafen. — Ausdehnung 
des Archipels. — Port Alexis. — Tiar (Aly-Infel). — Dafem, Verfammlungshaus. — Son- 
derbare Schnitzereien. — Fifcherei. — • Bilia (Eickfledt- Infel). — Ein Verrückter. — 
Szirit, Verfammlungshaus. — „Tohn", ein verehrtes Inftrument. — Tabugebrauch aus 
Schlauheit. — Verkehr mit den Eingeborenen. — Grofse Schamhaftigkeit. — Feflfchmuck 
der Frauen. — Tabir, Schüffein. — Sprachgewirr — Bäumefällen. — Geringe Körper- 
kräfte der Eingeborenen, — Wir hifsen die deutfche Handelsflagge — Abfchied von 

Friedrich- Wilhelms-Hafen. 

Die Samoa dampfte längs der Küfte von Aftrolabe-Bai langfam 
vorwärts. Sie gleicht einer weiten offenen Rhede*}, rings von einem 
Sandflrande eingefafst, an welchem auch bei ruhigem Wetter Dün- 
nung das Landen erfchwert, z. T. ganz hindert. Die Bewohner des 
»gelben Dorfes« Bogadfchi (Bogati) eilten in ihren Kanus herbei, 
um zu fchachern und brachten allerlei neue und intereffante Sächel- 



*) Wilfred Powell (1. c. S. 511) hat Aftrolabe-Bai wohl nicht recht kennen gelernt, 
wenn er meint, fie würde einen „guten Hafen" abgeben. 



Friedrich-Wilhelms-Hafen. 71 

chen, darunter breite, hübfch mit eingraviertem Mufter ornamen- 
tierte Armbänder aus Schildpatt, (vergl. Atlas XIX 2), Bruflfchmucke 
aus Cymbiummufchel (Koambim), fehr eigentümliche Leibfchnüre aus 
aufgereihten Abfchnitten einer Septariamufchel, Gogu genannt, (Atl. 
XXIV I.), die äufserfl: wertvoll fchienen, fogar ein paar Telum, (Atl. 
XV. i) jene Holzfiguren, die meifl: als »Götzen« gedeutet werden. 
Schon an den Namen gewifser gewöhnlicher Taufchfachen liefs fich 
die Verfchiedenheit des hiefigen Dialekts mit dem von Bongu leicht 
erkennen. So hiefs der Bogen ftatt Aral hier »Manembu«, Pfeil ftatt 
Ge »Kolle«, um nur ein paar Beifpiele zu nennen. Obwohl manche 
Eingeborene fich nur mit Zittern und Zagen an Bord wagten, fand 
doch bald ein reger Verkehr ftatt und die Leute zeigten fich dabei 
minder gut als in Konflantinhafen. Dort war uns nicht das Geringfte 
abhanden gekommen, hier wurde gleich ein Dieb in flagranti erwifcht. 
Er hatte foeben feinen Genoffen im Kanu ein Hobeleifen zugefteckt, 
natürlich nicht mit den Händen, fondern mit den — Zehen. Ich 
kannte diefe beliebte Manier, mit der fafi: nackte Menfchen trotz 
flrengfter Aufficht zu eskamotieren wiffen, fchon längfl, drehte dem 
jungen Mann, der fich unbemerkt glaubte, in fein Halsftrickchen faffend, 
fanft die Kehle zu, und das geftohlene Gut wurde fogleich zurück- 
gegeben. Der vor Schreck erbleichte Sünder (denn auch farbige 
Menfchen erbleichen fichtbar) drückte fich nach diefem mifsglückten 
Verfuche ftillfchweigend unter Spott und Gelächter feiner Landsleute. 
Hinter Bogadfchi treten die Berge weiter zurück, es zeigt fich 
mehr mit dichtem Urwald beflandenes Vorland, das hinter Gorima- 
Huk fich zu ebenfalls dicht bewaldetem Flachland, einer Art Ebene, 
ausdehnt, die nördlich von einer niedrigeren Bergkette begrenzt wird. 
Es ift die etwa 1200*) Fufs hohe von mir »Hanfemann -Berge« be- 
nannte Kette, die Guntowa Mana der ruffifchen Karte, innland des 
»Archipels der zufriedenen ^Menfchen«. Allem Anfchein nach wird 
diefes flachere Land zwifchen Gorima und Bilibili das fchönfle Kultur- 
land in Aflrolabe-Bai abgeben und von Wichtigkeit werden, zumal 

*) „440 Meter" deutfche Admiralitäts-Karte. — Wo nicht, wie hier, befonders be- 
merkt, find die Höhenangaben nur nach Schätzungen. 



72 Drittes Kapitel. 

da es nicht an Waffer fehlt. Wir bemerkten mehrere kleine Flüffe, 
von denen der Gorima der gröfste und die erwähnte Ebene zu be- 
wäffern fcheint. Seine Mündung wurde jetzt durch ausgedehntes 
Röhricht angedeutet, aber bei einem fpäteren Befuche im Monat 
Mai fehen wir das Waffer der Bai auf eine ziemliche Strecke trüb 
grün gefärbt. 

Wir fteuerten Bilibili zu, einer kleinen ca. eine halbe Seemeile 
langen Infel, etwa vier Meilen nördlich von Gorima-Huk, die gleich- 
fam den Anfang des »Archipels der zufriedenen Menfchen« bildet, 
wie derfelbe von dem Entdecker Maclay benannt wurde. Hervor- 
ragend hohe, mächtige Bäume, deren dichte Belaubung faft die 
ganze Infel wie mit einem Dache überdeckt, kennzeichnet diefelbe 
fchon von weitem. Sie befleht, wie faft die ganze Küfte von Aftro- 
labe-Bai aus gehobenem Korallfels, der an der Oft- und Nordfeite 
z. T. Steilufer bildet, an welchem das Meer mächtig bricht. Aber 
an der Weftfeite dehnt fich ein flacher weifser Sandftrand aus, auf dem 
nicht w^eniger als 13 ftattliche Kanus, bunt bewimpelt und mit allerlei 
Ausputz verziert, lagen. Das gab im Verein mit den idyllifch unter 
dem Gelaube mächtiger Bäume verfleckten und von Kokospalmen 
befchatteten Häufern des Dorfes ein gar liebliches Bild. Dazu das Ge- 
wimmel fröhlicher brauner Menfchen, die mit grünen Zweigen winkten 
und bald in Kanus abkamen und uns an Land einluden. 

Wir eilten ihnen zu folgen und waren überrafcht von der Fülle 
neuer und intereffanter Eindrücke. Alles zeugte hier von Wohl- 
habenheit und Reichtum. Die Häufer waren gröfser und flattlicher 
als die bisher gefehenen, wie die mit reichem Ausputz verfehenen 
Eingebornen felbft. Sie zeigten fich anfangs ziemlich fcheu und 
zurückhaltend. Namentlich koftete es Mühe, die fchlanken, braunen 
Mädchen heranzulocken, die in ihren bunten Grasfchürzchen und 
reich mit Schmuck aus Mufcheln und Hundezähnen behangen, das 
Haar mit brennendroten Hibiscusblumen gefchmückt, gar niedlich 
ausfahen. Einige kleine Gefchenke machten fie bald zutraulicher und 
eine um die andere kam zögernd heran, um ihre Gabe an Glasperlen 
oder rotem Zeugftreifen in Empfang zu nehmen und dem weifsen 



Friedrich- Wilhelms-Hafen. 



73 




Fremdlinge fchüchtern die Hand zu 
geben. Unter diefen Mädchen gab 
es übrigens viele recht hübfche Ge- 
ftalten von tadellofem Körperbau und 
mit recht artigen Gefichtchen. 

Unfere Aufmerkfamkeit wurde 
aber bald von allem andern abgelenkt, 
als wir das grofse Verfammlungshaus 
erblickten, von welchem das beigege- 
bene, nach meiner Skizze gezeichnete 
Separatbild (S. 74) eine guteVorftellung 
giebt. Ähnlich dem Buambrambra 
von Bongu befteht auch diefes Haus, 
Dfchelum genannt, im wefentlichen 
aus einem bis zum Boden herabrei- 
chenden Dache, deffen offene Vorder- 
feite von einer an 25 Fufshohen, durch- 
aus in durchbrochenem Schnitzwerk 
ausgearbeiteten Mittelfäule*) getragen 
wird. Diefe Schnitzerei, Aimaka ge- 
nannt, repräfentiert vier männliche 
und zwei weibliche übereinander- 
ftehende nackte Papuafiguren, die auf 
weifsem Grunde rot und fchwarz be- 
malt find, und von denen die beige- 
gebene Abbildung die auf einem 
Kopfe flehende unterfle zeigt. Sie 
wurde wie die übrigen männlichen 
Figuren »Mini« d. h. 
Mann genannt (A); die 
angegebenen Buchfta- 



Aimaka. 



*) Sehr ähnlich ift das von 
Guppy abgebildete „Tambu- 
Haus" auf der Infel Santa 
Anna in den Salomons. 



74 Drittes Kapitel. 

ben bezeichnen nur die verfchiedenen Körperteile (a, Tingilan, Ohr, 
b Mal, Auge, c Uina, Nafe, d Buk, Mund, e Balan Zunge, f Niän, 
Bein). An den Querbalken des Giebels hingen aus Holz gefchnitzte 
Tiergeftalten, die in kenntlicher Weife Fifche, Vögel, Eidechfen und 
Schildkröten, ebenfalls bunt, darunter auch mit Grün bemalt, dar- 
ftellten. Die an 30 Fufs langen Balken, welche jederfeits das Dach 
trugen, waren jedenfalls der kunftvollfte Teil des merkwürdigen Ge- 
bäudes, Jeden diefer beiden Balken zierte die an vier Fufs hohe 
Figur eines Papua, die in flaunenswerter Weife aus dem Balken felbft 
gezimmert war und an diefem gleich dem GHede einer Kette hing. 
In der That ein wahres Kunftwerk für Steinäxte und Mufchelwerk- 
zeuge, wie ich es in diefer Weife weder vor noch nachher in Neu- 
Guinea wieder zu fehen bekam, und das nur derjenige zu würdigen 
wiffen wird, der fich in vollem Verftändnis der Steinzeit ganz in die- 
felbe hineinzudenken verfteht. Ob unfere prähiftorifchen Vorfahren 
wohl auch auf einer fo hohen Stufe ftanden? Die Überrede der 
Pfahlbauten geben darüber keine Auskunft! Aber es wäre im In- 
tereffe der Wiffenfchaft von ungeheurer Bedeutung, wenn wenigftens 
eins diefer nur noch fo fpärlich vorhandenen Denkmäler der Bau- 
kunfl der Steinperiode gerettet würde. Ich konnte es leider nicht 
und mufste mich mit der Skizze begnügen, deren Aufzeichnung die 
Eingeborenen mit Staunen zufahen. Wie fie mir, fo fpendete ich 
ihnen Lob, das fie fehr wohl verbanden, denn jeder deutete mit 
Stolz an, dafs er am Bau mitgeholfen habe. 

Der untere Teil der Giebelfeite war etwa in Mannshöhe durch 
eine Mattenwand gefchloffen, durch welche nur eine kleine Öffnung 
als Thür diente. Man gemattete uns den Eintritt gern; aber wie 
üblich zeigte das Innere nur wenige Gegenftände. So die grofsen 
und kleinen Trommeln, die wir fchon von Bongu her kennen. Be- 
merkenswert waren grofse runde, mit Schnitzerei und Malerei ver- 
zierte Schilde (Atlas XII. i.) und fehr roh aus Baumäflen gefertigte 
niedrige Bänkchen, die beim Schlafen dem Kopfe als Unterlage die- 
nen, aber mit »Kopfkiffen« in unferem Sinne nichts zu thun haben. 
Zahlreiche Unterkiefer von Schweinen waren auch hier wie allent- 



(S. 74.^ 




Dscheluin, Tabuhaus auf fÜlibili. 



Friedrich- Wilhelms-Hafen. 75 

halben in Melanefien als Erinnerungszeichen grofser Fefte aufgehan- 
gen. Den Hauptteil des Inneren bildete eine an acht Fufs hohe 
Plattform aus gefpaltenem Bambu, welche als Schlafftätte für die 
unverheirateten jungen Männer, wie für fremde Gäfte dient. Auch 
Maclay hatte hier gefchlafen, fo wurde mir angedeutet. Denn diefe 
grofsen Häufer find nicht nur Junggefellenhäufer, fondern überhaupt 
die Klubhäufer der Männer. Aus diefem Grunde ift dem weiblichen 
Gefchlecht der Zutritt verwehrt, ein Verbot, das durch befondere 
Tabuform erhöhte Bedeutung erhält und fo leicht zu mythifchen und 
religiöfen Deutungen verleitet. Aber ein Tempel war diefes Gebäude 
ebenfowenig als die Holzfchnitzereien Götzen, wie jeder Mifsionär fo- 
gleich interpretiert haben würde. Wenn die Deutung eines Telum, 
d. h. einer einzelnen menfchlichen Figur als Repräfentant eines 
Ahnen richtig ifl, fo ftellte diefer »Aimaka« vermutlich eine ganze 
Ahnenreihe dar, wie fich dies bei den Maoris Neu-Seelands und 
anderen Naturvölkern in ähnlicher Weife wiederfindet. Beachtens- 
wert ift die völlige Nacktheit aller diefer menfchlichen Darftellungen, 
der Telum und wie fie fonft heifsen, gegenüber der forgfältigen Len- 
denbekleidung ihrer Verfertiger. 

Wir wenden uns zu dem Dorfe zurück, das aus 20 bis 25 Häu- 
fern befteht, die viel gröfser als die in Port Konftantin, auch eine 
etwas abweichende Bauart zeigten und mich am meiften an die in 
dem Dorfe Keräpuno in Hoodbai erinnerten. Wie diefe find fie auf 
ftarken Pfählen etwas über dem Erdboden errichtet, befitzen ein 
Veflibüle mit Plattform an der Vorderfront, zu der ein angelehnter 
Baumftamm als Aufgang dient und find überhaupt fehr foHde gebaut. 
Im Inneren, das offenbar mehreren Familien Unterkunft giebt, ift 
ein Bodenraum, zu dem eine rohe Leiter führt. An den Häufern 
felbft findet fich keinerlei Schnitzwerk, und nur vor der Thür eines 
Haufes fah ich eine an vier Fufs hohe, buntbemalte menfchliche 
Figur, ähnlich den Telums in Konftantinhafen. Die Häufer des 
Dorfes waren, wie immer, in kleinen Gruppen verftreut und bei einer 
derfelben entdeckten wir ein zweites Verfammlungshaus der Männer 
mit ganz ähnlichen Schnitzereien, aber kleiner. 



76 



Drittes Kapitel. 



Nachdem ich mit der Berichtigung und dem Studium des Dorfes, 
fertig war, machten wir einen Spaziergang durch die Infel, die 




einem malerifchen Park der 
Tropen zu vergleichen ift. Aus 
den gewaltigen Baumriefen, 
darunter viele und fehr grofsr 
Brotfruchtbäume, tönte der 
dumpfe brummende Ruf der 
weifsen Fruchttauben (Carpo- 
phaga spilorrhoa), von denen 
uns bald eine Menge zur Beute 
fielen. Wie überall bei diefen 
Naturkindern, hatte der erfte 
Schufs immer diefelbe Wir- 
kung: allgemeines Gefchrei und 
wilde Flucht! Aber bald ge- 
wöhnte fich die reifere Jugend an den Knall und bewunderte Zäu- 
nend die Wirkung der ihnen unbekannten, unheimlichen Waffe. Bei 
einem fpäteren Ausfluge an der Küfle bemühten fich die fchlauen 



Krieger von Bilibili. 



Friedrich-Wilhelms-Hafen. 77 

Bilibiliten bereits unfere Überlegenheit in ihrem Intereffe nutzbar zu 
machen : wir Tollten einen ihnen feindlichen Stamm bekämpfen und 
vernichten! Das oft geäufserte Wort »mate« oder »imate«, foviel 
wie »tot«, oder »töten«, das wie einige andere Wörter*) vielen po- 
lynefifchen und melanefifchen Sprachen gemeinfchaftlich angehört, 
liefs diefe Abficht nur zu deutlich erkennen. Zahlreiche kampfge- 
rüftete Krieger hatten fich unferem Zuge angefchloffen, und ihnen 
verdanke ich die Skizzen, welche dem vorhergehenden Bilde als 
Grundlage dienen. 

Wir wurden bei diefer Gelegenheit auch mit den Waffen der 
hiefigen Eingeborenen bekannt, die im wefentlichen mit denen in 
Bongu, wie in Neu-Guinea überhaupt gebräuchlichen übereinftimmen. 
Die Hauptwafife ift auch hier, wie in ganz Melanefien, der Wurffpeer, 
eine runde fieben bis zehn Fufs lange, oft ziemlich fchwere Stange, 
meifl: aus Palmenholz gefertigt. Das Bafisende ift verdünnt, das 
Spitzenende etwas verdickt und hier zuweilen ein paar Kerb- 
zähne oder eine Furche eingefchnitten. Solche Wurffpeere heifsen 
in Konftantinhafen »Schadga« und find die gewöhnhchfte im Kriege 
gebrauchte Art Waffen, Eine zweite Art Wurffpeere, Serwaru ge- 
nannt, befteht ebenfalls aus einem langen Holzftocke, ift aber mit 
einer breiten lanzettförmigen (ca. 70 cm langen) Spitze aus Bambu 
verfehen, und dadurch eine fehr gefährliche Waffe. Die Bambufpitze 
ift mit feingefpaltenem Rohr feftgebunden und die Verbindungsftelle 
oft fehr kunftvoU mit Federn, Kuskusfell und dergl. verziert. Wir- 
kung und Tragweite diefer W'urffpeere werden meift fehr übertrieben 
gefchildert, denn nach meinen Beobachtungen find fie wohl feiten 
über 40 bis 50 Schritt hinaus gefährHch. Dasfelbe gilt in betreff 
von Pfeil und Bogen, die wie überall, eine minder wichtige Rolle 
als der Wurffpeer fpielen. Der Bogen ift aus Palmenholz gefertigt 
ca. fechs Fufs lang, meift glatt, ohne allen Ausputz und mit einer 
Sehne aus gefpaltenem Rotang verfehen. Dagegen zeigen die Pfeile 
oder vielmehr die Spitze derfelben mancherlei Verfchiedenheit. Sie 



*) Zum Beifpiel „Manu"' Vogel; „Niu"' Kukosnuss; ,,Mata" Auge; u. a. m. 



78 Drittes Kapitel. 

find faft ausnahmslos aus leichten Rohr gefertigt, mit einem runden 
Spitzenteile, der ca. ein Drittel oder Viertel der ganzen Länge (1,30 
bis 1,40 m^ beträgt. Die im Feuer gehärtete Spitze ift öfters mit 
verfchiedenartig gefchnitzten Kerb-, Sägezähnen oder Widerhaken 
verziert, und befteht feiten aus einem zugefpitzten Flügelknochen 
eines Vogels. Eine andere fehr beftimmte Art von Pfeilen, zeichnet 
fich durch eine breite, lanzettförmige Bambufpitze aus und findet 
fich in diefer Form über ganz Neu -Guinea. Ebenfo die fechs bis 
fiebenfpitzigen Pfeile , welche zum Schiefsen von Fifchen benutzt 
werden. Vergiften der Pfeil- oder Speerfpitze kennt man, wie über- 
haupt in ganz Neu-Guinea, nicht. Schleudern, fonft eine fo beliebte 
Waffe der Südfeevölker, habe ich nicht wahrgenommen. Aber es 
giebt, jedoch im ganzen feiten, Keulen. Sie find aus fchwerem, meifl: 
Palmenholz gefertigte, ein bis ein einhalb Meter lange, flache, fchmale, 
Latten, unten meift etwas verbreitert, am Handgriff etwas verfchmä- 
lert und zuweilen mit vertieften Muflern ornamentiert. Auch diefe 
Form der Holzkeulen findet fich faft über ganz Neu-Guinea, dagegen 
find die mit durchbohrten, oft fehr kunftvollen, Steinknaufen bewehrten 
Keulen nur gewiffen Gebieten der Südoftküfte eigen und fehlen hier 
wie an der ganzen Nordoftküfte durchaus. Es verdient dies ganzbefon- 
ders erwähnt zu v>'erden, namentlich weil Steinkeulen fonft nur noch 
im Often Neu-Britanniens auftreten. — Die mächtigen runden Schilde 
auf Bilibili »Dimu« genannt, habe ich bereits angeführt. Sie fchei- 
nen wohl nur ausnahmsweis den Krieger in den Kampf zu begleiten, 
da fie dafür fchon viel zu fchwer find. üManche haben einen Durch- 
meffer von 90 cm und ein Gewicht von 10 Kilo. Wahrfcheinlich 
dienen fie mehr zur Verteidigung des Dorfes felbft bei feindlichen 
Überfällen und werden deshalb meift in den Verfammlungshäufern 
aufbewahrt, vermutlich auch weil fie Gemeindeeigentum find. Ich 
fall übrigens auch kleine Schilde von nur 40 cm Durchmeffer, die 
in einen Filetbeutel eingeftrickt waren, um fie leichter tragen zu 
können. 

Unfere Küftenexkurfion verlief durchaus friedlich und machte 
uns vor allem mit der aufserordentlichen Fruchtbarkeit des Bodens 



Friedrich-Wilhelms-Hafen. 7q 

bekannt. Das Land gegenüber Bilibili ift meifl flach, von niedrigen 
Hügelreihen eingefafst und mit Urwald bedeckt. Im Dickicht des- 
felben liegen die ausgedehnten und trefflichen Plantagen der Bili- 
biliten, in denen jetzt hauptfächlich Jams und Zuckerrohr gedieh. Von 
letzterem fanden fleh oft gröfsere Beflände in ausgezeichneter Ent- 
wickelung. Rohr von 2 1., Zoll Durchmeffer, in Knotenabfländen 
von 4^0 Zoll und einer Länge von 12 — 14 Fufs war nichts Seltenes! 
Solches Zuckerrohr ifl jedenfalls doch erft durch fortgefetzte Kulti- 
vation veredelt worden und diefe den Eingeborenen und ihrem Fleifs 
zu danken. Auch die Bananen flanden trefflich, wie der forgfältig 
aufgehäufelte Jams, zwifchen dem buntblättrige Zierfträucher ange- 
pflanzt waren; alles zeigte eine mufterhafte Ordnung, wie man fle 
bei uns nicht beffer verlangen konnte. Ja, jal diefe »Wilden« ver- 
ftehen Feldbau ganz ausgezeichnet, und was mehr ifl, trotz ihren 
primitiven \\'erkzeugen auch mit dem Urwalde fertig zu werden. 
Wir fahen dies am beften an folchen Stellen, wo mit Urbarmachen 
erft begonnen worden war. Mächtige Bäume lagen am Boden, um 
zu verfaulen. Die abgehackten Afte waren verbrannt worden , die 
Stämme felbft hatte man etwa in Mannshöhe flehen laffen, und diefe 
ganze Riefenarbeit war nur mit Steinäxten gefchehen, die in der 
Hand des Eingeborenen gar nicht fo prim.itiv fmd, als man meint. 
Über den Fleifs der Bewohner wird man daher nicht mehr fo ab- 
fprechend urteilen, als dies meifl gefchieht, wenn man folche An- 
lagen mit eigenen Augen fehen und bewundern konnte. Freilich 
dürfte diefer Fleifs dem einfligen Anfiedler wohl kaum zu flatten 
kommen, denn der Eingeborene wird wohl nur fchwer als Arbeiter 
für andere zu erziehen fein. 

Eigentliche Dörfer trafen wir auf unferer Wanderung nicht, fon- 
dern nur eine kleine Siedelung von fünf Häufern, die unbewohnt zu fein 
und den Bilibiliten zu gehören fchienen. Sie dienten offenbar zum 
Aufenthalt und Schutz der Infulaner während der Bearbeitung 
und Ernte in den Plantagen, in welchen überhaupt fafl fkets kleine 
Hütten errichtet find. Gerade während der Feldarbeit pflegen am 
erften Überfälle flattzufinden, weil fich dann in der allgemeinen Ver- 



3o Drittes Kapitel. 

Wirrnis am leichteren ein paar Frauen oder Kinder erfchlagen laffen, 
was jeder Papuakrieger als fehr rühm- und ehrenvoll betrachtet. 
Die Männer pflegen daher, wie faft ftets, ihre Waffen bei fich zu 
tragen, um fie auch in den Plantagen immer bereit zu halten. Eine 
der grofsen hölzernen Trommeln war auch in diefer kleinen Siede- 
lung vorhanden, um bei einem feindlichen Überfall die Infelbewohner 
zu alarmieren und herbeizurufen. Kokospalmen fanden fich wie 
überhaupt nur wenig; aber wir fahen ein paar Melonenbäume (Ca- 
rica) und Kürbiffe; gleich hiefs es auch hier »Maclay!« Wir trafen 
einen hübfchen Bach mit klarem fliefsenden Waffer, an welchem die 
Sagopalme vorzukommen fcheint. Wenigflens ftiefsen wir auf eine 
Stelle, wo Sago gemacht worden war. Die von Mark entleerten 
Stämme lagen umher; Rippen des Bafisteiles des Blattes hatten als 
Tröge zum Auswafchen des mehlhaltigen Markes gedient, das Fa- 
brikat felbft hing in ca. zehn Pfund fchweren runden, in Bananen- 
blättern eingehüllten Klumpen im Schatten der Bäume zum Trocknen. 
Diefer Papua-Sago hat aber, um dies noch zu erwähnen, nichts mit 
dem, wie wir ihn aus unferen Suppen u. dergl. kennen, gemein. 
Statt rundlicher Körner bildet er eine weifsliche, mehlartige, feft zu- 
fammengebackene Maffe, die beim Gebrauch erfl zerklopft werden 
mufs. Die Eingeborenen bereiten den Sago meifl: in Form von 
Klöfsen, die in Waffer gekocht nichts weniger als zart werden. Aber 
ein Papuamagen kann ungeheure Quantitäten diefer harten Klöfse 
vertragen, und »Bom« gilt in folchen Diftrikten, wo er rar ift, als eine 
befondere Delikateffe. 

Als wir nach unferem Boote zurückkehrten athmete der Schwarze 
den ich dabei, vorfichtigerweife mit ungeladenem Gewehr, zurück- 
gelaffen hatte, wieder auf, denn diefe Neu-Britannier konnten fich" 
von dem weit befferen Charakter ihrer dunklen Brüder in Neu-Gui- 
nea noch immer nicht überzeugen. 

Der Strand befteht hier, wie fafl überall an der Küfte von Aftro- 
labe-Bai, aus feinem Sande, auf welchem es in der Sonne zuweilen 
wie Gold flimmerte. Leider rührte das Flimmern nicht von Gold, 
fondern Eifenglimmer her. Sonft fanden fich nur kleine runde Roll- 



Friedrich-Wilhelms-Hafen. 8 1 

fteinchen, Jafpis, Hornflein u. dergl., offenbar durch Regenbäche 
weiter aus dem Innern angefchwemmt, denn die geologifche Be- 
fchaffenheit der Küfte weift auf korallinifche Bildungen hin. Überall 
kann man, gleich erratifchen Blöcken, ifolierte Madreporenftücke be- 
obachten, wie dies auch in Konftantinhafen der Fall ift und die 
wahrfcheinlich , wie die ganze Küfte, vulkanilchen Hebungen des 
Meeresbodens ihr Dafein verdanken. 

Zahlreiche Kanus gaben uns das Geleit, als wir nach dem Dam- 
pfer zurückkehrten, der keinen Ankerplatz gefunden hatte und daher 
an- und abliegen mufste, wobei er beinah auf Riff geraten wäre. 
Die etwa zwei Meilen breite Meeresftrafse zwifchen Bilibili und dem 
Feftlande, fcheint nicht ganz »rein«, wie der Seemann fagt, d. h. 
frei von Korallriffen. 

Die Eingeborenen waren inzwifchen noch zutraulicher geworden 
und brachten fogar ihre Frauen mit, um ihnen die Fremden zu zei- 
gen und Gefchenke zu empfangen, die fie mit einer Würde entgegen- 
nahmen, als fprächen täglich Dampfer hier vor. Aber an Bord kam 
natürlich keine, denn hier, wie in Bongu oder wohin ich fonfl in 
Neu-Guinea kam überall zeigte fich die gröfste Moral und Decenz, 
in welchen Papuas vielen Kulturmenfchen als leuchtende Beifpiele 
dienen könnten. Ein Mann brachte feine ganze Familie mit, die aus 
einer Frau und drei Kindern beftand, niedliche Gefchöpfe, wie die 
meiften Papuakinder — und dabei fo artigl Da könnten viele un- 
ferer Mütter etwas lernen I Mit den Gegengefchenken fah es wie 
immer äufserft dürftig aus, obwohl Kanus voll Bananen und Zucker- 
rohr das Schiff umlagerten. \\'ie gewöhnlich fielen nur einige Kokos- 
nüffe ab, aber vergebens bemühte ich mich, ein Schwein zu erhan- 
deln, mit denen das Dorf fo gefegnet war als mit Kindern. 

Ja, diefes Bilibili ift eine reiche Infel und ihre Bewohner, die 
ich auf ca. 200 bis 250 fchätze, fmd die Patrizier von Aftrolabe-Bai, die 
fich ihre Stellung jedenfalls oft zu erkämpfen hatten. Davon zeugten 
die oft häfslichen Speer- und Pfeilwunden, die ich am Körper fo 
manches Kriegers bemerkte. Wenn die Wehrhaftigkeit, die aus dem 
ganzen Ausfehen diefer Männer fpricht, ihnen die dominierende 

Finfch, Samoafahrten. 6 



82 



Drittes Kapitel. 



Stellung über die Küftenflämme verfchaffte, fo haben fie diefe auch 
der gefchützten Lage ihrer Infel zu verdanken, die behagliche Wohl- 
habenheit aber ihrem Fleifse und ihrer Betriebfamkeit. Denn nicht 
nur als treffliche Ackerbauer lernten wir die Bilibiliten kennen, 




Töpferin auf Bilibili. 

fondern auch als ausgezeichnete Schiffsbauer und Induftrielle. Die 
Infel ifl nämlich berühmt wegen ihrer Töpferei. Das Gewerbe ruht wie 
überall in Neu-Guinea ausfchliefsend in den Händen der Frauen und 
gefchieht in derfelben einfachen Weife als an der Südoftküfte. Die 



Friedrich-Wilhelms-Hafen. 83 

Töpfe werden nur mit Hilfe eines flachen Steines und eines kleinen 
Holzfchlegels verfertigt, gleichfam aus dem Klumpen Lehm getrieben, 
was ein ganz wunderbares Augenmafs erfordert. Das Brennen ge- 
fchieht in derfelben einfachen Weife wie in Port Moresby im Freien, 
indem die forgfältig im Schatten getrockneten Töpfe leicht mit Holz 
überdeckt und beim Anzünden desfelben kurze Zeit einer fcharfen 
Glut ausgefetzt werden. Aber das Fabrikat fcheint im ganzen beffer 
und haltbarer, z. T. eleganter, als das an der Südoftkiifle. So fah ich 
unter anderem mit Buckeln ornamentierte Töpfe. Aber die unbe- 
deutenden, häufig durch Nägeleindrücke hervorgebrachten, Mufter find 
wohl kein Ornament, fondern wie in Port Moresby Handelsmarke. 
Wie meine Skizze eine Töpferin in der Arbeit zeigt, fo auch die 
eigentümliche kugelige Form der Töpfe, die fafl über ganz Neu- 
Guinea diefelbe ift. Auch hier werden vorzugsweis zwei Sorten 
Töpfe angefertigt, eine mit weiter Öffnung zum Kochen (Bodi) und 
eine mit enger, als Waffergefäfse (lo). Wie Port Moresby an der 
Südoftküfte Neu-Guineas das Centrum der Töpferei und des Topf- 
handels bildet, fo Bilibili für Aftrolabe-Bai und wahrfcheinlich weiter 
darüber hinaus. Die »Wab« (Töpfe), welche wir in Konftantinhafen 
fahen, flammten von hier, wie die unternehmenden Bilibiliten, als fie 
uns dort wiederholt befuchten, gleich ganze Kanuladungen ihres Fa- 
brikates mitbrachten. 

Zum Vertriebe desfelben dienen ihre trefflichen Kanus, die heften 
in ganz Aftrolabe-Bai. Sie beftehen wie überall im wefentlichen aus 
einem 20 bis 30 Fufs langen ausgehöhlten Baumftamm, dem aber 
jederfeits ein oft zwei Bretter aufgelafcht find, fo dafs das Fahrzeug 
dadurch bedeutend höher und tragfähiger wird. Diefe Scitenborde 
fchmückt öfters bunte Malerei, Figuren von Fifchen, Schildkröten, 
Vögeln darftellend. Der Baumflamm, welcher den Hauptteil des 
Fahrzeuges bildet, läuft jederfeits in eine Spitze aus, die Bordplanken 
in einen S förmig gebogenen Schnabel. Das Auslegergerüft befteht 
aus zwei langen Querhölzern und einem ca. 14 Fufs langen, ziemHch 
fchwachen Auslegerbalken (Balancier). In der Mitte des Kanu ift 

eine Plattform angebracht, auf welcher fich zuweilen ein Aufbau, 

6* 



84 



Drittes Kapitel. 



gleich einem grofsen Käfig erhebt, und der nicht feiten überdeckt, 
eine Art kleiner Hütte bildet. Hier werden Waren (Töpfe), Vor- 
räte und Waffen untergebracht; auch fleht hier ein Topffcherben 
mit glimmenden Kohlen. Das Fahrzeug befitzt einen, zuweilen zwei 
Mafte, mit mächtigem Segel aus Mattengeflecht. Die Spitze des 
Maftes ift häufig mit einem roh aus Holz gefchnitzten Vogel ver- 
ziert oder mit rotbemalten Nautilusmufcheln, fonfi: ift kein Schnitz- 




Handels-Kanu. 

werk vorhanden. Der Anker befleht aus einem Stück Baumflamm, 
an welchem die abgehackten Äfle die Haken bilden, und wird mit 
Steinen befchwert; als Ankertau dient ein ftarker Rotang. Diefe 
Fahrzeuge fegein fehr gut, und halten fich felbft bei unruhiger See 
trefflich, aber die Bilibiliten find im ganzen wie alle Papuas keine 
grofsen Seefahrer, obwohl fie ihre Fahrten bis Karkar (Dampier- 



Friedrich-Wilhelms-Hafen. Ss 

Infel) ausdehnen. Sie verlieren aber auch bei diefer nur 40 Meilen 
weiten Fahrt Land nie aus Sicht und pflegen bei unruhigem oder 
drohendem Wetter überhaupt nicht auszugehen. Überdies ift ja das 
Meer hier im ganzen meift ruhig. Kleine Kanus find übrigens, um 
dies noch beiläufig zu erwähnen, ganz fo wie in Bongu (Taf. VI, i). 

Nur zu fchnell mufsten wir von dem fchönen und intereffanten 
Bilibili fcheiden, zum gröfsten Leidwefen der Bewohner felbft, mit 
denen wir die befle Freundfchaft gefchlofsen hatten, was ja auch zu 
den Aufgaben unferer Expedition gehörte. Zwei weitere Befuche 
auf der Infel bewiefen uns dies am deutlichflen und unfere Freunde 
Ur und Kafchom, die mit zu den erften Häuptlingen Bilibilis zu ge- 
hören fcheinen, werden uns in fo gutem Andenken behalten, wie 
wir fie. Für Miffionsunternehmen giebt es übrigens keinen befferen 
Platz als Bilibili, aus Gründen, die ich hier nicht weiter erörtern will, 
und fo kann ich die Infel der deutfchen Miffion, die am erften 
dazu berufen ift, Licht in jene Regionen zu bringen, nur beftens 
empfehlen. 

Nordwärts von Bilibili paffierten wir drei kleinere, dichtbewal- 
dete Infein, von denen nur die mittlere, Jambom der Eingeborenen 
(Colomb-Infel*) der deutfchen Karten), bewohnt ift, und deren Be- 
wohner uns durch Winken mit grünen Zweigen ans Land einluden. 
Wir konnten uns aber nicht aufhalten, fondern dampften längs der 
Küfte weiter, die mit dichtem Urwald bedeckt ift und wenig bewohnt 
fcheint, denn wir fahen nur ein Dorf und auch fonfl keinen Rauch 
oder Anzeichen von Menfchen. Wir näherten uns den »Dreifsig Infein 
oder dem Archipel der zufriedenen Menfchen« ein Labyrinth von 
Infein und Wafferftrafsen, von deffen Charakter man erft bei näherer 
Unterfuchung Kunde erhält. Gleich hinter der erften etwas vor- 
fpringenden Ecke, die ich fpäter Kap Kufserow nannte, öffnet fich 
eine Meeresftrafse, die uns fehr der Unterfuchung wert fehlen. Das 
Whaleboot wurde daher rafch klar gemacht, und Kapitän Dallman 



*) Die fiidlich von derfelben ift ,,Groneraann"-, die nördliche ,,König-Infer' genannt 
worden. Vergl. : „Annalen der Hydrographie etc. Herausgegeben von dem Hydrogra- 
phifchen Amt der Admiralität''. 1885. Heft IV. T. 7. 



gg Drittes Kapitel. 

und ich liefsen uns, vorfichtig das Lot werfend, hineinrudern. Bald 
zeigte es fich, dafs das rechte nördhche Ufer nicht Feftland, fondern 
eine Infel war, deren Bewohner in nicht geringe Aufregung gerieten. 
Die grofsen Signaltrommeln Hefsen bald ihren dumpfen Klang er- 
tönen, dazwischen rief die Mufcheltrompete die Krieger herbei und 
bald nahten fich bewaffnete Kanus. Obwohl hier eine ganz andere 
Sprache gefprochen wird als bei Port Konftantin und felbft auf dem 
kaum fieben Meilen entfernten Bilibili, machte ich den Leuten unfere 
friedlichen Zwecke bald klar, und mittelft einiger Gefchenke hatte 
ich mir fchnell neue Freunde erworben. Wir fanden an der Weft- 
feite der Infel, Grager oder Gragr der Eingeborenen (»Fifchel-Infel« 
der deutfchen Karten,), eine hübfche Bucht, vollkommen gefchützt 
und weit beffer als Konftantinhafen, die ich nach einer lieben Freun- 
din Ehfabeth-Bucht nannte. Wir eilten mit diefer froher Kunde 
nach der Samoa zurück, die gerade noch vor Dunkelwerden glück- 
lich hier in 4 ^ ., Faden Tiefe zu Anker gebracht wurde. Wir hatten 
übrigens eine fehr unruhige Nacht in Elifabeth- Bucht und unfere 
Schwarzen fürchteten fich vorn zu fchlafen. Auch die Eingeborenen 
waren die ganze Nacht auf den Beinen; wir konnten fie beim Scheine 
grofser Feuer fehen und fogar fprechen hören, dazu der Lärm grofser 
und kleiner Trommeln, Mufcheltrompeten dazwifchen und von oben 
herab mächtiger Donner! Schwere, fchwarze Wolken fchienen fich fafi: 
auf die Maftfpitzen herabzufenken, jeden Augenblick erwarteten wir 
den Ausbruch des heftigfben Platzregens, aber wie fo oft in den 
Tropen blieb es nur bei Donner und Wetterleuchten, das letztere 
in fo intenfiver Stärke, wie man es feiten anderswo fehen wird. Faft 
ununterbrochen zuckten die grellen Lichter, fo dafs momentan das 
Dorf deutlich fichtbar war; in der That eine grofsartig fchauerlich 
fchöne Erfcheinung, die Neulingen wohl Furcht einflöfsen konnte. 
Da man Eingeborenen nie trauen darf, fo waren Vorfichtsmafsregeln 
getroffen, befonders Blaufeuer und Raketen zurecht gelegt, die alle- 
mal den gewünfchten Erfolg haben. Am anderen Morgen fetzten 
die Eingeborenen ihre Trommelei und Singerei unverdroffen fort, 
denn fie feierten, wie uns ein Befuch an Land fogleich lehrte, eines 



Friedrich-Wilhelms-Hafen. 



87 



jener Fefte, die oft mehrere Tage und Nächte dauern. Wie alle In- 
feln des Archipel der zufriedenen Menfchen befleht auch Grager 
aus dichtem Korallfels und ift dicht bewaldet, hat aber nur wenig 
Kokospalmen aufzuweifen; ich zählte nur 70. Die Infel befitzt zwei 
kleine Dörfer, von je 12 bis 15 kleinen Häufern, Grager und Tebog, 
von denen die erftere 
etwas gröfsere der 
Infel den Namen ver- 
fchaffte. Denn ge- 
wöhnlich haben die 
Eingeborenen keine 

Eigennamen für 
Landftriche oder In- 
feln, fondern benen- 
nen folche nach den 

hervorragendften 
Siedelungen. In je- 
dem Dorfe war ein 
Verfammlungshaus , 
klein, unbedeutend 
und ohne allen 

Schmuck von 
Schnitzereien. Im 
Inneren befanden 
fich nur die bekann- 
ten Lagerftätten, 
Holztrommeln, 

Schilde und Schweinekinnladen. Ein paar der letzteren dienten, wie 
einige Stücke gekochten fetten Schweinefleifches, forgfältig in Blätter 
eingepackt aufgehangen, als Erinnerung des foeben begangenen 
Fefles, eines »Marfap«, wie diefe Fefte hier flatt des »Ai« in Kon- 
ftantinhafen heifsen. Da an folchen die Frauen nicht teilnehmen, 
ja kaum die Töne der dabei gebrauchten Inftrumente hören dürfen, 
fo verwunderte mich deren Abwefenheit nicht im geringflen, aber 




Stutzer von Grager. 



88 Drittes Kapitel. 

die Bewaffnung der ]\Iänner erfchien aufsergewöhnlich und als eine 
Vorfichtsmafsregel angefichts des ungewöhnlichen Befuches. Das 
Fefl: hatte übrigens viel Teilnehmer von den Nachbarinfein verfam- 
melt, die mit reichgefüllten Schüffein fich in ihren Kanus heimwärts 
begaben und gewifs viel über die Fremdlinge zu erzählen wufsten. 
Wie überall giebt nur ein Feft Gelegenheit, Papuas in vollem Auf- 
putz zu fehen; ich liefs diefelbe nicht ungenützt vorübergehen. Hier 
einige Aufzeichnungen, welche zugleich für den ganzen Archipel, ja 
Aflrolabe-Bai allgemein gültig fmd und junge Stutzer (wieS. 87) in vollem 
Staate betreffen. Das Haar, forgfältig in eine weit abftehende Wolke 
aufgezauft, ift rot gefärbt und wird von zwei »Dedal« feftgehalten. 
So heifsen ca. 3 — 5 mm fchmale zierlich durchbrochen gearbeitete 
Bändchen, aus fein gefpaltener Pflanzenfafer oder dergl., mittelfl Kalk 
weifs gefärbt, die ganz wie gehäkelt ausfehen und mit zu den rei- 
zendften Zieraten der Papuas gehören (vergl. Atl. XVII 7, 8). Ich 
fand fie nur in diefem Gebiet. Jederfeits hinter dem Ohr fteckt ein 
Kamm (XVII. i) aus Bambu, »Gatentaun«, in der Form dem unferer 
Frauen ganz ähnlich, deffen ca. 5 — 6 cm breiter Rand zierlich durch- 
brochen gearbeitet und rot bemalt ift. Diefer Kamm wird hinter- 
feits mit einem Büfchel Kafuarfedern (Tuar), frifchen, grünen, feinen 
Farn, wohlriechenden Kräutern oder mit dem »Ssi« gefchmückt. 
Letzterer ift ein zierlich mit abwechfelnd gelb, rot und fchwarz ge- 
färbtem Gras umwundenes kurzes, dünnes Stäbchen, zuweilen mit 
einer weifsen Hahnenfeder verfehen, das auch fonft im Haare getragen 
und für die hiefige Jugend charakteriftifch wird. Im Ohr hängt ein aus 
Schildpatt gebogener breiter Reif, »Damala«, (XVII 4) häufig mit ein- 
graviertem Ornament, rotem Anftrich und befonderen, fehr hübfchen 
Anhängfein aus Schnüren feiner dünner Mufchelplättchen , einem 
halbdurchgefchnittenem Fruchtkern und einigen Hundezähnen als 
Bommel. Ein paar der letzteren dienen auch als feltener Schmuck 
durch die Nafenfcheidewand, für gewöhnlich fteckt aber nur ein blei- 
ftiffedickes rundes kurzes Stückchen Holz in derfelben oder ein aus 
Tridacna gefchliffener Stift, »Gin«, genannt. Am feltenffen ift ein 
fehr kunftvoll aus Perlmutter gefchnitzter Nafenfchmuck (wie Taf. 



Friedrich-Wilhelms-Hafen. 89 

XX 5). Junge Leute lieben ein glattes Geficht und reifsen daher 
die hervorfpriefsenden Barthaare forgfältig aus wie die Augenbrauen, 
Sie rafieren auch (mit einem fcharfen Bambu oder Mufchelftück) das 
Stirn- wie Nackenhaar ab, damit recht viel rote Farbe, »Bähm«, zur 
Geltung kommen kann, denn diefe ift zum Feftfchmuck eines Papua- 
Swell unbedingt erforderlich. GewöhnHch genügt ein Längsftrich 
über Stirn und Nafe und ein paar Querftreifen über die Backen, 
zuweilen wird noch ein weifser Ring ums Auge gemalt. Wo man 
aber recht viel der teuren roten Farbe übrig hat, da wird nicht 
gefpart, und das ganze Geficht, zuweilen auch der Rücken erhalten 
den behebten roten Anftrich. Ja, auch Armbänder, Ohrringe, Pfeil- 
und Speerfpitzen werden noch bemalt, denn Rot ifl die Freuden- 
farbe der Papuas und nur ausnahmsweis Zeichen des Krieges. Der 
gewöhnhchfte Halsfchmuck für junge Leute find Schnüre, mit zier- 
lich aufgereihten, kleinen weifsen Kauris (einer Art Nafsamufchel), 
»Darr« genannt, die als Material zu Schmuckfachen hier, wie fafl 
überall in Neu-Guinea, eine fo hervorragende Bedeutung haben. 
Aus gleichem Material werden auch Stirnbinden getragen, da folche 
aus den koftbaren Hundezähnen für junge Leute meift zu teuer find. 
Kleine fchon bei Bongu erwähnte filetgeflrickte Brufttäfchchen find 
auch hier unzertrennlich mit dem Ausputz eines jeden Mannes und 
werden in fehr hübfcher Weife mit zierlich eingefirickten Querfchnitten 
der Samenkerne von Coix lacrymae angefertigt und mit Troddeln 
von gleichem Material behangen. Selten kann fich ein junger Mann 
einen Bruflfchmuck aus Hundezähnen erlauben , die in der Form 
eines Triangels (vergl. Abbild. S. 87) aufgereiht, an einem Strickchen 
um den Hals getragen werden. — Ich will gleich hier bemerken, dafs 
wenn von »Hundezähnen« die Rede ift, damit allemal nur die Eck- 
zähne gemeint find, wovon jeder Hund nur vier befitzt, dafs alfo diefes 
Material mit Recht als wertvoll gilt, wie dies in ganz Melanefien 
der Fall ifl und bei unferen prähiftorifchen Vorfahren der Fall war. 
Sehr reich und gefchmackvoll wird der Oberarm gefchmückt. Statt 
der gewöhnlichen Grasbänder werden bei Feften die wertvollen 
»Ari« getragen (Atlas XVIII, 3). Sie beftehen ebenfalls aus rot- 



gO Drittes Kapitel. 

gefärbtem feinem Grasgeflecht, find aber fehr breit (bis 14 cm) und 
am Rande mit Kauris, fowie flachen Ringen, aus dem Bafisteile eines 
Conus gefchliflen, fehr gefchmackvoll befetzt. »Suar« heifsen die 
breiten Armbänder aus einem gebogenem Stück Schildpatt, die in 
der That mit zu den feinften Kunftarbeiten (Atl. XIX. 2) der Papuas 
überhaupt zählen. Wie mir ein tüchtiger Fachmann verficherte, er- 
fordert fchon das gleichmäfsige Rundbiegen eines bis 14 cm langen 
und 7 bis 8 cm Durchmeffer haltenden Stück Schildpatts mittelft 
Erhitzen eine grofse Sorgfalt und Gefchicklichkeit, die bei uns nicht 
jeder Arbeiter befitzt. Diefe Armbänder find nun überdies mit fehr 
verfchiedenartig eingravierten Ornamenten in gefchmackvoller und 
fchwungvoller Zeichnung verziert, die bei uns Beifall finden würden 
und denfelben weit mehr verdienen, wenn man bedenkt, dafs nur 
Mufchelbruchftücke, fpitze Steine oder fcharfe Eberzähne als Werk- 
zeuge dienten. Aber die »Wilden« fchrecken felbft nicht vor här- 
terem Material als Schildpatt zurück, wie die fchmalen Armringe, 
»Bio« genannt, kaum 7 mm breite Bafisabfchnitte von Trochus ni- 
loticus zeigen, deren Aufsenrand zuweilen fchöne Gravierung tragen 
(XIX. 4). Um die letztere beffer hervortreten zu lafsen, ift das Ver- 
tiefte mit roter Farbe, bei den Schildpattarmbändern mit weifser 
(Kalk) eingerieben, was trefflich wirkt und gewifs für den guten Ge- 
fchmack diefer Künfller des Steinalters fpricht. Ich glaube kaum, 
dafs unfere Pfahlbauer derartige Kunflfachen anfertigten, wozu ihnen 
ja auch fchon das Material fehlte. — Wie um das Feffelgelenk, fo ifl: 
zuweilen unterm Knie ein breites Band von rotem Stroh umgeflochten, 
feltener das Fufsgelenk bis zur halben Wade herauf Letzteren 
Schmuck ficht man kaum bei jungen Leuten, die dagegen mit Vor- 
liebe einen ca. 10 cm breiten Leibgurt, »Ja sigilon«, aus gleichem 
Material tragen (ähnlich Atlas XVI. 3 a). Derfelbe wird fo fefl: als 
möglich gleich um den Leib geflochten und fchnürt die Taille in 
unnatürlicher und nach unferen Begriffen in gefundheitsfchädlicher 
Weife ein. Ich fchnitt einem kräftigen jungen Manne von ca. 27 
Jahren einen folchen Gurt vom Leibe, der nur 65 cm Umfang zeigte. 
Aber diefes Einfchnüren ifl auch an der Südoftküfle Neu-Guineas 



Friedrich-Wilhelms-IIafen. Ol 

beliebt und gilt als äufserfl: »fefch«. Aufser diefen Leibgurten werden 
zuweilen aber feiten noch fchmale Leibfchnüre getragen, unter denen 
folche aus Delphinzähnen, »Bali«, und die fchon bei Bogadfchi er- 
wähnten Gogu, die hier »Popok« heifsen, am wertvollflen find. Dafs 
bei einem Fefte wie dem foeben gefeierten befonders feine, rotge- 
färbte, zum Teil hübfch gemuflerte ]\Ial in der Weife, wie dies Fig. i 
(Taf XVI des Atlas) zeigt, angelegt werden, ift felbftverftändhch; 
auch an buntem Blätterfchmuck in Armband und Haar fehlt es 
nicht. Dagegen war Federfchmuck (»Kahm«) feltener; am häufigften 
weifse Hahnenfedern, fowie Kakaduhaubenfedern oder rote Schwanz- 
federn vom Weibchen und grüne vom Männchen des Edelpapageis 
(Eclectus polychlorus). Schmuck aus Kafuarfedern fieht man hier wenig, 
vermutlich weil derKafuar Tuar) feiten ifl. Diejungen Leute müfsenfich 
meift mit einer Hahnenfeder begnügen, denn nur den Männern fcheint 
reicherer Federfchmuck zuzukommen, wie einige befondere Schmuck- 
gegenftände. Darunter fleht für alle Krieger ein eigentümlicher Bruft- 
fchmuck (vergl. Atlas Taf. XXII. 4, 5; oben an, fehr gefchmackvoU 
aus zwei Ovulamufcheln und einem fein geflochtenem blatt- oder 
herzförmigen, mit Kauris befetzten Anhängfei gefertigt. Er ift gleich- 
fam ein Attribut des waffenfähigen Mannes und verbreitet fich in 
diefer Form weit über gewifse Teile Neu -Guineas, für welche 
diefelbe charakteriftifch ifl. Diefer Bruflfchmuck wird beim Kampf 
vom Krieger in den Zähnen gehalten, um den Gegner herauszufor- 
dern und fchrecklicher zu erfcheinen, ein Gebrauch, der fich in allen 
von mir bereiften Gegenden von Neu - Guineas wiederfindet. Ein 
weit feltenerer und kofibarer Schmuck ifl ein faft zirkelrund gebogener 
Eberhauer*) »Sual«, fo koftbar, dafs ihn eigentlich nur Häuptlinge 
■ erfchwingen können. Minder reiche Leute begnügen fich mit einer 
Imitation aus Tridacnamufchel gefchliffen oder zwei gewöhnlichen 
grofsen Eberzähnen. Wie erwähnt fchmücken fich ältere Leute 
weniger als junge, ganz wie dies bei uns der Fall ift, und wie überall 



*) Vergl Finsch : ..Abnorme Eberhauer, Pretiofen im Schmuck der Südfeevölker" in: 
Mitteil, der Anthropol. Gefellfch. in Wien, Band XVII, 1887, Taf. VI. 



q2 Drittes Kapitel. 

der Mensch mit dem Vorrücken der Jahre immer weniger Gefallen 
an den Eitelkeiten diefer Welt findet. So bedienen fich ältere Männer 
kaum mehr roter Bemalung und fchwärzen höchftens das Kopfhaar 
(comme chez nous!). 

Eine gröfsere Verfammlung von Eingeborenen giebt auch am 
beflen Gelegenheit zu anthropologifchen Studien. Ich überzeugte 
mich auch hier aufs neue von der grofsen Verfchiedenheit in den 
Gefichtszügen und doch waren diefe Papuas gewifs frei vom Einflufs 
fremder Beimifchung. Aber auch bei diefem Naturvölkchen ift es 
wie bei uns, und es herrfcht eine ebenfo grofse individuelle Abwei- 
chung! So waren typifche Judengefichter nichts Seltenes; andere 
erinnerten durch ihre gebogenen Nafen an Indianer und einzelne 
unterfchieden fich, abgerechnet Hautfärbung und Haar, kaum von 
Europäern. 

Wahrfcheinlich noch in Feftesflimmung zeigten fich übrigens die 
neuen Freunde recht dreifl:, erkletterten in hellen Haufen das Schiff, 
fo dafs ich genug zu thun hatte, um Ordnung zu halten und die 
Überzahl fanft von Bord zu fpedieren. Sie hatten wie immer wenig 
zu vertaufchen und Bananen und Schweine, nach denen uns am 
meiften gelüftete, felbfl: aufgezehrt. 

Dem Gewimmel der Eingeborenen wurde übrigens ein jähes 
Ende gemacht, als Kapitän Dalimann gegen Mittag von feiner Boot- 
exkurfion mit der frohen Kunde zurückkehrte, dafs der bislang ver- 
gebens gefuchte Hafen gefunden fei, und zwar ein ganz vortrefflicher. 
Schnell wurde Anker gehivt, und kaum eine halbe Stunde fpäter 
lagen wir in dem herrlichen Baffin, das wir zu Ehren Seiner Kaifer- 
lich und Königlichen Hoheit dem Kronprinzen »Friedrich-Wilhelms- 
Hafen« benannten. Das war am ig. Oktober! Die Erinnerungen, 
welche fich an den vorhergehenden Tag knüpfen (Geburtstag des 
Kronprinzen, Schlacht bei Leipzig), durften dem neuen deutfchen 
Hafen als gutes Omen gelten, das demfelben hoffentlich dauernd 
günüig bleiben wird. Denn, wenn erfl Kaifer-Wilhelms-Land den- 
jenigen Auffchwung nimmt, den wir alle wünfchen , wird auch 
»Friedrich-Wilhelms-Hafen« diejenige Bedeutung erlangen, welche 



Friedrich-Wilhelms-Hafen 



93 




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Friedrich-Wilhelm- und Prinz Heinrich-Hafen. 



QA Drittes Kapitel. 

er fo fehr verdient. Jedenfalls gehört er mit zu den heften Häfen 
in Deutfch-Neu-Guinea, ift aber leider mehr mit Fieber behaftet als 
andere Gebiete, Verhältniffe, die fich bei der einftigen Urbarmachung 
ebenfogut beffern werden, als dies z. B. bei Soerabaja und anderen 
tropifchen Häfen der Fall war. Friedrich -Wilhelms-Hafen ift, wie 
die vorhergehende Kartenfkizze zeigt, eigentlich eine langgeftreckte 
Lagune, von i ^ -2 bis 2 Meilen Breite und 8 Meilen Länge, die von der 
Dalimann -Einfahrt, wie ich die Strafse zwifchen Grager und der 
Schering-Halbinfel benannte, knieförmig tief ins Land nach Südweft 
einfchneidet. Sie ift, was der Amerikaner »land-locked« nennt, d. h. 
rings von dichtem Urvvald umfchlofsen, alfo vollkommen gegen alle 
Winde gefchützt. Dabei fmd keine »Patches« d. h. untiefe Korall- 
ftellen vorhanden und felbft das gröfste Panzerfchiff kann ficher ein- 
laufen, ankern und fchwingen. Die von der Samoa gemachten Lo- 
tungen hatten diefes günftige Refultat fchon ergeben, welches fpäter 
durch die forgfältigen Aufnahmen der deutfchen Kriegsfchiffe (Eli- 
fabeth und Hyäne) nur Beftätigung fanden. Die Tiefen halten fich 
in der Mehrzahl der Lotungen zwifchen zwanzig und einigen Meter 
und fallen nur an wenigen Stellen bis zu vierzehn; die Dallmann- 
Einfahrt bewegt fich meift in den dreifsigen. Der Obfervationspunkt 
der Kriegsfchiffe auf der Schering-Halbinfel liegt unter Breite 5^, 14,5' 
Süd; Länge: 145,47 Oft; der Unterfchied zwifchen Hoch- und Niedrig- 
waffer beträgt ^j^ Meter. 

Die Samoa war das erfte Schiff, welches in diefem Hafen ankerte, 
deffen erhabene Ruhe uns allen wohlthat. Und als die Nacht fich 
herniederfenkte und die Kakadus mit ihrem widerlichen Gekreifch 
zur Ruhe gebracht hatte, fchlief auch ich unter dem eintönigen 
Gezirp der Cikaden und dem Kaftagnettengeklapper der Laubfröfche 
fo fchön wie lange nicht; wozu die Befriedigung über die neue Ent- 
deckung nicht wenig beitrug. War es doch der erfte Hafen, den 
wir gefunden hatten, und fomit die Begeifterung verzeihlich. 

Vogelftimmen verkündeten den anbrechenden Tag, denn um diefe 
Zeit fmd auch die Tropenvögel wie die unfrigen am lebhafteften. 
Sie waren mir alle alte Bekannte von der Südoftküfte. Den meiften 



Friedrich-Wilhelms-Hafen. g:; 

Lärm machten wie immer weifse Kakadus (Cacatua Triton; und Pa- 
pageien (Eclectus polychlorus); Loris (Lorius erythrothorax und 
Sittiche (Trichoglossus Massenae) liefsen pfeilfchnell die Luft durch- 
fchiefsend ihren fchrillen Lockruf vernehmen; dazwifchen tönte das 
tiefe: arr, arr, raab, raab, aai, aai des Raben (Corvus orru), und das 
dumpfe Brummen der weifsen Fruchttaube (Carpophaga spilorrhoa), 
das tiefe »balebakü« ihrer grünen Bafe (Carpophaga poHura); das 
mannifgfach modulierte Gefchwätz des nimmer müden Lederkopf 
^Tropidorhynchus Novae Guineae). Aber nicht alle Teilnehmer diefes 
tropifchen Vogelkonzerts tönen dem Ohre unangenehm entgegen, 
manche lafsen Wohllaute erklingen, die fehr anfprechend find. So 
die reinen, wie abgeftimmten Pfiffe, welche das Gegurgel und Geplärr 
der Krähemvürger durchfetzen, von denen fich der einfarbig fchwarze 
Cracticus Ouoyi am meiften hervorthut, fo der melodifche Glocken- 
ton einer Pirolart (Mimeta), und vor allem die vollen und abwech- 
felnden droffelartigen Strophen einer Pinarolestesart, die den Namen 
»Neu -Guinea- Nachtigall« verdient und wie diefe ein unfcheinbares, 
braunes Vögelchen ift, das freilich zu einer ganz anderen Familie 
gehört. Mächtiges Raufchen, ähnlich dem Braufen einer Lokomotive, 
übertönt zmveilen das Gefamtkonzert und verwundert fchaut der 
Neuling umher. Ein paar Nashornvögel (Buceros ruficoUis) durch- 
eilen die Luft und erzeugen durch die mächtigen Schläge ihrer kur- 
zen Flügel jenes fremdartige, faft erfchreckende Geräufch, fo laut 
wie es kein Adler hervorbringt. Aber Raubvögel find feiten: einige 
fchw^arzohrige ^Milane (Milvus melanotis), ebenfo träge als ihre fchön 
gefärbten Vettern, Haliastur girrinera, fitzen hie und da auf dem 
dürren Afte eines Urwaldriefen, noch feltener fieht man einen weifs- 
bauchigen Seeadler (Haliaetus leucogaster), den gröfsten Raubvogel 
Neu-Guineas, hoch in den Lüften feine Kreife befchreiben. Das ift 
fo ungefähr alles, was fich von der Vogelwelt bemerkbar macht, 
denn wie der gefchlofsene Hochwald bei uns, fo ift auch der Urwald 
ärmer als freieres Terrain. Aber wo bleiben die Paradiesvögel: höre 
ich fragen , von denen man fich in Neu-Guinea jeden Baum voll 
träumt. Ja! die hatte ich fchon in Konftantinhafen gehört und ge- 



q6 Drittes Kapitel. 

fehen, aber ich konnte fie fo wenig erlangen als hier, denn es gab 
eben Wichtigeres zu thun. Übrigens ift es eine der Paradisea apoda 
und papuana verwandte Art mit gelben Seitenbüfcheln, wie mir die 
wenigen von den Eingeborenen gebrachten fchlechten Bälge zeigten, 
bei denen der Vogel hier »Do« heifst. 

Wie zu erwarten, dauerte die wohlthuende Ruhe infolge des 
Fehlens der Eingeborenen nicht lange, denn faft mit den erften Vogel- 
ftimmen, früh 5 i/o Uhr, hörten wir auch die unferer Freunde und 
Gönner von Grager, und bald hatte fich eine Anzahl Kanus um 
den Dampfer gefammelt. Ich konnte mich aber zu ihrem grofsen 
Leidwefen weniger mit ihnen befchäftigen, denn vor allem war uns 
an einer näheren Unterfuchung des Hafens, feiner Dependenzen und 
Umgebung zu thun. In der letzteren Richtung liefs fich wenig thun, 
da ein Gürtel dichter Mangrove (Rhizophoren), welcher den Strand 
bildet, undurchdringliche Schranken fetzt. In dem äufserften weft- 
lichen verfchmälerten zipfeligen Ende des Hafens, der hier Korall- 
rifif zeigt und nur mit Boot paffierbar ift, fetzt ein fchmaler Kanal 
in die Tiefe des Urwalds hinein. Wir befuhren ihn im Boot, blieben 
aber bald fitzen und überzeugten uns, dafs hier keine Flufsmündung 
fei. Das Waffer war brackig und in dem Dickicht der Nipapalmen, 
deren Wedel überall den Weg verfperrten, kaum durchzudringen. 
Dabei rührte in dem faft flagnierendem Waffer jeder Ruderfchlag 
neue moderige Dünfle verfaulender Pflanzenftofife auf; eine rechte 
echte Fieberluft, die man förmlich riechen konnte. Übrigens fanden 
wir die Spuren der Eingeborenen in betretenen Pfaden, die uns fpäter 
zu Avohlgepflegten Plantagen führten. Sie gehören den Infelbewoh- 
nern, denn das Feflland um Friedrich-Wilhelms-Hafen fcheint ganz 
unbewohnt zu fein. Der Boden ift auch in diefem Gebiet ein fehr 
fruchtbarer, deffen korallinifche Bildung die allenthalben umherHe- 
genden Koralltrümmer deutlich erkennen laffen. Die Baumvegeta- 
tion war eine entfprechend üppige, aber das Auge fucht vergebens 
nach jenen lieblichen Kindern Floras, den Blumen, die fo mannig- 
fach abwechfelnd unfere Wälder zieren. Hie und da fieht man ein 
lilienartiges Staudengewächs mit plumper Blume, oder hoch in dem 



Friedrich-Wilhelms-Hafen. 



97 



Gelaube die fchön roten Blumen gewiffer Schlingpflanzen guirlanden- 
artig von Baum zu Baum ranken; feltener eine Orchidee. Diefe 
Blumenarmut ift eben für alle Urwälder diefer Tropenregion cha- 
rakterifhifch, wie der Reichtum an Lianen und anderen Schlingpflanzen. 
Letztere umflricken grofse Bäume häufig fo dicht, dafs die fonfl: fchönen 
Formen bizarr und phantafl;ifch ausfehen. Die zahllos herabhängen- 
den, oft armsdicken Enden, und die dünnen, mit häfslichen feinen 
Dornen befetzten Ranken bereiten häufig unüber^vindliche Hinderniffe. 
Diefe rankenden Lianen, die fich anfangs, unfchuldig wie unfer 
Epheu, gleichfam fchutzfuchend, an dem Baumftamme emporwinden, 
faugen an feinem Lebensmark bis fie ihn fchliefslich ganz erfticken. 
Hunderte von Parafitenarmen, zu gewaltiger Dicke angewachfen, um- 
klammern und halten den morfchen Riefen noch zufammen, an deffen 
Zerflörung Milliarden gefchäftiger Ameifen mithelfen, bis ihn ein 
Windflofs ganz zu Boden ftreckt. Das ifl fo in wenigen Strichen 
das Bild eines Urwaldes, wie ich es im grofsen und ganzen überall 
in jenen Regionen fand, und das meift fehr von den Vorftellungen 
abweicht, welche fich der Laie macht. Ja, diefe Urwälder find grofs- 
artig, intereffant durch die Menge neuer Eindrücke, welche fie dem 
Neuling bieten, der manche Begriffe von Baumwuchs, Üppigkeit und 
Vegetationsfülle zu verbeffern haben wird , aber ein harmonifches 
Ganze wie unfere Hochwälder bieten fie nicht. Wer fo lange, wie 
ich, in diefen Urwäldern lebte, unter ihnen feine Hütte auffchlug 
und täglich mit Schling- und Rankengewächfen zu kämpfen hatte, 
wie dies bei meinem früheren Aufenthalte an der Südofl:küfl;e Neu- 
Guineas und der Kap Yorkhalbinfel der Fall war, dem werden die 
heimifchen Wälder erft recht lieb geworden fein und nach allen meinen 
Welterfahrungen mufs ich offen bekennen: »Der deutfche Wald ift 
der fchönflel« Freilich ift das ein individuell- nationales Urteil, in 
welches nicht alle einftimmen werden und brauchen. Ich erinnere 
mich hierbei eines geborenen Auftraliers, eines Koloniften aus Neu- 
Süd-Wales, mit dem ich von Melbourne nach Sydney reifte. Er 
kam eben von einer Vergnügungstour aus Europa, und war auch in 
Deutfchland gewefen. Aber unfere fchönen Eichen und Buchen 

Finfch, Samoafahrten. -j 



q8 Drittes Kapitel. 

hatten keinen Eindruck auf ihn gemacht; das Herz ging ihm erft 
auf, als er die unfchönen Eukah'pten mit ihren fperrigen Äften, der 
zerfetzten Rinde und graugrünHchen dünnen Belaubung fah, — »the 
finest trees in the worldl« — 

Es war fehr fchwer, fich über die hydrographifche Befchaffen- 
heit unferes neuen Gebietes zu orientieren, und wir vermifsten fchon 
hier, wie fpäter noch fo oft, den Mangel einer Dampfbarkaffe auf das 
fchmerzlichfle. Aber die meift unter Führung von Kapitän Dallmann 
unternommenen Bootfahrten machten uns mit den Gewäffern nörd- 
lich bis über die Infel Tiar hinaus bekannt und zeigten uns die un- 
richtige Lage der »Thirty Islands« nach der flüchtigen Aufnahme 
der ruffifchen Kriegsfchifife (Admirality Chart No, 1084), bis dahin 
dem einzigen kartographifchen Hilfsmittel. Nördlich von unferer 
nächflen Infel Bilia (Eickftedt-Infel der deutfchen Karte), die durch 
eine fo fchmale Bootspaffage vom Fefllande getrennt ift, dafs die 
Zweige der beiderfeitigen Bäume ein förmliches Dach bilden, öffnet 
fich ein zweites geräumiges Baffm, welches fich trefflich als Hafen eignet 
und fpäter von unferen Kriegsfchiffen »Prinz-Heinrich-Hafen« genannt 
wurde. Diefer Hafen erhält nordöftlich durch eine etwas gröfsere 
Infel (Götz -Infel) und eine ganz kleine (Koch -Infel), beide dicht- 
bewaldet und unbewohnt, und das diefelbe verbindende Korallrifif, 
vollkommenen Schutz und ift nur durch die Dallmann -Einfahrt zu- 
gänglich. Beide Häfen bilden prächtige Verftecke, in welchen fich 
viele Schifl'e verbergen können. Nördlich von der Koch-Infel bis 
Tiar (Aly-Infel der deutfchen Karten) find viele flache Stellen; öftlich 
ziehen fich Rifie hin, mit heftiger Brandung, fichtbaren Treibholz- 
ftämmen und einem fchwarzen Felfen, wodurch unferen beiden Häfen 
eine zweite Schutzmauer gefichert ifl. Zugleich wird dadurch eine 
Einfahrt nördlich von Grager kaum möglich, in welcher Richtung 
noch zwei weitere Infein zu folgen fcheinen, die aber nach den Auf- 
nahmen unferer Kriegsfchiff'e nur Teile der erfleren find. Im übrigen 
haben die Dampfbarkaffen der Kriegsfchiff'e fich ungefähr in den- 
felben Grenzen gehalten, welche wir mit unferem Segelboot erreichten 
und ebenfowenig als wir eine Flufsmündung entdeckt. Übrigens 



Friedrich-Wilhelms-Hafen. qq 

fehlt es nicht ganz an Frifchwaffer, und es find wenigftens Tümpel 
mit folchen vorhanden. Ein Flufs könnte möglicherweife etwas 
weftlich von Tiar münden; wenigftens deuten dichte Beftände von 
Nipapalmen darauf hin. Wir konnten aber die feichte Bucht nicht 
näher unterfuchen, in der wir, wie fchon vorher in einer Seitenbucht 
von Friedrich -Wilhelms -Hafen, Vorrichtungen zum Fifchfang be- 
merkten, die wir nicht zerftören wollten. Ein dichtes Rickelwerk 
von eingefteckten Pfählen hinderte den Durchgang, wie für uns fo 
für Fifche, und führte die letzteren in Reufen, mit welchen die frei- 
gelafsenen Öffnungen verfehen waren, ganz in der Weife, wie dies 
allenthalben gefchieht. 

Nach von Maclay befteht der Archipel aus etlichen dreifsig In- 
feln, aber ich vermochte mir auch bei den Eingeborenen keine Auf- 
klärung zu verfchafifen. Ein jedenfalls fehr bewanderter Mann nannte 
mir zweiundvierzig Namen, die wohl aber weniger Infein, fondern 
die oft fehr kleinen, nur aus ein paar Häufern beftehenden Siede- 
lungen betreffen. Ein anderer wufste siebenundzwanzig, ein dritter 
nur fechs Namen aufzuzählen, die ich aber ohne weiteres übergehen 
kann, da fie hier doch keinerlei Intereffe haben. Aus den Nachrichten 
der Eingeborenen fehlen übrigens hervorzugehen, dafs die unmittel- 
bare Umgebung der beiden Häfen nicht bewohnt ift, dafs aber weiter 
nördlich »Panu«, Dörfer vorkommen. Nach unferen Erfahrungen 
dürfte der dit Häfen einfaffende Urwaldgürtel nicht allzubreit fein 
und dahinter fich vermutlich fchönes Land finden. Wenigftens fahen 
wir auf den Hanfemann -Bergen, die eine gute Landmarke für an- 
fegelnde Schiffe bilden, zahlreiche »Kulturflecke«, d. h. Plantagen. 
Dies war bei einem fpäteren Befuch (Mai 1885), bei welchem wir 
ganz nahe unter der Küfte dampfend einen befferen Einblick in 
diefe fo fchwierigen hydrographifchen Verhältniffe erlangten. Der 
Archipel der zufriedenen Menfchen fcheint fich von Kap Kufferow 
ca. 10 Meter nördlich zu erftrecken, bis zu dem fogenannten Kap 
Juno von d'Urville, das fich nur fchwer erkennen läfst. In diefem 
Gebiete zählte ich fechzehn kleine Infein, die alle niedrig, anfchei- 
nend unbewohnt und dicht bewaldet find, wie die Feftlandsküfte felbft, 

7* 



lOO 



Drittes Kapitel. 




welche oft fchwer zu unter- 
fcheiden ift. Verfchiedene diefer 
Infein find durch Riff verbunden 
und dürften bei näherer Unter- 
fuchung vielleicht brauchbare 
Ankerplätze geben. Die Ein- 
fahrt zu einem anfcheinend lehr 
geräumigen, trefflichen Hafen 
fah ich füdlich von Juno-Point, 
wir hatten aber keine Zeit, den- 
felben zu unterfuchen, und 
mufsten dies fchon aus Mangel 
an einer Damptbarkaffe auf- 
geben. Wie ich fpäter durch 
Güte von Herrn Friederichfen 
erfuhr, ifl diefer Hafen im Jahre 
1883 von dem ruffifchen Kriegs- 
fchiff »Skobeleff« befucht und 
»Port Alexis«*), die davor lie- 
gende Infel »Skobeleff« benannt 
worden. Ihr nördlichfter Punkt 
wurde zu 5'^, 4' 6" Süd und 
145", 48', 21" Ofl beftimmt. 

Auf den von unferer Ad- 
miralität publizierten Karten 
find nördlich von GragerFifchel- 
Infel) nur zwei gröfsere Infein: 
Örtzen und Follenius, und zwi- 



*) In der Kartenfkizze von Haupt- 
mann Dreger (Nachrichten aus Kaifer 
Wilhehiisland. Heft II 1887) ift diefer 
Hafen ca. 3 M. füdlicher verzeichnet ; zwi- 
fchen diefem und Prinz-Heinrichs-Hafen 
noch ein neuer: Prinz- Friedrich -Karl- 
Hafen. 



Friedrich-W'ilhelms-Hafen. 



lOI 



fchen beiden etwas wefllich, eine kleine, Franz-Infel, verzeichnet, alle 
übrigen Infein weiter nördlich aber weggelaffen. Tiär, oder Dsiär, 
wie es manche Eingeborene ausfprechen, (Aly-Infel der deutfchen 
Karten; ift bedeutend kleiner als Grager, dicht bewaldet, mit wenig 
Kokospalmen, hat aber eine zahlreiche Bevölkerung, welche im Ar- 
chipel eine dominierende Stellung zu behaupten fcheint, denn auch 
die Grageriten fürchteten fich vor Tiar. An dem Sandftrande der 
VVeflfeite landeten wir und befichtigten das Dorf. Die Häufer des- 




Haus auf Tiar. 

felben liegen wie immer fehr zerftreut, fmd grofi^, fehr gut gebaut 
und ftehen niedrig auf Pfählen, Vor der Thür ift ein breiter, von 
dem feitlich weit herabhängenden Dach mit bedeckter Vorplatz, wie 
dies die beigegebene Abbildung am beflen zeigen wird. Ich entdeckte 
auch das etwas abfeits unter Bäumen verfleckte Verfammlungshaus 
der Männer, »Dasem« genannt. Es enthielt ein paar Holz-Signal- 
trommeln, hier »Do«, von koloffaler Gröfse (vergl. Atlas XIII. i.). 



J02 Drittes Kapitel. 

dadurch neu, dafs an dem einen Ende ein grofses Loch durchgebohrt 
war, um, wie die Männer andeuteten, einen Strick durchziehen und 
fo das fchwere Inftrument leichter bewegen zu können. Aufser den 
üblichen Unterkiefern von Schweinen, hing an einem der Querbalken 
eine Holzfchnitzerei, wie ich fie bisher nicht gefehen hatte. Sie war 
ziemlich grofs, aus einem Stück gefchnitzt und flellte einen an den 
zufammengebundenen Vorderbeinen aufgehangenen, fchwarz und 
weifsen Hund oder vielmehr eine Hündin dar, wie drei Reihen Säuge- 
warzen zeigten. Das Tier wurde »Agaun« genannt Taf. XV. 2), 
aber wie ich erAvartet hatte, nicht verkauft. Die Eingeborenen fahen 
es aber gern, dafs ich ihr Kunftwerk abzeichnete. Die Bedeutung 
diefer merkwürdigen Figur, die nicht wohl im Zufammenhang mit 
Ahnenkultus flehen kann, vermochte ich natürlich nicht zu ergründen, 
aber Laune und Phantafie der Papuas fchaffen zuweilen Werke der 
Holzbildnerei, die ihr Entflehen Zufälligkeiten zu verdanken haben 
und denen keine tiefere Bedeutung zu Grunde liegt. So fah ich in 
Neu-Britannien einmal ein Stammflück, auf welchem fehr kenntlich 
ein Haififch in Relief ausgezimmert war. Ich dachte natürlich an 
Haififch-Verehrung und dergl, erfuhr aber, dafs bei Gelegenheit des 
Fanges eines grofsen Hais ein Kanaker zum Spafs deffen Bildnis ge- 
zimmert hatte, um für feinen Fleifs »Diwarra« (]\Iufchelgeld) einzu- 
fammeln. Ahnlichen Urfprunges waren vielleicht die aus Holz ge- 
fchnitzten Fifche, welche wir auf Tiar nicht weit vom Verfamm- 
lungshaufe entdeckten, und die, wie die Abbildung zeigt, ebenfo 
fehr durch die Ausführung als namentlich auch die fonderbare Art 
der Aufftellung überrafchten. Sie fleckten oder hingen nämlich an 
langen und dicken Bamburohren, die einen freien Platz fchmückten, 
der unter gewifsen »Tabu« zu flehen fehlen, denn anfänglich wollten 
die Eingeborenen nicht dulden, dafs ich mir das merkwürdige Denk- 
mal näher betrachtete. Als fie aber fahen, dafs ich nichts mitnahm, 
was fie vielleicht gefürchtet hatten, liefsen fie mich ruhig zeichnen 
und verkauften mir fogar einen der Fifche. Diefe »Ji«, (= Fifch) 
(XV. 3) waren zum Teil in beträchtlicher Gröfse (60 cm bis i m 80 cm;, 
aus einem Stück Holz gezimmert, bemalt und fo natürlich nach- 



Friedrich- Wilhelius-Hafen. 



103 



gebildet, dafs man an einzelnen die Gattung erkennen konnte. So 
unter anderen Makrele, Hemiramphus, Chaetodon, Pagrus — auch 
ein Delphin (Phocaena) war dabei. Eine folche, fehr deutlich wieder- 
gegebene, ^Makrele, hielt einen anderen kleinen Fifch im Maul, eine 
andere einen Menfchenkopf. Auch die Bemalung war im ganzen 
ziemlich naturgetreu; unter den benutzten Farben Grün bemer- 




Tabuplatz auf Tiar. 

kensvvert, weil es fonfl: 10 feiten im IMalkaflen der Papuas vorkommt 
und metallifchen Urfprungs zu fein fcheint. — Holzfchnitzereien von 
Fifchen, die wir ja fchon in Bilibili fahen, find übrigens im ganzen 
Archipel häufig und offenbar Wahrzeichen des Fifchereigewerbes, 
welches hier fo fehr floriert. Dafür fprachen die fchon erwähnten 



I04 Drittes Kapitel. 

Reufen, die grofsen Fifchnetze. welche befonders Tiar auszeichneten 
fowie hübfche Fifchhaken »Aule«. Sie beftehen aus einem rund- 
gefchlififenem Stifte aus Tridacna, an welchem mittelfl Bindfaden 
ein Haken aus Schildpatt oder Bein befeftigt ift, oder find ganz aus 
Schildpatt. Diefe Art Fifchhaken (vergl. Atlas T. IX, 3 — 7) finden 
fich in derfelben Weife an der ganzen Nordoftküfte Neu-Guineas und 
weichen fehr erheblich von den in Mikronefien gebräuchlichen aus 
Perlmutter ab. Aber ich erhielt von Banab (Ocean-Island) Fifch- 
haken , die fonderbarerweife in der Form ganz mit denen von Neu- 
Guinea übereinftimmen, nur dafs der Stiel aus Kalkfpat befleht, ein 
Beweis, wie unabhängig voneinander in verfchiedenen Lokalitäten 
diefelben Erfindungen gemacht werden. Eiferne Angelhaken fanden 
übrigens nicht den Beifall der Eingeborenen, wie dies überall zuerfl 
der Fall ift, wo fie den Vorteil derfelben noch nicht kennen. Die 
Bewohner Tiars fcheinen in Bezug auf Schiffsbau- und Schiffahrt 
übrigens mit Bilibili zu rivalifieren, wie die am Strande liegenden 
Kanus zeigten. Sie ftimmen in der Bauart ganz mit denen Bilibilis 
überein, haben aber keine Sförmig gebogenen Schnäbel, fondern 
an der Spitze ift ein gekrümmter Stock angebracht, an welchem 
Nautilus-Mufcheln befeftigt find. Diefer letztere Schmuck foll übri- 
gens nur Kanus von Häuptlingen zukommen. 

Bilia (Eickftedt-Infel) obwohl gröfser als Tiar, hat eine viel ge- 
ringere Bevölkerung und ift in jeder Weife ärmer. Eine Gruppe 
Kokospalmen zeigte, wie immer, das Bewohntfein an, aber in dem 
dichten Walde, welcher die ganze Infel bekleidet, fanden wir das 
Dorf erft als wir die enge Einfahrt an der Nordoftfpitze entdeckten. 
Sie führt zu einer hübfchen Lagune, welche das Centrum der Infel 
bildet, die dadurch ganz zu einem Miniatur- Atoll wird; nur dafs das 
Feftland viel höher als bei eigentlichen Atolls und mit gutem Boden 
bedeckt ift. An der Oftfeite des inneren Lagunenrandes ftehen die 
wenigen, ziemlich ärmlichen und kleinen Häufer (Aab) die nichts 
Bemerkenswertes zeigten. Die Leute waren fehr freundlich; nur ein 
Mann ftellte fich fehr ungebärdig und fchrie wie ein Verrückter — 
und war in der That ein folcher, übrigens eine feltene Erfcheinung 



Friedrich- Wilhelms-Hafen. IOC 

unter Eingeborenen, die mir nur wenigemal vorkam. — Töpferei 
wird auch auf Bilia betrieben, aber das Fabrikat ifl: nicht fo fchön 
als auf BiHbili. Ein Verfammlungshaus war ebenfalls vorhanden, und 
hier entdeckte ich etwas Neues. Diefes Haus, Szirit genannt, war 
den Verhältniffen des Dorfes entfprechend klein, im Bauftil gleich 
den grofsen auf Bilibili. Die beiden Giebelfeiten waren faft ganz 
mit Mattengeflecht aus Kokosblatt zugedeckt, fo dafs nur eine kleine 
Thür zum Hineinkriechen frei blieb. In der oftenen Giebelfpitze 
hingen aus Holz gefchnitzte Fifche (hier Ing), ähnlich denen von 
Tiar, aber fchlechter und kleiner. Im Inneren fehlte das bekannte 
Schlafgerüft (Barim} und die grofse Trommel (Do^ nicht, aber ich 
entdeckte zufällig ein Gerät, welches die Eingeborenen fehr hoch- 
zuhalten fchienen und das fie offenbar nur ungern in meinen Händen 
fahen. Es war dies ein ca. 30 cm langes flaches, fpatelförmiges Stück 
Bambu, in der Form ganz wie ein Falzbein, auf der einen Seite mit 
fein eingraviertem, zierlichem Mufter ornamentiert, von welchen ich 
fchon früher an Bord eine ganze Menge eingehandelt hatte. Ich 
hielt diefe »Tonde« genannten Spatel (vergl. Atlas V, 5, 6) anfäng- 
lich für fogenannte Kalklöffel; da fie aber nicht zu diefem Zweck 
benutzt wurden, glaubte ich, dafs fie zum Aufbrechen von Betelnüffen 
oder dergleichen dienten. Angefichts der Geheimnisthuerei, mit 
welcher die hier aufbewahrten Spatel, »Tohn« genannt, behandelt 
wurden, erfchien auch diefe Deutung unzutreftend, denn niemals fmd 
mir Gegenfl;ände vorgekommen, die von den Eingeborenen offenbar 
fo hoch verehrt wurden als diefe. Trotz hoher Gebote wurde nicht 
einer der zwölf Tohn abgegeben, obwohl diefelben Inftrumente aufser- 
halb des Szirit von Bilia kaum von Wert fchienen. Zweck und Be- 
deutung fmd mir daher nie recht klar geworden, und erfl: fpäter fiel 
es mir ein, dafs die Tohn vielleicht mit der Befchneidung^ welche 
auch auf einigen Infein diefes Archipels herrfcht, in Beziehung flehen 
mögen, obwohl dies aus verfchiedenen anderen Gründen kaum 
glaublich fcheint. Wahrfcheinlicher dürfte fein, dafs fie gleich unferen 
Spachteln zum Bereiten der roten Farbe (Behm), refp. zum Bemalen 
dienen , wie das vertiefte Mufter in Wahrheit als Stempel benutzt 



Iq5 Drittes Kapitel. 

wird, um mit Kalk bepudert als Feftfchmuck auf die Backen gedruckt 
zu werden. Rote Farbe, Federfchmuck und andere Putzrequifiten 
waren neben den lohn im Szirit vorhanden, das ja wie alle diefe 
Verfammlungshäufer den Vorbereitungen, zum Teil den Feften der 
Männer felbft gilt. Wenn die Papuas Neu-Guineas auch kein rechtes 
Wort für das »Tabu« der Ozeanier zu haben fcheinen , fo ift die 
Sitte doch vorhanden. Nicht nur Gegenftände , fondern Häufer, 
Bäume, ja gewiffe Diflrikte können für kürzere oder längere Zeit 
unter »Tabu« geflellt, d. h. unantaflbar gemacht werden, wie z. B. 
zeitweilig die Kokospalmen. Für das weibliche Gefchlecht find die 
Verfammlungshäufer ftets tabu, wie das meifle, was fie enthalten. 
So dürfen, wie ich dies fchon in Neu-Britannien beobachtete, gewifse 
Mufikinflrumente der Männer, vor allem die grofsen Signaltrommeln, 
nie von einem Weiberauge gefehen werden. Wenn daher auch Frauen 
ungefcheut beim Verfammlungshaufe vorübergehen oder vor dem- 
felben flehen bleiben, das Innere betreten fie nicht. Man hat ihnen 
davor eine fo grofse Furcht eingeflöfst, dafs jede Frau glaubt, der 
blofse Anblick einer Trommel würde genügen, fie zu töten, ja felbfl: 
der Ton wirkt fchon erfchreckend und treibt die Weiber in das 
Innere ihrer Hütten. Diefe Furcht hat nichts mit Götzenkultus, 
Heilighaltung und dergleichen zu thun, fondern ift von den Männern 
nur aus Klugheit erfonnen worden, damit fie ungeftört von den Frauen 
und Kindern ihre Fefte feiern und ihre Schmaufereien halten können. 
Damit erklärt fich das myfteriöfe Dunkel fehr einfach und praktifch. 
Und vergeffen wir doch nicht, dafs im Leben der Kulturmenfchen 
die Männerwelt vielfach bevorzugt ifl: und in ihren Klubs, Logen 
u. f. w. heitere und ernfte Verfammlungen abhält, an denen die 
Damen nicht teilnehmen dürfen und die für fie ebenfalls »tabu« find. 
Trotz des von Siedelungen abgelegenen Ankerplatzes war es 
doch flets lebendig um die Samoa; das Kommen und Gehen von 
Kanus nahm kein Ende. Alle wollten gern fchachern, aber an Lebens- 
mitteln (Taro, Jams, Kokosnüffen) wurde trotz des anfcheinenden 
Überfluffes kaum Nennen.swertes gebracht. Dabei zeigte fich, wie 
dies ftets der Fall ift, die gegenfeitige Eiferfucht der Infulaner unter- 



Friedrich-Wilhelms-Hafen. 107 

einander; die Grageriten warnten vor Tiar, die Tiariten vor Grager, 
alle machten fich gegenfeitig fchlecht und keiner gönnte dem anderen 
etwas. Ja, auch diefe »zufriedenen« Menfchen fchienen öfters recht 
unzufrieden, und Streitigkeiten, die mit den Waffen ausgefochten 
werden, kommen ebenfalls vor. Lebt doch nirgends der Naturmenfch 
in jener paradiefifchen Unfchuld und Glückfeligkeit, in welcher Rouffeau 
und andere Schwärmer denfelben fchildern, und überall hat derMenfch 
im Kampfe ums Dafein zu ftreiten. 

Die zufriedenen Menfchen und übrigens in ihren Raffencharakteren 
echte Papuas, erfchienen aber, wie die Bilibiliten, kräftiger und ein 
feinerer Menfchenfchlag als die Bewohner von Port Konftantin, haupt- 
fächlich wohl infolge der befferen Ernährungsverhältniffe. Die Höhe 
der von mir gemeffenen Männer bewegte fich zwifchen 1,470,0 und 
1,62,0 Meter. Wir kamen übrigens trefflich mit den Leuten aus, und 
wie wir fie an Bord der Samoa gut behandelten, fo erwiderten fie 
dies in ihren Dörfern. Freilich zeigten fich die Frauen (Pein) nur 
verftohlen, aber nach und nach kamen fie mit ihren Männern längs- 
feit, um fich das fremde Ungeheuer und deffen Bewohner anzufehen. 
Wie ich dies fchon in Aftrolabe-Bai bemerkt hatte, fcheint auch hier, 
dem fonfligen Brauch vieler Melanefier entgegen, keine Vielweiberei 
zu herrfchen, denn immer ftellte uns der Mann nur eine beffere 
Hälfte vor. Die Leute führen alfo einen fehr moralifchen Lebens- 
wandel, wie ich dies bei allen von der Civilifation noch unberührten 
Eingeborenen gefunden habe. Dabei herrfcht eine Decenz, die vielen 
Kulturmenfchen zum Mufter dienen könnte. Als fich einfl: einer un- 
ferer Leute beim Baden unbekleidet zeigte, verbargen alle Frauen 
und Mädchen fcheu ihre Gefichter, und ich will diefen einen Fall 
nur deshalb anführen, weil man gewöhnlich geneigt ift, von foge- 
nannten Wilden gerade ein entgegengefetztes Betragen vorauszufetzen. 

Die Eitelkeit des weiblichen Gefchlechts verleugnete fich auch 
bei diefen Naturkindern nicht, die in ihrem fchönflen Staat erfchie- 
nen, wovon die nachfolgende Abbildung eines jungen Mädchens eine 
Probe giebt. Die Frauen trugen ihre beflen Grasröcke, »Nai«, junge 
Mädchen vorn und hinten ein buntes Schürzchen ähnlich T. XVI 9) 



io8 



Drittes Kapitel. 



zuweilen mehrere volantartig übereinander, welche die hübfchen braunen 
Geftalten in der That gut kleideten. Und fo ein bifschen Kokettieren 
verftehen felbft Papuamädchen, das ift ein Erbteil des ganzen weib- 
lichen GefchlechtsI Das Haar hing in forgfältig gedrehten dünnen 
Strähnen, gleich Polkalöckchen, vorn bis zu den Augen, hinten bis 
in den Nacken herab und glänzte im fchönften Rot. Schon daran 
konnte man die Wohlhabenheit erkennen, an dem fonfligen Ausputz 
aber Reichtum. Den Hals zierten lange Schnüre aufgereihter Samen- 
kerne von Coix lacryma, die an 
matte Schmelzperlen erinnern, die 
Brufl: mehrere grofse flache Ringe 
aus dem Bafisteil eines Conus, eben- 
folche waren an den breiten Arm- 
und Kniebändern aus rotem oder 
gelbem Grasgeflecht befeftigt. Ich 
habe feiten in Neu-Guinea fo reich 
gefchmückte Mädchen gelehen als 
hier, aber es war nur eine Ausnahme, 
die der befonderen feierlichen Ge- 
legenheit galt. Die ^Männer hatten 
mit Beendigung der Fefle bereits 
wieder ihr Alltagsgewand angelegt, 
d. h. einen gewöhnlichen Lenden- 
fchurz. Mal, umgebunden; Armband 
und Halsflrickchen vollendeten das 
einfache Koftüm. Ein etwa finger- 
dicker Halsftrick bezeichnete übrigens einen Häuptling oder an- 
gefehenen ]\Iann überhaupt und war unverkäuflich. An W'affen hatten 
fie Überflufs und verkauften davon am liebften. Ihre Waffen find 
übrigens diefelben als in ganz Aftrolabe-Bai Wurffpeer, Bogen »Fi«, 
Pfeil »Tu«), aber beffer gearbeitet als z. B. in Bongu. Ungern gaben 
fie dagegen die fchön mit erhabener Schnitzerei verzierten runden 
Schilde her, die ganz fo find, wie die auf Bilibili, die aber hier 
»Gubir« oder »Gubil« (Taf XII, l) heifsen, da r und 1 meifl gleich- 




Junges Mädchen. 



Friedrich-Wilhelms-Hafen. 



109 



lauten wie in allen Papuafprachen, Die Kunftfertigkeit in Holzarbeiten 
zeigten befonders die fanduhrförmigen Handtrommeln (Dubuag oder 
Dugag), deren Henkel zuweilen fehr gefchmackvoll durchbrochen 
gearbeitet waren (vergl. T. XIII 2 u. 3), und kahnförmige oder ovale 
Schüffein, Tabir, die mit zu den Wertgegenftänden gehören, z. B. 
den Brautpreis hauptfächlich mit ausmachen. Diefe Tabir find fehr 
fauber gefertigt, am Rande mit erhabener Schnitzerei verziert und 
mit einer glänzenden metallifchen IMaffe gefchwärzt, die Mangan oder 
Graphit zu fein fcheint. Alle diefe Gegenftände waren Repräfen- 
tanten der Steinperiode, welche bei unferem Befuche in Friedrich- 
Wilhelms-Hafen noch voll und ganz herrfchte. Von dem durch die 
Ruffen zurückgelaffenen Eifen fahen wir nichts mehr. Die hiefigen 
Steinäxte, »Ihr«, find übrigens ganz fo wie die in Bongu. 

An Lebensmitteln war kaum etwas zu erlangen, und ohne eigene 
Vorräte kann der Fremde in diefen reichen Tropengebieten beinahe 
verhungern. Diefe überall in Neu-Guinea herrfchende Knappheit an 
Nahrungsmitteln des Landes ift auch für Inlandexpeditionen, nament- 
lich im Hinblick auf das eingeborene Trägerperfonal, fehr hinderlich 
und erfchwert folche ungemein. Jams heifst in Friedrich-Wilhelms- 
Hafen »Dabei«, Banane »Fud«, Betel »Jeb«, Schwein »Bor« oder 
»Bol«, Kokosnufs »Niu«, letzteres ein polynefifches Wort, aber weit 
über Neu-Guinea verbreitet. Ich führe diefe wenigen Wörter nur 
an, um die grofse Verfchiedenheit der Sprache von Grager und Bongu 
zu zeigen, Lokalitäten, die kaum 20 Meilen entfernt voneinander 
liegen und zwifchen denen noch fünf oder fechs verfchiedene Dialekte 
gefprochen werden; zugleich ein Beifpiel des heillofen Sprachgewirrs 
in Neu-Guinea und Melanefien überhaupt. 

Um für die etwa nachfolgenden Kriegsfchiffe Zeichen unferes 
Befuches zu hinterlaffen, befchloffen wir eine Flagge aufzuhiffen und 
klärten zu diefem Zweck eine Stelle auf der die Südfeite von Friedrich- 
Wilhelms-Hafen bildenden Halbinfel, die fpäter auch von den deut- 
fchen Kriegsfchiffen benutzt und »Flaggenhalbinfel« benannt wurde. 
Die Eingeborenen fahen, diefen Arbeiten mit Vergnügen zu, denn 
nichts imponierte ihnen mehr als die Wirkung der eifernen Hau- 



1 10 Drittes Kapitel. 

gerate. Ja, das ging freilich fchneller als mit ihren Steinäxten, und 
es gab allemal ein lautes Freudengefchrei, wenn unter den Schlägen 
der fchweren amerikanifchen Äxte ein grofser Baum fich neigte und 
krachend zufammenbrach, mit feinem Falle andere Bäume nieder- 
fchmetternd. Wir hatten zu thun, um die Kanus in gehöriger Ent- 
fernung zu halten. Denn dafs Bäume fo fchnell gefällt werden 
konnten, fchien den Eingeborenen unglaublich, und fie ftoben erfl in 
wilder Flucht auseinander, wenn das erfte Geknifter das baldige 
Fallen fignalifierte. Als eine befondere Auszeichnung wurde es be- 
trachtet, wenn ich dem einen oder anderen ein Beil anvertraute, 
denn alle wollten fich gern mit an dem Vernichtungswerk betei- 
ligen. Aber die Kräfte der Eingeborenen reichten nur hin, um 
dünneres Unterholz, Afle und dergleichen abzuhauen, denn abge- 
fehen, dafs fie ein Beil überhaupt nur fchlecht zu hantieren verftanden, 
fo fehlte es ihnen namentlich an phyfifcher Stärke, denn alle diefe 
Naturmenfchen haben ihre Muskeln wenig ausgebildet und find in- 
folgedeffen nur fchwach. Mit betrübtem Geficht legten die meiften 
nach wenigen Schlägen die Äxte nieder und deuteten an, dafs diefe 
ihnen zu fchwer feien. Ja, die Eingeborenen felbft werden bei der 
einftigen Urbarmachung und Klärung diefes Landes wohl wenig 
nützen, und man wird, wie überall, auf ihre Hilfe nicht fehr zu rechnen 
haben. Romillys draftifche Neubenennung des »Archipel der zu- 
friedenen Menfchen« in »Archipelago of ufelefs idle men« trifft mit 
wenig Worten das Richtige, und er kennt Kanaker beffer als irgend 
jemand. Grofse Freude erregte das Aufhiffen der Flagge felbfl, 
deren Farben (fchwarz »sed«, weifs »ruo«, rot »fiar«) den Eingebo- 
renen befonders zu gefallen fchienen, weil es diefelben find, welche 
fie kennen. Bald füllten fie ganz unter den Schutz diefer mächtigen 
Trikolore geftellt werden, denn gerade einen Monat fpäter am 
20. November 1884; entfaltete fich an derfelben Stelle die Flagge 
der deutfchen Kriegsmarine. 

Wir hatten zum grofsen Leidwefen das von den Eingeborenen fo 
fehrgewünfchte und erwartete Panu (Dorf) nicht gebaut, und mufstenfie 
auf »Wiederkommen« vertröflen, wofür fchon die Flagge bürgte, die ich 



Friedrich-Wilhelms-Hafen. III 

den erften Häuptlingen Malbag, Szebog, Telom von Grager, Kuram 
von Bilia, Karun und Amang von Tiar übergab, welche, wie wir fpäter 
fehen werden, in vollem Verftändnis trefflich für die Erhaltung 
forgten. So verliefsen wir denn Friedrich -Wilhelms -Hafen, eine 
Kanuflotille mit fröhlichen Eingeborenen im Schlepptau, die alle 
»o! Maclay! ujan-ujan« (fehr gut) riefen und uns erft in der Dallmann- 
Einfahrt verliefsen. 



Viertes Kapitel. 



Längs der Maclayküfte. 

Küfte bis Kap Croifsilles. — Es giebt kein Kap Duperrey. — Karkar, oder Dampier- 
Infel. — Wir umfchiffen diefelbe. — Neues „Giebacht-Infelchen". — Eingeborene. — 
Zufammentreffen mit denfelben. — Treffliche Lokalitäten für Deportation. — Bismarck- 
Gebirge. — Längs der Maclayküfte. — Geringe Kenntnis derfelben. — Gabinaflufs. — 
Vulkanifche Anzeichen. — Küflengebirge. — Schönes Land. — Spärlich bevölkert. — 
Kleine und verlaffene Dörfer. — Sareuak- Buchtung. — Erfle Begegnung mit Eingebo- 
renen. — Finisterre- Gebirge. — Heimatliche Landfchaft. — Pfahldörfer — Teliata- 
Huk. — Das merkwürdige Teraffenland. — Exkurfion dahin. — Dallmannflufs. — Die 
Terraffen find gehobener Korallfels — haben ausgezeichneten Boden — trefflich für 
Weiden. — Temperatur. — Geringes Tierleben. — Bafilisk-Gorge — Rook und Lottin. — 
Cape King William nicht aufzufinden. - — Auffallende Schluchten. — „Meerfall". — 
„Kanzel". — „Bienenkorb". — Feflungs-Huk. — Siedelungen fchwer bemerkbar. — 
Geringe Bevölkerung. — Zufammentreffen mit derfelben — deren Verwandtfchaft mit 
Huon-Golf. — Keine Menfchenfreffer. — Andenken Verfl;orbener. — Rückblick auf die 
Maclayküfte. — • Vorzüge derfelben. — Keine Häfen. — Hinüber nach Neu-Britannien. 
— Unrichtigkeit der Karten. — Längs der unbekannten Südküfte — verfpricht wenig. 
— „Hanfabucht''. — Eingeborene. — Rückkehr nach Mioko. 

Karkar, Dampiers »Isle Brillante«, die fpäter den Namen diefes 
grofsen Seefahrers erhielt, war unfer nächftes Ziel und fchien ange- 
fichts der fo kärglichen Nachrichten über diefelbe wohl einer Re- 
kognoszierung wert. Wir dampften nordwärts bis Kap Croifsilles 
hinauf, längs einer Küfte, die einen ganz anderen Charakter als 
die bisher gefehene von Aflrolabe-Bai zeigte. Sie erfcheint wie ein 
ausgedehntes, dichtbewaldetes Vorland, an welches fich weiter inn- 
land niedrigere Bergketten anfchliefsen. Kokospalmen fehlen diefem 
Gebiete leider faft ganz und damit auch der Menfch, deffen Exiflenz 
mit dem Vorkommen und der Häufigkeit der erfleren in fo innigem 



Längs der Maclayküfte. II^ 

Zufammenhange fteht. Nur gegen das Kap zu bemerkten wir unter 
dem Schatten einiger Kokospalmen ein Dorf; die Bevölkerung diefes 
ca. 15 Meilen langen Küftenftriches ift daher jedenfalls nur fehr 
fpärlich. Die Ungenauigkeit der vorhandenen Karten wurde uns 
fchon auf diefer kurzen Strecke klar. Vergebens fuchten wir Kap 
Duperrey*) und auch Kap Croiffilles markiert fich in der gleichför- 
migen Küftenlandfchaft nur wenig. 

Dampier-Infel erscheint vom Süden aus gefehen wie ein mäch- 
tiger, dicht bewaldeter, ftumpfer Kegel, deffen Höhe auf 5000 Fufs 
angegeben wird und der fchon in weiter Ferne die vulkanifche Bil- 
dung deutlich erkennen läfst. Als Dampier Anfang 1700 die Infel 
entdeckte, fand er den Vulkan in voller Thätigkeit und gab der Infel 
deshalb den Namen die »brennende«. Jetzt ift der Krater längft er- 
lofchen; nur die den Spitzenteil verhüllenden Wolken, welche meift 
hier lagern, erinnern zuweilen an mächtigen Rauch. 

Wie es fcheint ift die Infel feit Dampier nicht mehr betreten 
worden, und auch wir mufsten uns auf eine Umfchiffung derfelben 
befchränken, denn nirgends fanden wir einen Hafen- oder Ankerplatz, 
noch fonft eine Stelle, welche aus praktifchen Gründen zu einer 
Landung verleiten konnte. Überall zeigte fich dichter Urwald, von 
der Wafferkante des Ufers bis zur höchften Spitze, in einer Üppig- 
keit wie man feiten Urwald zu fehen bekommt, nirgends geklärte 
Stellen mit Plantagen, feiten flacheres Vorland und dann nur in ge- 
ringerer Ausdehnung. An der Nordweftfeite der Infel fahen wir hie 
und da felfiges Steilufer, Bafalt, aus dem die Infel zu beftehen fcheint. 
Nur wenige Male hatten wir Korallrififen auszuweichen, aber an der 
Nordfpitze entdeckten wir kaum eine halbe Seemeile von der Küfte 
ein kleines Infelchen, das keine Karte verzeichnet, und von welchem 
fich ca. 3 Seemeilen ein Riff mit Brandung und einem einzelnen 



*) Auch Kapit. z. S. Schering bemerkt: „Kap Duperre ift gar nicht vorhanden" 
und ich weifs nicht aus welchen Gründen Hauptmann Dreger ,,K. Duperre" an Stelle von 
K. Kufferovv fetzt, da es nach der engl. Admiralitäts- Karte doch 4 Meilen nördlicher 
verzeichnet ift. 

Finfch, Samoafahrten. 3 



j ,. Viertes Kapitel. 

kahlen fchwarzen Fels nach Oft hinzieht. Ich benannte das Infelchen, 
immerhin grofs genug um das gröfste Schifif zum Scheitern zu bringen, 
»Giebacht-Infel«. Vom Norden aus gefehen, bietet Dampier übrigens 
ein ganz anderes Bild als vom Süden und erfcheint als ein langge- 
ftreckter Gebirgsrücken mit zwei hohen ftumpfen Kegeln, beides er- 
lofchene Vulkane. 

Wir waren an der Leefeite, alfo von Wefl nach Oft um die Infel 
o-egangen und beobachteten nur an diefer unbedeutende Siedelungen 
der Eingeborenen; die Oflfeite fchien unbewohnt. Die gröfste der 
weftlichen Siedelungen zählte etwa lO Häufer, die übrigen zehn je 
2 — 4 Häufer, verdienten alfo kaum den Namen von Dörfern. Aus 
der geringen Anzahl von Kokospalmen konnte man fchon mit ziem- 
licher Sicherheit auf die geringe Bevölkerung fchliefsen, wie fich das 
meift überall wiederholt. Einzelne Siedelungen befafsen kaum mehr 
als etliche, die gröfste nur 30 Kokospalmen, das war alles! 

Die wenigen Eingeborenen, welche uns am Ufer mit Staunen 
betrachteten, gaben fich durch Schreien alle erdenkliche Mühe uns 
an Land einzuladen, aber nur bei dem einen Dorfe kamen etliche 
Kanus ab, fo dafs wir die Mafchine ftoppten, um die Leutchen kennen 
zu lernen. »OhI Maclay« war ihr erftes Wort und »Kai« (Eifen) 
ihr zweites, dies aber auch alles was ich verftand, denn auf Karkar 
wird eine ganz andere Sprache gefprochen. Sie klang viel rauher 
als in Aflrolabe ; dabei fchrieen und fpektakelten die Leute fehr viel, 
fo dafs man oft kaum das eigene Wort verftehen konnte. 

Armfelig wie ihre, roh aus einem Baumftamm gezimmerten, Kanus 
waren die Infafsen felbft. Sie brachten nichts als ein paar alte ver- 
trocknete Kokosnüfse, einige Betelnüfse und Tabakblätter, hatten 
aber keinerlei Waffen und von fonftigen Arbeiten nicht viel mehr. 
Dabei wollten fie für jeden fchlechten Bambukamm oder Kalkkale- 
baffe nur Hobeleifen haben. Einer hatte es auf meinen Feldftecher 
abgefehen und verlangte, dafs ich ihm denfelben ins Kanu reichen 
follte, denn an Bord wagte fich keiner. Nun habe ich Eingeborenen 
ftets gern Spafs gemacht, und mir war auch wegen des Zurückgebens 
nicht bange, aber ich wufste auch, das diefe Freundlichkeit nur un- 



Längs der Maclayküfle. II5 

nützen Zeitverluft bereiten würde. Hat nämlich der eine durchge- 
fehen und wirklich etsvas gefehen, denn gewöhnlich wird das Glas 
foweit ab oder fo dicht gehalten, dafs überhaupt nichts gefehen 
werden kann, dann will jeder in das geheimnisvolle Ding gucken 
und die Sache nimmt kein Ende. Zudem laffen die meift nicht fehr 
reinlichen Finger Spuren zurück, an deren Vertilgung man lange 
putzen kann. 

Äufserlich unterfchieden fich übrigens diefe Infulaner durch nichts 
von den Bewohnern des Feftlandes; es gab dunkle und hellgefärbte, 
und auch hier fchienen die Gatefsi, d. h. lang in den Nacken herab- 
hängende Zottelftränge, eine befondere Zier. Aufser diefer befafsen 
fie aber nicht viel: ein fchlechter Lendengurt (Mal,, dito Armband, 
ein dünner Nafenpflock aus einem Rohrftäbchen, etHche Schildpatt- 
ohrringe, nebft Bambukamm und der Ausputz ift fertig. Einzelne 
hatten die Haarkämme mit Büfcheln Kafuarfedern verziert, ein Be- 
weis, dafs die Infulaner mit den Küftenbewohnern in Verkehr ftehen, 
wofür auch drei grofse Kanus, in der Bauart ganz mit folchen von 
Bilibili übereinftimmend, fprachen, die ich am Ufer bemerkte. 

Wir hatten ca. 6 Stunden Zeit gebraucht, um von der Südfpitze 
bis zur Mitte der Oftfeite zu dampfen, und fchon daraus wird man 
erfehen, dafs Dampier-Infel nicht ganz lo klein ift. In der That be- 
trägt ihr Längsdurchmeffer ca. 20 Meilen (= 5 deutfche M.) ihr 
Flächeninhalt 272 qkm., ift alfo immerhin noch etwas bedeutender 
als der der Freien- und Hanfeftadt Bremen. Letztere zählt aber über 
150000 Bewohner, Dampier nach meiner allerdings nur oberflächlichen 
Schätzung, denn Volkszählungen und in allen diefen Gebieten noch 
nie gemacht worden, wenn's hoch kommt — 500! Da können aller- 
dings noch viel Menfchen Platz und ausreichend Nahrung finden, 
denn ohne Zweifel ift die Infel äufserft fruchtbar, und in gewiffer 
Höhe auch gefund. Aber fchwerlich werden fich freiwillige Zuzügler 
finden, um die Urwälder zu lichten; eben kein kleines Stück Arbeit! 
— Und doch könnte es gehen, — fo meditierte ich angefichts der 
Infel, — wenn man jene Freiwilligen aufforderte, welche die unfrei- 
willige Arbeit in Kerkermauern gern mit folcher in Gottes freier 

8' 



Il6 Viertes Kapitel. 

Natur vertaufchen würden. »Eine Verbrecherkolonie«? höre ich 
viele im ftillen ausrufen! — Nun ja denn! eine Verbrecherkolonie 
oder beffer Deportation folcher Freiwilligen unferer überfüllten Zucht- 
häufer, die für den Reft ihres Lebens dem Kulturflaate nur eine Laft 
find, in folchen neuen Gebieten aber noch ganz nützlich werden 
könnten, fowohl dem grofsen. Ganzen, als fich felbft. Wer die Ge- 
fchichte der Gründung Auftraliens kennt, wird wifsen. welchen ge- 
wichtigen Faktor das Deportationsfyftem in den erften Jahrzehnten 
der Kolonien durch die Befchickung mit billigen Arbeitskräften ein- 
nahm. In der That fo wichtig, dafs die jüngfle Kolonie, Weft-Au- 
ftralien, noch in den vierziger Jahren beim Parlament*) um Depor- 
tirte petitionirte, weil es eben an Arbeitern mangelte. Und diefe 
werden für jedes neue Kolonifationsgebiet ftets die Lebensfrage 
bleiben, am dringendflen jedoch für ein Land mit fo geringer und für 
Arbeit in unferem Sinne nicht geeigneter Bevölkerung als Neu Guinea. 
Da würde ein Depot brauchbarer Arbeiter recht am Platze fein, und 
Dampier-Infel oder Rook, oder eine andere jener ifolierten fruchtbaren 
Infein unferer neuen Schutzgebiete, geeignete Localitäten zur Grün- 
dung eines folchen abgeben. 

Doch kehren wir nach diefer Abfchweifung auf die Samoa zu- 
rück, die in früher Morgenftunde wieder nach der Küfte zu dampft, 
in Sicht von Bilibili und Aftrolabe-Bai, deren herrliche Landfchafts- 
bilder gerade jetzt fo fchön hervortraten, wie noch nie. Die Kamm- 
linien der Gebirge erfchienen in derjenigen Klarheit, auf welche man 
in diefen Breiten meifl: nur gegen Sonnenaufgang, fo gegen 6 Uhr, 
rechnen darf. Heut fahen wir alles in feltener Deutlichkeit vor uns 
liegen, ja diefelbe brachte eine unerwartete Überrafchung. Weit hinter 
den uns fchon bekannten Gebirgen ragte nähmlich im Süden eine 
gewaltige Gebirgskette hervor, die wir früher nicht gefehen hatten 
und die wahrfcheinlich überhaupt nur wenige**) erblickt haben. Wir 



*) Die Regierung beeilte fich diefen Wunfeh zu erfüllen und bis zum Jahre l868 
wurden nahezu loooo Sträflinge der Kolonie als willkommene billige Arbeitskräfte zugeführt 
**) Herr Romilly, der im Jahre l88i mit dem Kriegsfchuner ..Beagle" Aftrolabe- 
Bai befuchte, gehört zu diefen wenigen, wie er mir felbft erzählte. 



Längs der jMaclayküfte. 117 

befanden uns damals noch ca. 25 Meilen von der Küfte, aber diefes 
Gebirge mufste noch weit im Inneren, nach Schätzung an 70 bis 80 
Meilen von uns abliegen, und dementfprechend taxierten wir die Höhe 
auf 14000 — 16000 Fufs! Wie unfere fpäteren Reifen zeigten ift diefe 
Gebirgskette, die wir nur noch einmal zu fehen bekamen, die höchfle 
an der ganzen Nordoftküüe von Neu-Guinea, und ich erlaubte mir 
deshalb fie zu Ehren unferes grofsen Reichskanzlers »Bismarck-Ge- 
birge« zu benennen. Die Frage: »wie mag es dort ausfehen«: drängte 
fich unwillkürlich in die Gedankenflut des ftummen Bewunderers; 
ja, wer das beantworten könnte! Denn wie viele Zeit wird noch dar- 
über hingehen, ehe der weifse Mann nur bis zum Fufse jener gewal- 
tigen Gebirgskette vordringt, gefchweige auf deren Scheitel gelangt. 
Wir paffirten Port Konflantin, nahe genug um unfere Flagge 
luftig winken zu fehen , und fleuerten in öftlichen Cours längs der 
Maclayküfte (vergl. Karte S. 30). Sie erftreckt fich von Aftrolabe- 
Bai bis Teliata-Huk, ca. 100 Meilen weit und wurde zuerfl 1871 von 
dem ruffifchen Reifenden von Miklucho-Maclay mit dem ruffifchen 
Kriegsfchiffe »Vitias« befahren, fünf Jahre fpäter bei feinem zweiten 
fiebzehnmonatlichen Aufenthalte näher durchforfcht, trägt alfo 
feinen Namen mit Recht. Leider hat aber der Reifende felbfl: kaum 
mehr als eine flüchtige Notiz über feine Forfchungen publiziert und 
Kapt. Moresby*), der 1874 längs diefer Küfte weftwärts dampfte, fagt 
nicht mehr über diefelbe. Die folgenden Nachrichten dürften daher 
als die erften ausführlicheren willkommen fein. 

Gleich oftwärts von dem Dorfe Gumbu und Novofllsky-Point 
nimmt die Gegend einen total verfchiedenen Charakter an. Der 
Urwald verfchwindet vom Ufer und eine fpärlich mit Krüppelholz 
beftandene Ebene tritt an die Stelle, welche treffliches Land für 
Kultur wie Viehzucht zu bieten und fehr der Beachtung wert fcheint. 
In dieser Niederung fahen wir die Mündung zweier Flüffe, die jetzt 
in der trockenen Jahreszeit indes nur fchmale Rinnfale bis ins Meer 



*) ,,Discoveries and Surveys in New Guinea etc. of H. M. S. Basilisk. By Capt. 
John Moresby" (London 1876). 



Il8 Viertes Kapitel. 

führten, in der Regenzeit aber fehr anfehnlich find. So fanden wir 
bei einem fpätern Befuch im Mai den weftlichften und gröfsten 
Gabinaflufs, gleich oft von Novofilsky-Huk, weithin das Meer trübend. 
Mit Maragum-Huk beginnen wieder Hügel und Berge, die gegen 
das, übrigens nur fchwer erkennbare, Kap Rigny (Tevalib) und weiter- 
hin bedeutend höher werden und zugleich einen fehr eigentüm- 
lichen Charakter bieten. Die Berge zeigen Schluchten, zuweilen jähe 
Spalten, mit fenkrecht abfallenden Wänden, wie Erdrutfche; eine 
wilde, malerifche Landfchaft. Dabei fehlt an manchen Bergabhängen 
faft alle Vegetation und das Ganze macht den Eindruck, als wenn 
hier gewaltfame Veränderungen durch Erdbeben*) ftattgefunden 
hätten. 

Wir waren am Abend bis etwa 6 Meilen oft von Gap Rigny ge- 
kommen und begannen unfere Fahrt mit Anbruch des folgenden 
Tages an derfelben Stelle, eine Methode, die ftets an unbekannten 
oder wenigbekannten Küften von uns befolgt wurde, damit kein 
Teil derfelben uns entgehen konnte. Die Landfchaft blieb im ganzen 
diefelbe, aber das Gebirge wurde höher und zeigte bis auf die 
Kammhöhe dichte Baumvegetation. Diefe Hauptkette ift fehr fteil, 
von faft fenkrechten Schlürfen und Rinnen durchfetzt und mag eine 
Höhe von 60GO — 7000 Fufs erreichen. Aber man fieht die Kamm- 
linie auch an fonnenhellen Tagen feiten frei, denn gewöhnlich fam- 
meln fich fchon gegen 8 Uhr die kleinen weifsen Nebelflecke zu 
grofsen Wolken, die in weniger als einer Stunde den Scheitel des 
ganzen Gebirges ziemlich weit herab voUftändig einhüllen. Häufig 
bleibt nur die Bafis des Hauptftockes frei, aber an denfelben lehnt 
fich ein dichtbewaldetes Mittelgebirge, das in anfehnliche grüne, mit 
Gras bedeckte Vorberge ausläuft, die fich fanft bis zum Meere 
herabfenken, deffen Ufer von einem fchmalen dichten Baumgürtel 
eingefafst wird. Dies ift fo im wefentlichen der Hauptcharakter 
diefer Küftenlandfchaft öftlich von Kap Rigny und 10 Meilen über 



*) Wie von Maclay mitteilt, ift dies thatfächlich der Fall gewefen. Vergl. „Peter- 
manns Geogr. Mitteil. 1878 S. 408". 



Längs der Maclayküfle. I IQ 

Lemtfhug Point hinaus. Sie macht mit ihren ausgedehnten, infolge 
Abbrennens hie und da braun und fchwarz gefleckten, grünen Matten, 
ihren mit Baumftreifen beflandenen Schluchten ganz den Eindruck 
kultivierten Landes und würde offenbar ausgezeichnetes Weideland 
abgeben. Aber diefem ganzen Küftenflrich fchienen wie Kokos- 
palmen fo auch Menfchen zu fehlen. Erft ca. 4 Meilen oft von Iris 
Point, das wir, ohne es mit Sicherheit ausmachen zu können, paffiert 
hatten, fahen wir feit Gumbu das erfte Haus, weiterhin die erften 
Dörfer, wie alle Siedelungen ftets fchon von weitem an einer kleinen 
Gruppe Kokospalmen und jenen gelben Bäumen kenntlich, die ich 
bereits in Aftrolabe-Bai erwähnte. Von nun an waren faft in jeder 
der fanften Buchtungen, die ohne bedeutendere Vorfprünge das 
Ufer bilden und charakteriflifch für diefe ganze Küfte und, Siede- 
lungen bemerkbar, meifl nur aus wenigen Häufern beflehend, über- 
dies mehrere in Verfall oder bereits ganz verlaffen. Da, wo fich bei 
den Häufern Menfchen zeigten, fchienen fie keine Kanus zu befitzen, 
denn erft in der Sareuak-Buchtung, einige 60 Meilen öftlich von 
Port Konftantin, kam ein Kanu mit fieben Männern ab, deren: »oh! 
Maclay« fchon von weitem entgegenfchallte und die Bekanntfchaft 
mit dem Reifenden bewies, deffen Namen wir übrigens weiter oft- 
wärts nicht mehr nennen hörten. 

Die Leute boten uns wahrfcheinlich als Friedenzeichen ein paar 
kleine Kokosnüffe an und fchienen überhaupt fehr ärmlich und 
fchlecht genährt. Im Armband trugen fie Blätter des gelben Baumes, 
vermutlich auch Zeichen des Friedens, fonfl nur Halsflrickchen und 
fchlechte Schamgürtel (Mal). Sie führten Pfeil und Bogen mit fich, 
betrugen fich aber fehr ftill und befcheiden. Das einzige Intereffante, 
was ich bei ihnen bemerkte, war ein mit Hundezähnen garnierter 
filetgeftrikter Tragbeutel, der meinen begehrlichen Blicken aber 
gleich entzogen und felbft für ein Beil nicht hergegeben wurde. 
Ihr Kanu führte Maft und ein fchlechtes Mattenfegel; als Feuerplatz 
diente ein Topffcherben. 

Wie Wölken die Hauptkette des an 7C00 Fufs hohen Küflen- 
gebirges verhüllten, fo verdeckte das letztere die mächtige Kette 



y20 Viertes Kapitel. 

des Finisterre Gebirges (Moresby's) felbft, das bei einem Abftande 
von 20 Meilen fo nahe unter der Küfte überhaupt nicht zu fehen 
ift. Aber als wir uns bei einem fpätern Befuche in Aftrolabe noch 
ca. 30 Meilen von der Küfte befanden, da lag das Gebirge in voller 
Klarheit vor uns, zeigte aber in der ziemlich gleichmäfsig verlaufen- 
den Kammlinie fo wenig Abwechfelung, dafs wir die höchften über 
iiooo Fufs hohen Spitzen Kant und Schopenhauer Maclay's (refp. 
Gladftone und Disraeli von Moresby*) nur mit Mühe ausmachen 
konnten. 

Weftlich von der Sareuak-Buchtung beginnt wieder niedrigeres 
Vorland, das fich ftellenweis zu Ebenen ausdehnt, die, wie die oft 
bis zum Meere herabreichenden 1000 bis 1200 Fufs hohen Vorberge, 
reich mit Gras bedeckt fmd; alles lehr verfprechendes Land von 
ganz europäifchem Gepräge. In der That, es fehlen blofs Dörfer, 
Viehherden, Wege, und man könnte fich in die Heimat verfetzt 

fühlen. 

Auch an Waffer mangelt es nicht. In der jetzigen trockenen 
Jahreszeit zeigten fich die in den Schluchten herabkommenden Waffer- 
läufe freilich nur als Bäche, aber immerhin war Waffer vorhanden, 
und das ift von gröfster Wichtigkeit. Wie fchön Avürde fich diefes 
Land im Befitz von viehzüchtenden Stämmen entwickelt haben, aber 
die armen Papuas fanden aufser dem Schwein kein zur Domeftikation 
brauchbares Tier vor und mufsten fich mit Anbau des Bodens 
begnügen. Bei der zweifellofen Fruchtbarkeit deffelben überrafcht 
die Spärlichkeit der Bevölkerung gerade diefes Gebietes und mag 
in befonderen aufsergewöhnlichen Urfachen ihren Grund haben. 
Angefichts der verfallenen und verlaffenen Dörfer dachte ich an Ver- 
heerungen durch Erdbeben oder Epidemien und die in Konftantin- 
hafen gefehenen Spuren von Pocken machen diefe letztere Annahme 
nicht unwahrfcheinlich. 

Die bisher gefehenen Häufer waren anfehnlich grofs, in der Bau- 
art denen in Aftrolabe-Bai ähnelnd, aber mit dem Dorfe Singor, ca. 

*) Disraeli: 11 000': Moresby; 61 18 Meter!: Friederichsen. 
Gladftone: 11400' ,. ; 5725 „ „ 



Längs der Maclayküfle. 121 

90 Meilen oft von Port Konftantin, begegneten wir einem ganz anderen 
Bauftile. Die fchmalen Häufer, dicht aneinander gebaut, ftanden 
auf hohen Pfählen, glichen alfo ganz den Pfahldörfern, wie ich fie 
von Port Moresby her bereits kannte, nur dafs fie nicht im Waffer, 
fondern auf dem Trockenen errichtet waren. Das gröfste derfelben, 
Teliata, (Village Island der englifchen Admiralitätskarte), vielleicht 
20 Häufer zählend und überhaupt das gröfste an der ganzen Maclay- 
küfte, liegt auf einer kleinen, aus kahlem Korallfels gebildeten Infel, 
der erften. die wir feit Bilibili trafen, die durch Riff mit der nahe- 
liegenden Teliata-Huk verbunden ift. Letztere (etwas über 100 Meilen 
oft von Port Konftantin) bildet den am meiften bemerkbaren Vor- 
fprung. von welchem die Küfte fich mehr O. S. O. wendet und wenige 
Meilen davon einen durchaus verfchiedenen Landfchaftscharakter 
annimmt, den der Terraffenbildung. Hinter dem mit Bufchwerk, 
feltener einem Baumgürtel begrenzten, nicht fehr ausgedehntem Ufer- 
faume, erhebt fich das Land in drei bis vier horizontalen, fcharf ab- 
gefetzten Terraffen*), die auf ihrem Scheitel breite Grasflächen bilden, 
deren oberfte fanft anfteigend, allmählich mit dem Hauptftock des 
Küftengebirges verläuft. Das letztere ift fehr fteil, dicht bewaldet, 
aber an feiner Bafis, zuweilen weit hinauf, mit Gras bekleidet, wie 
die Terraffen felbft, die von zahlreichen Schluchten durchfchnitten, 
nur längs diefen Baumpartien, oft längere bewaldete Säume zeigen. 
Die Höhe der Terraffen mag zwifchen 800 bis lOCO Fufs betragen, 
fmkt aber an manchen Stellen bedeutend herab, fo dafs die erfte 
Terraffe zweilen das Meeresufer felbft bildet. Wir hatten fchon 
einige Meilen weftlich von Teliata-Huk Anfänge diefer merkwürdi- 
gen Bildung bemerkt, aber ein paar Meilen Öftlich davon zeigte üe 
fich wie mit einem Schlage in der prägnanteften Weife und fetzte 
fich ununterbrochen über 20 Meilen weit nach Often fort, ein Amphi- 
theater, wie ich es nirgends in Neu Guinea, ja überhaupt der Weh 
zu fehen bekam. 



*) VVilfred Powells Darftellung (1. c. S. 510) als dehnten fich die Terraffen bis zum 
Finistene-Gebirge (,,15000'" hoch) aus, ift eine durchaus irrige. Ebenfo finden fich 
keine ,,granite boulders" an der Küfte. 



122 



Viertes Kapitel. 




Längs der Maclayküfle. I23 

Eine Rekognoszierung diefes merkwürdigen Terraffenlandes fchien 
fchon deshalb fehr wünfchenswert, um die geologifche Befchaffen- 
heit feftzuftellen, und fo machten wir uns mit dem Notwendigflen 
ausgerüftet auf den Weg. Eine Sandbank nahe dem Ufer liefs auf 
eine Flufsmündung fchliefsen und verfprach die Möglichkeit zu landen, 
was fonfl an diefer Küfle nicht immer leicht, oft ganz unmöglich ift. 
Wie erwartet, mündete gleich hinter der Sandbank der Flufs, auf 
dem unfer Boot aber nur eine kurze Strecke vorwärts kam, denn 
bald befanden wir uns in einer Felsfchlucht, in welcher der Flufs 
über mächtige Korallblöcke in Kaskaden herabbraufte , ein gar 
liebliches Raufchen, das wir lange nicht gehört hatten und welches 
nach dem fortwährenden Meeresbraufen gar fehr anheimelte. Dazu 
die malerifche Umgebung. Zu beiden Seiten der Schlucht üppige 
Baumvegetation mit undurchdringlichen Lianen- und Unterholz- 
dickichten und zuerft wieder Tierleben. Auf der ganzen Meerfahrt 
hatten fich nur einzelne Meerfchwalben (Sterna Bergii) und braune 
Tölpel (Sula fusca) gezeigt, fonfl nichts. Hier entwickelte fich ein 
ziemlich reiches Vogelleben; Kakadu und Edelpapageien (Eclectus) 
liefsen fich hören, ein Seeadlerpärchen (Haliaetus leucogaster) erhob 
fich von dem Baume, auf dem das mächtige Neft ftand, das Gurren 
der niedlichen Flaumfufstauben (Ptilopus) tönte aus dem Gelaube 
und auch an Kleingevögel fehlte es nicht. Wir füllten ein Fäfschen 
des herrlichen kühlen Waffers, um es dem guten Kapitän Dallmann 
mitzunehmen, dem zu Ehren ich den Flufs benannte, und gingen 
dann wieder zurück, um einen befferen Aufftieg der Terraffen auf- 
zufinden. Vom Flufse mit feinen faft fenkrechten Felswänden war 
dies eben nicht möglich; er bildete ein Chaos von RoUfteinen und 
Gefchiebe, die Regengüffe mit herabgebracht hatten, und angefpülte 
Baumftämme zeigten den beträchtlichen Hochwafferftand in der Regen- 
zeit, Wie die Wände der Schlucht, fo liefs gleich die erfte, ca. 10 
Fufs hohe Teraffe die geologifche Befchafifenheit erkennen: dichten 
Korallfels I Ganz ebenfo verhielt es fich mit der zweiten, an 30 — 40 
Fufs hohen, fchwieriger zu erklimmenden Teraffenflufe und foweit 
wir überhaupt kamen, vielleicht 400—500 Fufs. 



124 Viertes Kapitel. 

Wie am Fufse Lager grofser Aufternfchalen (Ostrea), fo zeigten 
die auf den Flächen der Teraffen verflreuten Fragmente von Ma- 
rinemufcheln überall den gehobenen Meeresboden, jedenfalls infolge 
vulkanifcher Vorgänge. Derjenige, welcher diefe merkwürdigen Ter- 
raffen felbft kennen lernte, wird kaum begreifen, wie Wilfred Powell 
hier Bafaltformation und die grofsen Anhäufungen von Bimftein ge- 
funden haben will und wird auch in Bezug auf andere feiner Nach- 
richten*) immer ernftere Bedenken nicht zu unterdrücken vermögen. 
An der korallinifchen Felsbildung kann gar kein Zweifel fein. Sie 
unterfchied fich in nichts von der, wie ich fie zur Genüge von den 
Atollen her kannte. Aber hier war der Fels nicht wie bei den letzteren 
von einer nur wenige Zoll hohen Humusfchicht überzogen, fondern 
die Flächen der Terraffen trugen eine Bodenfchicht, die bei mehr 
als zwei Fufs tiefen Graben kein Ende zeigte, und wie die fpäter ge- 
machten chemifchen Unterfuchungen**) erwiefen, von ausgezeichneter 
Befchaffenheit ift. Dabei wurde der Boden, je höher wir kamen, um 
fo befser und feiner und mit ihm das Gras. Letzteres erreicht im Ufer- 
vorlande faft Mannshöhe und ift von grober Befchaffenheit, eignet 
fich alfo nur für Rindvieh, während das kurze feinhalmige Gras der 
Teraffen trefflich für Schafe pafst. Er bildet übrigens keinen ununter- 
brochenen Rafenteppich, fondern fteht büfchelweis wie das fogenannte 
»Buffalogras« der Prairien, oder Avie ich es am Haleakala auf der 
Infel Maui fah, wo Taufende von Schafen weiden. Wenn hier die 
unzähligen fcharfkantigen Lavatrümmer das Begängnis der Schafe 
nicht hindern, fo würden fich diefelben auch auf den Teraffen mit 



*) So ift es in diefem Teraffenlande wohl kaum möglich „eine beträchtliche Di- 
ftanz Inland zu reifen" wie Powell gethan haben will, wo er ,,Bewäfferungsanlagen aus 
Bamburöhren", Häufer in beträchtlicher Anzahl, in „Bienenkorbform'- fand (1. c. S. 510). 
Wer aber Neu-Britannien kennt und Powells Buch („Wanderings in a wild Country"), 
der wird fich nicht mehr über die abenteuerlichften Angaben wundern, denn die famofen 
Gefchichten, wie die Eingeborenen Knochenbrüche behandeln (S. 165) und den „künft 
liehen Zähnen aus Perlmutter" (S. 166) wird wohl jedermann für luftige Münchhaufenia- 
den halten. Man vergl. auch: Parkinfon „Im Bismarck-Archipel" S. 39, 58 und 63. 

**) Nach denfelben ift diefer Boden „als ein an Humus, Stickftoft, Kali, Kalk- und 
Phosphorfäure fehr reicher anzufehen"'. 



Längs der Maclayküfle. I25 

den vielen verwitterten Korallknollen, die dem Fufsgänger zuweilen 
recht hinderlich find, abzufinden wiffen. Aufser einer Schlingpflanze, 
ein paar anderen befcheidenen Blumen, und einzelnen Cycaspalmen, 
zeigte dieFlora nichts Bemerkenswertes, aber die Ränder der Schluchten 
find häufig mit Gebüfch und kleinen Baumgruppen gefäumt, welche 
Schafen trefflichen Schutz gegen die Mittagshitze bieten würden. 
Obwohl diefelbe 28 R. betrug, fo war fie unter dem mildernden 
Einflufs einer hübfchen Brife doch erträglich, aber als wir wieder 
in die Uferebene herab in die fchwüle Luft einer Temperatur von 
2,2^ R. kamen, da war es fchier zum Erfticken. Wir fanden hier 
einen kleinen Teich mit einem Dickicht von Schraubenbaum (Pan- 
danus), in welchem weifse Fruchttauben (Carpophaga spilorrhoa) und 
bunte Sittiche (Eos fuscata) zu einem leider vergebhchen Jagdverfuch 
reizten und fomit die Hoftnung auf einen frifchen Braten vereitelten. 
Das Jagen in den Tropen hat eben feine grofsen Schwierigkeiten, 
von denen man fich daheim fchwer eine Vorflellung machen kann. 
Einige Wachteln (Coturnix sinensis), die unfer Tritt aus dem Gräfe 
auffcheuchte, war alles Lebende, was wir auf den Teraffen erblickten. 
Aufserdem bemerkten wir nur noch Fährten wilder Schweine, fahen 
uns aber vergebens nach Kängurus um, die übrigens hier nicht wohl 
zu erwarten waren. Sie lieben, foweit meine Erfahrungen in Neu- 
Guinea reichen, keine offenen Ebenen, fondern mehr kupiertes Terrain, 
während gewifse Arten (z. B. Dorcopsis luctuosus) nur den dichteflen 
Urwald bewohnen. 

Nahe dem Teiche fliefsen wir auf einen Pfad und bemerkten 
fpäter elf Eingeborene, die uns wahrfcheinlich fchon lange beobach- 
tet hatten, aber keine Luft zeigten heranzukommen. Ich liefs einige 
kleine Gefchenke zurück, um fie unferer guten Abfichten zu verfichern, 
und fie werden fpäter wahrfcheinlich ihre Zurückhaltung fehr be- 
dauert haben. 

An Bord zurückgekehrt und wieder unter Dampf, wurde das 
Auge nicht müde, das malerifche Teraffenland mit feinen braunen 
und grünen Stufen zu bewundern, die fich mit einer Regelmäfsig- 
keit, wie mit der Mefskette gezogen, für Meilen und Meilen nach 



J25 Viertes Kapitel. 

Oft fortfetzen. Der Reiz diefer Landfchaft wird durch wild roman- 
tifche Schluchten noch erhöht, unter denen fich ganz befonders eine 
auszeichnete, die gleich wie ein gewaltiger Mefferfchnitt das Gebirge 
trennt und offenbar durch Erdbeben hervorgebracht wurde. Diefe 
Schlucht, von der unfere Abbildung (S. 122) nur eine fchwache Vor- 
ftellung giebt, ift jedenfalls die »Bafilisk-Gorge« von Morebys deffen 
Befchreibung »huge break in the mountains« auf keiner Stelle der 
Külle beffer als auf diefe pafst und mit wenigen Worten das Rich- 




Kanzel und Bienenkorb. 

tige trifft. Auch Backbord (links zeigten fich anziehende Bilder, 
und der Blick wandte fich oft von der packenden Küftenlandfchaft 
ab und fchweifte über das Meer hinüber nach Rook- und Lottin- 
Infel, die wir fchon lange fichteten. Die erftere lag einigemal klar 
vor uns; ein mächtiger, mehrere taufend Fufs hoher Kegel mit drei 
Kuppen und wie das kleine Lottin erlofchene Vulkane. Letztere 
Infel, obwohl viel niedriger als Rook, war meift in Wolken gehüllt, 



Länes der Maclavküfle. 



127 



wie die ganze Kammlinie des Küftengebirges felbft, trotz des voll- 
kommen klaren Himmels, eine Erfcheinung, die bei allen Gebirgen 
diefer Breiten fafl zur Regel wird. Wie fpätere Befuche lehrten 
nimmt die Höhe des Küftengebirges von Weft nach Oft allmählich 
ab, mag aber längs dem Terraffenlande immer noch an 4000 bis 5000 
Fufs betragen. Den 7700 Fufs hohen Berg Cromwell von Moresby 
fuchten wir bei diefer wie bei fpäteren Gelegenheiten vergebens, 
nicht minder Dampiers »Cape King William«, das noch heut auf 
allen Karten figuriert, aber, wie fchon Moresby erwähnt, nicht aus- 
zumachen und für die Folge beffer ganz wegzulaffen ift: es giebt an 
diefer Küfte überhaupt kein KapI — 

Längs dem Terraffenlande fahen wir noch vier armfelige Dörfer, 
Pfahldörfer wie das vorher befchriebene Singor, die fich durch ihre 
Lage auf kahlem Korallufer (das eine, Sus, auf einer kleinen Fels- 
infel) auszeichnd:en. So frei und bar von allem Sonnenfchutz hatte 
ich noch niemals Siedelungen von Eingeborenen gefehen, und es 
wäre intereffant gewefen, die Gründe zur Wahl diefer anfcheinend 
fo ungünftigen Lokalitäten zu erfahren. Aber die Bewohner fahen 
das dampfende Ungetüm ftumm vorüber gleiten, und machten keinerlei 
Zeichen, ja erhoben fich nicht einmal. Ich erwähne dies deshalb 
befonders, weil diefes Betragen fehr im Widerfpruch mit der fonft 
üblichen Gewohnheit der Eingeborenen fteht, die eine fo feltene 
Erfcheinung mindeftens mit lauten Rufen begrüfsen. Jedenfalls 
befafsen aber diefe Pfahlbauer keine Kanus, und auch wir mufsten 
uns einen Befuch verfagen, weil der fteile, felfige Uferrand kaum zu 
landen erlaubt haben würde und wir überdies Eile hatten. 

Ungefähr fünf Meilen oft von dem kleinen Infelpfahldorf Sus wird 
die Terraffenbildung undeutlicher, das Küftengebirge tritt näher ans 
Ufer und das Landfchaftsbild erhält einen ganz anderen Charakter, 
der hauptfächlich in wild zerklüfteten Schluchten der Vorberge 
gipfelt. Den Anfang diefer wildromantifchen Küfte bildet die fanfte 
Waldbucht, wo der dichte Wald des Küftengebirges fich faft bis 
ans Geftade herabzieht. Über das ca. 10 Fufs hohe Steilufer, fällt 
hier ein kleiner Wafferfall direkt ins ]\Ieer, eine fehr kenntliche Stelle 



128 



Viertes Kapitel. 



und die einzige derartige an der ganzen Küfte, welche ich deshalb 
»Meerfall« benannte. Weiter nach Oft erregt eine befonders merk- 
würdig markierte Schlucht Aufmerkfamkeit, deren faft fenkrechten 
Wänden ein mehrere hundert Fufs hoher Berg vorliegt, als wäre er aus 
dem Gebirge herausgefchnitten (S. 126). Sein Gipfel ift horizontal, feine 
Weftfeite fchroff bis zur Thalfohle abfallend, während die in der 
oberen Hälfte ebenfalls faft rechtwinkelig abgefetzte Oftfeite fich an 
einen fpitzwinkeligen Berg anlehnt und mit diefem gleichfam ein 




irS£'^" 



^pE^äj*.: 






1 ClLUlli. 



Ganzes bildet, dem ich den Namen »Kanzel« gab. Mit diefer fonder- 
baren Küftenmarke rivalifiert etwas weiter örtlich der »Bienenkorb«, 
ein fehr hoher fteiler, ftumpfer Kegel, welcher ebenfalls aus dem 
Gebirge herausgefchnitten fcheint. An dem letzteren bemerkt man, 
höher als die Spitze des Bienenkorbes, inmitten der dichten Vege- 
tation eine fenkrechte, kahle, weifsliche Felswand. Die beiden foeben 
genannten Schluchten fmd die intereffanteften diefes ganzen Gebietes 
und ohne Mühe zu erkennen. Sie waren auch in der jetzt trockenen 



Längs der Maclayküfle. I29 

Jahreszeit wie die übrigen Einfchnitte und Vorberge mit dichtem frifch 
grünem Graswuchs bekleidet, was den malerifchen Effekt ungemein 
erhöhte. Manche diefer Schluchten fmd übrigens anfehnlich breit 
und bilden fchmale grüne Thäler, die fich vielleicht weit ins Gebirge 
hineinziehen mögen. Da wo die intereffanten Schluchten aufhören, 
wird das grafige Vorland breiter und an den faft baumlofen, eben- 
falls in faftiges Grün gekleideten Bergen machen fich wiederum 
terraffenförmige Abfätze bemerkbar, die mit Feftungshuk in präg- 
nanterer Weife ihren Abfchlufs finden. In der That bildet dasfelbe 
den kenntlichflen Punkt an der ganzen Küfte, und Moresby hätte 
keinen paffenderen Namen als »Fortification-Point« wählen können. 
Die einige hundert Fufs hohe grüne Pyramide, zugleich der letzte 
Ausläufer des Küftengebirges, wird von mehreren horizontalen, kahlen, 
ftufenförmigen Abfätzen, Reften der Terraffenbildung, durchzogen, 
die frappant Fortiflkationen ähneln, ja bei lebhafter Phantafie vermag 
man mit leichter Mühe in einigen fchwarzen Felsftücken, die am 
Rande der Terraffen hie und da verflreut liegen, Gefchütze zu er- 
kennen. Etwas Baumgeftrüpp bedeckt die kuppig abgefetzte Spitze, 
wie dichtefter Baumwuchs die Bafis des Berges umgürtet, die von 
10 bis 20 Fufs hohem Steilufer gebildet wird. Eine gröfsere kahle 
Stelle des letzteren mit nacktem weifslichen Korallfels ifl die »white 
Cliff« der Karten, welche fich aber bei weitem nicht fo deutlich 
markiert, als man erwarten durfte. Von der Weflfeite gefehen zeigt 
Feftungshuk übrigens die eigentümliche Bildung, welche ihr den 
Namen verfchaffte, bedeutend geringer. Die ungefähre Lage diefes 
kennbaren Küftenpunktes wird von Moresby zu 6^ 20' S., 147 '^, 48' O. 
angegeben. Er bildet übrigens kein Kap, fondern nur eine fanft 
vorfpringende Huk (Ecke), von welcher die Küfte füdlich verläuft. 
Mit dem Schluchtengebiet waren auch Dörfer oder Siedelungen 
überhaupt verfchwunden, und die ganze Küfte erfchien menfchenleer; 
nur gegen Feftungshuk hin bemerkten wir einige Bananenplantagen, 
fahen uns aber vergebens nach Häufern um. Erft bei einem fpäteren 
Befuche entdeckte ich, aufmerkfam gemacht durch die erwähnten 
gelben Bäume, die überall Begleiter der Menfchen zu fein fcheinen, 

Finfch, Samoafahrten. 9 



J50 Viertes Kapitel. 

zwei Häufer, die unter Bäumen hart am Rande einer Schlucht fo 
verfteckt ftanden, dafs fie nur fchwer zu erkennen waren. Bei meinen 
fpäteren Fahrten längs diefer Küfte, welche ich noch fünfmal paffierte, 
richtete fich daher mein ganzes Augenmerk auf Siedelungen, aber 
es gelang mir nur noch zwei weitere von je zwei bis drei Häufern 
zu erfpähen. Um fo ausgedehnter find aber die Plantagen, welche 
fich fowohl im Ufervorland als an den Hängen der Schluchten hin- 
ziehen, und die erkennbar mit Jams und Bananen beftellt, oft mehrere 
Morgen grofs fein mochten. Sie waren, wie immer, forgfältig ein- 
gezäunt, zuweilen ftand eine Hütte dabei. Angefichts diefer Plan- 
tagen*) mufs die Bevölkerung auch zahlreicher fein und die Siede- 
lungen liegen vermutlich in den Schluchten, unfichtbar von der Küfte 
aus, verfteckt. Aber nennenswerte Dichtigkeit der Bevölkerung fehlt 
auch hier; denn mehr als ein Dutzend Eingeborene fahen wir niemals 
zufammen und fünfzig blieb die höchfte Ziffer während eines ganzen 
Tages. Es wurden zweimal Buchtungen weftlich von Feftungshuk 
unterfucht, fchon um Ankerung zu finden, aber das fteile Felsufer 
verhinderte das Landen. Das Steilufer fchneidet hie und da etwas 
tiefer ein und bildet durch vorgelagerte Felfen, an denen das Meer 
bricht , zuweilen Buchten , welche Kanus Schutz gewähren. In 
folchen bemühten fich auch einigemal die Eingeborenen im Kanu 
abzukommen , aber hoher Seegang ermöglichte ihnen überhaupt 
nur in zwei Fällen die Brandung zu paffieren, obwohl fie recht 
gute Segelboote befafsen. Die letzteren zeichneten fich durch 
Schnitzwerk am Seitenrande der Plattform, am Vorder- und Hinter- 
fteven und durch zierliche Malerei der Bordplanken aus. Die im 
allgemeinen ziemlich dunkel gefärbten Leute, waren fo ftill**) und 
befcheiden, wie ich feiten Eingeborene fand, und der Taufchhandel 
mit ihnen ging ruhig wie noch nie. Sie brachten nur einige Betel- 



*) Powell (1. c. p. 510) läfst diefelben von ,,slaves taken in battle from the Inland 
tribes" bearbeiten, aber von Inland kann hier kaum die Rede fein, und Sklaverei ifl; 
bei den Papuas Neu-Guineas wohl überhaupt noch nicht beobachtet worden. 

**) Sehr im Widerfpruch damit bemerkt Powell (1. c. p. 510): „they shout and sing, 
making warlike gestures, with their spears, bows and arrows and tomahawks"! Das 
habe ich nirgends gefunden und „Tomahawks" befitzen die Eingeborenen überhaupt nicht. 



Längs der Maclayküfte. I^I 

nüfle, fchlechte Bananen, aber keine Kokosnüffe, da fie folche wahr- 
fcheinlich felbft nicht befitzen, denn diefe Palme ifl:, wie an der ganzen 
Küfte, eine feltene Erfcheinung. Neu für uns war, dafs fie unter Ge- 
fang und Trommelfchlag abkamen, wahrfcheinlich um fich felbft Mut 
zu machen, wie dies fpäter noch öfter vorkam. Auch ethnologifch 
boten fie neben Bekanntem, wie z. B. Kampfbruftfchmuck (P. XXII. 3) 
mancherlei Neues', Sachen, die wir fpäter erfl: in Huon-Golf kennen 
lernten, wie z. B. fchön gefchnitzte Holztrommeln (Onge), Ruder mit 
kunftvoll gefchnitztem Griff, Zieraten und Tragbeutel, reich mit Hunde- 
zähnen ornamentiert, und dergleichen, alles Gegenftände, welche für 
die nahe Verwandtfchaft mit den Bewohnern Finfchhafens und weiter 
füdlich fprechen. Am deutlichften zeigten dies jene hohen Kopf- 
bedeckungen aus rotgefärbtem Baumbaft (Tapa), die für Huon-Golf 
fo charakteriflifch find, und welche wir hier zuerfl: fahen. Im Taufch 
waren ihnen, wie ftets, Hobeleifen am liebften; aus Tabak, den fie 
kannten, machten fie fich fo wenig als aus Spiegeln, die, obwohl neu 
für fie, kaum des An- refp. Hineinfehens wert fchienen. Interefsant 
war es mir, hier eine Art feines Mufchelgeld aus dünngefchliffenen 
aufgereihten Mufchelplättchen zu finden, welches ganz mit dem fo- 
genannten »Miokogeld« in Neu-Britannien übereinftimmt. Es gelang 
mir mit vieler Mühe, einen alten Mann, wie die hohe Tapamütze 
zeigte, den Häuptling, an Bord zu locken, wo einige kleine Gefchenke 
feine Furcht bald zerftreuten. Er getraute fich fogar in die Kajüte 
und gab feine flumme Verwunderung über die vielen nie gefehenen 
Dinge dadurch zu erkennen, dafs er den Daumen der einen Hand 
zwifchen die Zähne nahm und fich mit der anderen auf den Bauch 
klopfte. Die letztere Pantomime follte übrigens keineswegs menfchen- 
frefferifchen Gelüften Ausdruck geben, wie Unkundige leicht glauben 
würden, denn auf der ganzen Reif6 habe ich nirgends nur die leife- 
ften Anzeichen von Kannibalismus*) beobachten können. In Bongu 
fah ich einmal ein paar Menfchenfchädel an einem Haufe aufgehangen 



*) Maclay erwähnt nur an einer Stelle; ,,das Gebiet der Menfchenfreffer Erempi, 
in der Nähe von .,Cap CroiffiUes", das ich felbft nicht kennen lernte. * 

9* 



J.5 2 Viertes Kapitel. 

und in Gumbu wurde mir ein menfchlicher Unterkiefer zum Kauf 
angeboten, gewifs für viele deutliche Beweife von Menfchenfrefferei! 
Aber diefer Schlufs würde fehr irrig fein; denn folche Reliquien fmd 
nicht Siegestrophäen erfchlagener Feinde, fondern Andenken lieber 
Verftorbener, da die Pietät gegen Tote bei allen diefen Stämmen 
fehr grofs ift. Wenn oberflächliche Beobachter an dem Fehlen ficht- 
barer Grabftätten fich gleich zu kühnen Schlüfsen verfliegen, dafs 
die menfchenfreffenden Papuas fogar ihre eigenen Toten nicht ver- 
fchonen, fo liegt die Sache in Wahrheit ganz anders. Man beftattet 
nämlich die Toten fehr oft in der Hütte, um nach ca. lO Monaten 
die Knochen wieder auszugraben, ganz wie ich dies fchon von Neu- 
Britannien her kannte. Wie man dort die Schädel als teure An- 
denken verwahrt, fo legt man in Aftrolabe-Bai befonders auf den 
Unterkiefer Wert, der, wie wir dies fpäter fehen werden, nicht feiten 
als Armband dient. 

Der freundlichen Einladung des alten Häuptlings, ihn und die 
Seinen an Land zu befuchen, konnten wir leider nicht folgen, denn 
unfere Kohlen gingen zu Ende, und fo mufsten wir ca. 6 M. füdlich 
von Feflungshuk für diesmal Abfchied von der Küfle Neu-Guineas 
nehmen. 

Wir hatten zu der ca. 140 M. langen Strecke von Port Konflan- 
tin bis hierher ca. 2^, Tag gebraucht und dabei einen Landflrich 
kennen gelernt, der mit zu den beflen in Neu-Guinea zählt, und für 
Agrikultur wie Viehzucht gleich verfprechend ift. Vor allem fehlt 
es, wie ich bereits erwähnte, nicht an Waffer. Ich zählte in der 
trockenen Jahreszeit allein die Mündungen von 19 Flüffen oder beffer 
Flüfschen, die alle den Charakter von Gebirgswäffern tragen, und 
deren es gewifs in diefem ausgefprochenen Gebirgslande viel mehr 
giebt. Die höher gelegenen Flächen dürften fich namentlich für 
Schafzucht eignen und werden vorausfichtlich ein für Europäer günfti- 
ges Klima befitzen. Die Bevölkerung fanden wir allenthalben fehr 
fpärlich, denn ich zählte im ganzen 24 meift fehr kleine z. T. ver- 
laffene Siedelungen, deren Bewohner zufammen mit 1500 Seelen hoch 
gefchätzt fmd. Das ganze Küftengebirge fcheint kaum bewohnt zu 



Längs der Maclayküfte. I35 

fein, denn nirgends fanden wir jene Kulturflecke urbargemachten 
Landes, die fich fonft fchon fo weit hin markieren. Für Schiffahrt 
ift die ganze Küfte rein, d. h. frei von Korallrififen, Infein und Sand- 
bänken, aber das Meer fällt in wenig Abfland in bedeutende Tiefen 
zwifchen 300 bis 400 Faden ab, und was das fchlimmfhe ift, nirgends 
findet fich eine geeignete Ankerung*), gefchweige denn ein Hafen. 
Die ganze Küfte befteht aus fanften Einbuchtungen, meift Flachufer 
mit Waldrand, hie und da Sandftrand oder mäfsigem Felsfleilufer. 
Freilich zeigte fich überall nur fchwache Brandung, aber wir befanden 
uns im Südoflmonfun, und während des Nordweft wird dies wahr- 
fcheinlich anders fein. Glücklichenveife ift das Meer meift ruhig 
und frei von jenen häfslichen Böen die z. B. das Marfhallmeer fo 
ungemütlich machen. Die Verhältniffe find daher im ganzen recht 
günftige und weit beffer als an vielen anderen Küften, wo trotz Un- 
gunfi: fich ein reges koloniales Leben entwickelte. 

In der Nacht wurde nach der fchon am Tage fichtbaren Küfle 
von Neu-Britannien hinübergedampft, die wir am andern Morgen in 
der Gegend von Kap Anns, der füdweftlichen Spitze, erreichten. 
Gleich hier zeigte sich die voUftändige Unzuverläffigkeit der Karten, 
die freilich noch von Dampier (1700) und d'Urville (1827) herrühren, 
welche mit ihren Segelfchiffen weit von der Küfte abhalten mufsten 
und fo eine Menge Kaps**) benannten, ohne fie aftronomifch feftzu- 
legen, die gar nicht exiftieren. Das war freilich fehr mifslich, denn 
gar keine Karte ift immer noch beffer als eine unrichtige, aber der 
trefflichen Führung von Kapitän Dallmann gelang es die erfle Re- 
kognoszierungsfahrt längs diefer ca. 240 Meilen langen, unbekannten 
Küfte bis Kap Orford glücklich durchzuführen, wozu die Samoa freilich 
drei Tage brauchte. Es zeigte fich dabei, dafs die angeblichen 
Kaps meift aus vorgelagerten Infein beftehen, die von weitem wie 



*) Wie ich fpäter von Kapitän Dallmann erfuhr , dürfte ca. 1 1 Meilen Oft von 
Teliata vorausfichtlich ein „guter Hafen" vorhanden fein. 

**) Man kann ermeffen, was dabei herauskommt, wenn jemand auf folche dürftige 
Angaben hin eine Länderbefchreibung wagt, wie z. B. Meinicke (,,Die Infein des Stillen 
Ozeans" I. S. 134 — 136). 



l'iA Viertes Kapitel. 

Vorfprünge ausfehen, denn felbft Südkap vermochten wir nicht mit 
Sicherheit auszumachen. An Riffs war übrigens kein Mangel, und 
da uns leider eine Dampfbarkaffe fehlte, fo mufsten wir manche, 
vielleicht praktikable Buchten ununterfucht laffen. Aber das ganze 
Land fchien überhaupt zu wenig einladend; nichts als dicht bewal- 
dete, fteile, vulkanifche Berge, mangrovereiches, dichtbewaldetes 
Vorland, unzählige Infein, die mit ihren Riffs zuweilen zum Abbiegen 
nötigten, wenig Kokospalmen und fomit auch Menfchen, das fmd 
fo die Hauptzüge diefer Küfle, wie ich hier nur mit wenigen Strichen 
fkizzieren will. Die kleinen Siedelungen fchienen meift auf den 
Infein zu liegen, und da wir Eile hatten, konnten wir fie nicht be- 
fichtigen. Nur einmal kamen Eingeborene in Kanus ab, in einer 
Bucht, die zwifchen Süd-Kap und Kap Roebuck der Karten liegt 
und die ich »Hanfabucht« benannte. Ich zählte acht bis neun kleine 
Siedelungen in diefer Bucht, den bevölkertften Diftrikt an der ganzen 
Küfle bis Spacious-Bai. Die Leute waren fehr fcheu, und kamen erft 
nach und nach näher, als ich ihnen leere Flafchen mit einem daran 
gebundenen Streifen roten Zeuges zuwerfen liefs, wagten fich aber 
längsfeit gekommen nicht an Bord. Anthropologifch echte Papuas 
zeigten fie ethnologifch die meifte Zufammengehörigkeit mit Neu- 
Guinea, fo in ihren Schamfchurzen, Kalkkalabaffen, Schmuck aus 
Schweinezähnen, filetgeftrickten Tragbeuteln, breiten Schildpattarm- 
bändern und dergleichen. Einige trugen Kopfbinden aus einer Art 
Flachs, ganz wie ich folche bei Feftungshuk gefehen hatte. Mufchel- 
geld, ganz wie das Diwara von Blanche-Bai, fchien auch eine grofse 
Rolle zu fpielen, und fie gaben es nur ungern her. Sie führten 
keinerlei Waffen mit fich und waren ruhige Leute, mit denen fich 
fehr gut handeln liefs, bekamen aber oft untereinander Streit. Sie 
befafsen einige fehr eigentümliche Sachen, darunter befonders einen 
hübfchen Kampfbruftfchmuck aus zwei Eberhauern und Mufchelgeld. 
Ihre Kanus waren fehr roh, alles Schmuckes bar, aber zum Teil 
fehr lang. Das eine mochte über 40 Fufs meffen und trug 16 Mann. 
Intereffant war es mir zuerft wieder bei einigen Männern fchwache 
Tätowierung, fchmale Strichelchen über Stirn und Backen, zu fehen; 



Längs der Maclayküfle. i^e 

bei einigen machte fich künftliche Deformation des Schädels be- 
merkbar. An Produkten befafsen fie aufser Betelnüffen und Tabak- 
blättern nichts, nicht einmal Kokosnüf'fe. 

In den letzten Tagen des Oktober trafen wir glücklich wieder 
in Mioko ein, nicht wie es in Schififsberichten gewöhnlich heifst 
»an Bord alles wohl«!, fondern fieben Mann lagen am Fieber dar- 
nieder, darunter der Schreiber diefer Zeilen, ein Andenken, das uns 
wahrfcheinlich Friedrich-Wilhelms-Hafen mit auf den Weg gegeben 
hatte. Nun, war es doch nicht mein erftes Tropenfieber! Masqui! 



Fünftes Kapitel. 



Vom Mitrafels bis Finfchhafen. 

Maffacre der „Mioko". — Urfachen. — Ein fchwarzer Kriegsgefangener. — Strafexpedition 
der ^ Hyäne" — Ankunft der ^Elifabeth''. — Aufhiffen der deutfchen Reichsflagge in 
Matupi und Mioko. — Fieberträume. — Abreife nach Neu-Guinea. — Luard-Infehi, — 
Fliegende Hunde. — Herkulesflufs. — Scheue Eingeborene. — Menfchenleer. — Bafi- 
liskbucht. — ,,Bleichröder"-FIufs. — Verräter -Bai. — Spreefahrt. — Kafuarinen. — 
Mitrafels. — Eine verlaffene Niederlaffung. — Owen Stanley. — Adolphhafen. — In 
Huon-Golf. — Parfi-Huk. — Verkehr mit Eingeborenen. — Eine feltene Haarlocke. — 
Markhamflufs — Rawlinfon-Gebirge. — Kap Cretin. — Herrliches Land. — Ich ent- 
decke einen Hafen. — Finfchhafen. — Trefflich geeignet zur Niederlaffung. — Ankunft 
der Hyäne. — Flaggenhifl"en. — Betrachtungen über die Eingeborenen. — Diebftähle. 

— Ift Civilifation möglich? — Freiheitstrieb unvereinbar mit derfelben. — Dorf Ssuam. 

— Häufer. — Abumtau Gabiang. — Gräber — Etbnologifches. — Kanus. — Kaka- 
dus. — Jagd und Tierleben. — Exkurfion auf dem Bumiflufs. — Eine Krokodiljagd. — 
Abfchied von Finfchhafen. — Eine Explofion. — Mohrenkönig und ICrone. — Long- 
Infel. — Begegnung mit Eingeborenen. — Wafferhofe. — Schönes Land bei Kap Raoult. 

— Längs der Nordküfte Neu-Britanniens. — Nusa in Neu-Irland. — Friedrich SchuUe. 

— Rückkunft nach Mioko. — Rückblicke in Betreff" der Entwickelung von Finfchhafen. 

In dem fonft fo ftillen Hafen von Mioko herrfchte ungewohntes 
Leben; das deutfche Kanonenboot »Hyäne« (Kommandant Kapt.-Lt. 
Langemack) und ein Hamburger Dreimaftfchuner lagen bei unferer 
Rückkehr vor Anker und wechfelten mit der Samoa die üblichen 
Grüfse durch dreimaliges Senken der Flaggen. 

Das Kriegsfchifif verliefs uns aber fehr bald wieder, um eine jener 
Strafexpeditionen auszuführen, die in der letzten Zeit unfere Kriegs- 
fchiffe in diefen Gebieten fo häufig befchäftigten und zu denen oft 
läncrft crefchehene Vorfälle die Veranlaffung find. Auch hier war dies 



Vom Mitrafels bis Finfchhafen. I^? 

der Fall, denn es galt die Eingeborenen zu züchtigen, welche im 
vorhergehenden Jahre in Metelik, an der Südoflfpitze Neu-Irlands, 
den deutfchen Schuner »Mioko« überfallen und nach Niedermetze- 
lung der Mannfchaft verbrannten. In Metelik oder Likeliki-Bai 
hatten fchon die berüchtigten Unternehmungen des Marquis des Rays 
bei den Eingeborenen die böfeften Erinnerungen an Weifse zurück- 
gelaffen und fpätere Befuche von Werbefchiffen, die hier rekrutierten, 
d. h. Menfchen wegführten, diefe Eindrücke nur zu lebhaft wieder 
aufgefrifcht. 

Die fogenannten »nackten Wilden« fmd eben Menfchen wie wir, 
und es ifi: ihnen felbftredend nicht gleichgültig, wenn Familien- und 
Stammesangehörige, nicht immer in legaler Weife, entführt werden, 
die zu häufig ihre Heimat niemals wiederfehen. Die »Labour- 
trade«, Arbeitshandel , hat daher überall , wo fie betrieben wurde, 
den nachteiligften Einflufs ausgeübt und fo häufig die Veran- 
laffung zu jenen Maffacres gegeben, welche faft ausnahmslos der 
Blutgier und Wildheit der Eingeborenen zugefchrieben werden und 
für die gewöhnlich Unfchuldige auf beiden Seiten zu büfsen haben. 
Die »Mioko« war eins diefer unglücklichen Opfer der Vergeltung 
der Eingeborenen, die felbftverftändlich alle Weifse für identifch 
halten und an dem erften beften, der in ihre Hände fällt, ihre Rache 
für ihnen durch Weifse zugefügtes Leid zu kühlen fuchen. Da kein 
Papua ein grofser Held ift und offenen Kampf ftets zu vermeiden 
fucht, fo handelt es fich gewöhnlich um den, mit Hinterlift und Ver- 
räterei gepaarten, überlegten Mord. In Gegenden, wo Werbefchiffe 
ihr Wefen trieben, heifst es daher doppelt auf der Hut fein. Denn 
gar oft ift das freundliche Wefen der Eingeborenen nur Maske, und 
in den meiften Fällen gelingt der Handflreich nur infolge zu grofser 
Sorglofigkeit. So erging es leider auch der »Mioko«. Das kleine, 
ca. 50 Tons grofse Fahrzeug, mit nur fünf Mann an Bord, war auf der 
Reife von Sydney nach Mioko durch Windflillen und Strömungen 
im St. Georgs-Kanal aufgehalten worden und hatte in Metelikhafen 
vorgefprochen, deffen Eingeborene fich fehr freundlich zeigten. 
Dabei ift jedenfalls vom Kapitän, der in jenen Gebieten durchaus 



138 Fünftes Kapitel. 

Neuling war, die nötige Verficht aufser acht gelaffen worden. Als 
die Eingeborenen vollends merkten, dafs keine Waffen an Bord waren, 
welche das Schiff unbegreiflicherweife erft am Beftimmungsort erhalten 
follte, hatten fie leichtes Spiel. Man kann es ihnen nicht verdenken, 
wenn fie eine fo günflige Gelegenheit nicht unbenutzt vorübergehen 
liefsen. Dafs dabei die Habfucht durch Plünderung des Schiffes 
mit befriedigt wurde, iff ebenfalls leicht erklärlich. Deshalb find 
die Eingeborenen noch lange nicht jene notorifchen Räuber und 
Mörder*), für welche fie nach einem folchen Vorgange meifi: erklärt 
werden, da ja nach der gewöhnlichen Auffaffung Raub und Mord 
gleichfam in ihrem Blute liegen, denn dafür find es ja eben »Wilde«! 
Ein folches Urteil würde aber kein gerechtes fein! Ich kann aus 
meinen eigenen Erfahrungen Fälle anführen, wo Eingeborene eben 
fo menfchlich als wir handelten. So brachte im Jahre 1881 ein 
deutfches Schiff einen jungen Franzofen nach Matupi mit, den es 
bei Cap Hunter an der Südweflküfte Neu-Irlands aufgenommen hatte. 
Der Genannte war »Soldat« der Colonie libre des Marquis des Rays 
gewefen, mit einem anderen Vaterlandsverteidiger defertiert und 
hatte bereits mehrere Wochen uuter den Eingeborenen gelebt, bis 
ihn zufällig diefes Schiff erlöfte. 

Aus Furcht vor Strafe waren die Übelthäter von Metelik ver- 
zogen und zwar nach Lombom oder der kleinen Wallis-Infel bei Port- 
Praslin, und dahin ging nun die Expedition der »Hyäne«. An Bord 
befand fich bereits ein Eingeborener, welcher der Teilnahme an dem 
Maffacre der »Mioko« bezichtigt war, wohl verwahrt in Eifen. Der 
arme Schacher konnte einem wirklich leid thun, denn wurde er auch 
an Bord gut behandelt, fo machten fich doch häufig Schiffsleute 



*) Nach den mir durch einen ,,Pionier-Trader" im Jahre 1880 in Neu-Britannien 
gewordenen ftatiflifchen Notizen wurden in der Periode der erften Niederlaffung weifser 
Händler von 1875 bis Ende 1880 im ganzen dreizehn Morde durch Eingeborene verübt. 
Davon an zwei Weifsen, offenbar wegen Raub, an fünf Weifsen infolge Provokation, an 
zwei Weifsen auf Anfliften und im Auftrage von Weifsen, an vier farbigen Miffionslehrern 
(Teachers); nur die letzteren fmd verzehrt worden, aber keiner der Weifsen. In der- 
felben Zeit wurden übrigens an Bord von Schiffen fünf Morde, meift von farbigen Schiffs- 
leuten untereinander begangen. 



Vom Mitrafels bis Finfchhafen. I^Q 

den Spafs, ihm durch Pantomimen des Hängens oder Erfchiefsens 
fein mutmafsHches Schickfal vorauszufagen. Es war kein Wunder, 
wenn ihm aus Furcht Appetit wie Schlaf verging. Dabei behauptete 
er durchaus unfchuldig zu fein und gar nicht in Lombom, fondern 
in Lamaffa oder Coconut-Island, ca. lo Meilen weiter nördlich, zu 
Haus zu gehören und bat flehentlich, ihn nach dort zu bringen, wo 
fich feine Behauptung durch feine Familie von felbfl: als richtig er- 
weifen werde. Aber man hatte »einen Löffel« von der Mioko bei 
ihm gefunden, und dann — fürchtete er fich fol Kein Wunder! War 
der Mann doch fehr unfreiwillig in die Handfchellen geraten und zwar 
durch die Verräterei eines fchwarzen Bruders, eines Salomon-Einge- 
borenen, der für ein deutfches Haus an der Küfte von Blanche-Bai 
Kopra einkaufte. Diefer Brave hatte den Arglofen zu einem freund- 
fchaftlichen Befuche bei fich eingeladen, ihn ftatt deffen aber ge- 
feffelt nach Mioko gebracht, Beweis, dafs auch Europäer zuweilen 
jene Mittel billigen, welche fie bei den Eingeborenen fo fehr verab- 
fcheuen. Aber das ifl Südfeeleben! Während fonfl kaum auf das 
Zeugnis eines Schwarzen Wert gelegt wird, wurde es in diefem 
Falle als vollgültig angenommen, denn der Salomonsmann war ja 
wohl der einzige Belaflungszeuge. Die Expedition der Hyäne ver- 
lief übrigens in der gewöhnlichen Weife. Trotz aller Vorficht waren 
die Vögel in Lombom ausgeflogen! Pulver und Blei konnten alfo 
diesmal gefpart werden, denn Streichhölzer genügten um die Häufer 
anzuzünden, die, im Verein mit vernichteten Kanus und Plantagen, 
den Eingeborenen in üblicher Weife zur Warnung dienen follten, 
obwohl damit der beabfichtigte Zweck ernfllicher Schädigung nur 
fehr unvollkommen erreicht wird. Für Mufchelgeld laffen fich leicht 
Kanus wieder anfchaffen, und der Aufbau folcher Häufer, als wie die 
hieflgen, macht auch nicht fonderliche Mühe. In der That fand ich 
einige Zeit fpäter die Bewohner des devaftierten Dorfes ganz ge- 
mütlich an einer anderen Stelle wieder angefiedelt. 

Die »Hyäne« kam viel fchneller, als erwartet wurde, wieder 
zurück und zwar ohne Coconut-Island befucht zu haben, was jener 
arme Gefangene gewifs am meifken zu beklagen hatte. Denn da- 



jAQ Fünftes Kapitel. 

durch unterblieb die ihm verfprochene Unterfuchung in feiner Heimat 
und er wurde fpäter mit ein>em Arbeiter-Transportfchiff nach Samoa 
gefchickt. Dort ift er wahrfcheinlich auch nicht aufgehangen worden, 
fondern verrichtet vermutlich noch heut Zwangsarbeit in Plantagen, 
wenn ihn nicht inzwifchen das Heimweh, wie fo manchen Kanaker 
hingerafft hat. Die Lamaffaner werden aber dort vorfprechende 
Weifse wahrfcheinlich nicht sonderlich höflich aufnehmen und dem 
Andenken des entführten Löffelmannes bei Gelegenheit ein Opfer 
bringen; denn das ift der Fluch der böfen That, der fich namentlich 
in der Südfee fo anhaltend fortfpinnt. 

Ein befonderes Ereignifs hatte übrigens die Hyäne fo plötzlich 
zurückbeordert und zwar das unerwartete Eintreffen eines grofsen 
Kriegsfchiffes,' das wir zu unferem Erftaunen plötzlich, im Kanal 
Matupihafen zudampfend, erblickten. Durch die bald darauf an- 
kommende »Hyäne« erfuhren wir, dafs das Schiff S. M. gedeckte 
Korvette »Elifabeth« fei und begaben uns fogleich an Bord der 
Hyäne nach Matupi, um den Kommandanten Kapitän z. S. Schering 
zu begrüfsen. Wir hörten frohe Botfchaft: die deutfchen Befitzungen 
im Archipel von Neu-Britannien follten unter den Schutz des Reiches 
geftellt werden, welcher feierliche Akt am 3. November in Matupi 
unter den entfprechenden Ceremonien vor fich ging. Es war ein 
fchönes Schaufpiel, als 250 Mann in bewundernswerter Eile und Ord- 
nung landeten und in dem weiten Hofe des Hernsheim'fchen Etab- 
liffements Aufftellung nahmen. Kapitän Schering verlas dann auf 
Befehl Seiner Majeftät des Kaifers die kurze Proklamation, die Trup- 
pen präfentierten und unter den Klängen des »Heil dir im Sieger- 
kranz«, dem Donner der Gefchütze und einem dreimaligen Hoch auf 
Seine Majeftät ging die Reichsflagge der deutfchen Kriegsmarine in 
die Höhe! Am folgenden Tage wiederholte fich diefelbe Feierlich- 
keit in dem Etabliffement der Handels- und Plantagen-Gefellfchaft 
auf Mioko, wohin diesmal auch die verfchiedenen Häuptlinge der 
Herzog York-Infeln eingeladen waren, denen die Bedeutung der Hand- 
lung klar gemacht wurde. »Bye and bye j^ou kill white man, man 
of war kill you« (wenn du einen Weifsen töteft, tötet dich das Kriegs- 



Vom Mitrafels bis Finfchhafen. lAl 

fchiff), ein Argument, das die Eingeborenen fehr wohl verftanden, 
wenn es ihnen auch weniger begreiflich fcheinen mochte, das fie fich 
fortan der eigenen Gerichtsbarkeit Weifsen gegenüber gänzHch ent- 
halten follten. Jedenfalls hatten fie darüber ihre eigenen Anflehten 
und zwar auf Grund unliebfamer Erfahrungen, die ihnen lehrten, 
dafs der fchwarze Mann wohl feiten Recht erhält, und konnten fich 
nicht gleich zu dem Glauben auffchwingen, dafs dies nun mit einem 
Schlage anders, beffer werden follte. Natürlich verfprachen fie alles, 
wie das Kanaker ftets thun, und der Frieden fchien für ewige Zeit 
befiegelt. Freilich mit der Handvoll Eingeborenen der Herzog-York- 
Infel hat es keine Not, denen ift die blutige Sühne für die Ermor- 
dung Kleinfchmidts noch in gutem Gedächtnis. Aber in Neu-Bri- 
tannien und Neu-Irland, da liegen die Verhältniffe ganz anders, und 
es wird wohl noch lange dauern, ehe die Eingeborenen fich jener 
Botmäfsigkeit bewufst find, welche für gute Unterthanen felbftver- 
fländlich ift. In der That wurde nicht lange nach dem Aufhiffen der 
Kriegsflagge an der Nordküfte der Gazelle-Halbinfel ein Eingebo- 
rener, der für ein deutfches Haus handelte, umgebracht, feine Vor- 
räte geplündert. Die Kriegsmarine bekam dadurch wieder zu ftrafen, 
was durch die bekannten Vorgänge des Kanonenbootes »Albatrofs«, 
unter dem Kommando des energifchen Graf von Baudiffin, gründlich 
beforgt v/urde. Aber feitdem hat fich wohl kein weifser Händler 
mehr in den verrufenen Gebieten von Kabakadai und Kabaira 
niedergelaffen, wo der mächtige Häuptling Toberinge (Tuberingai) 
herrfcht; denn wegen ein oder zwei Koprahändler kann doch nicht 
immer ein Kriegsfchiff zur Stelle fein. 

Mit dem Aufhiffen der deutfchen Kriegsflagge war übrigens der 
Grundftein zu unferen jetzigen Südfee-Kolonien gelegt und ein Akt 
vollzogen worden, der die lebhaftelie Freude hervorrief, in der Hei- 
mat gewifs mehr als im Kreife gewiffer Koloniflen. 

Das neue deutfche Befitztum. gefiel Kommandant Schering, wie 
den Herren der Elifabeth überhaupt, unendlich viel beffer als das- 
jenige, welches fie kaum drei Monate früher (am 7. Augufl) erworben 
hatten, und von wo das Kriegsfchiff mit kurzem Aufenthalt in Kap- 



j^2 Fünftes Kapitel. 

ftadt und Sydney direkt herkam: Angra Pequena! »Lüderitzland« ! 
die vielbefprochene und befangene erfte deutfche Kolonie, welche den 
neueften Berichten zufolge hoffentlich bald durch ihren »Goldreich- 
tum «thatfächlich den fo oft getäufchten Erwartungen entfpricht Die 
erften Befucher konnten davon freilich keine Ahnung haben und 
Dr. Nachtigals Ausruf beim Betreten des gelobten Landes: »Oh! 
meine Sahara!« war jedenfalls berechtigt. 

Die Erfolge der Samoa in Aflrolabe-Bai machten die Anwefen- 
heit der deutfchen Kriegsfchiffe zu demfelben Zwecke als in Neu- 
Britannien und Neu-Irland auch in Neu-Guinea nötig, und auf Wunfeh 
des Kommandanten begleitete Kapitän Dalimann diefelben als Lotfe 
für Friedrich-Wilhelms-Hafen. Unter der Behandlung von Dr. Frerichs 
von der »Hyäne« hatten fich unfere Kranken foweit erholt, um 
wieder Dienft zu thun, und fo konnten wir in der erften Hälfte des 
November die zweite Reife nach Neu-Guinea antreten, um hier ver- 
abredetermafsen mit den Kriegsfchififen wieder zufammenzutreffen. 
Mir felbfl w^ar, fchon des Fiebers wegen, am meiften daran gelegen, 
wieder in See zu kommen, weil ich aus Erfahrung wufste, dafs Luft- 
veränderung das befte Mittel ift, wenn auch Seeluft nicht allemal 
gegen das Fieber hilft, welches mir diesmal bös zugefetzt hatte. In 
meinen phantaftifchen Träumen fpielte die zuletzt befahrene Küfte 
Neu-Britanniens die Hauptrolle. Ich fah ftets neue Kaps voraus, 
welche fich in Infein auflöften und fo rafch aufeinander folgten, dafs 
ich nicht mehr im ftande war alle aufzuzeichnen, und dies beängftigte 
mich aufserordentlich. Ja! ja! das Fieber vermag gar wunderliche 
Bilder hervorzuzaubern, und ich freute mich, dafs ich fie los war 
und die Küfte diesmal in Wirklichkeit vor Augen hatte. Sie blieb, 
häufig durch Wolken und Regenböen verfchleiert, mit ihren eintö- 
nigen Bergrücken und anfcheinenden Kaps faft drei Tage lang in 
Sicht, denn die Samoa machte infolge von Gegenftrömungen und 
Böen nur langfam Fortgang. 

In der Frühe des vierten Tages kam Neu-Guinea, wie immer, 
beim Annähern von Land, in wechfelden Bildern, zum Vorfchein. 
Zuerft zeigte fich eine mäfsig hohe, blaue Bergkette, über eine dichte 



Vom Mitrafels bis Finfchhafen. 



143 



weifse Wolkenfchicht vorragend, welche unmittelbar auf der Waffer- 
fläche zu lagern fchien, aus welcher nach und nach Infein auftauchten. 
Letztere verfloffen allmälich ineinander und erwiefen fich als der 




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M. 



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OiKlierx BiV^^dolpK Hafen -o, 



Grenze von, Kaiser WUheLnsLarui I'" vO 




Maasstab 1:1710000 ^.^ 

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^6 ib 2I0 30 40 50 6b 7*0 s'oKm, CautionHuk^ 






Kartenskizze 
vom 

HUOIS3' GOILF, 



eigentliche, flache, dichtbewaldete Küflenfaum, vor dem aber fpäter 
thatfächlich kleine Infein fichtbar wurden. Welche mochten es wohl 
fein? war eine Frage, die uns zunächfl am lebhafteflen befchäftigte. 
Dafs wir uns in Huon-Golf befanden wufsten wir freilich, aber hier 



144 Fünftes Kapitel. 

erftrecken fich eine ganze Reihe folcher kleinen Infein längs der 
Küfle und ohne Ortsbeflimmung liefs fich die Frage eben nicht aus- 
machen. Glücklicherweife brachte der Mittag klaren Himmel und 
nach den Beobachtungen erwiefen fich die vor uns liegenden Infein als 
die Luard-Gruppe von Moresby. Ich ging fogleich mit Hinrich 
Sechstroh, dem erften Offizier der Samoa, welcher während der Ab- 
wefenheit von Kapitän Dallmann den Dampfer führte, im Walboot 
ab, um eine Unterfuchung vorzunehmen. Die acht In fein find alle 
klein, dichtbewaldet und haben zum Teile eine Sohle felfigen Steil- 
ufers, welches aus einem ganz anderen Geflein als dem bisher ge- 
fehenen befteht. Es ift eine Art Konglomerat oder Breccie, aber 
die Korallformation ebenfalls vertreten. So lag der Strand der 
kleinen Infel, auf welcher wir landeten, voll von Koralltrümmern, 
Rollftücken von Madreporen u. f w. Ein halb im Sande verwehtes 
Kanu, fowie eine Kokospalme, mit leider verkrüppelten Nüffen, deu- 
teten an, dafs früher Menfchen hier verkehrt hatten; fonft bemerkten 
wir keine Spur von ihnen. 

Aber eine andere unerwartete Erfcheinung überrafchte uns: 
Hunderte fliegender Hunde erhoben fich aus dem Gelaube der Bäume 
und unfere Schüffe fcheuchten weitere Scharen derfelben auf Mit 
Ausnahme einer Lokalität auf der Karolineninfel Kufchai hatte ich 
in der That nie foviele fliegende Hunde beifammen gesehen. Sie 
fchienen hier einen geficherten Platz für die Tagesruhe gefunden 
zu haben, von wo aus fie bei Einbruch der Dunkelheit ihre Streif- 
züge unternehmen, um die Plantagen zu plündern, für die fie eine 
wahre Plage werden. In manchem Baume hingen mehr als zwanzig 
diefer Tiere, in der üblichen Weife mit dem Kopfe nach unten 
und mit den Hinterfüfsen an einem Afle feftgeklammert, fo dafs fie 
bei der Dunkelheit der dichten Belaubung nicht immer leicht zu 
fehen waren. Die Jagd hat alfo gewiffe Schwierigkeiten, umfomehr 
als die fliegenden Hunde ein fehr zähes Leben haben und ange- 
fchoffen meifl: in den Zweigen hängen bleiben. Zur Freude unferer 
Schwarzen wurde aber bald eine Anzahl erlegt, denn fliegende Hunde 
find bei diefen fehr beliebt und foUen auch, nach der Verficherung 



Vom Mitrafels bis Finfchhafen. 14^ 

englifcher Marineoffiziere, in der That fehr gut fchmecken. Da fich 
die Tiere nur von Vegetabilien, am liebften Brotfrucht und Bananen 
nähren, ift dies fehr erklärlich. Aber trotzdem konnte ich mich 
niemals entfchliefsen, das Fleifch zu koflen , weil die Tiere einen fo 
widerwärtigen iltisartigen Geruch haben, der felbft den präparierten 
Häuten noch anhaftet, durch Einlegen in Effig aber ganz verfchwin- 
den foll. Die Art ähnelt übrigens dem »Anganau« Neu-Britanniens 
(Pteropus melanopogon) am meiften und erreicht eine Flügelfpannung 
von mehr als 4\2 Fufs, ift alfo mit eins der gewaltigften Flugfäuge- 
tiere. 

Die Unterfuchung der Infein hatte übrigens keinen Ankerplatz 
ergeben, und einen folchen, oder beffer einen Hafen, zu finden, war 
unfere erfle Aufgabe. Freilich weift Moresbys Karte, deffen treffliche 
Aufnahmen damals die einzige Quelle für das Gebiet von Huon- 
Golf und der Nachbarfchaft bildeten, nicht einmal einen folchen auf. 
Aber deswegen brauchte die Suche noch nicht aufgegeben zu werden, 
denn Moresby konnte in diefem Teile nur oberflächliche, mehr flie- 
gende Aufnahmen machen und mufste manches überfehen. 

Es wurde befchloffen, zunächft bis zum Mitrafels längs der Küfte 
von Herkules-Bai zu gehen, die fleh fehr gebirgig zeigte. Neue, am 
vorhergehenden Tage nicht gefehene Gebirge traten hervor, von 
denen fich nach und nach drei Ketten unterfcheiden Hefsen, deren 
innerfte und höchfte an 6000 Fufs erreichen mochte, fich aber bald 
mit Wolken bedeckte. Schon in einer Entfernung von mehr als 
zehn Meilen von der Küfte hatte uns wiederholt trübgefärbtes, ganz 
wie Riff ausfehendes Waffer, zum Stoppen und Loten veranlafst, 
wobei fich indes zeigte, dafs dasfelbe nur von Süfswaffer herrühren 
konnte. Dafür fprachen auch die häufigen, in der Nacht übrigens 
nicht ungefährlichen, Treibholzftämme, welche fich mehrten, je mehr 
wir uns der Küfte näherten. Dafs alfo ein Flufs und zwar ein gröfserer 
irgendwo in der Nähe münden mufste, daran war kein Zweifel. 
Wirklich fanden wir ihn bald darauf ca. 5 Meilen Südoft von den 
Luard-Infeln , leider aber durch eine Barre gefperrt, über die es 
mächtig brandete. Als wir uns bei einer fpäteren Gelegenheit diefer 

Finfch, Samoafahrten. lO 



146 



Fünftes Kapitel. 



Flufsmündung bis auf eine halbe Seemeile näherten, liefs fich felbft 
hier noch kein Grund zum Ankern finden, fo dafs die Barre jeden- 
falls aufserordentlich fteil in die Tiefe abfällt. Die Breite des Fluffes 
mochte 100 bis 150 Schritt betragen; feine Ufer waren, wie die Ab- 
bildung zeigt, von dichtem Urwald eingerahmt, die Strömung fehr 
anfehnlich. Innerhalb der Barre fchien das Waffer ganz ruhig, aber 
durch Treibholzftämme unklar, fo dafs der Flufs wohl nur für Boote 
praktikabel fein dürfte. Er wurde Herkulesflufs genannt, nach der 



i^i 




Herkulesflufs. 

Bai, welche Kapitän Moresby nicht nach dem mythologifchen Helden, 
fondern nach Sir Herkules Robinfon, S. C. M. G., fo benannte. 

Am linken Ufer des Herkulesfluffes flanden ca. ein Dutzend 
Kokospalmen, die erflen welche wir, feit der einzigen auf der Infel 
der fliegenden Hunde, an diefer Küfle fahen. Das liefs auf Pvlenfchen 
fchliefsen, und wirklich zeigten fich bald Eingeborene, deren Zahl 
nach und nach Hundert und mehr betragen mochte. Sie liefen an- 



Vom Mitrafels bis Finfchhafen. \a'j 

fcheinend in grofser Aufregung hin und her, und es dauerte lange, 
ehe zwei Kanus abkamen mit ca. einem Dutzend beherzter Männer. 
Sie trugen fonderbaren Ausputz von Kafuarfedern , Ovulamufcheln, 
Arm- und Kniebänder, um den Leib Rotangftreifen , führten aber 
keinerlei Waffen mit fich. Leider waren fie fo furchtfam, dafs fie 
fich nicht bis an den Dampfer heranwagten, fondern plötzlich Reifs- 
aus nahmen und felbft die roten an Flafchen gebundenen Zeugftreifen, 
welche ich ihnen zuwerfen liefs, nicht beachteten. Dies fonderbare 
Benehmen hatte ficherlich nicht in früheren Befuchen von Arbeiter- 
fchififen feinen Grund, wie dies fonft meift der Fall ift, fondern die 
Leutchen mochten überhaupt noch kein Schiff und Weifse gefehen 
haben, da fie allem Anfchein nach nicht an der Küfle, fondern weiter 
im Inneren zu Haus gehörten. Dafür fprachen die Form der fchlechten 
Kanus und Paddel, die nur für Flufsfahrten tauglich fchienen, fowie 
die Armfeligkeit der fchuppenartigen Hütten am Ufer, die nur einem 
vorübergehenden Aufenthalt dienen mochten. Diefe Anficht wurde 
ziemlich zur Gewifsheit, als wir ein paar Tage fpäter den Platz wieder 
befuchten und zu unferem Erflaunen denfelben völlig verlaffen fan- 
den; nur unfere Stimmen machten den Urwald widerhallen! So 
entging mir leider die Bekanntfchaft diefer gewifs intereffanten Ein- 
geborenen; wiederum ein Beweis, dafs ein Reifender jede Gelegen- 
heit benutzen foU. Aber bei unferem erflen Befuche konnten wir 
uns aus Rückficht für die Weiterreife nicht lange auflialten und da- 
mals natürlich nicht vorausfehen, das Nefl: fpäter leer zu finden. 
Jedenfalls wohnen diefe Eingeborenen weiter aufwärts am Flufse und 
kommen nur gelegentlich der Fifcherei wegen bis ans Meer. In der 
That fanden wir die Küfle von Herkules-Bai bis zum Mitrafels total 
unbewohnt, felbft folche Lokalitäten wie Kriegsgefang-Huck (War- 
fong- Point; und Verräter -Bai (Traitors - Bay), wo der »Bafilisk« vor 
zehn Jahren noch zahlreich bevölkerte Dörfer angetroffen hatte. Die 
herausfordernde Haltung der Eingeborenen, welche Moresby damals 
zwang auf diefelben zu fchiefsen, war die Veranlafsung des odiöfen 
Namens, zu dem übrigens bemerkt fein mag, dafs niemand zu Schaden 
kam, und dafs ein einziger Schufs die Krieger in wilde Flucht jagte. 



IaS Fünftes Kapitel. 

Wie ein zweiter Befuch diefes Gebietes lehrte, ift die von Moresby 
befchriebene Verräter -Bai, in welcher der Bafilisk ein paar Tage 
verweilte, um Feuerholz zu fchlagen, wohl nicht identifch mit der 
grofsen, gleichnamigen der Karten, fondern nur eine fanfte Buchtung 
wenige Meilen weftlich vom Clydeflufs. Sie verdient einen eigenen 
Namen und mag als »Bafilisk- Bucht« unterfchieden werden. Die 
füdöflliche flache Huk ift Ambush -Point von Moresby und 5^2 
Meilen W. bei N. von Kap Ward -Hunt. Wir lagen hier im April 
des folgenden Jahres (1885) mit der Samoa zu Anker, an einer Stelle, 
die ganz mit Moresbys Befchreibung übereinflimmt. Ich machte 
von hier eine Bootexkurfion, die ich gleich an diefer Stelle mit ein- 
fügen will. Wie der Clyde öftlich von Bafilisk-Bucht, fo mündet ein 
ähnlicher durch eine Barre verfperrter Flufs weftlich von derfelben, 
den ich »Bleichröder« benannte. Beide Flüffe fmd übrigens mög- 
licherweife nur Arme eines weit gröfseren, in der eigentlichen Ver- 
räter-Bai mündenden Fluffes, den ich »Spree« benannte, denn diefes 
ganze Mündungsgebiet fcheint ein Delta zu fein. Das niedrige Land 
hat ein fumpfiges Anfehen und ift vegetativ durch vorherrfchende 
Beftände von Kafuarinen ausgezeichnet, welche meift den unmittel- 
baren Uferfaum bilden. Diefer durch feine fchwarzgrüne Belaubung 
am meiften an Nadelholz, zumal an unfere Lärchen, erinnernde Baum, 
wird für diefes Gebiet befonders charakteriftifch und fcheint in fum- 
pfigem Terrain heimifch. Die Bäume felbft flanden übrigens keines- 
wegs dicht, waren nicht fehr hoch und hatten ein kränkliches Aus- 
feilen, wahrfcheinlich infolge der Lianen, welche die meiften Bäume 
bedeckten und fie nach und nach töten. Je tiefer wir in die Bai 
hineinkamen, die an fünf Meilen breit fein mag, um fo grofsartiger 
geftaltete fich das Vegetations- und Landfchaftsbild. Eine breite 
Barre, auf der mächtige Treibholzftämme die Untiefen, gleich Schifif- 
fahrtszeichen, markierten, verfperrte den gröfsten Teil des Mündungs- 
gebietes und liefs nur einzelne für Boote paffierbare Kanäle frei. 
Wir gingen den öftlichften, hart am rechten Flufsufer laufenden hin- 
auf, der für fich felbft einem kleinen Flufs glich und wenigftens im 
Anfange eine beträchtlich ftarke Strömuncr zeie^te. Gewaltige Laub- 



Vom Mitrafels bis Finschhafen. 14g 

bäume, die oft fo dicht mit grofsblättrigen Schlingpflanzen bedeckt 
waren, dafs fie förmliche Waldkuliffen darftellten, untermifcht mit einer 
nicht fehr hohen fchlankftämmigen Palme, einer Cycasart ähnlich. 
bildeten den Hauptteil der üppigen Urwaldsvegetation. Selbftver- 
ftändlich fehlte es nicht an der im Waffer wachfenden Xipapalme, 
die mit ihren gewaltigen Wedeln und koloffalen Früchten fich oft 
zu grofsen, boskettartigen, grotesken Gruppen vereinte, während an- 
fcheinend grüne Wiefenuferfäume oder Infein fich bei näherer 
Unterfuchung als eine acht bis zehn Fufs hohe, das Waffer ca. zwei 
Fufs überragende, Grasart erwiefen. Der zwifchen 30 bis 50 Fufs 
breite Flufsarm breitete fich zuweilen zu weiten, teichartigen Waffer- 
becken aus, in welche verfchiedene Kanäle mündeten, und es war bei 
der allmählichen Strömungsabnahme nicht leicht in der Hauptader 
zu bleiben. Der Gedanke, in vorher nie betretene Gebiete einzu- 
dringen, erzeugt felbft bei Erfahrenen ein feltfames, prickelndes Ge- 
fühl, das fich beim Befahren eines neuen Fluffes noch bedeutend 
erhöht. 

Bei jeder Biegung hofft man auf etwas Neues, erfchaut aber 
fafl: ausnahmslos diefelbe Einförmigkeit, denn beinahe alle folche, 
durch urwaldbedeckte Ebenen, fliefsenden Wäffer zeigen denfelben 
Charakter. Wie fehr fehlen nicht gerade diefes Flufsgebiet zum 
Aufenthalt von Krokodilen geeignet; aber auch hier blieb mein fehn- 
lichfter Jäger^vunfch, ein folches Ungetüm zu erlegen, unerfüllt. 
Lautlos glitt unfer Boot über den Wafferfpiegel, auf dem fich nicht 
einmal Reiher, Purpurhühner oder anderes hier zu erwartendes Ge- 
flügel zeigte. Wie gewöhnhch blieb es bei Papageien, Tauben, Glanz- 
ftaren und Raben, welche den Ufenvald, übrigens auch unerreich- 
bar für unfere Gewehre, belebten, mich aber nicht reizten, denn 
alles waren bekannte Arten. Auf Paradiesvögel darf man im Flach- 
land kaum rechnen, da fie den Bergen angehören. Weiterhin 
fchienen folche das Delta zu begrenzen, und hier wohnen jedenfalls 
auch die Menfchen, von welchen wir am Flufs auch nicht eine Spur 
bemerkten, denn mit dem Glafe fah man an den Bergen deutlich 
Kokospalmen, und wo diefe, find auch Menfchen. 



I CQ Fünftes Kapitel. 

Leider konnten wir nicht bis zu ihnen vordringen und mufsten 
uns mit diefer flüchtigen Rekognoscierung begnügen, zu der in aus- 
gedehnterer Weife eine Damptbarkaffe nöthig gewefen wäre. Jeden- 
falls ifl: diefer Flufs, von dem wir nur einen unbedeutenden Nebenarm 
kennen lernten, recht anfehnlich. Eine genauere Erforfchung des- 
felben dürfte fich fehr nützlich erweifen und vielleicht für kleine 
Fahrzeuge eine Waffe rftrafse ergeben. 

Als wir mit Einbruch der Dunkelheit an Bord zurückkehrten, 
bereiteten uns abermals fliegende Hunde, aber einer anderen Art 
als der auf der Infel gefehenen angehörend, ein feltenes Schaufpiel, 
das namentlich für den Zoologen intereffant und neu war. In grofser 
Anzahl umfchwärmten fie das Schiff und fchoffen zuweilen aus der 
Luft bis zur Wafferfläche herab, wie Seefchwalben die nach Fifchen 
ftofsen. Fliegende Hunde (Pteropen), welche fifchen? Davon ift wohl 
noch nie berichtet worden, und ich will die Gewähr dafür auch nicht 
übernehmen. Denn jedenfalls hatte das auffallende Gebaren der 
Tiere nichts mit Fifchen zu thun. Es gelang uns leider nicht ein 
Exemplar zu erbeuten, um durch Unterfuchung des Magens die 
Sache aufzuklären. Vermutlich nippten die Tiere nur Seewaffer, um 
zu trinken. 

Doch kehren wir wieder zu unferer Reife auf die Samoa zurück, 
welche fich dem füdöftlichen Endziele, dem Mitrafels nähert. Er 
ähnelt von weitem einem Pfeiler und befleht aus einem ifoliert aus 
dem Meere auffleigenden, etwa 40 — 50 Fufs hohen, kegelförmigen 
Felfen, der auf dem Scheitel mit grünem Bufchwerk bewachfen 
ifl. Riff verbindet ihn mit der etwa eine Meile entfernten Küfle, 
dem Kap Ward-Hunt*) Moresbys. Es wird von einem etliche hun- 
dert Fufs hohen Bergrücken gebildet, der fleil bis zum Meere abfällt, 
und deffen dichte Bewaldung fich durch den Mangel von Kafuarinen 
auszeichnet. Sehr nahe der Küfle fleht ein zweiter, weit niedriger Felfen- 
pfeiler, gleichfam als Wächter des grofsen. Es giebt wohl kaum einen 



*) Identifch mit „Richie-Isl." von d'Entrecasteaux, welches diefer Seefahrer 1793 
für eine Infel hielt. 



Vom Mitrafels bis Finfchhafen. 



151 



fo charakteriftifchen, leicht zu erkennenden Punkt als Mitrafels, der wie 
eine natürliche Bake weithin fichtbar ift. Die Kommiffion, welche 
fpäter die deutfch-englifchen Grenzen feftflellte, hätte keinen beffern 
Markflein wählen können, deffen Wichtigkeit als folcher mir fchon bei 
diefem erften Befuche klar war. Mitrafels bezeichnet übrigens mit ziem- 
licher Genauigkeit den 8. Grad füdlicher Breite, ift alfo auch deswegen 
intereffant. Was wir weftlich vom Grenzfelfen fahen erfchien nicht 
fehr verlockend, foweit das Auge reicht fteil abfallende, bewaldete 
Bergketten, und wie wir fpäter fehen werden, hat Deutfchland jeden- 
falls den befferen Teil erwählt. Das Deltagebiet zwifchen Clyde und 




Mitrafels au- 



Spree fcheint gutes Land, aber ziemlich fumpfig zu fein, obwohl 
fich darüber nach einem flüchtigen Befuche nicht entfernt entfcheiden 
läfst. 

Ich landete diesmal in der Nähe von Alligator-Point Moresbys, 
an einer Stelle, wo anfcheinend verlaffene Hütten die Neugier be- 
fonders rege machten; vielleicht konnten wir dennoch Eingeborene 
hier antreffen! Heftige Dünung erfchwerte das Landen und nötigte 
das Boot wieder vom. Ufer abzuhalten, welches wir nur zu zweien, von 
einem fchwarzen Jungen begleitet, durchflreiften. Ängfllich prüfte 



j e2 Fünftes Kapitel. 

das fcharle Auge des letzteren den fchwarzen Uferfand nach 
Menfchenfpuren, aber nirgend zeigte fich ein Fufstritt, und nur Ei- 
dechfen und Krabben hatten ihre bekannten Schlängelfpuren zurück- 
gelaffen. Die etwa neun Hütten ähnelten in der Form ganz den am 
Herkulesflufse gefehenen und waren nichts als rohe, mit Blättern der 
Nipapalme bedeckte Stangengerüfte, lO bis 30 Fufs lang und etwa 
mannshoch. Niedrige Bänke aus gefpaltenen Stangen deuteten an, 
dafs diefe Hütten als Schlafftätten benutzt worden waren; fonft fand 
fich nichts bei denfelben als ein paar verkohlte Holzftücke und 
Fetzen alter Kokosnufsfafer. Da diefe Palme felbfl an diefer ganzen 
Küfte nicht vorkommt, fo fprachen diefe Refte nur zu deutlich von 
gelegentlichen Befuchen der Inlandsbewohner, wie ich dies fchon 
im Vorhergehenden erwähnte. Aber wo mochten die Menfchen, 
welche Moresby vor 10 Jahren noch fo zahlreich hier antraf, hinge- 
kommen fein, und von deren Dörfern wir felbfl: keine Spur mehr 
entdeckten: Schon das Fehlen von Kokospalmen fchien diefe Frage 
zu beantworten, noch mehr der Charakter des uns vorliegenden 
Landes, das eben nicht fehr verfprechend ausfah. Das was uns von 
weitem als Gras erfchien, er^vies fich als dichtes, auf dem Sande 
hinkriechendes Windengeranke, der Uferwaldfaum als fehr fchmal, 
und hinter ihm dehnte fich fumpfiges, reichlich mit Nipapalmen und 
anderen Bäumen beftandenes Land aus, das zu betreten durchaus 
nutzlos gewefen w^äre. 

Wiederum hatten wir auf unferer Reife nordweflwärts impofante 
Gebirgsbilder, mit grellen Tinten in Schwarz, Violettfchwarz, Dunkel- 
blau und zartem Grün vor uns, ja eine frühe Morgenftunde zeigte 
uns einmal in der Gegend von Traitors-Bay, fern, fern in Südweft 
ein Hochgebirge, das wohl kein anderes als die Owen-Stanleykette 
fein konnte. Trotz der Entfernung von etlichen 60 Meilen in der 
Luftlinie fcheint bei der bedeutenden Höhe von über 13000 Fufs 
eine folche Annahme wohl möglich. Ich kannte zwar den Owen- 
Stanley von der Südoftküfte her fehr gut, aber wer vermöchte aus 
fo grofser Entfernung ein Gebirge wiederzuerkennen? 

\\'ir hatten die Luard-Infeln wieder erreicht und verfuchten es 



Vom iMitrafels bis Finfchhafen. 



153 



nochmals wenigflens einen Ankerplatz zu finden, und wurden dies- 
mal durch die Entdeckung eines hübfchen Hafens belohnt, (18. No- 
vember 1884). Er bildet ein geräumiges, länglich rundes Becken 
mit gutem Ankergrund von 10 bis 20 Faden Tiefe, das rings von fteilen 
bewaldeten Bergen umfchloffen wird. Unter diefen zeichnet fich, 
wie die Skizze unten zeigt, befonders eine ca. lOOO bis 1200 Fufs 
hohe, pyramidenförmige Kuppe aus. welche W. S. W. die Einfahrt 
giebt. Ich benannte fie »Ottilienberg« nach Frau von, den Hafen felbft 



^.f^x 




Adolphshafen mit Ottilienberg. 
»Adolphshafen«, nach Herrn von Hanfemann in Berlin, der be- 
kanntlich die Samoa-Expedition ins Leben rief. Nach den Ortsbe- 
ftimmungen Sechstrohs liegt Adolphshafen unter 7^ 44' Süd und 147^ 
44' Oft. Wie fich fchon die Einfahrt durch fchmutzig gefärbtes 
Süfswaffer auszeichnet, fo der Hafen felbft, eine Eigentümlich- 
keit, die zur Reinigung eiferner Schifte wichtig werden kann. Im 
übrigen ift die Umgebung des Hafens für Anfiedelung wenig ver- 
fprechend. Das Vorland des weftlichen Ufers erwies fich als 



j CA Fünftes Kapitel. 

fumpfiges, mit Pandanus, Kasuarien, Ried und Binfen beftandenes 
Terrain, die zum Teil ftagnierende Mündung eines Fluffes, deffen 
Hauptarm nördlich von einer Landzunge herauszukommen fehlen. 
Auf der letzteren zeigten fich plötzlich etliche Eingeborene, von denen 
wir im Hafen felbft keine andere Spur als ein paar verfallene Gerüfte 
gefunden hatten. Es waren Heben, anfcheinend total nackte Männer, 
die gewaltige Schilde und Speere mit fich führten, uns aber durch 
Winken mit grünen Zweigen ans Land einluden. Das ging nun 
leider nicht, da um die Spitze der Landzunge eine gewaltige Strömung 
fchofs und der einbrechende Abend uns zur Rückkehr an Bord 
nötigte, wo wir noch eben vor Eintritt der Dunkelheit eintrafen. 
Auf diefe Weife profitierten leider die Entdecker des neuen Hafens 
felbft nicht einmal die Nachtruhe in demfelben, fondern mufsten 
wie gewöhnlich von der Küfte abhalten, um fich recht gründlich 
durchfchütteln und durchrütteln zu laffen, Eigenfchaften, welche die 
kleine Samoa in fchadenfroher Weife gerade diefe Nacht mehr als 
je zum Ausdruck brachte. 

Mit den Luard-Infeln beginnt jene tiefeinfchneidende weflliche 
Einbuchtung der Küfte, welche 1793 von d'Entrecafteaux, nach feinem 
berühmten Landsmann Huon Kermadec, »Huon-Golf« benannt wurde, 
in welcher aber erft Moresby einige Punkte beflimmte und benannte. 
Er hielt fich hauptfächlich drei Tage lang in einer von ihm »Death- 
Adder-Bay«*) benannten Bucht (7^ 29 S.', 147^ 25' O.) auf, um Feuer- 
holz zu fchlagen, und fchlofs damit feine unvergleichlich wichtigen, für 
Neu-Guinea epochemachenden Küftenaufnahmen. Wir konnten den- 
felben kaum etwas hinzufügen, denn böiges Wetter und trübgrün 
gefärbtes Waffer liefs es Steuermann Sechstroh rätlich erfcheinen, 
aufserhalb jener Reihe von Infelgruppen zu halten, welche fich von 
den Luard-Infeln bis Solitary-Island, in einem Abftande von drei bis 
fechs Meilen, über 40 Meilen parallel mit der Küfte hinziehen. Sie find 
alle klein, hügelig, dichtbewaldet, manche nur mit Bufchwerk be- 
grünte Felfen, und fcheinen alle unbewohnt. Nur bei Saddel-Island 
(»Longuerue« von d'Entrecafteaux), der gröfsten diefer Infein, zwei ein 

*) ,,Deaf-Adder-Ray" auf der englifchen Admiralitätskarte. 



Vom Mitrafels bis Finfchhafen. 



halb Meilen lang und ca. 700 Fufs hoch, verfuchten uns vergeblich ein 
paar Segelkanus einzuholen, und auf Solitary-Island bemerkte ich 
Kokospalmen, fo dafs vermutlich hier Menfchen wohnen. Soweit 
wir die Küfte zu fehen bekamen, befteht diefelbe aus fteilabfallen- 
den, dichtbewaldeten Bergen mit wenig Vorland, hie und da fcheinen 
Buchten*) einzufchneiden. Wie gern hätte ich diefelben unterfucht! 
Aber Steuermann Sechstroh, auf dem die Verantwortung der Schififs- 
führung doppelt laflete, wollte von 
dem Infellabyrinth um fo weniger 
etwas wiffen, als fich nicht feiten 
Brandung zeigte. Und unter un- 
feren Verhältniffen war Vorficht 
jedenfalls belonders geboten. Mit 
Solitary-Island hatten wir uns der 
Küfle wieder genähert und bald 
Rawlins-Point von Moresby vor uns, 
wo eine fchöne Bucht einfchneidet, 
die ich Ki-Bucht benannte. Die- 
felbe wird nördlich von einer 
langgeftreckten , bergigen, bewal- 
deten Infel begrenzt, die, wie wir 
fpäter bemerkten, aber durch einen 
fchmalen, dichtbewaldeten Streifen 
niedrigen Landes mit der Küfle 
zufammenhängt und fomit eine 

Landzunge bildet. Es ift Parsi-Point, von Moresby nach der eigen- 
tümlichen Kopfbedeckung der hiefigen Eingeborenen benannt, welche 
an die hohen jMützen der Parfis oder Feueranbeter erinnert, und 
welche die Abbildung veranfchaulicht. 

Schon von weitem hatten wir an den Bergen Kulturflecke, d. h. 
Stellen urbar gemachten Landes, am Ufer endlich wieder einmal 




Mann von Parfi-Point. 



*) Die trefflichen Unterfuchungen des Freiherrn von Schleinitz haben in der That 
eine Menge guter Buchten und Häfen nachgewiefen Vergl. „Nachrichten über Kaifer 
Wilhelms-Land' I. Heft 1887 nebfl „Kartenfkizze von Huon-Golf". 



j [-5 Fünftes Kapitel. 

Kokospalmen bemerkt, und bald umringten uns die Eingeborenen 
felbft in zahlreichen, zum Teil mit Segeln verfehenen, Kanus (Atlas 
VIII 6). Es waren nicht lehr dunkle Leute, von weniger negerartigem 
Typus als z. B. Neu-Britannier oder Salomons-Infulaner, die fich fehr 
manierlich betrugen, aber fchon wegen ihrer geringen Bekleidung 
(vergl. Atlas XVI 4, 5) keinen guten Eindruck machten. Sie kamen 
fmgend und handelten fmgend, wahrfcheinlich um fich Mut zu machen, 
denn viele zitterten vor Angfl:. Freilich mochten wohl die wenigften 
je einen Weifsen gefehen haben, denn keiner verftand nur ein Wort 
Englifch oder befafs irgend etwas von europäifchem Tande. Aber 
Eifen fchienen fie zu kennen, und als ich Hobeleifen zum Vorfchein 
brachte, da erfchallte einftimmiges Freudengefchrei , und »Ki, ki« 
(Eifen) war die Lofung. Für die geringfte Kleinigkeit verlangte man 
jetzt nur Eifen. Die braven fogenannten )AVilden« fmd in der Regel 
fehr praktifch und im Handel nicht minder gewandt; auch bei ihnen 
gilt das Prinzip viel für wenig zu erhalten. 

Die Parfen hatten übrigens allerlei hübfche Sächelchen, darunter 
oben anflehend breite Armbänder von Schildpatt mit zierlich ein- 
gravierten, fehr eleganten Muflern, wie ich diefelben fchon (S. 90) von 
Aflrolabe-Bai erwähnte, hübfche mit Mufcheln befetzte Armbänder, 
Bruflfchmucke von Flechtwerk, zum Teil reich mit Hundezähnen ver- 
ziert, und eigentümliche Schildpattohrringe (Atlas XVII. 5, 6). Von 
befonderer Kunftfertigkeit zeugten auch die in bunten Muftern filet- 
geftrickten Tragbeutel (vergl. Atlas X. 3), wie Holzfchnitzerei bei 
ihnen auf einer hohen Stufe fleht. So z. B. die Verzierungen an 
den flattlichen, feetüchtigen Kanus, deren Seitenborde zuweilen bunt- 
bemalt waren (Atlas VII. 9), Die feingefchnitzten »Kopfkiffen«, 
welche Ireilich wenig mit den unferen zu thun haben, verdienen eben- 
falls befondere Beachtung. Sie beftehen nämlich nur aus einem fo- 
liden Stück Holz, das beim Schlafen als Stütze dient (vergl. Atlas 
III, i), und fich in ähnlicher Weife bei vielen Völkern, z. B. auch 
in Afrika und China wiederfindet. Wie die zahlreichen, fehr gut ge- 
arbeiteten Fifchhaken, die übrigens ganz mit folchen von Aflrolabe- 
Bai übereinftimmen, und Netze zeigten, fcheinen diefe Eingeborenen 



Vom Mitrafels bis Finfchhafen. 



15 



tüchtige Fifcher zu fein. Sie brachten aber auch etwas grünen Blätter- 
tabak, Bananen, wenige Kokosnüffe und boten mir als Freundfchafts- 
zeichen einen Hund an, den ich aber dankend ablehnte. Ich kannte 
die nächtlichen Heulkonzerte diefer lieben Tiere eben zur Genüge, 
um die ohnehin knapp bemeffene Nachtruhe nicht noch durch einen 
folchen Störenfried fchmälern zu laffen. Und bei allem Verlangen 
nach frifchem Fleifch konnte mich doch Hundebraten, zu welchem 
Zweck das Gefchenk beftimmt war, nicht reizen. — Merkwürdiger- 
weife führten die Leute keinerlei Waffen mit fich. 

Übrigens trugen nur die wenigften die fonderbaren Parfenmützen 
aus Tapa 'gefchlage- 
nemBaumbaft , fondern 
die meiften das Haar 
unbedeckt , in allen 
möglichen Stadien der 
Entvvickelung,von ganz 
kurz gefchorenem, bis 
zu dem gewaltigen 
Zottellockenkopfe 
meiner Skizze. Der- 
artiges Haar hatte ich 
noch nie bei Papuas 
gefehenl Es hing in 
18 Zoll langen, blci- 
ftiftdicken , dichtver- 
filzten Strähnen, wie 
ungezupftes Rofshaar, bis zur Bruflmitte herab, und die wenigen 
Träger folcher Haarmaffen fchienen grofse Leute, Häuptlinge, zu 
fein, wie ich dies noch öfters in Neu -Guinea bemerkte. Was war 
erklärlicher als der Wunfeh ein paar diefer Locken des hehren 
Hauptes zu befitzen! Der Eigentümer hatte meine Pantomime rich- 
tig begriffen und trennte, noch ehe ich ihm eine Schere reichen 
konnte, mit eigener Hand einige feiner Staatslocken mit einem Stein- 
beil ab, das ich fogleich dazu kaufte. Im Mufeum für Völkerkunde 




Häuptlings-Haar. 



j ir3 Fünftes Kapitel. 

ZU Berlin find diefe Schätze jetzt zu fehen, für folche, die fich etwa 
dafür intereffieren foUten. 

Wie die Ki-Bucht*) füdlich, fo begrenzt die Ungime-Bucht 
nördlich die Parsi-Landzunge; aber wir konnten von beiden nur Ein- 
blicke gewinnen, denn zu einer Unterfuchung fehlte uns die Zeit, und 
es drängte uns vor allen den Nordrand von Huon-Golf zu erreichen. 
Und daran war Moresby fchuld, welcher diefe Gegend, allerdings 
nur mit wenigen Worten, als gut bevölkert, reich an Palmen und 
Wafferläufen befchreibt. Wir fanden von all dem fo gut wie nichts 
und unfere Erwartungen gar fehr enttäufcht. Der Charakter der 
Küfte bleibt fich im grofsen und ganzen gleich: Berge und Ge- 
birge, von der Sohle bis zum Gipfel dichtbewaldet, wie das Vorland, 
welches durch Zurücktreten der Berge zuweilen fich anfehnlich weit 
ausbreitet. In diefem Vorlande oder der Thalfohle bemerkt man 
gewöhnlich auch einen oder mehrere Flufsläufe; es fehlt alfo nicht 
an Waffer. Allein alle diefe Flüffe fcheinen reifsende Gebirgswäffer, 
und ihre Mündung ifl meift durch Barren oder andere Hinderniffe 
verfperrt. So wurde eine Meile von der Mündung des von Moresby 
»Markhama benannten Fluffes viereinhalb bis fünf Faden Tiefe ge- 
funden, wogegen an anderen Stellen der Dampfer oft fo nahe dem 
Ufer ging, dafs man faft Zweige von den Bäumen pflücken konnte, 
ohne dafs Ankergrund zu finden war. Das Rawlinfon-Gebirge**) am 
Nordrande des Golfes ift übrigens wenig höher als die »Kuper-Kette« 
längs dem weftlichen Ufer und mag zwifchen 3000 bis 4000 Fufs 
anfteigen. W^ir fahen die Kammlinie übrigens, felbfl beim hellften 
Sonnenfchein, nur feiten frei, dann aber drei hintereinander liegende 
Gebirgszüge, alle dichtbewaldet, wie dies faft ausnahmslos bei den 
Gebirgen der Fall ift. Das eintönige, dunkle Grün ermüdet durch 
feine Einförmigkeit fehr bald, denn vergebens forfcht das Auge 



*) Seitdem vom Freiherru von Schleinitz befucht und „Bayern-Bucht", die fol- 
gende „Samoahafen" benannt. 

**) Es ift wohl nur ein Druckfehler, wenn Moresby im Text zu feinem Reifewerke 
(S. 284) die Höhe zu ,,9000 Fufs" angiebt. 



Vom Mitrafels bis Finfchhafen. 



159 



nach grotesken und malerifchen Felspartien, fteilen Schrunden und 
Schluchten und dergleichen Abwechfelung. 

Wenn das Vorherrfchen von Wäldern übrigens Kultivationen in 
Huon-Golf zu erfchvveren fcheint, fo dürfte möglicherweife diefe 
Fülle an Holz zu verwerten fein und, fofern dasfelbe Brauchbares 
liefert, fich vielleicht die vorhandenen Wafferkräfte zur Anlage von 
Sägemühlen gut verwenden laffen. 

Was die Bevölkerung anbelangt, fo ift diefelbe, wie wir gefehen 
haben, eine fehr geringe und Parsi-Landzunge fcheint das Haupt- 
centrum nicht nur für Huon-Golf, fondern bis Mitrafels, innerhalb 
eines Küftengebietes von ca. 150 Meilen. Möglicherweife ift aber 
das Inland bevölkert. Abgefehen von einzelnen Hütten, mehrten 
fich die Anzeichen des Vorhandenfeins von Eingeborenen, erft als 
wir uns im öftlichen Ende des Nordrandes von Huon-Golf, Falfe- 
Island, näherten. Hie und da zeigten fich kleine Gruppen, meift kränk- 
lich ausfehender, Kokospalmen, zuweilen Häufer unter denfelben, an 
den fleilen Berghängen eingezäunte Plantagen. An einer Stelle 
kamen auch eine Menge Kanus mit Eingeborenen ab, die im Aus- 
fehen und allem was fie befafsen, ganz mit den geflern bei Parfi-Land- 
zunge gefehenen übereinflimmten. Wie diefe boten fie vorzugsweis 
gut gearbeitete Fifchhaken (ganz mit denen auf Tafel IX des Atlas 
übereinflimmend) zum Kauf an, fprachen aber eine ganz andere 
Sprache, in welcher das Wort »Kas« wie in Port Konflantin Tabak 
bezeichnete. Ein Mann trug drei Ringe kleiner grüner kryflallfar- 
bener Glasperlen in der Nafe, das Erfle was ich auf diefer ganzen 
Reife an europäifchen Erzeugniffen bemerkte. 

Die Oftfpitze von Huon-Golf bildet das von d'Entrecafteaux be- 
nannte »Kap Cretin«, ein fchwierig auszumachender Punkt, indem 
gerade hier einige kleine, dichtbewaldete Infein hart an der Küfle 
liegen, von denen wahrfcheinlich die füdlichfle das bewufste Kap ift. 
Aber die Beftimmungen der älteren Seefahrer find meift fehr ober- 
flächlich und unzuverläffig. 

Mit Kap Cretin erhält die Landfchaft übrigens wie mit einem 
Schlage ein anderes Anfehen. Statt der höheren, dichtbewaldeten 



l5o Fünftes Kapitel. 

Gebirge in Huon-Golf begrenzen hier niedrige, nur etliche hundert 
Fufs hohe Hügelreihen das Ufer, auf denen hellgrüne Hänge und 
Matten mit gröfseren und kleineren, dunkelgrünen Wäldern, Hainen 
und Baumpartien in der mannigfachften Weife abwechfeln. In der 
That eine gar liebliche und verfprechende Gegend, wie wir fie bis- 
her in Neu-Guinea nicht erfchauten. Sie macht ganz den Eindruck 
eines verAvilderten Parkes, und es fehlen nur Villen, geebnete Wege 
und Viehherden, um fich an die Ufer eines heimifchen Sees verfetzt 
zu fühlen, denn der Charakter der Vegetation hat gar nichts Tro- 
pifches. Nur hie und da fieht man eine kleine Gruppe Kokospalmen 
am Ufer, aber keine Niederlaffungen dabei. Dagegen zeigen die 
zahlreichen und oft ausgedehnten Pflanzungen in den Bergen, dafs 
die Gegend ziemlich gut bevölkert fein mufs, wenn fich auch nur 
feiten ein Haus erkennen läfst. Intereffant war es mir, auch hier 
Baumhäufer, in der Art der Kohoros an der Südoftküfle, wahrzu- 
nehmen. Die Dörfer mögen eben verfteckt in den Schluchten und 
Buchtungen liegen und fmd von See aus nicht fichtbar. Dagegen er- 
kennt man deutlich fchon die Anfänge jener Terraffenbildung, welche 
weftlich von Feftungshuk fo prägnant hervortritt, und die ich bereits 
eingehend befchrieb. Auch das zum Teil fteile Felsufer zeigt un- 
verkennbar die korallinifche Bildung, welche ich in Huon-Golf nirgends 
beobachtete, wo überhaupt ganz andere geologifche Verhältniffe zu 
herrfchen fcheinen. 

Gleichwie in einem Zaubermährchen eine neckifche Fee die ver- 
heifsene Prinzeffm erft nach vielen Prüfungen erringen läfst, fo erging 
es uns an diefer Küfte bezüglich eines Hafens oder Ankerplatzes 
überhaupt. Denn wir alle fehnten uns nach wenigftens einer ruhigen 
Nacht, die wir nach anflrengender Tagesarbeit wohl bedurften. So 
an dreizehn Stunden, oft länger, auf Deck zu ftehen , unausgefetzt 
durchs Fernrohr zu fehen, Notizen zu machen, und diefe dann noch 
ins Reine zu fchreiben, ift eben kein Kinderfpiel. Und das Sprich- 
wort »nach gethaner Arbeit ifl: gut ruhen« war der kleinen »Samoa« 
durchaus unbekannt, die ohnehin aufgeregt und nervös, fich von der 
leifeften Dünune zum wilderten Tanze verleiten liefs. Sie rollte 



Vom Mitrafels bis Finfchhafen. 



i6i 



und fchlingerte eben ganz fürchterlich, zumal wenn abends Dampf 
abgeblafen und die Schraube aufser Thätigkeit gefetzt worden war. 
Kein Wunder, dafs felbft dem Seemann diefe kontinuierliche Nacht- 
fchunkelei zuviel wurde, denn die »Samoa« machte es wirklich oft 
zu arg. Und dann wollten wir doch auch gern den Kriegsfchififen 
einen guten Hafen anbieten, da Adolphshafen zu weit ablag und uns 
überhaupt nicht genügend erfchien. Wir hatten daher unfere ganze 
Hoffnung gerade auf diefe Küfte gefetzt, die allerdings fehr wenig 
ausfichtsvoll fehlen. Hinter False-Island geht zwar eine Bucht hinein, 



.ji^^imi^, 





Finfchhafen aus Süd. 

aber fie ifl: zu klein und die Unterfuchung der weit verfprechenderen 
Infein von Kap Cretin* konnte nicht ausgeführt werden, denn ent- 
weder fiel gerade eine Bö ein oder wir vermochten diefelben überhaupt 
nicht zu erreichen. Und daran war der Nordweflflrom fchuld, welcher 
fich gerade an diefer Küfte, namentlich bei Feftungshuk, in einer 
Stärke von zwei bis drei Meilen die Stunde fo fehr bemerkbar macht. 



*) Hier find fpäter vom Freiherrn von Schleinitz zwei Häfen (Dreger- und Schneider- 
Hafen) entdeckt worden. « 

Finfch, Samoafahrten. II 



102 Fünftes Kapitel. 

Er verfetzte uns in der einen Nacht bis hinter Feftungshuk, in der 
folgenden gar bis in die Nähe der Lovv-Islands bei Rook, 30 Meilen 
zu Nord von dem Punkte, an welchem wir bei Anbruch des Tages 
zu fein hofften. Da hatten wir freilich ein unvergleichlich prächtiges 
Panorama der Küfte mit dem Terraffenlande vor uns, aber es* dauerte 
immer lange, ehe diefelbe wieder erreicht wurde. So gelangten wir 
erft am vierten Tage an eine beftimmte Stelle, etwas Nord von 
Kap Cretin, wo fich eine Öffnung, oder wie der Seemann fagt, ein 
»Loch«, in der Küfte zeigte, welche der Unterfuchung wert fehlen. 
Ich hatte es fchon bemerkt und fkizziert, als wir diefe Küfle zum 
erflenmale paffierten, aber nicht gedacht, dafs es die Einfahrt zu 
einem fpäter bekannten Hafen (vergl. Abbild. S. 161) fein würde. 

Infolge der Enttäufchungen der letzten Tage war mein Zutrauen 
freilich gering, als ich mit Oberfleuermann Sechstroh ins Boot flieg, 
aber kaum waren wir etwas tiefer in die weite fackartige Bucht 
gekommen, da tönte es häufiger hin und wieder: »Sieh! nicht übel! — 
tein Fam! — ganz famos! nich? — twalf Fam! — wer hätte das 
gedacht? — feftein Fam!« u. f w. Vor uns lag eine Landzunge mit 
einem Haufe ganz wie dies meine Skizze zeigt, wie wir fpäter er- 
fuhren Moru genannt, wo wir zunächft landeten. Aber die Einge- 
borenen, mit denen ich noch kurz zuvor in See gehandelt hatte, 
waren uns in ihren Kanus vorausgeeilt, nicht uns feftlich zu empfan- 
gen, fondern um fchleunigft auszureifsen. Das mufste in gar grofser 
Eile gefchehen fein, denn hier fland noch ein Topf mit Effen auf 
dem Feuer, dort quiekte ein Ferkelchen oder knurrte ein junger 
Hund , da felbfl diefe erkorenen Lieblinge der Damen in der Eile 
vergeffen worden waren. Wir fanden noch ein paar Häufer im 
Dickicht der Halbinfel, aber alles Rufen und Schreien nach ihren In- 
faffen blieb erfolglos. Sie hatten fich rückwärts konzentriert, und zwar 
zu Waffer; denn hinter der Halbinfel fetzte fich das äufsere Hafenbaffin 
in ein zweites fchmäleres fort. So begnügte ich mich damit hie und 
da bei den Häufern kleine Gefchenke niederzulegen, nicht wie es fonft 
fo häufig von fammelnden Forfchern gefchieht, als Entgelt für mit- 
genommene Ethnologica, fondern nur, um den Leutchen unfere guten 



Vom Mitrafels bis Finfchhafen. 



163 



Abfichten zu zeigen. Und dafür mufsten auch die roten Bändchen 
fprechen , mit denen ich verfchiedene der kleinen Borftentiere ge- 
fchmückt hatte, was die gute Wirkung nicht verfehlte. »Wer unfere 
Schweinchen liebt, liebt uns« mochten die Papuas denken; und fo 




Finfchhafen. 



war gleich von Anfang an das befle Einvernehmen hergeftellt. Für 
jetzt hatten wir keine Zeit uns mit den neuen Freunden abzugeben, 
denn wir mufsten wieder hinaus, um die »Samoa« zu holen, die noch 



l^A Fünftes Kapitel. 

an demfelben Abend (Sonntag den 23. November 1884 in den neuen 
Hafen in 11 '2 Faden Mudd zu Anker ging. 

Ich hatte denfelben in meinem Tagebuch »Deutfchland-Hafen« 
o-enannt, aber die Herren Kommandanten unferer Kriegsfchiffe er- 
wiefen mir die Ehre, ihn nach mir »Finfchhafen« zu taufen, fo 
dafs auch mein Name*) mit einem Punkte in Deutfeh Neu -Guinea 
verknüpft ifl. 

Die beigegebene Kartenfkizze nach den Aufnahmen S. M. Ka- 
nonenboot »Hyäne« (Kommandant Kapt.-Lt. Langemack) überhebt 
mich einer v;eiteren Befchreibung. Es genügt zu fagen, dafs der 
Hafen ringsum von einem Mangrove-Waldgürtel eingefafst wird, die 
Umgebung aber aus fanft anfleigenden Hügeln und Bergen bis viel- 
leicht 1200 Fufs Höhe mit parkartigem Charakter und gutem Boden 
befteht, wie die Plantagen der Eingeborenen am heften zeigten. 
Auch an Süfswaffer und zwar murmelnden Gebirgsbächen mit treff- 
lichem Trinlavaffer fehlt es nicht, fo dafs fich hier eine Menge 
günftiger Verhältniffe zur Niederlaffung von Europäern in feltener 
Weife vereinen. Dazu gehörten auch vor allen Dingen die klima- 
tifchen Vorzüge diefes Platzes, die mir felbft bei dem kurzen Aufent- 
halte anderen Plätzen gegenüber fehr günftig erfchienen und fich in 
derThat feither trefflich bewährt haben. Ja, wo würde fich am heften 
anfangen laffenr »Die kleine Infel Madang ift jedenfalls der am meiften 
geficherte und am leichteften gegen die Angriffe der »Wilden« zu 
verteidigende Punkt« denkt der Neuling. »Ach was! Wilde!« ant- 
wortet der Praktiker, »mit denen w^oUen wir fchon fertig werden! 
botter the natives! Oben am Berge ift es jedenfalls beffer und ge- 
funder! Und wenn die Eingeborenen auch fonft nicht viel taugen, 
einen Weg werden fie fchon noch mit anlegen helfen, dazu ift ihnen 
Bandeifen noch zu verlockend. Und fpäter wird man doch gleich 
Pferde herbringen muffen« — »Pferde? Und die follen das harte 
mannshohe Gras freffen?« fragt wieder der Neuling. »Natürlich! und 



*) An der Nordweflküfte von Holländifch Neu-Guinea giebt es auch ein: ,,Kap 
Finfch". 



Vom Mitrafels bis Finfchhafen. l6 



gern dazu!« antwortet der Praktiker, welcher das treffliche Gedeihen 
diefer Tiere unter fchlechteren Verhältniffen bei Port Moresby kennen 
lernte. »Freilich, das »Regierungsgebäude« wird am heften auf der 
Halbinfel hegen, die Arbeitervvohnungen auf der Infel — und« — 
fo und in ähnlicher Weife gingen mir die Gedanken durch den Kopf. 
Hatte ich doch zunächft über Brauchbarkeit des Platzes nicht nur 
als Hafen, fondern überhaupt zu berichten. Und je mehr ich den- 
felben kennen lernte, um fo mehr wurde es bei mir zur Gewifsheit: 
»hier lafst uns Hütten — und Häufer bauen«! Aber aus recht gutem 
Holz, damit fie nicht gleich von den weifsen Ameifen gefreffen werden. 
Denn »billig und fchlecht« rächt fleh in den Tropen am meiften und 
in jeder Weife. Freihch am Hafen als folchen fand Kapitän Dali- 
mann fpäter einiges auszufetzen, namentlich, dafs er gegen den Nord- 
weft völHg offen fei, aber da konnten ja gewiffe Verbefferungen ge- 
fchehen, und dann bot ja, fchon nach unferen erften Auslotungen, 
das hintere Hafenbaffln für kleinere Fahrzeuge mit ca. 9 Fufs Tief- 
gang vollkommene Sicherheit. Dasfelbe zeigte bei näherer Unter- 
fuchung füdlich noch ein drittes fackartiges, kleineres Endbaffln, 
welches, wie andere feichte Stellen des Hafens, durch ein Fifchwehr 
der Eingeborenen abgefperrt war. Hier zeigte, bei geringer Tiefe 
von ein bis zwei Faden, der Meeresgrund ein reiches Tierleben: 
weifse, bräunliche und rötHche Korallen, zwifchen deren Veräftelungen 
herrhch faphirblaue und fchwarz und weifs geftreifte Fifchchen fpielten, 
häfsliche, fchmutzig grüne, gelbgeftreifte Seewalzen (Holothurien) 
ihren plumpen Körper ausftreckten und grofse ftachlige Seeigel neben 
fchön buntgefärbten kleinen Seefternen ein friedliches Dafein führten. 
In der That ein natürliches Aquarium, wie man es fleh fchöner nicht 
denken konnte, obwohl es immer noch weit hinter jenen Schilde- 
rungen überfchwenglicher Befchreiber zurückblieb, die wahrfcheinlich 
felbft lebende Korallrifife wohl nicht gefehen haben. 

Den meift aus Mangrove beftehenden Ufenvaldfaum fanden wir 
glücklicherweife überall nur fchmal. Gleich hinter ihm dehnt fleh 
fchönes Land mit fettem fchwarzen Boden aus. Hier liegen die Plan- 
tagen, in welchen hauptfächlich Taro, Bananen und Zuckerrohr, auch 



l66 lünftes Kapitel. 

ehvas Tabak gezogen wurde, und die auch hier die mufterhafte Ord- 
nung und den Fleifs der Eingeborenen bekundeten. Die Oftfeite des 
Hafens wird, wie ich fpäter vom Berge aus fehen konnte, von einer 
fchmalen Halbinfel, Salankaua, gebildet, hinter der fich füdlich noch 
eine zweite Bucht zeigte. Das flache Uferland hat übrigens nirgends 
bedeutende Ausdehnung, fondern fteigt bald zu Hügeln an, welche 
aus gehobenem Korallfels oder Kalkftein überhaupt beftehen und 
deutlich terraffenförmige Bildung erkennen laffen. Wie im eigent- 
lichen Terraffenlande find auch diefe Erhebungen mit fchwarzer Erde 
und Büfchelgras bedeckt, das je höher nach oben, um fo feiner wird. 
»Ja, hier müfsten Pferde, noch beffer Efel oder Maultiere, trefflich 
leben und fich mit folchen überall leicht hinkommen laffen können! 
Und wie wäre es mit Zebus, den leichtfüfsigen, leicht zu ernähren- 
den Zwerg-Zebus, die ich von Ceylon her kannte? Ja, die wären 
noch beffer und billiger; hier!« — »Hier wird nicht in Zukunftsmufik 
gemacht, fondern aufs Meer gefchaut«, unterbrach der mich beglei- 
tende Eingeborene meine Reflexionen, nicht mit Worten, fondern 
Pantomimen, indem er mit der Hand aufs Meer hinauswies. Und 
richtig: ein kleines fchwarzes Pünktchen mit Rauch; kein Zweifel, 
unfere Kriegsschiffe! Hurra! 

Selbftredend eilten wir fo fchnell als möglich den Berg hinab an 
Bord, und bald dampfte dieSamoa mit 150 Schraubendrehungen in der 
Minute in See, als gälte es die Konkurrenz von Bugfierdampfern zu 
fchlagen. Die »Hyäne« kam übrigens allein, denn eine Menge Fieber- 
fälle hatten es Kommandant Schering rätlich erfcheinen laffen, Friedrich- 
Wilhelms-Hafen wie Neu-Guinea überhaupt möglichft rafch wieder 
zu verlaffen und nach Mioko zurückzukehren. Von hier fetzte die 
Elifabeth, an deren Bord fich allein etliche vierzig Kadetten befan- 
den, die Reife nach Japan fort. 

Kapt.-Lt. Langemack, der uns Kapitän Dallmann wieder mitbrachte, 
war natürlich über den funkelnagelneuen Hafen fehr erfreut, denn 
er brauchte gerade einen folchen, um Feuerholz zu fchlagen, da feine 
Kohlen fehr auf die Neige gingen. Nun, Holz gab es ja, Gott fei 
Dank, in Hülle und Fülle und umfonft! Gleich auf der Halbinfel 



Vom Mitrafels bis Finfchhafen. 167 

gegenüber dem Ankerplatz der »Hyäne« lagen bereits einige alte 
Waldriefen am Boden, die nur zerfägt und zerhauen zu werden 
brauchten. Aber mit etlichen Kappbeilen läfst fich nicht viel fchaffen, 
und anderes hatte S. M. Kanonenboot nicht an Bord. Glücklicher- 
weife konnte die Samoa mit fchweren amerikanifchen Äxten und 
grofsen Sägen aushelfen, und bald ging es an ein fröhliches Baum- 
fällen und Holzfpalten, wobei fich »all hands«, auch die Herren Offi- 
ziere beteiligten, dafs es eine Luft und Freude war. 

Da hatten die biederen Eingeborenen, nachdem fie fich über den 
erften Schreck des grofsen neuen Schiffes und die vielen weifsen 
Menfchen beruhigt, wieder etwas zu fehen und wohl noch nie eine 
fo bewegte Zeit als diefe erlebt; faft wufsten fie nicht, wo zuerft an- 
fangen. Und nun gar, als eine flattliche Abteilung Matrofen in Waffen 
auf der Flaggenhalbinfel, dem fonfl fo ftillen Moru, landete und die 
Feierlichkeit des Auf hiffens der deutfchen Reichsflagge ftattfand (27. No- 
vember), wozu ich fchon die vorgehenden Tage eingeladen hatte. »Nur 
ruhig, Kinder! es gefchieht euch ja nichts! recht fo! immer ran und 
hiergeblieben!« Und fie blieben, bis das Kommando zum Aufpflanzen 
der Seitengewehre gegeben wurde. Das konnten fie nicht vertragen und 
es koftete mir viele Mühe wenigftens die Beherzteren wieder zufammen- 
zubringen, da fetzte der Hornift fein Inflrument an den Mund, ein 
»teterädä»! und weg waren meine Helden wie weggeblafen. Ja freilich, 
ich habeEingeborene auch vor dem ausgefpreizten Stativ mit der Camera 
obscura ausreifsen fehen! Und die Furcht der hieflgen Eingeborenen 
war um fo erklärlicher, da fie wohl kaum vor uns einen Weifsen bei 
fich gefehen hatten. W^enigftens fand ich nie nur eine Glasperle bei 
ihnen, wie aufserdem nur in dem einen erwähnten Falle in Huon- 
Golf. Diefe Glasperlen waren jedenfalls nicht durch Labourtrader 
hierher gelangt, welche jene ungangbaren Sorten wohl nie führen. 
Denn auch in diefer Richtung herrfcht bei den Eingeborenen ein 
fehr verfchiedener Gefchmack, und oftmals finden folche Sorten, 
welche wir für die beften und teuerflen halten, bei den guten Natur- 
kindern gar keinen Beifall. 

Ja, Naturkinder! und zwar folche der beflen Sorte, die noch un- 



l68 Fünftes Kapitel. 

beleckt von der Civilifation, ja ungewohnt des weifsen Mannes, den- 
noch in kürzefter Zeit gelernt haben, mit ihm umzugehen, zu feilfchen, 
zu fchachern, aber nicht für ihn zu arbeiten, als folche zeigten fich 
die Bewohner von Finfchhafen damals voll und ganz. Der Verkehr 
mit ihnen war alfo nicht fchwer, denn fie begriffen leicht, wo fie be- 
greifen wollten, und wurden bald fo zutraulich, dafs fie uns in ihren 
Dörfern nach und nach das fchöne Gefchlecht zeigten, weil dabei 
doch ftets einige Glasperlen (Gemgem) und andere Kleinigkeiten 
abfielen. Denn »Nehmen ift feiiger als Geben« fcheint auch dem 
Kanaker in der Schule des Naturmenfchen die eigentliche Lebens- 
weisheit; ein Spruch, der fich ja wie ein roter Faden durch das 
ganze Kanakertum der IMenfchheit zieht, wie das Nehmen überhaupt. 
»Fehlt Ihnen vielleicht eine Ölkanne:« fragte ich den Mafchiniflen, 
als ich eine folche auf dem breiten Schnabel eines längsfeit liegen- 
den Kanus flehen fah. »Nee! — ja doch! der Kerl hat fie geftohlen!« 
lautete die Antwort. »Gott bewahre! nur mitgenommen, vermutlich 
als Andenken, denn wäre diefer Sohn der Natur ein bewufster Dieb, 
er würde das Corpus delicti doch nicht fo offen hinftellen«. Natür- 
lich langte der freundliche Mann die Ölkanne gleich wieder herauf 
mit einer Miene, als wenn er fagen wollte: »Entfchuldigen Sie gütigfl! 
Ich wufste nicht, was das Ding war und erlaubte mir nur, es etwas 
näher anfehen«! Noch ein anderer Fall. Ich vermifste eines fchönen 
Morgens mein Etui mit Bleiftiften. Natürlich konnte es ja nur ge- 
ftohlen worden fein und zwar am Abend zuvor in dem Dorfe Ssuam, 
wo ich unter der andächtigen Zuficht der Bewohner fkizziert hatte. 
Als nun all die Kanus der Ssuamiten mit Anbruch des Tages ver- 
fammelt waren, da fprach ich zu dem Volke: — »Ja, konnten Sie denn 
in den paar Tagen fchon mit ihnen fprechen«? Natürlich! ich hatte 
bereits an 150 Wörter aufgefchrieben , und das bedeutet für eine 
Kanakerfp räche, in welcher man mit 350 bis 400 Wörtern fchon 
einen Roman fchreiben kann, immerhin etwas, und dann wo bliebe 
das Volapük, die Zeichenfp räche? Alfo das macht man fo: man 
zeigt einen Bleiftift und einen Finger; dann fünf Bleiftifte und fünf 
Finger; öffnet und fchliefst im Geifte ein Kärtchen, ganz wie es die 



Vom Mitrafels bis Finfchhafen. i6q 

Leute geflern gefehen hatten. Dann deutet man an, dafs diefes 
Kärtchen mit den fünf Bleifliften verfchwunden fei, und fieht dabei 
einen recht fcharf an, der wieder zurückbHckt, als wollte er fagen: 
»Ich? nein, ich habe es nicht!« Das geht nun fo die Reihe herum; 
Keiner hat es. Alfo das Kärtchen mufs im Dorf fein. »Er wird es 
irgendwo haben ftehen laffen«, denken die Leute und zifcheln mit- 
einander; »fie werden fich untereinander verraten«, denke ich; und 
fchon gehen ein paar Kanus nach dem Dorfe ab. Aber fie kommen 
mit leeren Händen zurück, deuten an, dafs ein fremder Befucher das 
Ding mitgenommen haben muffe, denn bei ihnen fei es nicht, und 
alle fcheinen fehr beflürzt über den Fall. »Heuchelei!« denke ich 
wieder, unter Meditationen über die Erbfünde, — da finde ich das 
Kärtchen zufällig unter ein paar Büchern in der Kajüte, wohin es 
verlegt worden war. Ja, ja! Jedenfalls wiffen diefe Menfchen recht 
gut, dafs Stehlen immerhin unrecht irt, aber fie befitzen darin noch 
längrt nicht das Raffinement des Weifsen und lernten dasfelbe errt. 
Denn ]\Ienfchen bleiben Menfchen und find fich überall im grofsen 
und ganzen gleich. Jedenfalls haben diefe Naturkinder fo gut ihre 
Licht- und Schatten feiten, wie wir, doch merkt man von beidem 
weniger. Aber was diefe Menfchen vor allem fo vorteilhaft aus- 
zeichnet irt ihre grofse Moral, wie ich dies bei allen noch unberühr- 
ten Völkern gefunden habe. So kennen fie z. B. nichts von Trunken- 
heit und jenen böfen Krankheiten, welche unter anderem Cook als 
errtes , leider bleibendes Gefchenk der Civilifation den guten Hawaii- 
ern mitbrachte. Leidenfchaftslofer als wir^ find fie auch glücklicher, 
das irt gar kein Zweifel, und ich mufs immer über das Bedauern der 
civilifierten Welt lächeln, welche alle Menfchen durch unfere CiviH- 
lifation glücklich zu machen meint. Das geht eben nicht überall; 
am wenigrten können diefe Naturmenfchen mit einem Satze in die 
Civilifation, und dankbar für die Wohlthaten derfelben, hineinfpringen, 
wie man dies fo häufig erwartet. Freilich den Tand des weifsen 
Mannes nehmen fie gern, befonders das ihnen neue und fo nützliche 
Eifen, aber das irt auch alles. Dafs der weifse Mann, fofern er die 
Eingeborenen gut behandelt, gern gefehen irt, dafs man ihm willig 



I70 Fünftes Kapitel. 

einen Platz zur Anfiedelung verkauft, um ihn feilzuhalten, ift ja fehr 
erklärlich. Deshalb find einzelne Miffionäre und Händler die will- 
kommenften und begehrteren Fremden und werden in weit aus den 
meiflen Fällen gut behandelt. Sie inkommodieren die Eingeborenen 
nicht, bringen ftets etwas ein, und deshalb ift der »Schrei nach dem 
Evangelium« ein oft fo lebhafter. Das bifschen Kirchegehen lernt 
fich bald, da braucht man nichts zu thun; und dazu ift der Kanaker 
ftets bereit, denn fo fehr preffiert ift er ja nie in feiner Zeit. Ganz 
anders verhält fich aber die Sache, wenn es fich um Arbeit handelt. 
FreiHch, im Anfang da hilft der Eingeborene ftets gern, freiwillig, 
faft ohne Entgelt. Es macht ihm Spafs mit neuen Werkzeugen zu 
hantieren, und alles arbeitet plötzlich mit einem Eifer, der leider 
nur zu fchnell verfliegt. Bald verlangt der Eingeborene Bezahlung, 
wobei er auch gern auf Akkordarbeit eingeht, aber auch diefe Periode 
geht rafch vorüber. Und warum? Hat nicht der Kanaker inzwifchen 
an der Arbeit und dem daraus erzielten Gewinn Vergnügen gefun- 
den, ift es ihm nicht zum Bedürfnis geworden? I Gott bewahre! Er 
hat eben bereits leere Bierflafchen, Glasperlen, Meffer, Beile und der- 
gleichen genug, und weifs fie felbft in dem engen Kreis feines Ver- 
kehrs nicht mehr unterzubringen, wozu follte er mehr zufammen- 
fcharren? Fehlt es ihm doch eben an Bedürfniffen, und ehe fich nicht 
folche herausbilden, ift an ein Handinhandarbeiten des fchwarzen 
und weifsen Mannes in jenen Gegenden nicht zu denken. Auch das 
Gefühl der gröfseren Sicherheit unter den Fittichen des Weifsen, 
mit feinen Schiefsgewehren und anderen energifchen Waffen wird 
wohl nur in feltenen Ausnahmefällen ein Argument von Bedeutung 
für den Kanaker fein. Denn jede kleine Gemeinfchaft derfelben ift 
fich felbft genug, um ihr Befitztum wie die Vorfahren zu verteidigen 
— oder fie verändert eben den Wohnplatz. Und dann fcheint ihnen 
fo ein bifschen Kriegführen auch Spafs zu machen, ja, wie bei uns 
mangelt es auch ohne Zeitungen nicht an allarmierenden Nachrichten, 
und wie bei uns, kann es täglich losgehen. Freilich handelt es fich 
nicht um grofse Kriege, wobei Taufende ihr Leben einbüfsen, wie 
bei uns, fondern nur um kleine Fehden, am liebften Überfälle, wo- 



Vom Mitrafels bis Finfchhafen. 



171 



bei auf leichte Weife ein paar Menfchen, ganz gleich ob Frauen 
oder Kinder, erfchlagen werden. Denn das macht den Papua zum 
Mann, zum Krieger, und diefer regiert die Welt. Warum follte es 
nicht auch im Kanakertum fo ein bifschen Chauvinismus geben? find 
die Leute doch fo gut Menfchen als wir, wenn es auch bei ihnen im 
grofsen und ganzen bei weitem friedlicher hergeht als bei uns. 
Denn auch Kanaker können nur im Frieden gedeihen oder fich we- 
nigflens dann in einer gewiffen Stärke erhalten und find daher mehr 
friedliebend als kriegerifch. So leben fie, der Mehrzahl nach, ein 
ftilles, ruhiges Völkchen, nach der Weife ihrer Väter, fleifsig im Feld 
wie Handel, foweit es ihre Verhältniffe erheifchen. Und diefe be- 
dingen wohl flets eine mäfsige, unter Umfländen vielleicht fogar an- 
geftrengte Thätigkeit, aber niemals das, was wir unter Arbeit ver- 
ftehen. Der Kanaker, welcher noch nie einen Menfchen vom frühen 
Morgen bis zur fpäten Abendftunde faft unausgefetzt arbeiten fah. 
wird einen folchen als Sklaven höchftens bemitleiden, — bewundern und 
ihm nacheifern nie! Wozu auch: Dazu ift er von feiner früheften 
Jugend an viel zu fehr diejenige perfönliche Freiheit gewöhnt, die 
ihn fchon zeitig felbfländig machte und auf eigenen Füfsen flehen 
lehrte, und die für den Naturmenfchen ein Gut ift, deffen Wert wir 
ebenfowenig kennen, als er unferen raftlofen, nie ermüdenden Fleifs 
zu fchätzen und würdigen verficht. »So wird fich alfo aus dem jetzi- 
gen Eingeborenen nie ein brauchbarer Menfch in unferem Sinne er- 
ziehen laffen?« Ja, wer das beantworten könnte: Erziehen vielleicht 
wohl, aber nur in der Jugend, und welche Zeit wird darüber hin- 
gehen! Denn felbft die redlichen und aufopfernden Arbeiten der 
Miffion haben in jenen Gebieten nicht entfernt den Wandel gefchafft, 
den man mit Recht gerade von diefem fegensreichen Inflitut erwarten 
durfte. Darüber kann, trotz aller gegenteiligen Behauptungen, kein 
Zweifel*) herrfchen, am allerwenigften bei denen, welche die Ver- 



*) Man vergleiche u. a. : Parkinfon ,,Ira Bismarck-Archipel'' (1887, S. 60), wonach 
in jenem Gebiete in fieben Jahren im ganzen 215 Eingeborene, die beiläufig 350000 Mk. 
kofteten, bekehrt wurden. 



I'j2 Fünftes Kapitel. 

hältniffe eingehender kennen zu lernen Gelegenheit hatten. Wirkliche 
Arbeiterfchulen werden ftatt des nutzlofen fogenannten Schulunter- 
richtes jedenfalls beffer wirken, aber auch hier ftellen fich eine Menge 
Hinderniffe entgegen, deren Erörterung mich hier zu weit führen 
würde. 

Ja, fo fehr fich auch die Eingeborenen über uns freuten und 
zum Bleiben aufforderten, mit ihrer alten Gemütlichkeit ging es zu 
Ende, fobald erft unfer Nachfchub dauernd hier Fufs gefafst hatte, 
das war mir fchon damals klar; aber das ift einmal fo der Welt 
Lauf Überall mufs der fogenannte Naturmenfch fich der Civilifation 
unterordnen oder derfelben weichen, wenn ihm das erftere, wie dies 
fafl: ausnahmslos der Fall ifl, nicht möglich ift. Deswegen braucht 
es noch nicht zu blutigen Kämpfen und einem Vernichtungskriege 
zu kommen, wenn auch kleine Reibereien ftattfinden mögen, denn 
in diefem Lande ift noch gar viel Raum für Menfchen. Wenn daher 
den eigentlichen Befitzern die neuen Eindringlinge unbequem zu 
werden anfangen, da giebt es ein einfaches Mittel, welches die Pa- 
puas Neu-Guineas gar wohl kennen und anwenden: auszuwandern I 
Sie gehen mit Sack und Pack, Kind und Kegel weiter inland oder 
in ihren Kanus nach einem anderen paffenden Platze der Küfte und 
die Sache ift zu beiderfeitiger Befriedigung erledigt. Um grofse 
Völkerwanderungen handelt es fich ja dabei nicht, denn was bedeutet 
die ganze Bewohnerfchaft eines Gebietes wie das von Finfchhafen, 
obwohl es mit zu den beffer bevölkerten in Neu-Guinea gehört. 

Die unmittelbare Umgebung zeigte nur wenige kleine Siedelun- 
gen von zwei bis fechs Häufern, und die Eingeborenen wufsten mir 
überhaupt nur etwa ein Dutzend Namen aufzuzählen, womit ihre 
Ortskenntnis erfchöpft war. Das Hauptbevölkerungs-Centrum bildete 
offenbar das fchon erwähnte Dorf Ssuam, aufserhalb des eigentlichen 
Hafens am nordweftlichen Eingange der Buchtung im Dickicht des 
Urwaldes verfteckt. Es mochte an 25 Häufer zählen, und ihre Be- 
wohner waren jedenfalls in diefem ganzen Gebiete am dominierendften. 
Aber weiter nach Nordvveften follen noch zwei Buchtungen mit je 
einer Flufsmündung und anfehnlichem Dorfe vorhanden fein, mit 



Vom Mitrafels bis Finfchhafen. I"2 

deren Bewohnern die Ssuamiten trotz der unbedeutenden Entfernung 
in Fehde zu leben fchienen, wie dies fo häufig vorkommt. 

Die Häufer find im ganzen recht ftattliche Pfahlbauten und ähneln fo 
ziemlich denen der Motu an der Südofiküfte, nur dafs fie durchgehends 
viel forgfältiger und mit Wänden aus Brettern erbaut find, wie dies 
z. B. meine Abbildung (S. i8o) zeigt. Nicht feiten find diefe Bretter 
mit Malerei verziert, rühren aber dann von Kanu-Seitenborden her, 
die fo srern zu diefem Zwecke benutzt werden. Ein befonders crrofses 




Haus mit Grab. 

Haus, welches meinem Freunde dem Häuptling Makiri in Ssuam, 
einem alten würdigen Greife, gehörte, Hellen meine Abbildungen 
und zwar von der Vorder- und Rückfront" (S. 174) dar, den Grund- 
plan des Haufes giebt der Atlas (T. II, 3). An der Rückfeite ift: 
die nur für Papuas praktikable Stiege, aus einem mit Kerben ver- 
fehenen Baumflarftme, bemerkenswert, welche zum erften Stockwerk 
diefes foliden und in feiner Art einzigen Bauwerkes führt. Die 



174 



Fünftes Kapitel. 



Seitenwände beftehen aus Mattenflechtwerk von Kokospalmblatt und 
laffen fich in praktifcher Weife je nach dem Wetter leicht verfetzen 
oder ganz entfernen. Eine befondere Zier im hiefigen Bauflil find 
die langen, vom Dachrande herabhängenden Franzen aus zerfchliffener 
Pflanzenfafer. Schnitzereien waren übrigens an dem Haufe nicht an- 
gebracht, das offenbar als Verfammlungslokal der Männer, im oberen 
Stockwerk als Schlafraum für die jungen Leute diente. Übrigens 
fehlten die freiflehenden Plattformen, wie ich diefelben von Port 




Haus (Rückfeite). 

Konftantin befchrieb , und die dort Barla heilsen, auch hier nicht. 
Auch etwas dem Telum Mul von Bongu Äquivalentes war in 
Ssuam vorhanden und erregte meine vollfte Bewunderung. Es 
waren dies zwei weit übermannshohe menfchliche Figuren, und 
mufsten fchon deshalb ein befonderes Intereffe erregen , weil fie 
gleich aus den noch in der Erde wurzelnden Baumflämmen ge- 
zimmert waren, Denkmäler der Steinaxtperiode, wie ich fie weder 



Vom Mitrafels bis Finfchhafen. 



175 



vor noch nachher zu fehen be- 
kam. Die beigegebenen Abbil- 
dungen werden die befle Vorftel- 
lung diefer hochintereffanten 
Bildhauereien geben, wobei be- 
fonders auf die trefflich gelun- 
gene Darflellung des Krokodils 
(Oa) auf der Rückfeite (S. i ^6 
aufmerkfam gemacht werden 
mufs. An der Bafis der Vor- 
deranficht ift der Kopf einer 
Eidechfe (Monitor) deutlich 
kennbar. Diefe beiden, übrigens 
fo ziemlich gleichen Figuren 
wurden »Abumtau Gabiang« 
genannt und laffen, da Abum- 
tau »Häupthng« heifst, kei- 
nen Zweifel, dafs es fich hier 
nicht im entfernteften um Götzen- 
bilder , fondern Ahnenfiguren 
handelt, wie ich dies fchon bei 
den Telums in Konflantinhafen 
annahm. Freilich würde wohl 
jeder Miffionär diefe Gabiang 
für mächtige Idole der »Heiden« 
und in Verbindung mit Kroko- 
dilkultus u. f. w. gedeu- 
tet haben, und es liefse 
fich da in der That ein 
artiges Gefchichtchen 
zufammenreimen. 

Dafs, wie fafl bei 
allen Melanefiern , die 
Ahnen- refp. Totenver- 




176 



Fünftes Kapitel. 




Gabiang (Rückfeite). 



ehrung auf einer hohen Stulefteht 
bekundeten auch die hiefigen 
Eingeborenen durch die Art der 
Gräber. Gleich neben den Bild- 
fäulen (S. i8o) fieht man einen 
viereckigen Holzrahmen , der 
mit weifsem Sand ausgefüllt ift 
und eine Grabflätte bezeichnet. 
Vielleicht ifl; es die des be- 
rühmten Häuptling Gabiang, 
wahrfcheinlich eines gewaltigen 
Helden, deffen Andenken das 
Volk der Ssuamiten durch diefe 
bewundernswerten Denkmäler 
ehrte. Ein anderes Grab, in der 
Form eines Miniaturhaufes, zeigt 
die Abbildung des Haufes (S. 173) 
rings von einem Zaune aus Stei- 
nen umgeben, innerhalb dem 
buntblättrige Zierfhräucher an- 
gepflanzt waren. Jedenfalls und 
Menfchen, welche ihren Toten 
folche Pietät beweifen, keine 
Wilde. Aber ich habe manchem 
grofsen Kanakerbegräbnis beige- 
wohnt und will gleich hier 
einfügen, dafs es fich in 
einem folchen Falle ftets 
um* Vornehme, Reiche 
handelte. Mit Unbemit- 
telten und Armen macht 
man, wie bei uns, nicht 
viel Federlefens, um fie 
unter die Erde zu bringen ; 



Vom Mitrafels bis Finfchhafen. \'J'J 

deswegen gehen die Dortbewohner nicht wochenlang mit ge- 
fchwärztem Geficht oder wie es fonll; die Trauergebräuche der Pa- 
puas erheifchen. 

Ich fand bei den Bewohnern Finfchhafens fo ziemHch diefelben 
Gegenflände, welche ich fchon früher in Huon-Golf. ja felbft Aflro- 
labe-Bai, gekauft hatte, und von denen fich viele durch aufserordentlich 
kunflvolle Arbeit und gefchmackvolle Ornamentierung auszeichneten. 
So u. a. ein Kampfbruftfchmuck (T. XXII 6;, die breiten, zum Teil 
durchbrochen gearbeiteten Armbänder aus gebogenem Schildpatt, 
Simafsim, (Atl. XIX), die fein eingravierten Armringe aus Trochus 
niloticus, Bii, (XVIII 5, und XIX 4}, die fchwungvoll gefchnitzten 
hölzernen Kopfkiffen, Palim, (Taf III i), und länglich-ovalen, mit 
einer Art Metall (Graphit oder Mangan) gefchwärzten Holzfchüffeln, 
Ssu, (III 3), alles Dinge, welche aufserordentlich mit den in Aftro- 
labe-Bai üblichen übereinflimmen oder identifch fmd. Befonders 
fchön waren auch die Schnitzereien der Ruder, Holztrommeln, Ong, 
(XIII 4) und Doppelhaken zum Aufhängen von Gegenfhänden über 
dem Feuer oder im Haufe, letztere zum Teil menfchliche Figuren, 
Buam, (Taf III 2), darftellend. Sehr reich find die verfchiedenen 
Schmuckgegenflände, zu denen neben Scheiben aus dem Spitzenteil 
von Conusmufcheln, befonders kleine Kaurimufcheln, Ssanem, eine 
Art Cypraea, und Hundezähne das hauptfächlichfte Material bilden. 
Jabo, d. h. faft kreisrunde Eberhauer galten auch hier als der koft- 
barfle Schmuck (vergl. Atl. XXI 2). Neu war mir eine, jedenfalls 
künftlich, hochgelb gefärbte Grasart, Ssemu, aus welcher elegante Arm- 
bänder, Stirn- und Leibbinden (XXIV 5), zum Teil mit Hundezähnen 
garniert, geflochten werden, die wenn neu, wie Goldbrokat leuchten. 
Als ich am 20. Dezember 1885 die hohe Ehre hatte unferem erha- 
benem Kaiferpaar eine Auswahl von Gegenfländen der Eingeborenen 
Neu-Guineas zu zeigen und zu erläutern, waren die Allerhöchften 
Herrfchaften auf das äufserfle überrafcht *). Und in der That, diefe 



*) Als ich u. a. zeigte, wie die gefchmackvollen Kniebinden (vergl. Atlas Taf. XVIII, 
F. 2) getragen werden, bemerkten Seine Majeftät: ,Ja, die haben ja fchon ordentlich 
einen Hofenbandorden!" 

Finfch, Saraoafahrten. 12 



178 



Fünftes Kapitel. 



Arbeiten find flaunenswert, und ich freue mich wenigftens einige der- 
felben im Bilde bringen zu können. 

Die Waffen find die gewöhnlichen und im ganzen fchlecht. 
So kleine Bogen (Talam'i mit Sehne (Teko) von gefpaltenem Rotang, 
und Pfeile (Sob\ ziemHch rohe Speere (Gim^i und flache lange Holz- 
keulen (Ssing). Aber es gab Schilde von fehr eigentümlicher Form, 

wie ich diefelben nur 
hier gefehen habe. Sie 
beftehen aus einem kon- 
kav gebogenem Stück 
Holz, fo lang und breit, 
dafs es fafl einen Mann 
zu decken vermag, wie 
dies am heften aus der 
beigegebenen Abbil- 
dung einesKriegersbeim 
Scheinangriff erfichtlich 
ift , welche auch die 
eigentümliche Verzie- 
rung in bunter ^Malerei 
andeutet. 

Sehr gefchickt find 
auch die in bunten Mu- 
ftern (Atl. X. 2), oft mit 
Hundezähnen garnier- 
ten, Beutel geftrickt, in 
welchen verfchiedene 
Kleinigkeiten aufbe- 
wahrt werden, darunter kleine Büchschen aus Bambu mit einem 
graulichen Pulver (Da), — Zahnpulver! Man ficht, dafs die Finfch- 
hafener bereits fogar in Toilettekünften entwickelt find, wenn fie 
fich auch äufserlich wenig von ihren fonftigen Stammesgenoffen 
unterfcheiden und ebenfo fchmierig als die ganze Papuagefellfchaft 
erfcheinen. Dazu trägt hauptfächlich eine fchmutzige Halsftrickelei 




Scheinangriff. 



Vom Mitrafels bis Finfchhafen. 



179 



bei, welche die meiften tragen, und der häufig fehr unzureichende 
Schamfchurz aus Tapa (Opo), die ganz denen von Huon-Golf 'Atlas 
XVI , 4, 5) ähneln. Tapa wird auch zu eigentümlichen Kopfbe- 
deckungen der Männer benutzt. Der ehrenwerte Herr auf meiner 
Abbildung mit dem koftbaren Bruftfchmuck aus Hundezähnen 
zeigt eine folche ^^lütze (Opo), welche zugleich den Abumtau oder 
Häuptling bezeichnet. 
Andere Kappen von 
kegelförmiger Geftalt, 
Parunggenannt,werden 
ganz auSiMenfchenhaar 
hergeftellt und ähneln 
durchaus einer Der- 
wifchkappe. In der 
That,kein Anthropolog 
würde auf einem Bazar 
in Stambul oder Ale- 
xandrien einen Ssua- 
miten in folcher Kopf- 
bedeckung für einen 
Papua, fondern ohne 
allen Anftand für einen 
frommen Moslem und 

Meckapilger halten. 
Das bringt mich auf 

die äufsere Geftalt! 

Und da will ich nur 

erwähnen, dafs auch 

die hiefige Bevölkerung fo erheblich individuell abweichend ifl:, 

wie überall in Neu-Guinea. Aber jedenfalls findet fich der negroide 

Typus weniger als fonft, dagegen trifft man nicht feiten echt femi- 

tifche Gefichter, wozu der Bart, welchen die meiften älteren Männer 

flehen laffen, nicht wenig beiträgt. 

Die Bewohner von Finfchhafen fcheinen fehr betriebfam, na- 

12' 




Häuptling von Finfchhafen. 



l80 Fünftes Kapitel. 

mentlich auch in der Fifcherei, wie die Unmaffe gutgearbeiteter 
Fifchhaken (Ing) beweifen, wovon Tafel IX des Ethnol. Atlas eine 
ganze Reihe darflellt. Auch die fchönen grofsen Netze (Uh) und 
namentlich ihre Kanus (Uang) fprechen dafür. Letztere find oft von 
bedeutender Gröfse (60 bis 70 Fufs lang), haben zuweilen drei Seiten- 
bretter und zwei Plattformen übereinander, zwei Mafte mit grofsem 
viereckigen Mattenfegel und find an den Schnäbeln reich mit 
Schnitzerei, an den Seiten mit bunter Malerei verziert. Sie nähern 
fich in der Bauart fchon mehr den grofsen Kanus, wie ich fie fpäter 
in den d'Entrecasteaux kennen lernte, und die total von der in 
Polynefien gebräuchlichen abweicht. Es kann daher gar keine Rede 
davon fein, dafs die Polynefier die Lehrmeifter der Melanefier in 
der Schiffsbaukunfl waren, wie manchmal von Gelehrten behauptet 
wird. Wie fo oft bedauerte ich ganz befonders hier, dafs es nicht 
möglich war, ein folches Kanu nach Berlin fchicken zu können, wie mir 
dies feiner Zeit mit einem grofsen feetüchtigen Kanu der Marfhall- 
Infeln gelang. Es würde am heften zeigen was die unfcheinbare 
Steinaxt in der Hand des Eingeborenen zu leiften vermag, denn 
jedermann würde über die technifch ausgezeichnete Bauart und die 
Eleganz und ftilvolle Ausfchmückung ftaunen. Wie lange wird es 
dauern und kein folches mit Steinwerkzeugen gearbeitetes Kunflwerk 
wird mehr zu haben fein! Für die Erhaltung der Werkzeuge felbft 
ift durch meine Sammlungen geforgt worden. Die Steinäxte der 
hiefigen Eingeborenen (vergl. Atlas I, 4), meift mit einer Klinge aus 
einem dioritifchen Geftein (Ki) oder Tridacnamufchel (Gadi) verfehen, 
ähneln am meiften den »Lachela« von Hood-Bai an der Südoftküfte, 
welche fich durch die Drehbarkeit der Klinge auszeichnen. Die Leute 
thaten übrigens ziemlich rar mit Steinäxten, um fo begehrlicher aber 
gegenüber unferen Hobeleifen, die fie ebenfalls »Ki« nannten und 
welche, wie überall, bald der gefuchtefte Artikel waren. Ich verfprach 
einem jungen Burfchen, unter der Bedingung ihn zurückzubringen, 
wenn er mitgehen wolle, ein ganzes Dutzend Äxte (claw hatchets), 
konnte ihn trotz diefer enormen Verfuchung aber doch nicht 
verlocken. 



Vom Mitrafels bis Finfchhafen. l8l 

In Befitz fo ausgezeichneter Fahrzeuge unternehmen die Finfch- 
hafener auch Handelsreifen und flehen mit Tami oder den Cretin- 
infeln, einem anfcheinenden Atoll, in Verbindung, wie wahrlcheinlich 
mit Rook, das bei unbedecktem Himmel von unferem Ankerplatz 
aus fichtbar war. Wir fahen fpäter grofse Segelkanus, die von Rook- 
Infel nach Finfchhafen zu ftanden und wurden dort von den Tamiten 
felbft befucht. Ja, ja! auch in fo abgelegenen Gegenden wird die 
Ankunft von Fremden viel fchneller bekannt, als man glauben follte. 
Übrigens find die Entfernungen keine grofsen, da Rook nur ca. 40, 
die Tami-Infeln 15 Meilen von Finfchhafen liegen. Ob in dem Ver- 
kehr vielleicht Töpfe als Taufchartikel eine Rolle fpielen, vermochte 
ich nicht auszumachen. Aber Töpfe find in Finfchhafen in Gebrauch. 
Sie zeichnen fich durch die oben weite, mehr halbkugelige Form 
(T. IV. 5) aus, ähnlich wie ich fie fpäter in Tefte-Island traf, und find 
am Rande mit erhabenen Knötchen verziert. 

Wir waren in Ssuam flets gern gefehene Gäfte, fchon weil wir 
die Bewohner von einer Plage befreien halfen, der der Kakadus. 
Diefe Vögel (Cacatua Triton) thaten den Pflanzungen der Eingebo- 
renen viel Schaden und verfchonten felbft Kokosnüffe nicht. Kokos- 
palmen (Niep) find übrigens keineswegs in grofser Anzahl vorhanden, 
wenn auch zwifchen Mitrafels und Aftrolabe-Bai das Gebiet von 
Finfchhafen immerhin noch am reichften daran ift. Schon bei meinem 
erften Befuche war mir die grofse Menge verfaulend am Erdboden 
liegender Kokosnüffe aufgefallen, durch deren Schalen ein wie mit 
einem Meifsel gefchlagenes Loch ging. Im Dorfe felbft fah ich an 
den Fruchttrauben der Palmen Stricke angebracht, deren Zweck ich 
mir nicht zu erklären vermochte. Bald follte ich denfelben kennen 
lernen, denn laut kreifchend flogen Kakadus herbei, die fich an die 
Nüffe hingen und fich durch das Schütteln mit dem Bindfaden wenig 
beirren liefsen. Unfere Schüffe öffneten ihnen die Augen, oder viel- 
mehr verfchloffen ihnen diefelben auf immer, fehr zum Jubel der 
Eingeborenen, die mit Steinwürfen und Flitzbogen wenig ausrichten 
können. Aber Kakadus find bei den Papuas fehr beliebt und zwar 
ihrer gelben Haubenfedern wegen, welche den beliebteften Haar- 



l32 Fünftes Kapitel. 

fchmuck des INIannes bilden. Ich dachte aber, dafs diefe reizenden 
Federn einem eleganten Damenhütchen, mit einem niedlichen Geficht 
darunter, auch nicht übel kleiden müfsten, und rettete fo verfchie- 
dene aus den Krallen der Papuajungen. Übrigens ift ein Kakadu 
zum Effen auch nicht zu verachten, für folche die feit Wochen nur 
Büchfenfleifch gegeflen haben. Ich rate dann aber die Vogel nur 
als Suppe verkochen zu laffen. Delikatl d. h. die Suppe; das Fleifch 
kann man ruhig einem Kanaker geben, deflen Zähne beffer damit 
fertig werden. 

Das Jagen in diefen Urwäldern ift übrigens nicht fo leicht, fchon 
wegen der bedeutenden Höhe der Bäume, für welche unfere ge- 
wöhnlichen Flinten häufig nicht ausreichen und die deshalb weit- 
tragende »chok-bore« Läufe erfordern. Und felbft für folche find 
die Waldriefen oftmals zu hoch und dicht belaubt. So fchofs Kapi- 
tän Dallmann bei einer Gelegenheit dreimal nach demfelben Kakadu, 
traf ihn jedesmal, und doch flog der Vogel noch weg, um unauffind- 
bar zu verenden. Und das paffiert gar häufig, denn gerade das 
Auffinden der Beute macht die gröfste INIühe und bleibt oft refultat- 
los. Gut dreffierte Hunde nützen, wie ich aus eigener Erfahrung 
weifs, wenig und werden in den Tropen bald unbrauchbar. Unend- 
lich viel beffer find eingeborene Jungen als Jagdhunde zu gebrauchen 
und ftets bereit den Jäger zu begleiten, wenn fie die erfte Furcht 
vor dem Knall überwunden haben. Zum Auffpüren find fie faft un- 
entbehrlich, denn nur das fcharfe, geübte Auge des Eingeborenen 
vermag in dem Dickicht die Beute zu erfpähen. eine Gabe, die der 
Europäer nicht fo leicht erlernt. Wie oft hört man nicht das Gurren 
einer Taube und bemüht fich vergeblich, ihrer anfichtig zu werden. 
Da weifs ein fchvvarzer Junge ftets auszuhelfen. Übrigens gab es nicht 
viel zu jagen, auch wenn man dazu Zeit gehabt hätte, denn Finfch- 
hafen ift ein fehr tierarmes Gebiet. Die Vogelwelt machte fich auch 
hier befonders in den Arten bemerkbar, welche wir fchon in Friedrich- 
Wilhelms-Hafen (S. 95) kennen lernten und wie dort war mir, im 
Vergleich mit der Südoftküfte Neu-Guineas, die Spärlichkeit von 
Kleinvöseln auffallend. Doch hörte ich den wohlbekannten Ruf des 



Vom Mitrafels bis Finfchhafen. igj 

»Rifle-bird«, einer zu den Paradiesvögeln gehörenden, farbenpräch- 
tigen Ptilorisart, des raketfchwänzigen Eisvogels (Tanysiptera), und 
das fonderbare Getriller eines anderen Eisvogels (Syma torrotoro). 
Auch ein alter, lieber Bekannter aus der Heimat liefs fich zuweilen 
blicken: der trillernde Wafferläufer (Actitis hypoleucos), der nach 
Beendigung feines Brutgefchäftes im hohen Norden hier gemütliche 
Winterruhe hält und von mir nicht geftört wurde. Doch was flattert 
dort fchwankenden Fluges durch das Gelauber fchon greift man an 
das Gewehr, läfst es aber gleich wieder fmken, denn es iü nur ein 
Schmetterling, aber ein wahrer »mocking bird«, der felbft das geübte 
Auge momentan zu täufchen vermag. Freilich übertrifft er in der 
Flügelbreite, welche an fechs Zoll beträgt, gar manches Vögelchen, 
aber er ifl auch der gröfste Tagfalter, die weit über die Papuaregion 
verbreitete Ornithoptera aruensis. Das Männchen gehört dabei mit 
zu den fchönflen Faltern, während das anfehnlich gröfsere Weibchen 
unfcheinbar fchwarz und weifs gefärbt ift. — Nach der häufigen Ver- 
wendung von Kafuarfedern bei den Eingeborenen zu urteilen, mufs 
diefer gewaltige Vogel nicht feiten fein, allein er liebt das Dickicht 
der Wälder, ilT: fehr fcheu und deshalb nur fehr ausnahmsweife zu 
fehen. Doch beobachtete ich nicht einmal die leicht kenntliche 
Fährte von Kafuaren, häufiger dagegen die von Wildfehweinen. Das 
war aber auch alles was ich von Säugetieren zu fehen bekam, denn 
niemals erblickte ich ein Känguru, die an der Südoflküfte doch zu 
den gewöhnlichen Erfcheinungen gehören. Alle übrigen Säugetiere 
Neu-Guineas find ja, mit Ausnahme einiger Flugtiere und Nager, 
durchgehends Beuteltiere mit nächtlicher Lebensweife und fchon 
deshalb nur durch Zufall fichtbar. 

»Aber Schlangen, die giebt es wohl in Menge und die find wohl 
recht gefährlich«? Nun! auch diefe inkommodieren und erfchrecken 
fo wenig als bei uns, denn man begegnet ihnen nur fehr feiten. 
Abenteuer mit Riefenfchlangen, und reifsenden Tieren überhaupt, find 
alfo nicht zu beflehen, und die Herren Offiziere waren froh, wenn 
fie mit ein paar Kakadus, grünen Papageien oder Tauben von der 
fo ervvartungsvollen Tropenjagd zurückkehrten. 



tQ^ Fünftes Kapitel. 

Aber einmal erlegten die Herren vom Kriegsfchiff fogar ein 
Krokodil, das natürlich verloren ging, da diefe Saurier regelmäfsig im 
Waffer unterfmken und nur zu erhalten fmd, wenn fie am Lande 
gleich auf der Stelle tödlich getroffen werden. 

Alfo es gab Krokodile! Das freute mich fehr, als ich mit Steuer- 
mann Sechstroh eine Bootfahrt nach dem Bumi unternahm. So heifst 
ein hübfcher Gebirgsflufs, der etwas oberhalb Ssuam in eine flache 
Bucht mündet. Die Eingeborenen hatten hier forglicher Weife ein 
Fifchwehr angebracht, öffneten dasfelbe aber in ihrer bekannten 
freundlichen Manier, und ein paar der hervorragendften Abumtaus 
gaben uns das Geleit. Der Flufs war anfangs fehr verfprechend, mit 
üppiger Vegetation , darunter Sagopalmen (Labi), am linken Ufer 
fenkrechte Wände eines bläulichen Mergels mit zahlreichen recenten 
Mufchelreften. Bald kamen aber Untiefen, Stromfchnellen, über 
welche wir das Boot in tieferes Waffer fchleppten, bis die fröhliche 
Gondelei, bei der wir faft mehr das Boot zu tragen hatten, als das 
letztere uns, überhaupt das Ende erreichte. Der Flufs wurde hier, 
von beiden Seiten durch fteile Felswände mit üppigem Baum wuchs 
eingeengt, zum völligen Gebirgswaffer, in welchem wir noch ein gutes 
Stück watend vorwärts kamen. Kreifchende Weiberftimmen unter- 
brachen das angenehme Murmeln bei der fonft fo wohlthuenden 
Stille. Wir hatten um eine Ecke biegend eine Schar arglos fifchen- 
der Mädchen aufgefcheucht, die nun wie die Gemfen an den Fels- 
wänden emporkletterten und ihre Fifchhamen eiligfl im Stiche liefsen. 
Leider enthielten fie keine Tafelfifche, fondern nur wiffenfchaftliche 
Ausbeute , ein paar kaum fingerlange Gobius-artige Fifchchen mit 
Kehlfaugapparat, ähnlich wie ich Tie in den Gebirgswäffern Mauis 
erhalten hatte. Ja, der paar Fifchelchen wegen brauchte fich kein 
Krokodil hier herauf zu bemühen, und fo verzichtete ich abermals 
auf die Beute, wie der Fuchs auf die Trauben. Da war es in Kon- 
ftantinhafen noch beffer gewefen! Da lag ich einmal mit dem Boot 
gerade über einem folchen Ungetüm, wohl zehn Fufs lang, deffen 
Umriffe ich deutlich unterfcheiden konnte. Ins Waffer kann man 
wohl fchiefsen, aber mit dem Treffen ifl: es dann fo eine eigene 



Vom Mitrafels bis Finfchhafen. 185 

Sache. So hiefs es denn abwarten; das brave Tier fchien den Fall 
in demfelben Lichte zu betrachten und zu denken: »ich hab' Zeit! 
«Dor! Dor ligt de Donnerslag!« fagte der Matrofe, welcher mein 
Boot ruderte! »Ja! Man flille, flille! ich fehe ihm ja!« Und wir warten 
wieder — das Krokodil unten behaglich im Waffer, wir in der glühen- 
den Sonnenhitze! Da, plötzhch: »Dor geit he hen«, eine mächtige 
Wolke Schlamm trübte das Waffer, und Rofs und Reiter fah man 
niemals wieder! Das ift eine Krokodiljagd in Wirklichkeit, nicht wie 
fie gewöhnlich befchrieben wird. In Neu-Guinea und Neu-Britannien 
giebt es, wenigftens nach meinen Erfahrungen, herzlich wenig Kro- 
kodile, das darf ich jeden verfichern, und das ifl ja im ganzen kein 
Fehler. Freilich Herr Powell befchreibt Flüffe in Neu-Britannien, in 
welchen es von Krokodilen förmlich wimmelt*), grofse, mittlere, 
kleine; man brauchte fie fich nur auszufuchen. Wahrfcheinlich hielten 
die Tiere grade Volkszählung und alle Krokodile von Blanche- Bai 
bis Kap Glocefler waren hier zur Kontrollverfammlung. Aber Herr 
Powell fah auch »fifchende« Kafuare, und »fliegenfchnappende« 
Krokodile!: 

Die Zeit unferes Abfchiedes nahte, fehr zum Bedauern der Ein- 
geborenen, deren Häupter natürlich Andenken erhielten, darunter 
mein alter braver Freund Makiri ein äufserft ungewöhnliches, wie 
ich es noch nie einem Freunde gab, noch geben konnte. In einer 
Ecke der Kajüte befafsen wir ein Seitzogen, d. h. einen jener be- 
kannten Apparate, in welchen man künflliche kohlenfaure Waffer 
bereitet. — »Und den bekam der Wilde?» wird vielleicht mancher 
Lefer denken. Natürlich nicht, fondern nur einen Teil desfelben. 
Die Sache war nämlich fo gekommen. Wir hatten an Bord einen 
fchwarzen Burfchen, einen fchneidigen Jungen, der den weifsen Mann 
und feine Fineffen aus dem Grunde kannte. Er verftand einen Rimen 
zu ziehen, Gewehre und Tifchgerät zu putzen, afs bereits Schiffsbrot, 
noch lieber eingemachte Früchte oder Sardinen in Ol, woran fich 
alle Kanaker fo fchnell gewöhnen, mit einem Wort, er war ein fehr 



*) ., Wanderings in a wild Country" ( S. 202). 



l86 Fünftes Kapitel. 

gebildeter junger Mann. Sogar einen Seltzervvafferapparat vvufste er 
kunftgerecht zu füllen. »Oh! me sabil that fei low white paura likelike, 
that other fello%v mangero!« (O, ich weifs, von diefem weifsen Pulver 
wenig, von dem andern viel). Richtig, er hatte die Sache los, nicht 
wahr, was nicht fo ein Kanaker alles lernt! Das Kohlenfaure, in den 
Tropen eine wahre Erquickung, war alfo bald fertig und follte eben 
probiert werden. Da, auf einmal ein Krach, als ginge eine kleine 
Kanone los! Ich dachte natürlich zunächfl: an den Keffel, aber 
glücklicherweife fo fchlimm war es nicht, fondern nur das Seitzogen 
explodierte. Da lag die Befcherung! das daumendicke Glas zerfprengt 
und Hunderte feiner Splitterchen überall ins Holzwerk geflogen. Das 
mufste ein wahres Sprühfeuer von Glasfplittern gewefen fein, denn 
die Kajüte war ja nicht grofs {ß Fufs bei 5) und wirklich ein Glück, 
dafs fich gerade niemand in derfelben aufhielt. »Boy! you look« 
Knabe, betrachte dies!? — »Aipua! me make that fellow mangero 
mangero good! that fellow bottle not all same strong paura« (O weh! 
ich habe es zu gut gemacht; die Flafche war nicht fo ftark als das 
Pulver). Da hatte er ebenfalls recht, und wir waren beide um eine 
Erfahrung reicher; er, dafs es auch weifses »Paura« (= Powder, 
Schiefspulver) giebt, welches im Waffer »bum« macht; ich, dafs man 
niemals einem Schwarzen einen Selterswaffer - Apparat anfetzen 
laffen foll. 

Mit dem Kohlenfauren war es nun aus, und nur das hohe birn- 
förmige Drahtgeflecht übrig, das mit rotem Zeug umwunden in der 
That eine aparte Kopfbedeckung bildete, welche meinen Freund 
Makiri mit Stolz und Freude erfüllte. Gut, dafs wir übrigens bald 
darauf weggingen, denn jeder Abumtau wollte jetzt eine folche Mitra 
haben. Diefer Vorfall erinnert mich übrigens an eine andere ähnliche 
Gefchichte aus meinem Südfeeleben, die noch komifcher ift und des- 
halb hier mitgeteilt werden mag. Aber ich fchweife da wieder ab — ! 
»Schadet nichts, nur zu!« »Nun Sie wollen es! alfo gut!« Als ich 
im Jahre 1880 auf Jaluit in der Marfhallgruppe weilte, war für Lebon 
Kabua, den damaligen »Oberhäuptling und Herrn von Radak und 
Ralik» ein Herrfcherornat von Hamburg eingetroften, Theatergarde- 



Vom Mitrafels bis Finfchhafen. l87 

robe. unter welcher fogar die Krone nicht fehlte. Der vergoldete, 
reich mit Glasfteinen befetzte, zackige Reif imponierte dem guten 
Kabua freilich nicht wenig. Aber er feilte ihn, wie die ganze könig- 
liche Gewandung bezahlen, und da hiefs es natürlich gleich: »i bane! 
edfchilok dala aol« (ich kann nicht! kein Geld mein). Krone, Scepter 
und Purpur lagen nun daher, bis fich ein paffender »King« finden 
würde, an welchen ja in diefen Regionen kein Mangel ift. Und er 
kam. Eines fchönen Tages brachte ein deutfcher Dampfer gar wun- 
derliche fremde Gefellen, dunkel, mit Krausköpfen, ja, die mufsten 
ja weit her fein aus dem Morgenlande. Nein, aus dem Abendlande, 
denn fie kamen mehr aus Weft, da wo von Jaluit aus die Sonne 
untergeht, aus Neu-Irland. Darunter war nun auch ein König, ein 
wirklicher Mohrenkönig, den erften, welchen ich fah. Freilich brachte 
er weder Gold, Weihrauch noch Myrrhen, fondern nur feine eigene 
Haut, die wie bei dem IMohrenkonige jenes Märchens, mit dem un- 
fichtbaren, aus nichts gewebten Stoffe umhüllt war, wodurch fich dem 
blöden Auge des gewöhnlichen Sterblichen alfo jedes vom Ring- 
wurm abgenagte Fleckchen deutlich zeigte. In der That gerade keine 
fonderlich königliche Auszeichnung, welcher feine beiden Begleiter 
fich auch erfreuten, denn Ringwurm und Schuppenkrankheit find ja 
Nationaleigentum der ganzen braunen und fchwarzen Südfeegefell- 
fchaft. Um nun Majeflät von den Minifiern einigermafsen auszuzeich- 
nen, damit fie nicht immer verwechfelt wurden, bekam nun der König 
die Krone, natürlich als Gefchenk, vielleicht nur leihweis, denn womit 
hätte er bezahlen wollen? König und Krone waren unzertrennlich wie 
beim Kartenkönig, und es fah urkomifch aus, die lange hagere Ge- 
ftalt in vollftändiger Nacktheit mit dem funkelnden Kopffchmuck 
umherwandeln zu fehen. Selten ifl wohl eine Krone foviel gebraucht, 
faft möchte ich fagen ftrapaziert worden als diefe, denn die Ichwarze 
Majeftät behielt fie auch auf, wenn fie fich fchlafen legte. Freilich 
wäre ihm der Purpurmantel weit praktifcher, jedenfalls viel lieber 
gewefen, aber er mochte denken: Na! eine gefchenkte Krone ifl 
auch nicht ohne! 

Wir verliefsen Finfchhafen an demfelben Morgen wie die »Hyäne«, 



l88 Fünftes Kapitel. 

welche füdlich ging, um die Bucht hinter Finfchhafen zu unterfuchen, 
die ich fchon vom Berge aus gefehen hatte. Sie erwies fich fpäter 
als praktikabel und erhielt den Namen »Langemack-Bucht«. Wir 
gingen bis Kap Cretin, fechs durch Riff verbundene Infein, die immer 
der Unterfuchung wert erfchienen , aber nur vorgemerkt werden 
konnten. Dann dampften wir nordwärts bis Long-Infel, an deren 
Oftfeite wir entlang gingen. Sie zeigt einen ähnlichen Charakter, wie 
Dampier, ifl: durchaus vulkanifch mit mehreren erlofchenen Vulkanen, 
von deren drei hervorragendften Kegeln zunächft Coriz-Pik vor uns 
lag. Er mag an 4000 Fufs hoch fein und ifl wie die übrigen Berge 
dichtbewaldet. Gegenüber Coriz-Pik an der Nordoftfeite Hegt der 
etwas niedrigere Berg Reaumure, aber Findlay (Pacific Directory 
S. 931) irrt, wenn er fagt, beide Berge feien durch ein tiefes Thal 
getrennt. Die ganze Infel ift vorzugsweife bergig, mit fehr wenig 
flachem Land und nur mäfsigen Schluchten oder Thälern durchzogen. 
Die Küfle erfchien fowenig verfprechend als das Land felbfl:, das fich 
übrigens leichter zur Kultivation eignen dürfte wie Dampier-Infel, 
da es nicht fo dichten Urwald, fondern mehr mit Geflrüpp bedeckte 
Striche zeigt Das Ufer war meifl: ein nicht fehr hohes felfiges Steil- 
ufer, zuweilen etwas abfallend und fanfte Buchtungen bildend, die 
wohl aber kaum als Hafen brauchbar fein dürften, wenigftens nicht 
an der Oftküfte, die wir befuhren. Nirgends waren Plantagen be- 
merkbar, aber in der zweiten Buchtung bemerkte ich einen gelben 
Baum und etliche Kokospalmen, die einzigen, welche wir auf der 
ganzen Infel fahen. Und — »da find fie ja die fchwarzen Kunden!« 
fagte der Steuermann. Wirklich ein Segelkanu mit acht Infaffen 
kam langfam aus der Bucht heraus, aber noch längft nicht nahe 
heran. Da hatten die Lungen unferer Mioko- Schwarzen wieder 
Arbeit. »Good fhip that fellow! plenty kaikai! (Effen), plenty to- 
baccol plenty papine! (Mädchen) plenty lavalava (Lendentücher)! 
Kjap (Kapitän) very good! uti! alut! alutl aijap! (kommt! fchnell, 
fchnell)!«, wie fie es an Bord von Arbeiterwerbefchiffen, welche fie 
begleitet hatten, gewohnt waren. Nur dafs diesmal das »me kulia 
men« (wir kaufen Leute) wegfiel, denn damit hatte fich die Samoa 



Vom Mitrafels bis Finfchhafen. I 89 

glücklicherweife nicht zu befaffen. Das machte freilich auf die Long- 
Infulaner keinen Eindruck, denn fie verftanden von diefer Sprache foviel 
wie wir von der ihren: nichts. Und damit kamen wir, als fich das Kanu 
endlich längsfeit gewagt hatte, auch ganz trefflich aus. Die Leute, übri- 
gens echte Papuas und ganz wie die Bewohner des Fefllandes von Neu- 
Guinea, waren befcheiden, und es liefs fich gut mit ihnen fchachern. Aber 
fie hatten nicht viel, übrigens alles Gegenftände, wie fie in Aftrolabe- 
Bai vorkommen, fo geflochtene Armbänder (XVIII 4), Bruftfchmuck, 
(XXII I, 2) auch die gleiche Art Bogen und Speere. Als fo ziem- 
lich ausverkauft war, gaben fie den Ausputz ihres Kanus her und 
fchnitten felbft die bemalten Seitenborde ab. Darunter waren gar 
merkwürdige Sächelchen: fo auf der Mafkfpitze ein Triangel mit 
roh gefchnitzten Vögeln, ein fonderbares Geftell auf dem Ausleger 
(vergl. Atlas VI 6 und VIII i, 2) u. f. w., alles Gegenftände, die jetzt 
im ]Mufeum für Völkerkunde in Berlin zu fehen und, das wohl vor- 
her kein Stück von Long-Island befafs. An Lebensmitteln wurden 
nur einige alte Kokosnüffe und etwas Blättertabak gebracht. Stangen- 
tabak fchienen die Leute nicht zu kennen, dagegen Glasperlen und Ei fen, 
das hier mit dem Ausruf »Gari« begrüfst wurde. Im Eifer des Han- 
delns fiel einem der Männer das eben erftandene Meffer ins Meer. 
Da konnte man ein betrübtes fchwarzes Gefleht fehen, denn für ein 
folches Naturkind ift das gar nicht zum Lachen. Nun, ich fehe gern 
zufriedene Menfchen, da fchenkte ich dem Manne ein anderes Meffer, 
und nun konnte man fleh wieder an einem fröhlichen fchwarzen Ge- 
flchte freuen. Vermutlich ftehe ich noch heute bei den Long-Infu- 
lanern in gutem Andenken; denn wie des Böfen erinnert fleh der 
Schwarze auch etwas des Guten, und wahrfcheinlich erzählt man noch 
von dem fremden Schifi"e ohne Segel und dem weifsen Manne mit 
dem roten Barte. Mufs der reich gewefen fein! Ja, an Meffern hat 
es mir von meinen Knabenjahren an nie gemangelt, am allerwenigften 
auf der Samoa, die unzählige Gros an Bord führte. 

Von Long-Island ftanden wir in Sicht der Infein Lottin, Rook, 
Tupinier und Vulcano, nach der Nordküfte Neu-Britanniens hinüber, 
deren an 6000 — 7000 Fufs hoher Pik bei Kap Glocefter nur eine 



igO Fünftes Kapitel. 

Fortfetzung diefer vulkanifchen Infein zu fein fchien. Denn hier find 
eben alle Berge Vulkane, die wir freilich fämtlich erlofchen*) fanden. 
In der Nähe von Lettin hatten wir die feltene Gelegenheit eine Waffer- 
hofe zu beobachten. Sie zeigte fich nicht in der gewöhnlichen Geftalt 
eines Geifer, wie fie gewöhnlich abgebildet wird, fondern anfangs wie 
eine nicht hoch über dem Waffer fchwebende Rauchwolke, aus der 
plötzlich ein hoher, fchiefer, dunkler Strahl hervorfchofs. Diefer Strahl 
verdünnte fich nach und nach an der Bafis und nahm die Form einer 
etwas gebogenen Feder an, bis fich nach und nach das Ganze auf- 
löfte. Die Erfcheinung mochte lo bis 12 Minuten dauern und zeigte 
fich in einem dicht mit Regenwolken bedeckten Horizont, hinter 
dem die Infel eben auftauchte. 

Zwifchen Kap Gauffre und Kap Raoul liefen wir längs der 
Küfte Neu-Britanniens nach Often bis Weberhafen. Sie flimmt in 
der Konfiguration wenig mit der Karte überein, die allerdings einen 
grofsen Teil der Küftenlinie nur punktiert zeigt. Oft von Kap Raoul 
fanden wir auf eine Strecke von ca. fechs Meilen fchönes, offenes 
Land, das fich trefflich zu Kulturen eignen dürfte, und das befle 
fcheint, welches wir in Neu -Britannien überhaupt fahen. Da wir, 
fchon in Rückficht auf unfere Kohlen, die Küfte nur rekognoszieren 
konnten, fo mufsten wir dies fchöne Land diesmal ununterfucht laffen 
und bis zu einer anderen Gelegenheit auffparen. An diefem Teile 
der Küfte find mehrere kleine Infein vorgelagert, die durch Riff ver- 
bunden fcheinen, doch kamen die Eingeborenen in ihren Kanus 
durch die Brandung heraus, das einzigemal, dafs wir mit folchen an 
diefer Küfte in Verkehr traten. Weiter oftwärts fanden wir das Land 
weniger verfprechend, meift bergig, dichtbewaldet, wenig oder gar 
keine Anzeichen von Bevölkerung und dazu zahlreiche Riffe. Von 
Willaumez -Infel bis Kap Lambert kamen wir in das zuerfl durch 



*) Dampier fah am 24. März 1700 nur Vulcano- Island in Eruption, aber Powell 
fpricht 1879 oder 1880 von: innumerable vulcanos small and large. all in violent 
eruption; land seemed all fire" (Wanderings S. 230). Ja, der trifft allenthalben etwas 
Befonderes! 



Vom Mitrafels bis Finfchhafen. IQI 

Wilfred Powell zum Teil eingehender befchriebene Gebiet, welches 
er im Jahre 1879 oder 18S0 mit der Ketch »Star of the East« (15 
Tons) explorierte und (mit nur zwei Eingeborenen) kartographierte. 
Schon die Befchreibung feines Kap Campbell, der Oftfpitze von Wil- 
laumez, ftimmte wenig mit der Wirklichkeit, und vor allem mufste 
es befremden, auf feiner Karte »High-Island« verzeichnet zu finden, 
da dies doch nur der hohe Pik im Südweften der Infel Willaumez *) 
ift. Andere Punkte liefsen fich überhaupt nicht ausmachen oder 
waren nicht aufzufinden** . 

Von Weberhafen fprachen wir noch an der Nordweflfpitze Neu- 
Irlands vor, wo fich Friedrich Schulle feit Mitte des Jahres auf der 
Infel Nufa wieder gefertigt hatte und Koprahandel betrieb. Und wer 
war dazu beffer geeignet als er; hatte er doch früher als Gefchäfts- 
führer von Hernsheim & Co. falT: all die Stationen in jenem damals 
durchaus neuen und ergiebigen Gebiet errichtet. Als Schulle im 
Jahre 188 1 wegging beflanden noch ein Dutzend folcher Kopra-Sta- 
tionen, jetzt gab es nur noch zwÄ. Und was war die Urfache diefes 
Rückganges? Die Labourtrade! w^elche hier vorzugsweis von Queens- 
länder Schiffen in rückfichtslofer Weife betrieben, foviel Unheil an- 
gerichtet hatte. Kein Wunder, wenn die Eingeborenen, wirklich wild 
geworden, nach Rache dürfteten. Ganz befonders galt diefelbe einem 
weifsen Händler, einem Deutfchen, der noch mit dem Chandernagor 
des Marquis des Rays herausgekommen war, und es fehr profitabel 
fand Arbeiter an die Werbefchiffe zu beforgen, wobei es nicht immer 
fauber hergegangen fein mag. Als der Erwähnte vollends einen 
Häuptling erfchofs, da war es den Eingeborenen endlich doch zu 
viel: fie griffen an, brannten die Station nieder, und er rettete nur 
das Leben. Dafür wurden die Eingeborenen fpäter von einem Kriegs- 
fchiffegeftraft, aber der Anftifter — nun der ging leer aus. So geht es in 



*) Ift keine Infel, fondern eine Halbinfel, wie Herr v. Schleinitz neuerdings nachwies. 

**) Ähnlich ging es Parkinfon in Bezug auf den „good sized frefhwater-lake, with 

a small Island in the centre", welchen Powell im Innern der Gazelle-Halbinfel befchreibt, 

und welcher fich nur als ein ..Tümpel von ca 8—10 Meter Durchmeffer" erwies. (Im 

Bismarck- Archipel" S. 61). 



jq2 Fünftes Kapitel. 

der Südfee, und da liefse fich noch gar manches erzählen. Aber diefe 
gefürchteten Wilden müfsen doch wohl nicht fo fchlimm als ihr Ruf 
fein! Friedrich Schulle lieferte den heften Beweis dafür, denn er lebte 
ganz allein, nur mit drei Farbigen, unter ihnen und zwar fo gemüt- 
lich, als man damals in Neu-Irland überhaupt leben konnte. Und da- 
bei fafste er die Eingeborenen nicht mit Glacehandfchuhen an, fon- 
dern es kam ihm, wenn notwendig, nicht darauf an Krieg zu erklären 
und denfelben ganz allein durchzuführen. Freilich mögen fich die 
Verhältnifse inzwifchen wieder geändert haben, da feitdem durch 
unfere Kriegsfchifife noch weitere Straf expeditionen in jenen Gebieten 
unternommen wurden. 

Wir dampften längs der Weftküfle von Neu-Irland, die ausnahms- 
los aus zum Teil fehr fteilen, dichtbewaldeten Hügeln und Bergen be- 
fteht, die wenig verfprechend ausfeilen, da es hier nur äufserft 
wenig Kokospalmen giebt, und trafen am 9. Dezember wieder in 
Mioko ein. 



Drei Jahre fmd bereits verfloffen ieitdem ich mit der SamoaFinfch- 
hafen entdeckte. Die Idylle, wie fie meine Abbildung (S. 162) zeigt, 
ift verfchwunden, denn der weifse Mann hat feinen Einzug gehalten, 
um fich dauernd hier niederzulaffen. Etwa elf Monate (18. Oktober 
1885) nach uns, lief das erfte deutfche Segelfchiff die Brigg »Lübken« 
aus Hamburg mit Vorräten und Kohlen im Finfchhafen ein, fand 
aber zu ihrem Erftaunen nur die Eingeborenen, denn erft Anfang 
November (5.) langten die beiden Dampfer der Neu- Guinea-Kom- 
panie »Samoa« und »Papua« an, mit einer Anzahl Beamten, malayifchen 
von Java importierten Arbeitern, und damit konnte erft die eigent- 
liche Gründung der Niederlaffung beginnen. Seitdem fmd noch 
mehr Segelfchiffe nach dem auf allen Seekarten verzeichneten Finfch- 
hafen gekommen. Die Dampfer der Kompanie unterhalten einen 
regelmäfsigen Dienft mit der nächften Poft- und Telegraphenftation 
Cooktown in Oueenland ; Briefe nach Finfchhafen fmd dem Weltpoft- 
verkehr übergeben. Weitere Beamte und eine gröfsere Anzahl 
malayifcher Arbeiter haben eine gröfsere Anzahl Häufer nötig ge- 



Vom Mitrafels bis Finfchhafen. 



193 



macht, darunter das mit allem Komfort ausgeftattete des Landes- 
hauptmanns. Denn Finfchhafen ift Sitz der Landesverwaltung, die 
Hauptftadt vonKaifer-Wilhelms-Landunddem Bismarck- 
Archipel geworden. Es giebt hier ein Gericht, Seemannsamt, Stan- 
desamt, Poftamt, kurzum alle Inftitute eines geordneten Staatswefens. 
Selbflverfländlich fehlen auch Gaflwirtfchaften, die fich flreng an die 
von der Kompanie vorgefchriebenen Tarife zu halten haben, nicht. 
Auf Kap Bredow ift eine Bake errichtet, die flache Stelle im Hafen 
durch Bojen markiert worden. Mit Kulturen und Verfuchsplantagen 
hat man auch in der benachbarten Langemack-Bucht angefangen, 
wie Pferde, Rindvieh, Ziegen und Schafe eingeführt; alles gedeiht 
trefflich, und was die Hauptfache ift, auch die klimatifchen Verhält- 
niffe fmd fehr befriedigend. Der Boden wird wie der Hafen allge- 
mein gerühmt, kurzum alle Hoffnungen und Erwartungen, welche 
ich an diefen Platz knüpfte, fmd fo ziemlich erfüllt, zum Teil über- 
trofien worden, in der That eine Genugthuung, die mir der fchönfte 
Lohn ift für viele ernfte und fchwere Sorgen und anftrengende 
Thätigkeit. Auch die Miffion hat ihr Werk begonnen. Am 12. Juli 1886 
traf der lutherifche Miffionär Johann Flierl ein und gründete fpäter 
die Station Simbang in der Langemack-Bucht, dem feitdem drei 
Kollegen deutfcher Miffionsgefellfchaften (von Barmen und Neuen- 
dettelsau folgten. 

Und fo wollen wir Finfchhafen recht von Herzen eine allfeitig 
glückliche Weiterentwickleung wünfchen! »Was ift aber aus den 
Eingeborenen geworden? Die helfen wohl tüchtig mit arbeitenra 
höre ich fragen. Nein, die fmd der Mehrzahl nach ausgewandert, 
fo z. B. die Bewohner der Dörfer Ssuam und Kedam in corpore. 
Hoffentlich werden bald nützlichere und brauchbarere Menfchen ihre 
Plätze einnehmen: Anfiedler. Bis jetzt fehlt diefes wichtigfte Ele- 
ment der Kolonifation noch ganz; aber bereits können Leute mit 
genügenden Mitteln Land pachten, auf fünf Jahre. Nun da wird 
hoffentlich bald der Anfang gemacht und damit erft die eigentliche 
Kolonie begründet werden. Möge diefe Zeit bald anbrechen! 



Finfch, Samoafahrten. ,, 



Sechftes Kapitel. 



Englifches Gebiet. 

Geringe Kenntnis Neu-Guineas. — Schwierigkeiten ins Innere vorzudringen — find nicht 
unüberwindlich. — Armut an Naturprodukten — bis jetzt kein Eldorado. — Schiffs- 
verkehr in Mioko. — Arbeiterwerben. — S. M. Kreuzerkorvette „Marie". — Unfall der- 
felben. — Auf der Suche nach Steinkohlen — Kriegszuftand mit Neu-Irland. — Port 
Breton. — Trauriges Ende der franzöfifchen Kolonie. — Reminiscenzen an diefelbe. — 
Port Praslin. — Schwierigkeiten zu ftrafen. — Englifches Gebiet. — Erfl durch Mo- 

resby erfchloffen. 

Während der »fchwarze Kontinent«, Afrika, in den letzten Jahr- 
zehnten nach allen Richtungen erfolgreich durchkreuzt wurde, blieb 
das Innere feiner öfllichen Schwerter, der mächtigen fchwarzen Infel 
Neu-Guinea, fo gut als unbetreten, und nur zu Waffer wurden bisher 
anfehnhche Diftanzen zurückgelegt. So 1876 durch den kühnen Italiener 
d'Albertis, welcher den Flyflufs an 450 engl. Meilen weit mit einer 
Dampfbarkafle befuhr, und neuerdings auf dem Kaiferin-Augufla-Flufs, 
über deffen Entdeckung durch die Samoa ich noch zu berichten 
habe. Zu Land fmd gegenüber anderen Erdteilen und Infein nur 
unbedeutende Vorftöfse zu verzeichnen. In dem am meiften explo- 
rierten Gebiete von Port Moresby an der Südoftküfte, gelangten 
unternehmende, meift vom Golddurft getriebene Pioniere, darunter 
auch unfer Landsmann Karl Hunftein, nur bis in die Region des 
Owen -Stanley -Gebirges, in der Luftlinie gemeffen, kaum w^eiter als 
40 engl. Meilen von der Küfte. Auf der äufserfhenSüdoftfpitze überquerte 
der Reverend Chalmers die kurze Strecke von Südkap (Stacey-Island) 
bis Milne-Bai, während Dr. A. B. Meyer als der Erfte den Ifthmus 



Englifches Gebiet. IQ5 

zwifchen der Geelvink-Bai und dem Golf von Mac Cluer kreuzte, 
jener fchmälften Stelle der ganzen Infel, deren Breite hier kaum mehr 
als 5 Seemeilen beträgt. Wir kennen alfo noch heut ungefähr nur 
die Küften Neu-Guineas, und auch mit der Erforfchung diefer hat 
es lange genug gedauert, wenn man bedenkt, dafs über 360 Jahre feit 
der Entdeckung Neu-Guineas durch den Portugiefen de Menefes (1526) 
verfloffen. Man war ftets geneigt diefe geringen Erfolge den be- 
fonderen Schwierigkeiten, welche gerade Neu-Guinea wegen feines 
mörderifchen Klimas und feiner wilden blutdürftigen Bevölkerung 
bieten follte, zuzufchreiben, indes fehr mit Unrecht. Das Klima 
hat fich im ganzen nicht fchlechter als anderwärts in den Tropen 
erwiefen , und die gefürchteten Eingeborenen fmd auch bei weitem 
beffer als ihr Ruf, fie haben fich fafl überall da, wo fie von dem ver- 
derblichen Verkehr mit W'eifsen unberührt blieben, als harmlofe 
Menfchen gezeigt. Die Hauptfchwierigkeiten eines tieferen Eindringens 
zu Land liegen weder im Klima noch den Eingeborenen, fondern 
ganz wo anders: einfach in dem Mangel an landeskundigen Führern 
und ganz befonders Trägern, und fmd noch genau diefelben geblieben 
als vor 300 Jahren. Die Schuld daran trägt hauptfächlich die Ifoliert- 
heit der Bevölkerung I Die Bewohner der Küften, ohne andere Stammes- 
zufammengehörigkeit als der kleinerer Dorfgemeinden, fchon in Ent- 
fernung von oft nur wenigen Meilen in ganz verfchiedene Sprachen 
zerfplittert, faft in fteter Fehde lebend, wagen fich über das engbe- 
grenzte Gebiet der ihnen befreundeten Dörfer nicht hinaus und kennen 
mit Ausnahme gewiffer durch Kanufahrten in Verkehr flehender 
Küftenpunkte ihr Heimatsland am wenigften. Mit dem Inneren be- 
fteht kaum Verbindung, ja es fehlen fehr häufig felbfl Pfade, und da 
Neu-Guinea vorherrfchend dichtbewaldetes Gebirgsland ifl, fo ergeben 
fich fchon daraus gewaltige Hinderniffe. Wer wie ich felbfl an der 
Südoflküfte Neu-Guineas, in bekannten Gegenden, mit grofsen Schwie- 
rigkeiten kaum 15 M. weit ins Innere gelangen konnte, wird diefe 
Verhältniffe am beflen zu würdigen wiffen und fich damit tröften 
können, dafs felbfl: befonders begünftigte Reifende, wie z. B. Chalmers, 
kaum mehr als noch einmal foweit vordrangen. N. von Miklucho- 

13* 



jq5 Sechftes Kapitel. 

Maclay kam während eines fünfzehnmonatlichen Aufenthaltes in 
Aftrolabe-Bai nicht über das Litoral hinaus. Und warum.? Überall 
die nämliche alte Gefchichte: die Eingeborenen fürchten fich, weiter 
als bis zu den nächften Dörfern, feiten mehr als eine Tagereife mit- 
zugehen und fmd als Träger, weil ungewohnt mit diefer Befchäftigung 
oder zu faul, wenig wert. Gröfsere Reifen in das Innere werden fich 
daher nur mittelft importierten, gefchulten Trägerperfonals ausführen 
laffen und mit einer Ausrüftung, wie fie bisher keine der vielen 
Expeditionen aufzuweifen hatte. Wer über Mittel verfügen könnte, 
wie feiner Zeit Stanley in Afrika, dem würde es auch in Neu-Guinea 
an Erfolg nicht fehlen, und die Zeit ift hoffentlich nicht fern, wo diefe 
Erfolge thatfächlich erzielt werden. Ein »Neu-Guinea-Stanley« wird 
fich fchon finden, wenn erft der »Neu-Guinea-Bennett« da ift, welcher 
das Geld dazu hergiebt. Denn das bleibt fchliefslich die Hauptfache, 
wenn auch längft nicht foviel Mittel erforderlich fein würden als bei 
jener ewig denkwürdigen Riefentour durch den fchwarzen Kontinent. 
Wie weit felbfl: ein Einzelner in Neu-Guinea ungefährdet vorzudringen 
vermag, das hat Karl Hunftein am beften bewiefen, der nur von 
einem Südfeefarbigen begleitet in die Rhododendron-Region des 
Owen-Stanley*) gelangte und hier mehrere Wochen mit Sammeln 
von Vogelbälgen, darunter herrlichen neuen Paradiesvogelarten, zu- 
brachte. Freilich gehört dazu ein mit Land und Leuten fo gut be- 
kannter ]\Iann als Hunftein, der unter den erften Goldfuchern am 
weiteften eindrang und mit zu den beften Pionieren Neu-Guineas zählt. 
Freilich, die Gebirge, die Gebirge! Sie werden ftets gewaltige Hinder- 
niffe bieten, würden aber bereits überwunden worden fein, wären 
Schätze zu holen gewefen. Wenn kühne Männer zuerft in die Wild- 
nis der Felsgebirge und anderer unwirtlichen Gegenden eindrangen, 
fo fanden fie ihre Anftrengungen durch die Ausbeute an wertvollen 
Pelztieren, fpäter Erzen reichlich belohnt, aber Neu-Guinea bietet ja 
in der Tierwelt nichts als Paradiesvögel, die trotz ihrer Federpracht 



*) Vergl. Finfch und Meyer: ,, Vögel von Neu-Guinea" (Zeitfchr. f. die gefanimte 
Ornithol. 1885. S. 369—373. 



Englifches Gebiet. I97 

doch nur wiffenfchaftlichen Wert haben. Der Mangel an lukrativen 
Naturprodukten ift es eben, welcher Neu-Guinea fo lange verfchloffen 
hielt, und wir würden ganz anderen Verhältniffen dort begegnen, 
wenn der Goldreichtum wirklich gefunden worden wäre, von welchem 
heut noch fo viele träumen. NamentUch in Queensland wird Neu- 
Guinea als das wahre Eldorado betrachtet, und nicht blofs auf das 
»we know it« des Reverend Mac Farlane hin, fondern von profef- 
fionellen Goldgräbern, die ja im Geifle immer die gröfsten Erwar- 
tungen hegen. Nun, die Zeit wird ja lehren, ob diefe bis jetzt nur 
fchwach begründeten Hoffnungen*) fich verwirklichen! 

Ich hatte feiten in einem Südfeehafen eine fo grofse Anzahl 
von Schiffen gefehen als bei unferer Rückkehr nach Mioko. Vier 
Fahrzeuge lagen zu Anker, aber in einer Weife, die felbfl dem Laien 
ungewöhnHch erfchien. Da mufste etwas Befonderes vorgehen, und 
fo verhielt es fich auch. Man war nämlich befchäftigt ein Schiff zu 
heben, einen kleinen Kutter von 50 Tons, der infolge von Alters- 
fchwäche nicht mehr fchwimmen, fondern abfolut finken wollte. Das 
gefchah denn auch und zwar glückHcherweife unmittelbar vor der 
Station, in wenig tiefem Waffer. Es gelang daher den Trotzkopf zu 
bändigen und heraufzuholen, der jetzt wahrfcheinlich wieder luftig 
auf den Wellen tanzt; hatte er doch erft 34 Jahre! mitgemacht. Eine 
folche Flotte von Handelsfchiffen unter deutfcher Flagge, die damals 
felbfl: in Sydney zu den Ausnahmen gehörte, konnte dem Unkun- 
digen wohl imponieren und ihm Refpekt vor dem. deutfchen Handel 
in jenem entlegenen Südfeewinkel einflöfsen. Aber es war nur ein 
gröfseres Schiff aus Deutfchland darunter, welches noch viel Kopra 
hätte laden können, wenn fie eben vorhanden gewefen wäre; die an- 
deren Fahrzeuge waren nur kleine Kutter und Schuner von 50 — 60 
Tons. Sie dienen dazu Kopra von den Küftenplätzen zufammen- 
zufchleppen, was oft bedeutende Schwierigkeiten hat, zeitweis gar 
nicht möglich ifl, oder find im Werbegefchäft thätig, da Mioko das 



*) Die telegraphifche Nachricht, dafs in Huon-Golf Gold gefunden fei, hat fich 
als irrig erwiefen. 



Iq8 Sechfies Kapitel. 

Centraldepot für Samoa ift. Von hier aus wurden 1883 — 84 allein 
aus Neu-Britannien und Neu-Irland 700 angeworbene Arbeiter nach 
dort verfchifift. Der Schuner Ninafou*) gehörte zu diefen Werbe- 
fchiffen und war eben von einer Reife aus dem Nordweflen zurück- 
gekehrt, hatte aber im Rekrutieren wenig Glück gehabt. Zwanzig 
Eingeborene waren das ganze Refultat einer elfwöchentlichen Kreuz- 
fahrt, und der Kapitän, welcher für jeden angeworbenen Arbeiter 
fünf Dollar Prämie erhält, fchien wenig zufrieden damit. Aber die 
Verhältniffe haben fich eben überall verfchlechtert. Das Rekru- 
tieren ift immer fchwieriger geworden, da die Eingeborenen nicht 
mehr weg, und weder nach Queensland noch nach Samoa, gehen 
wollen, was man ihnen ja auch im Grunde genommen nicht ver- 
denken kann. Auch die neuen Ankömmlinge mit der Ninafou, Ein- 
geborene von den Admiralitäts-Infeln, Hermites und Gott weifs wo- 
her, fchienen die Bedeutung ein Kreuzchen auf ein Stück Papier 
gekritzelt zu haben, welches fie drei Jahre von ihrer Heimat reifst 
und zur Arbeit zwingt, erft jetzt einzufehen, denn von den zwanzig 
liefen gleich fieben weg. Nun, Mioko ift eine kleine Infel, da können 
fie nicht weit kommen und fchliefslich giebt es ja auch Hand- 
fchellen. Das ift freilich ein durchaus neues Gerät für Eingeborene, 
welche die erften Weifsen wie das Mädchen aus der Fremde be- 
trachten, das jedem eine Gabe in Geftalt von Glasperlen. Kaliko 
und Tabak mitteilt. Ja, das anfcheinend fo uneigennützige Schenken 
und Hätfcheln der Eingeborenen hört gar bald auf, wenn fie erft 
das verhängnisvolle Kreuzchen, ihre erfle und einzige Schreibprobe, 
gemacht, oder wie es in der Werberfprache heifst, »gezeichnet« haben. 
Die weifs-fchwarze Fraternite hat plötzlich einen Rifs bekommen, und 
ftatt des freundlichen »come on, my good fellow« heifst es plötzlich : 
»workl you niggerl« Freilich Leute, welche die Südfee nie gefehen 
haben, die nur »die Knute der amerikanifchen Baumwollenbarone« 



*) Parkinfon (Im Bismarck-Archipel S. 31) erhebt gegen diefes Schiff, wie andere 
deutfche, fchwere Anklagen wegen Gewaltthätigkeiten gegen die Eingeborenen und führt 
Fälle an, die in der That empörend find, und leider noch 1S83 vorkamen. 



Englifches Gebiet. igg 

nach Tante Stowe kennen, die wiffen über folche Verhältniffe am 
heften zu fchreiben und zu fprechen; die denken nicht an Hand- 
fchellen und was fonft HäfsHches mit der »Labourtrade« zufammen- 
hängt. Wer aber felbft, irgendwo in der Südfee, Eingeborene, die 
rechte Hand an die linke, in Handfchellen paarweis, wie fiamefifche 
Zwillinge, aneinander gekettet umhergehen fall, nicht für einen Tag 
fondern wochenlang, der wird fo recht an Onkel Toms Hütte erin- 
nert worden fein. Handelte es fich doch nicht um Verbrecher, fon- 
dern nur um Ausreifser oder nach unferen modernen Begriffen um 
Leute, die fich ihrem Dienftverhältnis zu entziehen verfuchten, was 
bei uns ja wohl nur eine Ordnungsftrafe nach fich ziehen würde. 

Die vielen Schiffe, zu denen bald darauf noch S. M, Kreuzer- 
korvette Marie, Kommandant Kapitän z. S. Crokifius, einlief, nutzten uns 
übrigens in Bezug auf die fo nötige Brief beförderung nichts, und fo blieb 
nichts anderes übrig, als felbft nach Cooktown, dem nächften, ca. looo 
Meilen entfernten, auftralifchen Hafen mit Poft- und Telegraphen- 
verbindung abzudampfen. Die Samoa wurde alfo fo rafch als mög- 
lich feeklar gemacht, und wir begaben uns wieder auf die Reife, dies- 
mal in hoher Gefellfchaft, denn wir liefen mit der Marie zugleich 
aus. Im freien Fahrwaffer des Georgs-Kanal nahmen wir Abfchied, 
Hüte und Tücher wurden gefchwenkt, die Flaggen fenkten fich dreimal 
zum Grufs und die »Marie« dampfte Matupi zu, während wir unferen 
Kiel nach Süden wendeten. Ein gar herrlicher Anblick fo ein ftatt- 
liches Kriegsfchiff von mehr als 2000 Tons und einer Befatzung von 
mehr als zweihundert Mann an Bord ! Wie klein und unbedeu- 
tend erfchien die »Samoa« neben diefem Riefen! Aber auch einem 
fo ftolzen Fahrzeuge drohen die heimtückifchen Bauten der Korallen- 
tierchen mit Verderben, wie die Marie leider zu bald erfahren follte: 
kaum eine Woche fpäter fafs fie auf dem Riff bei Nusa an der Nord- 
weftfpitze von Neu-Irland. Eine plötzlich auffpringende fchwere Böe 
hatte das ftolze Schiff*) gerade beim Paffieren der engen Nifsel- 



*) Ausführlicher hierüber in der „Kölnifchen Zeitung" (Nr. 192, 13. Juli 1885) 
„Der Unfall der Glattdeckkorvette „Marie'-. 



200 Sechftes Kapitel. 

Durchfahrt, in dem ohnehin gefährlichen Fahrwaffer, auf das Riff 
getrieben, und nur unter den gröfsten Anftrengungen gelang es, das- 
felbe abzubringen und vom Untergange zu retten. Freilich war es 
arg befchädigt, der Hinterfteven und das Ruder geknickt und ver- 
bogen. Aber alle die Schäden wurden nach harter zweimonatlicher 
Arbeit foweit repariert, dafs das Schiff die Reife nach Sydney fort- 
fetzen konnte, eine Leiflung unferer Marine, auf die wir ftolz fein 
dürfen und welche feitens der englifchen die vollfle Anerken- 
nung fand. 

Ich hatte Nachricht über das Vorkommen eines reichen Kohlen- 
fchiefers in Port Breton an der Südfpitze von Neu -Irland erhalten 
und befchlofs hier vorzufprechen, um mich von der Wahrheit zu 
überzeugen, an der ich allerdings ftarke Zweifel hegte. Aber mir 
lag die Analyfe diefes Kohlenfchiefers von einem Profeffor in Sydney 
vor, und jedenfalls war die Sache umfomehr der Unterfuchung wert, 
als es fich nur um einen kleinen Abftecher handelte. Wir follten 
alfo den Schauplatz der Thaten des Marquis de Rays oder vielmehr 
feiner fchwindelhaften Kolonifationsverfuche kennen lernen, da er 
felbft ja nie diefes Land der Verheifsung betrat. Der Herr Reichs- 
kommiffar hatte freilich ernfle Bedenken gegen einen Befuch jenes 
Platzes, wo die Hyäne erft vor kurzem zu ftrafen verfuchte, denn er 
fürchtete, wir könnten infolge diefes Vorfalles von den Eingeborenen 
überfallen werden. Aber ich kannte die letzteren doch beffer und 
wufste, dafs der Rauch der Samoa genügen würde, fie fchleunigft in 
die Berge zu jagen. Da war auch wenig Ausficht den gefürchteten 
Häuptling »Wallace« zu erwifchen, deffen Inhaftnahme für das deutfche 
Reich wichtig fein follte! Denn wir lebten ja mit Neu-Irland in 
Krieg, was die wenigften gewufst haben werden; hörte ich doch 
felbft zu erftenmale von diefer bedenklichen politifchen Lage. Aber 
die Samoa konnte es auch ohne Kanonen mit ganz Neu-Irland auf- 
nehmen, deswegen brauchte ich mir keine Sorge zu machen; fo 
dampften wir denn dem Feinde ruhig in den Rachen. Diefer Teil 
der Küfte Neu-Irlands ift womöglich noch weniger verfprechend als 
die nordweftliche, welche wir bisher kennen lernten. Nichts als fteile, 



Englifches Gebiet 201 

ziemlich hohe Gebirgsrücken^ vom Fufse bis zum Scheitel dicht be- 
waldet, zuweilen etwas unterwafchenes Felsufer, feiten fchmaler Sand- 
flrand, nirgends Kokospalmen oder andere Anzeichen menfchlicher 
Siedelungen, das ifl der Charakter diefer Küfte. Port Breton ift um 
kein Haar beffer und fchlechter als Likelike (Lavinia-Bai), wo ich 
1880 die letzten Refle der erften franzöfifchen Expedition antraf. 
Zwei unbedeutende Einbuchtungen, von Carteret fchon 1767 entdeckt 
und Irifh- refp. Englifh-Cove benannt, von den Erfindern des »Nou- 
velle France« aber in »Baie Frangaise« und »Port St. Jofeph« um- 
getauft, bilden den fogenannten Hafen Breton. Wir gingen nicht 
ohne Mühe vor Anker, da der Grund fehr unklar ift und ein Schiff 
kaum Raum zu fchwingen hat, fo dafs es am heften gleich an den 
Uferbäumen feftlegt. Durch die im Süden vorgelagerte Wallis-Infel 
(Lombom) wird der Ankerplatz übrigens vollftändig gefchützt. 

Auch diefe Infel ifl hoch, dichtbewaldet und befteht wie die 
Küften des Feftlandes aus Korallfels, gehobenem Meeresboden, denn 
ich bemerkte an den Felswänden, weit höher als der Meeresfpiegel, 
tote Aufternbänke. Das fah wenig nach Kohlen aus! Von Maragano, 
»au Roi de Lam-Boum«, kaufte Kapitän Rabardy im Jahre 1882 ganz 
Neu-Irland, obwohl der Marquis fchon drei Jahre früher 600000 Hek- 
taren diefes Landes in Europa verkauft hatte und dasfelbe fpäter noch 
einmal in Manilla zu verfilbern verfuchte. Der Preis einer Hektare 
Landes oder vielmehr Steingerölls war von 5 Francs inzwifchen auf 
50 und höher gefliegen. Wir befanden uns alfo in dem berüchtigten 
Port Breton, der einftigen Hauptfladt Neu-Frankreichs, wo fo viele 
Vermögen, Gefundheit, ja das Leben eingebüfst hatten. Die Emi- 
granten, welche mit der vierten Expedition 1881 von Barcelona aus 
hinausgingen, gehörten zu einer ganz anderen Klaffe von Leuten als 
die der vorhergehenden, die, zum grofsen Teil Abenteurer, fich längft 
in alle Winde verflreut hatten. Jetzt kamen gut fituierte Leute her- 
aus mit der feften Abficht, unter dem Banner des fouveränen Mar- 
quis, für fich und ihre Familien eine neue Heimat zu gründen. Da 
finden wir unter anderen Herrn Tilmont mit Frau, vier erwachfenen 
Töchtern und zwei Knaben, der fein Vermögen von 25000 Francs 



202 Sechfies Kapitel. 

flüffig gemacht hatte, wie in gleicher Weife die FamiHe Pitoy und 
foviele andere, die alle hier ein ungeftörtes und behagliches Dafein 
zu finden hofften. Vater Pitoy ftudierte auf der Karte flillvergnügt 
fein neues Befitztum von 700 Hektaren. Es foUte nach feiner Hei- 
matsftadt »Nancy« genannt werden, das kleine kühle Wäfferchen 
»Mofelle« I Ach, welche Enttäufchung für diefe armen Leute, als fie 
nun endlich im gelobten Lande anlangten und ringsumher nichts als 
fteile dichtbewaldete Berge erblickten! Da mag manchem das Herz 
gefunken fein, fchon im Gedanken an Frau und Kinder, und für viele 
füllten fich diefe Befürchtungen nur zu rafch erfüllen. Vater Pitoy 
fand unter feinen fiebenhundert Hektaren Land nicht einen Daumen 
breit kulturfähiges, und den übrigen ging es nicht beffer. Sie waren 
eben alle in der fchändlichflen Weife betrogen worden, und Kummer 
und Elend, unterftützt von Fieber, raffte gar viele dahin, denen es 
daheim an nichts fehlte. Der brave Pitoy und feine Frau ftarben; 
ihre drei hilflofen Waifen blieben zurück, anderen erging es noch 
fchlimmer, und die Feder flräubt fich niederzufchreiben, wie weit fich 
durch den Tod ihrer Angehörigen verlaffene und alleinflehende Frauens- 
perfonen erniedrigen mufsten, nur um das bifschen Leben zu friflen. 
Und der Mann, welcher alle diefe Leichtgläubigen verführt und ins 
Unglück geflürzt hatte, was wurde ihm dafür? Als die franzöfifchen 
Gerichte den Schwindler endlich erwifchten, verurteilten fie ihn, nicht 
zum Galgen oder auf die Galeere, fondern er kam mit fieben Jahren 
Gefängnis davon, das war alles! 

Ich ging wohlbewafifnet mit Kapitän Dallmann an Land, um nach 
dem Kohlenflötz zu forfchen, das hier an einen mir näher bezeich- 
neten Platz zu Tage treten follte, aber unfer Forfchen war vergeb- 
lich. Die Kohlen, welche jener Analyfe zu Grund lagen, mochten 
allerdings von hier, aber aus von den Franzofen zurückgelaffenen 
Vorräten flammen. Das Flötz felbft exifliert ebenfowenig als die 
famofe »Mine de cuivre« der Karte von Port Breton, welche im Jour- 
nal »La Nouvelle France« publiziert wurde, jenem fchwindelhaften 
Organ des Marquis, welches durch feine pomphaften Ankündigungen 
fo viele Opfer auf den Leim lockte. Da ifi: neben zahlreichen Bau- 



Englifches Gebiet. 2O3 

lichkeiten und kultiviertem Terrain eine »Route carrofsable«, ein »Parc 
a beftiaux« verzeichnet, aber alles exiftierte eben nur auf dem Papiere. 
Die fahrbare Strafse erwies fich als ein fchmaler Eingeborenenpfad; 
der Tierpark als ein kleines an der Bachmündung angefchwemmtes 
Infelchen, auf dem keine Ziege leben konnte und für ein »Plateau 
a defricher« ift überhaupt nirgends Platz vorhanden. Denn unmittel- 
bar hinter dem kaum ein paar Taufend Schritt breiten Uferfaum 
fleigen gleich die fteilen Berge empor. Auch das kleine Flüfschen, 
welches man jetzt überall durchwaten konnte, windet fich bald durch 
Berge, und nirgends ift eine Spur jenes herrlichen Thaies vorhanden, 
von welchen mir der Kapitän Rabardy, »Gouverneur provifoire« 
1881 in Matupi erzählt hatte. Hier waren die Kafifeeplantagen pro- 
jektiert, zu deren Anlage der »Genil« einige kümmerliche Pflänzchen 
mitbrachte, während die Wafferkraft des Bächleins, welche der fan- 
guine Franzofe auf 700 Pferdekraft fchätzte, allerlei gewerbliche An- 
lagen treiben foUte. Wie fchnell die gewaltige Fruchtbarkeit der 
Tropen, felbfl in dem fchlechten, mit Koralltrümmergeftein befäten 
Boden von Port Breton, die Spuren des Menfchen verwifchtl Kaum 
mehr als zwei und ein halbes Jahr waren verfloffen, und nur mit 
Mühe liefsen fich einzelne Rudera der früheren Herrlichkeit ent- 
decken. Niemand würde geglaubt haben, dafs hier einmal eine An- 
fiedelung von ein paar Hundert W'eifsen beftand. Von der »Debar- 
cadere« waren noch einige Pfähle vorhanden, fonfl: fanden wir nichts 
als etliche Bretter, Scherben, eine eiferne Trommel und die Sohle nebft 
Abfatz eines einft eleganten Damenfchuhs, den ich zum Andenken 
mitnahm. \\'elcher reizenden Franzöfm mochte er angehört haben r 
Und welche Leidensgefchichte würde er erzählen können? Vielleicht 
ruhte die Trägerin auf dem Kirchhofe, von dem fich keine Spuren 
mehr erkennen liefsen, da auch hier die üppige Vegetation der Tro- 
pen alles überwuchert hatte. Keine Tafel, kein Stein mit einem 
Kreuz bezeichnet mehr die Stelle, wo fo viele brave Leute, fern von 
der Heimat, in Trübfal, Hunger und Elend ein frühes Grab fanden, 
verdorben und vergeffen wie Port Breton, deffen traurige Gefchichte 
für viele neu und nicht unintereffant gewefen fein dürfte. 



204 Sechftes Kapitel. 

Wir hatten bei unferer Landtour nur Fufsfpuren der Einge- 
borenen und eine kleine Taroplantage gefehen; als wir aber durch 
die Strafse von Lombon dampften, ruderte ein Kanu eilig von der 
Infel nach dem Feftlande, wo fich bald eine Anzahl Bewaffneter ver- 
fammelten. Da wurden gewifs alle Vorkehrungen zu einem warmen 
Empfange getroffen und das Deck gefechtsklar gemacht? Ja, natür- 
lich! Ich bewaffnete mich mit einem langen Fetzen roten Zeuges und 
rief fo kräftig, als es meine Lungen erlaubten, nach Marango, dem 
Könige von Lombon, und dem gefürchteten Häuptling Wallace. Sie 
hüteten fich wohl der freundlichen Einladung zu folgen und be- 
fchränkten fich darauf, aufser Schufsweite mit ihren Speeren und Keulen 
zu fuchteln. Eine Kugel aus einem Winchefter würde die Gefell- 
fchaft fchnell auseinandergebracht haben. Aber vor mir waren fie 
ficher, ich habe niemals auf Eingeborene gefchoffen. Ja, ich würde 
auch den braven Wallace gut behandelt, ihm vielleicht ein Stück 
Tabak und dergleichen gegeben und gefagt haben: »Wallace dear! ' 
you no kill white men! bye and bye me make you all fame« d. h. 
töte keinen Weifsen, fonft machen wir es fo: Pantomime des Auf- 
hängens! Von dem durch die »Hyäne« zerftörten Dorfe fahen wir 
übrigens kaum eine Spur mehr, dagegen fanden wir die Übelthäter der 
Mioko luftig in dem nahen Port PrasHn angefiedelt, fie gaben aber gleich 
Ferfengeld. In folchen Lokalitäten vermag freiHch kein Kriegsfchifif 
etwas auszurichten, ja es kann felbft für Bewaffnete gefährlich werden, 
den Eingeborenen in das Dickicht diefer Berge zu folgen, in denen fich 
nur der Sohn der Wildnis behend zu bewegen weifs. Mit Strafexpe- 
ditionen hat es daher feine Schwierigkeiten; fie verlaufen meift wie 
vor 300 Jahren, als Don Pedro Sarmiento, der General von Mendana, 
die Eingeborenen der Salomons züchtigen wollte. Schon damals 
flüchteten fie unerreichbar in das Dickicht, und der General mufste 
fich, wie dies noch heute gefchieht, mit Abbrennen und Vernichten 
der Siedelungep begnügen. 

Von Kap St. George, der Südfpitze Neu-Irlands, fuchten wir einen 
füdHchen Kurs zunächft nach der Gruppe Kirvirai oder dem Tro- 
briand der Karten, da ich den örtlichen Teil des Englifchen Gebie- 



Englifches Gebiet. 20 iJ 

tes kennen lernen wollte, über welches wir nur durch Kapitän Mo- 
resby unterrichtet waren. Ihm ift (1873 — 74) ^^^ Aufnahme der Küfte 
von Heath-Infel bis Huon-Golf, in der Luftlinie auf eine Strecke von 
340 Meilen, zu verdanken, die bis dahin nur an ein paar Punkten von 
d'Entrecasteaux (1793) und Simpfon (1872) gefichtet wurde. Durch 
Moresby erfuhren wir zuerft , dafs nicht Südkap das äufserfte Ende 
Neu-Guineas ifl, fondern dafs die Oftfpitze eine ganz andere Kon- 
figuration hat, wie fich am beflen aus einer Vergleichung feiner Karte 
mit den früheren ergiebt. In der That, wohl keine Expedition hat 
foviel zur befferen Kenntnis von Neu-Guinea beigetragen, als die des 
»Bafilisk« unter Kapitän (jetzt Admiral) Moresby und feiner treff- 
lichen Offiziere. 

Wir werden im folgenden den gröfsten Teil diefes Gebietes 
kennen lernen, wohin ich drei verfchiedene Reifen mit der Samoa 
unternahm, die nicht allein dem blofsen Befuche bei unferen Nach- 
barn, fondern auch anderen, wichtigeren Zwecken galten, denn da- 
mals hatte England fein Protektorat nur bis Oftkap erklärt. Um 
Wiederholungen zu vermeiden, gebe ich die Erlebniffe diefer ver- 
fchiedenen Reifen hier vereint. 



I. Trobriand. 

Kartographifche Unkenntnis. — Längs der Weftkiifte. — Eingeborene. — Eigentümlich- 
keiten derfelben. — Haififchfang. — „Kaikai". — Riefen -Yams. — Kanus. — Lagran- 
diere. — Otto Riff. — Lusancay-Lagune. 

Schon in der Frühe des zweiten Tages feit unferer Abreife von 
Port Breton wurde Land gefichtet, dichtbewaldete, niedrige Infein 
wie lange Waldftreifen, über welche die Karte nur fehr ungenügend 
Auskunft gab. Denn fo wie Trobriand vor faft 100 Jahren von d'Entre- 
casteaux auf der Karte eingetragen wurde, fo findet es fich heute 
noch verzeichnet, d. h. nur punktiert. Und doch ifl: die Hauptinfel 
Trobriand nicht unbedeutend, denn ihre Länge beträgt 20 bis 25 



2o6 Sechfies Kapitel. 

Meilen. Wir gingen an der Weftfeite herab, an welcher ein guter 
Ankerplatz fein foll, konnten denfelben aber nicht finden, weil der 
Kapitän noch vor Einbruch der Dunkelheit wieder in freiem Fahr- 
waffer fein wollte, da es an Riffen hierherum eben nicht mangelt. 
Der Grund weshalb diefe fchöne Infel den weifsen Mann bisher nicht 
reizte, war angefichts derfelben fehr leicht zu begreifen und beüeht 
in dem Mangel von Kokospalmen. In der That erblickten wir auch 
nicht eine Palme, obwohl folche gewifs vorkommen; nichts als dichter 
Urwald fäumte gleich einem Gürtel ununterbrochen das Ufer, welches 
zuweilen aus kahlem Fels, feltener aus Sandftrand befteht. Aber 
hinter diefem Urwaldsgürtel befindet fich ausgedehntes, fruchtbares 
Land, in welchem die Eingeborenen ausgezeichneten Yams zeitigen, 
jenes ftärkemehlhaltige Knollengewächs, welches in diefem Teile der 
Tropen die Kartoffel erfetzt. Trobriand wird daher zuweilen von 
kleinen Handelsfahrzeugen befucht, die hier in der günfligen Jahres- 
zeit in wenigen Tagen eine ganze Ladung einhandeln können, wie 
mir aus meinen früheren Erfahrungen von Neu-Britannien her wohl- 
bekannt war. 

Wir hatten uns der Nordweftfpitze der Infel kaum genähert, als 
fich fchon Kanus mit Eingeborenen zeigten, die trotz der Brandung 
und dem hohen Seegang abkamen und nicht lange darauf den 
Dampfer umlagerten. Das waren gar eigentümliche Gefellen, die 
dem Anthropologen Kopfzerbrechen machen konnten. Nach dem 
vorherrfchend fchlichten Haar mufste man fie als Ozeanier an- 
fprechen, aber es gab auch Individuen mit melanefifchen Wollköpfen, 
ja Haarwolken, und man zieht fich am heften aus diefer verzwickten 
Frage heraus, wenn man die Trobriander für eine Mifchlingsraffe 
erklärt. Dafür fprach auch die erhebliche individuelle Verfchieden- 
heit in der Phyfiognomie, wenn auch hier ozeanifcher Typus vorzu- 
herrfchen fchien. Die Leute waren übrigens nicht dunkler als z. B. 
die Gilberts-Infulaner, aber fo helle Papuas findet man überall. 

Sie trugen in eigentümlicher Weife ein breites Stück Pandanus- 
blatt zwifchen den Schenkeln durchgezogen, das wulftartig in einem 
dicken Leibftrick befeftifit war. Vielen genügte indes hinter- und 



I. Trobriand. 



207 



vorderfeits ein Blatt in dem letzteren befeftigt als Bekleidung. Der 
übrige Körperfchmuck war gleich Null: Halsftrickchen, geflochtene 
Armbänder, hie und da ein Reif aus Schildpatt im Septum. Es gab 
demnach wenig einzuhandeln, diefes Wenige war aber fehr intereffant. 
So runde, flache Holzfchüffeln mit eingravierter Randverzierung, des- 
gleichen Wafferfchöpfer, kugelrunde Kalkkaleb äffen in äufserfl fchw^ung- 
vollen, eingebrannten Muflern ornamentiert, befonders fchöne Fifch- 
netze und hölzerne Schilde in ganz eigentümlicher Form und kunft- 
voller Bemalung, wie fie Fig. 2 Taf. XII des Ethnologifchen Atlas 
zeigt. An Waffen befafsen die Infulaner aufserdem nur noch Speere, 
zum Teil mit Schnitzerei verziert, fowie kurze, fchwertartige Hand- 
keulen (ganz wie Atl. XI, 4, darunter Exemplare aus Ebenholz, das 
auf Trobriand vorkommen foll. An den Schilden konnte man fehen, 
dafs auch diefe friedlichen Infelbewohner nicht immer in Frieden 
leben, denn in dem einen zählte ich nicht weniger als elf abgebro- 
chene Speerfpitzen. Eine Menge Gegenftände z. B. die fchönen 
Kalkkalebaffen) werden jedoch von Woodlarck-Infel eingetaufcht, 
deren Bewohner mit ihren grofsen, feetüchtigen Kanus weite Handels- 
reifen unternehmen. Fifcherei fcheint übrigens ein Haupterwerb von 
Trobriand und namentlich der Fang von Haififchen betrieben zu 
werden. Dafür fprachen die grofsen, an anderthalb Fufs langen höl- 
zernen Haken (T. IX, 9), welche die Eingeborenen nur fehr ungern 
weggaben. Man konnte an diefen Haken deutlich die Spuren der 
Zähne fehen, welche die Seeungeheuer zurückgelaffen hatten, und die 
Eingeborenen wufsten in fehr draflifcher Weife pantomimifch die 
vergeblichen Anflrengungen des gefangenen Hai darzuftellen, bis er 
endlich erfchlagen wird. Zum Anlocken des Hais bedient man fich 
befonderer Raffeln, die aus einem hölzernen Reif beftehen, an welchem 
eine Anzahl halbdurchfchnittener Kokosnufsfchalen befeftigt find, wie 
ich diefelben fchon aus Neu-Britannien kannte. 

Unfere eifernen Angelhaken, felbft die grofsen mit Kette ver- 
fehenen Haififchhaken, machten übrigens keinerlei Eindruck auf die 
Eingeborenen, die nach ihrer Methode jedenfalls beffere Erfolge er- 
zielen. Werfen doch felbfl Europäer, welche lange in der Südfee 



2o8 Sechftes Kapitel. 

leben, unfere Fifchhaken beifeite und bedienen fich der der Ein- 
geborenen. 

Man konnte übrigens nicht bemerken, dafs viele Schifife hier 
vorfprechen, da die Eingeborenen weder Glasperlen noch fonft etwas 
von europäifchen Erzeugniffen befafsen und felbft Rauchtabak nicht 
kannten und verlangten. Ihr ganzer englifcher Sprachfehatz beftand 
in den Wörtern: Tomihawk (Beil;, knife (Meffer) und beads (Perlen). 
Aber was fie hauptfächlich verlangten, war »Toke«, d. h. Hobeleifen 
oder Flacheifen, die ihnen lieber waren als Beile. Aus Glasperlen 
machten fie fich nichts, ebenfowenig aus Zeug, und Spiegel flöfsten 
ihnen Furcht ein. Auch das Wort »Yams« kannten fie und »kaikai«! 
Wie mich das anheimelte! Es ift dies ein aus Oftpolynefien flammen- 
des Wort, das fich durch Schiffsverkehr bis Neu-Britannien verbrei- 
tet hat, und der erfte Ausdruck, welchen der Kanaker im Verkehr mit 
Weifsen oder umgekehrt, lernt, denn es bedeutet »effen«! W^ie oft 
hatte ich diefes »kaikai« gehört! Dort fuchen z. B. Weiber häfsliche, 
fchwarze Sumpfichnecken; man fragt wozu: »kaikai«; hier bringt ein 
Junge einen widerlichen Tintenfifch und fagt vergnügt »kaikai«, ein 
anderer flreichelt eine Bufchratte mit »kaikai«, unter »kaikai« werden 
grofse Käferlarven aus mulmigem Holz ausgegraben, und als ich mich 
einft in Neu-Irland nach einem Menfchenfchädel erkundigte, der an 
einem Baumafte hing, riefen alle fchmunzelnd »kaikai«! Ja, diefes 
»kaikai« ifl: charakteriftifch, aber in Neu-Guinea nicht bekannt. 

Von Yams brachten die Leute übrigens eine Menge an, darunter 
wahre Riefenexemplare von 12 bis 17 Pfund Schwere und faft fechs 
Fufs Länge. Danach zu urteilen, mufs die Infel äufserft fruchtbaren 
Boden befitzen. Auch Pandanus und Bündel grofser Bananen wur- 
den zum Kauf angeboten, aber keine Kokosnüffe, obwohl diefelben 
vorkommen, wie die Waffergefäfse und Körbe zeigten. Intereffant 
für den Ornithologen waren lebende Exemplare des grünen Papageis 
(Eclectus polychlorus) und einer eigenen kleinen Kakaduart mit 
gelber Haube (Cacatua Trobriandi, Finfch). 

Jedenfalls ifl die Infel bisher von Werbefchififen verfchont ge- 
blieben, denn die Eingeborenen kamen Johne Scheu an Bord, wenn 



I. Trobriand. 



209 



auch mit Widerllreben in die Kajüte. Aber man mufste vor ihren 
Fingern auf der Hut fein, wie ich erfl: bemerkte, als ich denfelben 
Wafferfchöpfer zum zweitenmale kaufte. Ja, Diebsgelüfte fcheint 
einmal in der ganzen Menfchheit zu flecken. Die Leute waren zwar 
recht laut und lärmend, wozu ein eigentümliches Bellen als Zeichen 
der Verwunderung nicht wenig beitrug, aber durchaus harmlos. In 
der Begrüfsung zeigten fie fich zu meiner Überrafchung als »Nafen- 
reiber«, was wiederum für Polynefien fp rieht, ethnologifch zwar fehr 
intereffant, aber in der Praxis nicht gerade ganz angenehm ifl:. Ich 
fpielte daher lieber den Dummen, denn ich wufste aus Erfahrung, 
dafs die Sache kein Ende nimmt, wenn man erfl mit einem auf diefe 
Weife Brüderfchaft gemacht hat. 

Zu den ethnologifchen Eigentümlichkeiten gehörte übrigens 
auch die befondere Bauart der Kanus, fowie die Form der Ruder, im 
übrigen flimmten die meiften Gegenftände, auch die Bekleidung mit 
denen überein, wie wir fie in den d'Entrecasteaux und an der Oftfpitze 
Neu -Guineas kennen lernten. Jedenfalls wird Trobriand von Nor- 
manby, Welle und Woodlark-Infel aus befucht, da die Trobrian- 
der wohl felbft keine Handelsreifen unternehmen. Schon ihre Kanus 
ohne Segelgefchirr find für gröfsere Seefahrten ungeeignet. Einige 
derfelben waren an den Schnäbeln mit Schnitzerei verziert, wovon 
der Atlas (T. VII 6) eine Probe giebt. Das Wort »Kirvirai«, wie 
bei den Eingeborenen die Infel heifsen foll, kannte übrigens keiner, 
und ich habe den Namen derfelben überhaupt nicht erfahren 
können, denn Kebole oder Kaibol bezeichnete offenbar nur das 
Heimatsdorf der Leute in den Kanus. 

Wir gingen um Kap Denis an der Oftfeite von Trobriand herab, 
die aus Steilufer befteht und für Schiffe unzugänglich fcheint, wie 
Lagrandiere, das nur durch eine fchmale Strafse von der erfteren 
Infel getrennt wie eine Fortfetzung derfelben erfcheint und genau 
denfelben Charakter zeigt. Wir wollten von hier einen weftlichen 
Kurs nach der Küfte von Neu-Guinea fteuern, fanden aber unferen 
Weg durch ein Riff vorgefchrieben, dem wir über 30 Meilen bis faft 
zu den Amphlett-Infeln in füdlicher Richtung folgten, und welches 

Finfch, Samoafahiten. I4 



2IO Sechfies Kapitel. 

unfere Navigateure Otto -Riff tauften. Es bildet die Südoftgrenze 
der Lusancay-Lagune, nach Findlay der gröfsten der Welt, die fich 
über drei Längen- und ein und ein viertel Breitengrad erftreckt. 
Diefes Riff ifl bis heute noch ebenfo unbekannt geblieben als die 
nördliche Grenze der Lagune, das Lusancay-Riff, welches die Karten 
nur nach den flüchtigen Aufnahmen von d'Entrecasteaux (1793) 
wiedergeben. 



II. d'Entrecasteaux-Infeln. 

Ungenügende Kenntnis. — Welle-Infel. — Nordküfie von Normanby. — Weihnachts- 
bucht. — Unfere Weihnachtsfeier. — Scheu der Eingeborenen. — Verfall der Steinzeit. 

— Eigentümliche ethnologifche Provinz. — Ausgezeichnete Fahrzeuge. — Bekleidungs- 
matten. — Spondylus-Mufchelplättchen. — Liebenswürdigkeit der Eingeborenen. — Ur- 
geflein. — Hausbau. — Auf totem Riff. — Oftküfte von Normanby. — Koloffale Kokos- 
nüffe. — Gutheil-Bucht. — Friedliche Eingeborene. — Kap Ventenat. — Göfchen-Strafse. 

— Weftküfte von Normanby — Dawfon-Strafse. — Exkurfion. — Goulvain oder Ule- 
bubu. — Eingeborene — fmd Kannibalen — Oflfpitze von Ferguffon. — Befuch eines 
Dorfes. — Mufterplantage. — Manucodia Comrii. — Südküfle von Ferguffon. — Herr- 
liches Kulturland — Kap ^lourilyan. — Blick auf Goodenough. 

Wir hatten den an 6000 Fufs hohen Berg Kilkerran auf Fer- 
guffon-Infel fchon von Trobriand aus gefehen, und jetzt entfalteten 
fich die malerifchen Gebirge der d'Entrecasteaux-Infeln immer deut- 
licher vor unferen Augen. 

Die nach ihrem Entdecker benannte Gruppe wurde von diefem 
(1793) nur gefichtet und erfl 80 Jahre fpäter durch Moresby genauer 
aufgenommen. Durch ihn erhielten wir zuerfl: Nachweis über die rich- 
tige Lage der drei Hauptinfeln: Normanb}-, Ferguffon und Goode- 
nough, die alle von vulkanifcher Formation und vorherrfchend ge- 
birgig fmd. Moresby hat uns übrigens nur mit der Weftküfte 
bekannt gemacht, und die öftliche ifl bis heute nur fehr unvoll- 
kommen aufgenommen. Der Naturalienfammler Andrew Goldie be- 
fuchte 1882 von Port Moresby in feinem kleinen Schuner Alice Mead 
die Weftfeite von Normanby und FergulTon, hat aber über diefe 



d'Entrecasteaux-Iiifeln. 211 

intereffante Fahrt, wie feine vielen Reifen in Xeu-Guinea iXberhaupt, 
wenig publiziert. Und was Moresby mitteilt ifh auch nur fehr gering, 
fo dafs die nachfolgenden Blätter umfomehr von Intereffe fein dürften, 
als fie einige bisher nicht befuchte Lokalitäten befprechen. 

Wir dampften längs der Oftfeite von Welle, einer langen, dicht- 
bewaldeten, niedrigen Infel, mit wenigen grünen Hügeln, und fahen 
die tiefe Bai vor uns, welche von der knieförmigen Einbuchtung der 
Nordfeite von Normanby gebildet wird, wo wir einen Ankerplatz zu 
finden hofften. Und wir fanden ihn. In einer hübfchen, malerifch 
von Bergen umfchloffenen Bucht, mit dicht von Kokospalmen be- 
ftandenem Ufer, unter denen freundliche Häufer hervorguckten, ging 
die Samoa zu Anker, gerade am Weihnachtstage, dem zu Ehren wir 
diefelbe Weihnachtsbucht benannten. War es doch der Tag, an 
welchem daheim fich Millionen anfchickten, das liebe Chriftfeft zu 
feiern. Uns war kein Weihnachtsbaum befchieden, keine Feier be- 
reitet. Und dennoch als die Sonne hinter den Bergen verfchwand, 
als die eigentümlichen grünlichen, bläulichen und rötlichen Tinten 
des Zodiakallichtes allmählich in das tiefe Schwarz der Nacht ver- 
floffen, da begann auch unfere heilige Nacht. Das Firmament hatte 
feine Millionen Lichterchen angezündet, Sterne nnd Sternchen flim- 
merten; vor allem bemerkbar der Orion und der liebe Gefährte der 
füdlichen Nacht, das füdliche Kreuz. Kein feierlicher Glockenton 
rief zur Mette; nur das Zirpen der Cikaden, das rauhe Gequiek flie- 
gender Hunde und andere Tierflimmen tönten vom Ufer herüber, 
bekannte Laute, die unfere Gedanken nicht abzulenken vermochten. 
Wo diefelben weilten? Das ift wohl unfchwer zu erraten. Weit, 
weit weg vom füdlichen Kreuz, von den Kokospalmen, vom Gekreifch 
der fliegenden Hunde, da, wo man an diefem Abende in trautem 
Kreife am warmen Ofen fitzt und fich des lieben Chrififefies freut, 
während draufsen die Schneeflocken herabwirbeln. Dort weilte jeder 
mit feinen Gedanken ftill für fich, — und als die letzte Pfeife ver- 
glommen, fuchte jeder das Lager und verfuchte auszuruhen von den 
Mühen und der Hitze des Tages. Das war unfer Chriftfefl: in den 
Tropen! Für uns gab es keine Feier, kein Feiern! — Aber die 

14' 



212 Sechftes Kapitel. 

Mannfchaft durfte fich etwas anthun, und wohl zum erftenmale hörten 
die alten Kokospalmen und die fcheuen Eingeborenen aus kräftigen 
deutfchen Kehlen die »Wacht am Rhein« und »Stille Nacht! Heilige 
Nacht«! Eine gar wunderfame heilige Nacht, eine Tropennacht I 

Die Eingeborenen zeigte fich anfangs fehr fcheu, kein Kanu 
kam längsfeit, wie dies fonft gewöhnlich zu gefchehen pflegt, und 
als ich zum erftenmale an Land ging, fand ich die Häufer verlaffen. 
Die Leute waren geflüchtet, da fie uns wahrfcheinlich für Werber 
hielten, die offenbar hier gehäuft hatten. Das liefs fich an den vielen 
europäifchen Erzeugniffen erkennen, welche die Eingeborenen be- 
fafsen, als fie nach und nach in Verkehr mit uns traten. Obwohl 
fie kein Wort Englifch verflanden, fand doch Tabak, und was merk- 
würdiger Avar, auch Thonpfeifen und Spiegel Nachfrage. Eifen war 
weniger begehrt, denn jeder ]\Iann, ja felbft der Knabe befafs eine 
Axt; auch zwölfzöllige Meffer kannte man bereits. Mit der guten 
alten Steinzeit war es daher vorbei und diefe Eingeborenen bereits 
in dem Civilifationsftadium von Bandeifen. Mit folchen flatt der 
früheren Steinklingen waren diefe Äxte Tra) bewehrt und zwar in 
einer eigentümlichen Weife, die für ganz Ofl-Neu-Guinea charakte- 
riftifch wird. Die Schärfe der Klinge fleht nämlich nicht quer zu 
dem Stiele, wie fonfl (vergl. S. 63), fondern in gleicher Flucht mit 
dem letzteren. Die Abbildung des Atlas i^T. I, 8) zeigt eine folche 
Axt. Der hölzerne mit Schnitzerei verzierte Stiel ftammt noch aus 
der Steinzeit, die hier vielleicht noch wenige Jahre vorher regierte. 
Aber man fah, dafs folche Arbeiten fchon rar wurden, denn fobald 
Eingeborene erft Eifen haben, ift es mit ihrer Kunftfertigkeit zu Ende. 
flatt gefchickter und fleifsiger werden fie ungefchickt und faul, das 
ifl eine Thatfache, die fich überall wiederholt, und die mich weiter 
nicht verwunderte. Von guten Sachen konnte ich nur noch Refle 
fammeln, welche von der bewundernswerten Kunftfertigkeit der Ein- 
geborenen Zeugnis ablegten. Hervorragend find die fchwungvollen 
Mufter der eingravierten Verzierungen an Holzgeräten, die meift aus 
eleganten Schnörkeln beftehen und für ganz Südoft-Neu-Guinea 
charakteriftifch werden. In der That bilden die d'Entrecasteaux, 



II. d'Entrecasteaux-Infeln. 



213 



mit Trobriand, der Oflfpitze Neu -Guineas und dem vorgelagerten 
Archipel bis Tefte-Infel hin, wahrfcheinlich auch die Louifiade mit 
einbegriffen, eine eigene ethnologifche Provinz, die fich durch manche 
Eigentümlichkeiten auszeichnet. Dahin gehört die befondere Orna- 
mentik, von der die Abbildungen des Atlas (III, 4, XI, 4, 5) Proben 
geben, welche fich felbft bei kleinen Gegenftänden (wie z. B. T. V. 
2, 3) wiederholt, die Befeftigung der Steinbeilklingen, das VerAvenden 
von roten Mufchelplättchen (Spondylus) zu Schmuck, die hohe Ent- 
wickelung in der Baukunfl: von Fahrzeugen und — • vorgreifend, die 
weniger angenehme Sitte — der Kannibalismus! 

Was die Fahrzeuge anbetrifft, fo erheben fich diefelben weit über 
die bisher gefehenen und übertreffen felbft die berühmten feetüch- 
tigen Kanus, wie fie früher in den Marfhall-Infeln gemacht wurden, 
mit denen fie aber nichts gemein haben. Zwar befteht auch bei den 
hiefigen Kanus der Kiel aus einem mächtigen, ausgehöhltem Baum- 
ftamme, aber an demfelben find halbrunde Querhölzer als Rippen 
und an diefe klinkerförmige Seitenbretter befeftigt (wie dies der 
Ouerfchnitt Atl. VI, F. 3 zeigt}. Dadurch wird das Fahrzeug eben 
viel weiter und erinnert mehr an ein Schiffsboot nach europäifchem 
Mufter als an ein gewöhnliches Kanu (wie z. B. Fig. i von Bongu). 
Die Seitenborde find an Stern und Bug mit einem fenkrechten Brett 
verbunden, das häufig mit Schnitzwerk verziert ifl:. Alle Teile des 
Fahrzeuges find zufammengebunden und die Verbindungsffellen mit 
einem Kitte verfchmiert; doch mufs, wie bei allen Kanus, fleifsig 
gefchöpft werden. Sehr eigentümlich und charakteriftifch erfcheint 
das Auslegergefchirr. Der Auslegerbalken, faft fo lang als das Fahr- 
zeug felbft, ift ungeheuer dick und fo grofs, dafs fich aus ihm allein 
ein gewöhnliches Baumflamm-Kanu zimmern liefse. Diefer Balancier 
ift durch 10 Querftangen, mittelft eingefchlagener doppelter Stützen, 
(vergl. VI. 4 mit dem Kanu verbunden, aber ungewöhnlich nahe, 
wie wir dies zuerft in Trobriand fahen. Die Entfernung zwifchen 
Kanu und Balancier beträgt nämlich nur einen Meter, und da die 
Querftangen dicht mit Stäben belegt find, fo wird dadurch an einer 
Längsfeite des Kanus eine Plattform gebildet. Die Spitze des Kiels 



214 



Sechftes Kapitel. 



ragt an beiden Seiten wenig vor und ifl; je mit dem Querbrett an 
Bug und Stern durch ein fenkrechtes Längsbrett verbunden, das 
mit, oft durchbrochen gearbeiteter, Schnitzerei verziert ifl: (Taf. 
VII, 7). Aufserdem fmd an den Spitzen Ovulamufcheln, Faferbüfchel 
von Pandanusblatt und dergleichen angebracht, auch die Seitenborde 
häufig mit Malerei gefchmückt (z. B. rot und fchwarze Fifche T. 
VII. 8\ Diefe Kanus führen ein fehr grofses, oblonges Segel (VIII. 8) 
aus ]\Iattengeflecht und laufen fehr fchnell vor dem Winde. Sie fmd 
bis 20 ]\Ieter lang, alfo fehr refpektable Fahrzeuge, und dienen für 

Handelsfahrten und 

Kriegszüge, da fie eine 

grofse Anzahl Men- 

fchen transportieren 
können. 

Die Bewohner der 
\\ eihnachtsbucht be- 
fafsen übrigens nur 
fehr kleine Kanus, 
wahre Einfpänner, denn 
fie vermögen nur einen 
Erwachfenen zu tra- 
gen, wie dies unfere 
Abbildung zeigt. Ein 
folches Kanu ifl aber 
auch nur drei Meter 
Kanu von der Weihnachtsbucht. lang, Übrigens eine fehr 

gefchickte Arbeit, von welcher ein von mir mitgebrachtes Stück das 
Berliner Mufeum ziert. 

Die Bekleidung der Männer erregte ebenfalls als neu mein In- 
tereffe. Sie befland, flatt aus der fonll: üblichen Tapa (Baumrinde), 
aus einer Matte von Pandanusblatt (Gigi), die um die Lenden gefchlagen 
wird und von weitem ganz wie eine Badehofe kleidet. Diefe ^Matten 
find zufammengenäht und zuweilen in hübfchen Muftern marmoriert, 
die durch Eindrücke in das noch grüne Blatt hervorgebracht werden 




IL d'Entrecasteaux-Inleln. 2 I C 

und fehr elegant ausfehen. Auch diefe Bekleidungsmatten T. 
XVI. 6) gehören zu den Charakterftücken der genannten ethnologi- 
fchen Provinz. 

Schmuck war, wie gewöhnlich, nur wenig zu fehen, darunter aber 
Halsketten aus den erwähnten roten Mufchelplättchen, die auch als 
Ohr- und Nafenfchmuck, wie fonfl; vielfach, Verwendung finden. Diefe 
Mufchelfcheibchen find flach, rund, durchbohrt, etwa fo grofs als ein 
Chemifettknopf und fchon des Materials wegen wertvoll. Die Spon- 
dylusmufchel, eine Klappmufchel, lebt nämlich nur in tieferem W'affer 
und ift, da fie mit der unteren Schale obendrein am Geftein feft- 
fitzt, nicht fo leicht zu erlangen. Es verdient Beachtung, dafs an 
der ganzen Nordoftküfte Neu -Guineas, wie im Bismarck- Archipel, 
Spondylusfchmuck nicht benutzt wird, dagegen erfh wieder in Mikro- 
nefien, in den Marfhalls und Karolinen, eine hervorragende Rolle 
fpielt. Unter den prähiftorifchen Reften, welche ich in den Ruinen 
auf Nanmatal auf Ponape ausgrub, fand ich eine Menge folcher 
Mufchelfchalen. Die gegenwärtigen Bewohner Ponapes pflegten 
fich mit den Überbleibfeln des Kunftfleiffes ihrer Vorfahren zu 
fchmücken, da fie die Anfertigung bereits verlernt hatten. Spondylus- 
fcheibchen haben an der ganzen Südoftküfte von Neu -Guinea Wert 
und bilden überall ein gefchätztes Taufchmittel. Noch ein anderes, 
welches mir ebenfalls von dort bekannt war. fand ich in Weihnachts- 
bucht, nämlich Armringe aus dem Ouerfchnitt einer grofsen Kegel- 
fchnecke (Conus millepunctatus), die unter die Koflbarkeiten der 
Papuas zählen. In Port Moresby wird ein folches Armband, Toia 
genannt, gleich 350 Pfund Sago gerechnet. Zirkelrunde Eberhauer 
(T. XXI 2), bekanntlich der koflbarfle Schmuck, welche früher in 
den d'Entrecasteaux häufig waren, gab es nicht mehr. 

Die äufsere Erfcheinung der Papuas von W'eihnachtsbucht war 
keine vorteilhafte, zumal Schuppenkrankheit (Ichthyosis) unter ihnen 
fehr florierte. Im ganzen erfchienen fie klein und fchwächlich; am 
meirten die Weiber, unter denen es wenig paffable Gefichter gab, 
deflo niedlicher waren aber, wie immer, die Kinder. Die Männer 
trugen das Haar meilT: in eine Wolke aufgcbaufcht; im Nacken aber 



2l6 Sechftes Kapitel. 

mit Vorliebe verfilzte Haarzotteln, in langen Strängen bis in den 
Nacken herabhängend, die an der ganzen Ofhfpitze beliebt find vergl. 
Abbildung eines Mannes von Tefte-Infel Nr. 6o), übrigens auch in 
Aftrolabe-Bai vorkommen (vergl. S. 39). Neben kräuslichem und lo- 
ckigem Haar beobachtete ich hier auch durchaus fchlichtes und 
natürlich fuchsrotes, wie wir es in Europa kennen, eine Färbung, 
welche ich bisher bei Papuas nicht gefehen hatte. 

Nachdem die Eingeborenen ihre erfle Furcht überwunden und 
unfere friedlichen Abheilten begriffen, wurden fie bald zutraulich und 
zeigten fich als die liebenswürdigften Menfchen. Bei unferen Aus- 
flügen waren wir ftets von einer Anzahl Freiwilliger begleitet, die 
fich unferer in einer Weife annahmen, wie ich diefelbe bisher nicht 
kennen gelernt hatte. Unfere Führer fuchten jedes Hindernis zu 
befeitigen, indem fie im Wege ftehende Äfte wegbogen oder ab- 
hackten und uns bei jeder befchwerlichen Stelle zeigten, wo wir den 
Fufs hinfetzen foUten; in der That eine Aufmerkfamkeit, die dem 
civilifierteften Menfchen Ehre gemacht haben würde. Und da wird 
noch von Wilden gefprochen und gefchriebenl 

Obwohl das Ufer überall Korallformation verriet, fo beflanden 
die fteilen Berge doch aus Urgeftein, und zwar einem quarzreichen 
Glimmerfchiefer, der mehr als anderwärts für das Vorkommen von 
Gold zu fprechen fchien. Aber leider hatten da Katzen gefeflen; ich 
fand nur »Katzengold«! Wie im Ufervorland fehlte es auch in den 
Bergen nicht an gutgepflegten Plantagen, die mit Vorliebe an den 
fteilflen Abhängen angelegt werden, wie wir dies fpäter überall an 
der Südofl:fpitze fanden. Neben Landbau wird, wie fafl: allenthalben, 
Fifchfang betrieben, wie die fchönen Netze zeigten. Die hölzernen 
Schwimmer derfelben waren zuweilen mit Schnitzwerk verfehen (vergl. 
Atlas IX, 2), aber noch von früher her, denn jetzt erfüllten gewöhn- 
liche Holzftückchen den Zweck. Von Waffen fah ich nur Speere 
(Gita) und kurze hölzerne Handkeulen (Atlas T. XI, 4, 5); auch kennt 
man die Schleuder. Pfeil und Bogen, fowie Schilde find unbekannt. 

Die Siedelung in der Weihnachtsbucht war übrigens keine grofse, 
aber die Häufer zeigten eigentümliche Bauart, wie die Abbildung am 



IL d'Entrecasteaux-Infeln. 



217 




21 8 Sechfies Kapitel. 

heften veranfchaulicht. Die Häufer find alle klein und zeichnen fich 
durch Schmalheit, wie die fattelförmige Einbiegung der Dachfirfte 
aus. Gewöhnlich ift die ganze Vorderfeite offen und wird mit Matten 
verhangen. Schnitzerei fand fich an den Häufern nicht. Bei den 
Häufern konnte man auch die Grabftätten erkennen, einige Schiefer- 
platten mit bunten Blattpflanzen (Crotons) umgeben. In den Äflen 
eines fehr grofsen, an vier Fufs hohen Croton bemerkte ich eine 
fonderbare Röhre aus den Blattfcheiden der Sagopalme, die ich na- 
türlich unterfuchen mufste, obwohl die Eingeborenen fehr dagegen 
waren. Sie enthielt fechs Schädel, wohl von Anverwandten, da fie 
nicht verkauft wurden. Hunde und Schweine gab es nur fpärlich. 
Die erfteren unterfchieden fich von der vorher (S. 53) befchriebenen 
Raffe durch geringere GrÖfse und erinnerten an unfere Terriers; 
auch hatte man den Tieren Ohren und Schwanz abgefchnitten und 
dadurch ihre Schönheit eben nicht erhöht. 

Die Wünfche unferer neuen Freunde auf Verlängerung unferes 
Befuches wären, fehr gegen unferen Willen, bald erfüllt worden, denn 
die Samoa befand fich plötzlich auf totem Riff, das dem Seefahrer 
kein Warnungszeichen durch Brandung giebt. Unter dem Kiele 
zeigte fich der mit grünlichen, bräunlichen und weiislichen Korallen 
wie gepflafterte Meeresboden, ein zwar fehr intereffanter aber unheim- 
licher Anblick, auf den man gern verzichtet. Es find die fogenannten 
Pilzkorallen (mushroom-corals) der englifchen Seefahrer, die aus 
Tiefen von 20 bis 30 Faden bis nahe unter den W^afferfpiegel wachfen. 
Wenige Zoll können da unter Umfländen für das Wohl oder Wehe 
des Schiftes entfcheidend werden, und jeder atmete freier auf, als 
die trügerifchen Gebilde wieder verfchwunden waren. Die Ausficht, 
möglichervveife in der Weihnachtsbucht bei Kokosnüffen und dergL 
tropifcher Verpflegung auch Ollern feiern zu muffen, hatte durch- 
aus nichts Verlockendes. Selbft bei der gröfsten Vorficht ift in jenen 
Gewäffern die Möglichkeit des Feftfitzens vorhanden, und auch die 
Samoa entging nur mit knapper Not diefer Gefahr, indem fie ein 
paarmal das Riff ftreifte. Dabei kamen Kapitän Dalimann und fein 
erfler Offizier oft taeelans nicht aus dem luftigen Sitz auf der grofsen 



II. d'Entrecasteaux-Infeln. 2 IQ 

Raa (vergl. Abbild. S. ly) herab, der durch ein Brettchen nicht fon- 
derHch bequemer gemacht worden war. Riffe laffen fich nämlich 
nur von einem erhöhten Punkte aus beobachten, fmd dann oft auf 
zwei bis drei ^Meilen fichtbar, während fie vom Schififsbord oder Boot 
aus manchmal auf 20 Schritt unbemerkt bleiben. Freilich kommt 
es hauptfächlich auf die Beleuchtung und den Stand der Sonne an; 
befcheint die letztere das Waffer zu grell, fo wird totes Riff häufig 
erft fichtbar, wenn fich das Schiff bereits auf demfelben befindet 
wie in diefem Falle mit der Samoa. 

Wir hatten Kap Pierfon paffiert und dampften längs der Südoft- 
küfte von Normanby herab, die durchgehends bergig bis gebirgig ifl. 
aber viel Kulturland und Kokospalmen, oft wahre Wälder von folchen 
aufzuweifen hat. Überall ficht man ausgedehnte Plantagen, Kokos- 
haine und Fufspfade bis hoch in die Berge hinauf, aber trotz diefen 
deutlichen Zeichen des Bewohntfeins im ganzen wenig Siedelungen 
und Menfchen. Die letzteren zeigten fich fehr mifstrauifch, und nur 
in dem am meiften bevölkerten Küfienfiriche um Kap Pierfon kamen 
Eingeborene in fünf Kanus ab, die Kokosnüffe anboten und dafür 
]\leffer, Tabak und Streichhölzer verlangten. Aber nur einer ver- 
mochte diefe Wünfche in englifchen Vokabeln auszudrücken, ein gar 
feltfamer Kumpan in doppelter Wollgarnitur, die er jedenfalls der 
Freigebigkeit eines englifchen Kriegsfchififes verdankte. Ja, wenn erfi 
das Wollregime auch bei den Tropenföhnen fich in diefer Fülle ein- 
geführt hat der Mann trug allein drei Hemden übereinander'.), dann 
wird diefe Induflrie einen ungeahnten Auffchwung nehmen. Zahlungs- 
fähig find die Leute ja, denn fie brachten Kokosnüffe von ungewöhn- 
licher Gröfse, die man für Kürbiffe halten konnte. Manche Nüffe 
wogen acht bis elf Pfund und mafsen 68 bis j^ Centimeter im Um- 
fange; verfprechende Ausfichten für Kopraflationen. 

Da der Kapitän das rififreiche, fchwierige Fahrwaffer füdlich von 
Kap Ventenat nur in der günftigften Tagesbeleuchtung paffieren 
wollte, fo mufste für die Nacht ein paffender Ankerplatz gefacht 
werden, obwohl es erft drei Uhr nachmittags war. Ein folcher findet 
fich nicht immer fo leicht, und der in den Tropen fo früh einbre- 



200 Sechftes Kapitel. 

chende Abend mahnt zu gröfserer Eile, denn gewöhnlich fängt es 
fchon nach fechs Uhr an dunkel zu werden. Glücklicherweife brauchten 
wir diesmal nicht lange zu fuchen, und konnten bald in einer flachen 
Bucht, die ich »Gutheil« benannte, zu Anker gehen. Sie befleht aus 
bewaldetem Vorland, das rings von fteilen Bergen, längs der Waffer- 
kante von einem breiten Sandftrande begrenzt wird, und ifl: in der 
füdlichen Ecke durch einen mit Bufchwerk begrünten Felfen, Small- 
Island der Karten, kenntlich. 

Das Fehlen von Kokospalmen liefs dasfelbe auch hinfichtlich 
der Bewohner erwarten, aber kaum hatten wir den Fufs ans Land 
gefetzt, fo erfchienen auch Eingeborene, hielten fich jedoch in re- 
fpektvoUer Ferne. Erft nach und nach gelang es einige beherzte 
Burfchen heranzulocken, die fich als Führer in die Berge anboten. 
In der nördlichen Ecke mündet, durch Treibholz und Barre verfperrt, 
ein hübfcher Flufs, an dem wahrfcheinlich die Siedelungen der Ein- 
geborenen liegen, denn die fcheuen Mädchen verfchwanden in diefer 
Richtung. Auch am füdlichen Ende der Bucht mündet ein Flufs, 
deffen rechtes Ufer zum Teil von fleilen Felswänden gebildet wird. 
Sie beliehen aus einem quarzreichen Schiefer, aber ich fuchte in 
dem ausgetrockneten Flufsbett. wie zu erwarten, vergebens nach 
»Nuggets« (Goldkörnern); denn im Goldfuchen habe ich ja niemals 
Glück gehabt. Dagegen fand ich in den Bergen hübfche Baumfarne, 
die mir neu waren, aber nichts nützten. Eingeborene hatten fleh in- 
zwifchen in grofser Anzahl angefammelt, betrugen fleh aber fehr 
artig und überreichten uns buntblättrige Crotons und rote Hibiscus- 
blumen. Ein glatzköpflger Alter hielt mir in erregter Weife eine 
Standrede, deren Sinn fleh wohl begreifen liefs. Es handelte fleh 
wieder um die alte Gefchichte: Rekrutieren von Arbeiter-Werbe- 
fchiffen! Solche Vorgänge können für friedlich nachfolgende Weifse, 
wie wir es waren, oft verhängnisvoll werden, und es ifl: in der That 
zu verwundern, dafs uns niemals etwas zufliefs. Als z. B. Kapitän 
Dallmann und ich keuchend den Berg hinaufkletterten wäre es für 
die Eingeborenen ein leichtes gewefen uns zu erfchlagen. Ich kann 
es daher in dankbarer Erinnerung nicht oft genug ausfprechen: 



II. d'Entrecasteaux-Infeln. 221 

»Wahrlich, jene nackten Söhne der Wildnis find längft keine Wilden!« 
Und als nach Einbruch der Dunkelheit allenthalben an den Bergen 
Feuer blinkten, bei deren Scheine die Eingeborenen von den weifsen 
Fremdlingen plaudern mochten, da fiel mir das fchöne Schriftwort 
ein: »Selig find die Friedfertigen!« denn auch diefe braunen Brüder 
werden Gottes Kinder heifsen! 

In der Frühe des anderen Morgens paffierten wir Kap Ventenat, 
die Südoftfpitze von Normanby, und damit traten nicht nur nach 
Süd, fondern auch nach Weft neue intereffante wechfelnde Eand- 
fchaftsbilder hervor. In dem Gewirr von Riffen, Sandbänken, Infel- 
chen und Infein dampften wir zunächft am Nordrande des »Galgen- 
riffs«, an dem fo leicht ein Schiff hängen bleiben und den Hals 
brechen kann, der Göfchen-Strafse zu , welche Neu-Guinea von der 
Normanby-Infel trennt. Der Südrand der letzteren erhebt fich zu 
dem 3000 bis 3500 Fufs hohen Prevoft-Gebirge, das viel kultiviertes 
Land der Eingeborenen zeigt, ebenfo wie die malerifche an lOOO Fufs 
hohe Lydia-Infel, die eigentlich aus drei Infein befteht. Nach Süd 
begrenzt gebirgiges Land den Horizont; es find die Infein des Mo- 
resby- Archipel, die d'Entrecafleaux bereits 1793 auf 28 Meilen Ent- 
fernung fichtete, aber in nur zu leicht begreiflicher Weife für die 
Oflfpitze Neu-Guineas hielt. 

Wir werden die letztere noch kennen lernen, dampfen aber jetzt, 
einen fpäteren Befuch der d'Entrecasteaux an diefer Stelle einfchal- 
tend, der Weftküfie von Normanby zu. Ihre füdlichfte Ecke, Kap 
Prevoft, mit dem gleichnamigen, an 3500 Fufs hohen, fteilen Berge, 
bildet die höchfte Erhebung, die nach Norden allmälich abfällt und 
in der Gegend von Ducheffe-Infel nur noch etliche Hundert Fufs 
beträgt. Von hier an werden die Gebirge bis zur Dawfon - Strafse 
wieder höher und erreichen über 3000 Fufs. Einige Meilen nördlich 
von Ducheffe-Infel fäumte ein ausgedehntes Kopragebiet die Küfte; 
fonft waren nur kleinere Beftände Kokospalmen, aber gröfsere Flecke 
urbar gemachten Landes im Waldesdickicht der Berge zu fehen. Hier 
liegen vermutlich auch die Siedelungen verfteckt, denn wahrfcheinlich 
ift die Bevölkerung nicht ganz fo gering, als es den Anfchein hat. 



222 Sechfles Kapitel. 

Nach einer unruhigen Nacht dampften wir am anderen Morgen 
in die fchöne Strafse, welche Normanby und Ferguffon trennt und 
zu Ehren des, um die Erforfchung Neu- Guineas hochverdienten, 
Lieutenants Dawfon vom Rafilisk benannt wurde. Ihre landfchaft- 
lichen Schönheiten traten erfl: hervor als fich die Wolken verzogen 
und wir die fteilen Gebirge von Normanby in der Nähe betrachten 
konnten. Sie find von malerifchen Schluchten durchzogen und mit 
üppigem Baumwuchs bekleidet, machen aber nicht den Eindruck der 
Wildnis, wie er fonü gewöhnlich gegenüber tropifcher Landfchaft 
fühlbar wird. Denn, wie überall in den d'Entrecasteaux, zeigen fich 
auch hier allenthalben Plantagen, Kokoshaine, einzelne Häufergruppen 
bis ein paar Taufend Fufs in die Berge hinauf. Das fieht alles fo 
kultiviert, ja civilifiert aus und heimelt (o fehr an, gerade wie dies 
Moresby vor zehn Jahren fand, nur dafs ]\Ienfchen fehlten. Während 
der Bafilisk damals von Hunderten von Kanus mit zutraulichen 
Eingeborenen umlagert war, die alle eifrig handelten, fahen wir nur 
hie und da ein paar, die aber fcheu verfchwanden. Kein Zweifel, 
dafs auch hier Werbefchitte gehäuft und die Bevölkerung gefchä- 
digt hatten. 

Die Samoa war in einer Art kleinen Bucht zu Anker gegangen, 
und ich unternahm mit Oberfteuermann Sechstroh eine Exkurfion 
im Whaleboot, um die bisher ununterfuchte öflliche Einfahrt von 
Dawfon-Strafse anzufehen. Wir gingen längs der Nordfeite von 
Normanby, die ihren vulkanifch bergigen Charakter beibehält und 
überall Kultivationen. Kokospalmen oft noch über lOOO Fufs hoch 
zeigt. Hie und da breitet fich ein fchmales, meifl: dichtbewaldetes 
Vorland aus, mit Sandftrand. der viel Eifen und Glimmer, aber auch 
Bimsftein enthält, wie das Gefchiebe der Bäche, das meift aus Schiefer 
und Quarz befteht. Das fpricht wieder für Gold! In der That, wenn 
irgendwo in diefer Region Gold vorkommt, fo glaube ich noch am 
erften in den d'Entrecasteaux, will aber damit keinen »rush« hervor- 
rufen. Von Eingeborenen fahen wir nur einen, der in einem kleinen 
Einfpänner-Kanu fich vor unferm Boote retten wollte und mir nun am 
Strande in die Hände fiel. Er war fo fehr erfchrocken, dafs er meine 



II. d'Entrecasteaux-Infeln. 223 

Gefchenke zurückwies und fich nach einigen Redensarten, vermut- 
lich Entfchuldigungen 'oder follten es Verwijnfchungen gewefen fein?) 
feitwärts in die Büfche fchlug. Ja, wir Weifsen flanden hier in 
keinem guten Renomme, das war mir immer mehr klar, und das Warum 
leicht zu erklären. Angefichts diefer Wahrnehmungen fehlen Vor- 
ficht auch für uns ratfam, denn drei einzelne Weifse in einem Boot 
machen nicht den Eindruck, als wenn ein Schiff in der Nähe ifl:. 
Dies fiel mir ein, als wir die Nordoftfpitze von Normanby erreicht 
hatten und nach dem vor uns liegenden Goulvain hinüberfegelten. 
Es ifl dies die gröfste der drei Infein, welche den Ofteingang von 
Dawfon-Strafse beengen, und kennzeichnet fich fchon von weitem 
durch einen eigentümlichen Berg. Derfelbe hat die Form eines lang- 
geftreckten Napfkuchens und ift wie ein folcher von zahlreichen 
Längsrinnen durchzogen. Sie laffen keinen Zweifel, dafs wir es mit 
einem Vulkan zu thun haben und zwar einem noch nicht allzulang 
erlofchenen, denn der Berg ift in feiner oberen Hälfte kahl, was 
gegen die dichte Bewaldung des unteren Teiles und der übrigen 
Infel fcharf abfticht. 

Unfere Abücht, ungeftört auf der Infel zu frühftücken, wurde 
vereitelt, denn kaum dafs wir uns derfelben näherten, zeigten fich 
Eingeborene in hellen Haufen. Das hohe Ufergras fehlen förmlich 
Menfchen zu gebären. Sie waren zwar unbewaffnet, aber ich hatte 
wohl bemerkt, dafs fie viele Speere im Gräfe niederlegten, ein be- 
achtenswertes Zeichen, welches immer zur Vorficht mahnt. Wir 
ruderten längs der Küfte bis zu einem Dorfe, wo fich inzwifchen 
eine grofse Anzahl Eingeborener, wohl mehrere Hundert, verfammelt 
hatten. Sie fchienen über unfere Ankunft fehr geteilter Anficht zu 
fein, denn während einige mit grünen Zweigen zum Landen einluden, 
machten die anderen abweifende Geften, die mich an die im Gras 
verfteckten Speere erinnerten. Unfer Verlangen zu landen wurde 
durch den unklaren fteinigen Grund, der unferem fchlanken Boote 
leicht gefährlich werden konnte, gezügelt, und fchliefslich fiel es uns 
ein, dafs es vielleicht beffer wäre zu bleiben, wo wir waren. Wahr- 
fcheinlich würden wir auch hier gut aufgenommen worden fein, aber 



224 



Sechlles Kapitel. 



wer will immer vorausfagen, wie es kommen kann, und wer konnte 
wiffen, was vor uns hier paffiert war? Im Boot liefs fich ein Über- 
fall leicht und ohne Blutvergiefsen vermeiden, denn ein paar Schüffe 
genügten, die Menge zu verjagen, aber an Land war dies ganz etwas 
anderes. Da brauchten nur ein paar Eingeborene ihre Speere zu 
erheben, und unfere tapferen Neu-Britannier wären unfehlbar mit dem 
Boote auf und davon gegangen, ohne fich um uns zu kümmern. Und 
was hätten wir drei, felbft mit Waffen, in einem folchen Knäuel von 




Kanuhaiis auf Goulvain. 

ein paar Hundert Speerwerfern anfangen wollen? Mir war es fchon 
um Kapitän Dallmann zu thun. Wo hätte der einen anderen Steuer- 
mann herkriegen wollen? und als Opterlämmer waren wir ja über- 
haupt nicht hergekommen. 

Unter den im Schatten der Bäume verfteckten Häufern machte 
fich befonders eins bemerkbar, ein langer, niedriger Schuppen, in 
welchem ein grofses Kriegs-Kanu untergebracht war. Vergl. Abbild. 



II. d'EntrecasteaiLx-Infeln. 225 

(S. 224). Es zeigte über der Thür einen gar befonderen Schmuck, eine 
kraniologifche Sammlung, die ich gar gern den meinen einverleibt 
hätte. Schädel von Goulvain! die befafs Geheimrat Virchow gewifs 
noch nicht, und da mufste jedenfalls ein Verfuch gewagt werden. Ich 
deutete daher auf meinen Kopf und nach jenen Schädeln, fowie aul 
einige Taufchwaren, und die Sache war eingeleitet. Die Goulvainer be- 
griffen, dafs ich nicht den meinen einverleiben, fondern ihr anthropolo- 
gifches Material haben wollte, und bald war der Handel im Gange. Frei- 
lich meine »Kilam« ( Hobeleifen) waren fchnell zu Ende, aber die Einge- 
borenen nahmen auch Tabak und andere Taufchwaren, bis die Weiber 
den fchnöden Schacher plötzlich zum Schlufs brachten und den Reft des 
Maufoleums mit einer Matte bedeckten. Die guten Gefchöpfe fchienen 
fehr aufgebracht, und da es immer rätlich ift wütenden Weibern auszu- 
weichen, fo fchieden wir von Goulvain, wo wir ohnehin nichts mehr zu 
fuchen hatten. Wufste ich doch jetzt, dafs die Infel bei den Eingebore- 
nen Ulebubu, das Dorf vor dem wir lagen, Nuakarau heifst, fowie manches 
andere über Infel und Bewohner, von denen bisher kein Bericht vorlag. 
Jedenfalls hatten die Eingeborenen aber fchon Weifse gefehen, denn 
fie kannten: »matches« (Streichhölzer), »pipe«, »knife« und titulierten 
uns felbfl »manwar« (man of war = Kriegsfchifif;. Ulebubu mufs fehr 
bevölkert und fehr fruchtbar fein; felbfl: an den Abhängen der fteilen 
Kraterfchluchten waren Plantagen zu fehen, wie es die Papuas über- 
haupt lieben, gerade an folchen Stellen zu kultivieren. Kokospalmen 
gab es in Maffe, darunter auch folche mit den kleinen, orange- 
farbenen Nüffen, welche auf Ceylon »King-nuts« heifsen und einer 
befonderen Art anzugehören fcheinen. Die Eingeborenen unter- 
fchieden fich übrigens durchaus nicht von den bisher (z, B. in 
Weihnachtsbucht) gefehenen und machten fchon deshalb keinen 
guten Eindruck, weil foviel Schuppenkrankheit unter ihnen herrfchte. 
Wenn fonfl Totenfchädel, welche man bei Eingeborenen fieht, meifl: 
folche von Anverwandten find, fo verhielt fich dies hier doch anders, 
und die von mir erfiandenen Schädel fprechen fchweren Verdacht 
aus. Mit Ausnahme eines einzigen, zeigten alle 15 Schädel das 
Hinterhaupt zertrümmert, ganz fo wie Kannibalen zu thun pflegen 

Finfch, Samoafahrten. li 



220 Sechftes Kapitel. 

um die gröfste Delikateffe, das Gehirn, zu erlangen. Ja, ja! ihr Männer 
von Ulebubu, ich kann euch nicht rein wafchen, fo gern ich auch 
möchte, ihr feid Kannibalen, gar kein Zweifel! »Aber die anderen 
auch«! höre ich euch antworten. Ja wohl, ihr feid nicht fchlechter 
als der Refl:, denn die ganze braune Bewohnerfchaft der d'Entreca- 
steaux, der Oftfpitze Xeu-Guineas, des Moresby-Archipels bis hinunter 
auf die Louifiade, fie alle find Menfchenfreffer, und diefer Brauch 
bildet fogar einen eben nicht empfehlenswerten Charakter diefer 
ethnologifchen Provinz. 

Wir flanden unter Segel nach Ferguffon hinüber, ftiefsen hier 
aber bald auf ausgedehntes Riff, das auch füdlich von Goulvain die 
Strafse zu verfperren fcheint. Doch konnten wir dies nicht aus- 
machen, denn es fetzte hier fcharfe Strömung ein, gegen welche vier 
Ruderer nicht ausreichten. Die Nordweftfeite von Goulvain befteht 
aus Steilufer, fo dafs hier vielleicht eine Durchfahrt für kleinere 
Schiffe möglich ifl, aber nördlich liegen noch zwei andere flache In- 
feln, die auf Riff fchliefsen laffen. Sie zeigten dichte Beflände von 
Kokospalmen, wie ein grofser Teil der Küfte von Ferguffon, die 
hier meift aus Flachland mit Hochgras befleht. Gleich einer alten 
Feftungsruine erhebt fich hier ein, meift kahler, vulkanifcher Berg, 
gleichfam ein Pendant zu dem Krater von Goulvain. Aber wir be- 
merkten kein kultiviertes Land an ihm, wie die ganze Küfte der 
äufserften Südfpitze von Ferguffon kaum bevölkert fchien. Das än- 
derte fich aber mit einem Schlage, als wir wefllich von der Land- 
zunge in eine ausgedehnte Bucht einfuhren, die rifffrei und felbft für 
Schiffe praktikabel ill:. Hier fäumt ein breiter Streif von Kokos- 
palmen den Sandflrand, auf dem fich Dorf an Dorf reihte. Ich zählte 
an ein Dutzend, die aus je lO bis 15 Häufern beftanden. Li der 
Tiefe der Bai, nahe einer kleinen Lifel aus Korallfels, landeten wir 
inmitten von etlichen 20, fehr fchönen Kanus, bei einem Dorfe, deffen 
Bewohner fich anfangs fehr fürchteten und zum Teil ausriffen. Das 
weibliche Gefchlecht machte den Anfang und kam felbft fpäter, trotz 
den Aufforderungen der ^Männer, nicht zurück, und fo mufste ich 
diefen die Gefchenke für die fchüchternen Schönen übergeben. Das 



II. d'Entrecasteaux-Infeln. 



227 



Dorf mochte ungefähr 15 Häufer zählen, die fich durch die eigen- 
tümHche Bauart, wie fie meine Skizze zeigt, auszeichneten. Sie 
ruhen doppelt auf Pfählen, d. h. auf der unteren Plattform erhebt 
fich das Haus noch befonders auf kurzen, wie gedrechfelten Füfsen. 
Die fclimale hohe Giebelfront ift forgfältig aus Pandanusblatt gefer- 
tigt und zuweilen bunt bemalt, wie das Haus links in rot und 




Häufer auf Ferguffon. 

fchwarzem Schachbrettmufler. Alles fah fauber und reinlich aus, 
auch der Platz um die Häufer, auf dem ich Obfidian fand. Und nun 
gar erll; die ausgedehnte Plantage hinter dem Dorfe! Sie war eine 
Mufterfarm und konnte an Akkurateffe mit einer Ziergärtnerei bei 
uns konkurrieren. Man fühlte fich wie in einen Hopfengarten ver- 



228 Sechftes Kapitel. 

fetzt, fo regelmäfsig erhoben fich die Ranken des Yams an Stangen, 
aus reichem fchwarzen Humus, der durchgefiebt fchien. Zwifchen 
dem Yams ftand Taro, Zuckerrohr, Bananen und bunte Blattpflanzen, 
alles in fchönfter Ordnung und in gröfsere Familienfelder eingeteilt. 
Merkwürdigerweife fehlte ein Zaun um die Plantage, wie dies fonft 
ftets der Fall ift, was vermuten läfst, dafs Wildfehweine feiten vor- 
kommen. Allerdings fah ich gezähmte bei den Häufern, aber in 
Verfchlägen; auch hatte man ihnen, um das Wühlen zu verhindern, 
forglicherweife eine Liane durch die Nafenlöcher gezogen. Leider 
blieben meine Verfuche, eins diefer Borftentiere zu erflehen, erfolg- 
los. Die Eingeborenen werden fie felbfi: wohl gern effen, verfchmähen 
aber auch den einzigen Vertreter der Familie Bimana (Homo sapiens, 
Linne) nicht, denn ich erhielt fünf am Hinterhaupt zerfchlagene 
Schädel und fah ein menfchliches Becken an einem Haufe. Dabei 
waren diefe Menfchenfreffer aber nicht allein fehr fleifsige, fondern 
auch liebenswürdige Leute, und es that mir ordentlich leid, fie durch 
ein paar Schüffe in Furcht jagen zu muffen. Aber in einem hohen 
Baume zeigten fich fonderbare Vogelgeflalten, nach denen ich fchon 
lange gefahndet hatte. Als der Schufs krachte, lag ein prachtvoll 
rtahlviolett fchimmernder Vogel, fo grofs als eine Dohle, zu meinen 
Füfsen, — Manucodia Comrii — der fchönfte Vertreter der Paradies- 
krähen, Die Art ift, wie ein wirklicher Paradiesvogel mit roten 
Seitenbüfcheln (Paradisea decora), den d'Entrecasteaux eigentümlich, 
die zoologifch fehr ungenügend bekannt, ohne Zweifel manches Neue 
liefern werden. 

Der günftige Eindruck, den uns diefe Exkurfion von Ferguffon 
verfchafft hatte, wurde am folgenden Tage noch bedeutend erhöht, 
an dem wir längs der Südküfte bis Kap Mouril)^an dampften. Sie 
befteht im wefentlichen aus einer ca. looo bis 1500 Fufs hohen 
Strandkette, hinter welcher fich unmittelbar dichtbewaldetes Hoch- 
gebirge, mit fanft gerundeten Kuppen, zuweilen mit ftumpfen Spitzen j 
erhebt. Der an 6000 Fufs hohe Kilkerran fcheint der Mittelpunkt 
diefes Gebirges, das den gröfsten Teil der Infel bedeckt und ihr. 
wie den übrigen, vorwiegend Gebirgscharakter verleiht. Wenn es 



II. d'Entrecasteaux-Infeln. 22Q 

auch noch lange dauern wird, ehe Forfcher in das Innere diefer 
Gebirge eindringen, fo ift vielleicht die Zeit nicht fo fern, wo das 
Küftengebirge nähere Unterfuchung findet und diefelbe vorausficht- 
lich reichlich belohnt. In der That hier fieht es gar fehr verfpre- 
chend aus, und ich wüfste kein Gebiet in der ganzen öftlichen Papua- 
region, das fich mit diefem melTen könnte. Gegenüber von Kap 
Dawfon bis Kap Mourilyan, einem Küftenftrich von fafl: 20 Meilen, 
hat man faft nichts als kultiviertes Land vor fich, das einen heimat- 
lichen Eindruck macht. Allenthalben fieht man bis hoch in die fanft 
anfteigenden Berge ausgedehnte Plantagen, forglich eingezäunt, grüne 
Matten, einzelne Häufer und kleine Häufergruppen; Fufspfade führen 
hin und wieder und über die Berggrate, während die Thäler und 
Hänge mit Wald und Bufchwerk beftanden fmd. Gar liebliche Bilder, 
die durch den Reichtum an Kokospalmen ein erhöhtes praktifches 
Intereffe gewinnen ! Längs dem w-eifsen Sandflrande ziehen fich oft 
meilenweite Palmwälder hin , und felbfl an den Bergen reichen an- 
fehnliche Beftände über 1000 P'ufs hinauf; ein Kopragebiet, wie es 
nur feiten vorkommt. Und doch ift dasfelbe bisher noch unbear- 
beitet geblieben, worüber fich die Eingeborenen am meinen freuen 
können. Wir fahen zwar am Strande verfchiedene, auch gröfsere 
Siedelungen, aber von den Bewohnern auch nicht Einen ! Diefe Küfle 
fchien wie verzaubert, nicht einmal ein Kanu liefs fich blicken. Sehr 
malerifch ifl Kap Mourilyan, der Ausläufer eines zwifchen 2000 bis 
3000 Fufs hohen erlofchenen Vulkans, der bis zu dem kahlen, fteilen 
Kraterrande dicht mit Kultivationen bedeckt ift. Wir mufsten hier 
leider Abfchied von den d'Entrecasteaux nehmen, die für England 
ohne Zweifel viel wichtiger und verfprechender find, als Port 
Moresby und der gröfsere Teil der Südoftküfte Neu - Guineas 
und vielleicht noch einmal Bedeutung erlangen. Sie werden fich 
für Plantagenwirtfchaft, wie Viehzucht gleich günftig erweifen 
und bieten bereits etwas Exportfähiges in den reichen Kopra- 
gebieten. 

Von Goodenough -Infel bekamen wir wenig zu fehen; fie 
blieb, wie der gleichnamige, an 7000 Fufs hohe Berg, meift in 



2^0 Sechftes Kapitel. 

Wolken gehüllt, und wir erblickten fein majeftätifches Haupt nur 

ein paarmal während unferer Küftenfahrt, zu der wir jetzt zurück- 
kehren. 



III. Oftkap bis Mitrafels. 

Oflkap. — Catamarans. — Bentley-Bai. — Anzeichen von Kannibalismus. — ,,Halle- 
lujah''. — Taniate. — Scheu der Eingeborenen. — Äufseres. — Ausputz. — Freundliche 
Mädchen. — Häufer. • — Catharine-Infel. • — Begegnung mit einem Kanu. — Chads-Bai. 
— Koom und Poru. ■ — Albino. — Schönes Land. — Eine Liebesgefchichte — Finger- 
fpitze. — Herrliche Gebirgslandfchaft. — Kap Frere. — Wafferfälle. — Gebirgsplan- 
tagen. — Bartle-Bai. — Goodenough-Bai. — Bafilisk-Gebirge. — Flower- und Sclater- 
fpitze. — Pyramidenhügel. — Geringe Bevölkerung. — Bedeutende ^Meerestiefen. — 
Gebirgsbewohner. — Kap Vogel. — In trübem Waffer. — Victory und Trafalgar. — Kap 
Sud-Efl. — Geringe Bevölkerung. • — Küfte von Kap Nelfon bis Mitrafels. — Hihiaura- 
Bucht — Familienhaus. — Wir bauen. — Native-Häufer. — Verkehr mit den Einge- 
borenen. — Gomira Taga und Tohde. — Wir landen Vieh. — Blumenthal. — Ethno- 
logifches. ■ — Schaukeln. — Fifchfang. — Kein Salz. — Stellung der Frauen. — Täg- 
liche Befchäftigung. • — Kochen — Mahlzeiten — Gemütliches Leben. — Schwierigkeit 
zu civilifieren — und die richtigen Leute zu finden. — Schattenfeiten des Tradertums. 

Wie erwähnt ift die Aufnahme diefer in der Luftlinie über 200 
Meilen langen Küfte ein Verdienft Moresbys, das niemand beffer 
würdigen lernte als wir, die auf der Samoa feinem Kurfe folgten. 
Auch in diefem Abfchnitt faffe ich die Refultate dreier Fahrten an 
diefen Küflen zufammen, die, bei der ohnehin fo knappen Behand- 
lung unferes Vorgängers, einen Beitrag zur befferen Kenntnis der- 
felben in Wort und Bild geben werden. Wir haben Lydia paffiert 
und fehen die Oftfpitze Neu-Guineas immer deutlicher hervortreten. 
Sie wird von der Halbinfel gebildet, welche Milne-Bai nach Norden 
begrenzt und läuft in eine fchmale Landzunge aus, die mit einem 
fanften, ca. 400 Fufs hohen Hügel endet, vor dem zwei kleine, durch 
Riff verbundene Infelchen lagern. Unfere Skizze zeigt eine derfelben, 
Anker-Infel, mit Oftkap aus Norden, kein grofsartiges, aber ein lieb- 
liches Bild, anheimelnd durch die Plantagen auf dem Hügel und die 
Palmenhaine, welche den Strand einfaffen. An dem letzteren ftanden 
Hütten und Kanus; auch Eingeborene zeigten fich hie und da, nahmen 



III. Oflkap bis Mitrafels. 



231 



aber von dem Dampfer keine Notiz. Das reiche Kultivations- und 
Kopragebiet, welches an der Oftfeite von Normanby feinen Anfang 
nimmt, fetzt fich , mit gewiffen Unterbrechungen, von Oftkap bis 
nahe an Bentley-Bai fort. Aber der Bergrücken , die Stirling-Kette, 
welcher die fchmale Oftkap-Halbinfel bildet, deren Breite feiten fünf 
Meilen überfchreitet, wird allmählich höher. Damit fteigert fich der 
Reiz des Landfchaftsbildes, das in der von hübfchen Bergen um- 
fchloffenen Bai zu einem befonders anfprechenden wird. Von Ein- 
geborenen war wenig zu bemerken; fie hielten fich zurückgezogen 
und beachteten unfere Einladungen gar nicht. Jedenfalls hatten fie 




Oflkap. 

feit dem freundlichen Befuche Moresbys vor lojahren. der die Oftkap- 
Leute »als die liebenswürdigften Wilden«, welche er kennen lernte, be- 
zeichnet, üble Erfahrungen mit dem weifsen Manne gemacht. Hie und 
da hufchte ein Catamaran über die fpiegelglatte Wafferfläche , eine 
fonderbare Art Wafferkutfche, die wir einzeln fchon in Normanby 
kennen gelernt hatten. Sie befteht aus drei vierkantig behauenen, 
vier bis fünf ]\Ieter langen Baumflämmen, die mit Lianen aneinander- 
gebunden, ein ca. ein Meter breites, an beiden Enden ftumpfzuge- 
fpitztes Flofs bilden. Diefe Catamarans find an der ganzen Oftkap- 



2:;2 



Sechfles Kapitel. 



Halbinfel, wie in Milne-Bai, die gebräuchlichrten Fahrzeuge und er- 
fetzen zum Teil die im ganzen feltenen Kanus. Es verfteht fich 

von felbft, dafs ein folches 
Flofs nur längs der Küfte 
und bei ruhiger See benutzt 
werden kann, denn felbft 
bei folcher nimmt es fort- 
wahrend Waffer über. Es 
ift daher zuweilen ein etwas 
erhöhter Sitz angebracht, 
um Taufchwaren einiger- 
mafsen trocken zu halten. 
Wir haben die Gefchick- 
lichkeit, mit welcher die 
Eingeborenen diefes pri- 
mitive Fahrzeug zu han- 
tieren wiffen, ftets aufs neue 
bewundert. Die Sache fieht 
nämlich viel leichter aus, 
als fie ift und geht bei 
knieender Stellung noch am 
beften. Aber aufrecht- 
ftehend erfordert es viel 

Übung die Balance zu 
halten; eine ungefchickte 
Bewegung, und das Flofs 

kippt um, was unferen 
Leuten fpäter, zum Gau- 
dium der Eingeborenen, 
öfters paffierte. 

Solche Catamarans, die 
übrigens nur einen bis 
zwei Menfchen tragen, gaben uns das Geleit, als wir in Bentley- 
Bai einliefen, hielten fich aber in refpektvoller Ferne. Nur eine 




III. Oükap bis Mitrafels. 



'^j 



refolute Frau fpornte ihre flärkere Hälfte an, längsfeit zu paddeln, 
um einige Gefchenke zu empfangen. Sie gab mir dafür ein paar 
Früchte des ]\Ielonenbaumes (Carica papaya), ungefähr alles was 
die Eingeborenen befafsen, denn Kokospalmen werden in Bentley- 
Bai fchon fpärlicher. Der furchtfame Gatte erregte durch einen be- 
fonderen Haarfchmuck meine Aufmerkfamkeit. Er trug im Nacken 
eine Zopfzottel, an der ein Halswirbel befeftigt war, welche Zier ich 
natürlich gern für das Berliner Mufeum erworben hätte. Aber der 
Mann fehlen davon nichts wiffen zu wollen. Es blieb mir daher 
nichts übrig als Raub; denn, was thut man nicht alles im Dienft der 
Wiffenfchaft 1 Ein Schnitt mit der Schere und der Zopf war mein, 
worüber die kleine Frau gar fehr fchimpfte. Ihre zornfunkelnden 
Augen gingen aber bald in freudeftrahlende über, als ich ihr einen 
goldenen Ring im Wert von zehn Pfennigen, ihrem Gemahle ein Meffer 
fchenkte. Die fpätere Unterfuchung hat den Knochen als einen 
menfchlichen Atlas nachgewiefen, wodurch auch diefe guten Ein- 
geborenen den Verdacht Kannibalen zu fein auf fich laden. In Er- 
mangelung befferer Beweife fpreche ich diefen Verdacht übrigens 
nur mit Vorbehalt aus, und will hinzufügen, dafs ich derartigen Zopf- 
fchmuck nur wenigemale hier, aber auch in den d'Entrecasteaux und 
um Oftkap beobachtete. Halswirbel vom Schwein und Dugong werden 
am häufigften benutzt, befonders aber Ovulamufcheln, zuweilen auch 
fonderbare Fifchgebiffe, fo dafs es fich bei weitem nicht immer um 
Trophäen von erfchlagenen Feinden handelt. Selbft in diefen ab- 
gelegenen Gegenden pflegen fich die Gegenfätze zu berühren. Kaum 
war der Vertreter des menfchenfreffenden Heidentums mit feiner 
Ehehälfte weggepaddelt, da tönte es »Hallelujah! Jefus!« und wir 
begrüfsten den erften Chriften, der fich fchon durch ein früher weifses 
Hemd von der übrigen Gefellfchaft auszeichnete. »Miffionaly*) Ta- 
mate Natuna!« Aha! der Herr Miffionär diefes Namens, würde jeder 
gedacht, aber geirrt haben, denn der Zufammenhang diefer Worte 



*) r und 1 find in den meiflen Papuafprachen gleich, da viele kein r ausfprechen 
können. 



234 Sechftes Kapitel. 

war nur dem verftändlich, welcher die Südoftküfte Neu -Guineas 
kennen lernte. Hier ift von Freshwater- bis Milne-Bai ein Weifser 
unter dem Namen Tamate überall bekannt und beliebt, der Rev. 
James Chalmers in Port Moresby, der einflufsreichfte Mann an diefer 
ganzen Küüe. Schon lo Jahre lebt er unter den Eingeborenen, die 
ihn alle als einen Vater verehren. Kein \\'under daher, dafs auch 
diefer braune Hemdenmatz fich Tamate Natuna, d. h. Kind von 
Chalmers nannte, dem er wahrfcheinlich in einer Miffionsftation in 
I\Iilne-Bai begegnet war. Mit »Mifsionaly« (Mifllonär) pflegt fich 
gern jeder Eingeborene zu bezeichnen, der nur einmal eine Miffion 
befuchte und deswegen noch keineswegs Chrifl zu fein braucht, da 
in Neu-Guinea das Wort Loto (= Chriflentum) unbekannt ifl. 

Ich durfte mich dem Kinde Tamate's gegenüber, das eigentlich 
Tau pa-uri hiefs, als Tamate Wariga, Freund von Chalmers einführen, 
mit dem ich in Port Moresby fo oft zufammen gewefen war, und 
manche Tour gemacht hatte. Der neue Freund erwies fich übrigens 
von keinem Nutzen und rifs mit der übrigen Menge aus, als ich das 
Land betrat. Das koftete wieder Mühe fich anzupirfchenl Ich hatte 
den Leuten lange am Strande zu folgen, manchen Bach zu durch- 
waten, ehe einige beherztere Burfchen ftandhielten. Stückchen Ta- 
bak, die ich ihnen zuwarf, kirrten fie vollends, und endlich liefs 
fich einer die biedere Rechte fchütteln. »So, nur Courage! fei doch 
kein Frofch, ich bin ja Finfch aus Bremen, ihr kennt mich jal« — 
und die Leute wurden zutraulicher, kamen nach und nach heran, 
bis uns ein dichter Haufen umgab. Auch Mütter mit ihren Säug- 
lingen fehlten nicht, und meine alte Praxis, die letzteren mit roten 
Bändchen zu fchmücken, machte den gewünfchten Eindruck. Auch 
Papuafrauen befitzen Mutterftolz und freuen fich, wenn man die 
braunen Papuaengelchen fireichelt und lobt. Und diefe Kinderchen 
find im allgemeinen viel artiger als unfere, denn fie fchreien viel 
weniger und fürchten fich gar nicht fo vor dem »weifsen Manne«. 
Die Eingeborenen von Bentley-Bai, wie um Oftkap, find von ziem- 
lich heller Hautfärbung und gehören zu denen, welche von Unkun- 
digen als malayifche Mifchlinge erklärt werden. Aber mit Unrecht, 



III. Oftkap bis Mitrafels. 



-03 



denn fie find echte Papuas, wobei uns das individuelle Vorkommen 
von lockigem, felbfl: fchlichtem Haar nicht zu genieren braucht. Ge- 
wöhnlich wird es kurz gehalten, bei den Frauen meift abrafiert, aber 
junge Stutzer, wie der auf der Abbildung, zaufen fich eine mächtige 
Wolke auf. Er ift im Geficht zierlich mit fchwarzen Strichen bemalt, 
trägt Blätter und eine künftlich zerfchliffene Centropusfeder im Haar, 
am Arm eines jener koloffalen Armbänder (Bakibakira), die wir zu- 
erfi: hier kennen lernten. Sie find halbrund aus gefpaltenem, fchwarz 
gefärbtem Rotang geflochten und werden auf der hohlen Innen- 
feite mit Moos und wohlriechen- 
den Pflanzenftoffen ausgefüllt. Sie 
verbreiten fich über die ganze Oft- 
fpitze Neu-Guineas und dienen zum 

Teil als Trauerfchmuck. Als 
folchen lernte ich, aufser dem üb- 
lichen Schwarzmalen, auch breite 
zierlich aus Gras geflochtene Bän- 
der kennen , die von beiden Ge- 

fchlechtern kreuzweis über die 
Bruft getragen wurden. Viele Ein- 
geborene litten an Ichthyosis, wie 
fie überhaupt in Geflalt, wie Aus- 
putz einen ärmlichen Eindruck 
machten. Das Septum war bei 
beiden Gefchlechtern durchbohrt, 
aber gewöhnlich wurde ein Holz- 
flift durchgefteckt, feltener ein aus Mufchel gefchliftener. Im Ohr 
trugen die Männer meift einen zufammengerollten Streifen Pandanus- 
blatt, zuweilen einige Spondylusfcheibchen oder kleine Schildpatt- 
ringe. Halsftrickchen (Maura) und gewöhnliche Grasarmbänder(Ohame) 
bildeten, wie immer, den Hauptputz; in dem letzteren wurde häufig 
ein Stück Badefchwamm (zum Wafchen!) getragen. Stutzer befeftigen 
am Armbande, wovon auch folche aus Mufchel (Conus und Trochus) 
vorkamen, zuweilen einen langen Streifen aus künfilich zufammen- 




Junger Mann von Bentley-Bai. 



2 --5 Sechftes Kapitel. 

genähten Pandanusblatt, der gleich einem Bande herabflattert und 
Päropäro heifst. Als feltenen Knie- und Armfchmuck fah ich auf- 
gereihte mittelgrofse, weifse Cypraea-Mufcheln (Bunidoga); mit Aus- 
nahme kleiner Knaben waren alle bekleidet. Die Männer trugen die 
eigentümlichen Pandanusmatten, Ahra (S. 214). die häufig an einer 
Schnur, zuweilen einem dicken Wulft (Apara) von Menfchenhaar be- 
feftigt find, von dem Schnüre aus gleichem Material mit Ovulamu- 
fcheln (Dunara;, portepeeähnlich herabbommeln i^vergl. Taf. XVI 6). 
Frauen, felbfl kleine Mädchen, find mit fchweren Grasröcken (Nogi) 
aus gefpaltener Kokosfafer bekleidet, wie dies die Abbildung (S. 237) 
zeigt. Mit der Steinzeit war es auch hier vorbei, denn die Einge- 
borenen befafsen bereits Äxte mit Bandeifenklingen (S. 2 12), begehrten 
jedoch am meiften Tabak und Pfeifen. Sie hatten aber wenig in 
Taufch abzugeben oder vielmehr gaben das wenige Gute, z. B. hüb- 
fche Holztrommeln und Holzfchilde (Ragena) nicht her. Als Waffe 
befafsen fie nur rohgearbeitete Speere (Jera) keine Pfeile und Bogen. 
Neu waren mir fehr hübfch geflochtene, runde, fchachtelförmige, 
Tragkörbe (Au-utu), mit drei Einfätzen, und eine fonderbareArt Fifch- 
fallen (Mahaba, T. IX. il Als Material zu Strickarbeiten wird die 
durch Klopfen bereitete Fafer aus den Luftwurzeln des Schrauben- 
baumes (Pandanus) benutzt, die ich fchon in Normanby bemerkte. 
Sie ftellt an Haltbarkeit und Länge des Fadens die beflen unferer 
Faferflofife in den Schatten und würde einen trefflichen Exportartikel 
abgeben, wenn gröfsere Quantitäten zu haben wären. 

Aufser Kokosnüffen und Papayfrüchten war an Lebensmitteln 
nichts aufzutreiben. Wir betrachteten wehmütig die fchönen Schweine 
(Poru), von denen fich die Leute nicht trennten. Und doch hatte 
Moresby hier eine Menge erhandelt, aber die Bevölkerung ilt feitdem 
offenbar geringer und ärmer gew'orden. 

Das weibliche Gefchlecht, im ganzen häfslich und unanfehnlich, 
zeichnete fich durch befondere Zuthunlichkeit und Liebenswürdig- 
keit aus, wie ich fie feiten bei Eingeborenen gefunden habe. So 
befchenkte mich ein kleines, nettes Mädchen mit einer Bekleidungs- 
matte, fo fchön, dafs fie einem Bräutigam Ehre gemacht haben würde 



III. Onicap bis Mitrafels. 



237 



Übrigens das einzige Gefchenk, welches ich jemals von einer Papua- 
fchönheit erhielt. Ich hatte aber auch ein paar Handvoll Glasperlen 
weggegeben und die Damen noch befonders erfreut, indem ich meinen 
Arm entblöfste. Die Verwunderung über die Weifse der Haut wollte 
unter dem fanften und melodifchen Ausdruck des Erftaunens »agai-i« 
gar kein Ende nehmen, das Befühlen und Streicheln gab ihr aber 
bald einen dunklern Ton. 




Haus in Beiitley-Hai. 

Der hiefige Pfahlbauftil ift am heften aus der Abbildung erficht- 
lich, und nur hinzuzufügen, dafs das Material aus Bambu befteht 
und die Grasdächer mit toten Palmblättern belegt werden, um ihnen 
mehr Fertigkeit zu geben. Die Diele ift meift aus Planken herge- 
ftellt. Auf dem Vorplatz, vor der Thür ftehen gewöhnlich Töpfe 



2-3 8 Sechftes Kapitel. 

(Nau). deren Anzahl zugleich den Reichtum bekundet, denn fie find 
ein teurer Artikel und kommen weit her, von Tefte-Infel. Neben 
den Häufern erheben fich kleinere Pfahlbauten oder Gerüfle als Vor- 
ratskammern und die kleinen Siedelungen find zuweilen mit einer 
lebendigen Hecke aus Croton und dergleichen eingezäunt. Gewöhn- 
lich liegen auf dem freien Platze um die Häufer, der zuweilen auch 
mit Rollfteinen belegt ift, grofse Schieferplatten, auf denen die Ein- 
geborenen gern zu fitzen pflegen. Ich vermute, dafs diefe Steine 
Gräber bedecken, fah aber fpäter ein Grab in Form eines kleinen 
Haufes, ganz wie in Finfchhafen (S. 173). Wie faft ftets waren Cro- 
tons bei demfelben gepflanzt. Ein hier, wie an der ganzen Oftfpitze 
üblicher Gebrauch ifl: der, bei den Siedelungen oder am Strande 
Kokosnüffe an eigens dazu errichteten Pfählen aufzuhängen. Oft 
fieht man künftliche Bäume ganz voll von Kokosnüffen, die wahr- 
fcheinlich zum Anpflanzen dienen. Bentley-Bai ift nur fchwach be- 
völkert und zählt etwa ein Dutzend ziemlich verfteckter Siedelungen, 
von denen die gröfste, Tagoreüa, nur aus acht Häufern befteht. Aber 
einzelne Häufer finden fich, wie Plantagen, in den Bergen, die fehr 
fteil und an 2000 Fufs hoch find und von denen man einen fchönen 
Blick auf Milne-Bai hat, denn die Breite der Halbinfel beträgt hier 
kaum mehr als drei Meilen. Schiffen ift übrigens Vorficht anzuraten, 
da namentlich die öftliche Seite der Bai nicht frei von Riffen und 
Felfen ift. Am weftlichen Eingange liegt eine flache mit Mangrove 
bedeckte Infel (Catharine-Isl.), hinter der fich ein gefchütztes Becken 
(Arinie-Inlet) öffnet, das aber wegen Untiefen als Hafen unbrauch- 
bar ift. Für Kanus mag es freiHch gut genug fein, wenigftens flüch- 
teten zwei folche, denen wir kurz vor Kap Ducie begegneten, eiligft 
in die Bucht, während ein drittes, mit zehn Mann Befatzung, längs- 
feit kam. Die Leute verftanden kein Wort enghfch und hatten nichts 
als etliche Stücke Obfidian zu verhandeln, kamen alfo wohl von 
Moresby-Strafse herüber, wo diefe Lava, die zum Rafieren überall 
beliebt ift, häufig fein foll. 

Zwifchen Gap Ducie und Excellent-Point erftreckt fich ein zwei 
und eine halbe Meile langes Vorland, deffen nördlicher Rand von 



III. Ollkap bis Mitrafels. 239 

Small-Bai befpült wird. Diefes Vorland ift meift mit Mangrove be- 
fanden, erhebt fich aber nach W'eften zu dichtbewaldeten Bergen 
von 400 bis 500 Fufs Höhe. Als wir diefe weftliche Ecke, Excellent 
Point, paffiert hatten, fahen wir die ausgedehnte Chads-Bai, von ma- 
lerifchen Bergen umrahmt, vor uns. An ihrem öftlichen Ufer machten 
fich dichte Beflände Kokospalmen bemerkbar, fowie Eingeborene, 
die uns zu Ehren flaggten, d. h. einen Lappen Zeug an einer langen 
Stange befeftigten und damit winkten. Wir folgten ihrer freund- 
lichen Einladung und gingen kaum zwei Kabel vom Ufer in 13 Faden 
zu Anker. Was oft nicht wenige ]\Ieilen Entfernung thun können I 
Während es in Bentley-Bai noch fo fchwer war. mit den Eingebo- 
renen zu verkehren, zeigten fie fich hier viel weniger fcheu, ohne 
Zweifel, weil fie noch keine üblen Erfahrungen mit Werbefchiften 
gemacht hatten. Mein Freund Tamate war hier nicht bekannt, aber 
in aller Munde tönte das Wort »Toom!« Wer mochte wohl diefer 
Tom fein, der die Gemüter der Eingeborenen fo bewegte? Endlich 
hatte ich es heraus. Nicht Toom, fondern »Koom« (Kokosnufs) 
meinten die Leute, und ob wir folche haben wollten: Natürlich, 
ja! — »Ein Schwein wäre mir lieber!« meinte Kapitän Dallmann. 
fchüttelte aber bedenklich mit dem Kopfe, als ich ihm fagte, das- 
felbe fei bereits beflellt. Aber die Sache war fehr einfach, nachdem 
ich durch Imitation von Grunzen erfl wufste, dafs Poru auch hier 
Schwein heifst, wie Kiram Axt. Ich zeigte grunzend die letztere, 
und unter verfländnisvollem Gegengrunzen paddelten die Leute nach 
dem Dorfe. Mit dem Wiederkommen dauerte es freilich etwas lange, 
und ich wollte mich eben felbft aufmachen, um dem Hohn zu ent- 
gehen und vielleicht mit einem Schuffe nachzuhelfen, denn diele 
Papuafchweine find oft fehr obflinat. Da tönte ein durchdringendes 
Gequieke herüber, dafs alle Spötter zum Schweigen brachte, der 
Koch wetzte fein Meffer und fagte: »Kaptain! De Doctor het regt! 
Sieh'! dor brengt de zwarte Jaantjes dat Swin!« Und fo war es. 
Wie ftand ich nun da! Her Selbft der Kapitän gratulierte zu dem 
Erfolge, der uns nach langer Zeit einmal frifches Fleifch und fein 
Leibgericht: »fuur Swinfleefch en Arwgen« brachte. 



2AO Sechftes Kapitel. 

Wir gingen an Land, zunächfl nach dem Dorfe , wo uns die 
ganze Bevölkerung, etliche 30 Köpfe, fitzend erwartete, ärmlich aus- 
fehende. aber befcheidene, nette Leute, die fich über jede Kleinig- 
keit unendUch freuten. Das Dorf beftand nur aus fünf Häufern, die 
ganz mit denen in Bentley-Bai übereinflimmten. wie die Eingeborenen 
felbft. mit Ausnahme eines einzigen, eines Albino. Er war fo hell als 
ein fonnverbrannter Europäer, mit geröteten Wangen und Lippen, 
hatte rotbraunes Haar in eine mächtige Wolke aufgezaufl, und braune, 
keineswegs lichtfcheue Augen, wie fie fonfl meift Albinos eigen fmd. 
In europäifche Kleider gefleckt, würde niemand in diefem Manne den 
Papua erkannt haben ; man erfieht hieraus, \vasein bifschen Hautfärbung 
thun kann. Jedenfalls ifl: es fehr merkwürdig, dafs von dunklen Eltern 
zuweilen ganz helle Kinder abftammen, während umgekehrt wohl 
kaumein folcherFall bekannt fein dürfte. So lernte ich an derSüdofl- 
küfte NeuGuineas eine Papuafamilie kennen, von der die fehr dunkel 
gefärbten Eltern zwei dunkle und zwei helle Kinder, fo weifs als euro- 
päifche, befafsen. Die Eingeborenen haben übrigens folchem Natur- 
fpiel gegenüber kein Vorurteil, was bei uns im entgegengefetzten Falle 
ohne Zweifel recht bedenklich hervortreten würde. In Begleitung 
der Männer machten wir eine Exkurfion und fchritten auf engen 
Pfaden längs einem kleinen Flüfschen oder in dem Bette desfelben, 
bis wir auf eine grafige Hochebene gelangten, die favannenartig 
mit Schraubenbaum beftanden war und fich bis Bentley-Bai hinzu- 
ziehen fehlen. Sie würde fich wegen ihres nicht zu hohen, faftigen 
Gräfes trefflich zu Viehweiden eignen, befitzt aber auch guten, fchwar- 
zen Boden. Längs einem anderen Flüfschen, an dem fchöne Plan- 
tagen lagen, kehrten wir gegen Abend wieder an die Küfte zurück, 
wo wir von den freundlichen Leuten Abfchied nahmen. Als wir ins 
Boot fteigen wollten, gab es noch eine unerwartete Scene, denn erfl: 
mufste noch eine dunkle Dame gewaltfam entfernt werden, die fich 
unter einer Bank verfteckt hatte und abfolut mit an Bord wollte. 
Das war felbft mir in meiner Papuapraxis noch nicht vorgekommen, 
aber »es hilft nichts, meine Gnädige, Sie muffen raus!« Da ftand 
fie händeringend, um die hartherzigen weifsen Männer zu erweichen, 



III. Oftkap bis Mitrafels. 



241 



von denen keiner nur ein Fünkchen Mitleid fühlte. Ja, wer mochte 
diefer zartbefaiteten Seele die Ruhe geraubt, es ihr angethan haben r 
Sicher keiner von uns vier Weifsen, denn ein folcher läfst fchwarze 
Damen ftets kalt, aber unfere Ruderer, kannibalifch fchöne Neu- 
Britannier, die konnten in ihren roten Flanellhemdcn wohl Eindruck 
machen und ein fo un- 
fchuldiges Herzchen be- 
rücken. Ab er galant waren 
diefe fchwarzen Stutzer 
auch nicht, denn als ich 
einen Tommy oder Bob 
fragte »you likethisfellow 
papine?« (magfl du das 
Mädchen leiden?«) fagte er 
verächtlich: »bata! what 
fore? no all same avakak 
papine Miokol« (nein! 
warum ? nicht fo fchön als 
Mioko-Mädchen\ Ja, ja! 
diefe Schwarzen haben 
auch fo ihren eigenen Ge- 
fchmack, und dunkle Haut 
allein thut es nicht. 

Merkwürdige Felfen, 
die zwei übereinander 
ftehenden Mauern ähneln, 
begrenzen die etwa drei 
Meilen breite Chads-Bai 




h iri!^erii>uze. 



nach Werten, können aber überfehen werden, da eine fonderbar ge- 
formte Bergfpitze, die ihresgleichen fucht, das Auge faft ausfchliefsend 
gefangen hält. Unter den maffigen , mit grünem Gras bekleideten 
Kuppen erhebt fich ein ifolierter, fchlanker, faft fenkrechter, an 3000 
Fufs hoher grüner Pik, die »Fingerfpitze« Moresby's, ein gewalti- 
ger und impofanter Bergobelisk, von dem diefe Abbildung nur eine 



Finfch, Samoafahrten. 



16 



242 Sechftes Kapitel. 

fchwache Vorftellung zu geben vermag. Mit diefer charakteriftifchen 
Partie entwickeln fich weiter wefHich bis in die Tiefe von Goode- 
nough-Bai, auf eine Länge von faft 50 Meilen, immer neue und grofs- 
artigere Gebirgsbilder , ein wunderbares Küflenpanorama, das wir 
einen ganzen Tag mit Entzücken betrachten konnten. Ohne Zweifel 
ift diefer Teil landfchaftlich der fchönfte, den ich in Neu-Guinea 
kennen lernte, und wahrfcheinlich für die ganze Infel überhaupt. Es 
würde ein unnützes Bemühen fein, eine Befchreibung zu geben, und 
ich mufs mich auf einige kurze Bemerkungen befchränken, um we- 
nigflens die charakteriftifchen Züge diefes Küftengebirges zu fkiz- 
zieren. Dasfelbe ift zunächft als eine noch unbenannte Fortfetzung 
der Stirlingskette zu betrachten, die nach Weflen zu allmählich höher 
wird und fich von 3000 bis an 5000 Fufs erheben mag. Diefes Ge- 
birge fällt faft allenthalben fchroff und fteil bis zur Küfte ab, 
die nur hie und da befchränktes, meift mit \\'ald bedecktes Vorland 
aufzuweifen hat. Das Gebirge zeigt in feiner Kammlinie viele male- 
rifche Kuppen und Spitzen, zeichnet fich aber ganz befonders durch 
fteile Schluchten und Schlünde aus, die auf ihrem Rücken fchrofife 
Grate bilden. Trotz diefer markigen Gliederung fehlt das Wild- 
romantifche der eigentlichen Alpenlandfchaft, weil nur feiten gröfsere 
Felspartien hervortreten, dagegen faft überall faftig grünes Gras die 
Seiten der Berge bekleidet, die nur in den Schluchten und im 
oberften Viertel oder Fünftel der Kammhöhe mit Wald bedeckt 
fmd. Diefer Kontraft zwifchen dem hellen Grasgrün und dem dunklen, 
faft fchwarzen Waldesgrün gehört zu den Eigentümlichkeiten diefes 
Gebirges, das fich aufserdem durch zahlreiche Wafferfälle auszeich- 
net. Sie treten befonders gegen Kap Frere in oft überrafchender 
Fülle hervor, einem gewaltigen an 3000 bis 4000 Fufs hohen, maf- 
figen Gebirgsrücken mit faft horizontaler Kammlinie, deffen fpalten- 
klafifende Seiten beinahe fenkrecht ins Meer fallen. Zuweilen er- 
blickte das Auge acht folcher Wafferfälle auf einmal, die freilich 
nur dünnen Silberfäden glichen , denn wir hatten noch trockene 
Jahreszeit (Dezember), aber gerade deshalb befonders merkwürdig 
erfchienen. In der That ift es fchwierie, für diefe Menge von Waffer- 



III. Oftkap bis Mitrafels. 243 

laufen von den Bergen herab eine genügende Erklärung zu finden, 
umfomehr als wir an der ganzen Küfte kaum ein halbes Dutzend, 
jetzt meift vertrockneter Flufsmündungen antrafen. Da noch nie- 
mand den Scheitel diefer Küflengebirge betrat, fo ill es nicht un- 
möglich, dafs fich von hier aus füdlich bis zu den nur fechs bis 
acht Meilen entfernten höheren Gebirgsketten des Owen-Stanley- 
Syftems (Mt Thompson u. a., über 6000 Fufs) Hochebenen hinziehen, 
auf welchen diefe nördlichen Wafferläufe entfpringen. Auch die be- 
fonderen Verhältniffe, unter denen fich das Vorkommen des Men- 
fchen hier zeigt, fcheinen dafür zu fprechen. Mit Chads-Bai fingen 
Palmwälder und Siedelungen an fpärlicher zu werden, nur feiten 
zeigten fich einzelne Hütten mit einer kleinen eingezäunten Plantage 
im Ufervorlande. Deflo häufiger konnte man diefelben an den Hän- 
gen hoch in den Bergen mit dem Glafe erkennen und erflaunte über 
die Häufigkeit der kultivierten Flächen in jenen Regionen. Wie 
immer waren mit Vorliebe befonders fleile Stellen ausgefucht worden, 
und über die fchroft'ften Grate konnte man die halsbrechenden Pfade 
der Eingeborenen verfolgen, die in diefem intereffanten Gebiete fo 
recht eigentliche Gebirgsbewohner, wie die Koiäri im Innern von 
Port Moresby, zu fein fcheinen. Mit dem Fernrohr liefsen fich deut- 
lich alte und neu angelegte Plantagen unterfcheiden, aber nirgends 
war ein Menfch fichtbar, höchft feiten ein Haus, dagegen zuweilen 
Rauch oft unmittelbar unter der Waldregion, in Höhen von über 
2000 Fufs. Kap Frere ifi jedenfalls der grofsartigfte Teil diefes Küften- 
gebirges und bietet namentlich von der Weftfeite, Bartle-Bai, höchft 
romantifche Partien, wie die beigegebene Skizze des »Drachenfels« 
(S. 244), wenigftens andeutet. Die mit grünem Gräfe bekleidete, fenk- 
rechte Wand, an der ein Wafferfall herabftürzt, ift auf ihrer Spitze 
mit Felsmauern und Bufchwerk gekrönt, wie mit einer märchenhaften 
Burgruine. Sehr reich an pittoresken Schönheiten ifl: Goodenough- 
Bai, der wir kaum eine IMeile von der Küfte entfernt, auf nahezu 
25 Meilen in W.-N.-W.-Kurfe folgten. Das herrliche Gebirge, welches 
ich zu Ehren des »Bafilisk« benenne, wird höher und zeigt impo- 

fante Kuppen, Spitzen und Hörner, von denen wenigftens zwei Namen 

16* 



244 Sechftes Kapitel. 

verdienen. Sie begrenzen die Einfattelung, welche ca. 20 Meilen 
weft von Kap Frere das Gebirge durchfchneidet. Die Oftfeite der 
tiefen Schlucht bildet, eine regelmäfsige Pyramide, die Flowerfpitze, 
während die Weftfeite von einem auffallenden , fchiefabftehenden 




Drachenfels in Bartle-Bai 



Felfenhorn, der Sclaterfpitze, begrenzt wird, beide benenne ich 
nach zwei hervorragenden englifchen Naturforfchern. Vor diefer 
charakteriftifchen Gebirgseinfattelung dehnt fich ein breiteres Vor- 
land mit fonderbar geformten Vorbergen aus, die, wie fchon 



in. Oftkap bis Mitrafels. 245 

Moresby*) erwähnt, auffallend der Tafel eines Atlanten ähneln, welche 
die Gebirge der Welt darftellt, ein wahres Chaos von kleineren und 
gröfseren Pyramiden, die fich zuweilen giebelartig aneinander reihen. 
Diefe mehrere hundert Fufs hohen Pyramidenhügel fmd alle kahl und 
zeigten jetzt eine bräunliche Färbung, die nur durch fpärliche Baum- 
vegetation in den Schluchten unterbrochen wurde. Wenn übrigens 
Moresby diefes Land, wie den ganzen Strich, für ausgezeichnet für 
Kulturen wie Viehzucht erklärt, fo kann ich damit nicht überein- 




«%aV^^ 



Pyramidenhügel in Goodenough-Bai. 

ftimmen. Und zwar aus dem einfachen Grunde, weil das Land fall: 
nur aus Gebirgen, dabei fehr fleilen Gebirgen, befleht und zu wenig 
Ufervorland bietet. Dafs das letztere felbft von den Eingeborenen faft 
gemieden wird, ift freilich höchR fonderbar und auffallend, denn 
immerhin könnten Taufende hier leben. Von den zahlreichen Dör- 



^) 1. c. S. 265, aber hier an unrichtiger Stelle und zu früh notiert. 



246 Sechftes Kapitel. 

fern, welche Moresby erwähnt, fahen wir, abgefehen von einzelnen 
Häufern, nur vier, davon das erfte (acht Häufer) ca. acht Meilen 
weft von Chads-Bai, und dann erft wieder zwei noch kleinere in 
Bartle-Bai. Diefe Häufer waren nicht »oval«, wie fie Moresby be- 
fchreibt, fondern von gewöhnlicher Form und ftanden zum Teil 
auf niedrigen Pfählen. Noch feltener als Siedelungen und Häufer 
(die ja auch ganz verfleckt liegen können) trafen wir Eingeborene 
und kamen nur einmal mit ihnen in Berührung, oder vielmehr fie 
fehr unfreiwillig mit uns. Es war ca. 12 Meilen weft von Chads-Bai, 
als plötzlich ein gewöhnliches Baumftamm-Kanu vor uns auftauchte, 
deffen fünf Infaffen, offenbar in grofser Angfl:, fo ungefchickt vor 
dem Buge des Dampfers manövrierten, dafs eine Kollifion nicht zu 
vermeiden war. Die Leute retteten fich aber im letzten Moment 
durch Herausfpringen, fchöpften ihr Fahrzeug, das glücklicherweife 
keinen Schaden gelitten hatte, wieder aus und paddelten dem Ufer 
zu, ohne fich nur nach uns und den ins VVaffer geworfenen Ge- 
fchenken, roten Zeugftreifen an leere Flafchen gebunden, umzufehen. 
Ganz ebenfo machte es eine Anzahl Weiber, die wir an einer fafl: 
ausgetrockneten Flufsmündung überrafchten, ein Mann in einem 
Kanu in Bartle-Bai und vier Kanus mit je drei Infaffen in Goode- 
nough-Bai, alles, was wir an Menfchen überhaupt trafen und zu fehen 
bekamen. Bei den Häufern und Siedelungen beobachteten wir fon- 
derbarerweife nie ein menfchliches Wefen. Und doch zählte Mo- 
resby an einer Stelle in Bartle-Bai über 100 Eingeborene, die zwar 
fcheu, aber freundlich waren und unter anderem einen Opferhund 
fowie ein Schwein überreichten. Es hat fich alfo offenbar feitdem 
vieles verändert und zwar nicht infolge des üblen Einfluffes von 
Werbefchiffen (Labourtrade), die diefer Külle wohl fern blieben. 
Sie eignet fich nämlich wegen grofser Meerestiefen*) und Mangel 
von Häfen nicht fonderlich für Schiffsverkehr und wird fchon aus 
diefem Grunde Anfiedelungen wenig begünftigen. Es ift zu bedauern, 



*) Nach Moresby längs diefer ganzen Küfte von Oflkap bis Kap Vogel zwifchen 
500 und 600 Faden. 



III. Oflkap bis Mitrafels. 247 

dafs Moresby die Plantagen der Eingeborenen im Gebirge unerwähnt 
läfst. Wir fahen fie in Goodenough-Bai allenthalben, ja hier in noch 
bedeutenderen Höhen als vorher, nicht feiten in 4000 Fufs, unmittel- 
bar unter der Waldregion, welche die Kammhöhe bedeckt, und felbfl: 
auf den höchften Kuppen liefsen fich mit dem Glafe Kultivationen, 
Fufspfade, grüne Wiefen und einzelne Häufer, wie Sennhüten, er- 
kennen. Wer zu ihnen vordringen und über diefes fonderbare Ge- 
birgsland und feine Bewohner Auskunft geben könnte! Hat doch 
bis jetzt kaum ein Forfcher jene Küfhe, gefchweige denn die einfamen 
Gebirgspfade des braunen Mannes betreten. Aber hoffentlich wird 
auch für diefes Gebiet bald die Zeit herankommen, wo diefe Lücken 
ausgefüllt werden. 

Gegen Abend näherten wir uns dem Nordrande von Goodenough- 
Bai, der ähnlich wie Huon-Golf von Wefl: nach O.-N.-O. verläuft, 
aber nur 25 Meilen lang ifl: und mit niedrigeren, meift bewaldeten 
Höhenzügen bedeckt ift, hinter denen die majeftätifchen Gebirge 
von Goodenough-Infel hervorragten. Am anderen Morgen befanden 
wir uns in Ward-Hunt-Strafse, welche die letztere Infel vom Fefllande 
trennt und näherten uns Kap Vogel (S. 248), das Moresby nach dem 
früheren Premierminifter von Neu-Seeland Sir Julius Vogel benannte. 
Es wird von einem ca. 400 Fufs hohen, fleilen Hügel gebildet, der 
gleich einer grünen Wand die Nordoftfpitze der Kap Vogel-Halbinfel 
fäumt, welche aus fchönem Kulturland zu beflehen fcheint. Am 
Strande zeigten fich dichte Beftände Kokospalnien, aber wir be- 
merkten nur ein Dorf, deffen Bewohner keine Kanus zu befitzen fchie- 
nen und von uns gar nicht Notiz nahmen. Grüne Flächen und 
Hügel treten jetzt an Stelle der Hochgebirge und die ganze Küfle 
nimmt einen anderen Charakter an. Seit Catharinc-Infel fahen wir 
zuerfl wieder kleine Infein vorgelagert, die meifl niedrig, dicht 
mit Mangrove beftanden und häufig durch Riff mit dem Feftlande 
verbunden find. Während es in Goodenough-Bai nicht ein Riff giebt, 
wurden folche von jetzt an häufiger und mahnten den Schiffer zur 
Vorficht. Diefe ift umfomehr geboten, als wir faft an diefer ganzen 
Küfte bis iMitrafels hinauf noch in einer Entfernung von vier Meilen 



248 



Sechfles Kapitel. 



trübgefärbtes Walfer beobachteten, das felbll den forgfältigen 
Ausguck illuforifch machte. Nicht feiten wühlte die Schraube in 
klarem Waffer, während die Oberfläche des Meeres weit und breit 
fchmutzig - grün erfchien , was auf zahlreiche Süfswafferzuflüffe 
fchliefsen läfst Die Möglichkeit auf totes Riff zu rennen liegt da- 
her nahe, und auch der Samoa drohte diefe Gefahr ein paarmal, 
glücklicherweife kamen wir aber mit dem Schrecken davon. Das 
fchmutzige Waffer veranlafste auch Kapitän Dalimann der riffreichen 





Kap Vogel. 

Collingwood-Bai auszuweichen, deren Küften wir fchliefslich ganz 
aus Sicht verloren. Was wir im öfllichen Teile derfelben fahen, 
war niedriges Hügelland, anfcheinend mit viel grünen und braunen 
Kulturflecken, die wohl aber nur kahles Land find, längs dem Ufer 
ein dichter Gürtel Mangrove. 

Nach wenigen Stunden kam wieder Land in Sicht und entwi- 
ckelte fich bald zu einem fehr malerifchen Gebirgspanorama, dem 



III. Oftkap bis Mitrafels. 



249 



Nelfon-Gebirge mit feinen beiden hervorragendften, an 4000 Fufs hohen 
Spitzen, Victory und Trafalgar. Sie find wie das übrige Gebirge 
dicht bewaldet, laufen aber in grafige fchiefe Flächen aus, die von 
dichtbewaldeten Schluchten durchzogen find, und wahrfcheinlich 
Flufsläufe aufzuweifen haben. So zeigt der Berg Trafalgar an feiner 
Nordoftfeite einen hübfchen Wafferfall und wird durch eine tiefe 
Schlucht in zwei Hälften geteilt, wie dies meine Skizze veranfchau- 
licht. Die Küfte fchneidet in mehrere mangrovebeflandene Buchten 








Trafalgar-Berg. 

ein, die nicht frei von Felfen find, wie es auch an Riften nicht man- 
gelt. So malerifch diefes Land ausfieht und fo fehr es für Kulturen 
geeignet fcheint, Anzeichen des Vorhandenfeins von Eingeborenen 
fanden wir nicht und verbrachten daher eine ruhige Nacht in Porlok- 
Bai, etwas wefilich von dem fchwer auszumachenden Kap Nelfon. 
In diefer Gegend hatte auch der Bafilisk eine Nacht geankert, und 
Moresby gedenkt zahlreicher Eingeborener und deren befonders 



2C0 Sechftes Kapitel. 

konftruierten, fehr grofsen Kanus, von denen manche 30 bis 40 Mann 
trugen. Wir hatten das letzte in der Nähe von Kap Vogel gefehen 
und trafen überhaupt erfl: wieder an der Oflfpitze von Dyke-Acland- 
Bai, vor dem fogenannten Kap Sud-Est (von d'Entrecasteaux) mit 
Menfchen zufammen, wie fich fchon von weitem an einem Kokos- 
hain erwarten liefs. Es entwickelten fich hier nach und nach vier 
gröfsere Dörfer, von je einem Dutzend Pfahlhäufern, aber Eingebo- 
rene zeigten fich nur wenig, und diefe wenigen kamen nicht, obwohl 
fie Kanus befafsen. \\' eiter nordweftlich begegneten wir keinen Sie- 
delungen mehr, was, wenn auch vereinzelte überfehen worden fein 
können, immerhin zu dem Schluffe berechtigt, dafs diefe ganze, von 
Chads-Bai an nach ihrem Verlauf gemeffene, an 270 Meilen lange 
Küfle nur äufserft fpärlich bevölkert ift. Und wie es auf deutfchem 
Gebiete in Huon-Golf und längs der Maclay-Küfle damit beftellt ifl, 
haben wir aus Kap. 5 und 4 erfehen. In der That find alle bishe- 
rigen Angaben über die Einwohnerzahl Neu-Guineas durchaus illu- 
forifch und entbehren jedes ficheren Anhaltes. Aber bei der Ge- 
nauigkeit unferer geographifchen Lehrbücher muffen ja auch folche 
Zahlen ausgefüllt werden, felbfl wenn fie auch nicht entfernt zuver- 
läffig fein können. Was die Befchaffenheit der Küfle felbft anbelangt, 
fo ähnelt diefelbe im ganzen der von Herkules-Bai. Von der Kap 
Nelfon-Halbinfel bis Kap Killerton ziehen fich innland ununterbrochen 
Gebirgsketten von 2000 bis 4000 Fufs Höhe, die von da an zu nie- 
drigeren Höhenzügen herabfinken , während das Ufer wefllich von 
Dyke-Acland-Bai meift mit dichten Kafuarinenbeftänden gefäumt ifl:. 
Solche finden fich in den verfchiedenen Buchten längs der foge- 
nannten Holnicote-Bai, die übrigens kaum den Namen »Bai« verdient. 
Von Mitrafels kehren wir zu einer fpäteren Zeit wieder nach 
Bentley-Bai zurück, deren Bewohner uns diesmal als Freunde be- 
grüfsten und am liebften ganz behalten hätten. Bei nochmaliger 
genauer Prüfung erwies fich aber diefer Platz, aus verfchiedenen 
Gründen, zur Anlage einer Station, um die es fich diesmal handelte, 
nicht geeignet. Wir mufsten alfo unfer Heil anderwärts probieren 
und unterfuchten die Küfle bis Oftkap wiederholt. Sie wird von 



III. Oftkap bis Mitrafels. 25 1 

mehreren kleinen, palmumrahmten Buchten gebildet, von denen fich 
aber nur die von Hihiaura brauchbar erwies, weil hier wenigftens 
kleine Schiffe ankern können. Diefe Bucht, ca. eine Meile oft von 
Bentley-Bai und neun Meilen wert von Oftkap, ift von malerifchen 
Bergen umgeben, unter denen der über 1300 Fufs hohe Killerton 
der höchfte ift. Trotz der Steilheit ficht man überall im Waldes- 
dickicht noch hoch hinauf urbar gemachte Stellen, Plantagen der Ein- 
geborenen, die im Verein mit den luftigen Kokoshainen des Stran- 
des ein gar liebliches Bild geben. Bald wurde es lebendig; zahl- 
reiche Catamarans paddelten heran, und eine grofse Menge Einge- 
borener hatte fich am Ufer verfammelt, als wir landeten. Offenbar 
Avar fchon von Bentley-Bai Kunde über uns hierher gelangt, denn 
die Leute zeigten fich, obwohl immerhin mifstrauifch, doch längft 
nicht fo fcheu als zuerft dort. Die Siedelung Hihiaura ift, wie alle 
an diefer Küfte, fehr klein und zählte nur acht Häufer, darunter aber 
ein ungewöhnlich grofses. Es war 40 Fufs lang, 18 breit und bis 
unter die Giebelfpitze 25 Fufs hoch, dabei äufserft akkurat gebaut. 
und ich freue mich , auch diefes bemerkenswerte Bauwerk der Stein- 
zeit hier in der Abbildung geben zu können. Nicht lange und man 
wird vergeblich nach einem derartigen Denkmal der Baukunft des 
fogenannten Naturmenfchen fuchen. Auch die hiefigen hatten die 
Steinaxt beifeite gelegt und dachten nicht daran, die beginnenden 
Schäden des Haufes auszubeffern, wie der Eingeborene überall nach- 
läffiger wird, fobald er erft eiferne Werkzeuge befitzt. Das bewufste 
Gebäude war übrigens ein Familienhaus, in welchem vier Familien, der 
gröfsere Teil der Bevölkerung Hihiauras, wohnten. Für uns, die wir 
im Begriff ftanden felbft zu bauen, hatte diefes Haus, bei dem keine 
Säge, kein Bohrer, kein Nagel, ja überhaupt kein Eifen benutzt oder 
verwandt worden war, natürlich ganz befonderes Intereffe, und felbft 
unfere Zimmerleute gaben ihrer Bewunderung als Sachverftändige 
Ausdruck. Bald kam die Reihe des Erftaunens an die Eingeborenen, 
als fie fahen, was drei Weifse mit ihren Werkzeugen und vier Schwar- 
zen zu fchaffen vermögen. Während letztere den gekauften Platz 
klärten und mit wuchtigen Axthieben Bäume, z. B. die gröfste Kokos- 



252 Sechfies Kapitel. 

palme in zehn Minuten, zu Boden ftreckten, fuchten die Zimmerleute 
im Walde nach paffenden Bäumen zu Pfählen, denn auch unfer Haus 
follte ein Pfahlbau werden, wobei es hauptfächlich auf die Träger 
ankommt, auf denen der Fufsboden ruht. Sie muffen von Hartholz 
(Mangrove und dergleichen) fein, das Fäulnis und weifsen Ameifen 
widerfteht und durch eine Blechkappe und Teeranftrich weiteren 
Schutz erhält. An Baumaterial hatten wir nur Pfoflen und Latten 
für Geflell und Dachftuhl, Bretter zur Diele und Fenfterladen mit- 
gebracht, alles übrige mufste von einheimifchem Material befchafift 
werden. Die Eingeborenen holten dasfelbe herbei und erwiefen fich, 
foweit Kanaker überhaupt fleifsig fein können , als recht fleifsig. 
Freilich giebt es da immer mehr Zufchauer als x\rbeiter, aber freund- 
liches Zureden und ein freundliches Geficht vermag auch die Trägen 
aufzumuntern, ja zuweilen fährt eine wahre Arbeitswut unter die 
Leute. Ein Teil fchleppt Büfchelgras für das Dach herbei, andere 
flechten Matten aus gefpaltenen Blättern der Kokospalme zu den 
Seitenwänden, Kinder fäubern den Platz von Steinen und holen Lia- 
nen zum Binden, aber alle wollen fchliefslich bezahlt fein und zwar 
gleichmäfsig. Darin find Kanaker reine Sozialdemokraten ; denn wer 
immer nur etwas mitgeholfen hat, verlangt dasfelbe als der, welcher 
wirklich arbeitete und der Knabe foviel als der Häuptling. Nun, ich 
will gleich hier bemerken, dafs die Arbeitslöhne keine grofsen Sum- 
men repräfentieren, handelt es fich doch um Tabak, und einige Stangen 
mehr oder minder fällt nicht ins Gewicht. Ja, ein paar Stück mehr 
thun oft Wunder, erhalten die Leute in Stimmung, und nicht feiten 
beginnen etliche freiwillig zu helfen, die bisher nur gafften. So 
fchnell der Eifer des Kanakers plötzlich für eine Sache auflodert, fo 
fchnell verfliegt er auch, aber glücklicherweife wird fo ein Haus ja 
ziemlich rafch fertig, wie die Entwicklung des unfrigen zeigt. Erfter 
Tag: Bäumefällen und Klären eines Platzes von 120 Fufs Breite und 
170 Fufs Tiefe; Graben von 24 Löchern und Einrammen fo vieler 
Pfähle; zweiter Tag: Diele legen. Pforten und Dachftuhl auffetzen; 
dritter Tag: Fenfter und Thüren einfetzen, Dach decken; vierter Tag: 
Dach vollendet, Innenwände gemacht; fünfter Tag: Seitenwände ge- 



III. Oftkap bis Mitrafels. 253 

macht — und fertig war das HausI Nicht wahr, das geht fchnell? 
»Wird auch danach gewefen fein?« höre ich Zweifler einwerfen. Ja, 
ein Palaft war es freiHch nicht, aber, wie die Abbildung (S. 256) 
zeigt, immerhin ein Haus (40 Fufs lang, 14 breit und 16 hoch), das 
für die hiefigen Verhältniffe einen ausgezeichneten Bau repräfentierte, 
der die meiflen Traderflationen, wie fie im Bismarck-Archipel üblich 
find, bei weitem überragte. Ach ja, folche Stationen entfprechen in 
den meiften Fällen gar wenig dem, was man fich gewöhnlich darunter 
vorflellt und unterfcheiden fich oft kaum von Hütten der Eingebo- 
renen. Sogenannte »Xative-Häufer«, d h. aus Material des Landes, 
find übrigens gar nicht zu verachten, und wenn gut gebaut, folchen 
aus Brettern und Wellblechdach, fchon der gröfseren Kühle wegen, 
vorzuziehen. Dabei flellen fie fich bedeutend billiger, denn Bretter 
find in Auflralien teuer, befonders Hartholz, das allein den weifsen 
Ameifen widerfleht, die mit gewöhnlichem Fichten- und Tannenholz 
gar bald fertig werden. »Billig und fchlecht« rächt fich in den 
Tropen daher am meiften, aber gewöhnlich wird erfl viel Lehrgeld 
gezahlt, ehe man dies einfieht. 

Mit den Eingeborenen hatten wir uns bald auf das freundlichfte 
geflellt. Sie waren mit unferem Plane ganz einverftanden und brachten 
gleich das erfle Schwein als Opfer der Freundfchaft, welches bei 
allen Eingeborenen bedeutungsvoll ift. Grofse Freude machte es 
ihnen auch, dafs ich nach alter Praxis jedes Wort auffchrieb, welches 
ich hörte. Und als ich erfl »goanajai« (= wie heifst das?) fragen 
konnte, da ging es mit der Verfländigung fchneller. Aber diefe 
erften Worte machen eben die meifle Mühe. Namentlich ift es fchwer, 
die Namen der Leute zu erfahren, weniger wer die Hauptperfonen 
find. Denn das hatte ich in Hihiaura bei meiner Findigkeit fchoa 
am erflen Tage heraus. Und auch dies ift nicht immer fo leicht, da 
fich ein »Gomira«, wie Häuptling hier heifst, äufserlich kaum von 
der übrigen Gefellfchaft untcrfcheidet. Aber da der fchwatzhafte 
Alte, mit den verfchmitzten Augen, den ich wegen feines Zwickel- 
bartes den Schneider nannte, der hat etwas zu bedeuten. Er ent- 
puppte fich fpäter als Gomira Tagal Und dann der behäbige Herr, 



2 CA Sechfies Kapitel. 

mit dem gutmütigen, freundlichen Geficht, der gehört auch zu den 
Honoratioren, obwohl er wenig fpricht, ftets Ernfl und Würde be- 
wahrt und nie lacht, denn fo verfchieden find auch die Charaktere 
bei den Papuas. Ich hatte das Richtige getroffen: es war Gomira 
Tohodo oder Tohde, der gröfste und befte Häuptling Hihiauras, der 
fich uns ftets hilfreich und freundlich erwies. Er war ein Mann von 
Befonnenheit und Nachdenken, und deshalb fchienen ihm unfere Kühe 
und Schafe, die jetzt gelandet werden follten, viel Sorgen zu be- 
reiten. Solche Ungeheuer hatten die guten Leute noch nie gefehen, 
und namentlich flöfste ihnen der Widder mit feinen gewaltigen Hör- 
nern Angfl und Schrecken ein. Und von was mochten fich diefe 
Monflra nähren? vielleicht fpiefsten fie Menfchen auf, um fie fpäter 
gemächlich zu verfchlingen ? Das waren offenbar alles Fragen, die 
durch Tohdes Kopf gingen, als ich mit ihm einen Ausflug machte, 
um einen paffenden Platz für das Vieh ausfindig zu machen. Bald 
fanden wir mit Gras beftandene Berghänge, die fich für unfere Zwecke 
trefflich eigneten. Ich hielt, fo gut ich konnte, einen Vortrag über 
Rindvieh und Schafe, den mein brauner Freund vollkonimen zu be- 
greifen und der ihn zu beruhigen fehlen. Sorgfam raffte er ein Gras- 
bündel zufammen, deffen Zweck ich anfänglich nicht begriff. Aber 
da im Dorfe, vor dem verfammelten Volke, da demonftrierte er mit 
dem Gräfe in der Hand die fremden Tiere, die nun unter Jubel ge- 
landet wurden. Hei! wie das auseinanderftob, wenn der Widder einen 
Seitenfprung machte, und gar erft als eine Kuh nach ihrem Kalbe 
brüllte ; da war es mit der Courage wieder vorbei. Aber die Leute 
wufsten nun, dafs die Tiere Gras freffen und bezeugten ihre Genug- 
thuung darüber durch einftimmiges »dewadewa« (fehr gut). Auch ich 
fchlofs mich im ftillen diefem »dewadewa« an ; war es mir doch vor- 
behalten gewefen, die erften Nutztiere nach diefem Teile Neu-Guineas 
zu bringen, und dafs fich wenigftens das Rindvieh trefflich halten 
würde, darüber war mir kein Zweifel. Freilich mufste das erft verfucht 
werden, wie die ganze Anlage ein Verfuch war, auch in diefem Gebiete 
freundliche Beziehungen mit den Eingeborenen anzuknüpfen und das- 
felbe für Handel und Civilifation zu eröffnen. Dabei kam der Um- 



III. Oftkap bis Mitrafels. 355 

ftand zu fhatten, dafs die Eingeborenen bereits Bedürfniffe befafsen, 
z. E. nach Tabak und Pfeifen verlangten, deren Benutzung an an- 
deren Orten erll nach und nach eingeführt werden mufs. So kannten 
z. B. die Xeu-Irländer vor wenigen Jahren Tabak noch gar nicht; 
heute ift er dort, wie überall, das gangbarflie Taufchmittel. Wie die 
Eingeborenen bereits etwas verlangten, fo hatten fie auch etwas ab- 
zugeben, ihren Reichtum an Kokosnüffen, mit dem es an der ganzen 
Oftküfle von Neu-Guinea fonfl gar ärmlich ausfieht. Denn wo die 
Eingeborenen gar nichts abzugeben haben, da kann auch kein Taufch- 
handel aufkommen, wie dies leider meift der Fall iil. Hier boten 
fich günftigere Verhältniffe und ein weites Arbeitsfeld, das fich bei 
geeigneten Hilfsmitteln bis auf die nahen d'Entrecasteaux-Infeln aus- 
dehnen liefs. Blumenthal, wie ich die Station (S. 256 nach dem Heimats- 
orte von Kapitän Dallmann benannte . follte dafür die Grundlage 
bilden und wurde einem erprobten Manne, Karl Hunftein (vergl. 
S. 196;, den ich glücklicherweife in Cooktown getroffen und enga- 
giert hatte, übergeben. Er war mit mir im Inneren von Port ]\Io- 
resby gewefen, und ich wufste aus Erfahrung, dafs keiner beffer ver- 
band mit Eingeborenen umzugehen als er. Einem folchen Pioniere, 
der bereits Heben Jahre unter den Eingeborenen Neu-Guineas lebte 
und niemals in Konflikt mit ihnen kam, brauchte man keine In- 
ftruktionen zu geben, der wufste felbft am beften, was er zu thun und 
zu laffen hatte. 

Die Eingeborenen waren übrigens ganz fo, wie wir fie in Bentley- 
Bai kennen lernten, und ich habe dem dort Gefagten (S. 235) wenig 
hinzuzufügen. Xeu war mir ein eigentümlicher Trauerfchmuck, ein 
Reif dicht mit Ovulamufcheln befetzt, den Frauen über die Brüll: 
auf der Achfel trugen, zugleich ein Hoheitszeichen, das nur Häupt- 
lingsfrauen zukommt. Eine andere Auszeichnung bemerkte ich an 
einem Planne, der die eine Bruflfeite tätowiert hatte, eine Körper- 
verzierung, die fonfl an diefer ganzen Küfte nicht üblich ifi:. Aber 
an der Südoftküfte hatte ich ganz gleiche Tätowierung bei Männern 
gefehen, die dort als Zeichen dient, dafs der Betreffende einen Feind 
im Kampfe fchlug, was vermutlich auch für hier gültig fein wird. 



256 



Sechftes Kapitel. 



Im ganzen fchienen die Bewohner von Hihiaura aber fehr friedliche 
Leute, bei denen man feiten eine Wafte (Speer) fah und die ihre 
Kampffchilde verkommen liefsen, wahrfcheinlich weil diefelben nicht 
mehr gebraucht werden. Statt Speerwerfen vergnügte fich jung und 
alt mit Schaukeln, die ganz wie die unferen aus zwei Stricken be- 
fanden und an Bäumen angebracht waren. Ackerbau und Fifchfane 




Station Blumenthal. 

bildeten wie überall auch hier die Hauptbefchäftigungen. Letzterer 
wurde von Catamarans aus mit Netzen betrieben und galt haupt- 
fächlich einer kleinen, fprottenähnlichen Fifchart, die fehr häufig 
war. Wenn fich der Kreis des engmafchigen Garnes enger zog, ver- 
fuchten die Fifchchen eewöhnlich mit erofser Behendicjkeit durch 



III. Oftkap bis Mitrafels. 257 

Überfpringen zu entrinnen, fo dafs die Fifcher meift vollauf zu thun 
hatten, dies zu verhindern. Ihr Gewerbe wird noch durch gefräfsige 
Schmarotzer-Milane (Milvus melanotis) erfchwert, die, ohne fich um 
den Mann auf dem Catamaran zu kümmern, von diefem bereits er- 
beutete Fifche im Fluge wegzuftehlen wiffen, was oft gar ergötzliche 
Scenen giebt. Es mag noch bemerkt fein, dafs die Eingeborenen 
diefe kleinen Sprotten ganz gut zu räuchern verftehen und an Stöck- 
chen aufgereiht zum Verkauf bringen. Die Ware hält fich aber nicht 
lange, da man kein Salz kennt und alle Speifen ohne folches zube- 
bereitet, wie dies für die ganze Südfee*) gilt. 

Ich habe bereits erwähnt, dafs alle Papuas nur gekochte Nahrung 
geniefsen, aber noch einiges über das Kochen nachzuholen. Dabei 
mag der Stellung der Frau gedacht fein, die fo häufig durchaus 
falfch beurteilt wird. Da hört man nichts als von einem Sklaventum 
der Frauen, die nur die Lafttiere zu fpielen haben, fchlechter behan- 
delt werden als das Hebe Vieh, mit einem Wort, die bedauernswer- 
teften GefchÖpfe unter der Sonne fein follen. Aber fo fchlimm ifl: 
es bei weitem nicht; denn auch die Papuafrau erfreut fich eines 
menfchenwürdigen Dafeins und fpielt in ihrer Weife, unter Berück- 
fichtigung des allgemeinen Bildungsgrades, eine fo wichtige Rolle 
als bei uns. Giebt es doch in Neu- Guinea auch Königinnen! Im 
ganzen haben es Papuafrauen befser als das weibliche Gefchlecht 
der ärmeren Volksklaffen bei uns, auf dem nicht allein Hauswefen 
und Kindererziehung laflen, fondern das auch meift noch tüchtig 
arbeiten mufs. Das weifs freilich nicht jeder bei uns, wer aber kennen 
lernte, wie fehr fich das arme weibliche Gefchlecht in Europa pla- 
gen mufs, der wird ihre dunklen Schweflern in Melanefien nicht 
beklagen. Betrachten wir das Tagewerk einer Papuafrau I In einer 
Zone, wo der Tag ungefähr zwölf Stunden dauert, darf man es nicht 
als Frühaufftehen bezeichnen, wenn die Menfchen mit der Sonne 



*) Die Koiäri, Bergbewohner des Innern von Port Moresby, find fehr begierig nach 
Salz, gebrauchen es aber nicht als Speifewiirze, fondern mehr im Sinne einer Delikateffe. 
In ähnlicher Weife gedenkt von Miklucho falzwaOerdurchtränkten Holzes, welches bei 
den Bewohnern von Aftrolabe-Bai beliebt ift. 

Finfch, Samoafahrten. I7 



2c8 Sechfies Kapitel. 

munter werden. Gewöhnlich laffen Eingeborene diefelbe erfl ordent- 
lich aufgehen, ehe fie auf der Bildfläche erfcheinen, denn Morgen- 
frifche und Tau find der empfindlichen nackten Haut fehr unan- 
genehm. Es ifl alfo meift fechs Uhr vorüber, bis fich die erften Ein- 
geborenen vor den Hütten zeigen, um fich zunächft von den Sonnen- 
flrahlen durchwärmen zu laffen. Die Frauen zünden dann Feuer an, 
um Refte vom vorhergehenden Abend aufzuwärmen oder frifches 
Effen zu kochen, holen Waffer in Kokosnufsfchalen und beginnen 
dann mit Kehren, ganz wie dies bei uns gefchieht. Dabei wird nicht 
nur die Hausdiele, fondern auch der freie Platz um die Häufer, zu- 
weilen der Strand gefegt; es herrfcht daher eine Reinlichkeit, die 
vielerorts bei uns zum Mufter dienen könnte. Gegen acht Uhr trollen 
die Frauen mit den Kindern, Schofsfchweinchen und Hunden in 
die Plantagen ab. Dort wird vielleicht etwas Erde aufgewühlt, Yams 
ausgegraben, gepflanzt und dergleichen, aber nicht das verrichtet, 
was bei unferer ländlichen Bevölkerung Arbeit heifst, die oft nach 
des Tages Laft und Mühe noch den Abend benutzen mufs, um ein 
Stückchen Land zu beftellen. Gegen drei oder vier Uhr fehen wir 
die Frauen aus den Plantagen heimkehren, mit Früchten und Feuer- 
holz beladen, fehler niedergedrückt von der Lafl. Aber was ift die- 
felbe gegenüber derjenigen, welche Frauen bei uns zu fchleppen 
haben, die Kiepen, wie wir fie in Thüringen finden, oder Körbe und 
Eimer, wie fie im Bremifchen noch dazu auf dem Kopfe getragen 
werden. Jetzt beginnt das Holzzerkleinern in fehr einfacher Weife, 
indem man die dürren Aftflücke auf einem Stein zerfchlägt, und das 
Kochen kann feinen Anfang nehmen. In Ermangelung von Lappen 
wird der Topf mit einem Bananenblatt ausgewifcht und ift nun zur 
Aufnahme von Lebensmitteln fertig. Mittelfl Mufchelfchalen fchälen 
die Frauen Bananen und Brotfrucht, fchneiden folche in Würfel und 
füllen den Topf damit, eine Arbeit, bei der fich die zahmen Schwein- 
chen fehr zudringlich und läflig erweifen, da fie von allem ihr Teil 
abhaben wollen. Jetzt wird mit dem gezähnelten Rande einer Mu- 
fchel Kokosnufs gerieben und die ölreiche, breiige Maffe, welche 
das Fett erfetzt, über den Inhalt des Topfes ausgefchüttet, der nun 



III. Oflkap bis Mitrafels. 250- 

mit SüfswalTer gefüllt und Bananenblättern zugedeckt, auf das Feuer 
gefetzt wird. Drei Steine ftützen den unterfeits runden Topf, unter 
dem bald ein luftiges Feuer lodert. Ift das Effen gar, fo bekommt 
jeder fein Teil auf einem Bananenblatte ferviert und häufig effen die 
Frauen mit den Männern zufammen. Letztere fchämen fich übrigens 
keineswegs vor Küchenarbeit, und jeder Mann verfteht ebenfogut zu 
kochen als die Frau. Nach diefer Hauptmahlzeit, die nach englifcher 
Sitte zwifchen fünf bis fechs Uhr abends flattfindet, und bei der nur 
Waffer als Getränk dient, begiebt man fich meift zur Ruhe. Denn 
inzwifchen ift gewöhnlich der Abend hereingebrochen und das Tage- 
werk des Papuas vollendet, des glücklichen Menfchen, der nichts 
von vierzehnflündiger Arbeitszeit und Nachtarbeit weifs, ohne welche- 
Millionen bei uns kaum ihr bifschen Leben zu friften im ftande find. 
Aber mondhelle Nächte fehen auch den Papua, der das Dunkel der 
Nacht fürchtet, thätig, ja unermüdlich; es gilt aber dann nur fröhli- 
chem Spiel und Tanz. Damit kann der Papua oft halbe Nächte zu- 
bringen und darf fich dies erlauben. Ift er doch ein freier Mann, 
dem Niemand am frühen Morgen zuruft: »Stehe auf und arbeite« I 
Ja, das wird noch lange dauern, ehe fich der Papua unferer Civilifa- 
tion der Arbeit anbequemt hat, und ich fürciite, die Mehrzahl ift 
vorher darüber zu Grunde gegangen. Wie fchwer es fchon hält den 
civilifierten Papua, der bereits im Bunde der Chriflenheit fleht, auf 
die Beine zu bringen, nur um der kurzen Andacht beizuwohnen, das 
habe ich in Port Moresby oft genug erlebt. Da nützte die Glocke, 
mit welcher ein Knabe durchs Dorf bimmelte, oft fehr wenig, und 
erft wenn der energifche Rua, ein eingeborener Lehrer, in Perfon 
die Hütten vifitierte und die Läffigen , wohl nicht immer mit 
blofsen Worten, aufmunterte, fchlenderten fie nach dem Gottes- 
haufe. P'reilich, wenn gerade ein Kriegsfchiff da ift, dann kommen 
fie alle, die Bekehrten und folche, die es werden wollen, in zum 
Teil geborgten Feierkleidern, denn fie wiffen ja, dafs bei folchen 
Gelegenheiten meift etwas abfällt. Und folche läfst fich der Papua 
als praktifcher Mann nicht entgehen , denn Eigennutz bildet einen 

hervorragenden Zug feines Charakters, während der Erwerbs- 

17* 



200 Sechftes Kapitel. 

finn. zumal wenn mit einiger Mühe verknüpft, fafl: gar nicht vor- 
handen id. 

Trotz der Liebenswürdigkeit der Bewohner Hihiauras wufste ich 
fchon im voraus, dafs das nicht fo bleiben würde, fobald erft der 
Dampfer weg war. Aber Hunftein gegenüber brauchte ich unbeforgt 
zu fein, und wir werden fpäter erfahren, wie fehr er fich unter fchwie- 
rigen Verhältniffen als der richtige INIann bewährte. Und deren giebt 
es gar wenige. Vor allem erfordert es einen nüchternen Mann, der 
fich mit der eingeborenen Damenwelt nicht einläfst, was in der Regel 
die Urfache von Feindfeligkeiten ift. ferner einen Mann, der die 
Eingeborenen zu behandeln verfteht, fich nicht fürchtet, aber auch 
bei etwaiger drohender Haltung nicht gleich dazwifchen feuert, wie 
dies fo häufig gefchieht. Ruhe und Nüchternheit find daher Haupt- 
bedingungen: aufserdem aber noch eine Menge praktifcher Fertig- 
keiten erforderlich, die fich nur im Bufchleben erlernen laffen. Leute, 
welche folchen Anforderungen entfprechen, giebt es aber gar wenige, 
und man darf fich nicht wundern, wenn die noch fo junge Gefchichte 
der Handelsniederlaffungen im weftlichen Pacific bereits fo viele 
blutige Dramen zu verzeichnen hat. während die Miffion, mit ein 
paar Ausnahmen, überall friedlich durchkam. Das hat eben an den 
betreffenden Vertretern gelegen. Die Art und Weife im Betragen 
und Auftreten des erflen Weifsen ift daher von grofser, folgefchwerer 
Bedeutung für das weitere Einvernehmen mit den Eingeborenen, 
über das Tradertum der Südfee liefse fich allein ein Buch fchreiben, 
denn es fetzt fich aus Elementen zufammen , deren Vergangenheit 
häufig eine fehr dunkele war, und unter denen Abenteurer der ver- 
fchiedenften Art vorkommen. Man mufs diefe »Whistling Jacks«, 
»Kings of the Macaskills«, und wie fie fich fonft mit Vorliebe nennen 
laffen, kennen und wird zugeben muffen, dafs fie den Eingeborenen 
feiten als Vorbilder dienten. Ich erinnere mich dabei u. a. eines 
Traders auf Pleasant- Island, eines weggelaufenen Matrofen, deffen 
Halbblutfohn »Agua- Ardente« gar nicht erft englifch lernte, weil 
dies der Vater für einen »Kanaker« überflüffig hielt. Und folche 
weifse Kanaker, »Pakeha Maoris«, wie fie auf Neu -Seeland heifsen, 



III. Oflkap bis Mitrafels. 20 1 

rekrutieren fich nicht immer, wie in dem letzteren Falle, aus unge- 
bildeten Berufsklafien. Nein! gar manche haben etwas gelernt und 
waren Leute in guter Lebensftellung. Aber der Gin, der Gin! Da 
liegt meifl das Übel! er fpielt im Leben des Südfee-Traders eine 
gar grofse, böfe Rolle, und wie wenige giebt es, die fich mit mäfsigem 
Schnapsgenuffe begnügen. Wenn die Eingeborenen Melanefiens in 
diefer Richtung nicht dem Beifpiele des Weifsen folgten, fo liegt es 
daran, weil fie Spirituofen nicht mögen, die in anderen Südfeegebieten 
z. B. den Gilberts bereits eine erfchreckende Verbreitung gefunden 
haben. Aber auch in anderen Beziehungen waren Weifse nicht 
immer Vorbilder für die moralifche Erziehung der Eingeborenen, 
die nicht nur in rohen Matrofen, fondern auch in Leuten der gebil- 
deten Klaffe zuweilen üble Lehrmeifler erhielten. Was mufs der 
Kanaker denken, wenn ihn ein Weifser beauftragt, gegen Bezahlung 
einen anderen Weifsen umzubringen, wie dies in Neu-Britannien vor- 
kam. Der Anftifter diefer graufigen That, ein Kapitän L . . .*), war 
damals einer der hervorragendften Weifsen und liefs jenen Trader 
nur erfchlagen, um deffen fogenannte Frau, eine Samoanerin, zu er- 
langen, wie einft David Bathseba. Solchen Beifpielen gegenüber ift 
es leicht begreiflich, dafs die Miffion mit ihren braunen Lehrern 
(teachers;, befchränkten, aber nüchternen und ordentlichen Menfchen, 
weit mehr für Civilifation leiftete als der Handel, deffen Träger nur 
in feltenen Fällen etwas 'dafür thaten. Hätte der Handel aber von 
Anfang an über ähnliche gute Hilfsarbeiter verfügen können, dann 
würde auch er für die Eingeborenen und deren Hebung dasfelbe 
erreicht haben als die Miffion. denn er ifl ebenfo gut dazu berufen 
fegensreich zu wirken als die letztere. Ja, in gewiffer Beziehung noch 
mehr, denn der Handel kann die Eingeborenen zugleich zu einer 
für beide Teile erfpriefslichen Thätigkeit anfpornen und ermun- 
tern, hat aber in diefer Richtung bisher wenig geleiflet. Und jetzt 
ift es an vielen Orten bereits zu fpät. Die Eingeborenen zum Teil 



*) Powell (1. c. S. 267) erzählt den Fall und das Ende von Kapitän L . . ., der 
fchliefslich von einem Trader erfchoffen wurde, ganz der Wahrheit gemäfs. 



202 Sechfies Kapitel. 

fchlecht behandelt und durch das oft gewaltfame Wegführen von 
Arbeitern erbittert, haben das Vertrauen zum weifsen Manne ver- 
loren, und diefes wird fich nur fehr fchwer wieder erringen laffen. 
Ich wufste Blumenthal in guten Händen, befonders da Hunftein 
einen tüchtigen Gefährten in einem fchottifchen Zimmermann er- 
halten hatte, und fo dampften wir befriedigt Oflkap zu. 



IV. Milne-Bai bis Tefte-Infel. 

Killerton-Infeln. — Mifsionsflation auf Aroani. — Die Londoner Miffion in Neii-Guinea. 

— Farbige Lehrer (teacher) — die wahren Pioniere. — Betragen der Eingeborenen. — 
Stellung der Lehrer. — Giinfliger Einflufs der jMiffion. — Ein Sonntag in der Miffion. 

— Chriflliche und heidnifche Kunfl. — Kirärauchen. — Befchaffenheit der Infel. — 
Ein fchöner Sänger. • — Milne-Bai. — Mita. — Higiba. — Schilde. — Häufer. — Baum- 
haus. — Eingeborene. — Chinaftrafse. — Moresby- Archipel. — Dinner-Infel. — Ein 
jDimdim". — Beflrafte Arbeiterwerber. — Tripang und Tripangfifcher. — Miffions- 
flation. — Eingeborene. — Tätowierung. — Bafiraki. — Glockenfels. — Chas oder 
Tefte-Infel. — Häufer — Verfchiedener Bauftil. — Prähiftorifche Töpferei. — Reger 
Handelsverkehr. — Ethnologie. — Eingeborene. — Haartrachten. — Tätowieren. — Be- 
kleidung und Schmuck. — Einflufs der Miffion. — Idande der Lehrer. — Die verun- 
glückte Sylveflerbowle. — Nach Cooktown. — Aufregung. 

Die Südfeite der Oflkap-Landzunge zeigt eine ähnliche Befchaf- 
fenheit als die nördliche. Aber die Hügel und Berge fallen zum 
Teil fteiler ab und haben ausgedehnteres Kulturland, längs dem 
Strande dichtere Kokospalmbeftände aufzuweifen; trotzdem bemerkt 
man wenig Siedelungen und Menfchen. Bald fahen wir die Killterton- 
Infeln vor uns. So heifst eine Gruppe von drei kleinen und acht 
bis zehn fehr kleinen Korallen-Infelchen, die zum Teil untereinander 
und mit der Küfte durch Riff verbunden, den nördlichen Eingang 
von Milne-Bai fäumen. Mit Ausnahme der öiHichaen Infel, Aroani 
oder Merari, fmd fie unbewohnt, und auch diefe ift erft durch die 
Londoner Miffion befiedelt worden, welche hier ihre öftlichfte Station 
in Neu-Guinea befitzt. Chalmers nennt fie »a perfect model farm, 
splendidly laid out« ; was man fich dabei für Vorftellungen zu machen 



7 i'l' 



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I 11 ii!^ 




IV. Milne-Bai bis Tefle-Infel. 263 

hat, wird meine Abbildung zeigen. Die beiden Hauptgebäude find 
links die Kirche, rechts das Lehrerhaus; die übrigen Häufer und 
Hütten (an 15 und mehr) dienen ca. 60 Miffionszöglingen zur Unter- 
kunft. Dien, der Lehrer (teacher), der uns fchon in Hihiaura befuchte, 
kam uns in feinem Boote entgegen, um den beflen Ankerplatz gegen- 
über der Station anzuweifen, der übrigens auch nicht frei von Korall- 
riffen ift. Bald folgte in Kanus und Catamarans die Gemeinde, Ein- 
geborene von der Küfte, die mit der Miffion leben, teilweife als Be- 
kehrte oder weil es ihnen überhaupt bequemer ift. Sie waren meift 
heller gefärbte Menichen als ihr Lehrer, der von der Infel Lifu 
(Loyalitätsgruppe) ftammte und den dunklen melanefifchen Typus 
repräfentierte. Dennoch hatte er fchlichtes Haar, was auf Lifu fehr 
häufig ift und mich weniger verwunderte, als rothaarige Individuen 
unter den Eingeborenen , weil natürlich-rotes Haar bei Papuas zu 
den höchft feltenen Ausnahmen gehört. 

Das Bekehrungswerk in Neu-Guinea ift bekanntlich in Händen 
der Londoner Gefellfchaft, der gröfsten und reichften der Welt, die 
hier im Jahre 1871 die erften Miffionslehrer einfetzte. Jetzt verfügt 
fie über etliche dreifsig, die in gewiffen Gebieten der Südoftküfte, 
von Saibai bis Milne-Bai, in etwa 25 Stationen verteilt find. Die 
Centralftation mit dem »Inftitute« zur Erziehung eingeborener Lehrer 
ift auf Erub (Darnley-Isl.), in der öftlichen Torre.sftrafse, unter der 
Leitung von ein bis zwei englifchen Geiftlichen, zwei andere refi- 
dieren in Port Moresby, dem Centrum für Neu-Guinea felbft. Alle 
übrigen Stationen find mit fogenannten Lehrern (teachers) befetzt, 
Südfee-Infulanern, die entweder von der Loyalitäts-Gruppe (Lifu und 
Mare) oder aus Oft-Polynefien fSavage- Island, Rarotonga u. f. w.) 
herftammen. Das Miffionswerk hat diefen dunklen Sendboten un- 
endlich viel zu verdanken und ihre Verdienfte find bei uns viel zu 
wenig bekannt. Sie waren und find die eigentlichen Pioniere nicht 
nur der Miffion, fondern der Civilifation überhaupt, die es wagten, 
fich als Erfte unter fogenannten »Wilden« niederzulaffen , die noch 
niemand kannte, mit denen niemand zu fprechen verftand, und von 
denen kein Menfch vorausfehen konnte, welche Aufnahme den Fremd- 



25^ Sechfies Kapitel. 

lingen zu teil werden würde. Wie dem Händler (Trader) ein not- 
dürftiges Haus gebaut wird, in welchem man ihn mit einigen Vor- 
räten und Lebensmitteln feinem Schickfale überläfst, bis das Schiff 
wiederkehrt, fo machte es auch die Miffion*). Während aber dem 
Händler fchon die weifse Hautfarbe ftets ein Übergewicht verleiht, 
fällt diefer Raffenvorteil beim farbigen Miffionslehrer weg, denn der 
Eingeborene hat vor feinesgleichen, wenn auch in europäifcher Klei- 
dung, natürlich nicht den Refpekt als vor dem weifsen Manne. Die 
Gefchichte der Miffionsgründung in Neu -Guinea liefert den beften 
Beweis, dafs es mit der fo arg verfchrieenen Wildheit der Papuas 
nicht fo fchlimm beflellt ift. Auch fie haben fich meift als Menfchen 
gezeigt, indem fie die Fremdlinge, welche man auf unbeflimm.te Zeit 
ihrer Obhut anvertraute, nicht nur unbehelligt liefsen, fondern die- 
felben hie und da noch unterflützten. Auch das Miffionsfchiff blieb 
zuweilen länger aus als erwartet, und die Lehrer waren mitunter le- 
diglich auf die Eingeborenen angewiefen. Wenn es auch nicht an 
Bedrohungen fehlte, die felbft das zeitweilige Verlaffen einer Station 
nötig machte, fo verdient doch hervorgehoben zu werden, dafs bei 
der Gründung der Miffion nur auf Bampton-Infel, nahe der Mün- 
dung des Flyfluffes zwei Lehrer zu Märtyrern**) wurden, während 
die Tücke des Klimas eine Menge Opfer forderte. Diefe Thatfache 
lautet gewifs fehr zu Gunflen der Eingeborenen und follte in gol- 
denen Lettern allgemein Anerkennung finden; aber wer fpricht von 
den »Wilden« um fie zu loben? Wer das Wefen des Eingeborenen 
kennt, wird freilich wiffen, dafs dies gute Betragen nicht aus purer 
Humanität entfprang, fondern dafs, wie fo häufig im menfchlichen 
Leben, Eigennutz die Triebfeder zu diefer Handlungsweife war. 
Schon der weifse Mann, welcher die fremden, braunen Gärte inflal- 
lierte, verlieh den letzteren in den Augen des Eingeborenen einen 



*) Wie fchlecht es den unzureichend verforgten Teachers zuweilen ging, darüber 
berichtet Moresby (1. c. S. 35). 

*•) Das Maffakre in Kalau (Hood-Bai), wobei zwölf der Miffion angehörige Farbige 
von den Eingeborenen gefpeert wurden, fand viel fpäter (März 1881) ftatt, nachdem die 
Miffion längft hier gefertigt war, und hatte feine beförderen Urfachen. 



IV. Milne-Bai bis Tefte-Infel. 265 

gewiffen Nimbus. Aber man wufste auch, dafs das Schiff zurück- 
kommen würde und fürchtete Beftrafung für etwaige Miffethaten. 
Mehr als diefe Furcht wirkte jedoch das Auftreten der Sendlinge 
felbft zur Anknüpfung guter Beziehungen. Sie waren ruhige Leute, 
welche die Eingeborenen nicht inkommodierten, und die letzteren 
fanden fich fchon aus Neugierde beim Gottesdienft ein, der ihnen 
ja etwas durchaus Neues war. Bald erkannte der Eingeborene auch 
den praktifchen Nutzen der Miffion, die ihm zuerft eifern e Geräte, 
allerlei Tand, und ganz befonders Tabak zuführte und dem betreffen- 
den Dorfe dadurch ein Übergewicht verfchaffte. Der nüchterne, be- 
rechnende Kanaker-Vorfland fand fchnell heraus, dafs eine folche 
Zufuhrsquelle erhalten werden muffe, und man hütete fich daher 
wohl, die Gans mit den goldenen Eiern umzubringen. Die geringen 
Vorräte einer Miffionsftation vermögen die Habfucht der Eingebo- 
renen auch nicht in dem Mafse zu reizen, wie dies gegenüber den 
viel reicheren Handelsflationen eintreten kann, um durch einen Hand- 
ftreich auf einmal in den Befitz von Schätzen zu gelangen. Bald 
hatte die Miffion hie und da durch den Einflufs eines Häuptlings 
unterflützt, die in Neu-Guinea meift wenig bedeuten. Freunde unter 
den Eingeborenen und gewann dadurch immer fefteren Boden. 
Selbft entferntere Dörfer verlangten nach einem Miffionär, um gleiche 
Vorteile zu geniefsen und darauf ift fo häufig der »Schrei nach dem 
Evangelium« zurückzuführen. Diefe Erfolge find zum grofsen Teil 
den farbigen Lehrern zu verdanken, da die weifsen Miffionsleiter 
ja nur in längeren Zwifchenräumen die über neun Längengrade 
ausgebreiteten Stationen befuchen können. Während die Miffion 
bisher glücklicherweife keinen Europäer verlor, hat der Tod unter 
den eingeborenen Lehrern um fo reichere Ernte gehalten, denn gar 
viele erlagen dem Klimafieber. Fern von der Heimat und ohnehin 
fataliftifch veranlagt, ifl der energielofe Kanaker viel weniger wider- 
ftandsfähig als der Europäer, ja mancher ftirbt, weil er flerben will. 
Das klingt freilich paradox, ifl: aber wahr, und gilt auch für die 
braunen Sendboten des Evangeliums, die trotz ihres civilifa- 
torifchen Anflriches doch Kanaker blieben. Wenn fo ein Menfch 



206 Sechftes Kapitel. 

plötzlich erkrankt und die IMedizin, welche man ihm zurückliefs, 
nicht bald hilft, dann hält er fich häufig für verloren, giebt fich felbfl: 
auf und unterliegt nicht feiten einer Krankheit, die ein Europäer 
bei einiger Behandlung übenvinden würde. Der Miffionslehrer flirbt 
in vollem Gottvertrauen und in der Beruhigung eines gottergebenen 
Lebens, der Tod hat alfo keine Schrecken für ihn. In der That 
verdient die Selbftverleugnung diefer Leute die gröfste Anerkennung, 
denn find fie auch meift von geringer Herkunft, fo flanden fie fich 
doch meift in ihrer Heimat beffer. Mancher hatte hier anfehnlichen 
Befitz, andere lernten die Welt als Matrofen kennen, und für die 
wenigften find daher die zwanzig Pfund Sterling (400 Mark , welche ein 
Miffionslehrer an Jahresgehalt empfängt, gleichwertig feiner früheren 
Lebensftellung. Aber das neue Amt verfchafft ihm ein ganz anderes 
Anfehen. Früher gewohnt zu gehorchen, kann er jetzt komman- 
dieren und fich zum Herrn und Gebieter einer Gemeinde auffchwin- 
gen, wie dies den meiften Lehrern fehr bald gelingt und wiederum 
für die gute Art der Eingeborenen fpricht. Sie find es, welche gegen 
geringes Entgelt in Taufchwaren das Feld mitbeftellen helfen, das 
die Lehrerfamilie ernährt, die ja an Eingeborenenkofi gewöhnt, nur 
wenig Bedürfniffe hat. Im Verein mit gelegentlichen kleinen Neben- 
einnahmen find fogar noch Erfparniffe möglich. Die farbigen Lehrer 
der Londoner Miffionsgefellfchaft fhehen fich daher weit beffer, als 
die der Wesleyaner im Bismarck-Archipel, die aufser Kleidung (d. h. 
Lavalava oder Lendentücher] nur mit etwas Tabak und vier Pfund 
Glasperlen jährlich ihren Unterhalt zu beflreiten haben. Wenn 
gegenüber dem Aufwände an Mühe und Koften, den Verluften an 
Menfchenleben und Gefundheit, die Bekehrungserfolge*) auch keine 
grofsen find, fo läfst fich das fegensreiche Wirken der Miffion doch 
nicht verkennen und verdient volle Anerkennung. Eine Miffions- 
flation ifl flets ein Hort des Friedens, namentlich in folchen Gebieten, 



*) So mufsten u. a. die vier im Inneren von Port Äloresby errichteten Stationen 
wieder aufgegeben werden und zwar nicht wegen „Wildheit" der Eingeborenen, fondern 
weil fich diefelben zu teilnahmslos zeifften. 



(S, 266.) 




Vor der Kirche Aroani. 



IV. Milne-Bai bis Tefte-Infel. 207 

WO der Verkehr mit den Eingeborenen durch Weifse geftört wurde, 
deren Betragen nicht feiten auch die Miffion in bedrohliche Lage' 
brachte. 

Ein Befuch auf der Infel Aroani zeigte das Leben und Treiben, wie 
es an jeder Miffion sfhation herrfcht. Alles eilte herbei, um dem weifsen 
Fremdlinge die Hand zu geben und ihn mit »denani« zu begrüfsen; 
einzelne liefsen wohl auch ein »good morning« und den leifen 
Wunfeh nach Tabak einfliefsen, ohne eigentlich zu betteln. Eine 
Menge Wörter der hiefigcn Sprache zeigte übrigens nahe Verwandt- 
fchaft mit dem Motu von Port Moresb}-. Es war gerade Sonntag, 
und jeder erfchien im heften Staate, aber gerade daran konnte d^r 
Erfahrene merken, dafs wir uns an einer entfernten Nebenftation 
befanden. Denn während am Sabbath in Port Moresby Kanakerinnen 
nicht feiten in Kleidern mit Volants paradieren, mufsten fie fich hier 
mit den landesüblichen Volant -Grasröcken begnügen. Nur wenige 
befafsen aufserdem ein Kattunjäckchen oder ein Strohhütchen ntit 
künfthchen Blumen, wie die poffierlich ausflaffierten Mädchen in der 
lebensvollen Gruppe unferer Abbildung. Sie zeigt fo recht den 
Gegenfatz zwifchen den Anfängen einer mit europäifchem Plunder 
übertünchten Civilifation und der urfprünglichen Eingeborenentracht. 
Die letztere dürfte dabei als die vorteilhaftere erfcheinen, da die rot 
und gelben Grasröcke, aus Blattfafern der Sagopalme, die braunen 
Geflalten in der That trefflich kleiden. Tätowierung ifl in Milne- 
Bai nicht Sitte, und die damit verzierten Frauen unferes Separat- 
bildes waren Gäfle von Dinner- Infel. Die Vorderfeite der Kirche 
giebt einen weiteren intereffanten Vergleich chrifllicher und heidni- 
fcher Kunfl, die ebenfalls zum Vorteil der letzteren ausfällt. Denn 
die fkelettartige Karikatur über der Thür ifl nur aus fchwarz und 
weifsgefärbtem Pandanusblatt verfertigt, hat alfo wenig Mühe ge- 
macht, während wir in dem Aimaka auf Bilibili (S. 71) noch folide 
Holzbildhauerei kennen lernten. Und wenn ich hier auf die Decenz 
beider Darftellungen eingehen dürfte, dann hätte ich für beide dra- 
ftifche Bemerkungen zu machen. Die Kirche war im übrigen ein 
foHder Pfahlbau, welchem ein mit Kerben verfehener Baumftamm als 



268 



Sechftes Kapitel. 



Treppe diente. Bald läutete der Lehrer zum Gottesdienft, dem einige 
40 Eingeborene, meift weiblichen Gefchlechts mit Kindern und Säug- 
lingen, beiwohnten. Nach den Regeln der Londoner Miffion wurde 
in der Landesfprache geredet und gefungen, denn die Eingeborenen 
lernen Singen gar fchnell. Im übrigen herrfcht natürlich am Sonntage 
die Ruhe der englifchen Kirche, welche den Miffionszöglingen aber 
wenigftens das Rauchen geftattet. Die Londoner Gefellfchaft ift 




Kirärauchen. 

Überhaupt viel toleranter als z. B. die amerikanifche in Mikronefien, 
welche nicht allein das Rauchen verbietet, fondern auch die Tracht 
der Eingeborenen durch allerlei Satzungen verändert und dadurch 
bald alle Originalität auslöfcht. Was würde fie erft zu dem eigen- 
tümhchen Rauchgerät fagen, das ich nach langer Zeit zuerft hier 
wiederfah, und welchem der Eingeborene wahrhaft frönt! Es ift dies 
der an der ganzen Südoftküfte bekannte Baubau, hier Kirä genannt, 
ein langes Stück Bambu mit einem Loche. Das letztere dient zur Auf- 



IV. ISIilne-P.ai bis Tefte-Infel. 269 

nähme einer kleinen mit Tabak gefüllten Blattdüte, einer Art Zigarette. 
Ifl: die letztere angezündet, fo wird das Rohr voll Rauch gefogen, 
dann die Zigarette herausgenommen und aus dem kleinen Loch der 
Rauch eingefogen oder vielmehr Verfehlungen, wobei der Kirä von 
Mund zu Mund wandert. Ich darf verfichern, dafs diefe Rauchmethode 
fehr wirkungsvoll iil, denn fie betäubt förmlich, aber kleine Kinder 
fmd bereits daran gewöhnt, und der »Baubau« ift unzertrennlich mit 
dem Leben des Papuas der Südoflküfte Neu-Guineas verknüpft. 

Das Haus des Lehrers war ein ähnlicher Bau als die Kirche 
und, wie diefe, von Eingeborenen gemacht worden. Es enthielt im 
Inneren drei Abteilungen und aufser felbftgefertigten Tifchen und 
Bänken den üblichen Wandfchmuck, Bilder aus London Illustrated 
News, Graphic, Modezeitungen u. f \v., fowie einige Kiften und Karten, 
denn auch der Hausrat eines Miffionslehrers ift meift fehr befchei- 
den. Aber Dien baute an einem neuen Wohnhaufe, das fehr gut 
zu werden verfprach. So wurden die Wände aufsen mit Kalk (aus 
Korallen gebrannt), verputzt und follten innen tapeziert werden und 
zwar — mit Segeltuch, was fich freilich fchon der Koften wegen 
unausführbar erwies. 

Aroani, zum grofsen Teil von Mangrove-Lagunen eingefchloffen, 
mit fchlechtem korallinifchem Boden, ift jedenfalls fehr ungefund. 
Aber ich erftaunte, trotz des kümmerlichen, korallbefäten Erdreiches 
fo gute Plantagen zu finden. Aufser den üblichen Feldfrüchten Yams, 
Taro, Bananen und Zuckerrohr wurden auch Kürbiffe, Waffermelo- 
nen und Mais angebaut; alles fchien trefflich zu gedeihen, bis auf 
die wenigen jungen Kokospalmen. 

Lieblicher Vogelgefang, eine Seltenheit in den Tropen, den ich 
fchon von Bord aus gehört hatte, und der mir mit feinen nachtigall- 
ähnlichen Strophen durchaus neu war, reizte den Urheber zu er- 
langen. Bald war er in meinen Händen, ein unfcheinbares Vögel- 
chen, Ptilotis sonoroides, das bisher nur auf Waigiu und Myfol be- 
obachtet wurde. Sonft erlangte ich nur noch wenige Kleinvögel, 
denn die grofsen Fruchttauben waren zu fcheu, und fo mufste ich 
mich mit der kleinen Ptilopus aurantiifrons begnügen, einem jener 



270 Sechfies Kapitel. 

reizenden, kleinen Täubchen, welche Neu-Guinea in fo überrafchender 
Fülle und Farbenpracht eigen find. 

Milne-Bai bildet eine an 20 Meilen lange und ca. 10 breite Ein- 
buchtung im Oftende Neu-Guineas, deren Nordrande wir bis über 
die Hälfte folgten, um dabei ein Kopragebiet von feltenem Reich- 
tum kennen zu lernen. Das Vorland an diefer Seite der Oftkap- 
Halbinfel ift viel ausgedehnter als an der nördlichen und zeigt flellen- 
weis förmliche Wälder von Kokospalmen. Nach der Ausfage der 
Lehrer würde fich diefes Kopragebiet in noch gröfserer Ausdehnung 
bis in die Tiefe und längs dem Wefl- und Südweftrande der Bai 
erftrecken, fo dafs dasfelbe reiche Ausbeute verfpricht, deren Ver- 
wertung inzwifchen fchon in Angriff genommen fein dürfte. Trotz 
diefes Überfluffes fehlen die Bevölkerung unbedeutend. Nur feiten 
zeigte fich ein einzelnes Haus am Strande, und an den grünen Vor- 
bergen wurden Kultivationen feltener. Das allmählich höher anflei- 
gende Stirlings-Gebirge ifl, wie fich fchon an der dichten Bewaldung 
erkennen liefs, unbewohnt. 

In Mita, ca. fünf Meilen von Aroani, der zweiten Miffionsftation, 
liefs ich mich an Land fetzen und wurde von Dick, dem Lehrer, einem 
dunklen Marc -Mann, begrüfst. Hilfreiche Hände zogen das Boot 
durch die Brandung und reichten geöffnete Kokosnüffe als Will- 
kommen, noch ehe wir das Land betreten hatten. Die Station ifl: 
viel kleiner als die auf Aroani und befteht nur aus zwei Häufern, 
von denen eins als Kirche dient; auch war der Anhang von Ein- 
geborenen viel geringer. Unter den letzteren zeichnete fich ein 
mit Hemd, Hofe und Filzhut bekleideter ältlicher Mann aus, der 
König, denn er fagte wiederholt »me king«, alles, was er an 
englifchen Worten wufste, und empfing natürlich den üblichen 
Tribut in einigen Stücken Tabak. In Begleitung des »Königs« und 
Dicks Sohn Joana, einem fixen Knaben, der ziemlich englifch fprach, 
ging ich nach dem nächften Dorfe, um wenigftens etwas von Land 
und Leuten kennen zu lernen. Der W^eg führte teils durch Urwälder, 
in denen aufser anderen Vogelftimmen fich auch die von Paradies- 
vögeln (Paradisea Raggiana) vernehmen liefsen, teils durch Plantagen, 



IV. Milne-Bai bis Tefte-Infel. 



271 



welche den Reichtum und die Fruchtbarkeit des Bodens bekundeten. 
Joana erzählte, dafs ein anderer »King« feinem Vater nach dem 
Leben trachte, aber gleich ausreifsen würde, wenn er mich mit dem 
Gewehre fähe. Bald kamen wir an eine hübfche Bucht, welche zur 
Anlage einer Station wie gefchafifen fcheint, befonders da fie auch 
für Segelfchiffe fiebere Ankerung bietet. Längs dem Sandftrande 
diefer Bucht gelangten wir zuerfl zu dem kleinen Dorfe Higiba, (Hi- 
gäbei), das nur aus drei Häufern befteht, weiterhin, einen feichten 
Flufs durchwatend, nach dem etwas gröfseren Baragom, das fich 
durch einen grofsen Kanufchuppen auszeichnete. Er ftimmte ganz 
mit dem auf Goulvain (S. 224) überein, und wie wir folche in Hihi- 
aura und an der Oflkap -Landzunge kennen lernten. Diefe Kanu- 
fchuppen fcheinen, in Ermangelung anderer Baulichkeiten , zugleich 
als Verfammlungshaus der Männer zu dienen, in welches man Fremde 
nicht gern eintreten läfst. Aufser dem Kanu, das Eigentum des 
Häuptlings oder der Gemeinde ift, enthielt der Schuppen nur eine 
Anzahl grofser hölzerner Kampffchiide, die ganz mit denen in 
BentleyrBai übereinftimmten. Von diefen Schilden giebt es zwei 
Formen, länglich-ovale und rechteckige (ca. i m hoch und 40 cm 
breit), die zum Teil mit erhabener Schnitzerei und bunter Bemalung 
verziert find und mit zu den beflen Erzeugniffen des Kunflfleifses 
zählen. 

Die Häufer unterfchieden fich von denen in Bentley-Bai (S. 237) 
hauptfächhch dadurch, dafs fie auf fehr hohen Pfählen wohl zehn 
Fufs über der Erde flehen und aus Sagopalmblatt gebaut find, deren 
lohfarbene Färbung fie fchon von weitem auszeichnet. Ich fah übri- 
gens auch Häufer auf niedrigen Pfählen und folche von ovaler Form, 
denen gewiffe Häufer auf Aroani wohl als Mufler gedient hatten. 
Befonders überrafchte mich ein Baumhaus, das noch im Bau be- 
griffen war, wie dies die Abbildung (S. 272) zeigt. Solche Baum- 
häufer, die ich aus dem Inneren von Port Moresby kannte, gehören 
zu den kunflvollflcn Bauwerken der Steinzeit. Denn es ift nicht fo 
leicht in den Arten und im Wipfel eines Baumes, oft in einer Höhe 
von 50 bis 60 Fufs, ein Haus zu bauen, das den Winden widerfteht. 



272 



Sechfies Kapitel. 



Diefe Häufer dienen als Feften und Warten, in welche fich die Dorf- 
bewohner bei einem feindlichen Überfall zurückziehen. Die primi- 




Baumhaus in Miliie-l!ai. 



tive Leiter aus Lianen, welche zu dem luftigen Bau führt, wird hinauf- 
gezogen und die Feftung U\ zur Verteidigung fertig. Sie enthält 



IV. Milne-Bai bis Tefte-Infel. 2/3 

aufser Wafservorräten Unmaüen von Wurfgefchoffen in Geftalt von 
Speeren und Steinen, womit gar mancher Sturm abgefchlagen werden 
kann, wenn auch das Dorf in Flammen aufgehen follte. 

Die Eingeborenen, welche inzv/ifchen zahlreich herbeigeeilt waren, 
unterfchieden fich in nichts von denen in Bentley-Bai und Hihiaura, 
fprechen auch faft diefelbe Sprache. Sie brachten aufser Büfcheln 
buntblättriger Crotons kaum etwas zum Taufch, und ich erlangte mit 
Mühe wenige Schilde und Steinklingen, da auch hier die Steinzeit 
ihrem Ende entgegengeht. Die Eingeborenen von Milne-Bai, erwie- 
lenermafsen Kannibalen, flehen in keinem guten Ruf. Aber auch 
fie und weit beffer als der letztere, wie ich von Hunflein weifs, der 
länger unter ihnen lebte und fehr gut mit ihnen auskam. Moresby, 
der zuerft hier war, fand überall freundliche Aufnahme. Aber die 
Gewaltthätigkeiten der Werbefchiffe, welche hier rekrutierten, und 
das zuweilen brutale Auftreten von Tripangfifchern haben foitdem auch 
hier dem Weifsen keinen guten Ruf verfchafft; man darf fich daher 
über etwaige Maffacres als Reprefialie nicht wundern. 

Die Samoa war inzwifchen herangekommen und wir fetzten un- 
feren wefllichen Kurs noch etwas weiter fort, bis wir die Tiefe der 
Bai fehen konnten, die aus Flachland zu beftehen fcheint. Hier 
liegen die Dörfer Maivara und Gihara, die wie Wagawaga (Discovery- 
Bay;, am Südweflrande, ftark bevölkert fein follen. Wir wandten 
dann unferen Bug oflwärts und dampften, im Angefleht deri5oobis 
über 3000 Fufs hohen Gebirge am Südrande der Bai. Chinaftrafse zu, 
Moresby gab ihr diefen Namen, weil fie einen kürzeren Seeweg zwi- 
fchen Auftralien und China eröffnet, der fich in der Praxis aber nicht 
bewährte. Wir hatten North-Foreland, die Nordfpitze der füdlichen 
Halbinfel von Milne-Bai paffiert, die aus fleilen, an 1800 Fufs hohen 
Gebirgen befteht, ohne Siedelungen und Kokospalmen, und fahen 
die malerifchen Infein des Moresby-Archipel vor uns. Sie find alle 
bergig, mit zahlreichen Kultivationen der Eingeborenen bedeckt, am 
Strande dicht mit Kokospalmen gefäumt, und mögen danach zu 
urteilen ziemlich gut bev^ölkert fein. Bald hatten wir die kleinen 
Infein Meckinley (Maivara) und Paples an Backbordfeite und fahen 

Finfch, Samoafahrten. lg 



274 



Sechfies Kapitel. 



in die Tiefe von Jenkins-Bai, die fall: hufeifenförmig von der gebir- 
gigen Bafilisk-Infel (Urapotta), nebft Hayter (Säriwa oder Sariba) 
umfchloffen wird. Am Nordweftrande der letzteren Infel paffierten 
wir Poffeffion-Bay, wo ]\Ioresby am 24. April 1873 zum erftenmale 
die Flagge hifste und im Namen Englands von den Infein Befitz er- 
griff. Die Strafse erreicht nun ihre fchmalfte, kaum eine Meile breite 
Stelle und fchien am füdweftlichen Ende durch Heath-Infel (Regia, 
Logia, gefchlolTen, aber bald öffnete fich der Blick nach Südoft und 
wir hatten die kleine Dinner-Infel (Samärai) vor uns. Sie ift kaum 
eine Meile lang, ca. 200 Fufs hoch, und war, ehe die Londoner 
Miffionsgefellfchaft (1876 oder ']']') eine Station errichtete, unbewohnt. 
Jetzt fiedeln hier an 30 bis 40 Eingeborene der Nachbarinfein, meift 
von Rogia, die unter der Obhut von Ipuneffa, eines Lifumannes, 
eine kleine Gemeinde bilden. 

»Dimdim stop mifsion« ein Weifser lebt im Miffionshaufe) fagte 
ein Zögling, der gleich mit dem erften Kanu längsfeit und an Bord 
gekommen war; es ftand uns alfo eine Überrafchung bevor, als wir 
an Land ruderten. Und in der That, unter der uns erwartenden 
Menge war ein Dimdim. ein wirklicher Weifser. Er ftellte fich in 
englifcher Sprache als »Harry Smith« vor und erkundigte fich zu- 
nächft nach der Nationalität unferer Flagge. Als er hörte, dafs es 
die deutfche fei, da entpuppte er fich plötzHch als ein Landsmann 
von der Oflfee, der den englifchen Namen, Gott weifs aus welchem 
Grunde, nur angenommen hatte. Ja, ja, fo werden Deutfche über 
die ganze Welt umhergefchleudert. und man wundert fich an irgend 
einem Orte keinen Deutfchen zu finden. Von Nordkap und Nord- 
Sibirien an bis auf den entlegenften Infelchen im Indifchen und 
Stillen Ozean, wie z. B. Diego Garcia. in den Gilberts u. f w., allent- 
halben habe ich Landsleute angetroften, nicht immer mit befonderer 
Freude. Dafs Harry als früherer deutfcher Matrofe die deutfche 
Flagge nicht kennen foUte oder wollte, durfte befremden und der 
Umftand, dafs er zur Befatzung des berüchtigten Werbefchiffes 
»Hopeful« gehört hatte, war ebenfalls als keine Empfehlung zu be- 
trachten. Die gegen Eingeborene verübten Unthaten diefes Sklaven- 



IV. Milne-Bai bis Tefte-Infel. 



275 



fchiffes kamen zufalligenveife einmal heraus, ein feltener Fall in der 
Gefchichte der Labourtrade. Die Miffionslehrer hatten Anzeige ge- 
macht, und die Urheber wurden diesmal wirklich vor Gericht ge- 
ftellt. Der in Brisbane verhandelte Fall, bei v/elchem die Lehrer die 
Haupt-Belaftungszeugen bildeten, machte damals grofses Auffehen 
in Auftralien. Das Urteil fprach nämlich den Kapitän, Steuermann 
und Arbeiteragent oder »Agent of Immigration«, wie er euphoni- 
ftifch heifst, des Todes fchuldig. Drei Weifse wegen einer Hand- 
voll XiggersII Ein folcher Fall war noch nie dagewefen und erfchien 
fo ungeheuerlich, dafs die Zeitungen ein furchtbares Gefchrei er- 
hoben. Schliefslich fmd denn auch die Übelthäter dem Galgen ent- 
ronnen und zu lebenslänglichem Kerker 'davon drei Jahre in Kettenl) 
begnadigt worden. 

Harry führte übrigens hier im Haufe des Miffionars ein befchau- 
liches Leben als Händler Trader , kaufte Kokosnüffe, um Kopra zu 
machen, und war dabei, eine Tripangflation zu errichten. Tripang 
oder Beche de mer — :? — ja das wollte ich ia eben fagen — , 
heifsen jene zur Ordnung der Stachelhäuter (Echinodermata) gehö- 
renden Meerestiere der Gattung Seewalzen oder Seegurken (Holo- 
thuriaj, wenn fie gehörig zubereitet und getrocknet fmd. Diefe Tiere 
bilden im Leben einen langgeftreckten, runden, walzenförmigen Kör- 
per von einhalb bis drei Fufs Länge und erinnern an runzlige, 
plumpe , koloffale Würfle, die träge auf dem feichten Grunde des 
Korallriffs liegen daher englifch »Sea slug«) und wenig animalifches 
Leben verraten. Beim Anfaffen entleeren fie eine Menge Waffer und 
in langen, fchleimigen, klebrigen Fäden ihre Eingeweide, wodurch 
das Unappetitliche ihrer Erfcheinung nur noch erhöht wird. Die 
Bereitung von Tripang ift im ganzen nicht fchwierig. Die Tiere 
werden in grofsen, flachen, eifernen Pfannen in Seewaffer gekocht, am 
andern Tage der Länge nach aufgefchnitten, vollends gereinigt, etwas 
an der Sonne getrocknet und dann geräuchert. Man errichtet zu 
diefem Zwecke ein höchfl primitives Räucherhaus, in welchem der 
»Fifh«, wie die Tripangfifcher auch Holothurien nennen, auf über- 
einanderliegenden Horden getrocknet wird. Es erfordert dies grofse 

i8' 



270 Sechfies Kapitel. 

Aufmerkfamkeit, da es hauptfächlich auf ein allmähliches, recht lang- 
fames Trocknen ankommt. In diefem Zuftande hält fich die Ware 
jahrelang. Sie geht hauptfachlich nach Hongkong und zwar meifl: 
von Cooktown oder Thursday-Infel aus. In China bildet Tripang, 
für uns nur ein trocknes, lederartiges, unangenehm riechendes Pro- 
dukt, eine grofse Delikateffe der Tafel, auf der fie in verfchiedener 
Zubereitung erfcheint. 

Man unterfcheidet in der Südfee drei bis vier Arten Tripang, 
die im Preife von 40 bis 1 10 Lftl. (800 bis 2200 Mark) per Tonne 
(22(X) Pfund engl.) variieren. Tripang ift alfo ein wertvoller Artikel, 
an dem die Fifcher reich werden muffen, follte man denken! Aber 
das letztere kommt wohl kaum vor, denn es giebt keine gröfseren 
Abenteurer als diefe Tripangfifcher. In kleinen, fchlechten Fahr- 
zeugen, nicht feiten einem offenem Boote, gehen fie mit wenigen 
Leuten, meill von Cooktown, nach der Küfte Neu-Guineas bis zur 
Louifiade, um nach Fifchereigründen zu fuchen und ihre ambulante 
Station aufzufchlagen. Mit einigen Tafeln Wellblech läfst fich da 
fchon viel thun, und eine folche fogenannte Station ift: das primiti- 
vefte, was man fich denken kann. Aber ohne die Hilfe der Einge- 
borenen läfst fich nichts machen. Sie find es. welche die Holothurien 
bei Ebbe auf dem Riff oder tauchend fammeln, welche Feuerholz 
zum Räuchern herbeifchleppen, wozu grofse Quantitäten erforderlich 
find, und fonft allerlei Dienfle leiften. Glasperlen und andere Kleinig- 
keiten erhalten den Eifer der Eingeborenen bis zum Abfchlufs der 
einige Monate dauernden Campagne rege, mit der die eigentliche 
Bezahlung ft:attfinden foll. Aber gar häufig verfchwindet der biedere 
Weifse ohne diefelbe. vielleicht noch unter Mitnahme einiger Ein- 
geborenen, die anderswo gratis zu arbeiten haben, manchmal ihre 
Heimat überhaupt nicht wiederfehen. Das merken fich die Einge- 
borenen natürlich, und gar mancher Tripangfifcher hat für die Miffe- 
thaten feiner Fachgenoffen, wenn nicht für eigene, büfsen müflen. 
Am Dubu in Maupa an der Südoft;küfte fah ich felbft die Schädel 
neun chinefifcher Tripangfifcher. die durch brutales Betragen ihr 
Schickfal verfchuldet hatten, ein Fall, der von einem englifchen 



IV. Milne-Bai bis Terte-Infel. 277 

Schiffe unterfucht, aber zu Gunften der Eingeborenen entfchieden 
wurde. 

Das IVIiffionshaus auf Dinner-Infel, ganz aus Wellblech, auf hohen 
Pfählen erbaut, mit wirklichen Glasfenftern , erfchien gegenüber der 
fchuppenartigen Kirche gleich einem Palafl. Die Bekehrten und 
die Miffionszöglinge waren in zwei grofsen Grashäufern untergebracht, 
und die ganze Station machte einen lehr freundlichen Eindruck. 
Von der Infel felbft läfst fich dies nicht fagen. Sie befteht an der 
Weflfeite meifl aus Sand und nur die Hügel der Nordoflfeite be- 
fitzen kulturfähigen Boden, während das flache Innere zur Regenzeit 
in eine Lagune verwandelt wird, die jedenfalls einen gefundheits- 
fchädlichen Einflufs ausübt. Infolge des fteilen Bodens giebt es 
mehr Geflrüpp als Bäume auf der Infel, wie auch die Kokospalme 
nur kümmerhch gedeiht. Umfo reicher an letzteren und die Nach- 
barinfein Rogia und Säriba, wo die Miffion auch Filialen und Plan- 
tagen befitzt. 

Von diefen Infein ruderten bald Eingeborene heran, in Kanus, 
die zum Teil nur in einem ausgehöhlten Baumftamm, ohne Ausleger, 
befanden. Sie brachten nur wenig zum Taufch, darunter kleine 
Schilde (Jessi) aus weichem Holz, die jetzt eigens für den Handel 
gemacht werden, aber auch noch einiges aus der guten alten Zeit. 
Darunter Gaiagaia, Armbänder aus einem menfchlichen Unterkiefer, 
die von nahen Anverwandten herflammen und als teure Andenken 
getragen werden. Dagegen fchienen einige Schädel (Romaroma) 
Trophäen erfchlagener Feinde zu fein, wie noch vor wenigen Jahren 
Kannibahsmus auf diefen Infein herrfchte und vielleicht im Kriege 
mit den Fefllandsbewohnern noch heute im ftillen betrieben wird. 
Am meiflen überrafchte es mich, hier Tätowierung zu finden, die ich 
auf allen unferen bisherigen Reifen nicht beobachtet hatte, und die 
felbft auf den nahen d'Entrecafleaux und in Milne-Bai fehlt. Es 
zeigt dies wiederum , dafs manche Sitten und Gebräuche aufseror- 
dentlich lokalifiert verbreitet find. Die Tätowierung der Frauen und 
Mädchen, denn nur folche wenden diefen Körperfchmuck als Ver- 
fchönerungsmittel an, ifl eine fehr eigentümliche und reiche, die 



278 



Sechfles Kapitel. 



zuweilen in Grecmufter Geficht, Arme und die Vorder- und Rück- 
feite des Körpers bedeckt. Die beigegebene Abbildung einer Frau 
von Rogia zeigt diefe charakteriftifche Tätowierung und zugleich 
koftbare Armringe (Mafsuoro) aus dem Querfchnitt einer grofsen 
Kegelfchnecke (Conus millepunctatus). wie wir diefelben fchon auf 
Normanby (S. 215) kennen lernten. 

Ich befchlofs Tefte-Infel (Chas oder Tfchas der Eingeborenen) 
anzulaufen, die äufserfte, füdöftlichfte Infel des Moresby-Archipel, 
welche zuweilen fchon zur Louifiade gerechnet wird. Sie liegt ziem- 
lich ifoliert und fcheint ein Über- 
bleibfel des grofsen gefunkenen 
Barrier-Riffs zu fein, das fich von 
Neu-Guinea bis auf die Louifiade 
erftreckt, deffen Brandung die erften 
Seefahrer fo lange von der Ent- 
deckung der Südoftfpitze Neu- 
Guineas abhielt. Wir genoffen auf 
diefer Reife den Anblick herrlicher, 
fruchtbarer Infein, die fich fafl un- 
unterbrochen von Weft nach Oft 
erflrecken, unter denen Moresby 
(Bafiraki, Wafilaki) mit feinem über 
1200 Fufs hohen Bergrücken be- 
fonders hervortritt. Eine hübfche 
Abwechfelung gewährten die flinken Segelkanus der Eingeborenen 
(Atlas VIII. 9), die fehr rafch vor dem Winde laufen und mit zu 
den heften Fahrzeugen der Südfee gehören. 

Bald zeigte fich Tefte-Infel mit feiner charakteriftilchen Land- 
marke, dem Glockenfels, (S. 279) einem über 400 Fufs hohen, ifoliert 
aus dem Meere auffteigenden Fels, wie ihn die Skizze zeigt. Die 
2 Jf2 Meilen lange Infel felbft gleicht an der Nord feite, wo die »Sa- 
moa« ankerte, einem langgeftreckten, grünen Hügel, mit viel urbar- 
gemachtem Lande, am Strande von Bäumen und Kokoshainen ein- 
gefafst. Auf der kahlen ca. 500 Fufs hohen Mittelkuppe machen 




Tätowierte Frau von Rofjia. 



IV. Milne-Bai bis Teae-Infel. 



79 



fich drei hohe Bäume fchon von weitem bemerkbar und kennzeichnen 
die Infel. Obwohl die Nordfeite unbewohnt ift, fo war unfere An- 
kunft doch bemerkt worden, und Eingeborene erwarteten uns am 
Strande als Führer nach dem Dorfe und der Miffionsftation. Redens- 
arten in gebrochenem Enghfch, wie «How is that Captain me no 
smok?« oder »What for you no pay me cigar?« zeigten, dafs die 
biederen Infulaner gut mit Weifsen bekannt, und das Verlangen nach 
Zigarren, Holzpfeifen und zwölfzölligen Meffern, dafs fie bereits ver- 
wöhnt find. In der That wird Tefte-Infel häufig von kleinen Handels- 
fahrzeugen , namentlich Tripang- 
fifchern befucht, und verfchiedene 
Eingeborene haben an Bord von 
folchen fogar Cooktown kennen 
gelernt. Von der Höhe des Hügels 
eröffneten fich dem Auge fchöne 
Fernblicke auf die kaum 20 Meilen 
entfernten Moresby-Infeln, die En- 
gineer-Gruppe bis Normanby hin, 
aber Neu-Guinea war nicht fichtbar 
Seine Südoflfpitze liegt noch etliche 
30 Meilen ab und die Gebirge der- 
felben find nicht hoch genug. 

Durch reiche Plantagen, nament- 
lich von Bananen, gelangten wir 
nach der Siedelung Kasadekaua, der gröfsten der vier, welche die 
Infel befitzt. Ich war erftaunt über die prächtigen Pfahlbauten, grofse 
Häufer, wie man fie auf einer fo kleinen Infel nicht erwartet. Sie 
ähneln im ganzen denen von Normanby, find aber viel flattlicher, 
ruhen auf foliden behauenen Pfählen, die zum Schutz gegen Ratten 
u. f. w. oberfeits mit einer runden tellerartigen Scheibe verfehen 
find. Die Seitenwände beflehen aus Kokosmatten, welche fich prak- 
tifcherweife verflellen laffen. Das fattelförmig eingebogene Dach ift 
aus einer Art Schilf gefertigt und mit toten Palmblättern belegt. 
An ein paar Häufern fah ich Giebelleiflen mit etwas buntbemaltem 




Glockenfels. 



28o 



Sechfies Kapitel. 



Schnitzwerk, jedoch keine Darfteilung menfchlicher Figuren. Unfere 
Abbildung zeigt den vorherrfchenden Bauftil diefer Infel nebft einer 
Grabftätte, in Form eines Miniaturhaufes, wie fie in ähnlicher Weife 
auch an anderen Plätzen Neu -Guineas (vergl. S. 173) vorkommen. 




Aber nicht alle Häufer find fo ftattlich, fondern es giebt auch kleinere, 
lottrig gebaute, fowie ein ganz befonderes Haus. Dasfelbe fteht 
ebenfalls auf Pfählen, ift fehr grofs (wohl 40 Fufs lang) und zeichnet 



IV. Milne-Rai bis Tefle-Infel. 28 1 

fich durch ovale Form*), mit hohem fchüffelförmigen Dach aus, ein 
Stil, der mir bisher nicht vorgekommen war und ethnologifch von 
ganz befonderem Intereffe ifl:. 

Aufser den Käufern hat fich auf Tefte-Infel aber noch eine 
andere hochintereffante ethnologifche Eigentümlichkeit erhalten, näm- 
lich die Töpferei, welche hier fchwung\'oll betrieben wird. Die geo- 
logifche Formation, verwitterter Bafalt, mit viel, zum Teil kriftalli- 
nifch eingefprengten Schörl, liefert dafür in einem reichen Wacken- 
thon treffliches Material. Ich liefs fogleich ein paar Frauen kommen, 
in deren Händen auch hier, wie überall, allein das Töpfergewerbe 
ruht, und war hoch erfreut, eine ganz befondere Manier kennen zu 
lernen. Die Töpfe Averden nämlich nicht wie in Bilibili (S. 83) oder 
Port ]Moresby aus einem Klumpen Lehm mittelft eines Steines und 
Klopfers getrieben , fondern nur mit den Händen geformt. Wie 
unfere Skizze einer Töpferin bei der Arbeit S. 280) zeigt, macht 
diefelbe eine wurftförmige, etwa daumendicke Rolle aus Thon, die 
fpiralig aufgebaut und mit den Fingern, fowie einer kleinen Mufchel- 
fchale (Tellina) platt geftrichen wird. Das Verfahren ift alfo genau 
dasfelbe, wie es bei unferen pfahlbauenden Vorfahren war, deren ke- 
ramifche Überrefle und Fragmente fo manchen Gelehrten befchäftigen 
und forgfältig zufammengekittet zu den koftbaren Schätzen der 
Mufeen zählen. Hier konnte ich prähiüorifche Töpferei noch von 
Lebenden gehandhabt, vom Kneten des Lehmes bis zu dem ein- 
fachen Brennprozefs (IV. 7) ftudieren. Die Form des hiefigen Fa- 
brikats ift (vergl. Abbild. S. 280 und IV. 6) eine eigentümliche und 
erinnert an tiefe Näpfe oder Schüffein mit rundem Boden. Der obere 
fenkrechte Rand zeigt verfchiedene einfache Randmufler IV. 10), die 
mit gabelförmigen Inftrumenten aus Bambu (IV. 9) eingekratzt werden 
und nicht als Ornament, fondern als Handelsmarke dienen. Denn 
auch hier hat jede Frau ihr eigenes Merk (Kulikulikuto), mit dem 
fie ihr Fabrikat kennzeichnet. Dasfelbe findet weithin, bis auf die 
d'Entrecafleaux, nach Chads-Bai, Südkap (Suau), Woodlark-Infel 



*) Die Abbildung bei Powell (1. c. S. 9) ifl ganz unrichtig. 



282 Sechfies Kapitel. 

(Murua, Mulua), vielleicht auch auf der I.ouifiade, Abfatz. Das kleine 
Chas wird dadurch ein Centrum des Taufchhandels für alle diefe 
Gebiete, denen Töpferei unbekannt ift. Kaum mit brauchbarem 
Holze zum Hausbau verfehen, muffen die Infulaner folches, wie eine 
Menge fertiger Geräte und Waffen, ja einen Teil der Lebensmittel 
von anderswo eintaufchen, Verhältniffe, die fich inzwifchen fehr ver- 
ändert und zum Teil in andere Bahnen gelenkt haben. Durch den 
Verkehr mit Weifsen und die Miffion ifl: es auf Tefle nämlich be- 
reits mit der Steinzeit vorbei und ein grofser Teil Originalität ver- 
loren gegangen. Ich konnte daher nur letzte Refte einer unterge- 
gangenen Kulturepoche retten. So, eigentümliche Holztrommeln, 
grofse flache Holzfchüffeln (Gaibe) mit hübfcher Randverzierung 
(T. III. 4), koloffale an drei Meter lange, ruderförmige Rührlöffel 
(Kolopale) für Sago, mächtige Steinbeilklingen (Gune) bis 32 cm 
lang und 16 cm breit, kurze Handkeulen (Boffim) aus Knochen des 
Spermwal, die an Meri der Neu-Seeländer erinnern (T. XI, 6), fchön 
gefchnitzte Speere (Womari) und Schilde, letztere ganz in der Form, 
wie die in Milne-Bai (S. 271) und einiges andere. Ein Teil diefer 
Gegenftände kommt oder kam von den d'Entrecafteaux (Duau und 
Kulala), von woher ich felbfl Obfidian auf Teüe fah, andere, darunter 
die grofsen, fchönen, feetüchtigen Segelkanus von Mulua oder Murua» 
das in lebhaftem Verkehr geftanden zu haben fcheint und worunter 
die 150 Meilen entfernte Woodlark-Infel zu verflehen ift. Wie in 
Port Moresby aus dem Papuagolf ganze Handelsflotten eintreffen, 
um gegen Sago Töpfe einzutaufchen, fo kommen die Bewohner Mu- 
ruas nach Tefte, um diefes wichtige Küchengerät zu erftehen. Ich 
beobachtete übrigens, dafs die erhandelten Kanus zum Teil erft auf 
Tefte vollendet werden und hier ihren Schmuck an Schnitzereien 
erhalten. Die letzteren find in fehr fchwungvollen Muftern vertieft 
gearbeitet und mit roter und fchwarzer Farbe ausgefchmiert, wozu 
man fleh eines eigentümlichen Inflruments (Keginifs T. VI. 5) aus 
Mufchel (Pinna nigra) bedient. Es mag noch bemerkt fein, dafs auf 
Tefte einzeln noch Catamarans benutzt werden; auch fah ich die eigen- 
tümlichen Fifchfallen von Bentley-Bai (T. IX, i), hier Wuba genannt. 



IV. Milne-Bai bis Tefte-Infel. 



283 



Was die, llark mit Ichth}'Osis behafteten, Eingeborenen anbe- 
langt, fo find fie echte Papuas, die fich von denen des Feftlandes 
in nichts unterfcheiden. wie das beigegebene Porträt eines jungen 
Mannes zeigt. Er trägt das Haupthaar in der üblich aufgezauflen 
Wolke, im Nacken lange Zottelftränge, die mit Cypraeamufcheln 
verziert find. Ich beobachtete übrigens, wie faft allenthalben, auch 
vereinzelt fchlichthaarige Individuen, nicht feiten Kinder mit blondem 
Haar (ohne Einwirkung von Kalk) und ganz europäifche Phyfiogno- 
mien, alles individuelle Abweichungen die, wie befonders erwähnt 
lein mae. mit Vermifchung nichts zu thun haben, denn es giebt auf 





Junges Mädchen von Tefte. Junger Mann vun Ici^^. 

Tefte kein Halbblut. Die Haartracht des weibHchen Gefchlechts ill 
ähnlich wie die des männlichen, und dichtverfilzte Nackenfträhne, 
die Polkalöckchen ähneln, find auch bei ihm beliebt. Unfere Abbildung 
veranfchaulicht eine junge Schönheit, deren franfenartiger Brufllatz 
aus fein geflochtenen Strickchen einen Trauerfchmuck darftellt, wie 
er in ähnlicher Weife auch in Finfchhafen vorkommt. Eine befon- 
dere Art Trauerfchmuck heifst Sapisapi, und befteht aus einem dicken 
Polfter von Haaren, mit Spondylusfcheibchen verziert, das auf der 
linken Rruftfeite getragen wird. Ich offerierte einer Frau hohen 



284 



Sechftes Kapitel. 



Preis, aber vergeblich, da das Haar von ihrer verdorbenen Schwerter 
herrührte, gewifs ein fchöner Beweis von Pietät gegen Verftorbene. 
In derfelben Weife wurden früher hier Unterkiefer naher Anver- 
wandten als Armbänder getragen, welche für Unkundige gewöhnlich 
als Zeichen von Kannibalismus gelten. Diefe Armbänder find durch die 
]\Iiffion abgefchafft worden, aber man mufs es der Londoner Gefell- 
fchaft nachrühmen, dafs fie anderen »heidnifchen« Schmuck duldet. 
So die Tätowierung, die beim weiblichen Gefchlecht hier fehr ver- 
breitet ifl, in Muflern, welche fo ziemlich mit den auf Rogia und 
Sariba gebräuchlichen übereinftimmen. Ich fah kleine Mädchen noch 

im Kindesalter, bei denen mit diefer, 
**"' '^" übrigenswenig fchmerzhaften, Körper- 

verzierung bereits begonnen war. Die 
beigegebene Abbildung zeigt Täto- 
wierung im erften Stadium des Auf- 
zeichnens, was mit Rufs aus gebrann- 
ter Kokosnufsfchale mittelft eines 
Höfzchens gefchieht. Die fchwarze 
Farbe wird dann mit einem fpitzen 
Inftrument (Dorn) in die Haut ein- 
gefchlagen und erfcheint, nachdem 
der leichte Schorf abgeheilt ift, viel 
bläffer, (wie dies die Abbild. S. 278 
zeigt). Die Bekleidung der Infulaner 
ift ganz fo wie überall an der Oftfpitze Neu-Guineas, aber die jungen 
Mädchen (darunter fehr niedliche), paradierten in befonders feinen, 
rot- und fchwarzgeftreiften Faferfchürzchen in Volants mit Schärpe 
(T. XVI. 8). Schmuckfachen (Ohrringe und Halsketten) aus Spon- 
dylusfcheibchen, die von Murua kommen, waren nicht feiten, aber 
meift unverkäuflich, wie die eleganten, etwas gekrümmten Nafenftifte 
(Panaiate) aus dem Schlofsteil einer Hippopurmufchel, mit denen 
namentlich junge Mädchen kokettierten (vergl. Abbild, oben). 

Moresby, der 1872 als der erfte Weifse Tefte-Infel betrat und 
fehr freundlich empfangen wurde, fah noch zahlreiche Schädel er- 




Aufgezeichnete Tätowierung. 



IV. Milne-Bai bis Tefte-Infel. 285 

fchlagener Feinde als Trophäen an den Häufern aufgehangen. Die 
Infulaner waren damals kriegerifch und wie alle Bewohner des Ar- 
chipels (und der Louifiade) Kannibalen. Das hat jetzt glücklicher- 
weife aufgehört, die Bewohner brauchen keine Waffen mehr und 
führen unter der Ägide der Miffion ein friedliches Leben, find aber 
feitdem an Zahl bedeutend zurückgegangen und auf ca. 300 Köpfe 
zufammengefchmolzen. Die hiefige Sprache ifi:, um dies noch zu 
bemerken, fehr nahe mit der von Rogia und den übrigen Infein des 
Moresby-Archipels verwandt. Der farbige Lehrer, Idande, ein dunkler 
Lifumann, hat grofsen Einflufs und regiert die, meifi; der Miffion 
angehörenden, Eingeborenen als der erfle Häuptling. Seine Station 
war fehr gut gehalten, die Kirche aber, wie fo häufig, das fchlechtefte 
Gebäude. Es mag dabei bemerkt fein, dafs die Lehrer die Häufer 
ohne befondere Entfchädigung zu bauen haben. Aufser Hühnern, 
die überall an Miffionsftationen gehalten werden, aber feiten zu haben 
find, befafs Idande auch Gänfe und Schweine europäifcher Raffe, 
fowie treffliche Hunde. Letztere find auch durch Tripangfifcher 
nach der Oflfpitze Neu-Guineas gebracht worden und haben hier an 
manchen Orten die eingeborene Raffe bereits verdrängt. Ich über- 
nachtete bei Idande, der als früherer Matrofe auf einem Walfifch- 
fahrer mancherlei zu erzählen wufste und fich als geborener Fran- 
zofe mit lebhaftem Intereffe nach dem deutfch-franzöfifchen Kriege 
erkundigte, über den ich ihm zu feiner Freude aus eigener Anfchau- 
ung berichten konnte. Er gehörte zu den Veteranen der Miffion, 
welche 1871 zuerfl von den Rev. Murray und Mac Farlane in Neu- 
Guinea eingefetzt wurden und die im Anfange gar viel durchzumachen 
hatten. Mit Dankbarkeit erinnerte er fich Kapitän Moresby's, der 
ihn, wie fo manchen der fchlecht verforgten Lehrer, faft vom Hunger- 
tode*) rettete. Wie Miffionslehrer gewöhnlich zu thun pflegen, 
klagte auch Idande, infolge des langen Ausbleibens des Miffions- 
fchiffes, über Mangel verfchiedener notwendiger Provifionen, wie 
Salz, Zucker, Streichhölzer, Mehl, Petroleum, Tabak, und ich freute 



*) Vergl. auch Moresby 1. c. S. 165. 



286 Sechftes Kapitel. 

mich, ihm aushelfen zu können. Als Gegengefchenk liefs er zum 
Abfchiede zwei alte Hähne und eine Ananas an Bord bringen, die 
erfte und einzige, welche ich auf unferen bisherigen Fahrten gefehen 
hatte. Ich beftimmte fie zu einer Bowle, mit der wir Silvefter feiern 
wollten, aber es kam, wie fo oft, andersi In Bewunderung der fpiegel- 
glatten See und eines herrlichen Zodiakallichtes, das mit Unter- 
gang der Sonne 6 Uhr 21 Minuten den wefllichen Himmel bis 7, 23 
in verfchiedenen zarten Tinten färbte, fafsen wir gemütlich auf 
dem kleinen Quarterdeck. Die Bowle ftand auf dem Kajütstifche 
und war im W'aüerfilter angerichtet. Eben wollte ich den letzte- 
ren vorfichtshalber feftbinden , da machte das Schiff eine Bewe- 
gung — krach! und mit unferer Bowle und Silveflerfeier war es 
vorbei I 

Tefle-Infel liegt nur etwa 400 ^leilen von Cooktown entfernt, un- 
ferem damaligen Reifeziel, wo die Ankunft eines Dampfers unter 
deutfcher Flagge grofse Aufregung verurfachte. ]\Ian erging fich in 
allerlei wunderlichen Vermutungen, hatte aber die Beteiligung der 
»Samoa« bei der Befitzergreifung Deutschlands in Neu -Guinea bald 
heraus. 

Und dafs man, bei den damaligen Anflehten der Koloniften, 
darüber nicht eben erbaut war, läfst fich begreifen; betrachtete doch 
Auflralien, befonders Queensland und Victoria, die Papuaregion, in- 
fonderheit Neu-Guinea als ihr angeflammtes Erbe. In der Town- 
Hall wurde ein »Indignation-Meeting« unter dem Vorfitz des Mayor 
abgehalten und Englands Politik, die Übergriffe Deutfchlands über- 
haupt zugelaffen zu haben, auf das ärgfte getadelt. Da man den 
armen Gladflone nicht bei der Hand hatte, konzentrierte fich der 
ganze Unmut von Preffe und Publikum auf mein Haupt. Während 
die erftere einmal faktifch drohte, mich mitfamt der »Samoa« in 
die Luft zu fprengen, hörte ich nicht feiten beim Vorübergehen die 
Worte »that is the fellow who stol us Xew Guinea« ! Wahrhaftig, 
wer die Kolonien mit ihrem »free and easy« nicht gekannt hätte, 
konnte fich in Cooktown unbehaglicher als unter Wilden fühlen, die 
weni^itens keinen Dvnamit befitzen. 



IV. Milne-Bai bis Tefte-Iulel. 28? 

Aber ich kümmerte mich nicht um die Leute und liefs fie 
reden, was fie wollten. Wufste ich doch zur Genüge, dafs es nicht 
fchlimm werden würde, und dafs ich nichts zu fürchten hatte. 
Dafür bürgte fchon der mächtige Schutz der deutfchen Flagge und 
der Refpekt vor unferem grofsen Reichskanzler, der, wie fich die 
Leute nicht ausreden liefsen, den Doktor mit der »Samoa« aus- 
eefandt haben follte. 



Siebentes Kapitel. 



Kaifer Wilhelmsland. 

I. Längs der unbekannten Nordküfte. 

Unfere Vorgänger. — Vulkan-Infel. — Weithin fchmutzig gefärbtes Meer. — Bei Venus- 
huk. — Eingeborene. — Ethnologifches und Anthropologifches. — Bedenken gegen die 
Weiterreife. — Scheuten und le Maire. — Längs unbekannter Küfle. — Wir entdecken 
den Kaiferin Auguftaflufs — Hanfemann-Kiifle. — Zufammentreften mit Eingeborenen. — 
Krauel-Bucht. — Eingeborene am Capriviflufs. — Albino. — Kap Dallmann — Neue 
Buchten. — Prinz Alexander-Gebirge — Dallmannhafen. — Eingeborene. — Landexkur- 
fion. — Dorf Rabun. — Hausbau. — Frauen. — Tabuhaus. — Gaftfreundfchaft. — Ein 
Papuadinner. — Papuanifche Auffaffung europäifcher Utenfilien. — Spielzeug. — Elektri- 
fiermafchine. — Ich foll Häuptling werden. — Mufchu. — Infel Guap. — Eingeborene 
derfelben. — Bruftbeutel. — Aufserer Ausputz derfelben. — Inhalt. — Waffen. — Kanus. 

— Wiederfehen. — Paris oder Aarsau. — Finfchkiifte. — Neue Flüffe — Kafkade- 
flufs. — Malgari und feine beiden Söhne — Macht der Mufik — Wieder neue Flüffe. 

— Tagai. — Auf Palmblättern. — Pfeil und Bogen — Paradiesvögel. — Koloffales 
Haar. — Torricelli-Gebirge. — Kein Paffier-Point. — Sainfon-Infeln. — Berlinhafen. — 
Sanssouci. — Kopradiftrikt. — Neue Flüffe. — Grofse Lagune. — Schacher mit Ein- 
geborenen. — Ethnologifches Sammeln. — Kein Karan-Riff — Maffilia — Eingeborene. 

— Berg Bougainville. - Angriffshafen. — Eingeborene — im Kriegsfeh muck. — Neues 
ethnologifches Gebiet. — Enorme Nafenkeile. — Anthropologifches. — Pfiffigkeit. — 
Ausficht auf Humboldt -Bai. — Germaniahuk. — Zu Anker am Sechstrohflufs. — Ein- 
geborene. — Vorficht nötig, — Schwieriger Handel. — Ethnologifches — Efsbare Erde. 

Von allen Küften Neu-Guineas war wohl keine weniger bekannt 
als die nordöftliche zwifchen Aftrolabe- und Humboldt-Bai, eine 
Strecke, die, in der Luftlinie gemeffen, fechs Grade oder nahezu 360 
Meilen deckt. Was die Karten hier v^erzeichneten, ift den Ent- 
deckungsreifen der franzöfifchen Kriegsfchiffe »Coquille« unter Du- 
perrey (1823) und »Aftrolabe« unter Dumont d'Urville (1827) zu 



Kailer Wilhelmsland (Nordküfte). 280 

verdanken, wie fchon aus der franzöfifchen Xamengebung hervor- 
geht. Sie bezieht fich, aufser richtig feftgelegten Infein, auf 16 vor- 
fpringende Punkte der Küfte, Kaps oder Huks, mit erheblichen 
Lücken dazwifchen. Für grofse Strecken hatten die Schiffe nämlich 
fo weit vom Lande abzuhalten, dafs fie die Küfle nur Achteten, an 
wenigen Stellen kamen fie ihr näher, nirgends betraten fie diefelbe. 
Nur einmal war dies überhaupt gefchehen, aber lange, lange vorher 
und zwar bei der denkwürdigen Weltreife von Jacob le Maire und 
Willem Schouten (fprich: Schauten), die im Juli 1616 an einem nicht 
mehr genau auszumachenden Punkt, auf den wir noch zurückkommen, 
als die Erflen und Letzten wirklich landeten. Das Schickfal hatte 
uns vergönnt in die Fufstapfen der glorreichen niederländifchen 
Seehelden zu treten, denn unfere bisherigen Reifen liefsen in Kaifer 
Wilhelmsland nur jene oben erwähnte Küfte übrig, die unbekann- 
tere überhaupt. So bezeichnete fie Robide van der Aa, der befte 
Kenner der Litteratur über Neu-Guinea, noch Ende 1883. Das bei- 
gegebene Kärtchen (S. 290)*) wird, im Verein mit der Uberfichts- 
karte, wenigflens foweit zur Orientierung dienen, um unferer Reife 
einigermafsen folgen zu können. 

Beinahe hätte ich diefe Reife überhaupt nicht mitmachen können 
und unfreiwillig eine andere machen muffen, die jedem früher oder 
fpäter einmal bevorfleht. Wie ein Dieb in der Nacht kam nämlich 
ganz plötzlich ein Choleraanfall über mich, und hätte den Namen 
meines kleinen Haufes in Mioko «onverwacht« (unerwartet) bald in 
einer Richtung wahr gemacht, die mir bei der Verleihung am aller- 
wenigften vorfchwebte. 



*) Eine grofse Kiiften-Kartenfkizze (Mafsüab I == 300 000) ift nach meinen Materia- 
lien von dem talentvollen Kartographen Louis von der Vecht in Berlin gezeichnet, aber 
bisher nicht publiziert worden. Da die „Samoa" faft ununterbrochen nahe der Küfle 
dampfte, fo konnten fchon deshalb die bisherigen Aufnahmen vielfach berichtigt und 
Lücken ausgefüllt werden, wenn auch für fpätere Kartierung noch viel zu thun bleibt. 
Aber man darf nicht vergeffen, dafs wir nur eine erde Rekognoszierungsfahrt machten, 
und unfere Navigateure nur zehn Punkte nach Peilungen beflimmen konnten. Findlay's 
„South Sea- Directory verzeichnete damals aber für ganz Neu-Guinea nur 38 aflrüno- 
mifche Aufnahmen, darunter eine für diefen Teil der Küfle. 

Finfch, Samoafahrten. Ig 



290 



Siebentes Kapitel. 



Mit aller Macht wurde zu der bevorftehenden grofsen Reife ge- 
rüftet. Wie faft immer in Mioko ging dies aber, fchon des Kohlen- 




ladens wegen, nicht fo rafch und erft am 5. Mai (1885) verliefs 
die »Samoa« feeklar, den Hafen. Sie führte, »all hands« gerechnet, 



Kaifer Wilhelmsland (Nordküfte). 29 1 

18 Mann an Bord, eine Macht, die es auch ohne Kanonen mit den Ein- 
geborenen aufnehmen konnte, wegen denen wir uns überhaupt keine 
Sorge machten. Aber was wir in unferer diesmaligen Ausrüftung 
mit Bedauern vermifsten, waren Hunde, da die von Sydney und 
Cooktown mitgebrachten leider, meift an Hitzfchlag, eingegangen 
waren, Hunde fmd namentlich für kleinere Schifte nützlicher als 
Kanonen, und nichts hilft wirkungsvoller das Deck von Eingeborenen 
klären, als ein kläftender Köter. 

Für Abergläubige bot gleich der Anfang unferer Reife ungün- 
ftige Vorzeichen. Denn kaum waren wir aufserhalb der Paffage, fo 
fland die Mafchine ftill, bald darauf ein zweites Mall Glücklicher- 
weife gelang es aber Meifter Nielfen beidemale, fie wieder in ftand 
zu fetzen, fo dafs wir wenigftens nicht umzukehren brauchten. In 
der Frühe des vierten Tages zeigte fich hohes Land, die in Wolken 
eingehüllte Infel Vulkan, bald darauf Lefson und erfl: fpäter, gleich 
einem fchmalen blauen Streif am Horizont, die Feftlandsküfte. Wir 
dampften ihr zu und fahen die bisher ifolierten Hügel bereits zu 
Ketten vereint, als plötzlich das Kommando »stopp« die Fahrt unter- 
brach. Eine befondere Erfcheinung veranlafste dasfelbe, denn foweit 
das Auge reichte, war auf einmal grüngefärbtes Waffer voraus, das 
von dem dunkelblauen, wie mit einem Meffer, durch einen weifsen 
Streif abgefchnitten erfchien. Der ganze Eindruck war der eines Un- 
geheuern Riffs und mahnte zur Vorficht wie zum Loten. Aber 
ofechzehn Faden und kein Grund«, liefs fich der Mann mit der 
Leine unabänderlich vernehmen, und fo dampften wir durch die 
Kabbelung des weifsen Gifchtflreifes in das trübe grüne Waffer 
hinein. Es fchmeckte wenig falzig und liefs keinen Zweifel, dafs wir 
es mit Auswäfferung von Flüffen zu thun hatten, wie dies Unmaffen 
von Treibholz, darunter ganze Baumftämme mit Aflien und Blättern, 
vollends bewiefen. Nach der Küfte zu fleuernd, die wie ein ununter- 
brochener Waldftreif erfchien, fpäter reiche Palmenbeflände zeigte, 
gingen wir gegen Abend kaum mehr als zwei Meilen vom Ufer in 
fünf Faden Mudd zu Anker. Eine Gruppe befonders hoher Kafua- 

rinen ca. fechs Meilen zu Weft war Venus -Point der Karten, eine 

19- 



292 



Siebentes Kapitel. 



andere ganz ähnliche, noch weiter weftlich Cap de la Torre*). Vor 
uns am Ufer lagen, verfteckt unter Kokospalmen, drei Dörfer, deren 
Bewohner mächtige Feuer anzündeten und bald in Kanus abkamen. 
Schon die letzteren zeichneten fich durch merkwürdigen Putz der 
Maftfpitze aus. An der einen war die Nachbildung eines Fregatt- 
vogels aus Federn (Atlas VIII. 4), an einer anderen fonderbarer 




Mann im Kanu, Venushuk. 

Faferfchmuck mit einem Kreuz an der äufserften Spitze (VIII. 3) be- 
feftigt. Noch mehr intereffierten uns aber die Infaffen felbft, deren 
fonderbare Haartracht am meiflen auffiel. Sie vereinigt das Haar 
am Hinterkopf zu einem abftehenden, dichtverfilzten Zopf, der häufig 
in einem zierlich geflochtenen konifchen Körbchen (XVIII. i) fteckte, 
das oft noch befonders gefchmückt war. Neben diefem Haarputz im- 
ponierten gewaltige Zwickelbärte, wie ihn der Mann auf der Abbildung 



*) Von d'Urville nach dem fpanifchen Seefahrer Bernardo de la Torre benannt, der 
übrigens mit der Entdeckung Neu-Guineas nichts zu thun hatte. 



Kailer Wilhelmsland (Xordküfte). 293 

zeigt, der zugleich mit einem jener reichverzierten Schamfchurze aus 
Tapa bekleidet ift, die ich nur hier beobachtete. Für gewöhnlich 
find fie, zwar forgfältiger und decenter als fonft, viel einfacher (wie 
T. XVI. 2). Der übrige Körperausputz war lehr mannigfach. Schnüre 
aufgereihter kleiner Mufcheln (Nafsa) und Hundezähnen, um Stirn, 
Hals oder Hüfte gefchlungen, fpielten eine hervorragende Rolle. Kopf- 
putz aus Wülften von gefchorenen Kafuarfedern, ganz wie folcher 
an der Südoflküfte vorkommt, war auch hier vorhanden. Selbftredend 
fehlten Armbänder nicht und zwar waren gewöhnliche, aus Pflanzen- 
fafer geflochten, am häufigften; es gab aber auch folche aus gebo- 
genem Schildpatt, mit kunflvoller Gravierung, wie wir fie in Aftrolabe 
{XIX. 2) kennen lernten. Ohr- und Nafenfchmuck war kaum vertreten 
und ftatt des Ohrläppchens der Ohrrand durchbohrt. Kunftvolle Ro- 
fetten aus Hundezähnen (XXI. 4' als Brufhfchmuck erfchienen mir neu, 
ebenfo Leibfchnüre (XXIV. 4) aus eigentümlich auf Baftftreifen ge- 
flochtenen Mufcheln (Nafsa), die wahrfcheinlich auch als Geld dienen. 
Ich fah auch fehr hübfche Frauenfaferfchurze, in der bekannten Weife 
rot, gelb und fchwarz gefärbt, aber fehr elegant mit Mufcheln und 
Ringen aus Conus verziert. Die meiflen Männer trugen hübfche, 
zuweilen reich mit Scherben von Cymbiummufchel verzierte, geftrickte 
Bruftbeutel und führten noch eine befondere Art Tragkörbe*) mit 
fich. Sie waren aus Pandanus- oder Kokosblatt geflochten und in 
eigentümhcher Weife mit buntgefärbter, kurzgefchorener Pflanzen- 
fafer, plüfchartig befetzt, aufserdem mit kleinen Mufcheln verziert. 
Die Leute fchienen ganz unbewaffnet, waren aber doch für alle 
Fälle vorgefehen und brachten nach und nach Unmaffen Speere und 
Wurfpfeile zum Taufch, die fie forgfältig in den Kanus verfieckt 
hatten. Diefe Wurffpeere, i, 60 bis 2, 40 Meter lang, waren aus Rohr, 
mit langen Holzfpitzen, zum Teil in fehr verfchiedenartige und kunft- 
volle Kerbzähne und Widerhaken ausgefchnitzt. Für den Handwurf 
zu leicht, für den Bogen zu fchwer, wufste ich anfangs nicht recht. 



*) Ein folcher Korb ift weiter zurück abgebildet, aber aus Verfehen des Zeichners 
einem Manne von Guap in die Hand gegeben. 



2QA Siebeutes Kapitel. 

wie ich diefe Speere deuten follte, bis die Frage durch ein befon- 
deres Gerät gelöft wurde. Dasfelbe beftand in einem ca. 70 cm langen 
Stück Bambu mit feingefchnitzter hölzerner Handhabe und erwies fich 
als Wurfftock (T. XI. 3), zum Werfen jener Pfeile (XI. 2), eine Methode, 
die bisher nicht in X^eu-Guinea beobachtet wurde und ethnologifch ganz 
befonderes Intereffe verdient. Bogen fehlten; aber ich beobachtete 
fchöne Dolche aus Kafuarknochen. In Schnitzarbeiten fchienen die 
Leute fehr gefchickt, wie dies namentlich ihre Kanus zeigten, deren 
Schnäbel und Borde zuweilen in kunftvoller Weife damit verziert 
waren. Krokodilfiguren kamen dabei nicht feiten und zwar in recht 
naturgetreuer Darflellung vor. So fehen wir auf der Abbildung (S. 292) 
an einem folchen Kanufchnabel ein Krokodil, deffen Schwanz in den 
Kopf eines Nashornvogels (Buceros) übergeht und im Atlas (VII. 5) 
einen Krokodilkopf in Verbindung mit einem Menfchengeficht, dem 
Augen aus Perlmutter eingefetzt waren. Die Kanus beftanden übri- 
gens nur in 20 bis 30 Fufs langen ausgehöhlten Baumftämmen und 
ähnelten in der Bauart denen von Aftrolabe-Bai. Einzelne trugen 
18 Mann. 

Die eigentümlichen Haarzöpfe gaben diefen Eingeborenen ein 
mikronefifches Anfehen, aber fie waren echte Papuas, etwas heller 
als X^eu-Britannier gefärbt, wie die meiflen Papuas Neu-Guineas. Sie 
erfchienen im ganzen kräftiger als die an der Oftfpitze, und es gab 
wenig Hautkrankheiten unter ihnen, aber ich beobachtete bei ein- 
zelnen Pockennarben. Obwohl fehr lärmend und untereinander häufig 
flreiteud, liefs fich doch gut mit den Leuten handeln. Sie befafsen 
nichts an europäifchen Sachen*), intereffierten fich weder für rotes 
Zeug, Glasperlen noch Tabak, gaben nichts um Aleffer, erhoben aber 
ein Freudengefchrei, als ich Bandeifen (kiram) zeigte. Sie brachten 
fehr fchöne grofse Kokosnüffe, etwas Taro, Bananen und Unmaffen 
aufgereihter zvveifchahger Flufsmufcheln (Batissa violacea und Fin- 
schii), die gegeffen werden. Aufser Betel und Tabak, der in derfelben 



*) In einem Tragbeutel fand ich fpäter ein kleines, 7 cm langes Stück verroftetes 
Bandeifen von einer Kifte. 



Kaifer Wilhelmsland (Nordküfte). 205 

Weife Avie in Altrolabe (S. 59) geraucht wird, beobachtete ich hier 
zuerft efsbare Erde und — einen Kolben !Mais. Er war fehr klein 
und wurde von einem Manne als Zierat im Haar getragen. Es wäre 
fehr intereffant gewefen, heraus zu bekommen, ob diefer Mais ange- 
baut wird, denn bisher kannte man diefe Nutzpflanze nicht aus Neu- 
Guinea. Aber Maclay brachte fie nach Aftrolabe-Bai. 

Wie auf ein gegebenes Zeichen verliefsen uns die Eingeborenen 
vor Sonnenuntergang, wahrfcheinlich um noch vor Einbruch der 
Dunkelheit durch die Brandung zu kommen. Sie fchieden als Freunde, 
denn unfer Bündnis war durch eine befondere Ceremonie befiegelt 
worden. Ein Häuptling nahm ein Kokosblatt, an dem die Fiedern 
bis auf einen kurzen Bafisteil abgefchnitten waren und fpaltete das- 
felbe in zwei Längshälften, wovon die eine am Maft feines Kanus 
befeftigt, die andere mir als Friedenszeichen übergeben wurde. Auch 
ich liefs dasfelbe am Mafte anbinden, was den Leuten fichtliche 
Freude machte. 

Es war ruhig geworden, aber wir konnten diefe Ruhe und den 
wunderbar fchönen Sonnenuntergang mit darauffolgendem herrlichen 
Zodiakallicht nur wenig geniefsen, da andere wichtigere Betrachtun- 
gen uns zu lebhaft befchäftigten. Sie betrafen die Weiterreifc, wegen 
der Schiffsrat gehalten wurde. Wir waren in jener Region, wo trüb- 
gefärbtes Waffer unfere Vorgänger veranlafst hatte, der Küfle aus- 
zuweichen, upd Kapitän Dallmann neigte anfangs fehr dazu d'Urville's 
Beifpiel zu folgen. Als Schiffsführer verantwortlich, durfte es ihm ge- 
wagt erfcheinen, die Fahrt in Gewäffern fortzufetzen, deren unficht- 
baren Gefahren (toten Riffen u. f. w.) nur wenig Sicherheitsmafsregeln 
gegenüber geftellt werden konnten. Denn Lotungen genügten nicht, 
um ein Aufrennen zu verhindern und das einzige wirkfame Hilfsmittel, 
eine Damptbarkaffe, fehlte leider. Aus naturwiffenfchaftlichen Grün- 
den konnte ich wohl mit ziemlicher Gewifsheit den Mangel von 
Korallriffen infolge des geringen Salzgehaltes des Meerwaffers be- 
gründen, aber nicht zugleich auch das Fehlen von Felfen und anderen 
Schiffahrtshinderniffen garantieren. Freilich fuhren wir nicht zum 
errtenmale in trübgefärbtem Waffer und lagen auch hier bereits in 



2q6 Siebentes Kapitel. 

folchem gemütlich vor Anker, aber wer konnte vorausfagen, ob die 
Verhältniffe immer fo günftig bleiben würden. Zu einer unfreiwilligen 
Robinfoniade verfpürte ich felbft, wie alle, zwar auch keine Luft, 
aber eine Fortfetzung der Reife weitab von der Küfte hatte über- 
haupt keinen Zweck und fchliefslich mufste doch überhaupt einmal 
der Anfang gemacht werden, diefelbe auch in der Nähe kennen zu 
lernen. Der Gedanke, kurz vor jenen Flüffen wieder umzukehren, 
über deren Vorhandenfein hier herum fchon Schonten und le Maire 
berichteten , war zu niederdrückend und ihr leuchtendes Vorbild 
konnte mit als Argument dienen. Sie waren die Erften, welche am 
6. JuH 1616 die brennende Infel »Vulkanus« entdeckten und durch 
Mangel an Lebensmitteln und Waffer gezwungen mit ihrem Segel- 
fchiff »de Eendracht« (Eintracht) in das trübgefärbte W'affer hinein 
bis an die Küfte zu gehen, wo man am 9. und 10. Juli in einer Bucht 
ankerte. Sie erhielt fpäter den Namen Cornelis Kniers-Bai, läfst fich 
aber nicht mehr mit Sicherheit ausmachen. Nach meinem Dafür- 
halten mufs fie ca. 50 Meilen Weft von Kap de la Torre ■ Viaken 
Hook) liegen, denn damit ftimmt noch am beften das Wenige über- 
ein, was Schonten über die Eingeborenen fagt. Sie waren (wie wir 
es auch fanden freundlich, hatten aber nur wenig Kokosnüffe, und 
gaben »für einen Faden Leinwand nur vier Stück«. Ja, ja! das waren 
noch Entdeckungsreifen I und niemand konnte die Thaten der alten 
Seefahrer beffer beurteilen und würdigen als wir an diefer Stelle. 
Gegen Sonnenuntergang kam die Spitze des Berges frei von Wolken 
und erfchien wie die ganze Infel in wunderbar fcharfer Beleuchtune. 
Rofiger Schein umflofs den Kraterrand, deffen im Weften einge- 
ftürzter Trichter deutlicli eine feurige Stelle, wie einen brennenden 
Spalt zeigte, die nach Einbruch der Dunkelheit weit intenfiver her- 
vortrat, bis nach und nach Wolken den Berg verhüllten. Aber er 
hatte zu uns gefprochen im Geifte le Maire's und Schouten's, die vor 
mehr als 250 Jahren vielleicht auch hier herum über die Weiterreife 
nachdachten. Und wir, mit einem Dampfer, hätten umkehren follen? 
nimmermehrl Die Erinnerung an die kühnen Niederländer gab den 
Ausfchlag, und die Reife wurde am anderen Morgen längs der Küfte 



Kaifer Wilhelmsland (Nordküfte). 2Q7 

fortgefetzt. Sie erfcheint flach, dicht bewaldet, mit niedrigen Hügel- 
reihen, weiter inland einer höheren Bergkette und dürfte brauchbares 
Kulturland aufweifen. Berg Jullien der Karten liefs fich nicht ficher 
ausmachen. 

Wir hatten jetzt Broken-Water-Bai vor uns. von Powell fo be- 
nannt, der aber im übrigen nichts über diefelbe berichtet, (1. c. 
S. 512). Zahlreiche Treibholzftämm.e und die von Grün in ein trübes 
Lehmbraun übergehende Farbe des Meeres zeigten immer deutlicher, 
dafs Flufsmündungen nicht fern fein konnten. Wirklich paffierten 
wir bald darauf eine folche*) und etwa fünf bis fechs Meilen weiter 
wefllich einen anderen anfehnlichen Flufs, den ich Prinz Wilhelm- 
flufs zu nennen mir erlaubte. Da fich vor demfelben Brandung 
zeigte, fo hielten wir nach Kap de la Torre zu, einem nicht fehr 
auffallenden Küftenvorfprung mit einer Gruppe höherer Bäume. 
Aber noch ehe wir das Kap erreichten, färbte fich das Waffer wieder 
trüb braun, und bald darauf zeigte fich die Mündung eines bedeu- 
tenden Fluffes, vor der die »Samoa« ca. zwei Meilen in fünf Faden 
bereits in Süfswaffer ankerte. Mit dem erften Offizier Sechstroh 
machte ich fogleich im Waleboot eine Rekognoszierung, aber die 
Strömung nahm bald fo zu, dafs fich mit Rudern nicht gegen die- 
felbe ankämpfen liefs. Glücklicherweife erlaubte eine auffpringende 
Briefe Segel zu fetzen und fo war es möglich, bis in die eigentliche 
Mündung vorzudringen, deren Breite wir auf ca. eine halbe Meile 
fchätzten. Die Ufer zeigten, wie die der ca. vier Meilen breiten 
Mündungsbucht dichten Baumwuchs, darunter viel Nipapalmen, die 
auf fumpfige Befchafifenheit fchliefsen laffen. Am linken Ufer be- 
merkten wir zuerfl: ein paar fchlechte Hütten, dann zwei gröfsere 
Häufer, deren Bewohner aber in ihren grofsen Kanus eiligfl flüch- 
teten. Später fammelten fich circa fünfzig bewafl"nete Eingeborene 
auf der mit viel Treibholz befetzten Sandbank des rechten Ufers, 
aber da hier gerade der flärkfle Strom läuft . fo war es nicht mösf- 



*) Ottilien-Flufs des Freiherrn von Schleinitz, dem mit Hauptmann Dreger die ge- 
nauere Aufnahme der Kiifte von Irishuk bis Kap de la Torre zu verdanken i!l. (Nach- 
richten aus Kaifer Wilh. Land 1887. Heft 11). 



2q8 Siebentes Kapitel. 

lieh, mit ihnen zu verkehren oder ihnen nur Gefchenke zuzuwerfen. 
Überliaupt hatten wir auch Wichtigeres zu thun, nämHch zu loten, 
und kamen dabei zu dem wichtigen Refultat, dafs der Flufs voll- 
kommen frei und für Schiffe wie die »Samoa« (mit ca. drei Meter 
Tiefgang) vorausfichtlich befahrbar fein dürfte. Wie weit? blieb frei- 
lich fpäteren Unterfuchungen vorbehalten , da wir felbft natürlich 
an eine folche nicht denken konnten. Aber der feit mehr als 250 
Jahren hier herum vermutete Flufs war endlich gefunden, und wahr- 
fcheinlich zugleich der gröfste, nicht nur in Kaifer Wilhelmsland^ 
fondern an der ganzen Oftküfte Neu -Guineas überhaupt. Mit der 
Entdeckung eines folchen Fluffes durften Hoffnungen auf eine prakti- 
kable Wafferftrafse, fruchtbare Uferftrecken u. f. w. verknüpft werden, 
die fich feitdem zum Teil erfüllten. Der »Kaiferin Auguftaflufs«, 
wie ich ihn benannte, ifl: wiederholt und ohne Schwierigkeiten mit 
Dampfern, zuletzt 380 Meilen weit, befahren, und feine Wafferflrafse 
gröfser als die des Rheines gefchätzt worden. Er bietet einen Weg 
zur Erfchliefsung des Binnenlandes bis nahe zur Grenze des hollän- 
difchen Gebietes von eminenterer Wichtigkeit. Ja, wer in Auftralien 
einen folchen Flufs entdecken könnte, dem wäre geholfen! 

Am anderen Morgen (10. Mai) dampfte die »Samoa« in W.-N.-W.- 
Kurs längs jener bisher nur punktiert auf den Karten eingetragenen, 
65 Meilen langen Küfte weiter, die ich, nach dem eigentlichen Ur- 
heber der Samoafahrten und der deutfchen Kolonifation in Neu- 
Guinea, Hanfemann-Küfle benannte. Sie verläuft ohne tiefere Buch- 
ten gleich- und einförmig waldgefäumt, dürfte aber für Kulturzwecke 
einmal hohe Bedeutung erlangen, denn nirgends hatte ich bisher fo 
ausgedehntes Flachland angetroffen als an diefer Küfte, die nur weiter 
inland niedrige Hügelreihen zeigt. Sie fcheint wenig bewohnt, denn 
nur an der Mündung zweier Flüffe (Hammacher- und Eckardtftein- 
Flufs), die das Meer weithin trüb färbten, beobachtete ich Kokos- 
palmen und zählte fünf Siedelungen. Die Landungsverhältniffe der 
Hanfemannküfte fcheinen übrigens nicht günftig, da wir längs der- 
felben Brandung beobachteten. In der Nähe des Hammacher-Fluffes 
circa zehn Meilen Weft von Kap de la Torre kamen fechs Segelkanus 



Kaifer Wilhelmsland (Nordküfte). 



299 



(T. VIII, 5, 7) mit Eingeborenen ab und längsfeit; doch getrauten 
fich die letzteren nicht an Bord. Sie glichen den zuerfl gefehenen 
von Venushuk und trugen wie diefe das Haar in einem Körbchen 
oder wie der Mann auf der Abbildung einen dicken Zopf, der mit 
Binden aus Hundezähnen und Blättern verziert ift. Der weitere Aus- 
putz befteht in einem Bruüfchmuck aus einer konkaven Scheibe von 
Cymbiummufchel, mit Kettchen aus fchwarzen Samenkernen und 
Kauris, der mit das 
Wertvollfte zu fein 
fcheint. Am Backen- 
bart fmd Stückchen 
Perlfchale, Hunde- 
zähne oder ]\Iufchel- 
ringe befeftigt, im 
durchbohrten Ohr- 
rande wie in den 
Nafenflügeln flecken 
grüneBlattflückchen. 
Andere Männer tru- 
gen eigentümliche, 
reichverzierte, lange 
Kämme (T. XVII, 2) 
mit Kettchen und 
Federn im Haar und 
befonderen Nafen- 
fchmuck aus Perl- 
mutter (XX, 5;. 

Zu meiner Freude 
erhielt ich auch einen jener kofibaren zirkelrunden Eberhauer (S. 91), 
welche die Eingeborenen bei Venushuk um keinen Preis hergeben 
wollten. Diefer Zahn war noch aufserdem in der ]\Iitte zierlich mit 
rotem Strohgeflecht umwickelt, das dazu diente — die Fälfchung zu ver- 
decken, denn er befland aus zwei Stücken. Ja! nicht alle können 
echte Brillanten tragen, und auch bei den Papuas mufs fich mancher 




Bewohner der Hanfemannküfte. 



_20o Siebentes Kapitel. 

mit Simile behelfen. — Alle waren mit Schamfchurzen aus Tapa 
bekleidet. Ein eigentümliches Mufikinftrument intereffierte mich 
befonders deshalb, weil ich es in ganz gleicher Weife auch an der 
Südoftküfte (Port Moresby) erhalten hatte. Es befteht aus einem 
Stück Bambu mit einem zungenartigen Etnfchnitt und dient zum 
Taktfchlagen bei Begleitung der Gefänge. An Waffen fah ich die- 
felben als vorher (S. 293) befchriebenen, aber auch fchwerere Wurf- 
fpeere mit kunftvoll gefchnitzter, reich verzierter Spitze (T. XI. i) und 
fehr eigentümliche, mit Halswirbeln vom Kafuar verzierte. Die guten 
Leute fürchteten fich anfangs fehr, was man ihnen gewifs nicht ver- 
denken konnte, denn offenbar hatten fie vorher keinen Weifsen ge- 
fehen. Zu meiner Verwunderung kannten fie nämlich kein Eifen, 
nnd erft als ich praktifch den Nutzen eines Beiles zeigte, fehlen es 
bei ihnen aufzudämmern und jeder verlangte nun »maiang«! Um 
andere Dinge wie Glasperlen, Spiegel, Streichhölzer gaben fie nichts, 
jedenfalls weil fie den Zweck noch nicht recht begriffen, eine Er- 
fahrung, die ich häufig gemacht habe. Das Erftaunen des fogenannten 
Wilden beim erflen Anblick von Weifsen ift überhaupt in der Regel 
viel minder lebhaft, als gewöhnlich angenommen wird, fein Intereffe, 
obwohl in erfter Linie praktifch, unberechenbar und individuell fehr 
verfchieden. Dem einen gefällt dies, dem anderen jenes, gerade wie 
dies bei uns und allenthalben der Fall ift. 

Von Kap de la Torre verläuft die Hanfemannküfle ca. 30 Meilen 
in weftlicher Richtung und wendet fich dann W.-N.-W. bis zu Kap 
Dallmann, welches die weite Krauel- Bucht, oder beffer Bai nach 
Weften begrenzt. Das bergige Kap erfchien von weitem wie eine 
Infel, bei der wir gute Ankerung zu finden hofften, hierin aber 
getäufcht wurden. Ein heftig auffpringender Ofl; nötigte überdies 
zurückzugehen und an der Küfte einen paffenden Platz zu fuchen. 
den wir auch vor der Mündung eines Fluffes, des Caprivi, kurz vor 
Sonnenuntergang fanden. An feinem linken Ufer waren zwei kleine 
Siedelungen. Heren Bewohner die ganze Nacht Feuer unterhielten, 
und fchon vor Anbruch des lages (11. Mai) in ihren Kanus herbei- 
eilten. Ganz unsfcniert und ohne Zeichen von Furcht kamen fie fo- 



Kaifer Wilhelmsland (Xordkiirte). :^0I 

gleich an Bord, obwohl auch fie offenbar noch keine Weifsen ge- 
fehen hatten und Eifen anfänglich verächtlich zurückwiefen. Man 
fleht, wie verfchieden das Betragen Eingeborener beim erften Zu- 
fammentreffen mit Fremdlingen fein kann, zuweilen furchtfam und 
zurückhaltend, zuweilen furchtlos und offen bis dreifl und unver- 
fchämt. Das letztere liefs fich nun von diefen Eingeborenen nicht 
fagen, denn nirgends hatte ich vorher fo liebenswürdige und manier- 
liche »Wilde« kennen gelernt als hier. Da gab es kein wüfles 
Schreien, wie dies fonft meifl der Fall ift, fondern die I-eute ver- 
hielten fich ruhig, ja fprachen mit leifer Stimme, und zwar nicht 
etwa infolge von Angft. Auch hielten fie uns nicht für Götter, wie 
fich Weifse dies meirt einbilden, kümmerten fich um die Bläffe un- 
ferer Haut nicht im minderten, gaben aber ihrem Erflaunen durch 
ein eigentümliches Schnalzen mit der Zunge Ausdruck, wobei fie 
die Backen aufbliefen. Da den Leutchen natürlicherweife alles und 
jedes an Bord neu war, fo wollte das Schnalzen gar kein Ende 
nehmen. Meine bisherigen Erfahrungen, dafs dem Kanaker »fchenken« 
unbekannt ift, wurde übrigens hier zum erflenmale glänzend wider- 
legt, denn zu meinem Erftaunen kamen die Capriviten nicht mit 
leeren Händen. Sie brachten einen Korb mit etwas Yams, Kokos-. 
nüffe (die auch hier Niu heifsen), gekochten Sago in Blätter gehüllt, 
fpanifchen Pfeffer, gekochtes und geräuchertes Schweinefleifch, in 
Stücke gefchnitten und in eigentümlicher Weife zwifchen Stöckchen 
geprefst, fowie frifche Holothurien (S. 275) und boten diefes alles 
als wirkliche Gefchenke an, d. h. ohne Gegengabe dafür zu verlan- 
gen. Eine folche Freigebigkeit mufste natürlich belohnt werden, 
aber ich fürchte, dafs die erften Wohlthaten der Civilifation den 
Samen der Zwietracht in die Herzen diefer noch unberührten Natur- 
kinder fäten, denn da nicht alle gleichmäfsig bedacht werden konn- 
ten, fo werden Neid und Mifsgunft wohl nicht ausgeblieben fein. 
Bei einem fo kurzen Aufenthalte als dem unferen merkte man davon 
freilich nichts, fondern es herrfchte eine Harmonie, wie fie fchöner 
nicht gedacht werden kann. Aber ich weifs aus Erfahrung, dafs 
eine folche Idylle gewöhnlich nicht von langer Dauer ift, felbft wenn 



302 



Siebentes Kapitel. 



in formeller Weife Friedenszeichen ausgetaufcht wurden. Das der 
hiefigen Eingeborenen beftand in einem ca. 45 cm langen, fchmalen 
Streif Kokosblatt, in welches ein alter Mann acht Knoten knüpfte 
und mir denfelben überreichte. Ob dabei die Zahl acht irgend eine 
fymbolifche Bedeutung hatte, vermochte ich natürlich nicht zu er- 
örtern, denn für folche Fragen läfst die Zeichenfprache im Stiche. 
Die Biedermänner vom Caprivi waren übrigens im allgemeinen fchwäch- 
lich ausfehende Leute, aber echte Papuas, meift fo dunkel gefärbt 

als Neu-Britannier (zwifchen Nr. 28 
und 29 der Broca'fchen Farben- 
tafel), zuweilen heller, ja ich hatte 
wieder einmal die Freude, einen 
Albino kennen zu lernen. Mit 
Ausnahme der von der Sonne 
flark geröteten Stellen (Brufl: und 
Schultern) war feine Färbung fo 
hell, als bei einem Europäer (Nr. 
23 bis 25 von Broca), fein Haar 
blond; aber die lieh tfcheuen Augen 
konnten die Sonne nicht vertra- 
gen, wie dies meifl: bei Albinos 
der Fall ift. 

Im Ausputz unterfchieden fich 
die hiefigen Eingeborenen wenig 
von den vorher gefehenen (S. 293). 
Haarkörbchen waren aber feltener 
und fchienen mehr eine Auszeichnung der Häuptlinge zu fein, wäh- 
rend die Mehrzahl das Kopfhaar gefchoren oder in der gewöhnlichen 
verfilzten und verzottelten Weife der Papua wachfen liefs. Die Ab- 
bildung zeigt einen folchen Häuptling, deffen Haarkörbchen in ori- 
gineller Weife mit Streifen des weifs und roflgelb gefleckten Felles 
eines Beuteltieres (Phalangista orientalis) verziert ifl:, wie folche auch 
mit Vorliebe als Anhängfei der Armbänder benutzt werden. Der 
Zwickelbart des Mannes ifl; mit zwei der Länge nach gefpaltenen 




Häuptling vom Capriviflufs 



Kail'er Wilhelmsland (Nordküfte). 503 

und dünn gefchliftenen Eberhauern gefchmückt, die an diefer ganzen 
Küfte fehr beliebt find. Ein Sack und kleinerer Bruftbeutel (mit 
Placunamufcheln als Zierat vollenden die Ausftaffierung. Unter 
fonftigen Koftbarkeiten der hiefigen Eingeborenen bemerkte ich 
fchön gravierte Armbänder aus Schildpatt (Taf. XIX. 3 und Imita- 
tionen gebogener Eberhauer aus Tridacna gefchliffen (T. XXL 3). 

Von diefer gröfsten aller jetzt lebenden Meeresmufcheln liefert 
bekanntlich der breite Schlofsteil ein weit über die Südfee verbrei- 
tetes und allgemein hochgefchätztes Material, nicht nur für Schmuck- 
gegenftände (Brufl- und Armringe, Nafenkeile), fondern namentlich 
auch für Axtklingen, die häufig folchen von Stein vorgezogen werden. 
Da der Schlofsteil einer 66 cm langen Tridacnamufchel kaum 6 cm 
breit ift, fo kann man fich danach eine Vorftellung von der unge- 
heuren Gröfse folcher Exemplare machen, aus denen fich ein Ring 
von 13 cm Diameter herftellen liefs, wie ich fie hier fah. Da ein 
folcher Ring, bei ca. i cm Dicke, 10 cm im Lichten vollkommen 
kreisrund gearbeitet ifl, fo verdient, unter Berückfichtigung der be- 
deutenden Härte des Materials, der Fleifs und die Gefchicklichkeit 
diefer Künftler der Steinzeit volle Bewunderung. Auf der Infel Po- 
nape in den Karolinen erhielt ich früher fauber gearbeitete Axtklin- 
gen aus Tridacna von 50 cm Länge, ii cm Breite und neun Pfund 
Schwere. Sie flammten noch aus der guten alten Zeit und gehören 
wohl mit zu den koloffalflen Stücken, welche aus diefem Material 
hergeftellt wurden. 

Die langen, fehr fchmalen Kanus der Capriviten zeigten, neben 
gewiffen Eigentümlichkeiten in der Bauart, auch hübfche Verzierun- 
gen in Schnitzarbeiten (ähnlich T. VII. 4). Einzelne Kanus führten 
Mafl und Segel; die gröfsten trugen zwölf Mann. 

Mit dem Capriviflufs endet das Flachland, und Berge faumen nun 
die Küfle, ein Charakter, den fie bis Humboldt- Bai beibehält. Wir 
dampften längs den niedrigen Hügeln, welche an der Weflfeite von 
Krauel-Bai ziemlich fleil bis zum Meere abfallen und deren dichte 
.Bewaldung flellenweis durch grüne Flächen unterbrochen wird, welche 
der Landfchaft ein liebliches Ausfehen verleihen. Hie und da waren 



■304 Siebentes Kapitel. 

auch an fteilen Abhängen Plantagen fichtbar, fowie einzelne Häufer, 
Aber Siedelungen, und zwar fehr kleine, die fich fchon von weitem 
durch gelbe Bäume kenntlich machten, trafen wir erfl in den Buchten 
vor Kap Dallmann. Es find deren drei: Ritter-, Buchner- und Nach- 
tigal-Bucht, die dicht hintereinander folgen und von denen nament- 
lich die letztere einer genaueren Unterfuchung wert fcheint. Mit 
Kap Dallmann, einem ca. 400 Fufs hohen, fteil abfallenden, dicht 
bewaldeten Hügel, bekamen wir d'Urville-Infel in Sicht und fahen 
eine weite Bai vor uns. Wie fich fpäter zeigte, zerfällt fie in drei 
Buchten: Dove, Jannafch und Gaufs, und wird im Werten durch 
Befsels-Huk begrenzt. Diefer ganze Küftenftrich, dicht mit Laubwald 
bedeckte Hügel und Vorland, hie und da mit fanft anfteigenden 
Grasflächen, fcheint fehr verfprechend, aber wenig bewohnt, wie fich 
fchon aus dem Mangel von Kokospalmen fchliefsen läfst. In der 
That bemerkten wir nur bei Kap Dallmann ein Dorf von ca. zehn 
Häufern und bei Sahl-Huk etliche Kokospalmen und Eingeborene. 
Doch werden jedenfalls mehr Anfiedelungen vorhanden fein, die ja 
häufig unter Bäumen verfleckt unbemerkt bleiben. Die landfchaft- 
lichen Schönheiten diefer Küfte erhalten durch ein weiter inland 
liegendes Gebirge, das Prinz Alexandergebirge*), erhöhten Reiz, 
deffen malerifche Kuppen fich über 3000 Fufs erheben mögen. 
D'Urville-Infel, ein langgeftreckter, dichtbewaldeter Bergrücken, mit 
einem grünen Vorland, das fich als Grefsien-Infel erwies, trat immer 
näher heran, und als wir die kleine Meta-Infel, etwas nördlich von 
Befsels-Huk paffierten, öffnete fich der Blick auf eine breite Meeres- 
ftrafse, die Dallmannftrafse, mit zwei Infein an ihrem weftlichen Ein- 
gange. Gegenüber Grefsien bemerkten wir eine hübfche Bucht, die 
im Often durch das von Meta-Infel fich ausdehnende Riff einen fchönen 
Hafen bildet, den Dallmannhafen. Wir ankerten hier fehr zur Freude 
von Eingeborenen , die uns in drei Kanus fchon feit einer Stunde 
unverdroffen folgten. Auch am Ufer wurde es lebendig: Knaben 



*) Seiner Königlichen Hoheit dem Prinzen Alexander von Preufsen zu Ehren 
benannt. 



Kaifer Wilhelmslaud (^Nordküfte). ^05 

winkten mit grünen Zweigen, und eine ]\Ienge Eingeborener harrte 
fehnlichft auf unfere Ankunft. Bald wurde ihr Wunfeh erfüllt, und 
fie fahen, wohl zum erflenmal, europäifche Bleichgefichter unter 
fich. Denn auch diefe Eingeborenen kannten kein Eifen, und der 
Gebrauch von Beilen und Meffern mufste ihnen erft gezeigt werden. 
Ja, wie follten folche unverfälfchte Xaturkinder der Steinzeit auch 
wiffen, was ein Beil ift? Uns würde es in Bezug auf die Benutzung 
gewifser Geräte der Eingeborenen ebenfo gehen, und unfere Mu- 
feen befitzen gar manche Belegftücke dafür, deren Bezeichnung »Zweck 
unbekannt« häufig für immer unerklärbar bleibt. Das ungenierte 
Wefen, mit dem wir von diefen Eingeborenen ohne Scheu und Mifs- 
trauen empfangen und behandelt wurden, war erfhaunlich, und wer 
möglichfl unverdorbene INIenfchen fludieren will, dem ifi: Dallmann- 
hafen zu empfehlen. Freilich würde der gute Rouffeau manche feiner 
Vorflellungen über die Glückfeligkeit des Naturmenfchen zu ver- 
beffern gehabt haben, da fich eine folche überhaupt nirgends findet. 
Aber foweit fie überhaupt möglich ift, erfreuten fich diefe guten 
Eingeborenen derfelben, ein Völkchen, das, weifs Gott feit welchen 
Zeiten, ohneCivilifation ein forgenfreies, behagliches Dafein führt. Für 
mich war es wiederum eine Freude, diefes fröhhche Leben und 
Treiben zu beobachten, denn es wird ja mit jedem Tage fchwieriger, 
auf diefem Erdenrunde noch ein Fleckchen zu finden, wo man folche 
Beobachtungen machen kann. Wenn diefe Eingeborenen als Typen 
möglichft unverdorbener Naturmenfchen gelten dürfen, fo ift Frei- 
gebigkeit eine angeborene Tugend des Menfchengefchlechts und 
Bettelei erft fpäter entftanden. Denn diefe Leute fchenkten mir frei- 
willig einige ihnen gewifs wertvolle Dinge, fo einen fchönen Knochen- 
dolch, einen Bruflbeutel u. a., ohne gleich die Hand nach einer 
Gegengabe auszuftrecken, wie dies fonft unabänderlich Kanakerbrauch 
ift. Meine bisherigen Erfahrungen hatten mich gelehrt, mit der An- 
nahme von Gefchenken Eingeborener vorfichtig zu fein, denn was 
fie heute fchenken, erwarten fie morgen vielfältig zurückerftattet. 
Hier fchien alles ohne die fonft übliche Berechnung, mit der man die 
Wurft nach der Speckfeite wirft, und es herrfchte vom erften Be- 

Finfch, Samoafahrten. 20 



306 



Siebentes Kapitel. 



gegnen an ein Ton, als wären wir lang erwartete liebe Freunde und 
fchon feit Jahren in traulichem Verkehr. 

In ihrem Aufseren ftimmten diefe Eingeborenen ganz mit denen 
vom Caprivi überein, ebenfo hinfichtlich ihres Ausputzes. Cuscusfell 
(von einer Phalangista-Art) war häufig als Schmuck, für Glatzköpfe 
zuweilen auch als Kopfbedeckung ver^vendet. Aufser den bekannten 
Haarkörbchen, die übrigens nur einzeln vorkamen, gab es noch eine 
andere befonders auffallende Kopfbedeckung, durch welche fich ein 

]\Iann auszeichnete. Er trug, wie die 
Abbildung zeigt, eine ca. 40 cm lange 
Röhre aus Pandanusblatt und ich 
freute mich, die Urform desCylinders 
bei den Papuas entdeckt zu haben. 
In der That fehlt nur Deckel und 
Krampe und die Angftröhre ifl; fertig. 
Die Befeftigung derfelben gefchieht 
mittelft Nadeln aus Vogelknochen, die 
in dem dichten Haarpelz fehr gut haf- 
ten. Befondere Sorgfalt war auch auf 
Bartfchmuckin Form von allerlei Bre- 
loques wieS. 299) verwendet, und ein- 
zelnehättenfichdamitbei unsfürGeld 
fehen laffen können. So mein Freund 
Wulim. ein biederer Oberhäuptling, 
deffen forgfältig mit kleinen Mu- 
fcheln umwickelter, an der Spitze in 
Rohr eingeflochtener Zwickelbart eine Röhre von 35 cm Länge bil- 
dete. Der gute Alte fchien meine Gedanken erraten zu haben, denn 
er erlaubte mir, dienichtwiederzuerfetzende Körperzier abzufchneiden. 
So konnte ich, auch ohne Oberons Zauberhorn, einen Bart mit nach 
Haufe nehmen, wie ihn der Kalif von Bagdad fchwerlich befeffen 
haben dürfte, und gleich mit Zähnen daran, freilich nicht die des 
Trägers, fondern Eberhauer, die auch hier als Schmuck fehr be- 
liebt find. 




Kopfbedeckung in Dalimannhafen. 



Kaifer Wilhelmsland (Nordkiifle) . 207 

Unter Führung der Eingeborenen marfchierten wir über fchönes, 
fruchtbares Grasland nach ihren Niederlaffungen, die an der Weftfeite 
von Gaufs-Bucht Hegen da Dalimannhafen, mit Ausnahme von ein 
paar Häufern, unbewohnt ift. Unweit diefer Siedelungen in Gaufs- 
Bucht mündet ein hübfcher, leider unzugängHcher Flufs, der Herbert. 
Treffliche Kultivationen, in denen hauptfächlich Bananen und Tabak 
(Sagum) gezogen wurden, lehnten fich unmittelbar an das für papua- 
nifche Verhältniffe ebenfo grofse als fchöne Dorf Rabun oder La- 
buhn. Es zählte, von Bäumen und Kokospalmen befchattet, an 20 
Häufer, folide und ftattliche Bauten, denen nur Fenfter fehlten, um 
gar manche viel armfeligere Hütte daheim zu übertreffen. Einzelne 
diefer Pfahlhäufer (Rum) waren 40 bis 50 Fufs lang, 24 Fufs breit 
und bis unter die Giebelfpitze an 20 Fufs hoch. Das Dach beftand 
aus Ried oder Gras, die Seitenwände aus fehr fauber befefligten, zu- 
weilen rot und fchwarz bemalten Blattfcheiden der Nipa- oder Sago- 
palme, die Diele aus gefpaltenen Latten von Betelpalmen. Charakte- 
riftifch für den hiefigen Bauftil ift das Fehlen eines Vorplatzes oder 
einer Plattform, da die Treppe gleich unter der in eigentümhcher 
Weife verfchiebbaren Thür liegt (vergl. Abbildung S. 308). Die im 
Inneren der Häufer herrfchende Dunkelheit erlaubte erft allmählich 
Orientierung, liefs aber die gewöhnliche Einfachheit der Einrichtung 
erkennen: in der Mitte die Feuerftelle, aus einem mit Sand gefüllten 
Rahmen beflehend, an den Seiten Lagerftätten aus gefpaltenem Bambu 
mit Kokosmatten belegt und Topfe. Letztere ftimmten in der Form 
(T. IV. 3, 4) mit denen von Bilibili überein und wie ich fle auch am 
Caprivi fah; es gab aber auch Töpfe von koloffaler Gröfse, die als 
Behälter für Sago dienten. Keramik fchien auch hier eine Quelle 
des Wohlflandes und Reichtums, denn es gab Töpfe im Überflufs; 
fo waren unter anderem auch befondere an Stricken befeftigte Hor- 
den mit folchen verfehen. Grofse Häufer enthielten zwei Abteilun- 
gen und werden, wie fchon die doppelte Feuerftelle andeutete, wohl 
von mehr als einer FamiHe bewohnt. In einem Haufe bemerkte ich 
eine roh gefchnitzte Holzfigur, einen fogenannten Götzen, ähnlich 
den Telums von Aflrolabe (T. XV. i), aber ohne die für jenes Ge-^ 



3o8 



Siebentes Kapitel. 



biet charakteriflifche langausgeftreckte Zunge. Wenn auch Holz- 
fchnitzereien an den Häufern fehlten, fo fanden fich doch andere 
Arbeiten, welche von der Gefchicklichkeit der hiefigen Eingeborenen 




in diefem Genre zeugten. So die koloffalen trogförmigen Signal- 
trommeln, die, (wie auf der Abbildung), gewöhnlich vor den Häufern 
ftanden, alfo wohl nicht tabu fein mochten, fowie die Spitzen der 



Kaifer Wilhelmsland (Nordküfte). 3O9 

Kanus. Einzelne waren in fehr naturgetreuen Figuren, Krokodil und 
Menfchengefichter darftellend (wie T. VII. 4 ausgefchnitzt, und diefe 
Verzierungen häufig forgfältig eingepackt, um fie vor Beflofsen zu 
fchützen. Auch fonft flimmten die Kanus in der Bauart mit denen 
am Caprivi überein. Als Maflfchmuck dienten Baftbüfchel und artig 
aus Pflanzenfafer geflochtene Ketten: als Segel war, wie auch ander- 
wärts, der zeugartige Baft von der Baus der Blattfcheide des Kokos- 
blattes ver^vendet. Waffen irgend welcher Art kamen mir nicht zu 
Geficht, werden aber ohne Zweifel nicht fehlen. Von Mufikinflru- 
menten fah ich Holztrommeln in der gewöhnlichen fanduhrartigen 
Form (ähnlich T. XIII. 2\, mit Eidechfenhaut (von Monitor) über- 
zogen. 

Bei unferer Ankunft flüchteten die Weiber und Kinder eiligft in 
die Häufer, deren Thüren zugefchoben, aber gar bald wieder etwas 
geöffnet wurden, denn die fo berechtigte Neugier, welche dem ganzen 
Menfchengefchlecht eigen ift, überwand auch hier die Furcht, und 
nach und nach kamen, aufgemuntert durch die Männer, die Schönen 
zum Vorfchein. In der That gab es fehr hübfche Geflalten von 
tadellofen Formen unter diefen braunen Mädchen, die in ihren bun- 
ten Faferfchürzchen (T, XVI. 9) gar niedlich ausfahen. Sie trugen 
das Haar meift kurz gefchoren, in Form runder Pelzkäppchen, Frauen 
durch fchwarze Farbe verfchmierte Zotteln, ähnlich wie in Aftrolabe- 
Bai (S. 40). Kleinen Kindern von drei bis fünf Jahren war der Kopf 
meift rafiert, bis auf eine Skalplocke zur Befeftigung von Schmuck 
aus Mufchelringen und dergleichen. 

Aufser den vorherbefchriebenen Häufern entdeckte ich übrigens 
noch zwei befondere, von ganz eigentümlicher Form, wie fie mir in 
Neu -Guinea fonft nirgends vorkamen. Sie waren lang und fchmal 
mit fchüfselförmigem Dach, ftanden auf niedrigen Pfählen vergl. 
Abbild. S. 310;, und hatten an jeder Seite eine Thür mit fpitzwin- 
keligem Vorplatz, den vom Dachrande herabhängende, lange Blatt- 
fafern wie mit einer Portiere verhüllten. Aus Rückficht für die 
Eingeborenen, die fich fehr ängftlich zeigten, und deren Geduld ich 
ohnehin fchon genug auf die Probe geftellt hatte, liefs ich das Innere 



3IO 



Siebentes Kapitel, 



unbetreten. Der Zweck diefer Gebäude blieb daher unaufgeklärt, 
aber ich werde wohl nicht irren, wenn ich fie für jene Verfamm- 
lungs-, Junggefellen- oder Tabuhäufer halte, wie fie fich in verfchie- 
denen Formen allenthalben in Melanefien finden. 

Die Höflichkeit der htefigen »Wilden« übertraf übrigens alle 
bisher erfahrene und jedenfalls die meinige in der Erwiderung. 
Man würde es bei uns und mit Recht als Zeichen geringer Ach- 
tung und Bildung auslegen, wenn ein Gaft den angewiefenen Ehren- 




Tabuliaui in Rabun, Gaufsbucht. 

platz (hier ein mit weifsem Sand beflreuter Platz vor dem Haufe) 
und die angebotenen Erfrifchungen (hier Betel, »Bu« und Natur- 
zigaretten) zurückweift, wie ich es that. Aber es gab foviel zu 
fehen und aufzuzeichnen , dafs ich im Intereffe der Wiffenfchaft 
felbft gegen die bei Papuas herrfchende Etikette verftofsen mufste. 
Die guten Leute mochten von dem erften Weifsen, der ruhelos um- 
herlief, überall unverftändliche Zeichen aufkritzelnd, wohl einen fon- 
derbaren Begriff bekommen und ich würde es ihnen nicht übel 
nehmen, wenn fie mich für übergefchnappt gehalten hätten. Sie 



Kaifer Wilhelmsland (Nordküfle). ßll 

zeigten fich aber über mein Gebaren nicht unwillig, ja ihre Höflich- 
keit fteigerte fich bis zur Gaftfreundfchaft, eine bisher von mir bei 
Kanakern niemals beobachtete Tugend. Die Pantomime des Kauens 
liefs im Verein mit behaglichem Klopfen und Streicheln der Magen- 
gegend keinen Zweifel, dafs ein Feflfchmaufs geplant wurde. Am 
Ende follten wir als Schlachtopfer dafür dienen, wird vielleicht 
mancher denken, der da meint, Kannibalen machten allemal ähnliche 
Zeichen, ehe fie ihre Beute abmurkfenl Ach, nein! das thun fie nie- 
mals; die braven Rabuniten waren überdies keine Kannibalen, und 
wenn fie auch folche gewefen wären, fo würde uns dies wenig ge- 
niert und das Gefühl der Sicherheit nicht im minderten alteriert 
haben. Zum grofsen Leidwefen der Bewohner fchieden wir von dem 
freundlichen Rabun, und wenn wir auch für diesmal der zugedachten 
gaftronomifchen Prüfung entgingen, fo ereilte uns doch das Schickfal 
im nächften Dorfe. Hier wairden wir förmlich überrumpelt und mufsten 
wohl oder übel an dem bereits fervierten Feflmahle teilnehmen. Ich 
gebe hier das Menü. Erfter Gang: rötliche Sagoklöfse (zähkleiftrig, 
unkaubar, daher nach Angabe der Eingeborenen nur ganz zu ver- 
fchlingen, was uns nicht gelang); zweiter Gang: kleine fprottenartige 
Fifche mit den Eingeweiden geröftet (nicht übel); dritter Gang: ge- 
kochte Tiere einer kleinen Mufchel (Neritina), mit den Zinken der 
Haarkämme aus der Schale gezogen (indifferent), dazu als Konfekt 
efsbare Erde, als Getränk Waffer und frifche Kokosnufsmilch. Das 
war freilich keine Bremer Schaffermahlzeit, aber das Hauptftück der 
Tafel, ein in der Erde zwifchen heifsen Steinen gedünfletes Schwein 
(Bohr), follte ja erfl: zubereitet werden. Aber wir hatten keine Zeit 
darauf zu warten, obwohl uns damit ein Genufs entging. Denn ich 
darf verfichern, dafs in diefer Manier gar gemachtes Fleifch nicht zu 
verachten ifl: und getroft auf unferer Tafel erfcheinen dürfte, wenn 
nicht das für uns unentbehrliche Salz fehlte. Mit Kokosnüffen be- 
ladene Eingeborene geleiteten uns, diesmals längs dem Strande, der 
meift aus Korallen befteht, wovon wir auch ausgedehnte Riffe in 
Gaufsbucht beobachteten, die fich deshalb als Ankerplatz kaum 
eignen dürfte. Als wir bei unferem Boot anlangten, packten es un- 



5 12 Siebentes Kapitel. 

fere Freunde fafl: voll mit Kokosnüffen, was uns auch noch niemals 
paffiert war. Erft jetzt verteilte ich die Gegengefchenke, und erwähne 
dies deshalb, weil dadurch erft die lobenswerte Uneigennützigkeit 
der Eingeborenen im rechten Lichte erfcheint. Dafs uns die guten 
Leute auch an Bord folgten, ifl wohl felbflverftändlich. Sie waren 
inzwifchen klüger geworden und brachten allerlei zum Taufch, da- 
runter neue und intereffante Gegenftände. So groteske, buntbemalte, 
aus Holz gefchnitzte Masken, mit meift koloffalen, oft vogelfchnabel- 
artigen Nafen, häufig mit Bart aus wirklichem Menfchenhaar befetzt, 
wovon Taf. XIV (i, 2) gute Stücke repräfentiert, und kleine Holz- 
götzen (T. XV, 4, 5, 6). Sie ftellen männliche wie weibliche Nach- 
bildungen von Eingeborenen dar, öfters mit Haarkörbchen, zuweilen 
fogar mit Gefichtsmasken ausgefchnitten und find jedenfalls keine 
Idole, wie jeder Miffionär deuten würde, fondern mehr als Talismane 
zu betrachten. Die Leute gaben fie ohne Zögern her und hatten 
folche fogenannte Götzen nicht feiten, wie Miniaturmasken (vergl. 
T. XIV. 3) als Zierat an ihren Bruftbeuteln befeftigt. Neu waren 
auch eigentümliche Kopfruhebänkchen, fogenannte Kopfkiffen, aus 
Holz mit Schnitzerei und Beinen aus Bambu. 

L^m mich für die freundliche Aufnahme an Land zu revangieren, 
verfuchte ich die Eingeborenen mit allerlei Erzeugniffen der Civili- 
fation bekannt zu machen. Aufser Zigarrenflummeln liefsen Genufs- 
mittel ziemlich teilnahmslos. Wie gewöhnlich wurde aus Höflichkeit 
von dem und jenem gekoflet, ohne jedoch an den Speifen Gefchmack 
zu finden, ganz fo wie es uns im entgegengefetzten Falle geht; aber 
die Leute gaben zu verflehen, dafs Zucker mit Zuckerrohr identifch 
fein muffe. Mehr Intereffe erregten Nützlichkeitsgegenftände, und 
ich hatte auch hier wieder Gelegenheit, die individuell verfchiedene 
Auffaffung zu beobachten. Das Ticken einer Tafchenuhr ruft meift 
freudiges Erftaunen, wiq bei Kindern, aber auch nicht feiten Schreck 
hervor, ganz fo wie dies mit der Mufik einer Spieluhr der Fall ift. 
Aber die fröhlichen Weifen, welche ich auf einer Mundharmonika 
vorfpielte, fanden überall Beifall und erregten die Bewunderung der 
Eingeborenen. Streichhölzer verfetzen immer in Erftaunen, dagegen 



Kaifer Wilhelmsland (Nordkiifle). 312 

May'fche Streichwachslichte (Vestas) meifl: in Furcht, weil fiebeim Ent- 
zündenknallen. Spiegel, und zwar jene runden Tafchenfpiegel in Blech- 
oder Zinnfaffung, wie fie hauptfächlich üblich im Taufch, werden fehr 
verfchieden beurteilt. Manchmal machen fie viel Spafs, häufig aber 
werden fie nur für eine glänzende Zierat, Brufl:- oder Stirnfchmuck, 
gehalten. Denn der Naturmenfch mufs ja erft lernen fein Abbild im 
Spiegel zu erkennen, den er gewöhnlich fo nahe oder fo entfernt 
hält, dafs dies nicht möglich ifl. Dasfelbe gilt bezüglich des Sehens 
durch einen Feldflecher, deffen Gebrauch noch mehr Unterricht er- 
fordert. Einen viel gröfseren Eindruck machen Brenngläfer; aber 
auch bei diefen weifs der Eingeborene den Brennpunkt nicht leicht 
zu finden und fie machen nur Mühe, denn jeder will das Brennen 
auf feiner Hand fühlen. Zur Belohnung gab ich den Rabuniten noch 
eine Extravorftellung meiner Spielfachen zum heften, wie ich zu- 
weilen bei befferer Bekanntfchaft mit Eingeborenen zu thun pflegte. 
Kinderfpielzeug, Tiere aus Guttapercha, deren Quitfchtöne zuweilen 
Krieger erfchreckt über die Reiling jagten , fanden hier wenig An- 
klang, ebenfo erging es dem Kaleidoskop. Dagegen machte ein 
Kreifel mit Mufik viel Spafs, der fich, wie überall, unendlich fleigerte, 
als ich eine fchöne, gut angekleidete Mädchenpuppe mit Haar zeigte. 
Und nun gar erfi: die Freude über das Gegenftück diefer Europä- 
erin, eine niedliche kleine Negreffe, mit Wollkopf, rotem Röckchen 
und Perlhalsband! Eine Diva bei uns kann nicht mehr applaudiert 
werden, als diefe Puppe hier; jeder wollte fie befitzen und würde 
alles dafür gegeben haben. Nicht wahr? Die Wünfche diefer »Wil- 
den« find oft unberechenbar. Wie bei allen Vorflellungen hatte ich 
das Glanzftück zum Schlufs vorbehalten, und zwar die Elektrifier- 
mafchine. Sie bildete wie überall, wo ich Eingeborene mit ihr be- 
kannt machte, auch hier den Knalleffekt und ihre Wirkung äufserte 
fich in derfelben Weife. Die Leute wollten fchier vor Lachen zer- 
berften, wenn der erfte Kühne, welcher die Metallkolben in den 
Händen hielt, fprachlos vor Überrafchung anfing, allerhand Grimaffen 
zu fchneiden und Sprünge zu machen. Aber kaum hatte ich den 
erfleri erlöft, fo nahm ein zweiter feine Stelle ein, unerwartet, aber 



3 14 Siebentes Kapitel. 

doch erklärlich. Denn auch diefe Naturkinder machten es ganz fo wie 
es in ähnlichen Fällen bei uns zu gefchehen pflegt. Nämlich, jeder 
fagte dem anderen, dafs die Sache fehr fchön fei, und fo fielen am 
Ende alle der allgemeinen Heiterkeit zum Opfer. 

Die Freude der Eingeborenen verwandelte fleh übrigens in Leid, 
als am anderen Morgen (12. Mai) Vorbereitungen zur Weiterreife 
getroffen wurden. Die guten Leute fchienen uns bereits als die 
Ihrigen zu betrachten und erwarteten alles Ernftes, dafs wir uns 
dauernd bei ihnen niederlaffen würden. Ja, ich hätte hier ein Glück 
machen können, wie es mir nie in meinem Leben angeboten war, 
noch je wieder angeboten werden wird! Ich follte Kokospalmen 
und Schweine, Haus, Hof und Land und, als ich alles dies zurück- 
wies, fogar ein Mädchen erhalten. Da die Ablehnung desfelben die 
Leute vermutlich glauben liels, dafs mir eine Frau zu wenig fei, 
wurde gleich eine zweite bewilligt, denn man verfuchte alles, um 
mich feftzuhalten. Ja, ich brauchte nur zuzugreifen, um Schwieger- 
fohn der angefehenflen Häuptlinge und felbft »Negerfürft« zu werden. 
Aber die Wichtigkeit der weiteren Küftenforfchung liefs mich auf 
alle diefe herrlichen Ausfichten verzichten, ein Verzicht, den die 
Eingeborenen gewifs nicht als Klugheit deuteten. 

Es koftete übrigens ]\Iühe, die Honoratioren von Rabun von 
Bord zu bringen, denn einige wollten partout mit, immer noch in der 
Hoffnung, dafs wir uns anders befinnen würden. Wir dampften langfam 
durch Dallmannflrafse, an Greffien-Infel, Mufchu der Eingeborenen, 
vorbei, hinter der fich Kairu (d'Urville-Infel) erhebt, mit einem an- 
fehnlichen Bergrücken, ohne befonders markierte Kuppen. Kairu ift 
an acht Meilen lang und fehr fruchtbar. Mufchu mit fanften, grünen 
Grasflächen fcheint für Viehzucht wie gefchaffen. Es befitzt an der 
Weftfeite drei kleine Dörfer, deren Bewohner fich fehr im Gegenfatz 
zu den Rabuniten fcheu verfleckten. Aber hinter »Pomone-Point« 
(von d'Urville}, einer fanften, mit Kafuarinen befiandenen Huk der 
Feftlandsküfle, die hier aus Vorland mit ca. drei kleinen Siedelungen 
befteht, kamen Eingeborene in Kanus ab, um uns einzuholen. ]\Iit 
der Ausdauer der Rabunleute würden fie uns erreicht haben, denn 



Kaifer Wilhelmsland (Nordküfte). 3 i ^ 

bald darauf nötigten Regen und dickes Wetter zu ankern. Dies 
gefchah in Dallmannftrafse unweit der kleinen Guap-Infel, die ca, eine 
Meile öftlich vor dem etwas gröfseren Paris (von d'Urville), Aursau 
oder Aarfchau der Eingeborenen, liegt. Guap ifl kaum zwei IMeilen 
lang, niedrig, dicht bewaldet, befitzt fehr viel Kokospalmen und mufs 
fehr ftark bevölkert fein, denn ich zählte nicht weniger als t^"] Kanus 
am Sandftrande der Südfeite, der wir gegenüber lagen. Derartige 
Infein, nahe der Küfle, bilden häufig Bevölkerungscentren, weil fie 
ihren Bewohnern gröfsere Sicherheit gegen Überfälle bieten und fo- 
mit eine ruhigere und gedeihlichere Entwickelung ermöglichen. Nicht 
feiten benutzen fo günflig fituierte Infulaner aber auch ihre Über- 
legenheit, um an der Küfte Raubzüge auszuführen. Allem Anfcheine 
nach waren die Guapiten, welche uns bald in ihren Kanus umringten, 
gut fituierte Leute. Dafs fie keinen Mangel litten, ging fchon aus 
der Unmaffe Yams hervor, den fie körbeweis zum Ankauf anboten. 
Da Guap für einen folchen Reichtum viel zu klein ift, fo gehören 
die fchönen Plantagen, die wir an der Südfeite von Kairu (d'Urville- 
Infel) erblickten , vermutlich diefen Infulanern. Sie verlangten aber 
nichts als »Pore«, Eifen, das fie übrigens nur in Form von Band- 
eifen zu kennen fchienen, denn fie machten fich nichts aus Äxten. 
Da konnte geholfen werden , denn Meifler Nielfen , der Mafchinifl, 
fchlug alte Kiflenreifen in Stücke, die weggingen wie warme Semmeln. 
Da derartiges Bandeifen fehr dünn ifl, fo muffen die Stücke fo kurz 
fein, dafs man fie nicht mit den Fingern biegen kann. Denn jedes 
Stück wird von den Eingeborenen forgfältig geprüft und wenn bieg- 
bar, zurückgegeben. Ich bemerkte übrigens einen Steinaxtftiel, der 
mit einem Stück Eifen montiert war. Es fchien ein altmodifcher 
Meifsel, vielleicht noch aus der Zeit der erflen Seefahrer, aber fein 
Befitzer gab das Stück für kein Beil her, weil er ein folches eben 
nicht kannte. Gar gern hätte ich diefes Baftardgerät der Stein- und 
Eifenzeit erftanden, aber ich durfte mit den unverfälfchten Steinäxten 
fchon zufrieden fein. Die Eingeborenen befafsen davon fchöne Exem- 
plare in eigentümlicher Holzfaffung (wie T, I, 7 , mit rechtftehender 
Steinklinge (wie um Oflkap" , aber auch folche mit querfiehende'" 



tj5 Siebentes Kapitel. 

Mufchelklinge. Hölzerne Masken und fogenannte Götzen, öfters zu 
mehreren zufammengebündelt, wurden ebenfo häufig als in Dalimann- 
hafen zum Kauf angeboten. 

Diefe Figuren enden zuweilen in eine lange Spitze (wie T. XV. 7), 
um mit derfelben in die Erde gefleckt zu werden, da fie zum Teil als 
Talismane für gute Ernten dienen. Auch aus Holz gefchnitzte, bunt- 
bemalte Tierfiguren, z. B. fehr erkennbare Eidechfen (Monitor), fo- 
wie eine neue Form Holzfchüffeln , mit Schnitzerei, darunter unter 
anderem die Darfteilung eines fliegenden Hundes, erhielt ich, ebenfo 
breite Schildpattarmbänder mit Gravierung, die weiter weftlich nicht 
mehr vorzukommen fcheinen. Ein befonders feines Stück, aus einer 
32 cm langen und 15 cm breiten Platte gebogen, ift im Atlas (Taf. 
XIX. i' abgebildet. Wie hier öflliche ethnologifche Formen ihr 
Ende zu erreichen fcheinen, fo trafen wir hier zuerft charakterifttfche 
weftliche. So unter anderm Bruftkampffchmuck in Form eines breiten 
herzförmigen Schildes aus Eberhauern mit roten Abrusbohnen (wie 
T. XXIII. 2) und eine andere fehr merkwürdige Art aus Eberhauern 
und Ovulamufcheln. An Federfchmuck kamen Paradiesvögel, fowie 
die fchönen roten Federn des Borftenkopfpapageis (Dasyptilus Pe- 
queti) vor. Im übrigen zeigte Ausputz wie Bekleidung der Leute 
nichts Befonderes. Als letztere diente ein zuweilen buntbemalter 
Streif Tapa, in der gewöhnlichen Weife um die Hüften gefchlagen. 
Haarkörbchen fah ich nicht mehr, fie mögen aber vorkommen. Man 
trug das zu einem dichtverfilzten Zopfanfatz verlängerte Kopfhaar 
mit Binden aus Pandanusblatt umwickelt oder die bereits bekannten 
Angflröhren, die hier (wir auf Mufchu; ihre eigentliche Heimat zu 
haben fcheinen. An Bartfchmuck in der vorher befchriebenen Weife 
(S. 299), fehlte es auch nicht^ wie die nachfolgende Abbildung 
;S. 317) zeigt. 

Der Korb ift diefem Manne aber nur aus Verfehen des Zeichners 
in die Hand geraten, denn er ftammt von Venushuk (vergl. S. 293). 
Dagegen zeigt der reich mit Platten aus Cymbiummufchel verzierte 
Bruftbeutel die übliche Form. Die hiefigen Eingeborenen excellieren 
in der Anfertigung folcher Beutel, die aus feinem, fehr haltbarem 



Kaifer Wilhelmsland (^Nordkiifte). 



3V 



Rindfaden, teils in weitmafchiger Filetmanier, teils ganz dicht ge- 
knüpft, zuweilen wahre Mufter zierlicher und gefchmackvoller Arbeit 
find. Sie haben natürlich fehr verfchiedene Gröfse (bis 50 cm breit 
und 30 hoch) und zeigen für gewöhnlich einfache, bunte INIufter (in 
Kirfchbraun, Braun, Schwarz, Blaugrau). Häufig werden aber ar- 
tige Mufter aus kleinen Mu- 
fcheln (Nafsa) oder aus ganzen 
und halb durchfchnittenen Sa- 
menkernen (Coix lacrymae) 
gleich mit dem Bindfaden- 
material eingeknüpft (vergl. 
T. X. 4). Der äufsere Ausputz 
diefer Bruflbeutel, die nur 
den Schmuck des Mannes 
bilden, ifl zuweilen fehr man- 
nichfach. Ich gebe hier ein 
Verzeichnis folcher Papua- 
Breloques -.Troddeln ausBind- 
faden , Klingel aus einer 
Mufchel (Cypraea lynx) als 
Klöpfel ein Stückchen Koralle, 
Platten von Placuna- und 
Cymbium-Mufcheln, letztere 
zuweilen mit aufgelegter 
durchbrochener Schnitzerei 
aus Kokosfchale, bearbeitete 
StückeSchildpatt, kleine Holz- 
figuren (wie XV, 5) und Amu- 
letmasken (T. XIV. 4), Kaiebaffe zu Kalk, Bambumeffer, Nafen- 
fchmuck aus Perlmutter (wie XX. 5) oder Eberhauern (XX. 8), feine, 
aus Gras geflochtene Kettchen, mit Anhang von fchwarzen Frucht- 
kernen und Papageifedern, Streifen Cuscusfell, und als Talismane: 
Stückchen Mafsoirinde*), Ingwer oder Pflanzenbüfchel. Da der 
*) Von Cinnamomum Kiamis oder Sassafras goesianum. 




Mann von Guap-Infel. 



■3 1 3 Siebentes Kapitel. 

Papua in einem folchen Beutel feine notwendigften Habfeligkeiten 
und Requifiten bei fich trägt, fo werden wir diefelben am beften 
aus dem Inhalt kennen lernen, der fehr verfchiedenartige Sächel- 
chen entwickelt. An nützlichen Gegenfländen : Löffel aus Kokos, 
Schaber aus Perlfchalle (V, 8), Mufchelfchalen (Batifsa) zum Schnei- 
den. Brecher aus Knochen V. 7), Rafpel aus Rochenhaut, Feile aus 
Koralle, Nadel aus einem durchbohrten Fifchknochen, Bogenfehne 
von Rotang, Ring zur Befeftigung derfelben, etwas Bindfaden; an 
Geld: aufgereihte Hundezähne und Nafsa-Mufcheln, an Zieraten: 
Nafenfchmuck (wie vorher, rote und gelbe Erde zum Bemalen; an 
Genufsmitteln: Betelnüffe, dazu Kalk und Pfefferblätter, Tabak in 
Blättern, dazu Baumblätter als Umlage für Zigaretten, efsbare Erde; 
an Talismanen: kleine Holzfigur (wie vorher), runde Kiefel ^meift aus 
dem Magen der Kronentaube, Goura, und Jägerzeichen), Mafsoirinde 
und Ingwer. Nicht wahr? Der Menfch der Steinzeit hat bereits eine 
Menge Bedürfniffe und weifs Naturprodukte auszunutzen, die dem 
Kulturmenfchen als wertlos erfcheinen. Ich vergafs noch einen 
feltenen Fund anzuführen, den ich fpäter in einem der Bruftbeutel 
von Guap machte, nämlich, forgfältig in ein Blatt gebunden: acht 
kleine rote Glasperlen I Dies verwunderte mich umfomehr, als die 
Eingeborenen Glasperlen gar nicht zu kennen fchienen. Nicht un- 
wahrfcheinlich ift es, dafs diefes europäifche Erzeugnis von der be- 
nachbarten d'Urville-Infel herflammte, wo Sir Edward Belcher (im 
Juli 1840) mit dem »Sulphur« den fchönen Victoriahafen auffand 
und aufnahm. 

Die Guapiten waren übrigens ruhige und manierliche Leute, mit 
denen fich gut fchachern liefs, Stück um Stück, Hand um Hand, 
aber »fchenken« kannten fie nicht. Die Unmaßen Waft'en, welche 
fie mit fich führten, zeigten ihre Wehrhaftigkeit und Kampfbereitfchaft. 
Ich erhielt hier flache lattenförmige Keulen ;ganz wie die von Aftro- 
labe). Bogen, fchöne Pfeile mit fein gefchnitzten Holzfpitzen und 
Kerbzähnen, zum Teil mit aufgeklebten Federn und Coixkernen, 
und lange (2,80 m) Wurffpeere aus Palmholz, in der Mitte mit eigen- 
tümlichem Anfatz, der wahrfcheinlich zum Schleudern dient. Schwere 



Kaifer Wilhelmsland (Nordküfle). 2 IQ 

über drei Meter lange, mit Kafuarfedern reich verzierte Lanzen 
fchienen Häuptlingsattribute. Die kleine Silhouette auf Tafel VIII, lo 
zeigt einen derartig diftinguierten Würdenträger auf feinem Kanu aus 
der Ferne gefehen. Diefe Kanus haben in der Mitte einen tifch- 
artigen Aufbau zum Teil mit Schnitzarbeit, ganz wie die am Caprivi- 
flufs, und fmd wie jene fo fchmal, dafs die Ruderer nicht beide Füfse 
nebeneinander flellen können. Selbflverftändlich befitzen auch diefe 
Kanus einen Ausleger, aber ich beobachtete keine mit Segel. 

Aus den fremdartigen Stimmlauten um uns her, tönte plötzlich 
ein bekanntes Wort: »Doktor! Doktor!« Erft glaubte ich mich v^er- 
hört zu haben, aber nein, es war keine Täufchung. »Alfo auch hier 
fchon bekannt«! dachte ich und fah mich nach den Rufern um, drei 
Eingeborenen, die in ihrem Kanu längsfeit lagen und fogleich an Bord 
zu klettern verfuchten. Als ich fanft abwehrte, fchienen die Leute 
nicht wenig beflürzt, und aus ihren vorwurfsvollen Blicken liefs fich 
der Sinn ihrer Rede erraten. »Nette Menfchen, diefe Weifsen! 
Geftern liefsen fie fich bei uns noch abfüttern, und heut will uns der 
Doktor fchon nicht mehr kennen!« fo ungefähr mochten fie fagen und 
hatten recht. Aber Eingeborene fehen einander meift verzweifelt ähn- 
lich, und fo war es verzeihlich, wenn ich unfere Freunde von geftern 
nicht gleich wieder erkannte. Ich fuchte meinen Fehler gut zu 
machen, denn die Anhänglichkeit diefer Leute, uns trotz des Regen- 
wetters, das Kanaker gar nicht lieben, zu folgen, verdiente Belohnung. 
Freilich machten mir die treuen Seelen von Rabun wieder neue 
Mühe, denn fie kamen wieder mit der alten Gefchichte: Schweine, 
Haus, Mädchen etc., und als wir am andern Morgen (13. Mai ab- 
dampften, gab es nur eine Wiederholung der Abfchiedsfcene. Ich 
atmete daher auf, als die Verfucher endlich betrübt in ihr Kanu 
kletterten und wegpaddelten, denn der Verkehr mit Eingeborenen 
ift; gar anftrengend. 

Der flarke weftliche Strom, welcher auffallender Weife am Nach- 
mittag (4 Uhr) des vorhergehenden Tages nach Oft umfetzte, führte 
uns ohne Dampf durch Dallmannftrafse. W^ir paffierten Aarfau (Paris), 
eine niedrige, dichtbewaldete Infel, ohne Kokospalmen, die wenig 



•7 20 Siebentes Kapitel. 

bewohnt fcheint, gleich dahinter das kleine unbewohnte Unei und 
fahen in Nordweft die von d'Urville, Guiibert und Bertrand benannten 
Infein vor uns, welche dichtbewaldeten Atollen ähneln. Da die 
Hanfemannküfte mit Pomone-Huk endet, fo wurde die weitere Fort- 
fetzung derfelben wefllich bis zum 141 Grade von Kapitän Dallmann 
als Finfchküfte unterfchieden. Sie zeigt von Pomone-Huk an unaus- 
gefetzt dicht mit Laubwald bedeckte, hie und da von Grasflächen 
unterbrochene Hügelketten, dahinter höhere Bergreihen (600 bis lOOO 
Fufs hoch) und fcheint wenig bevölkert. Nur an einem Fluffe (Virchow) 
circa fünf Meilen Weft von Aarfau bemerkten wir zwei Dörfer. 
Aber weiterhin zwifchen Sapa Point (von d'Urville) und einer neuen 
Huk (Guido Cora'''), die beide nur fanft vorfpringende, fleile Ufer- 
hügel find, zählte ich acht Küftendörfer (von je 12 bis 20 Häufern) 
hintereinander, ohne jedoch Menfchen und Kanus bei denfelben 
wahrzunehmen. Das war mir lieb, denn wir entgingen dadurch Aufent- 
halt, der bei unferem Kohlenvorrat ohnehin mehr als mir lieb war, 
befchränkt werden mufste. Aber hätten wir bei jedem Küftendorf 
halten wollen, dann wären wir wohl nie nach Humboldt - Bai und 
zurück gekommen. Trüb lichtgrün gefärbtes Waffer zeigte, wie dies 
faft Itets der Fall war^ dafs wir uns wieder Mündungen von Flüffen 
näherten. Auf einen kleineren (Petermann) Flufs folgte ein gröfserer 
(Kaskade), der wie über ein Wehr ins Meer fällt und von dem der 
nahe Behmflufs vielleicht nur ein Arm ifl. Am Kaskadeflufs zeigten 
fich zwei bis drei kleine Siedelungen, wie ftets, mit den entfprechen- 
den Hainen der Kokospalme. 

Aber nur ein Kanu wagte abzukommen und verfchaffte uns eins 
jener gemütlichen Zufammentrefifen, in w^elchen man das Wefen un- 
berührter Naturmenfchen in voller Urfprünglichkeit und Harmlofig- 
keil am heften kennen lernt. Das Kanu brachte nämlich nur einen 



*) Li meinem ejrflen Reifebericlite („Nachrichten für und über Kaifer Wilhelmsland" 
Oktoberheft 1885) hat fich hinfichtlich der geograph. Lage diefes Punktes ein bedauer- 
liches Verfehen eingefchlichen. Auf S. 1 1 wird nämlich Guido Cora-Huk als öftlich der 
Sainson-Infeln angegeben, während die betreffende Stelle des Textes, in Übereinflimmung 
mit der Karte, auf S. lo hinter ,,Sapa Point" folgen follte. 



Kaifer Wilhelmsland (Nordküfte). 32 I 

alten Mann mit zwei hübfchen Knaben, von etwa zehn und acht 
Jahren, wie fich fpäter herausftellte, feine beiden Söhne, Amus und 
Mambas, aus dem Dorfe Wanua. Papa Malgari war in vorgefchrit- 
tenen Jahren, durch Pockennarben entflellt, trug Vollbart, einen 
kurzen Zopf, fonft nichts als den üblichen Tapalendenftreif und eine 
Eulenfeder im Haar. Defto feiner waren aber von Mama die beiden 
Sproffen für den Befuch bei den unbekannten Gäften herausgeputzt^ 
wozu fie wahrfcheinlich eigenen Schmuck hergeliehen. So die 
fchönen Halsketten aus Xaffa mit Mufchelring (T, XXI 5), und die 
grofsen Schildpattohrringe, ebenfalls mit Mufchelplatte aus Conus, 
während der Knochendolch, w^elcher im Grasarmbande des älteren 
Amus fteckte, wohl Papa gehören mochte. Amus war bereits mit 
dem Tapaftreif bekleidet, fein Bruder ohne einen folchen, aber beide 
trugen kreuzweis über die Brufl fchmale zierlich geflochtene Bänder, 
mit kleinen Samenkernen wie mit Perlen befetzt. Das Haar der 
Knaben war mit Ausnahme zweier WirbelzÖpfchen kurz gehalten. 
In den durchbohrten Xafenflügeln fleckten Holzftiftchen, bei dem 
jüngeren Bruder fogar ein folches in der Nafenfpitze, denn fchon 
gar früh mufs fich der junge »Wilde« dem eifernen Zwange der 
Mode unterwerfen. Ich forderte die guten Leutchen auf, an Bord zu 
kommen und Papa Malgari hatte nach einigen Zögern auch Lull: 
dazu, wurde aber von feinen Söhnen zurückgehalten. Sie fprachen 
wahrfcheinHch davon, dafs Mama dies ausdrücklich verboten habe, 
dafs ihm was gefchehen könne, kurzum tyrannifierten ihren Vater 
förmlich, wie fich dies Kanakerväter von ihren Kindern gern ge- 
fallen laffen. Ich hielt den obftinaten Knaben eine Standrede; gleich 
drehten fie mir, mit wütenden Blicken, den Rücken zu, als wollten 
fie fagen: »Du haft hier gar nichts dreinzureden! das ift unfer Vater, 
und wir wiffen am heften, was ihm gut ifl:.« Endlich überwand die 
Neugierde alle Bedenken, und trotz der Lamentation feiner Söhne 
kam der Alte an Bord, fogar in die Kajüte. Jal da gab es was zu 
fehen und der Zeigefinger, als Zeichen des Plrftaunens, kam gar nicht 
mehr zwifchen den Zähnen hervor. Und nun vollends gar, als ich 
dem Alten einen Spiegel fchenkte und unter entfprechender Beleh- 

Finfch, Samoafahrten. 21 



^22 Siebeutes Kapitel. 

rung, eins jener Rafiermeffer, die famt Etui in Sydney 40 Pfennige 
koftenl Seine Augen glänzten vor Freude; aber ich fürchte, die 
Silberftahlklinge wird gegen den ftruppigen Bart, der bisher nicht 
einmal einen Kamm kennen lernte, wenig ausgerichtet haben. Voll 
Freude eilte Papa an die Reiling, um feinen Sproffen von all den 
Herrlichkeiten und W^undern zu erzählen, wurde aber nur ange- 
fchnauzt. Denn alle Überredung fehlen den beiden Trotzköpfen 
gegenüber vergeblich, bis ich mich ins Mittel legte. Man wird viel- 
leicht denken, mit Anranzen! I Gott bewahre! das hilft bei Kanaker- 
knaben am allerwenigften , aber ein kleines unanfehnliches Inftru- 
ment, eine Mundharmonika, wirkte diefes Wunder. Bei ihren Tonen 
wandten fich die verbiffenen Gefichter um, erft unwillig und finfter 
dreinfchauend. nach und nach freundlicher, belebter, und als ich fie 
jetzt mit lächelnder Miene einlud, da konnten fie nicht länger wider- 
ftehen. 

Mufik, diefe Gabe des Himmels, auch von den Metallzünglein 
einer Mundharmonika, hatte den Sieg errungen, um diefe kleinen 
»Wilden« zu bändigen. In ftummer Verwunderung betrachteten fie 
alles: als ich aber jedem ein Lendentuch von türkifch 'Rot umge- 
bunden und ein Beil in die Hand gegeben hatte, da hielt es fie 
nicht länger, fie eilten, gefolgt vom Vater, ins Kanu und paddelten 
heimwärts, wahrfcheinlich aus Beforgnis, die Schätze könnten ihnen 
nur zum Spafs gegeben fein und wieder abgenommen werden. Ich 
aber freute mich, glückliche Menfchen gemacht tuid mit zwei Eifen- 
beilen im Wert von zufammen M. 1.20 die Zukunft zweier hoffnungs- 
voller Knaben der Steinzeit begründet zu haben. 

Etwas weftlich vom Kaskadeflufs werden die Berge höher und 
entfenden mehrere Flüffe (Breufmg. Lindeman, Albrecht), die in dicht- 
bewaldetem Vorlande münden, das in einer Länge von kaum acht 
Meilen ebenfoviel, zum Teil grofse Siedelungen (bis zu 20 Häufern) 
zählt. Bei der weftlichften, Tagai, wurde, nicht weit vom Albrecht- 
fluffe, geankert. Es ift dies ein anfehnliches Gebirgswaffer, mit viel 
Kafuarinen an den Ufern, das zur Anlage von Sägemühlen wie ge- 
fchafifen fcheint, befonders deshalb, weil fich hier bedeutende Be- 



Kaifer Wilhelmsland (Nordküfle). 



323 



ftände prächtiger Hochbäume finden, wie wir fie bisher in Neu- 
Guinea nicht gefehen hatten. 

Kaum war der Anker gefallen, fo kamen die Eingeborenen ab 
in Kanus und fonderbaren Wafferkutfchen, deren eigentliche Be- 
fchafifenheit fich von weitem nicht recht ausmachen liefs. Es fchien, 
als fitze eine dunkle Geflalt im Waffer, bald bis an die Brufl: unter- 




Auf Palmblättern in See. 



tauchend, bald wieder auftauchend, aber ftetig näher kommend. Da 
löfle' fich denn endlich das Rätfei und das Gefährt entpuppte fich, 
wie die Abbildung zeigt, als eins der denkbar einfachflen. 

Es beftand nämlich nur aus zufammengebundenen Palmblatt- 
ftielen, auf denen fich je ein Knabe oder junger Burfche anderthalb 
Meilen weit in See wagte, nur um das dampfende Ungetüm zu 
fehen. Sachen irgend welcher Art liefsen fich auf einem folchen 
Flofs freihch nicht mitbringen, denn es ging mehr unter als über 
dem Waffer und fchien höchfiens für Schiffbrüchige empfehlenswert. 



^24. Siebentes Kapitel. 

Als Paddel diente ebenfalls ein Palmblattfliel. Die Kanus er- 
wiefen fich übrigens als trefiflich gebaute Fahrzeuge von eigentüm- 
licher neuer Konftruktion. Sie hatten Seitenborde und zeichneten 
sich vorder- und hinterteils durch einen oft mit Schnitzerei verzierten 
Schnabelauffatz (T. VTI 3), einen gewaltigen Plattformaufbau (VI 2) 
und zwei fehr lange Querträger des Auslegergeflelles aus. An jeder 
Seite der Plattform war ein hoher, fchmaler Karten aus Gitterwerk 
angebracht, der zugleich als Sitz diente, im Kriege aber eine gute 
Bruftwehr abgeben mag. Einzelne Kanus waren fehr grofs, an 30 
bis 40 Fufs lang, und trugen etliche zwanzig Perfonen, wovon 14 
allein auf der Plattform Platz fanden. Solche Fahrzeuge mit Maft 
und Segel fchienen zugleich Kriegskanus in voller Ausrüftung, denn 
die Seitenkaflen der Plattform waren mit Waffen gefüllt. Letztere 
beflanden fafl nur in Bogen und Pfeilen, aber fo fchönen, fauber 
gearbeiteten und reichverzierten, wie ich fie in ähnlicher W eife fonfl 
nirgends in Neu-Guinea traf. Die Pfeile (60 cm lang), wie gewöhn- 
lich aus Rohr, mit äufserft kunftvollen, zum. Teil durchbrochen gear- 
beiteten Spitzen aus Holz oder Bambu, zeichneten fich durch einen 
feingeflochtenen Knauf aus, der mit aufgeklebten Federn und Coix- 
kernen verziert war, ähnlich wie auf Guap. In vollem Einklänge mit 
den Pfeilen banden die 11,70 Meter) langen Bogen, aus Holz der 
Betelpalme, mit Sehne von Rotang, die durch einen zierlich ge- 
flochtenen Knauf feflgehalten wird. Sie find mit fein eingraviertem 
Mufter ornamentiert und haben Troddeln von dünnem Bindfaden- 
geflecht mit daran befefligtem Federfchmuck. In dem letzteren 
fpielen Papageienfedern (Haubenfedern von Kakadus, Eclectus, zu- 
weilen Köpfe der letzteren, wie von Lorius) die Hauptrolle, und 
darunter wiederum die prachtvollen, rot und fchwarzen Federn von 
Dasyptilus Pequeti. Diefer fonfl fo feltene Papagei mufs hier herum 
häufig vorkommen, denn feine Federn waren auch in Kopfputzen 
am meiften vertreten, aufserdem die gelben Seitenbüfchel vom Pa- 
radiesvogel. Von letzteren wurden auch Bälge, für die Öfters lange 
Bamburöhre als Behälter dienten, von den Eingeborenen in grösferer 
Anzahl als irgendwo vorher zum Taufch angeboten. Die Art ifl; der 



Kalfer Wilhelmsland (Nordküfte). 



325 



Paradiseaminor aus Weft-Neu-Guinea nahe ftehend, fiel mir aber gleich 
durch ihre Kleinheit auf und erwies fich fpäter in der That als neu 
Paradisea Finfchii. Wie gefchickt Eingeborene allerlei Naturprodukte 
zu benutzen wiffen , zeigte fich wiederum an diefen Vogelbälgen, 
die ohne eiferne Meffer präpariert, natürlich fehr zerfetzt waren. Man 
hatte die Häute über eine Art Pflanzenmark gefpannt und mit fehr 
fpitzen Nadeln feflgefteckt, die fich als Stacheln eines Landfchnabel- 
tieres (Echidna) erwiefen. Von anderen Paradiesvögeln fah ich hier 
zum erftenmale Federn des fel- 
tenen Xanthomelus aureus. 

An fonftigem Schmuck und 
Zierat befafsen die Tagaiten im 
ganzen nicht viel: Halsketten aus 
Nafsa mit Conusfcheiben, fchöne 
Bruftringe aus Tridacna, Brufl:- 
fchilde aus Eberhauern (wie 
XXIII. 2^, fchmale Schildpatt- 
reifen mit Schnüren von Coix 
als Ohrringe und eigentümlichen 
Nafenfchmuck aus Perlmutter 
(T. XX. 6). Haarkörbchen kamen 
hier nur vereinzelt vor, zuwei- 
len mit einem Kranz aus Kafuar- 
federn verziert, aber im Haar- 
wuchs felbft wurde Erftaunli- 
ches geleiftet. Einzelne Männer 
fchienen eine Alongeperücke aus der Zeit Louis XIII. zu tragen; 
es war aber alles eignes Haar, eine dichtverfilzte Maffe, die 30 cm 
breit und 20 cm lang den ausrafierten Nacken deckte. Selbftredend 
durfte nichts unverfucht bleiben, eine folche Monflreperücke zu 
fichern, und ich freue mich, das Bild des Trägers derfelben noch in 
ungefchorenem Zufl:ande geben zu können. 

Es war ein flattlicher Kerl, mit wertvollem Mufchelring als Hals- 
fchmuck und eigentümlicher Bemalung der Brufl: in Grau, die ich 




Haartracht eines Häuptlings von Tagai. 



■220 Siebentes Kapitel. 

hier zuerft bemerkte. Im Haar trug er einen weit über die Stirn 
vorragenden, fogenannten Kamm, mit Haubenfedern der Krontaube 
(Goura) verziert, auf dem Scheitel zwei Seitenbüfchel von Paradies- 
vögeln, wohl für lange Zeit zum letztenmal. Denn fchon hielten mein 
Helfershelfer, der Steuermann, und ich die Waffen bereit, harmlos 
ausfehende Scheren, die diefe Eingeborenen ja noch nicht kannten, 
und ehe das Opfer noch recht ja oder nein fagen konnte, fetzten 
wir an, und der feltene Schatz war für die Wiffenfchaft gerettet. Das 
Stück ziert jetzt das Berliner Mufeum, fofern er überhaupt zur Auf- 
ftellung gekommen ift. Als ich den Mann feine Veränderung im 
Spiegel betrachten liefs, machte er freilich ein verblüfftes und an- 
fcheinend nicht fehr erfreutes Geficht, aber ich fchenkte ihm den 
Spiegel und einiges andere dazu, unter der Verficherung, dafs die 
Haare ja wohl wieder wachfen würden. Ich irre aber gewifs nicht, 
wenn ich eine derartige Perücke als Häuptlingsfchmuck anfehe, 
denn unter faft ein paar Hundert Tagaiten, die uns in etlichen zwan- 
zig Kanus umlagerten, trugen kaum mehr als ein halbes Dutzend 
folchen Haarwuchs. Die übrigen hatten gewöhnliches Papuahaar, 
in Form einer wolligen oder zottligen Kappe, und waren auch fonft 
echte Papuas, aber viele von ziemlich heller Färbung (wie Nr. 29 
bei Broca). Hautkrankheiten zeigten fich nur wenig, aber ich be- 
obachtete bei einzelnen Pockennarben. Die Männer trugen als Be- 
kleidung die bekannten Tapaftreifen, und auch bei Mädchen fah ich 
hier zum erftenmale Tapafchürzen ftatt der fonft üblichen Fafer- 
röckchen. Die Sprache war, wie fafl überall, wo wir auf diefer Reife 
mit Eingeborenen verkehrten, verfchieden von der vorher gehörten, 
das Betragen der Leute ein lobenswertes. Ohne Scheu kamen fie 
gleich an Bord, und ein Arbeiter-Werbefchiff hätte hier in der kürzeflen 
Zeit ein wertvolles Cargo Rekruten mitnehmen können. Für alles 
wurde übrigens »Bode« — Eifen, verlangt, wie dies immer der Fall ifl:, 
wenn Eingeborene folches erft kennen lernen. Aufser wenigen Kokos- 
nüffen, etwas Yams und Betel brachten fie nur zwei Hühner und 
ein Schwein (Bor), in dem Seite 327 dargeftellten gefeffelten Zu- 
ftande. Es war leider ein junges und kaum des Schlachtens wert; 



Kaifer Wilhelmsland (Nordküfte). 327 

nach vielen Verhandlungen holten die Leute dann noch ein zweites 
gröfseres. Man fieht daraus dafs es in Neu-Guinea mit Lebensmit- 
teln des Landes in der Regel gar fchlecht beftellt ift: und man ohne 
eigenen Proviant verhungern könnte. 

Schon vom Kaskadeflufs an machte fich weiter inland eine höhere 
Bergkette bemerkbar, die nach und nach bedeutender wurde und fich 
zu einem Gebirge entfaltete, das d'Urville nach dem grofsen, ita- 
lienifchen Phyfiker Torricelli benannte. Es bildet einen dichtbe- 
waldeten, in feiner Kammlinie ziemlich einförmig verlaufenden Rücken 
und mag an oder über 3CXD0 Fufs Höhe erreichen. Als wir in der 
Früh ( 14. Mai) von unferem Ankerplatz bei Tagai weftlich dampften, 
trat diefes Gebirge befonders deutlich hervor mit einer fehr markierten 
Kuppe, der Langenburg-Spitze*), wie fie die beigegebene Abbildung 




Gefefieltes Schwein. 

(S. 329) darflellt. Diefe Bergfpitze zeichnet fich durch ein paar kahle 
Stellen aus, die von Erdrutfchen oder ähnlichen Erfcheinungen her- 
zurühren fcheinen. Von Tagai verläuft der Uferfaum weiter Wefl 
in einem breiteren, dicht bewaldeten Vorlande und fcheint noch ca. 
drei Meilen ziemlich bewohnt, foweit fich dies aus einzelnen Häufern 
mit kleinen Palmgruppen fchliefsen läfst. 

»Bei Pafsier-Point find aussgedehnte Lagunenriffe und mehrere 
kleine Lifein« fagt Powell in dem Vortrage**) über feine Reife an 



*) Nach dem hochverdienten Präfidenten des Deutfchen Kolonialvereins Fiirft Her- 
mann zu Hohenlohe-Langenburg. 

**) 1. c. S. 512, übrigens die erlle Erwähnung eines Punktes an der ganzen ca. 140 
Meilen langen Küfle von Broken Water-Bay an. Von den Eingeborenen wird nur gefagt, 
dafs fie zu glauben fchienen, die Fremden wären von der Sonne herabgekommen. 



^28 Siebentes Kapitel. 

diefer Küfle (?). Ja wohll auf den Karten ift hier fogar eine zwei 
Meilen lange und breite Landzunge oder ein Riff verzeichnet, nach 
welcher wir vergebens Ausguck hielten, Herr Powell wird daher 
wohl etwas weitab gewefen fein, denn fonft müfste er gefehen haben, 
dafs Paffier-Point überhaupt nicht exiftiert. Ein ifolierter Beftand 
dunkler Kasuarinen, welcher plötzlich in den fonfl: herrfchenden Laub- 
waldscharakter der Küfte einfetzt, war höchflwahrfcheinlich die Ur- 
fache, dafs d'Urville hier eine Huk verzeichnete. Schiffe, welche 
wie die Aftrolabe weiter von der Küfte fegein, können durch folche 
Kasuarinenhaine leicht getäufcht werden, da diefelben fich wegen der 
dunklen Färbung fchärfer als die übrige Küfte markieren und von 
weitem wie vorfpringende Felfenkaps ausfeilen. Bald zeigten fich 
kleine Infein, die Sainfon-Gruppe, von d'Urville aus Nord gefichtet, 
auf welche wir, immer der Küfte folgend, zuhielten. Durch eine 
vollkommen rifffreie Strafse, die Babelsbergftrafse, lief der Dampfer 
in die fchöne Lagune ein, welche von diefen Infein gebildet wird. 
Im Often derfelben liegen Faraguet und Sainfon, niedrige, dichtbe- 
waldete Infein, von denen nur die letztere an der Südfeite Kokos- 
palmen und drei Siedelungen befitzt, und die durch Riff verbunden, 
ein hufeifenförmiges Becken umfchliefsen, das ich Berlinhafen be- 
nannte. An der Südweftfpitze von Sainfon und durch Riff ver- 
bunden, fchliefst ein Infelchen, Sansfouci, das Hufeifen. Es ift kaum 
eine Viertelmeile lang, befteht aber faft nur aus Kokospalmen und 
Häufern, deren Bewohner fich jedoch verfteckt hielten, während von 
Sainfon ein Segelkanu abzukommen verfuchte. Ahnlich reich an Ko- 
kospalmen und Bevölkerung ift die Küfte, welche ausgedehntes Wald- 
Vorland, dahinter niedrigere bewaldete Hügel- und Bergreihen zeigt. 
Diefes Kopragebiet, das einzige von einiger Bedeutung an der ganzen 
Nordoftküfte Neu -Guineas, fcheint fich an zehn Meilen weit bis 
Lapar- Point hinzuziehen. Diefer letztere von d'Urville benannte 
Küftenpunkt ift nur ein dichtbewaldeter, etwas vorfpringender Ufer- 
hügel, durch fchwarze Felfen und Steine ausgezeichnet, welche fich 
bis Dudemain-Infel hinzuziehen und uns den direkten Weg weftwärts 
zu verfperren fchienen. Wir verfuchten alfo, den nach der Karte 



Kaifer Wilhelmsland (Nordküfle). 



329 



durch Riffe gefchloffenen Durchgang zwifchen Faraguet und Dude- 
main, fanden ihn aber glücklicherweife vollkommen frei (16 Faden 
und kein Grund!) und gelangten wieder einmal in klares dunkel- 
grünes Waffer. Dudemain mit dicht bewaldeten Korallfelfen er- 
fcheint wie eine hohe Infel; an der Südfeite find ein paar kleine 
Siedelungen, an der Nordfeite ziemlich viel Kokospalmen. 

Von Lapar-Point verläuft die Küfte fafl geradlinig nach W.-N.-W. 




Langenburg-Spitze, Torricelli-Gebirge. 

bis zu einer fanftgerundeten Ecke, der Baudiffm-Huk*;. Auch diefer 
an 20 ]\Ieilen lange Strich, ausgedehntes, dichtbewaldetes Vorland, 
von bewaldeten Hügeln begrenzt, hinter denen höhere Berge folgen, 
fcheint fehr beachtenswert. Ich notierte vier Flüffe, (Arnold-, Joefl-, 
Baftian - und Lagunenflufs), deren Mündungen indes wie bei faft 
allen vorhergehenden unzugänglich erfchienen. Zwifchen dem Joefl- 



*) Nach Graf Baudiffin, damals Kapitän -Leutnant an Bord S. M. S. „Albatrofs". 



T?0 Siebentes Kapitel- 

und Lagunenfluffe gab es wieder ziemlich viel Kokospalmen, aber 
ich beobachtete nur wenig Siedelungen. Der Lagunenflufs ift der 
Ausflufs eines grofsen Wafferbeckens, das vom Maft aus wie ein aus- 
gedehnter See erfchien, mit einer bewaldeten Infel in der Mitte; 
auch Dörfer, Pfahlbauten, liefsen fich mit blofsem Auge im Waffer 
erkennen. Gewifs eine fehr intereffante Gegend und der Unterfu- 
chung wert, für die wir leider keine Zeit hatten. Diefe Lagune dehnte 
fich fcheinbar bis zu einer Hügelkette aus, hinter welcher weiter in- 
land wohl an 3000 Fufs hohe Kuppen vorragten. 

Mit dem Lagunenfluffe beginnen wieder einmal Kafuarinen das 
Ufer zu fäumen, welche, im Gegenfatze zu Kokospalmen, fafl aus- 
nahmslos das Fehlen von Menfchen andeuten. Ich bedauerte dies 
nicht im minderten, als wir am Abend ca. fünf Meilen Wefl: von dem 
Flufse zu Anker gingen, denn eine ruhige Nacht that mir nach den 
Anftrengungen der vorhergehenden Tage mehr als je not. Den 
ganzen Tag Notizen zu machen und zwifchendurch mit den Einge- 
borenen zu verkehren, um Sachen einzutaufchen, ift ein gar hartes 
Stück Arbeit, denn fchon die Zeichenfprache ift ermüdend und er- 
fordert mehr geiftige Anftrengung als irgend eine andere, und vor 
allem Geduld, die Geduld eines Engels. Wie oft merkt man nicht 
heraus, dafs die Eingeborenen fehr gut begreifen, was man will, fich 
aber nur abfichtlich dumm ftellen, wie ein Beifpiel aus dem Verkehrs- 
leben mit ihnen am beften zeigen wird. Zahlreiche Kanus mit Ein- 
geborenen lagern um den Dampfer und fifchen die roten Lappen 
auf, die zunächft als Köder über Bord geworfen werden. Aber fie 
haben nichts Rechtes; fchlechte Speere, alte geflickte Tragbeutel, ver- 
fchliffene Grasarmbänder, ein paar fchlechte Mufcheln und ähnlichen 
Plunder. Das Gute, die feinen Sachen, fmd noch verfteckt, denn es 
ift erftaunenswert, was fo ein fpärlich bekleideter, nach unferen Be- 
griffen nackter Menfch alles an feinem Körper verbergen kann. Wie 
ich wohl weifs, liegen aber die beften Sachen in Blätter und Tapa- 
ftreifen eingepackt, unfichtbar für uns, am Boden des Kanu. Um 
wenigftens mit dem Handel zu beginnen, fange ich an Plunder zu 
kaufen; aber die Eingeborenen wollen gegen rotes Zeug, Glasperlen 



Kaifer Wilhelmsland (Nordküfle). 23 I 

und dergleichen nicht recht etwas hergeben. Mein Kennerblick hat 
die ganze Gefellfchaft gemuftert; nur einer unter ihnen trägt als 
begehrenswert einen hübfchen Ring, aus Mufchel gearbeitet, an einem 
Strickchen um den Hals. Wohlgefällig ruht mein Auge auf diefem 
Schmucke, ich deute durch Zeichen an, ihn zu kaufen. Aber der 
Eingeborene hat ebenfalls begriffen, was mich reizt, und als mein 
einen Moment abgewandter Blick den Träger fucht, findet er ihn 
nicht mehr. Er ift verfchwundenl nämlich der Schmuck; zuerft auf 
den Rücken gedreht, dann abgebunden und im Kanu verborgen. 
Vergebens fuche ich klar zu machen, was ich wieder haben will. 
Man verfteht mich fehr gut, aber der Mann, der das kofibare Stück 
überhaupt nicht verkaufen will, flellt fich dumm und zeigt allerlei 
Dinge, nur nicht das Gewünfchte. — Das ift eine kleine Probe im 
Geduldsfpiel »Schacher mit Eingeborenen«, delTen Früchte fpäter, 
wenn alles gut geht, unfere Mufeen zieren. Ja, ja, man lieht es den 
oft fehr befcheidenen Dingen nicht an, welche Mühe ihre Erwerbung 
koflete; alles im »Dienfte der W'iiTenfchaft«, aber im Schweifse des 
Angefichts errungen und erfchachert. 

Ift man endlich die Eingeborenen glücklich los, dann bleibt noch 
die nötigfte Arbeit, die erhaltenen Stücke mit dem Fundort zu be- 
zeichnen und — last not least — das Gefehene und Erlebte felbft 
ins Tagebuch zu fchreiben. Das hat mir manche Nachtflunde ge- 
koftet und geht auf rollendem Schiffe nicht fo bequem als daheim 
im Studierzimmer. Freilich meinen die Herren des letzteren gar 
häufig, dafs ethnologifches Sammeln reines Kinderfpiel fei, aber da 
haben fie wohl nicht felbll: praktifche Erfahrungen gemacht, denn es 
kauft fich nicht fo leicht wie auf einem Bazar bei uns. Eine fo an- 
ftrengende Lebensweife flellt, im Verein mit der Hitze, welche meift 
einen Teil der Nachtruhe raubt, bedeutende körperliche Anforde- 
rungen, die das ewige Einerlei der Schiffskofi mit Konferven und 
immer wieder Konferven nicht befriedigen kann. Ein tüchtiger Koch 
vermag freilich viel, aber das war der unfere nicht, mit dem über- 
haupt fehr zart umgegangen werden mufste. Schon am dritten Tage 
der Abreife machte er mich darauf aufmerkfam, dafs alles Waffer 



332 Siebentes Kapitel. 

an Bord vergiftet fei. Das liefs keinen Zweifel, dafs wir es mit einem 
Verrückten zu thun hatten. In der That ftellte fich immer mehr 
heraus, dafs der Mann an Verfolgungswahnfmn litt, und ein folches 
Mitglied an Bord zu haben, ift eben nichts Angenehmes. 

Mit gewohnter Pünktlichkeit wurde am anderen Morgen 15. Mai) 
aufgebrochen, und kaum hatten wir Baudiffin-Huk paffiert, fo zeigte 
fich wieder weithin trüb lehmfarbenes Waffer voraus. Es wird durch 
den Gofsler erzeugt, einen anfehnlichen, aber ebenfalls durch Barre 
verfperrten Flufs, deffen Mündung wir bald darauf erblickten. Der 
weifse, fcharf abgefetzte Schaumftreif, welchen die Kabbelung diefer 
Flufsauswäfferung hervorbringt, mag im Verein mit den hellgefärbten 
Felfen der Uferbafis der darauf folgenden Küfte die Veranlaffung 
gewefen fein, dafs d'Urville ein ausgedehntes Riff vor fich zu fehen 
glaubte. In Wirklichkeit exiftiert das 12 Meilen lange Karan-Rifif 
der Karten aber nicht. Diefe ganze Küfke zeichnete fich übrigens 
durch intenfive Einförmigkeit, ja Langeweile aus; überall diefelben 
niedrigen, eintönig dunkelgrünen Hügelketten, die wie mit einer 
einzigen Laubholzart bewaldet fcheinen , keine Kokospalmen und 
damit keine Menfchen. Erft viel weiter weftlich, nachdem wir noch 
eine Flufsmündung (des Thorspecken, paffiert hatten, zeigten fich 
wieder Palmen und damit Eingeborene, obwohl fich von ihren Sie- 
delungen nichts bemerken Hefs. Sie mochten im Dickicht des Ur- 
waldes verborgen fein, aber jedenfalls kamen Kanus ab und zwar 
eine ganze Anzahl, fo dafs gefloppt wurde. Diefe Fahrzeuge unter- 
fchieden fich im wefentlichen von den geftern gefehenen durch den 
Mangel eines Schnabelauffatzes und einer erhöhten Plattform, waren 
kleiner, aber eigentümlich durch aufgebundene Randleiften und Be- 
malung der Seiten (vergl. T. VII i). Einzelne Kanus führten auch 
Segel*) und als Verzierung der Maftfpitze einen Büfchel Kafuarfedern. 



") Powell (1. c. S. 513) erwähnt von diefer Küfte Segel, die in der Ferne „den 
Flügeln eines fliegenden Fifches'' ähneln, fowie den reichen Ausputz an Schnitzerei und 
Mufcheln der Kanus. Ich habe davon ebenfowenig etwas gefehen , als von den ausge- 
zeichneten Häfen, dem Reichtume an Kokospalmen und Muskatnufsbäumen, von denen 
Powell fpricht. 



Kaifer Wilhelmsland (Nordküfle). ->-,-> 

Von den Eingeborenen felbft wird die beigegebene Abbildung 
eines jungen Kriegers die befle Vorftellung geben. Er trägt eines 
der gefchmackvollen Bruftfchilde aus Platten von Eberhauern mit 
roten Abrusbohnen und Nafsa befetzt (XXIII. 2), um den Arm Ringe 
aus Querfchnitten von Trochusmufchel, durch die Nafenfcheidewand 
zwei längsgefpaltene und dünn gefchlififene Eberhauer (T. XX. 8), 
die im Verein mit der fchwarzen und weifsen Bemalung des Gefich- 
tes, die übrigens als Verfchönerung dienen foU, ein gar wildes Aus- 
fehen verleihen. Im linken Ohr 
fteckt ein runder Ball aus Cus- 
cusfell, im rechten find Schnüre 
aufgereihter Coixkerne befefligt. 
Ein breiter Gürtel aus Baum- 
rinde, mit welchem der Leib un- 
natürlich eng eingefchnürt wird, 
und ein Tapaftreif um die Len- 
den würde den Ausputz eines 
hiefigen Eingeborenen vollenden. 
Breite Kopfbinden aus Cuscus- 
fell waren hier auch fehr beliebt, 
wie eine befondere Art eleganter 
Leibfchnüre von fchwarzen Perlen 
aus Kokosnufsfchale und Conus- 
ringen (T. XXIV. 3). Sonfl; fah ich 
nur bereits Bekanntes. So Bo£:en 




Eingeborener von Maffilia. 



wie von Tagai (S. 324, aber ohne Federfchmuck, und Pfeile wie von 
Guap (S. 318). Haar und Bart erfreuten fich keiner befonderen 
Pflege; doch beobachtete ich noch einzelne verfilzte Haarperücken 
und bei jungen Leuten eine Haarwulfl längs der Scheitelmitte, eine 
Frifur, die in Neu-Irland fehr häufig ifl und an die Raupe des baye- 
rifchen Helmes erinnert. Nicht feiten waren jene erhabenen N'arben, 
die durch wiederholtes Einfchneiden der Haut hervorgebracht werden, 
eine fehr fchmerzhafte Operation, die als Verfchönerung weit über 
Melanefien verbreitet ifl. Figur a der Abbildung (S. 334) zeigt die 



334 



Siebentes Kapitel. 



blattförmige Ziernarbe eines hiefigen Kriegers und zugleich die Art 
und Weife, wie der Dolch aus Kafuarknochen in den Armbändern 
von Trochusreifen getragen wird. 

Die Leute hatten viel Tabaksblätter in Bündeln, fonft kaum 
etwas anzubieten. Neu waren mir aber in eigentümlicher Form ge- 
räucherte Fifche, die ich anfänglich für irgend eine Art Armbänder 
oder dergleichen hielt. Wie eine Spirale windet fich, an einem Stocke 
befefUgt, Fifch an Fifch, jeder mit der Schwanzfpitze die Schnauze 
berührend, eine Methode, die ihrer Originalität halber, auf einer Aus- 
ftellung gewifs ausgezeichnet werden würde. Der Gefchmack diefer 

Fifchkonferve konnte 
indes nur Papua reizen. 
Diefe Eingebore- 
nen betrugen fich übri- 
gens längfl: nicht fo 
manierlich als ihre 
Raffengenoff eji der vor- 
hergehenden Tage: fie 
lärmten gar fehr und 
kriegten oft unterein- 
ander Streit. Dochliefs 
fich ganz gut mit ihnen 
kramen, und fie waren 
anfänglich fogar mit rotem Zeuge zufrieden. Als ich aber Eifen, 
Hobeleifen, zum Vorfchein brachte, da wurden fie, wie der Kapitän 
zu fagen pflegt, förmlich »wild«, das heifst vor Freude. »Maffilial« 
und »Maffilia« ertönte es ohne Ende, ein Name, deffen Bedeutung 
mir zwar unklar blieb, den ich aber kartographifch mit diefer Stelle 
verbinde. Sie ift jetzt wenigflens auffindbar, falls jemand Luft haben 
follte, hierher zu gehen, um Aufklärungen über Maffilia zu geben. 
Weiter nach Wert behält die Küfte denfelben Charakter, zeigt 
keine Spuren von Bevölkerung, und das einzige, was wir entdeckten, 
waren zwei Flüffe, 'Ratzel und Neumayer) die vielleicht nur Arme 
eines und desfelben find, und drei Infein, nahe der Küfte, oder viel- 




Kaifer Wilhelmsland (Nordküfte). 33 c 

mehr Infelchen, fo klein, dafs ich fie »Däumhnge« nannte. Wenn 
fich nicht etwa Gold oder ,.Sowas" auf ihnen findet, wird diefe Ent- 
deckung ziemlich wertlos bleiben, aber nichtsdeftoweniger eine Ent- 
deckung. Hinter der dichtbewaldeten Uferhügelkette traten jetzt 
höhere Berge hervor, einförmige Rücken, die im Weften durch 
einen Berg von eigentümlicher Form, wie ihn die nachflehende Skizze 
(rechts) zeigt, einen vorläufigen Abfchlufs fanden. Es ift der circa 
3000 Fufs hohe Bougainville von d'Urville und, wie fich fpäter er- 
wies, identifch mit dem Mount Eyries von Belcher. Der Hügel 




l\ap Concordia und Bougainville. 

gleich im Vordergrund meiner Skizze ift Kap Concordia, das uns 
fchon längft aufgefallen war und hinter dem wir einen Ankerplatz 
für die Nacht zu finden hofften. Wirklich zeigte fich hier der Ein- 
gang zu einer kleinen hübfchen Bucht, welche unferem Wunfeh durch- 
aus entfprach. Es war die »anse de l'attaque«, von d'Urville am 
II. Auguft 1827 nur gefichtet, aber nicht befucht*), in der wir bald 



*) „Weil fich hier dem Schiffe (Aflrolabe) 20 Piroguen , jede mit drei bis acht be- 
waffneten Leuten, näherten und von der vorderften ein Pfeil auf das Schiff entfendet 
wurde. Eine Gewehrfalve und ein Kanonenfchufs trieben die Böte zur fofortigen Flucht". 
Lindeman in Geogr. Blätter 1888, S. 358). 



•j-iö Siebentes Kapitel. 

wohlbehalten ankerten. Sie bildet ein rings von bewaldeten Bergen 
umfchloffenes rundes Becken, mit freier, jederfeits durch Riffe ge- 
fchützter Einfahrt, gutem Ankergrunde (7 bis 15 Faden) und giebt 
einen prächtigen und ficheren Hafen ab. Längs dem Sandftrande, 
welcher Angriffshafen fäumt, fmd dichte Reihen Kokospalmen, aber 
keine Siedelungen, die, wie wir fpäter bemerkten, weftlich von Reifs- 
Huk in der angrenzenden fchmalen Friederichfen-Buchtung liegen. 

Ganz wie zu d'Urvilles Zeiten kamen, noch ehe der Anker fiel, 
Eingeborene in ihren Kanus angerudert; zehn, zwanzig, bis eine ganze 
Flotte von dreifsig bis vierzigen den Dampfer umlagerte. Die Leute 
ftellten förmliche Wettrudern an, als foUe das Schiff gleich genommen 
werden und führten, wie damals, Unmaffen von Waffen mit fich. Ich 
kannte die Art der Eingeborenen aber beffer und wufste, dafs ich 
bald eine ISIenge ihrer Armaturftücke einhandeln und dafs ev. ein 
Gewehrfchufs genügen würde, die Flotte in wilder Flucht ausein- 
ander zu jagen. 

Die Kanus fchienen im ganzen klein und trugen drei bis fieben 
Mann: doch waren einzelne mit Maft und Segel verfehen; letzteres 
aus dem baflartigen Zeug von der Bafis des Kokospalmblattes. Die 
Fahrzeuge zeichneten fich übrigens durch einige Befonderheiten aus. 
So ift die anfcheinende Randborte nicht aufgebunden, fondern in 
einem Stück mit dem Kanu aus dem Baumftamm gezimmert (vergl. 
T, VII 2). Aufser eingravierten Verzierungen der Seiten, find die 
Enden der Kanus häufig mit einem kunflvoll gefchnitzten, bunt- 
bemalten, S förmigen Schnabel verfehen, der gewöhnlich in einen 
Vogelkopf endet und angebunden wird. Kanufpitzen mit Schnitze- 
reien von Krokodilen (wie VII 4, 5) kommen hier und weiter weft- 
lich nicht mehr vor. Zwei auf dem Ausleger befeftigte Stöcke, die 
nach innen zu in einen Haken enden, öfters ebenfalls bemalt und 
zierlich ausgefchnitzt, dienen wie ein fchmaler Gitterkaften an der 
entgegengefetzten Seite zur Aufbewahrung der Waffen, die hier fehr 
handlich liegen. Sie beflanden hauptfächlich in Bogen und Pfeilen, 
wie wir fie fchon in Tagai (S. 324) kennen lernten, indes ohne Feder- 
fchmuck, aber ich war erfreut, hier auch Schilde zu finden und noch 



Kaifer Wilhelrasland (Nordküfte). 



337 



mehr durch Küraffe überrafcht, die, wie ich glaube, bisher nur im 
Inneren des Flyfluffes beobachtet wurden. Diefe Armaturftücke 
verleihen, wie die Abbildung zeigt, dem hiefigen Krieger im vollen 
Staate ein gar martia- _^ 

lifches Ausfehen. Die 
Schilde zeichnen fich 

durch befonders 
fchöne, erhaben ge- 
fchnittene Ornamen- 
tik aus und gehören 
mit zu den heften 
Kunflleiftungen des 
Papuafleifses. Die 
Küraffe fmd feine 

Modelle fauberer 
Korbflechtarbeit aus 
gefpaltenem Rotang 
und werden durch 
Bänder über die 
Achfel feftgehalten. 
Für unfere Panzer- 
reiter würden fie frei- 
lich, fchon ihres Um- 
fanges wegen , nicht 
paffen, denn es ge- 
hören Leute von we- 
niger als 83cm Hüften- 

..1 -u- • Krieeer von Angriffshafeii. 

weite dazu, um hmem- = ^ 

zufchlüpfen. Lendenbinden aus Tapa, wie fie die Krieger, (flehe Ab- 
bildung) gürten, gehörten zu den Ausnahmen. Die meifl:en Männer 
begnügen fleh nämlich mit einer Kalebafle (T. XVI. 7), die ich ein- 
zeln fchon in Maffllia gefehen hatte, und die für hier, wie weiter w^efl;- 
lich, als Bekleidung charakteriflifch ift. 

Auch in den übrigen Sachen der Eingeborenen zeigten fleh 

Finfch, Samoafahrten. 22 




2 23 Siebentes Kapitel. 

allerlei Veränderungen, und man konnte bemerken, dafs wir uns 
in einer neuen ethnologifchen Provinz befanden. Hundezähne und 
Cymbiumfcheiben, die weiter im Often eine fo hervorragende Rolle 
fpielen, waren kaum mehr zu fehen, dagegen find für diefes Gebiet 
die fchönen roten (auch ftahlblauen) Paternofterbohnen (von Abrus 
praecatorius) als Material zu Zieraten charakteriftifch. Ihregefchmack- 
vollfte Anwendung finden fie bei den fchon (S. 316) erwähnten Kampf- 
bruflfchilden i'XXIII. 2), aber auch bei Stirnbinden und Armbändern. 
Es verdient dabei Beachtung, dafs diefe Bohnen ftets mittelft einer 
Art Harz aufgeklebt, niclii aufgereiht und aufgeflochten werden, wie 
dies mit den Samen von Coix lacrymae gefchieht, die im hiefigen 
Schmuck ebenfalls häufige Verwendung finden. So fah ich hübfche 
Stirnbinden aus Coix, in feines Flechtwerk eingeknüpft, wie über- 
haupt eine Menge eigenartiger Zieraten. Reich vertreten waren 
fchöne Leibgürtel, (wie Fig. 8, T. XXIV), und dünne Leibfchnüre 
aus Coix und Kokosperlen (wie XXIV, 7), oder eigentümliche, rot 
gefärbte, aus einem feinen Fafermaterial (wohl vom Blatt der Sago- 
palme), zum Teil mit Coixfamen durchflochten und mit einzelnen 
Federn aus den Seitenbüfcheln des Paradiesvogels. Gravierte breite 
Schildpattarmbänder fehlen hier, wie diefem wefllichen Gebiet über- 
haupt, aber fchmale, dünne Schildpattreifen find fehr in Mode und 
werden, oft in grofser Anzahl, im Ohrläppchen getragen. Sie find 
häufig noch mit langen Troddeln aus Bindfaden und Coixkernen 
verziert, ebenfo wie die fogenannten Haarkämme, die hier (vergl. 
T. XVII. 3) in eigentümlicher neuer Form auftreten. Als Nafen- 
fchmuck fanden, aufser den S. 333} erwähnten Eberhauern, befon- 
ders dicke Keile, aus Rohr (T. XX. 4) oder fehr fauber aus Tridacna- 
mufchel (XX. 3) gefchlißen Verwendung. Wenn man bedenkt, dafs 
ein folcher Mufchelkeil bei 11 cm Länge bis 17 mm dick ift und 60 
Gramm wiegt, fo kann man ermeffen, was den hiefigen Nafen zuge- 
traut wird. Eine Ausdehnung der Nafenlöcher auf 55 mm in der 
Runde ift gewifs keine Kleinigkeit, wobei bemerkt fein mag, dafs 
diefe Körperöfifnung beim Papua keineswegs fo unverhältnismäfsig 
viel gröfser ifl als beim Mittelländer, denn ich kenne Nafen von 



Kaifer Wilhelmsland (Nordküfle). 33Q 

Weifsen, die bis auf die Couleur fich in nichts von denen gewiffer 
Papuas unterfcheiden. Aber »Hoffart will Zwang haben« gilt auch 
beim Kanaker, und fo unterwirft er fich willig der Mode, wie dies, 
trotz mancher Inkonvenienzen bei uns auch gefchteht. Denn ein 
folcher Nafenfchmuck ift ja eine Zier des Mannes und verfchönert 
ihn, — wie? — zeigen die Figuren i und 2 Taf. XX. Aber hin- 
fichtlich der Ziernarben (vergl. S. 334, Fig. b) verhält es fich ja 
ebenfo. 

Charakteriftifch für diefes weflliche ethnologische Gebiet find 
auch die Steinäxte und zwar durch den Stiel. Derfelbe befleht näm- 
lich nicht in einem knieförmig gebogenen , rechtwinkeligen Afle, 
fondern in einem geraden runden Holzflück (vergl. T. I. 5), in welchem 
das Holzfutter mit der Steinklinge in einem Bohrloche fteckt. Für 
Menfchen der Steinperiode ift es fchon ein äufserft fchwieriges Stück 
Arbeit, ein fo weites Bohrloch anzufertigen. Wie wollten wir wohl 
ohne Bohrer damit fertig werden: Diefe ^Manier der Befeftigung der 
Klinge bietet übrigens den Vorteil, dafs die letztere drehbar ift. 
Manche der hiefigen Axtkli,ngen fchienen, foweit fich nach dem Auge 
urteilen läfst, Nephrit zu fein. Filetgeftrickte Bruftbeutel find im 
weftlichen Gebiet zwar vorhanden, aber viel feltener als im Öftlichen 
und entbehren meift des reichen Ausputzes, in welchem Scheiben aus 
Cymbiummufchel gar nicht mehr vertreten find. Eigentümlich waren 
aus Kokosblatt geflochtene Tragkörbe, in befonders reicher und 
eigentümlicher Ausfchmückung (darunter Faferbüfchel, Paradiesvogel- 
federn, Krebsfeheren und bemalte Tapa . 

Aufser Kokosnüffen und etwas Yams brachten die Angrififs- 
hafener Blättertabak, geräucherte Fifche und verfchiedene Nähr- 
mufcheln (Batis.sa violacea und angulata, fowie Neritina Petiti und 
rhytidophora), die hier fehr beliebt zu fein fcheinen, fowie etHche 
fchlechte Paradiesvögelbälge. 

Anthropologifch zeigten fich auch die hiefigen Eingeborenen als 

echte Papuas von gewöhnlicher, dunkler Hautfärbung (zwifchen 

Nr. 28 und 29 Broca's), und erfchienen im allgemeinen als kräftige 

und gut gebaute Menfchen. Mit vieler Mühe gelang es mir, einige 

22' 



3^0 Siebentes Kapitel. 

ZU meffen, denn fie hatten fchreckliche Furcht und zitterten wie 
Efpenlaub, fchier als folle es ihnen an den Kragen gehen. Die ge- 
wöhnHche Höhe ergab i, 57 Meter, wie dies fonfl; bei Papuas*) der 
Fall ifl; die ftärkften Männer maffen i, ^"J bis i, 70 Meter. Schuppen- 
krankheit und Ringwurm waren fehr verbreitet, aber ich fah keine 
Pockennarben. Bezüglich des Kopf- und Barthaars gilt das bei Maf- 
filia gefagte (S. 333); rote Erde war nicht feiten ins Kopthaar ge- 
fchiniert, fonft fah ich wenig Bemalung. 

Obwohl ich bei den Leuten nur eine Glasperle als einziges euro- 
päifches Erzeugnis beobachtete, die fehr alt zu fein fchien und an 
einem Kamm befeftigt war, fo fchienen fie doch Eifen zu kennen. 
Denn fie machten die Pantomime des Schneidens und nahmen fon- 
derbarerweife Meffer, die fonft am wenigften begehrt fmd, lieber als 
Hobeleifen. 

Durften die Maffilianer fchon als Radaumacher gelten, fo waren 
es diefe Eingeborenen in erhöhtem Mafse. Jeder wollte zuerft feinen 
Kram los werden, und dabei wurde gefchrieen, dafs man kaum das 
eigene Wort verftehen konnte, ein wahrer Höllenfpektakel! Und 
nach des Tages Lafl und Hitze fehnte man fich wirklich nach Ruhe 
und bedurfte derfelben; aber der hereinbrechende Abend fchien den 
Handelsgeift der Leute nicht im mindeften abzufchwächen. Hundert- 
mal hatte ich ihnen angedeutet, dafs nichts mehr gekauft würde, 
aber immer wieder wurden Sachen, oft diefelben Stücke angeboten. 
Da ift z. B. ein langer Kerl, der um jeden Preis feinen fchlechten 
Knochendolch zu hohem Preife los fein will, obwohl ich ihn fchon 
fo viele Male zurückgewiefen. Das Stück erfcheint immer aufs neue 
und in verändertem Ausfehen auf der Bildfläche. Bald ift es mit 
grünen Blättern, bald mit Baftftreifen verziert oder mit roter Farbe 
angefchmiert, aber immer wird es durch einen anderen offeriert. 
Nicht wahr, diefe Schwarzen fmd pfiffige Leute? Aber wir waren es 



*) Einige vierzig MeiTungen, die ich an Papuas der Südoflküfte machte, ergaben 
für Männer i, 52 bis 1,78 m, (Frauen: i, 39 — i, 49 m); in Aftrolabe-Bai für Männer 
I, 47 — I, 62 m. 



Kaifer Wilhelmsland (Nordküfte). 2ai 

auch, und zwar in einer den braven Eingeborenen durchaus neuen 
Weife. Ein paar Worte mit dem Mafchiniften und plötzlich gellte 
die Dampfpfeife. Hei, wie fie das Waffer fchaufelten und in wilder 
Hafi; heimwärts ftürmten! »Ja, nicht wahr? der Schreck ift euch in 
die Glieder gefahren« dachte ich, als mit dem Pfiff Luft gefchafft 
worden war und zündete mir ein Pfeifchen an, um bei der matten 
Kajütenlampe und 27'^' R. Wärme die Erlebniffe des Tages niederzu- 
fchreiben. Prioritätsrechten zufolge mufs diefem Hafen der odiöfe 
Name verbleiben, der lehrt, wie verfchieden die Aufnahme an ein 
und demfelben Platze fein kann, zu der allerdings das Auftreten der 
Eremden nicht feiten die Veranlafsung giebt. Kap »Eintracht«, in 
Erinnerung an das gute Einvernehmen mit uns, wird die Angrififs- 
hafener etwas verföhnen, denen ich noch aufserdem das Epitheton 
»Lärmonkels« ftifte. 

Auch auf der Weiterreife (16. Mai) zeigte die Küfte denfelben 
einförmigen Charakter: dichtbewaldete Hügel, die fteil bis ins Meer 
abfallen, hie und da mit kahler Felsfohle, im Hintergrunde höhere 
Berge. Wir hatten Angriffshafen noch nicht lange verlaffen, als fich 
weftlich von einer fanft gerundeten Huk (Robide), in weiter Entfer- 
nung höheres, in Wolken gehülltes Land zeigte, dafs fich fpäter als 
Teil des Cyclopgebirges erwies. Humboldt- Bai, das Endziel un- 
ferer Reife war alfo nicht mehr fern und der Eingang zu derfelben 
deutlich zu erkennen, nachdem wir Robide-Huk*) paffiert hatten. 
Das Meer zeigte hier wieder feine eigentliche tiefblaue Farbe, aber 
einige Meilen weiter erfchien es, foweit das Auge reichte, aufs neue 
fcharf abgefetzt grün, wie ein grofses Riff. Wir hatten diefe Er- 
fcheinung aber bereits fo häufig beobachtet, dafs der Kapitän ohne 
Zögern in das grüne Waffer hineindampfte, welches bald fchmutzig 
lehmfarben wurde. Es mufste alfo in der Nähe ein Flufs münden, 
nach dem der Kapitän zu fuchen fchien. Statt nach dem Eingange 
von Humboldt-Bai, die mit Kap Bonpland fo deutlich voraus lag, 
wurde nämlich O.-S.-O. gefleuert, in eine Art fanfte Bucht, die öfl- 



") Nach dem ausgezeichneten Kenner Neu-Guineas Robide van der Aa im Haag. 



0^2 Siebentes Kapitel. 

lieh von einem fleilen, dichtbewaldeten Hügel begrenzt wird. Ich 
nannte ihn fpäter Germania-Huk, weil fie den letzten Küftenvorfprung 
auf deutfchem Gebiete bezeichnet. Bald fahen wir die erwartete 
Mündung eines Flufses, des Sechstroh, (nach unferem erften Offizier). 
Obwohl fich die Unzugänglichkeit desfelben fchon jetzt erkennen 
liefs, fo fehlen der Kapitän, welcher wie immer aus der Marsraae *), 
die Navigation leitete, doch Abfichten mit diefem Fluffe zu haben. 
Es wurde ein Boot ausgefetzt, fleifsig gelotet und — »schmiet daal!« 
— da raffelte der Anker in die Tiefe. »Willkommen in Humboldt- 
Bai« hiefs es, als Kapitän und Steuermann aus ihrer luftigen Höhe 
wieder an Deck feilen Fufs fafsten. »Humboldt -Bair 1, Gott be- 
wahre! die liegt ja dort, noch über fünf Meilen zu Wert« — Und fo 
verhielt es fich auch; übrigens ein verzeihlicher Irrtum, da keine 
Spezialkarte diefer Bai an Bord war, die ich diesmal beffer kannte. 
Hatte ich mich doch einmal mit Humboldt- Bai eingehend zu be- 
fchäftigen gehabt, als ich vor vielen Jahren mein erftes Buch**) über 
Neu-Guinea fchrieb, eine jener gutgemeinten Kompilationen, in denen 
trotz aller Sorgfalt eine Menge Fehler unterlaufen. Ich konnte da- 
mals freilich nicht ahnen, dafs ich noch einmal Gelegenheit haben 
■würde, diefelben an Ort und Stelle zu korrigieren. Da lagen wir nun, 
kaum drei Viertel Meilen, in fieben Faden Schlick, vor dem neuen 
Fluffe, deffen Mündung fich durch mächtige Brandung und Treib- 
holzflämme kennzeichnete, aber ebenfo wenig verfprechend ausfah, 
als die Küfte felbft. Sie zieht fich als dichtbewaldetes Flachland, 
an dem es brandet, anfcheinend bis Kap Bonpland hin, das durch 
mehrere hellgefärbte Flecke, kahlen Fels, fo kenntlich ifl:. Das Kap 
bildet den fheilabfallenden Ausläufer einer bewaldeten Hügelkette, 
welche das Vorland begrenzt und auf deren Kammlinie fich zwei 
Kuppen (Alexander-Spitze, ca. 1200 Fufs und Aime-Kuppe, ca. 1000 
Fufs) befonders markieren. Bei der fehr bedeckten Luft war Kap 
Caillie nicht deutlich auszumachen, wohl aber die Ausläufer des 



*) Vergl. Abbild. (S. 17); rechts Kapitän Dalimann, links Sechstroh. 
'') „Neu-Guinea und feine Bewohner" (Bremen 1S65). 



Kaifer Wilhelmsland (Nordküfte). 242 

Cyclopgebirges und die Berge in der Tiefe von Humboldt-Bai zu er- 
kennen. Der Mangel von Kokospalmen an der Vorlandsküfte liefs 
auf den gleichen an Menfchen fchliefsen, und fo konnte eine Revifion 
derMafchine, welche zum Bleiben nötigte, in aller Ruhe vorgenommen 
werden. In Humboldt- Bai wäre das, wie wir fpäter fehen werden, 
gewifs nicht mehr möglich gewefen. Der unfreiwillige Aufenthalt 
hier erwies fich daher als eine Fügung des Himmels, für die wir in 
jeder Beziehung dankbar fein konnten. Freilich dauerte die Ruhe 
nicht lange, denn bald zeigten fich bekannte dunkle Geftalten am 
Ufer, die mit grünen Zweigen winkend, uns fchreiend an Land ein- 
luden. Der Kapitän wollte aber feinen Leuten einmal etwas Ruhe 
- gönnen und hatte überdies nicht Luft, ein Boot zu gefährden, da die 
Landungsverhältniffe nicht eben fehr günflig ausfahen. Die Einge- 
borenen riefen ohne Aufhören weiter und gaben fich alle erdenk- 
liche Mühe; fie wateten brufltief ins Wafler und erkletterten die 
Treibholzftämme, auf denen bald eine ganze Reihe, wie brüllende 
Seelöwen hockte. Die armen Kerle befafsen gewifs keine Kanus 
und hätten die feltenen fernen Gäfte doch fo gern gefehen! Ach 
was! die werden fich fchon zu helfen wiffen. Und fie halfen fich! 
Bald fah man braune Körper, auf irgend etwas fitzend, durch die 
Brandung gondeln und mit der Strömung nach dem Dampfer treiben. 
Ja, das waren wirklich die denkbar einfachflen Fahrzeuge, Baumwur- 
zeln, jederfeits ein dicker Bambu angebunden. Aber, wie die Abbil- 
dung (S. 344' zeigt, die Sache ging prächtig. Als wären fie erwartet, 
liefsen die erflen Ankömmlinge ihr Gefährt treiben, um gleich an 
Bord zu klettern, wovon ich fie jedoch fanft zurückhielt. Bei den 
mancherlei Arbeiten auf Deck lag allerlei Gerät umher, was für Klepto- 
manen doch zu verführerifch gewefen wäre. Auch ifl: es im allgemei- 
nen nicht rätlich Eingeborene, die man noch, nicht genauer kennt, 
an Bord umherfchnüfifeln zu laffen, und ich hielt ftets darauf, diefen 
Grundfatz durchzuführen, da Vorficht ja niemals fchaden kann. Übrigens 
wufsten fich diefe Fouriere trefflich zu akkomodieren, und konnten, 
an Ruder oder Ankerkette fich feflhaltend, gemütlich die Kanus 
abwarten, welche bald durch die Brandung tanzten. Sie brachten je 



344 



Siebentes Kapitel. 



zwei bis vier, höchftens zehn Eingeborene, in jeder Weife echte 
Brüder der Angriffshafener, nur dafs fie noch viel mehr lärmten. 




Sie kamen nicht aus Wifsbegierde, kümmerten fich weder um den 
Dampfer noch unfere weifse Haut, fondern ihr einziger Zweck war 



Kaifer Wilhelmsland (Xordküfle). oac 

fchachern und — flehlen. Da wir zu gut aufpafsten, {o blieb es in 
Bezug auf das letztere blofs bei Verfuchen, aber fchon diefe liefsen 
die Gewandtheit der Leute zur Genüge erkennen. So machte es mir 
viel Spafs, einen Eingeborenen im füllen zu beobachten, der fich 
bemühte, eine leere Flafche durch die Klüfe zu eskamotieren und 
fie ihm gerade im letzten Moment abzunehmen. Auch beim Schacher 
hiefs es fcharf aufpaffen, denn hielt man das Taufchobjekt des Ein- 
geborenen nicht bereits mit der einen Hand feft, fo durfte man das 
feinige nicht aus der anderen laffen. Wurde doch ohnehin fchon 
verfucht, Sachen aus der Hand zu reifsen oder zum Anfehen gege- 
bene zu behalten. Nach diefem in meinem bisherigen Verkehr mit 
Eingeborenen durchaus neuen, nicht eben fehr angenehmen Betragen 
zu urteilen, hatten wir es hier mit einem wilderen Stamme als bisher 
zu thun. So würden nämlich die meiften urteilen; aber ich denke, 
die hiefigen Eingeborenen lernten diefe üblen Manieren erft in Hum- 
boldt-Bai, wo fie gewifs fchon Schiffe gefehen hatten. Sie warnten 
uns übrigens vor Lintfchu, wie fie die Bai nannten, ein Name, 
den ich in ihr felbfl nicht hörte, aber nur aus Spekulation, um den 
Eifenfegen allein einzuheimfen. Denn ihre einzige Lofung war «Szigo« 
(Elfen), und fie wufsten die Gelegenheit, die ihnen wohl zum 
erftenmal ein Schiff direkt vor ihre Barre führte, nach beflen 
Kräften auszunutzen. Analog unferem Hurra ertönte hier aus allen 
Kehlen ein kräftiges »i, i, i — jäh«, jedesmal als Zeichen, dafs fie 
wiederum ein Hobeleifen erfchachert hatten. Die Leute befafsen 
übrigens fchöne Sachen, zumeift identifch mit denen von Angriffs- 
hafen. So die Kanus (mit Pandanus-Mattenfegel), Waffen, Steinäxte, 
Töpfe (T. IV, I, 2), Schmuck (darunter die bekannten Brufffchilde) 
und fonflige Zieraten. 

Unter den letzteren erhielt ich einige neue Leibfchnüre; fo eigen- 
tümliche aus aufgereihten Vogelknochen (meift von Buceros) und 
Krebsbeinen mit grofsen kugelförmigen Samenkernen (T. XXIV. 2), 
und fehr elegant ausfehende von Coixfamen, abwechfelnd mit den 
kirfchbraunen Samen von Adenanthera pavonina (XXIV. 6). Letztere 
waren auch zu langen Schnüren als Hals- und Bruftketten aufgereiht. 



2^6 Siebentes Kapitel. 

Eine neue Art Collier beftand in zwei koloffalen Eberhauern (Taf, 
XXI. i), die einen Ring von 12 cm Durchmeffer bilden. Neu war 
auch ein Nafenfchmuck aus Tridacna gefchlififen (XX. 7). Zirkelrunde, 
abnorm gewachfene Eberhauer (wie XX, 2), fcheinen diefem wefl:- 
lichen Gebiete zu fehlen und wurden in Krauel-Bai zuletzt beobachtet. 
Ein neues Steingerät waren Sagoklopfer mit gleichem Holzfliel wie 
Steinäxte (T. I. 5), aber mit einem ca. 12 cm langen, konifchen, runden, 
fauber bearbeiteten Stein. An Waffen erhielt ich nur Bogen und 
Pfeile. Letztere (i, 45 bis i, 80 Meter lang), zeichnen fich durch 
mehrere fchwarzgemalte Ringe auf dem Rohrfchafte aus, deffen erfter 
Abfchnitt mit hübfchen eingebrannten Muflern verziert ifb; bunte 
Bemalung und Federfchmuck fehlen daran. Dolche aus Kafuar- 
knochen waren fehr häufig, und manche zeichneten fich durch kunft- 
volle Gravierung aus, wie das fchöne Stück auf T. XL 7. Die Be- 
kleidung der Männer beftand ausnahmslos in den (S. 337) erwähnten 
Kaiebaffen, zuweilen mit zierlich eingebrannten Muftern, und viel 
reicher als die Kalkkalebaffen ornamentiert. Die Bambubüchfen für 
Tabak zeigten hübfche Gravierungen. Fifchhaken fah ich (wie feit 
Aftrolabe) auch hier nicht, erhielt aber Fifchfpeere in der bekannten 
Form, mit mehrzinkiger Holzfpitze, wie fie fich überall findet. Bei- 
läufig mag erwähnt fein, dafs die Speerftange deshalb ausnahmslos 
aus Bambu befteht, weil eine folche fchwimmt. — Ziernarben waren 
auch hier häufig (vergl. S. 334 Fig. c, d). An Sonftigem wurden nur 
wenig Kokosnüffe, Pandanusfrüchte, ein paar junge Hunde der echten 
Papuaraffe und efsbare Erde*) angeboten, letztere in Form flacher, 
20 cm breiter Kuchen, mit einem Loch in der Mitte, um ein Trag- 
band hineinzuknüpfen. Als Jagdtrophäe erhielt ich den Unterkiefer 
eines Krokodil. Das Fleifch des letzteren ift bekanntlich bei den 
Papuas fehr beliebt, aber fie werden fich diefes Bratens wohl nur 



*) Nach qualitativer Unterfuchung des Herrn Venator in Trier befteht die etwas 
fettig, wie getrockneter bläulichgrauer Thon ausfehende Mafle aus: ,,vorherrfchend Mag- 
nefia, Eifenoxyd, Thonerde, Kiefelfäure und Spuren von Kalk und Phosphorfäure". Sie 
dient den Eingeborenen übrigens nicht als Nahrung, fondern als Leckerei, die allerdings 
nicht nach unferem Gefchmacke ift. 



Kaifer Wilhelmsland (Humboldt-Bai etc.). ■247 

feiten erfreuen. Wie ich felbft auf all diefen ausgedehnten Reifen 
nur ein paarmal Krokodile zu fehen bekam, fo wurde mir von den 
Eingeborenen, aufser hier, nur noch einmal auf Guap ein Schädel 
diefes Sauriers angeboten , und fpäter fah ich einen in Hum- 
boldt-Bai. 

Da die Leute noch vor Einbruch der Dunkelheit durch die Bran- 
dung mufsten, fo machten fie fich, Gott fei Dank! nach und nach 
auf den Weg und ich pries den Himmel als das letzte »i, i, i-jah« 
verhallte. Ja, das war wieder einmal ein fchwerer, aufreibender Tag 
gewefen, deffen Errungenfchaften, unter Geduldproben der härteften 
Art erworben, hauptfächlich das Mufeum für Völkerkunde in Berlin 
bereichern halfen, das aus diefem Gebiete vorher kaum etwas befafs. 



IL Humboldt-Bai und heimwärts. 

Von d'Urville gefichtet. — Alte Glasperlen. — Einfahrt von Humboldts-Hai. — Samoa- 
Cove. — Erfler Eindruck der Eingeborenen. — Befuch von Beccari-Cove. — Pfahldörfer 
im Waffer. — Merkwürdiger Baustil. — Inneres eines Haufes. — Frauen. — Tafchen- 
■diebe. — „Tempel" in Tobadi — Sein Inneres. — Staunenswerte Konftruktion. — Kein 
Tempel, fondern Verfammlungshaus. — ,, Heilige" Flöten. — Holzfchnitzereien. — Äufserer 
Schmuck. — Grofsartiges Bauwerk der Steinzeit. — Betrachtungen über die Erbauer. — 
Hollands Hoheitszeichen. — Wifsbegierde. — Dörfer und Bevölkerung. — Zurück an 
Bord. — W^ieder Tätowierung. — Taufchhandel unmöglich. — Wieder in See. — Le 
Maire-Infeln. — Blofseville. — Leffon. — Vulkanifche Thätigkeit. — Hanfa- Vulkan. — 
Wieder an der Küfte. — Laing-Infel. — Hatzfeldthafen. — Eingeborene. • — Ethnologi- 
fches. — Verfprechendes Land. — Wieder in Aftrolabe-Bai. — Kuram und die Flagge. 
— Hauptrefultate der Reife. — Heimwärts. — Meerestiere. — Vögel. — Delphine. — 
Dolphin und Bonite. — Fliegende Fifche. — Schildkröten — Wiederfehen in See. — 
Befreite Sklaven. — Wieder in Blumenthal. — Auflöfung der Station. — Abfchied von 

der Samoa. 

Der Eingang zu der Bai, vor welcher wir lagen, wird keinem 
Schiffe entgehen können, das von Angriffshafen nahe der Küfle wefl- 
lich fegelt. Dumont d'Urville befand fich im Auguft 1827 auf feiner 
Weltreife mit der Aflrolabe in diefem Falle. Er benannte das ge- 
fchloffene Becken nach unferem grofsen Landsmanne, Humboldt- 



248 Siebentes Kapitel. 

Bai; die beiden Felsvorfprünge , welche die Einfahrt fo kenntHch 
markieren, nach feinen eigenen: Kap Bonpland und Kap Caillie, 
und dabei blieb es. Denn erft dreifsig Jahre fpäter (1858) lief das 
holländifche Kriegsfchiff »Etna« zum erftenmal in die Bai ein , und 
fo erhielten wir vier Jahre fpäter die erfle Kunde über diefelbe. Jeden- 
falls haben aber fchon Portugiefen und Spanier im fechzehnten Jahr- 
hundert diefe Küfte bereits berührt, wenn fich darüber auch keine 
fieberen Nachweife mehr erbringen laffen. Wie aber fchon Scheuten 
1616 auf den Arimoa-Inieln eiferne Keffel von Jpanifcher Arbeit bei 
den Eingeborenen vorfand, fo erhielt ich am Sechstroh Belegftücke 
aus jenen Zeiten der erflen Entdeckungsfahrten. Bei einer Mufterung 
der dort gekauften Brufhfchilde (XXIII. 2) fand ich zu meiner Über- 
rafchung unter den landesüblichen Abrusbohnen auch zwei fremde 
Gegenftände aufgeklebt. Sie erwiefen fich als Hälften einer fchönen 
länglich runden (12 cm langen) Mofaikglasperle, merkwürdigerweife 
ein und desfelben Stückes, welche ich fogleich als eine altvenezia- 
nifche erkannte, was von Profeffor Salviati fpäter beftätigt wurde. 
Von ähnlicher Herkunft ift ohne Zweifel das berühmte »Palau- 
Geld«*); während dasfelbe aber dort noch heute als kofibar betrachtet 
wird, ift die Wertfehätzung für alte Glasperlen im Laufe der Zeit 
bei den Papuas verloren gegangen und ich rettete wahrfcheinlich 
ein paar der letzten Refte. 

In der Frühe des anderen Tages (17. Mai) brachen wir von un- 
ferem Ankerplatze auf, paffierten die kaum mehr als zwei Meilen 
entfernte holländifche Grenze, ohne von Zollbeamten aufgehalten zu 
werden und dampften nach Humboldt-Bai, welche bald den folgen- 
den Anblick bot (S. 349;. 

Der Hügel im Vordergrund links, mit den kahlen (rot und weifs 
gefärbten) Felsfiecken ift Kap Bonpland (wohl nicht höher als 500 
bis 600 Fufs), die Bergpyramide in der Tiefe der Mera, eine treff- 
hche Landmarke für aus Oft kommende Schiffe und Wegweifer zum 



*) „Journ. des Mus. Godefroy" Heft IV, S. 49 T. IL — Unbegreiflicherweife er- 
klärt Kubary diefes ..Geld" als „natürliche Emaillen"! als wenn die Natur irgendwo 
farbige Mofaikglasperlen hervorbrächte. 



Kaifer Wilhelmsland (Humboldt-Bai etc.). 249 

heften Ankerplatze. Er mag an 8oo bis icxx) Fufs hoch fein und 
erhielt den bezeichnenden Namen mera = rot, weil fich in der dichten 
Bewaldung ein ziegelroter Streif fchon von weitem bemerkbar macht, 
der von rotem Thon herrührt. Kap Caillie, die nordweftliche Ecke 
der Einfahrt, trat erft fpäter deutlich hervor als ein ca. 400 — 500 Fufs 
hoher, fteiler, dichtbewaldeter Hügel, mit einer kahlen Felsftelle an 
der Bafis. Die Entfernung zwifchen den beiden Kaps beträgt ca. 
vier Meilen, die Tiefe der ziemlich halbkreisförmigen Bai, deren 
Pforten fie bilden, etwa ebenfo viel. Da uns, wie erwähnt, eine 



Einfahrt in Humboldt-Bai. 

Spezialkarte fehlte, fo mufsten wir in diefem ausgedehnten Waffer- 
becken erft einen Ankerplatz fuchen. Die Ansuchten dafür fahen 
nicht eben günftig aus: foweit das Auge reichte, nichts als Sandftrand 
mit Kokospalmen und — Brandung. Als wir aber den letzten hüge- 
ligen Vorfprung (Hagenaarshoeck) paffierten , öffnete fich in Südoft 
eine hübfche kleine Buchtung, mit einigen kleinen Infein (Muskiet- 
und Meeuweneiland) oder vielmehr bewachfenen Felfen am Eingange 
und in diefe fchlüpfte die Samoa hinein und ankerte in fünf Faden. 
Da lagen wir gar prächtig und v^or allem ruhig; denn nur Vogel- 
ftimmen ertönten aus dem dichten Urwalde, welcher die »Samoa- 



■2^0 Siebentes Kapitel. 

Cove« (wie ich fie fpäter nannte) fäumt, und nirgends waren Anzeichen 
von Menfchen zu fehen oder zu hören. Und das follte Humboldt- 
Bai fein mit den wunderbaren Pfahlbauten, den lärmenden und zu- 
dringlichen Eingeborenen, über die ich felbft gefchrieben hatte? Das 
war freilich fchon lange her, und in zwanzig Jahren kann das Gedächt- 
nis über fo entfernte Gegenden, die man nicht aus eigener Anfchau- 
ung kennt, wohl wackelig werden. Ja, ganz richtig! ich hatte mich 
geirrt und die gefuchte Binnenbai mufste ja gerade in entgegen- 
gefetzter Richtung in Weft liegen. Sehen konnte man fie freilich 
nicht; nur kahle grafige Berge, fanft abfallende Ausläufer des Cyclop- 
gebirges *), deffen Gipfel häufig Wolken einhüllten, traten dem Auge 
wenig anlockend entgegen, aber hinter einem felfigen Hügel, da mufste 
das gefuchte Ziel liegen. 

Diesmal irrten wir uns nicht, denn noch während des Anker- 
hivens wirbelten Rauchfäulen in jener Gegend auf, zum Zeichen, dafs 
auch wir bemerkt waren. Und als wir längs der Küfle, die aus einem 
faft ununterbrochenen Kokoswald zu beflehen fcheint, in Fahrt waren, 
da kamen hinter jenem Felfenhügel bereits Kanus hervor, — eins, 
zwei, — fechs, — eine ganze Menge! Als handle es fich um eine 
Regatta, fuchte ein Kanu das andere zu überholen, denn jedes wollte 
ja das erfte längsfeit fein, um zuerft befchenkt zu werden, wie dies 
die Eingeborenen im Verkehr mit Weifsen gelernt hatten. Ja, diefe 
Leute kannten bereits Schiffe, das konnte man fchon am Erften 
fehen, der herankam. Er wufste gleich, wo er fich fefihalten muffe, 
um an Bord zu voltigieren, und ich hatte wieder Arbeit, um fchmutzige 
Papuafinger, die fich bereits an die Reiling klammerten, los zu machen 
und ihre Befitzer ins Kanu zurück zu fpedieren. Ganz nahe des 
felfigen Hügels, der, wie fich fpäter zeigte, das Ende der Landzunge 
Anefsau (Rotshoek der holländifchen Karte) ifl:, ankerte die »Samoa« 
heut zum zweitenmal. Da hatten wir nun bald die gefürchteten 
Humboldtianer in jeder Auswahl um uns, und immer mehr Kanus 



*) Die Höhe desfelben ifl mit 6000 Fufs zu hoch angegeben und beträgt wohl 
nicht mehr als 4000. 



Kaifer Wilhelmsland (Humboldt-Bai etc.). 



OD 



brachten neue Zufchauer um jene Felfenecke heran. Auch aus Nord 
von den Mathilden- und Magdalenen -Infein vor Challenger-Cove 
zeigten fich Segel. Der erfte Eindruck diefer Leute war allerdings, 
auch für das an Papuas gewöhnte Auge, kein günfliger, fchon des- 
halb weil fie, mit Ausnahme des bekannten Halsftrickchens und 
Grasarmbandes, total unbekleidet waren. Doch bemerkten wir auch bei 
ihnen einzeln die bereits (S. 337) erwähnten Kaiebaffen. Hautkrank- 
heiten, namentlich Ichthyosis, waren nicht fo häufig als anderwärts 
aber ich bemerkte eine Menge Leute mit Pockennarben, anfcheinend 
vierzig Jahre alte Individuen. Im übrigen waren aber auch diefe 
Eingeborenen echte Papuas, im allgemeinen vielleicht von etwas 
dunklerer Hautfarbe als an der Oftfpitze, aber es gab, wie überall, 
auch hellere Individuen (bis Nr. 30). Der vorherrfchende Färbungs- 
ton hielt fich zwifchen Nr. 28 und 29 aber mehr zu 28 neigend. Das 
wenig gepflegte Haar ift echt melanefifch. Powells Angabe, die 
hiefigen Eingeborenen feien »von mehr malayifchem Typus«, fand 
ich daher nicht zutreffend, auch war keiner, der ein holländifches, 
gefchweige ein englifches Wort verbanden hätte. Die guten Leute 
fchienen übrigens ziemlich verblüfft, nicht an Bord kommen zu dürfen, 
betrugen fich aber nicht fchlimmer als ihre Nachbarn am Sechstroh. 
Die Kanus, ganz in der Bauart wie dort, und mit ebenfolchen ge- 
fchnitzten Schnabelauffätzen, trugen meifl nur drei bis fechs, höchftens 
acht Mann. P2in alter pockennarbiger Kerl offerierte mir fehr bereit- 
willig feine Wafferdrofchke, um mich in die Nebenbai zu rudern, 
was ich aber freundlich ausfchlug, da ich mein Leben bereits zwei- 
mal in folchen Seelentränkern riskiert hatte. Freilich »der Ausleger 
verhindert das Umfchlagen«, lieht in den meiflen Büchern, aber wer 
fo manches Kanu umkippen fah wie ich, der weifs das beffer. In 
unferem Whaleboot konnte das nicht paffieren, welches zur Fahrt 
foeben klar gemacht wurde, zu der fich auch unfere Mioko-Schwarzen 
als Ruderer in den heften Staat werfen mufsten. Sie fahen bald in roten 
englifchen Uniformröcken, Mützen der »Heilsarmee«, Sachen, die ich 
für derartige Gelegenheiten eigens in Sydney gekauft hatte und in 
weifsen Pantalons gar ftattlich aus, machten aber betrübte, lange Ge- 



2C2 Siebentes Kapitel. 

fichter. »Doctor! me like Market!« (ich Avünfche eine Muskete), fagte 
Jimmy, »bye and bye Kanaker he fight, me killo (damit ich die Ka- 
naker totfchiefsen kann, wenn fie uns angreifen). — »Ja, nicht wahr? 
das möchtell: du wohl, fo ein bifschen fchiefsen, aus purer AngftI 
es wäre auch grofs fchade, wenn einer von euch erfchlagen würde lo 
gab ich ihm tröflHch zur Antwort — und »down! pull« (rein! rudert!) 
da gingen wir fchon dahin. Aber nicht in Windeseile, denn unfere 
furchtfamen Kanaker Hefsen fich Zeit und bemühten fich nicht, eine 
Wettfahrt einzugehen, zu welcher die uns begleitenden zum Teil nur 
von Frauen geführten Kanus fo fehr reizten. Übrigens fetzt bei 
Ebbezeit, wie wir fie hatten, ein ftarker Strom um die Felfenhuk, 
den die Eingeborenen, fich dicht am Ufer haltend, vermeiden konnten. 
Alle Erwartungen waren gefpannt, als wir um die verhängnisvolle 
Ecke in die kleine Nebenbai einbogen, die ich fpäter Beccari-Cove 
nannte. Sie zeigt im Norden dichtbewaldete Felfenhügel, zum Teil 
mit Plantagen, weiter Weft höhere Berge ; der füdlichere Kokosufer- 
ftreif endet in eine ausgedehnte Sand- und Schlickbank, die bei 
Hochwaffer überflutet wird. Noch zeigte fich nichts von Siedelungen, 
aber dort, hinter einer zweiten Huk, in einer kleinen Buchtung, da 
ftanden Häufer im Waffer, nur fieben, das Dorf Ungrau. Ja, folche 
Pfahlbauten hatte ich in Neu-Guinea noch nirgend gefehen; fie er- 
fchienen gegen die armfeligen Hütten an der Südoftküfte (P. Mo- 
resby, Hood-Bai etc.), wie Paläfte. Das Separatbild S. 352 zeigt 
einen Teil des Dorfes Tobadi (auch Tobari ausgefprochen), der Perle 
von Humboldt-Bai und des Pfahlbauertums der Steinzeit überhaupt, 
wie ich es an Ort und Stelle fkizzierte. Das Dorf liegt ebenfalls in 
einer kleinen Einbuchtung verfteckt, der nächflen von Ungrau , und 
machte mit feinen dufteren, von Wetter und Rauch gebräunten Häu- 
lern, einen äufserft fremdartigen Eindruck. Von weitem glaubt man 
ungeheuer grofse Wigwams, oder Ofhiaken-Dfchums, im Waffer 
fchwimmend zu erblicken, aber bald fehen wir, dafs es folide auf 
Pfählen ruhende Bauten find, die im wefentlichen aus einem fpitzen, 
meift viereckigen Dache beftehen, deffen Spitze 30 Fufs und mehr 
Höhe erreichen mae. Sie ift häufig mit einer runden Holzfeheibe 



Kaifer Wilhelmslaiid (Humboldt-Iiai etc.). 253 

gekrönt, auf der als befonderer Schmuck eine roh gefchnitzte, menfch- 
liche Figur, in fitzender Stellung hockt. Diefe aus Ried oder Gras 
fahr forgfältig gedeckten Dächer ruhen auf ca. fünf Fufs hohen Seiten- 
wänden aus gefpaltenem Bambu und haben zwei gegenüber liegende 
Eingänge, vor denen Plattformen errichtet find. Letztere ragen (bei 
Ebbe) an fieben bis neun Fufs über die Wafferfläche und flehen 
ebenfalls auf Pfählen. Dabei darf man fich aber nicht Pfähle nach 
unferen Begriffen, ftarke, gerade, behauene Stammstücke vorflellen, 
fondern fchiefe, krumme Stämmchen, die gegenüber dem gewaltigen 
Bau unverhältnismäfsig dünn erfcheinen. 

Ohne viel zu fragen, voltigierten wir, über den Rücken eines 
Schwarzen, auf die Plattform, deren Betreten allerdings Vorficht er- 
heifcht, da fie aus morfchen, wackeligen Brettern (Seitenborden alter 
Kanus) befteht, und treten, ein Heck überkletternd, ins Innere. Zu- 
nächfl ift natürlich nicht viel zu fehen, denn die Thüren und die 
Öffnung in der Dachfpitze fpenden nicht viel Licht, aber das Auge 
gewöhnt fich nach und nach an die Dunkelheit. So konnte ich denn 
den Grundrifs eines folchen Haufes fkizzieren, wie ihn Taf. II. 2 des 
Atlas darfteilt. Es ift ein Familienhaus mit Scheidewänden in jeder 
Ecke, beherbergt alfo vorausfichtlich vier Familienverbände. Die 
Feuerftellen beftehen aus viereckigen mit Sand gefüllten Rahmen und 
find mit Töpfen befetzt, die überhaupt einen hervorragenden Teil 
des Hausrates bilden und zu denen der Mera das Material liefert. 
Diefe Töpfe (Uro) haben diefelben Formen als am Sechstroh (IV, 
I, 2), find oft von bedeutender Gröfse und zuweilen mit bunter 
Malerei, in Schwarz, Weifs, Rot, zum Teil Figuren von Vögeln und 
Fifchen darftellend, verziert. Den meiften Hausrat hatte man hän- 
gend, zum Teil auf grofsen Horden untergebracht und noch befon- 
ders mit etwas höher befeftigten, grofsen hölzernen Scheiben bedeckt 
um die Vorräte vor den Ratten zu fichern, von denen es unter folchen 
Grasdächern wimmelt. Da der beftändige Rauch alles fchwärzt, fo 
find die meiften Gegenftände, wie dies überhaupt Papuafitte ift, in 
Blätter oder Tapa eingefchlagen. Doch bemerkte ich fchöne Plfch- 
netze und v/eitmafchige Netze aus dicken Stricken, die bei den Treib- 

Finfch, Samoafahrten. 2^ 



354 



Siebentes Kapitel. 



Jagden auf Wildfchweine dienen; an Waffen nur lange Speere (keine 
Keulen, Schilde und KüralTe). Gerüll;e zum Schlafen fehlen, da da- 
für die fehr faubere und ebene Diele benutzt wird, welche aus fchmal 
gefpaltenen (ca. drei Zoll breiten) Latten (wohl von der Betelpalme) 

befteht. Als Kopfun- 
terlage dienen die be- 
kannten kleinen Bänk- 
chen (S. 312). 

Die Eingeborenen 
betrugen fich übrigens 
fehr anftändig, ja fogar 
gaflfrei, denn eine alte 
Frau gab uns etliche 
geröflete, fehr gute 
Yams und in einer 
Schöpfkelle aus Ko- 

kosnufs W'affer zum 
Trinken. Das galt aber 
nicht als Begrüfsungs- 

zeremonie. fondern 
gefchah nur ganz zu- 
fällig. Es ging uns 
alfo beffer als den Be- 
fuchern vom »Challen- 
ger«, die nicht einmal 
in ein Haus gelaffen 
wurden. Freilich mach- 
ten wir nicht viel Um- 
flände, und andererfeits 
hütete ich mich wohl, die Hobeleifen, Meffer und Glasperlen, die ich 
in einer Tafche bei mir trug, zu zeigen, fonft wäre es mit Notizen- 
machen aus gewefen und gewifs zu einem Radau gekommen. Ich 
begnügte mich, nur alte Weiber mit Streifen roten Zeuges zutraulich 
zu machen, und diefe lockten dann auch die anfangs fchreiend aus- 




Damen Voll Humboldt -Bai. 



Kaifer Wilhelrasland (Humboldt-Bai etc.). 355 

reifsende jüngere Damenwelt herbei, von welcher die vorherige Ab- 
bildung Typen zeigt. 

Verheiratete tragen ein grofses Stück lapa, mit einem Strick 
um die Hüften befefligt, das fehr dezent und ganz wie die Lavalavas 
der Polynefier kleidet. Diefe Tapa ift zuweilen weifs gebleicht oder 
in bunten Muftern bemalt; zum Feftbinden dienen manchmal hübfche 
Schnüre aus Coix- und Adenanthera-Kernen, mit allerlei Anhängfein. 
Unverheiratete begnügten fich, wenn auch fchon in heiratsfähigem 
Alter, mit dem befcheidenen Koflüm Evens vor dem Fall. Aber die 
Mädchen eilten bei unferer Ankunft ihre Blöfse, durch ein Stück Tapa 
oder ein Faferfchürzchen zu decken. Auch diefe hübfchen, dunklen 
Geftalten wurden mit roten Streifen bedacht, machten dem Vorrate 
aber bald gegen meinen Willen ein Ende. Die Zeugfetzen folgten 
nämlich Dalimanns feidenem Tafchentuche nach, das fchon im erflen 
Haufe geflohlen worden war. Ja, das mahnte zur Vorficht; denn 
diefe lieben Naturkinder verbanden fo gefchickt als ein grofsftädti- 
fcher Tafchendieb zu flehlen. 

Von grofsen fpitzdachigen Familienhäufern waren in Tobadi*), 
das im ganzen nur 32 Baulichkeiten zählte, nur ein Dutzend vorhan- 
den, die anderen hatten die gewöhnliche Hausform mit fchrägem, 
meifl: gradfirftigem, zuweilen fattelförmigem Dach. 

Über einen nichts weniger als bequemen Steg, aus einem unbe- 
hauenen Baumflamme, turnten wir nach der Plattform des merkwür- 
digflen Bauwerkes von Tobadi, dem fogenannten »Tempel« hinüber. 
Schon diefe an den Längsfeiten ca. 50—60 Fufs meffende Plattform, 
war ein gewaltiges Werk, konnte ihren Zweck als Tanzplatz aber 
nicht mehr erfüllen, da fie bedenkliche Senkungen zeigte. 

Wie in der Befchreibung der Etnaexpedition zu lefen, hatten fich 
die erflen Befucher nur dadurch Erlaubnis zum Eintritt verfchafft, 
dafs fie als Zeichen der Verehrung vor dem Tempel niederknieten, 
wovon die Papuas wohl wenig begriffen haben dürften. Wir aber 



*) Im Reifewerk der Etna-Expedition , wie fo manches, übertrieben zu 90 Lläufern 
angegeben, wofür in der engen Buchtung fchon der Platz fehlt. 

2t 



■jc5 Siebentes Kapitel. » 

machten keine langen Faxen. Ich fagte den Leuten auch hier, »dafs 
ich Finfch aus Bremen« und ein »Wapime« (Freund) fei, und hie 
und da einen auf die Schultern klopfend, andere fanft zurückdrän- 
gend, befanden wir uns bald im Heiligtum. Diefem »fait accompli« 
gegenüber konnten die Eingeborenen nichts Befferes thun, als die 
gewöhnlichen Friedenszeichen anzubieten: niederzufitzen und Betel, 
was wir durch einige Zigarrenftummel erwiderten. Es litt mich aber 
nicht lange auf dem Baftftück, das hier die Stelle von Matten ver- 
tritt, zu hocken, fondern ich begann, wie ftets, fogleich mit Aufzeich- 
nungen, denen der Grundrifs {T- H. i) fein Entfliehen verdankt. Ein 
fchräger Steg führte von der Plattform auf die etwas höher liegende 
Hausdiele, die 40 bis 50 Fufs Durchmeffer haben mochte und fo 
fchön war als in den Familienhäufern. Erft im Innern konnte man 
recht die flau nens werte Konftruktion des an 60 Fufs hohen Daches 
bewundern, um fo beffer, als die im oberflen Teil offene Spitze ziem- 
lich viel Licht einliefs. Das ift ein Gewirr von fchiefen und geraden 
Stützen und Querhölzern in allen Richtungen, in welchen man, auch 
ohne Architekt zu fein, doch Syftem erkennen konnte, und dabei 
waren alle Teile nur mittelfl: Lianen oder Stricken zufammengebunden. 
Dem ganzen merkwürdigen Turmbau fchienen übrigens nur vier 
Hauptpfeiler als Grundfeflen zu dienen; die niedrigen Seitenwände 
des von aufsen achteckigen Gebäudes fchlofsen in den Ecken ge- 
rundet ab. fo dafs das Innere faft kreisförmig erfchien. Feuer- 
ftätten und Kopfbänkchen zeigten, dafs das Haus auch als Wohnung 
dient und zwar für die unverheiratete junge Männerwelt, denn alte 
Junggefellen giebt es bei den Papuas wohl im ganzen wenig. Der 
fo berühmte »Tempel« hat eben mit Religion nichts zu thun und ifl 
einfach eins jener Verfammlungshäufer der Männer, wie fie überall 
in Melanefien vorkommen und die aus bekannten Gründen für das 
weibliche Gefchlecht »tabu« fmd. Ja, in diefem Tempel mochte 
fchon manches Fefteffen gehalten worden fein, denn wohl ein paar 
Hundert Schweinefchädel, in allen Stadien der Verräucherung, waren 
in Ouerleiflen eingefleckt und bildeten den hauptfächlichften Aus- 
putz. Wie das flärkere Gefchlecht bei den Papuas in ungalanter 



Kailer Wilhelmsland (Humboldt-Bai etc.). 357 

Weife die Damenwelt am Bankett nicht teilnehmen läfst, um das 
»Poro« (Schwein) allein verzehren zu können, fo beforgt es auch 
den Tanz ohne die fchöneren Hälften. Das übliche Begleitinflrument, 
die Holztrommel (Mefchink), in der bekannten Form, fehlte auch im 
»Tempel« nicht, ebenfo wenig als das unerläfsliche Lärmrequifit, eine 
Signaltrommel (Kaduar). Sie war aufserordentlich grofs, wohl 10 bis 
12 Fufs lang, kanuförmig und der belTeren Refonanz wegen aufge- 
hangen. Bald hätte ich die Flöten (Ariho) vergeffen, auf denen »die 
Jünglinge des Tempels bei den religiöfen Tänzen mufizieren«, wie 
es in der Etnareife heifst. Ich verfuchte fogleich eine diefer »hei- 
ligen« Flöten, was die guten Eingeborenen-Seelen unendlich amü- 
fierte, denn ich brachte keinen Ton hervor. Hätte ich es gewagt, 
ein Hobeleifen her\'orzuholen, fo würden fie mir gern eine folche 
Flöte verkauft haben, fo mufste ich mich mit einer Abbildung (XIII. 5) 
begnügen. Es waren eben Flöten, Rohrflöten, wie anderwärts in 
Melanefien, ohne alle religiöfe Bedeutung, und aber wahrfcheinlich 
wie manche andere Inflrumente für die Frauen »tabu«. Waffen fah 
ich nicht, wahrfcheinlich weil die Männer alle Vorräte mit in die 
Kanus gefchleppt hatten; ebenfo wenig hier, wie in irgend einem 
anderen Haufe, Menfchenfchädel. Bios unter den Talismanen, welche 
an den Bruftfchilden befeftigt werden (meift Stückchen Rinde, Blätter 
und Vogelknochen) habe ich ein paarmal ein menfchHches Schlüffel- 
bein gefehen. Figuren, fogenannte »Götzen«, die man doch eigentlich 
in einem »Heidentempel« erwartet, fehlten ebenfalls. Nur im Vefti- 
bül ftanden drei kleine, anfcheinend aus dem weichen, zelligen Stamme 
von Cycas roh gefchnitzte Figuren (T. XV. 8), wohl die fchüchternen 
Verfuche angehender Künftler der Holzbildnerei, Dafür diente der 
»Tempel« aufserdem als Werkftatt, und ich hatte die feltene Freude, 
Holzfchnitzer der Steinzeit noch in voller Thätigkeit zu fehen. Mehrere 
junge Leute arbeiteten an einem ca. 15 Fufs langen Fries (Drom), 
der Figuren von Eingeborenen, Eidechfen und Fifchen zum Teil zier- 
lich durchbrochen ausgearbeitet zeigte. Mit Flufsmufcheln (Batifsa) 
und Rafpeln aus Rochenhaut fchabten und feilten noch einige da- 
ran, während andere bereits mit Bemalen begonnen hatten. Die 



^eg Siebentes Kapitel, 

Farben (fchwarz, weifs, rot und ockergelb) waren in Topffcherben 
oder Kokosnufsfchalen angerieben und wurden mit Federn als Pinfel 
aufgetragen. An fonfligem Ausputz bemerkte ich nur noch lange 
Büfchel von Pflanzenfafer, ebenfalls Erinnerungszeichen an gehal- 
tene Fefte. 

Die alte Schuld der total unrichtigen Abbildung des »Tempels« 
aus dem Reifewerk der Etna durch Kopie zur weiteren Verbreitung 
verholfen zu haben, konnte ich nach fafl zwanzig Jahren fühnen 
durch eine an Ort und Stelle aufgenommene korrekte Skizze (vergl. 
Separatbild). Derfelben find nur einige Worte zur Befchreibung des 
Aufseren hinzuzufügen. Die vier Abfätze des achteckigen Bauwerkes 
tragen buntbemalte Holzfchnitzereien, Friefe, wie wir fie im Innern 
foeben arbeiten fahen; vom unteren Dachrande hängen lange Fran- 
fen aus Palmfafer und (wie auch an anderen Stellen) Feflons von 
aufgereihten Eierfchalen (wohl Krokodil oder Megapodien). im Dache 
felbft flecken Palmwedel und verfchiedene buntbemalte Tierfiguren. 
Sie ftellen Vögel, Eidechfen und befonders kenntlich Fifche dar; 
auf der äufserften Dachfpitze thront eine menfchliche Figur, darüber 
ein Vogel, in fliegender Stellung, auf dem lärmende Glanzftare (Lam- 
protornis metallicus) luftig ihr Wefen trieben. Gleich neben dem 
Tabuhaufe baute man an einem anderen ähnlichen grofsen Gebäude, 
das fchöne Gelegenheit zu Pfahlbau-Studien gab. Ich will aber nur 
erwähnen, dafs das Gerüft (Hauptbild S. 352 in der Mitte des Hinter- 
grundes) mit unferen baupolizeilichen Verordnungen fehr im Wider- 
fpruch ftand und eben für Papuas praktikabel war, die im Klettern 
Grofsartiges leiften. Voll Bewunderung nahm ich Abfchied von dem 
Bauwerk. Wenn der Ankömmling die Verfertiger desfelben, draufsen 
in der Bai in ihren Kanus, als »nackte Wilde« bezeichnen durfte, fo 
mufste er ihnen das angefichts diefer Leiftung im flillen abbitten. Men- 
fchen, die derartiges fertig bringen, find gewnfs keine Wilden mehr, 
fondern haben fich bereits auf die Stufen einer Kultur hinaufgefchwun- 
gen, die nur zu wenig bekannt ifl, um Anerkennung zu finden. Dem 
civilifierten Herrn der Schöpfung ifl es eben mit der Civilifation ein- 
geimpft, feine nacktgehenden Speciesgenoffen für wild und fchamlos 



(S. 35S.) 




Tabuhaus ia Tobadi. 



Kaifer Wilhelmsland (Humboldt-Bai etc.). 259 

und wo möglich für bildungsunfähig obendrein zu halten. Das find 
die Papuas nun aber keineswegs. Ob fich diefe Bürger der Stein- 
periode jedoch in dem von uns gewünfchten Sinne entwickeln laffen 
werden, das ift freilich eine ganz andere Frage, deren Beantwortung 
bis jetzt nur fehr ungenügend verfucht wurde. An Bildungsfähig- 
keit mangelt es ihnen gewifs nicht, aber es ift zu bezweifeln, ob fie 
die Notwendigkeit, eine höhere Bildungsftufe zu erlangen, überhaupt 
einfehen und bei gebotener Gelegenheit benutzen werden. Jeden- 
falls fühlt fich der Papua im Kulturzuflande der Steinzeit fehr wohl; 
warum follte er alfo eine Änderung wünfchen, die nur nach unferen 
Anfchauungen eine Aufbefferung feiner Verhältniffe ift. Dafs folche 
fogenannte Naturmenfchen viel mehr zu leiften verflehen und leiften, 
als ihre geringen Bedürfniffe erheifchen , das zeigte fich wieder ein- 
mal recht deutlich angefichts diefer Bauwerke. Wozu diefe hohen, 
mühfam herzuftellenden Dächer? kleine unbedeutende Hütten genü- 
gen ja anderwärts! Aber auch dem Papua wohnt Schönheitsfinn 
inne. Er befeelt ihn eine Menge Dinge zu verzieren und auszu- 
fchmücken, die ohne diefen Kunftfleifs ihren Zwecken ebenfo gut 
entfprechen würden. 

Zu den grofsartigften Denkmälern diefes Kunftfleifses der Stein- 
zeit zählt ohne Zweifei das Tabuhaus in Tobadi. Von einer Hand- 
voll Menfchen, nur im Befitz von Steingeräten, errichtet, ifl es für 
diefe Periode ebenbürtig einer Pyramide zu vergleichen, und würdig 
der Bewunderung, welche wir jenen Riefenbauten zollen. Wie viele 
folche Denkfteine aus dem Wiegenalter der Menfchheit find aber 
bereits dahingefchwunden, unergründet für die civilifierte Welt, und 
wie bald werden ihnen diefe nachfolgen. Schon hängt das Damokles- 
fchwert auch über diefer bisher faft unberührten Cafe der Steinzeit. 
Denn, wenn der Plan einer regelmäfsigen Dampferfahrt nach Hum- 
boldt-Bai zur Ausführung gelangt, dann werden auch hier bald die 
letzten Refte jener Periode verfchwunden fein. 

Kommerzielle Erfolge dürfte eine folche Dampferlinie wohl kaum 
zu erwarten haben, da aufser dem bifschen Kopra, das vielleicht 
den einen oder anderen Trader ernährt, fich wenig holen laffen wird. 



-,gQ Siebentes Kapitel. 

Aber die niederländifch-indifche Regierung will wahrfcheinlich ihre 
Herrfchaft auch einmal in anderer kräftigerer Weife als mit dem 
blofsen »Je maintiendra« ihres Wappenfchildes zeigen. Wir entdeckten 
diefes ziemlich nutzlofe Symbol, womit Holland bis jetzt fall: aus- 
fchliefsend feinen Befitz, aber nicht zugleich feine Macht, in Neu- 
Guinea kennzeichnet, ganz zufälligerweife. Das »wapenbord«, eine 
gufseiferne Platte mit dem holländifchen Wappen und der obigen 
Devife, war forgfältig mit Rotang an einem Hauspfoften befefligt, 
und fehlen nach den frifchen Farben zu urteilen noch neu*) zu fein. 
Ja, diefe Wappenfchilde haben den holländifchen KriegsfchifFen fchon 
manchmal etwas zu thun gegeben, den Eingeborenen aber ein paar 
ftarke Nägel verfchafft. Denn das fcheint nach ihrer Auffaffung der 
einzige Zweck, und auch die hiefigen Eingeborenen würden mir das 
nutzlofe Gufseifen, das fie überhaupt gar nicht als »szigo« (Eifen), 
anerkannten, für irgend eine Kleinigkeit verkauft haben. Ich fuchte 
ihnen aber die hohe Bedeutung diefes Tabuzeichens des weifsen 
Mannes klar zu machen und belobte fie für die gute Verwahrung 
desfelben, 

Häuptlinge von irgend welcher Bedeutung fcheinen in Humboldt- 
Bai, wie meifl in Neu-Guinea, zu fehlen. Aber einige fchwarz- und 
rotbemalte Kerls mit viel roten Hibiscusblumen im Haar, wahrfchein- 
lich Honoratioren Tobadi's, hatten fich bald angefreundet und fpielten 
die Führer, inkommodierten indes mehr, als fie nützten. Die Wifs- 
begierde diefer Leute war wirklich lobenswert; fie wollten alles fehen, 
in die Hand nehmen und — felbft Tafchenuhr, Feldftecher und ähn- 
liche Dinge — gefchenkt haben. So zog mir einer den Schuh aus, 
während ich den Tempel zeichnete, indes ein anderer meine Tafchen 
zu vifitieren verfuchte. Auffallenderweife fchienen fie Gewehre und 
und deren Wirkung nicht zu kennen. 

Mit einigen der neuen Freunde kletterten wir ins Boot um an 
Bord zurückzukehren, da fich die Dörfer links am Eingange von 



*) Es wurde am 6. September 1883 durch die Expedition des Dampfers Sing Tjin 
errichtet und auf Janus-Eiland an einen ,,Tjamarabaum" genagelt. 



Kaifer Wilhelmsland (Humtoldt-Bai etc.\ 36 1 

Beccari-Cove doch nicht erreichen liefsen. Ich fah hier ein gröfseres, 
aus acht grofsen und acht kleinen Häufern beflehend, das Ingros 
genannt wurde, dahinter auf einer kleinen Infel (Janus-Eiland) noch 
einige Häufer: Kai. Diefe Dörfer lagen jetzt bei Ebbe unnahbar auf 
einer grofsen Sand- und Schlammbank, welche die Beccari-Cove nach 
Süd zu fchliefsen fchien. Doch liefs fich in der nördlichen Ecke 
hinter Tobadi noch eine kleine Infel, Timfau (Slavante- Eiland der 
holländifchen Karte) erblicken, auf der anfcheinend Häufer flehen. 
Beccari-Cove zieht fich übrigens bei Hochwaffer noch ziemlich weit 
nach Südofl, hinter dem fchmalen Kokosuferflreif hin, ill: aber für 
Schiffe unzugänglich. Alles in allem mag es, mit Einbegrifif der 
Siedelungen in Challenger-Cove, elf Dörfer in Humboldt-Bai geben, 
hinfichtlich deren Namen zum Teil noch arge Verwirrung herrfcht. 
Die Gefamtbevölkerung fchätze ich auf 1500 bis i8co, gegen 5CXX) 
in dem Etnareifewerk. Diefer Unterfchied rührt wohl weniger von 
dem Rückgange der Bevölkerung her, fondern liegt hauptfächlich an 
den viel zu hoch gegriffenen Schätzungen der erften Befucher. 

Die kleine »Samoa« war von weitem kaum zu erkennen; nur 
Mafien und Schornflein ragten aus einer wirren Maffe von Kanus 
hervor. Herr, du meine Güte! welch ein Gewimmell etliche fieben- 
zig Kanus lagen um den Dampfer, als wäre Jahrmarkt, und es koflete 
Mühe, fich durchzuarbeiten. Ja, ich wollte gern glauben, dafs der 
Steuermann und die Zehn, welche ihm noch geblieben waren, alle 
Mühe aufwenden mufsten, um die Gefellfchaft von Bord abzuhalten. 
Jetzt kam Hilfe, denn ich befafs ja einigermafsen Erfahrung, um das 
Gefchäft mit übernehmen zu können. Da die »Samoa« fo niedrig 
über Waffer lag, dafs ein im Kanu Gehender Mann mit dem aus- 
geflreckten Arme den Deckrand erreichen konnte, fo war es den 
Eingeborenen freilich leichter gemacht als auf den fieben Kriegs- 
fchiffen, welche fie bisher kennen lernten. Bald an Steuer- bald an 
Backbord zum Rechten fehend, hatte ich gute Gelegenheit, das in- 
tereffante Bild zu betrachten. Die Männer glichen ganz den vorher- 
gefehenen, und der junge Krieger von Maffilia (S. 333 , könnte ebenfo 
gut als Type eines Humboldtianers gelten. Gewöhnlich war ihr Aus- 



362 



Siebentes Kapitel. 



putz aber nicht fo reich als an diefem, und rote Bemalung, oft das 
ganze Geficht und Bruft bedeckend, bildete einen hervorragenden 
Teil desfelben, wie Hibiscusblumen und Blätterfchmuck. Ziernarben, 
oft fehr regelmäfsige auffallend erhabene Figuren bildend, fanden fich 
nicht nur an Männern, fondern auch bei Frauen. Die beigegebene 
Abbildung zeigt eine folche Ziernarbe auf der linken Achfel und 
zugleich die eigentümlichen Mufter der Tätowierung. Ich hatte diefe 
Körperverfchönerung feit Dinner-Infel nicht mehr gefehen und freute 
mich, fie hier wieder zu finden. Übrigens fchienen nur Frauen täto- 
wiert und trugen das Haar in dünnen, rotgefärbten Strähnen, ganz 

wie die Mädchen in Friedrich- 
Wilhelmshafen (S. io8). Bei der 
Mehrzahl der Weiber w^ar auf das 
Haar keine Pflege verwendet. We- 
nige hatten auch einen fo reichen 
Ohrfchmuck an dünnen Schildpatt- 
reifen aufzuweifen als die hübfche 
Frau unferes Bildes. Es gab übri- 
gens mehr niedliche Gefichter, und 
Humboldt -Bai fcheint in ganz 
Neu-Guinea die fchönften Frauen 
zu befitzen. 

Die guten Gefchöpfe kamen 
gleich kanuweis an und brachten 
eine Menge Bananen, Yams, Taro, Zuckerrrohr, wenig Kokos (Niu) 
und geräucherte Fifche, die fie gern los fein wollten. Aber an Taufch- 
handel war bei dem Gewimmel gar nicht zu denken. Wollte man 
irgend etwas haben, dann kletterten gleich fo viele herauf, dafs man 
Laft hatte, fie wieder herunterzuwerfen. Dazu ein Rufen und Streiten 
untereinander, kurzum ein unbefchreiblicher Lärm. Es war gut, dafs 
ich meine Einkäufe am Sechstroh gemacht hatte, und ich konnte mein 
ethnologifches Gewiffen beruhigen, indem alle Gegenftände, Geräte 
Schmuckfachen u. f. w. mit den dortigen ganz übereinftimmten. Da 
die Gefellfchaft nicht an Bord kommen durfte, alfo nicht fehlen 





Tätowierte Frau, Humboldt-Bai. 



Kaifer Wilhelmsland (Humboldt-Bai etc.). 



j^j 



konnte, wurde fie immer zudringlicher. )AVhiftle« ! (pfeife) Da fchrillte 
die Dampfpfeife, aber diesmal wirkungslos, denn die Leute kannten 
ja ihren Ton. Etwas mehr Luft fchaffte Abblafen des heifsen Waffer- 
dampfes aus den Ventilen an Bordfeite. Da wurde im Augenblick 
Platz gemacht, und es gab ein Drängeln und Stofsen, wobei mancher 
Ausleger abknakte. Aber die Sache erwies fich als ganz harmlos 
und wurde bald unter brüllendem Beifall als Scherz aufgefafst. Trotz 
aller Verficht war eine Konfervebüchfe gemauft, dem Thäter der 
Raub aber fofort abgejagt worden. Er zeigte fich fehr beleidigt und 
legte fchon einen Pfeil auf die Bogenfehne, aber gleich wieder nieder, 
als ihm einige plattdeutfche Flüche an den Kopf flogen. So ein 
bifschen Anlegen ifl ja noch nicht gefchoffen, das mus man nicht 
fo übelnehmen; es war gewifs nicht bös gemeint. Hatten die Leute 
Abficht, uns anzugreifen, dann würde nicht ein einzelner angefangen 
haben, fondern es giebt gleich einen ganzen Hagel von Pfeilen. Und 
dazu fehlte es nicht an Gelegenheit und Material, da fie ein wahres 
Arfenal an Bogen und Pfeilen mit fich führten. Da wir mit dem 
Gefehenen zufrieden fein konnten, fo war ein weiteres Abmühen mit 
den Eingeborenen, das fchliefslich doch vielleicht zu ernfterem Streit 
führen konnte, nutzlos und wir lichteten Anker. Eigentlich foUte 
weiterhin ein ruhigerer Platz für die Nacht aufgefucht werden, aber 
die Leute fchienen unferen Plan zu erraten. Was Hände hatte, ver- 
fuchte fich am Schiffe feflzuhalten und an Bord zu klettern, kurzum 
die ganze Flotille folgte uns nach. Diefe Hetzjagd fchien den brü- 
lenden Infaffen gerade ein befonderes »Gaudi«, wie der Wiener fagen 
würde. Das fah wenig nach Ruhe aus, und da wir an dem Lärm 
und Spektakel gerade genug hatten, fo nahmen wir Abfchied von 
Humboldt -Bai und dampften feewärts. In wohlthuender Stille liefs 
ich die Erlebniffe des Tages an meinem Geifte vorüber ziehen und 
kam hinfichtlich der Eingeborenen zu dem Schlufs, dafs auch die 
vielgefchmähten und verleumdeten Humboldtianer beffer find als 
ihr Ruf. Überall wird ihre Hinterlift und Verräterei hervorgehoben, 
aber bis jetzt liegen keinerlei Beweife dafür vor. Schreien und ein 
mehr als ungeniertes Wefen, das ift ihnen eigen, wie fie auch nicht 



^54 Siebentes Kapitel. 

von Stehlfucht freizufprechen find. Aber daran find hauptfächlich 
die erflen Befucher mit fchuld , die fich foviel gefallen liefsen und 
die Schwächen der armen, nackten )A\ilden« zu rückfichtsvoll über 
fich ergehen liefsen. Wenn auf Kriegsfchiften allerlei, felbfl: anfchei- 
nend geficherte Gegenftände geflohlen wurden, wie wäre es da wohl 
der kleinen »Samoa« ergangen, wenn wir die Gefellfchaft an Bord 
gelaffen hätten? Es wurde aber immer gut aufgepafst, und fo kamen 
während aller unferen Reifen nur ein paar unbedeutende Diebflähle 
durch Eingeborene vor. 

Wir waren wieder einmal in offener See; unter uns tiefblaues 
Meer, über uns lichtblauer Tropenhimmel, der fich an einem ^lorgen 
fogar faft durchaus wolkenlos zeigte, was ich deswegen bemerke, 
weil dies in diefem Teile der Tropen äufserft feiten vorkommt. Der 
nicht unerhebliche Weflftrom, gegen den die »Samoa« tapfer arbeitete, 
liefs es Kapitän Dallmann, im Hinblick auf den Kohlenvorrat, rät- 
lich erfcheinen, direkt nach Mioko zurückzukehren. Aber noch blieb 
zur Vollendung unferer Küftenfahrt die Strecke von Vulkan -Infel 
bis Kap Croiffilles übrig, und diefe Lücke von lumpigen 70 IVIeilen 
durfte doch unmöglich ungefehen bleiben. So willigte der Kapitän 
ein, O.-S.-O. zu fteuern, nach jenen Infein, die fich von Vulkan, ca. 
20 Meilen von der Küfle, an 80 Meilen weit nach W.-N.A\'. hin- 
ziehen. D'Urville benannte fie Schonten -Infein, was deshalb eine 
Neubennung nötig macht, weil gleichnamige Infein an der Küfte 
Neu-Guineas (in Geelvinks-Bai) fchon viel früher fo getauft wurden. 
Der Name Le Maire's, des verdienftvollen Gefährten Schouten's, deffen 
Andenken bis jetzt kein Name auf der Karte Neu-Guineas ehrt, foll 
deshalb die Stelle des Irrtum erregenden fortan erfetzen. 

Wir hatten am zweiten Tage D'Urville-Infel gefichtet und nach 
und nach kamen auch Roifsey, Deblois und Jacquinot zum Vorfchein, 
von denen die erflere die gröfste und an fechs Meilen lang fein mag. 
Diefe weillichen Le ]\Iaire-Infeln erfcheinen als dichtbewaldete, mäfsig 
(400— 600 Fufs) hohe Bergrücken, von wenig vulkanifchem Gepräge, 
das in Garnot fchon deutlicher hervortritt. Diefe Infel bildet einen 
ebenfalls dicht bewaldeten itumpfen Kegel, ca. 600 bis Soo Fufs hoch, 



Kaifer Wilhelmsland (Humboldt-Bai etc.) 



J^D 



fcheint aber keine Kokospalmen zu befitzen. Aber eine kleine Infel 
ca. anderthalb Meilen Südweft davon, die ich Hirt-Infel benannte, 
ift fafh ganz mit folchen bewachfen und v^orausfichtlich flark be- 
völkert. 

Das Bild eines typifchen Vulkans zeigt Blofseville, ein fteil aus 
dem Meere auffleigender, dichtbewaldeter, ca. 1200 Fufs hoher Kegel, 
der immer intereffanter wurde, je mehr wir ihm näher kamen. Da 




Infel Blofseville aus Wefl. 

zeigten fich die kahlen grünen und braunen Flecke als Plantagen, 
zum Teil mit Kokospalmen, und oben am Kraterrande ftand ein 
grofses Dorf mit 20 Häufern, etwas weiter von demfelben zählte ich 
noch zwei Siedelungen von fechs, refp. vier Häufern. Diefen Häu- 
fern fehlten nur blinkende Glasfenfler und man würde fich in die 
Heimat verfetzt gefühlt haben. Das mufs ein luftiges und luftiges 
Wohnen fein, da oben in ca. lOOO Fufs Höhe, wenn man erft oben 
ift. Wie die Leute überhaupt hinaufkommen, blieb mir unerklärlich, 



206 Siebentes Kapitel. 

denn von irgend einem Pfade war, auch mit dem Fernrohr, keine Spur 
zu entdecken. Wenn die andere Seite der Insel nicht günftigere Ver- 
hältniffe bietet, dann können die Bewohner nur in den beiden fall 
fenkrechten Schluchten, wie in einem Schornfteine emporklettern. 
Aber gefichert find fie hier, das ifl: kein Zweifel, und es wird wohl 
noch lange dauern, ehe ein W'eifser auf diefem Hort der Steinzeit 
mit Bandeifen und Glasperlen erfcheint, um Civilifation einzuführen. 
Schon einige Meilen Weft von Garnot waren wir aus tiefblauem in 
fcharf abgefetzt tiefgrünes Waffer gekommen und fahen ca. zehn 
Meilen Südoft von Blofseville einen weifsen Schaumflreif voraus, 
hinter dem wir an fieben Meilen durch trüb lehmbraun gefärbtes 
Waffer dampften. Dasfelbe rührt vom Kaiferin Augufta-, Prinz Wil- 
helm- und Ottilienflufs her, die fich noch 15 Meilen von der nur 
fchwach erkennbaren KüRe in diefer Weife kennzeichnen, Färbungs- 
verhältniffe, die nach dem jeweiligen Wafferftande natürlich fehr 
variieren. Die Kabbelung des öftlichen Schaumftreifes »kochte«, wie 
der Schiffer fagt, fo flark, dafs Spritzwellen auf Deck fchlugen, eine 
Erfcheinung, die wir fonft nirgends beobachteten. Treibholz*) gab 
es in Menge, darunter ganze Baumftämme, die Schiffen oft gefähr- 
lich werden können. So geriet der »Bafilisk« neun Meilen Nordwefl: 
von Leffon in ein Gewirr von Treibholz, aus dem er mit Mühe und 
nicht ungefchunden herauskam. An folchen Kabbelungen pflegen 
fich Scharen von Fifchen zu tummeln und, durch fie angelockt, Vögel 
(Sterna Bergii, Anous, Fregattvögel und Tölpel;, die fich auch gern 
auf Treibholz niederlaffen. 

Leffon-Infel, die wegen bedeckter Luft erlt fpäter zu fehen war, 
ifl: ein getreues Abbild von Blofseville, nur bedeutend gröfser, an 
1800 bis 2000 Fufs hoch und in der oberen Hälfte kahl. Die W'olken, 
welche meift: den Gipfel bedecken, laffen über die vulkanifche Thä- 
tigkeit Zweifel, aber einmal glaube ich ficher Rauch gefehen zu 
haben. 

Noch vor Sonnenuntergang winkte uns das Feuer von Vulkan- 



*) Powell fifchte aus folchen gleich Kampferholz auf. 



Kaifer Wilhelmsland (Humboldt-Bai etc.). 36/ 

Infel feinen Grufs entgegen, und in der Früh des anderen Tages paf- 
fierten wir Hanfartrafse, welche Vulkan und die kleine Aris-Infel im 
Xordweften zwei ^Meilen breit trennt. Letztere Infel ifl nichts als 
ein ca. 200 Fufs hoher, dichtbewaldeter toter Krater, in den man 
an einer eingeflürzten Randflelle förmlich hineinfehen kann. Sie 
fcheint unbewohnt, wie die Xordweftfpitze von Vulkan. Wir gingen 
hart längs der \\'efl:küfle und fahen die Infel in ihrer ganzen impo- 
fanten Schönheit vor uns. Als die Mafchine geftoppt wurde, konnte 
man die unterirdifchen Kräfte arbeiten hören, gewaltiges, immer ftärker 
werdendes Braufen, das in ein fchwächeres Stöhnen und Ächzen 
überging, bis es eine Weile ganz fchwieg, um bald aufs neue zu 
beginnen. Das wunderfame, unheimliche Geräufch erinnerte an einen 
Riefenblafebalg und oben, aus der Elle, da wälzten fich gewaltige 
weifse Rauchmaffen; wahrlich eine unterirdifche Werkftatt der Natur, 
die den Beobachter mit ftummer Bewunderung erfüllt. 

Der flattliche, in feiner Form an den Stromboli erinnernde, aber 
höhere Berg mag über 4CXX) Fufs erreichen und ifl: bis zum oberen Drittel 
dichtbewaldet, am unteren Teile mit ausgedehnten grünen Flächen und 
ein paar grünen Hügeln verfehen. Das Bett eines alten Lavaflromes, 
den man bis zum JMeere verfolgen kann, bildet eine gewaltige Schlucht 
und weiterhin ficht man die fafl fenkrechte kahle Wand des gegenwär- 
tigen Hauptkraters, der etwas niedriger als die eigentliche Spitze liegt. 
Kokospalmen und Menfchen, deren Häufigkeit Schonten 1616 gedenkt, 
waren nur fpärlich vertreten. Denn nur an drei Stellen bemerkten wir 
einige Eingeborene, die mit Zweigen winkten und uns in Kanus einzu- 
holen verfuchten. Aber fpäter fahen wir an der Oftfeite viele Anzeichen 
von Bewohntfein in Plantagen und Rauch, und die fanft abfallenden, 
ausgedehnten Flächen hier werden ohne Zweifel treffliches Kultur- 
land bieten. Die Landungsverhältniffe fcheinen übrigens nicht günflig, 
und wie es in Bezug auf Waffer ausfieht, bleibt noch zu ermitteln. 
Da es bereits an der Weflfpitze von Neu-Britannien eine Vulkan- 
Infel giebt, fo verdient diefe, um Verwechfelung vorzubeugen, eine 
Sonderbezeichnung. Ich nenne fie daher Hanfa-Vulkan, die nord- 
weftliche Spitze Bremen, die füdweftliche Hamburg, die nordöftliche 



508 Siebentes Kapitel. 

Lübeck, zu Ehren der altehrwürdigen Hanfeflädte, deren Bürger 
ich bin. 

Stephanftrafse überquerend, begannen wir die weitere Küften- 
reife, da wo die Karten »Laing-Infel« verzeichnen, hinter der fich 
eine hübfche Bucht mit viel Kokospalmen in der Tiefe hineinzieht. 
Wir hatten aber keine Zeit, und ich mufste mich mit der Tagebuch- 
notiz »wäre fehr der Unterfuchung wert«*) begnügen. 

Mit Laing-Infel endet das Flachland und hinter dem dichtbe- 
waldeten Ufer beginnen wieder Hügelketten, deren ausgedehnte grüne 
Grasflächen der Landfchaft ein »liebliches und civilifiertes Ausfehen« 
verleihen, heifst es in meinem Tagebuche. »Urbargemachtes Land 
läfst auf Bevölkerung fchliefsen«. Wirklich erblickten wir fchon in 
der nächften Buchtung, die »wahrfcheinlich guten Ankerplatz bietet«**) 
mehrere hübfche Dörfer, mit oft beträchtlichen Kokoshainen. Die 
Küüe bildet jetzt eine fanfte Huk (»Podbielsky«: v. Schleinitz), hinter 
der fich eine kleine, dicht bewaldete Buchtung, Davidabucht und eine 
gröfsere Bucht (»Prinz Albrechthafen«: v. Schleinitz) öffnet, die eben- 
falls dichte Kokosbeflände und vier gröfsere Dörfer (bis zu zwanzig 
Häufern) zählt. Ihre Bewohner winkten mit grünen Zweigen und 
verfuchten in Kanus abzukommen, aber wir durften uns nicht auf- 
halten. Vor der letzten Bucht liegen zwei kleine, bisher nicht no- 
tierte Infein, die ich nach unferem Mafchinenmeifter Nielfen- Infein 
benannte. Sie fmd, wie die folgenden zwei Legoarant-Infeln, dicht 
bewaldet wie das Ufer, hinter dem fich immer noch grüne, ca. 500 
bis 600 Fufs hohe, Hügelketten hinziehen, die faft nur in den Schluch- 
ten mit Gehölz beftanden fmd. Aber weiter örtlich nehmen die 
etwas höheren Hügelzüge wieder vorherrfchend Waldcharakter an, 
wie die Kürte felbrt. Sie verläuft bis zu zwei kleinen Infein, welche 
fich jetzt voraus zeigten, in fünf fanften Buchtungen, die vielleicht 



*) Herr v. Schleinitz, dem die genaue Aufnahme diefer Küfte von Kap Gourdon bis 
zum Auguftaflufs zu verdanken ift, benannte fie ,,Hanfabucht" (vergl. Nachrichten über 
Kaifer Wilhehnsland Heft II 1887, ^'^^ Karte von Hauptmann Dreger). 

**) ,, Potsdam-Hafen'": von Schleinitz. Am Eingange, liegt die kleine .,Potsdam-Infel'', 
die auf meiner erften Kartenfkizze (Nachrichten etc. Heft IV. 1885) unrichtig verzeich- 
net ift. 



Kaifer Wilhelmsland (Humboldt-Bai etc.). 300 

auch gute Ankerplätze geben dürften und fcheint weniger bevölkert, 
denn ich zählte von den Legoarants an nur neun Siedelungen. Die 
erwähnten beiden Infein fchienen anfangs durch Riff verfperrt, aber 
wir fanden eine treffliche Einfahrt und lagen bald darauf in einem 
nicht minder guten Hafen zu Anker. Er erhielt den Namen Hatz- 
feldt-Hafen, die weftliche Infel Mahde (»Tschirimotsch« der Eingebo- 
renen), die öftliche Sechstroh (»Patakai« der Eingeborenen), nach 
unferen Steuerleuten. 

Bald hatten wir wieder einmal Kanus mit Eingeborenen, nach 
und nach achtzehn, um das Schiff, immer diefelben Papuageflalten 
wie überall. Aber gerade aus Humboldt-Bai kommend, erfchienen mir 
die hiefigen Eingeborenen doch etwas lichter gefärbt (zwifchen Nr. 28 
und 29, aber mehr zu 29 hinneigend). Sie unterfchieden fich von 
den zuletzt gefehenen Humboldtianern überdies in einem wefentlichen 
Punkte, und zwar fehr vorteilhaft, durch ihr ruhiges Wefen und 
muflerhaftes Betragen. Da mufste wieder einmal an Bord eingeladen 
werden; und erfl: nach vieler Mühe wagte es einer hereinzukommen 
in die gute Stube, die Kajüte. Die Leute fchienen aber Eifen zu 
kennen, denn fie machten die Pantomime des Schneidens; doch 
beobachtete ich kein einziges Stück bei ihnen. In Bekleidung (Taf. 
XVI. 3), und Ausputz, wie Haar- und Bartfchmuck, glichen fie ganz 
den bei Laing-Infel gefehenen Eingeborenen, wie denen von Venus- 
huk (S. 292). Aber ich bemerkte keine anderen Waffen bei ihnen 
als Speere, darunter fehr reich mit Kafuarfedern und Cuscusfell ver- 
zierte. Solche Felle, und zwar mit Schwanz und Beinen daran, dienten 
einzelnen als fonderbare Kopfbedeckung. Als Bruftkampffchmuck 
waren auch hier grofse Cymbiummufcheln mit allerlei Breloques (wie 
T. XXIII. I, von Laing-Infel) das Wertvollfte. Sonft erhielt ich noch 
fchöne, äufserft reich verzierte Brufttafchen (vergl. X. i) und hübfche 
Äxte mit Mufchelklinge (T. I. 6) von Hippopus. Die Kanus weichen 
nur unbedeutend von denen bei Venushuk ab. Ziernarben waren 
häufig, oft in fchwungvollen Schnörkeln auf Schulter und Achfel. 

An Land, wohin ich bald eine Exkurfion unternahm, fah es 
ganz verfprechend aus. Hinter dem fchwarzen Sandflrande, an welchem 

Finfch, Samoafahrten. 24 



570 Siebentes Kapitel. 

fich leicht landen läfst, dehnte fich ein weites, mit Hochgras und 
Bäumen (hauptfächlich Pandanus) beftandenes Vorland aus, das von 
dichtbewaldeten Bergen begrenzt wird, die hie und da Plantagen 
zeigen. »Das Land ift fehr der Unterfuchung wert« fchrieb ich da- 
mals unterflrichen in mein Tagebuch. Heute ift Hatzfeldt-Hafen eine 
Station der Neu-Guinea-Kompanie, mitVerfuchsplantagen, namentlich 
für Tabak, auf deffen Kultur ich als befonders wichtig und verfpre- 
chend wiederholt hinwies. Die Eingeborenen boten eine ^lenge 
Blättertabak an, den fie, wie in Port Konftantin »Kas« nannten, aufser- 
dem fpärlich Kokosnüffe (Niu). Zahlreiche Speerträger, darunter auch 
bewaffnete Knaben, gaben mir das Geleit und zeigten fich ganz zu- 
traulich. Auch hier herrfchte, wie überall in Melanefien, die unferem 
Gefchmack wenig behagende Umgangsform, Fremde am Arm oder 
der Hand zu halten. Es ift ein Zeichen der Freundfchaft, von dem 
ich mich aber ftets losmachte, denn man behält doch lieber die Hände 
frei, um wenigftens nicht ganz wehrlos erfchlagen zu werden. Die 
Leute wollten uns nach ihrem Dorfe haben, das etwas öftlich hinter 
einem Flüfschen lag, aber die anbrechende Dunkelheit nötigte an 
Bord zurückzukehren. Statt nun das Boot flott machen zu helfen, 
bemühten fich die Eingeborenen dasfelbe feftzuhalten, wahrfcheinlich 
aus Freundfchaft, was uns nicht hinderte, die Finger zu löfen. 

Öftlich von Hatzfeldt-Hafen find die Uferberge wieder vorherr- 
fchend dicht bewaldet, und weiter Inland wird ein höheres Wald- 
gebirge*) fichtbar, das fich O.-S.-O. bis Pallas-Point und vielleicht 
weiter zu erftrecken fcheint. Zwifchen Samoahuk und Kap Gourdon, 
die wie ftets an diefer Küfte nur fanft gerundete Vorfprünge bilden, 
findet fich wieder vorzugsweife fehr verfprechend ausfeilendes Gras- 
hügelland, ebenbürtig, ja vielleicht fchöner als das, welches wir von 
Laing- bis öftlich den Lesroarant-Infeln fahen. Diefer ganze Küften- 



*) Wenn Powell (1. c. S. 512) die Küfte nördlich von Aftrolabe- bis Broken-water- 
Bay als ,,hoch und fteil; mit zahlreichen Bergftrömen und Kaskaden, welche Hauptzüge 
derfelben bilden" befchreibt, fo wird man mit Recht zweifeln können, ob er fie über- 
haupt gefehen hat. Auch fehlt .,terrace formation" hier durchaus. 



Kaifer Wilhelmsland (Humboldt-Bai etc.). oji 

ftrich darf überhaupt als der befte in ganz Kaifer Wilhelmsland be- 
zeichnet werden, und ift zugleich der am dichteflen bevölkerte. Ich 
zählte von Laing-Infel bis etwas öfllich von Kap Gourdon 35 Siede- 
lungen und, nur fo im Vorüberfahren, neun Mündungen, allerdings 
meift kleiner Flüffe, fo dafs auch kein Mangel an Waffer fein wird. 
Es dürften fich daher in keinem Teile von Kaifer Wilhelmsland 
günftigere Verhältniffe für Anfiedelung und Kulturen finden als gerade 
an diefer ca. 30 Meilen langen Küfte, die fich auch trefflich zu Vieh- 
zucht eignet. 

Franklin- Bai ift von bewaldeten Hügelketten gefäumt, die bei 
Neptun-Point fich in eine höhere, fanft anfteigende Kuppe von ca. 
1500 — iSooFufs erheben, welche einige gröfsere grüne Flecke zeigt. 
Hellblau gefärbtes Waffer, vielleicht von Riffen oder Flüffen her- 
rührend, nötigte den Kapitän ein paarmal von der Küfle abzuhalten, 
fo dafs wir »Pallas-Point« der Karten nicht mehr deutlich ausmachen 
konnten, da überdies der Abend hereinbrach. Schon bei Neptun- 
Point unwirfch von einer fleifen Brife aus S.-O. empfangen, hatte die 
»Samoa« jetzt gegen den heftigen Weflftrom anzukämpfen, welcher 
zwifchen Dampier und dem Feftlande durch die Izumrudftrafse fetzt. 
Da die Kohlen auf die Neige gingen, fo rollte das zu leicht beladene 
Schiff viel ärger als fonft. Aber das war man ja gewöhnt, und auch 
dabei läfst fich ausgezeichnet fchlafen, zumal in einer fo kühlen 
Nacht als diefer mit nur 21^ R. 

Bei Anbruch des Tages (23. Mai; befanden wir uns in der Nähe von 
Kap Croiffilles und dampften längs der Küfte, um zunächst unferen 
Freunden in Friedrich-Wilhelmshafen einen Befuch abzuftatten. Wie 
beim erftenmale ertönten dumpfe Signaltrommeln, als wir Dallmanns- 
Einfahrt einliefen, aber nicht um die Krieger herbeizurufen, fondern das 
freudige Ereignis »Maclay ift wieder da« ! über die Infein zu verbreiten. 
Das gab wirklich ein gar herzliches Wiederfehen, wenn die Eeute bei 
aller aufrichtigen Freude auch nicht vergafsen an Tabak zu erinnern. 
Ich befuchte natürlich zuerft die Flaggenhalbinfel. Da war alles 
noch fo wie damals; Kakadus kreifchten in den Bäumen mit anderen 
Vogelftimmen um die W'ette, es fehlte nichts als die Flagge. Ja, 

24* 



•3^2 Siebentes Kapitel. 

die werden die Eingeborenen zu Stirnbinden oder Ahnlichem benutzt 
haben!« — Nein, da kannte ich meine guten Friedrich-Wilhelmshafener 
befferl — Sie errieten auch gleich, nach was mein Auge fuchte, 
»Die Flagge! ja, die hat Kuram von Bilia«, fo verftand ich die Leute, 
»idie ift gut aufgehoben.« Und fo war es auch. Da im »Szirit«, dem 
Rathaufe, da wickelte Kuram die »Kellkell« aus einem Blätterbiindel, 
in welchem fie mit den hochverehrten »Tohn« (S, I05\ tabu wie 
diefe, verpackt war. »Tabu! Nicht wahr, einen befferen Platz 
konnte die Flagge nicht bekommen?«, fchien fein freudefbrahlendes 
Auge zu fagen. Und, nicht wahr? füge ich hinzu, das würde niemand 
von »Wilden« erwartet haben. Aus dem »Panu« (Dorf), deffen 
Anlage die Eingeborenen diesmal mit aller Beftimmtheit erwarteten, 
wurde wieder nichts, — ich mufste fie auf fpäter vertröften. Wir 
durften uns nicht lange aufhalten, um noch bei den anderen Freun- 
den in Aftrolabe, auf Bilibili und in Bongu vorzufprechen, die fich 
nicht minder freuten, uns wiederzufehen und fo fehr zum Bleiben 
nötigten. 

Da konnte ich noch einmal das Dfchelum und den Telum Mul 
bewundern, für den man ein neues Haus errichtet hatte und dann 
dampften wir, Nord um Neu-Britannien, nach Mioko ab, wo die Sa- 
moa am 28. Mai wohlbehalten zu Anker ging. So war denn eine 
Reife glücklich vollendet, deren Hauptrefultate in dem Nachweis der 
fieberen Befahrbarkeit einer 250 Meilen langen Küfte auch für Segel- 
fchiffe, eines fchiffbaren Stromes, vier fchöner Häfen und ausgedehn- 
ten kulturfähigen Landes gipfelten, Ergebniffe, auf die wir mit Be- 
friedigung zurückblicken durften. 

Aber nun nach Haus, wo ich zur perfönlichen Berichterftattung 
verlangt wurde, zunächft alfo nach Sydney, da die »Samoa« ohnehin 
einer gründlichen Reparatur ihrer Mafchine bedurfte. Aber ich mufste 
erft noch die Station Blumenthal auflöfen, die nach der inzwifchen 
erfolgten Teilung Neu -Guineas zwifchen Deutfchland und Grofs- 
britannien dem letzteren Reiche zugefallen war. Die Einförmigkeit 
des Seelebens lag wieder vor uns, ging aber an mir, wie immer, fpur- 
los vorüber, da ftets reichlich vorhandene Arbeit Langweile nie auf- 



Kaifer Wilhelmsland (Humboldt-Bai etc.). 37^ 

kommen liefs. Die Beobachtung des Tierlebens raubte davon nur 
wenig Zeit, denn das Tropenmeer bietet auf feiner Oberfläche nicht 
viel, fondern will in der Tiefe unterfucht fein. 

Vögel zeigen fich meift nur vereinzelt und in wenigen Arten. 
Da wo gröfsere Scharen meift dunkler Seefchwalben (Sterna fuli- 
ginosa und anasthaeta, Anous) fich verfammeln, find fie von anderen 
Seetieren angelockt worden. Bald durch Züge von Fifchen, meift 
Makrelen, die, wohl infolge des Laichgefchäftes, oft in ungeheurer 
Menge erfcheinen, bald von Delphinen, die in »Schulen« vereint an 
die Oberfläche kommen, um zu atmen. Dadurch werden unzählige 
kleine Meertierchen aufgefcheucht, und diefe, fowie die Auswurf- 
ftoffe der grofsen, find es, welche die Seefchwalben beüändig fchrei- 
end befchäftigen. Man ficht fie dann unaufhörlich aufs Waffer nieder- 
fchiefsen , aber von allen Arten taucht nur Sterna Bergii wirklich 
unter. Fregattvögel, welche zuweilen bei diefen Vogelverfammlun- 
gen erfcheinen, beteiligen fich nicht felbft bei der Fifcherei, fondern 
laffen die Seefchwalben dafür forgen, indem fie ihnen die Beute ab- 
jagen. Wie ich Fregattvögel niemals tauchen fah, fo auch niemals 
fchwimmen, obwohl fie Schwimmfüfse befitzen. Aber die Natur fcheint 
oft fonderbar und richtet fich nicht nach den Syftematikern und 
ihren Einfchachtelungen. Sind fchon gröfsere Züge von Fifchen im 
ganzen feiten, fo gilt dies noch mehr von den Meeres -Säugetieren. 
Den Wafferflrahl (spout) von Walfifchen und zwar des Sperm- oder 
Potwal (Physeter), einer Art, die früher in diefer Region erfolgreich 
gejagt wurde, habe ich während diefen ganzen Reifen nur einmal 
beobachtet. Häufiger waren Tümmler oder Delphine (Delphinus), 
die Schweinfifche (Porpoises) der Seefahrer, darunter zuweilen eine 
gröfsere dunkle Grampus-Art, deren mächtiges Schnauben und Blafen 
gewöhnlich Aufregung an Bord hervorruft. Dann wird nach dem 
Gewehre gegriffen, obwohl man im voraus weifs, dafs die Jagd er- 
folglos bleibt. Hierbei mag erwähnt fein, dafs der »Delphine lieb- 
liche Scharen« nicht die treuen Begleiter des einfamen Schiffes find, 
wie es irgendwo im Liede heifst, fondern dafs fie nur für kurze Zeit 
demfelben zu folgen pflegen. Sie fcheinen meift Eile zu haben und 



"VJA Siebentes Kapitel. 

fteuern einen Kurs, der manchmal gerade unter dem Kiele des Schiffes 
weg führt. Zuweilen halten fie fich länger an einer Stelle auf, um 
zu fpielen. Denn fo erfcheint das luftige Springen, mit denen die 
mächtigen Körper fich oft überfchlagend hoch aus dem Waffer 
fchnellen; ein gar hübfches Schaufpiel. Der »Delphin« (Dolphin) 
der Seefahrer hat übrigens mit dem foeben erwähnten »Delphin der 
Landratte« nichts zu thun, fondern ift, wie das Attribut Neptuns, ein 
wirklicher Fifch (Coryphaena equisetis) und zwar ein fehr fchöner, 
von merkwürdiger Geftalt und Färbung. Die Rückenfeite ift gold- 
grün, zuweilen goldgelb, die Bauchfeite gelb, beide fchön himmel- 
blau punktiert. Dabei wechfelt die Färbung des fterbenden Fifches 
in wunderbar zarten Metalltönen, von denen alle Abbildungen nur 
eine fchwache Vorftellung zu geben vermögen. Glücklicherweife 
erfreut diefer Fifch nicht nur durch fein Farbenfpiel, fondern den 
materiellen Menfchen auch durch fein wohlfchmeckendes Fleifch und 
macht fomit eine rühmliche Ausnahme unter den meift wenig em- 
pfehlenswerten Südfeefifchen. Wir erhielten übrigens nur ein paarmal 
Delphine (Coryphaena), wovon der eine drei Fufs lange fieben Pfund, 
der andere vier Fufs lange aber merkwürdigerweife fechzehn Pfund 
wog. Im ganzen blieben die Refultate der Fifcherei überhaupt fehr 
hinter den Erwartungen zurück, obwohl fich Kapitän wie Steuerleute 
viele Mühe gaben und überall, wo es anging, Leine und Haken am 
Stern aushingen. Abgefehen von abgebiffenen oder abgeriffenen 
Leinen blieb der wirkliche Fang eines Fifches immer ein Ereignis. 
In den meiften Fällen war es dann eine »Bonite« oder »Albacore« 
So nennen die Seeleute jene grofsen Makrelen oder Thunfifche, von 
welchen die Südfee mehrere Arten befitzt, unter denen Thynnus 
germo am häufigften fcheint. Wenigftens beifst er noch am erften 
an die Angel, der nur ein weifser Lappen Zeug als Köder dient. 
Trotz dem trocknen Fleifche bildet ein folcher Fifch in dem ewigen 
Einerlei von Konferven immerhin eine erwünfchte Abwechfelung und 
eine hübfche Zugabe der Küche. Handelt es fich doch meift um 
beträchtlich grofse Fifche, da eine kaum drei Fufs lange Bonite i8 
Pfund wiegt. Auf Grund meiner genauen zoologifchen Notizen kann 



Kaifer Wilhelmsland (Humboldt-Bai etc.). 575 

ich leider über den Hai, »des Meeres Hyäne«, wenig berichten, ob- 
wohl fonfl: faft jeder Seereifende nicht genug von folchen zu erzählen 
weifs. Aber ich mufs, wie mit Krokodilen, auch mit Haififchen Pech 
gehabt haben. Denn ich bekam während unferer ganzen Reifen nur 
wenige Male einen Hai zu fehen, und gefangen wurde überhaupt 
keiner. Wir hielten zwar immer die Haiangel bereit, aber felbfl der 
kleine Gefeile, welcher im Miokohafen fich häufig beim Schiffe zeigte, 
fehlen Vorficht als Mutter der Weisheit bereits zu kennen und ver- 
mied trotz des verlockenden Speckftückes den Haken ängftlich. Da- 
gegen fchnappte er luftig nach allem Efsbaren , welches nicht mit 
dem verräterifchen Haken verbunden war. Und die kleinen Fifche, 
die machten es ebenfo. Zu Hunderten fpielten fie oft um den Kiel, 
fo lange wir zu Anker lagen, frafsen alles, was über Bord fiel, aber 
eine Angel — I, Gott bewahre! da thaten fie fo, als wollten fie fagen: 
»die kennen wir!« Ja, was folche Kanaker, felbft unter den Fifchen, 
nicht klug find! Die fliegenden Fifche, welche fo gern bei Nacht 
dem Lichtfchein folgen und dadurch nicht feiten an Bord eines 
Schifl'es aufs Trockene geraten , fchienen gegenüber der »Samoa« 
diefelbe Klugheit zu beobachten. Nur einige Male konnte ich der 
Schiffskatze einen fliegenden Fifch abjagen. Und doch war die 
»Samoa« fehr niedrig über dem Waffer und fliegende Fifche, wenn 
auch nicht eine tägliche, fo doch häufige Erfcheinung. Da mufste 
ich mich denn begnügen ihre Flugübungen zu bewundern, die aller- 
dings ganz erftaunlich find. Die lieben Tiere! gebraten find fie noch 
beffer! »Aber Schildkröten! die mufs es doch häufig geben«? fragt 
vielleicht mancher, indem er dabei an »turtle soup« und »turtle 
Steaks« als nicht feltene Koft der Kajütentafel denkt. Ja, Schild- 
kröten giebt es gewifs in Menge; die wären auch nicht verachtet 
worden, ficher nicht, wenn wir nur welche bekommen hätten. Aber, 
halt! da ift eine Schildkröte! — und damit verfchwindet ein dunkler 
Fleck im Waffer. Das war alles, was wir gelegentlich von dem 
leckeren Suppentier zu fehen, aber nicht zu fchmecken bekamen. 

»Schiff voraus!« — hiefs es plötzlich, als wir, von Trobriand 
herunterkommend um Kap Ventenat dampften. Und wirklich, da. 



VJ^ Siebentes Kapitel. 

hinter dem Gallow-Rifif bei den Lydia -Infein, zeigte fich ein Schifif 
und ein Dampfer dazu; das zweite Fahrzeug, welches wir überhaupt 
in See antrafen. Da wurde geguckt, und Gläfer und Fernrohr gingen 
aus einer Hand in die andere, denn jeder wollte ja die feltene Er- 
fcheinung betrachten. Der Dampfer hielt recht auf uns zu, und als 
er näher kam, konnte man viele braune Geftalten an Deck fehen, 
Eingeborene. Sollte es ein Labourtrader fein? Aber das Schiff war 
zu grofs und führte die Queensland -Flagge. Auch Weifse lehnten 
an der Reiling und als wir in Sprechweite waren, fchallte es »Welcher 
Name?« in Englifch herüber. »Deutfcher Dampfer »Samoa!« — »Wo- 
her?« — »Von Mioko, Neu -Britannien!« — »Ift Doktor Finfch an 
Bord?« — »Yes!« — Da ging ein Boot zu W^affer, das bald fünf 
Herren in Civil längsfeit brachte; alles fremde Gefichter. Aber der 
in Uniform, mit der goldbordierten Mütze, der am Steuer fafs, den 
mufste ich fchon gefehen haben! Und richtig, es war mein Freund 
Mr. Chefter, der frühere Police-magistrate von Thursday-Island, unter 
deffen gaftlichem Dache ich gewohnt hatte. Das war ein unerwar- 
tetes Wiederfehen, follte aber nicht das einzige bleiben. Denn Mr. 
Romilly, den ich in Cooktown kennen zu lernen das Vergnügen 
hatte, liefs mich an Bord der »Victoria« einladen, da er wegen eines 
Fufsübels kein Boot befteigen konnte. Dort erwartete mich eine 
neue Überrafchung. »Doctor! you sabi me?« (kennen Sie mich?) fagte 
ein Kanaker, indem er mir die Hand reichte. »Hailoh! Charly Tett 
von Honolulu!« — Ob ich ihn kannte, diefen biederen Matrofen, der 
mich vor drei Jahren, damals »Kapitän« der »Mairi«, auf der Fahrt 
von Port Moresby in Torresftrafse nahezu ertränkt hatte. Nicht wahr, 
wie merkwürdig fich zuweilen Menfchen nicht blofs auf der Terra 
firma, fondern fogar auf dem Waffer begegnen können! — Die meiflen 
der Herren waren übrigens Reporters auflralifcher Blätter, die über 
mich fchon gar manches, nicht eben empfehlendes, gefchrieben haben 
mochten. Dem »German East-Cap settlement«, das in den Ko- 
lonien foviel Staub aufgewirbelt hatte, galt natürlich die erfle »in- 
terview«. Wie viele Soldaten dort wohl feien? ob Kanonen? und ähn- 
liche Fragen ftürmten auf mich ein. Die Jünger der Preffe brauchten 



Kaifer Wilhelmsland (Humboldt-Bai etc.\ 377 

nicht viel aufzufchreiben*). Sie machten fehr verwunderte Gefichter, 
als fie hörten, dafs das ganze »settiement« (Niederlaffung) nur aus zwei 
Weifsen beftehe, die wir unterwegs waren, abzuholen, was vollends 
beruhigte. 

Das Kanakergewimmel an Bord der Victoria beftand wirklich aus 
Arbeitern, befreiten Sklaven. Die traurigen Enthüllungen beim Pro- 
zefs gegen das Werbefchiff »Hopeful« (S. 275) fchrieen fo laut zum 
Himmel, dafs die Regierung einer genaueren Unterfuchung der Ver- 
hältniffe nicht länger ausweichen konnte. Dabei ftellte fich heraus, 
was ja längft jedermann wufste, dafs, trotz der »Agenten für Ein- 
wanderung«, viele Eingeborene nicht beffer als geflohlen waren. Diefe 
Opfer des gewerbmäfsigen Kidnappertums, 400 an der Zahl, wurden 
nun, fehr zum Mifsvergnügen der Pflanzer, nach ihrer Heimat zurück- 
befördert. Und diesmal unter den Augen des »acting special com- 
missioner for New-Guinea« (Romilly), alfo jedenfalls ficher, was fonfl 
bei folchen Rücktransporten nicht immer der Fall zu fein pflegt. 
Wir begegneten fpäter am Oflkap verfchiedenen Befreiten, welche, 
trotz der reichen Gefchenkc von feiten der Regierung, auf Queens- 
land nicht gut zu fprechen waren. Und das konnte man ihnen ge- 
wifs nicht verdenken. So ein paar Jahre Sklaverei laffen fich nicht 
fo leicht wettmachen. Freilich erfchienen die Leute jetzt als vollen- 
dete Gentlemen, die in Schuhen zwar erft wieder laufen lernen mufsten, 
aber fie hatten auch vierzehnzöllige Meffer zum Andenken erhalten. 
Damit läfst fich fchon etwas anfangen, bei Maffacres gegen Weifse, 
wobei folche Freigelaffene gewöhnlich Rädelsführer fpielen. 

Blumenthal fchien ausgeflorben, und ich hegte fchon allerlei 
Befürchtungen. Aber glücklicherweife war Hunflein und fein Ge- 
fährte bis auf etwas Fieber, das in jenen Regionen ja feiten ausbleibt, 



*) Sie hatten es aber doch gethan; denn fpäter las ich Berichte im ,. Sydney Mor- 
ning Herald'' über diefes Zufammentreffen , die recht f^jhön, aber nicht eben wahrheits- 
getreu ausgefchmückt waren. Da foUte ich grofse Vorräte an Schnaps und Waffen (na- 
türlich für die Eingeborenen) in Bljmenthal gehabt haben und dergleichen Unfinn mehr. 
Ich war das aber von der auflralifchen Preffe, die fich damals viel mit mir befchäfligte 
bereits gewohnt. So wurde in der ,,Geographifchen Gefellfchaft" in Melbourne einmal 
berichtet, ich hätte ganz Neu-Guinea für eine Flafche Rum gekauft. 



oyg Siebentes Kapitel. 

wohlauf. Die Kühe hatten fich vortrefflich gehalten, aber die Schafe 
waren famtlich, vermutlich am Genufs giftiger Pflanzen, eingegangen. 
Weniger erfreulich lauteten die Nachrichten über die Eingeborenen, 
welche fich nach Weggang der »Samoa« keineswegs als nette Kerle 
erwiefen, wie dies häufiger vorkommt. Zu fo viel Waren gehörten 
eben mehr als zwei Weifse. Vor allem hatte der Reichtum von ein 
paar hundert Pfund Tabak die Habfucht der Eingeborenen gereizt, 
die einen Einbruch verfuchten und untereinander bereits von Anzün- 
den der Station wifperten. Aber ein Mann mit Hunfteins Erfahrun- 
gen wufste auch mit folchem Gefindel ohne Schiefserei fertig zu 
werden. Übrigens war nur eine Minderzahl Eingeborener durch 
Gomira Taga, den Schneider, aufgereizt worden. Der Anftifter diefer 
feindlichen Pläne kam jetzt heran und begrüfste mich unter Freuden- 
thränen des Wiederfehens, denn folches Schaufpielertalent im Ver- 
ftellen geht felbfl Kanakern nicht ab. Ich that natürlich, als wenn 
ich von nichts wüfste, und es herrfchte ein brüderliches Einverneh- 
men wie früher. Als aber nach der Kopra auch die übrigen Vor- 
räte an Bord gefchafft wurden, da machten die Eingeborenen lange 
Gefichter und fuchten alles aufzubieten, um uns zu halten. Bei den 
meiflen war die Betrübnis eine aufrichtige, denn jeder fah wohl ein, 
dafs ihnen ein grofses Brot von der Hänge fiel. Da richtete fich 
denn der Arger gegen Taga, den Anftifter des Übels, und die Ver- 
wünfchungen gegen ihn nahmen kein Ende. Während ich den guten 
Gomira Tohodo und andere Getreue zum Abfchiede befchenkte, 
hielt ich dem Schneider eine Standrede. Da kam viel von: papoi 
(fchlecht), itanem (flehlen), numa (Haus), Hihiaura, anahiri majau 
(anzünden), hirage (totfchiefsenj u. f. w. vor, eine Rede, die fehr wohl 
begriffen wurde, denn noch am felbigen Abend rifsen die Männer 
von Hihiaura, die guten wie die fchlechten, mit Kind und Kegel 
aus. Sie hatten eben ein böfes Gewiffen und fürchteten wahrfchein- 
lich, ich würde Hihiaura noch vor der Abreife in Flammen auf- 
gehen laffen. Aber diefe Drohung hatte doch foviel genützt, dafs 
Kapitän Dallmann bei einem viel fpäteren Befuche Blumenthal un- 
verfehrt fand. 



Kaifer Wilhelmsland (Humboldts-Bai etc.)- 3/9 

So fchieden wir, unter Zurücklaffung der Rinder, die inzwifchen 
ohnehin halbverwildert, wahrfcheinlich noch zu Stammeltern wilden 
Rindviehs in Ofl-Neu-Guinea werden dürften. 

Am 4. Juli trafen wir in Cooktown ein, um die Poft und Kabel- 
telegramme aufzugeben und fetzten dann die Reife füdlich fort. 
Aber vor Townsville brach etwas an der Mafchine und nötigte ein- 
zulaufen. Da gerade ein Dampfer nach Sydney bereit lag, fo nahm 
ich Abfchied von der »Samoa«, auf welcher ich über 11 000 Meilen 
Südfee durchgekreuzt hatte. Und fomit enden die »Samoafahrten!« 
— Kaioni! 



Register. 



Seite 
Aa, Robide van der .... 289. 341 

Aarfau 3 'S- 3 '9 

Aarfchau, Infel 315 

Abumtau Gabiang 175 

Actitis hypoleucos 183 

Adenanthera pavonina 345 

Adolphshafen 153 

— Eingeborene 154 

Agaun, Schnitzerei 102 

Ahnenfiguren 49. 75. 175 

Aimaka 73 

Aime-Kuppe 342 

Albacore 374 

„Albatros", Kanonenboot 141 

Albatroffe 18 

Albino 240. 302 

Albrechtflufs 322 

Alexander-Spitze 342 

Alligator Point 151 

Aly-Infel 98 

Ambush-Point 148 

Amphlett-Infeln 209 

Anefsau, Landzunge 350 

Angra Pequeiia 142 

Angriffshafen 336 

— Eingeborene 336. 340 

Anker-Infel 230 

Annie-Inlet 238 

Anous 31. 366. 373 

— stolidus 18 

Anse de l'attaque 335 

Anwerben von Arbeitern 24 

Arbeiter, befreite 376 

Archipel der zufriedenen Menfchen 71. 85 

Areca 59 

Arimoa-Infeln 348 



Seite 

Aris, Infel 367 

Arnoldflufs 329 

Aroani, Infel 262. 269 

Aftrolabe-Bai 31 

— Bevölkerung 67 

— Eingeborene 43. 88 

„Aftrolabe", Kriegsfchiff . . . 31. 28S 

Babelsbergflrafse 328 

Baie Frangaise 21. 201 

Bampton-Infel 264 

Baragom, Dorf 271 

Barla 47 

Bartle-Bai 243 

Barum 48 

Bafilisk-Bucht 148 

— Gebirge 243 

— Gorge 126 

— Infel 274 

„Bafilisk", Kriegsfchiff . . ." . . .117 

Bafiraki, Infel 278 

Baftianflufs 329 

Batiffa angulata 339 

— Finfchi 294 

— violacea ; 339 

Baubau 268 

Baudiffin, Graf 141. 529 

Baudiffin-Huk 329 

Baudouin, Dr 34 

Baumhaus 160. 271 

Bayern-Bucht ... 15!^ 

Beautemps-Beaupre, Berg 20 

Beccari-Cove 052 

Beche de mer 275 

Begräbniffe 176 

Belcher, Sir Edward 318 



Regifter. 



Seite 

Bemalen 89 

Bentley-Bai 238. 250 

— Eingeborene 234 

Berlinhafen 328 

Berthold, Aventure von 33 

Bertrand, Infel 320 

Beffels-Huk 304 

Betel 59. 60 

Bevölkerung, geringe Neu-Guineas 246. 250 

Bienenkorb, Berg 128 

Bilia, Infel 98. 104. 372 

Bilibili. Infel 32. 72. 75 

— Eingeborene 72. 81 

Bismarck-Archipel .... 7. 20. 193 

— Eingeborene 26 

— Handel im 23. 24. 26 

— Maffacres im 24 

— Miffion im . . 171 

— Plantagen im 22 

— Schiffsverkehr im 197 

Bismarck-Gebirge 1 1 7 

Blanche-Bai 23 

Bleichröderflufs 148 

Bloffeville, Infel 365 

Blumen .96 

Blumenthal, Station 255. 377 

Bogadfchi, Dorf .... 32. 70 71 

— Eingeborene 71 

Bogati, Dorf 32. 70 

Bongu, Dorf 38. 45 

Bonite 374 

Borftenkopfpapagei . . . . ' . .316 

Bougainville, Berg 335 

Bremen, Spitze 367 

Breufingflufs 322 

Broken-Water Bay 297 

Brown, George 25 

Buambrarabra 47 

Buceros ruficollis 95 

Buchner-Bucht 304 

Bumiflufs 184 

Cacatua Triton 95. 181 

— Trobriandi ....... 208 

Canar, Herr 34 

Cape King William 127 



Seite 
Capriviflufs 300 

— Eingeborene 300 

Carica papaya 233 

Carpophaga poliura 95 

— spilorrhoa 76. 95. 125 

Catamaran 231. 282 

Catharine-Island 238 

Chads-Bai 239 

— Eingeborene 240 

Chaetodon 103 

Challenger-Cove 35i- 361 

Chalmers, James 195. 234 

Chas, Infel 278 

Chefter, Herr 376 

Chinaflrafse 273 

Cholera 289 

Chriftfeft in den Tropen 2 1 r 

Cinnamomum Kiamis 317 

Clydeflufs 148 

Coconut-Island 139 

Collingwood-Bai 248 

Colomb-Infel 85 

Colonie libre du Port Breton • • . 33 

Cooktown 286 

„Coquille", XriegsfchifT 288 

Coriz Pik 188 

Cornelis Kniers-Bai 296 

Corvus orru' 36. 95 

Coryphaena equisetis 374 

Coturnix sinensis 125 

Cracticus Quoyi 95 

Cretin-Infeln 181 

Croiffilles, Kap 371 

Croix, de la, Baron 34 

Crokifms, Kapit z. S 199 

Cromwell, Berg 127 

Crown-Infel 30 

Cyclopgebirge 341 35° 

Cypraea lynx 317 

Däumlinge, Infein 335 

d'Albertis 194. 

Dalimann, Eduard 6 

— -Einfahrt 94. 98. 371 

— -Flufs 123 

— -Hafen 304 



382 



Regifter. 



Seite 

Dallmann-Hafen, Eingeborene . . . 306 

— -Kap 300. 304 

Strafse 304. 3 '9 

Dampier, William 112. 190 

Dampier-Infel . . . .30. 113. 114. 115 

— Eingeborene 114 

Darnley-Island 263 

Dasem, Verfammlungshaus auf Tiar . 10 1 

Dasyptilus Pequeti 316. 324 

Davidabucht 368 

Dawfon, Lieutenant 222 

Dawfonftrafse 222 

Deaf Adder-Bay 154 

Death Adder-Bay 154 

Deblois, Infel 364 

Delphine 18. 103. 373 

Delphinus 373 

d'Entrecasteaux 154. 210 

d'Entrecasteaux-Infeln 210 

Deportation 116 

Deutfche Handels- u. Plantagen- Ge- 

fellfchaft 21. 22 

Deutfchland-Hafen 164 

Dick, Lehrer 270 

Dien, Lehrer 263 

Dimdim 274 

Dinner-Infel 274 

— Eingeborene 277 

Diomedea culminata 18 

— exulans 18 

— melanophrys 18 

Discovery-Bai 273 

Disraeli, Berg 120 

Diwarra 102 

Dolphin 374 

Dorcopsis luctuosus .... . , 125 

Dove-Bucht 304 

Drachenfels 243 

Dreger-Hafen 161 

Dreger, Hauptmann 100 

Dreifsig-Infeln 85 

Dfchelum, auf Bilibili 73-74 

Dsiär, Infel loi 

Duau, Infel 282 

Ducheffe-Infel 221 

Dudemain-Infel 328 



Seite 

Dumont d'Urville 31. 288 

Duperrey 288 

D'Urville-Infel 304. 314 

Dyke-Acland-Bai 250 

East-Cap settlement, deutfches . . . 376 

Eberhauer, zirkelrunde 91 

Echidna 325 

Echinodermata 275 

Eckardtsfteinflufs 298 

Ecletus 56. 123. 324 

— polychlorus 95. 208 

Edelpapageien 123 

Eickfledt-Infel 98. 104 

Eingeborene, Betrachtungen über 168; 
Civilifation fchwierig 169. 259; De- 
cenzio7; Gaftfreundfchaft3ii; Hang 
zum Stehlen 71. 168; Humanität 138; 
Kochkunft 259; Krankheiten 43; 
Kulturpflanzen 57. 109; Leben, täg- 
liches 258; Mahlzeit 311; Moral 81. 
169; Plantagen 56. 79. 130. 227. 243. 
247. 269.; — Verkehr mit 64. 260; 
Waffen 77. 178. 271. 293. 300. 318. 324 

Einfiedelei-Point 65 

Elephantiafis 43 

Elifabeth-Bucht 86 

„Elifabeth", Korvette 140 

Engineer-Gruppe 279 

English-Cove 201 

Eos fuscata 125 

Erub, Infel .263 

Efsbare Erde 295. 346 

Ethnologifches 88. 90. 91. 213. 235. 

282. 316. 325, 338 

„Etna", Kriegsfchiff 348 

Eucalypten 98 

Excellent Point 239 

Eyries, Mount 335 

Palse-Island 159. 161 

Faraguet-Infel 3^8 

Farbige Miffionslehrer 263 

Farrell, Thomas . . . 21. 22. 27 

Ferguson, Kapitän 34 

Ferguffon, Infel 262 



Regifter. 



383 



Feflungs-Huk 

— Eingeborene 

Fieber 135. 

Fieberluft 

Fingerfpitze 

Finisterre-Gebirge 32. 

Finfchhafen 162. 164. 

Finfch-Kap 

Finfchküfte ......... 

Fifche, Gobiusartige 

— von Holz 

Fifchel-Infel 

Fifchfalleii 

Fifchfang 99. 256 

Fifchhaken 

Fifchkon ferve 

Flaggehiffen in Finfchhafen 167; Fried- 

drich -Wilhelmshafen iio; Konflan- 
tinhafen 66; Mioko 140; Matupi . 

Flaggenhalbinfel 109. 

Fliegende Hunde 144. 

Fliegende Fifche 18. 

Flierl, Miffionär 

Flöten, heilige . . 

Flowerfpitze . 

Flyflufs 

FoUenius-Infel 

Foreflier-Infel 

— Eingeborene 

Fortification-Point 

Franklin-Bai 

Franz-Infel 

Franzöfifche Infeln 

Frauen, Papua- . . 107. 236. 309. 

Fregattvögel 31. 366. 

French-Infeln 

Frerichs, Dr ... 

Freshwater-Bai 

Friedenszeichen . . 119. 157. 295. 
Friederichfen-Buchtung ..... 
Friedrich-Wilhelmshafen . . 92. 99. 

— Eingeborene 

Fürft Hohenlohe-Langenburg . . . 



Seite 
129 
130 
142 
96 
241 
120 
192 
164 
320 
184 
102 

86 
282 

374 
104 

334 



140 
167 
150 

375 
163 
357 
244 
194 
100 
29 
29 
129 
371 

lOI 

28 
355 
373 

28 
142 

234 
302 

336 
371 
107 

327 



Gabiang, grofse Holzfigur . . . .175 
Gabinaflufs 118 



Seite 

Gänfe 285 

Galgenriff 221 

Gallow-Riff 376 

Garnot, Infel . • 364 

Gateffi 39 

Gaufs-Bucht 304 

Gebirge, in Goodenough-Bai 242; 

— an der Maclayküfte 118. 127; 

— in Traitors-Bai 152 

Gelbe Bäume 32. 119. 129 

Gelbes Dorf 32. 70 

Geologifches 81. 123. 144 

Giebacht-Infel 114 

Gihara, Dorf 273 

Gladflone, Berg 120 

Glockenfels 278 

Göfchenflrafse 221 

Götzen 49. 307. 312. 316 

Götz-Infel 98 

Gold 197. 216. 222 

Goldie, Andrew 210 

Goodenough-Bai 243 

— -Infel 229 

Gorima-Huk 7' 

Flufs 72 

Gofslerflufs 332 

Goulvain-Infel 223 

— Eingeborene 223 

Gräber 176. 218. 238. 280 

Grager, Dorf 87 

— Eingeborene 88 

Grager, Infel 86 

Grampus 373 

Greffien-Infel 304- 3^4 

Gronemann-Insel 85 

Guap, Infel 3^5 

— Eingeborene 315- 3i8 

Guido Cora-Huk 320 

Guilbert, Infel 320 

Gumbu, Dorf 65. 117 

Guntowa Mana 7^ 

Gutheil-Bucht 920 

Haar, koloffales 157-326 

Haarpflege, Bongu 39 

Haartracht, Tefte 283 



384 



Regifter. 



Seite 

Haarzöpfe 294 

Häufer, d. Eingeborenen 174. 227 237. 

251. 271. 279. 307 

Hagenaarshoek , 349 

Hai 375 

Haififchfang 207 

Haliaetus leucogaster .... 95. 123 

Haliastur girrinera 95 

Hamburg-Spitze 367 

Hammacherflufs 298 

— Eingeborene 298 

Handel, im Bismarck-Archipel . . 22. 23 

Handelsftationen 23. 24 

Hanfabucht 134. 36S 

— Eingeborene 134 

Hanfaftrafse 367 

Hanfa-Vulkan 367 

Hanfemann, Adolpli von .... 5. 153 

Hanfemann-Berge 71-99 

Hanfemann-Küfle 298 

Hatzfeldt-Hafen 369 

— Eingeborene 3^9 

Hausbau, in Konflantinhafen ... 66 

Haushuhn 54 

Hayter-Infel 274 

Heath-Infel 274 

Hemiramphus 103 

Henderfon-Infel 23 

Herbertflufs 307 

Herkules-Bai 145 

Herkulesflufs 146 

— Eingeborene 147 

Herzog York-lnfeln 21 

Hihiaura-Bucht 251 

— Eingeborene 251. 378 

Higäbei, Dorf 271 

Higiba, Dorf 271 

Hirt-Infel 365 

Holnicote-Bai 250 

Holothuria 275 

Holothurien 165. 301 

Homo sapiens 228 

Holzfchnitzereien 48. 74. 102. 175 357 

Holzfchüffeln 109 

Humboldt-Bai 342. 347, 350 

— Bevölkerung 3ÖI 



Seite 
Humboldt-Bai, Eingeborene . . . .351 

Hund, Papua- 53 

Hunde, Wichtigkeit der 291 

Hundezähne S9 

Hunftein, Karl 194. 196. 235. 260. 378 
Huon-Golf 154. 158 

— Eingeborene 159 

,, Hyäne", Kanonenboot . . . 136. 166 

Ichthyofis 43 

Idande, Miffionjlehrer 285 

Ingros, Dorf 361 

Ingwer 317 

Innlandreifen, bisherige 194 

— Schwierigkeiten 195 

Irish-Cove 201 

Iris Point II9 

Ipuneffa, Miffionslehrer 274 

Isla Brülante It2 

„Izumrud", Kriegsfchiff 31 

Izumrudftrafse 371 

Jacquinot, Infel 364 

Jagd, in Urwäldern 182 

Jambom, Infel 85 

Jannafch-Bucht 3'^4 

Janus-Eiland 361 

Jenkins-Bai 274 

Joestflufs 329 

JuUien, Berg 297 

Junggefellenhäufer 75 

Juno Point 100 

Kaaram Tamo 64 

Kabakadai H' 

Kabbelung 291. 366 

Kabua, Lebon 186 

Känguru 5^-^25 

Kaffeeplantage 22 

Kaibol, Dorf 209 

Kaikai 208 

Kairu, Infel 3^4 

Kaiferin-Auguftaflufs 298 

— Eingeborene 297 

Kaifer-Wilhelms Land ... 7- 66. 193 

Kakadu 37- 95- 123. 181 

Kannibalismus 24. 131. 226. 233. 273. 285 



Regifter. 



385 



Seite 

Kant-Spitze 120 

Kanubaus 224. 271 

Kanus der Eingeborenen 64. 83. 180. 
209. 213. 282. 294. 303. 309. 319. 

322. 332. 336 

Kanzel, Berg 128 

Kap Ann 133; Bonpland 341. 3-^8; 
Caillie 342. 348. 349; Campbell 
191; Concordia 355; Cretin 159. 160. 
188; CroiffiUes Ii2; Dallmann 300. 
304; Dawson 229; de la Tone 297; 
Denis 209; Duperre 113; Eintracht 
341; Finfch 164; Frere 242. 243; 
Gauffre 190; Glocefler 189; Gour- 
don 370; Juno 99; Killerton 250; 
Kufferow 85; jMourilyan 228; Nel- 
fon 249; Orford 133; Pierfon 219; 
Prevofl 221; Raoul 190; Rigny 118; 
Sud-Est 250; St. George 204; Ven- 
tenat 219; Vogel 247; Ward Hunt 150 

Karan-Riff 332 

Karkar 112 

Kafadekaua 279 

Kaskadeflufs 320 

— Eingeborene 321 

Kawa 61 

Kebole, Dorf 209 

Kermadec, Huon 154 

Keutrinken 61 

Ki-Bucht 155. 158 

Kilkerran, Berg 210. 228 

Killerton-Infeln 262 

King-nuts, Kokosnüffe 225 

Kirärauchen 268 

Kirvirai, Infel 204. 209 

Kleinhändler 23. 24 

Kleinfchmidt, Theodor 24. 27 

Klubhäufer 75 

Koch-Infel 98 

König-Infel 85 

Koiäri 243. 257 

Kokosnüffe, grofse 219 

Kolonie, franzöfifche in Neu-Irland . 201 
Konftantinhafen 44 

— Eingeborene 44 

Kopra 23. 25 

Finfch, Samoafahrten. 



Seite 
Kopragebiet . . . 221. 229. 270. 328 

Korallformation 123 

Korendu, Dorf 65 

Krähenwürger 95 

Krauel-Bai 300 

Kreuz, füdliches 211 

Kriegsgefang-Huk 147 

Krokodiljagd 184 

Kühe 378 

Küraffe 337 

Kulala, Infel 282 

Kulturflecke 99 

Kulturpflanzen, eingeführte .... 61 
Kuper-Kette 158 

Labourtrade .... 24. 29. 137. 199 

— Greuel der 191. 275 

Lagrandiere, Infel 209 

Lagunenflufs 329 

Laing, Infel 368. 371 

Lakiliki-Bai 34 

LamafTa, Infel 139 

Lamprotornis metallicus 358 

Langemack-Bucht 188 

Langemack, Kapit.-Lt 136. 166 

Langenburg-Spitze 327 

Lapar-Point 328 

Lavinia-Bai 201 

Lederkopf 36. 95 

Legoarant-Infeln 368 

Le Maire-Infeln 30. 364 

Lemtfhug-Point 119 

Leffon-Infel 291. 366 

Likelike-Bai 137. 201 

Lindemanflufs 322 

Logia, Infel 274 

Lombom, Infel 138. 201 

Long-Infel 188 

— Eingeborene 189 

Longuerue-lnfel 154 

Lorius erythrothorax 95 

Loto 234 

Lottin, Infel 126. 189 

Low-Islands 162 

Luard-Lifeln 144. 145 

Lübeck-Spitze 367 

25 



386 



Regifter. 



Seite 

Lüderitzland 142 

Lufancay-Lagune 210 

Lydia-Infeln 221. 376 



9Eac Farlane, Reverend 

Maclay, Frau 

Maclayküfte 117. 120. 

— Eingeborene 125. 

Maclay, von Miklucho 31. 51. 64. 65. 

Madang-Infel 

Märtyrer 

Magdalene-Infeln 

Mahde-Infel 

Maire, Jacob le 289. 

Mais 

Maivara, Dorf und Infel 

Makrele 103. 

Mana 

Mann des Mondes 

Manucodia Comrii 

Maragano, König von Lombom 20 1 . 

Maragum-Huk 

Markhamflufs 

.,Marie", Kriegsfchiff 

Marfap, Feft 

Masken 

Mafoirinde 

Maffacre in Kalau 

— der „Mioko" 

Maffacres in Neu-Britannien . . . . 
Maffilia 

— Eingeborene 

Maufoleum-Infel 

Mathilden-Infeln 

Matupi 

Meerfall 

Meerfchwalben iJ 

Meeuwen-Eiland 

Mekinley-Infel 

Melonenbaum 

Menefes, de 

Menfchenfreffer 

Menfchenfchädel 

Mera, Berg 

Merari-Inlel 

Meta-Infel 



197 

51 
132 
127 
196 
164 
264 
351 
369 
296 
295 
273 
374 
67 
64 
228 
204 
118 
158 
199 

87 
312 

317 
264 

137 
138 
334 
333 

35 
351 

23 
128 

• 31 
349 
273 
233 
195 
131 
131 
348 
262 

304 



Seite 

Metelik 137 

Meyer, AB 195 

Miklucho-Maclay, von 117 

Milne-Bai 270 

— Eingeborene 273 

Milvus melanotis 95. 257 

Mimeta 95 

Mioko, Infel 21. 197 

— Schuner 137 

Miffion 171. 193; Erfolge der 266; 

Krieg 25; Londoner 263; Rückgang 
der 26; Sonntag in der 267; Lehrer 
27. 261. 265. 266; Stationen 262. 

264. 270. 277. 285 

Mita, Dorf 270 

Mitrafels 150 

Mohrenkönig, Gefchichte vom . . .187 

Monitor 175. 316 

Moresby- Archipel . . . 221. 273. 278 

Moresby-Infel 278 

Moresby, Kapitän 117. 205 

Moru, Flaggenhalbinfel 167 

Mofaikglasperlen, antike 348 

Mulua, Infel 282 

Mun, grofser Tanz 68 

Murray, Rev 285 

Murua-Infel 282 

Mufchu, Infel 314 

Muskiet-Eiland 349 

Mutter, Berg 20 

Nachtigal, Dr 142 

Nachtigal-Bucht 304 

Nachtigall, Neu Guinea- 95 

Nafenreiben 209 

Nashornvögel 95 

Native-Häufer 253 

Nelfon-Gebirge 249 

Neptun-Point 371 

Neritina 311 

— Petiti 339 

— rhytidophora 339 

Neu-Britannien 20 

— Eingeborene 141 

— Oftküfte 190 

— Südküfle 133 



Regifler. 



387 



Seite I 
Neu-Guinea-Kompagnie . . . . 7. 192 

Neu-Irland 20. 192 

Neu-Lauenburg 21 

Neumayerflufs 334 

Neu-Mecklenburg 20 

Neu-Pommern 20 

Nicotiana tabaccura 58 

Nielsen 6. 291 

Nielsen-Infeln 368 

Nissel, Durchfahrt 199 

Noddies 18 

Normanby-Infel, Xordfeite .... 222 

— Südoftküfle 219 

— Eingeborene 212. 215 

North Foreland 273 

Nouvelle France 33. 201 

Novosilsky-Point 117 

Nuakarau, Dorf 225 

Nusa, Infel 191 

Ortzen-Infel 100 

Ornithoptera aruensis 183 

Oftkap 230. 262 

Ostrea 124 

Ottilienberg 153 

Ottilien-Flufs 297 

Otto-Riff 210 



Owen Stanley-Gebirge 



243 



Pagrus 103 

Palaugeid 348 

Pallas-Point 371 

Pandanusfafer 236 

Papageien 37-95 

Paples-lnfel 273 

Papua. Frauen 39. 257; Haar 40; Haut- 
färbung 42; Körpermeffungen 340; 
Phyfiognomien 92; Raffenmerkmale 

40; weifse 42 

Paradiesvögel 90. 149. 270 

Paradisea apoda 96 

— decora 228 

— Finschii 325 

— minor 325 

— Raggiana 270 

Paris, Infel . . • 315 



JD 



Seite 

Parkinson 26. 191. 198 

Parsi-Landzunge '55-158 

Parfihuk 156 

Passier-Point 3^7 

Patakai, Infel 3^9 

Petermannflufs 320 

Petersvögelchen 19 

Pfahldörfer I2I. 330. 353 

Phaetou aethereus 19 

Phalangista Orientalis 302 

Phocaena 103 

Physeter 373 

Pierfon, Kap. Eingeborene . . . .219 

Pilzkorallen 218 

Pinarolestes 95 

Pinna nigra 282 

Pocken 43- 

Podbielsky-Huk 

Polynefische Wörter 

Pomone-Huk 

Point 

Porlok-Bai 

Port Alexis 

Port Breton 200. 2oi. 

— Eingeborene 

Port Constanstin 31 

— Eingeborene 

Port Konftantin 

Port Praslin 

Port St. Joseph 

Possession- Bay 

Potsdam-Hafen 

— -Insel 

Powell, Wilfred 21. 70. 121. 124. 185 

191 281. 297. 327. 328. 

Prevost-Gebirge 

Prinz Albrechtshafen 

Prinz Alexandergebirge 

Prinz Friedrich Karl-Hafen .... 

Prinz Heinrich-Hafen 

Prinz Wilhelm-Flufs 

Procellaridae 

Psoriasis 

Pteropus melanopogon 

Ptilopus 

Ptilopus aurantiifrons 

25* 



I 

368 

77 
320 

314 

249 

100 

203 

204 

36 

36 

68 

204 

201 

274 

368 

368 

370 
221 
368 

304 

100 

98 

297 

19 

43 

145 

123 

269 



388 



Regifter. 



Seite 

Ptilotis sonoroides 269 

Puffinus 19 

Pyramidenhügel 245 

Rabardy, Kapitän 201. 203 

Rabe 36 

Rabun, Dorf 307 

Ralum Plantation 21. 22 

Ratzelflufs 334 

Raubvögel 95 

Rawlins-Point '55 

Rawlinson-Gebirge 15^ 

Rays, Marquis de .... 21. 33. 2CX> 

Reaumure, Berg 188 

Reiss-Huk 33^ 

Rekrulrieren Eingeborener . . . .198 

Religion 5° 

Rich-Infel 3° 

Richie-Island 15° 

Rifle bird 1S3 

Rindvieh 51. 254. 379 

Ritter-Bucht 304 

Robertfon & Hernsheim 22 

Robide-Huk 341 

Robinfon. ein wirklicher 36 

Robinfon, Sir Herkules 146 

Rogia, Insel 274 

Roissey, Insel 3^4 

Romilly 31. 37. 116. 376 

Rook-Insel 126. )8i. 189 

Rotshoek, 35° 

Ruffifch, in Konstantinhafen .... 62 

Saddel-Island 154 

Sago 80 

Sahl-Huk 304 

Sainfon-Infeln 328 

Salankaua, Halbinsel 166 

Salz 257 

Samärai, Infel 274 

Samoa-Cove 349 

Samoa, Dampfer .... 6. 7. 21. 372 

Samoahafen 158 

Samoahuk . 370 

St. Georgs-Kanal 20 

Sanssouci-Infel 328 



Seite 

Sapa-Point 320 

Sareuak-Buchtung 119 

— Eingeborene 119 

Sariba, Infel 274 

Säriwa, Infel 274 

Sassafras goesianum 317 

Saulo. König 37 

Schädel, auf Goulvain 225 

Schafe 254. 378 

Schering, Halbin fei 94 

— Kapitän z. S I40 

Schildkröten 375 

Schildpattarmbänder 316 

Schlangen 183 

Schleinitz, Freiherr von . 155. 161. 368 

Schmarotzer-Milan 257 

Schmetterling, gröfster 183 

Schneider-Hafen 161 

Schopenhauer-Spitze 120 

Schouten-Inseln 364 

Schonten, Willem 289. 296 

Schulle, Friedrich .... 22. 34. 191 
Schutzgebiet, Gröfse des deutfchen . 98 
Schwalbenfturmvogel. Lebensweife . 19 

Schwein 228. 326 

Schweinfifche 373 

Sclaterfpitze 244 

Sea-slug 275 

Sechstroh, Hinrich 6 

Sechstroh-Infel 369 

Sechstrohflufs 342 

— Eingeborene 343 

Seegurken 275 

Signaltrommel 48. loi 

Simbang, Missionsftation 193 

bingor, Dorf 120 

Singvogel 59. 269 

Skobeleff-Infel loo 

„SkobelefF', Kriegsfchiff 51 

Slavante-Eiland 361 

Small-Bai 239 

Island 220 

Solitary-Island 154 

Spermwal 373 

Spatel, verehrte 105 

Spondylusplättchen 215 



Regifter. 



389 



Seite 

Sprachverschiedenheit 109 

Spree, Flufs 14S 

Sprotten 257 

Ssuam, Dorf 172 

Stangentabak 58 

Station. Bau einer 252 

Steinäxte 63. 315. 339 

Steinkohlen 200. 202 

Stephanstrafse 368 

Sterna anasthaeta 31-373 

— Bergii 123. 366. 373 

— fuliginosa 18. 373 

Stirling- Kette 231 

Strafexpeditionen 139. 204. 

Strömungen 161. 319 

Sturmvögel 19 

Suau 281 

Südkap 281 

Südtochter, Berg 20 

Sula fusca 31. 123 

,,Sulphur', Kriegsfchiff 318 

Sur niger 52 

Sus papuensis 52 

Sus, Pfahldorf 127 

Syma torrotoro 183 

Szelambiu, Infel 35 

Szirit, Verfammlungshaus auf Bilia . 105 

Tabak 58 

Tabu 50. 75. 106 

Tabuhaus 47. 73. loi. 102. 105. 309, 355 

Tachypetes 31 

Tätowierung .... 255. 277. 284. 361 
Tagai 322 

— Eingeborene 322 

Tagoreua, Dorf 238 

Talegallus 38 

Talismane 312 

Tamate 234 

Tami-Infeln 181 

Tanyfiptera 183 

Taucherflurmvogel 19 

Thompson, Mt 243 

Taufchhandel . . . 24. 26. 62. 282. 330 

Teachers 27. 261. 263 

Tebog, Dorf • 87 1 



Seite 

Teliata, Dorf 121 

Teliata-Huk 117. 121 

Telum 48-75 

Temperatur .... 20. 125. 341. 371 

Terraffenland 121. 123. 124 

Teste-Infel 278 

— Eingeborene 283 

Tevalib Il8 

Thalassidroma grallaria, Lebensweife 19 

Thirty Islands 98 

Thorspeckenflufs 332 

Thynnus germo 374 

Tiar, Infel 98. loi 

Tierleben in See 18 

— an der Maclayküfte 123 

— ozeanifches • . 373 

Timsau, Infel 361 

Tobadi, Pfahldorf 352 

Toberinge, Häuptling 141 

Tölpel 31. 366 

Töpfe 181. 307 

Töpferei 82. 281 

Tohn, verehrtes Inftrument . . . . 105 

Torre, Bernardo de la 292 

Torricelli-Gebirge 327 

Totenverehrung 132 

Totes Riff 218 

Trader 23. 24. 261 

Trafalgar, Berg 249 

Traitors-Bay 147 

Trauerfchmuck 255. 283 

Treibholz 291. 297. 366 

Trichoglossus Massenae 95 

Tridacna, Kunftarbeiten aus . . . 303 

Tripang 275. 276 

Trobriand, Infel 205 

— Eingeborene 206 

Trommeln 309 

Tropidorhjuchus 36 

— Novae Guineae 93 

Tropikvögel 19 

Tschas, Infel 278 

Tschirimotsch, Infel 369 

Turc-Red 29 

Tupinier, Infel 189 

Twist 58 



390 



Regifter. 



Seite 

Überfall, vermeintlicher 38 

Ulebubu, Infel 225 

Unei, Infel 320 

Ungime-Bucht 158 

Ungrau, Pfahldorf 352 j 

Urapotta, Infel 274 j 

Urbarmachen 5^ 

Urwald 97 



Vecht, von der 

Vegetation 

Venus-Huk 

— Eingeborene 

Verbrecherkolonie 

Verräther-Bai . 147. 

,, Victoria", Dampfer 

Victory-Berg 

ViUage-Island 

,,Vitiaz", Korvette 31. 

Viaken Hoek 

Vogel, Sir Julius 

Vogelleben .... 36. 94. 149. 

Vulkan, Infel 291. 

Vulcano, Infel 

Vulcano-Island 

Vulkanus, Infel 



Wackenthon . . 
Waffen . . . . 
Wagawaga, Dorf 
Walfifche . . . 



77. 293. 300. 318. 



289 
149 
291 
292 
116 
148 
376 
249 
121 
117 
296 
247 
182 
366 
189 
190 
296 

281 
324 
273 
373 



Seite 

Waldbucht 127 

Wallis-Infel 138. 201 

Wappenfchild, holländlfches .... 360 

Ward-Hunt-Strafse 247 

Warsong-Point 147 

Wasilaki, Infel 278 

Wafferhofe 190 

Wafferfälle 242 

Weberhafen 191 

Weihnachtsbucht 211 

Welle, Insel 211 

Werbefchiffe 26. 198. 274 

Western Pacific Plantation and Tra- 

ding Co 22 

Wetterleuchten 86 

Whitecliff 129 

Wildfehweine 52 

Willaumez 28. 191 

Windftillen 21 

Woodlark-Infel 282 

Xanthomelus aureus 325 

Tams 280 

Zahnpulver 178 

Ziegen 51 

Ziernarben 333 

Zierpflanzen 61 

Zigarren, der Eingeborenen .... 59 

Zodiakallicht 286 



Druck von August Pries in Leipzig. 



Anzeigen. 



Probe der Abbildnugen 

ans: 




Marshall, 

Die Tiefsee und ihr Leben. 



(Siehe die folgende Seite.) 



Pcriag oon ^erbinanb ^trt & Sofort in €ctp5t(3. 
^n SSorbereitung befinbet ficf) für 'i>m öerbft b. 3. : 

))lad) ben neueften Cuetten bargeftettt tion 

PiUiam ptarflijaU, 

^rofeffor an btt Unioerittät Seipjig. 
init jebr ütclcn ilbbilbungen. 

2roIgenbe ältere 23erfe feien geneigter Seac^tung empfohlen: 

Die (Erpebitwn lic5 (EljaUcuiPier. 

(£inc roiffcnfd)aftlid)c Ucifc um i)ic lUclt. 
25on VO. ^pnj, beutfcf) Don g. tion Uloiirfcr. 

9Kit 12 Jonbilbern, 35 5t6bi[bungen im Jert unb D^eijefarte. 
©e^eftet 12 m., gebunben 14 3«. 



Had) öeu DictonofäUeu its 3ambe(i. 

3Ktt ^orträt be§ SöerfafferS, Dielen ^Uuftrationen in ^olji'c^nitt unb gavbenbrucf, Sarte 
unb einem fommerjiellen unb aftronomii'^en 2tn^ang. 
2 33änbe. ®ef)eftet 20 9)?., gebunben 24 2«. 

Die (Etugeboreneu S1ib-3tfi:ika0^ 

et^nograp^ijc^ unb anatomifd) befc^rieben 

Don i^rof. &uftav ^ritfdj, Dr med. 

^it ja^Ireicfien £io(äfc[)nttten, gri3HtenteiI§ wad) Criginalp^otograp^ien unb ßeic^nungen be§ 

33erfa[fer§, 20 litfiogr. Jafeln mit 2(bbilbungen Don Sfelettteilen jc. unb einer ^arte ber 

SBanberungen ber fübafritanijc^en SSiJtferftämme. 

Öierju ein 

^tia0, entl)altcnb 60 in Tupfer raMertc porträtköpfe. 

$rei» ber Beiben Sänbe (gebunben) 75 3Jt. 

^crfcg von Srcrbinanb isirt in "^xe^tau, 

"^Ufitn, Prof. 3,, pas bcuf fdie ianb in feinen ^arafteriftifc^en 3ügen unb feinen 93e= 
jieflungen ju ~öef^icf)te unb ' Öeben ber 'ilJienfdien. 2) ritte Bearbeitung Don ^rof. 
Dr. ftoner. ©ef). S m. öeb. 10,50 Hi. 

Ptlitfttf, Pvof. Dr. ©^ |>Cttff«ftfattii5 ö6crffä(6cnform. 'iBerfucf) einer überfic^tUd^en 
Sarftellung auf orograp^ifdjer'unb geologifcf)et ©runblage ju leichterer Orientierung 
im beutfcften Saterlanbe. Wit 3 Äarten. 1,60 Tl. 

^VG'.Xalitmant, Dr. U., ^anbctungen burcft bic ^franjctttoett bct Tropen. 4 3)J. 



Perlag ron ^erbinanb ^trt & Sof^n in €eip5tg. 




Srifffijilierungen itx löflfuinffglfrin ftbtj %nm Sraflffii, 

für bas beutfc^e ^ublüum bearbeitet üon ^, (Äcfms: 



ß||:ine ^tttttiftenreifc von 

^^ 14000 ^eirett in bte 

Tropen unD buri^ btc iReciio= 
nen ber *$afiaie. SKit 290 21bbil= 
tungen u. 7 Saiten. 3n ^rad)t= 
tanb 8,50 J(. ©e^eftet 6,60 J(. 



' im 0ften. Seefo^rten unb 
5ajanberunflen »om§r)be=*}Sarf 
äum ©olbenen §ont. 3n ¥rQc^t= 
banb 8,50 J(. ®el)eftet 6,60 ^. 



S^ ^eft. <jSracf)t = 9tu§gabe. 
csiebunbcn 15 ^. ©e^cftet 
12 ^. — Stilige ausgäbe, 
(günfte aiuftagc.) ©ebunben 
8,50 Jl. ©e^eftet 6,60 J(. 



BV~ Xie (gc^rifteit ber füräticfi niif Iioljcr See »erftorbenen {üftm-n iGScltumiegtcrin ^ab» SSradTe^ finb 
in 3:euti(f)lanb nirfit minber günftig Qufgenommen niorbcn, alS in ßnglanb. Sie inöottlidie ©cbiegen^eit, »ie 
aucf) bie »orneftme aiujftattung tiabcn bieje, in »ielen Situflngen Dortiegenben Sucher allenthalben in ben ge^ 
bilbcten gamilien ^eimtfc^ gemacht. 

(grf)riften Hon y, &, ^gim0, Slatjerl. gjkrinepfarrer. 



Grfte IRfiöc: 
IqS Uttb um bte (^be. Sßilber unb ©fijjen »on 

py, ber SSeltreiie S. 3)i. @. „Güi'abet^" (1881 — 

*'%- 1883). SKit nicbreren ftarten ber SReife. Zweite 

Stuft. Sefir leicfi gebunbcn 8 ./r., geheftet 6 Jt. 



3tt)fite Utittt: 
reujerfa^rtctt in 0fl ttnb 35c(l. »iiber 

? unb Stijäen üon berSieiie 2. SJi. ftreujer=.ftorBette 
i' „9Jl)mpf)e" (3tprtt 1884 bi? Cftober 1885). Setjr 
reid) gebunbcn 8 J(., gebcfiet 6 .M. 



in Seemannlfreifen geiammett u. bearbeitet. 



^eefpuß. 



Snuftviert üon 3ot)» &ct)vt^* 

Meic^ gebunben 6 Wl., geheftet 4,50 TO. 



BV Üaä auBergcrcöfinlic^e ßräälitertotent bc? aWarinepfarrerl /leitns bürfte genugfam befannt fein. 
€ctne Sc^itberungen finb reafir unb lebenStreu unb tjevbienen wegen if)re§ für Sung roie 9llt belebvenben 
Sn^attS bie atlgemeinfie Seacfjtung. 

Sn britter (unseränberter) 9tuftage liegt folQenbe§, originelle Meifertert bereits öor: 

|(in Mf mt ouf km }mml''Va!"i^s:-.fS%mT'' 

Seil I: ^on !^an '3^xanciico nodi ^le^exan. Tlit Porträt be§ 8Serfaffer§ unb öielen 

^(bbilbungen im 2ejt. 9Jeic^ gebunben b,5ii 55L 

Seil II (Sc^tuB): '^on feßeran nai^ ^oMama luivb in ilüväe jur StuSgabe gelangen. 







Detfleincrte llbbilbung aus ^rcnne(fic, ^ft-^ngfanl». '^'- ~:^y^rj^. 
(Sie^e öic fotgenöe Seite.) 



Perlag von ^erbinanb V}ivt & 5of?n in £eip5ig. 



Qn mi-^x al§ 13,000 93änben !^at foIgenbeS 5)Srad^tttJcrI bereits SSerbrettung gefunben: 




illlit Bcfondprcr fjcrüitfidllignng oon Sage und ©cfiiiiAic, filleraiur und ^unjl 

gefd^ilbert bure^ «Prof. Dr. <ftöoff tircnncAc. groncis ^rocmef, Srttcöridj »on Äcffotofb, Dr. /ions 

/joffmonn, ilicflorb @6crfänbcr, Jo^. ?rör^ u. Dr. ^öoff ^ofcnecrfl. 

üöZit mehreren §unberten »on SU'bilbimgen nadc) Driginatäeitfinungen ber Ijerüovragenbften Sun[t[er. 

Sil 4 gattä lelbftänbiflcn, cinjeln fäiifürfKH SBiinbcn. S" ^vac^tOanb je 20 2)Javf. 

sanb I: üormeöen, Sri)nifkn, Irlanb u. Sil)0ttlanb. fit.lÄ^rÄ't'ö 
sBanb II: Pflnöfrungfii burd) CfnglaniJ u. Pah0. StSfc'n^ÄfB".^'" 
sanbiii: inglanb unii He gonalinfrln. f'S« S'Är;'lf "'" 
sanbiv: fioüanli nnir pünemark. ISünäi^"t:'l\frS^''^"'''^'^^'- 

Sie 6i» auf luenige ßremplare tiergriffenen Sänbe II u. III bie[e§ Unternef)men§ finben Gri'a^ burc^ 
ba§ folgenbe, türjlic^ in gleid&er 3tu§ftatmng erfc^ienene SScrt : 

CM iX ^^AA. ^^i >*.AA. V< (Sine Stubienreife burc^Conbon unb bie®rafid)aften änjiy(|eit Ranat 
JcLlISl!trillllll'll0A «-^iftcniuatt. S8on Aboff SSrcnneiftc. «Kit äQ()lreid)en aiübilbungcn 
O^*'*' ^'^-'^▼•■^»♦■♦♦▼•■•♦^* tmrf) geidjnungen Ijcriionngcnber aünnlcv. i^radjltianb 20 3)J. 

BV 2^ei' Scft 6eicf)vänft fic^ nicfit nnf Berein^iette geogrni)I)iicf)c iinb gcid)icf)llid)e ÜJJitteiUingen, jonbcrn 
er bringt in fefjehiber Sarftetlungälnciie ba§ geiftige, gcicllitfiafllicfie nnb fünftteriidie Seben, bie Sntlöictclung 
ber Saühtnft, bie gnbufirie unb ben SSeltiierfel)r englanbs (mit ftntiftifdjcn SJadjiDeiicn; 5ur Seljanblung. 
Überall finb bie neueften nnb snbcrläjfigftcn Queöenroerfe bcnu^t toorben. 



O 









S 



® 



® 





^npüa (9Jeu=®utncn). 




Sßiifc^mnnit (@üb=9(fnfa). 




^atogonici- iSüöj'Xmcvifn). 



i^otofubiii (Siiij 'ü(mcvita). 



#ec((iiiatii( iicts SeogcapHil'tlie i^ifdiectafefa. 

gür bie Belebung be§ etbfunbltd^en Unterrid^tä unb bie S5eranfc|aulid^ung ber ^auptformen 

bcr ©rboberfläc^e mit befonberer Serüdjicfitigurtg ber SSöIIerfunbe unb Äutturgefd^i^te, 

herausgegeben Don Dr. Jlltttin ®)))iel unb Jlmoltl ^uttmig. 

Xtii I: 2inncmcinc Srbhmbc» 

§erau§gegc6en unter SKitioirfimg öon 
<ßrof. Dr. 6. S-ritfdj (ißertin), Dr. 6, cteipof« 
(SreSbeii) , $ro|. Dr. m. -^ex&mann (SBien) , 'S. 
Ber (Siegnife) unb rieten anbeten ^erBorfa= 
genben gacf)männern. 
3Ktt 319 9t66ilbungen auf 25 Xafcin. 
3Weile 9Xuftage. 
®e§cftet 3,60 jt. (äebunben 4,75 ^. 
©rläuternber Xejt 1 ./f. 




XtH 11: ^ijptft^c Sanbft^aftcn. 

^erausgege&en unter ÜIiitiDirlung pon 
^•.^oni^ (ästen), Dr. ^orfSaülTcr (OaUe), air^arb 
$6ei;(änt)er (Setpätg), »^rof. Sciöert (Sregen^) unb 

öieten anberen fierüorragenben gacfnnänncrn. 

SKit einfüfirenbem 2:ejt unb 29 Sogen Stbbitbungen 

178 Sanbicftaftstiitber enttjattenb. 

3 wette 3luftage- 

(Se^eftet 5 Jl. ®ebunben 6,50 J(. 

Teil ni: ^ölfcrtunbc. 

(5n 3 ^eteifungen.) 

herausgegeben unter 3KttiDirtung Bon 
Dr. 3. ^aumgarfen (gobteui), <£. |So(ft ((£f)cifiia= 
nta), ^ßrof. Dr.Aan (3lmfterbnm),'3i.Äani^ (Sien), 
2)tr. Dr. leülTer (SCntiücrJjen) , *Ciof. Dr. tyortfd^ 

(SreMau), qSrof. SciBcrt (SBregenj)/ Sdjiffcr au5 Neapel. (-Jluä XcU III. i. atbt.) 

JlbtcUun0 1: Itölkerkuniie von &uvopa, 

3Rtt 300 ^otäfc^nitten auf 30 lafetn unb einem furjcn ertäutcrnbcn Xcjt. ©eheftct 5,50 J(. ®eb. 7 Jl. 

Jldt^Uung 2: pölktvkunltt van Jl(icn uttH JlulltraltPtt. 

lIRit 27 Xafetn aibbilbungcn unb einem furjen erläutevnben Sejt. ®efieftet 6,50 .M. ®eb. 8 Ji. 
S)te Slbteilung 3: ^örßerßuntte von ^frifia unft jlmerißa ift in SBorbcreitung unb bcfc^tiejjt ta?, Unternehmen. 

9ܧ ein ermeiterter, ertäuternber 2ejt jum II. Seite ift erfrfjienen: 
^dttllfC^flftOkunZX* 93erfucf) einer 5ä^i)|iognomit ber gefamtcn ©rboberftäcfie in Sfiääen, eöaralte= 
riftifen unb Sc^ilberungcn Don Dr. ^. ^ppd. ®e^eftet 12 Jl. ®ebunben 14,50 Jl. 



•EmpfoWen feien auc^ fotgenbe gcograp^ifc^c efjarafterbilber: 

älfnrrrlinil in ifiPirnnt linh IrrpmflP ®'" gcograptjüc^cS Seiebuc^ »on «Prof. Dr. /ienffaef unb Dr. 

S;11U|UJUU lll SjtUllUl UllU ^UUIUJ:. -mäthet. ÜJJit mcten Sitbent. Xeill: Seutfcftlanb. ®eft.2,50.^ 

®e5. 3,30 Ji. Seit II: (Suropa (SöJit SüVjfc^tuB b. Seutfcften SReit^s). öe^. 3,60 j(. ®eb. 4,50 ^. 

©in ©eitenftücf ju ben üielüerBreiteten „^£Ograp^if(Qett S3in>crtofefn" 5ilb6n: 

#ecitiiiaa(f iicts iillotifdie Biftfectafefn. 

5üu bie Belebung be§ geirf)irf)tli(^en UnterricE)t§ 
herausgegeben üon mehreren praftifd^en @(f)ulmäuhern unb ©ete^rten. 

teil I: Ptt0 lltcrtnm bis jum Hntcrunnue k0 fifibcntums. 2,.5n j^. 

teil II: Pnn be« Infiingc« H. (rijriftcutum0 bis m Öeginn b. XIX. |a|irl|. 2,50 jl 

2eiIIu.II in einemSanöe, nebft erläuternbem Jejt (einjeln IJf) ge^. 6 J^ geb. 7,50 J(. 





Slrabev au? Slbctt. 



Siuöier (3Jorb=Stfrifa). 




©ermane. 



GN 

671 

N5F5 



Finsch, Otto 
Samoaf arten 



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